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Full text of "Palaeontographica"

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OF 

COMPARATIVE    ZOÖLOGY, 

AT  HARVARD  COLLEGE,  CAMBRIDGE,  MASS. 

jffouti'&e'a  bv  ptfbnte  subscrfjrtfcm,  fn  1861. 

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No.    ^f/ <J. 

PALAEONTOGRAPHICA. 


BEITRÄGE 


NATURGESCHICHTE  DER  VORWELT. 


Zwanzigster  Band.    Erster  Theil. 


Herausgegeben 


DR  WILHELM  DUNKER  &  DR    K.  A.  ZI  TT  EL 

in  Marburg.  in  München. 


CASSEL. 

Verlag    von    Theodor   Fischer. 

1871—1875. 


Das 


ELBTHALGEBIRGE 


SACHSEN 


Dr.  Hanns  Bruno  Greinitz, 

Kitter  des  Königl.  Sachs.  Verdienstordens  und  des  Kais.  Brasilianischen  Kosenordens,  König].  Sachs.  Hofrath,  Director  des  Königl.  Minera- 
logischen Museums,  Prof.  an  der  Kö'nigl,  polytechnischen  Schule  in  Dresden,  Ehrenmitglied  des  Doctoren-Collegiums  der  K.  K.  Universität 

zu  Wien,  etc. 


Erster  Theil. 


t 


Der  untere  Quader. 

Mit  67  Tafeln  Abbildungen. 
Taf.  1—67. 


Inhalt  des  ersten  Theiles. 


Seite 

Vorwort 3 

Zur  Geologie  des  Elbthals  in  Sachsen 5,  63, 147 

I.    Spongiae.     Schwämme 18 

II.    Korallen  von  Dr.  W.  Bölsche 45 

III.  Badiata.    Strahlthiere 64 

1.  Echinoidea.    Seeigel 64 

2.  Asteroiden     Seesterne 86 

3.  Crinoidea.    Haarsterne 91 

Die  Bryozoen  und  Foraminiferen,  von  Dr.  Aug.  Em.  von  Reuss 95 

A.  Bryozoen 97 

B.  Foraminiferen 134 

C.  Nachtrag  zu  den  Anthozoen 141 

IV.  Mollusca.    Weichthiere 149 

1.  Brachiopioda.    Armfüsser 149 

2.  Pelecypoda.    Beilfüsser.     Conchiferen 169 

3.  Gasteropoda.    Bauchfüsser,  Schnecken 239 

4.  Cephalopoda.     Kopffüsser 277 

V.  Vermes.    Würmer.     (Annulata) 282 

VI.    Crustacea.    Krebse 288 

1.  Cirripedia.    Rankenfusser 288 

2.  Aspidostraca,  Entomostraca,  Schildkrebse,  Ostracoda  Muschelkrebse 289 

3.  Thoracostraca.    Schalenkrebse.    (Decapoda,  Zehnfüsser) 289 

VII.    Fische 293 

1.  Placoiden.    Körnschupper,  Knorpelfische 293 

2.  Ganoiden.     Glanzschupper,  Eckschupper 300 

VIII.    Beptilia.     Saurier 303 

IX.   Pflanzen 304 

Index  generum  et  specierum 311 


I.  Die  Seeschwämme  des  unteren  Quaders 


Dr.  Hanns  Bruno  Geinitz. 
Tat'.  1—10. 


Vorwort. 


Seit  Veröffentlichung  meiner  ersten  Mittheilungen  über  das  Quadergebirge  in  Sachsen  in: 

„Charakteristik    der    Schichten    und    Petrefacten    des    sächsisch-böhmischen 
Kreidegebirges,   Dresden  und  Leipzig,    1839—1842" 
und  dem  1843  erschienenen  Nachtrage  dazu,   welcher  auch  die  Versteinerungen  von  Kieslings- 
wal da  enthält,  ist  ein  Menschenalter  vergangen. 

Die  1850  versandte  neue  Ausgabe  —  nicht  Auflage  —  dieser  Schrift  war  nach  dem  ausdrück- 
lichen Wunsche  des  Verlegers  gänzlich  unverändert  geblieben,  trotzdem  sie  schon  damals  den  Anforderungen 
der  Wissenschaft  nicht  mehr  entsprach ;  sie  konnte  nur  mit  neuen  Erklärungen  der  ungenügenden  Abbildungen 
versehen  werden,  welche,  im  Einklänge  stehen  mit  den  in  des  Verfassers  späteren  Schriften: 

„Das  Quadersandsteingebirge  oder  Kreidegebirge  in  Deutschland,  Freiberg,  1849 
bis  1850,  -8°,  292  S.   12  Taf."  und 

„Das  Quadergebirge  oder  die  Kreideformation  in  Sachsen,  Leipzig,  1850" 
gebrauchten  Namen. 

Sämmtliche  organische  Ueberreste,  welche  das  Königliche  Mineralogische  Museum  in  Dresden  aus  dem 
Quadergebirge  (oder  der  Kreideformation)  überhaupt  besitzt,  sind  in  derselben  Reihenfolge  ange- 
ordnet worden  und  tragen  die  Namen  der  Arten,  welche  „Quad.  Deutschi.  S.  84—277,  unter  Angabe 
ihrer  verticalen  Verbreitung  und  Fundorte  systematisch  aufgeführt  worden  sind.  In  wie  weit  diese  Ordnung 
in  Zukunft  aufrecht  erhalten  werden  kann,  wird  sich  aus  dem  weiteren  Fortschritte  unserer  gegenwärtigen 
Arbeiten  ergeben. 


Mit  diesen  Blättern  beginnt  eine  neue  M o u o g r a p  h i e  des  Quadergebirges  im  Sächsischen 
Elbthale,  deren  Ausführung  der  Verfasser  seit  Jahrzehnten  zwar  vorbereitet  hat,  jedoch  wegen  dringenderer 
Arbeiten  im  Gebiete  der  älteren  Formationen  bis  jetzt  verzögern  musste.  Als  ein  vorläufiger  Beitrag  hierzu 
ist  seine  Abhandlung: 

„Ueber  die  fossilen  Fischschuppen  aus  dem  Plänerkalke  von  Strehlen"  zu  be- 
trachten, die,  mit  4  Tafeln  Abbildungen  versehen,  in  der  Denkschrift  der  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde 
in  Dresden  der  42.  Versammlung  Deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  in  Dresden  am  19.  September  1868 
überreicht  worden  ist. 

Seit  20  Jahren  wurde  im  Bereiche  dieser  Formation  an  den  verschiedensten  Punkten  der  Erde  sehr 
viel  gearbeitet  und  es  hat  ausserdem  mancher  Zweig  der  Paläontologie  ebenso  gewaltige  Veränderungen 
erfahren,  als  erfreuliche  Fortschritte  gemacht. 

Es  soll  unser  Streben  sein,  dieser  Monographie  in  allen  ihren  Theilen  den  Stempel  des  Fortschrittes 
in  Kunst  und  Wissenschaft  aufzuprägen.  Dass  wir  dabei  in  gewissen  Fällen  die  Anforderungen  der 
Geologie  an  die  Paläontologie  mehr  berücksichtigen  werden,  als  die  der  neueren  Zoologie  und  Botanik, 
entspricht  nicht  allein  dem  Zwecke  dieser  Arbeit,  sondern  auch  der  Stellung  der  Paläontologie  zur  Geologie 
überhaupt. 

Zur  Erreichung  unseres  Zieles  sind  von  der  Gener  aldirection  der  Königlich  Sächsischen 
Sammlungen  für  Kunst  und  Wissenschaft  in  wohlwollender  Weise  die  Mittel  zur  Anfertigung  der 
Zeichnungen  für  das  umfassende  Werk  gewährt  worden,  während  der  Verleger,  aus  dessen  Verlage  schon 
so  viele  künstlerische  Leistungen  hervorgegangen  sind,  wiederum  bemüht  sein  wird,  der  Ausführung  der 
Lithographieen  seine  besondere  Aufmerksamkeit  zu  schenken. 

Ein  grosser  Theil  der  Zeichnungen  wurde  von  Herrn  Maler  Ernst  Fischer  in  Dresden  entworfen, 
dessen  eingehende  Kenntniss  vieler  von  ihm  selbst  bei  Plauen  gesammelten  Versteinerungen  in  unserem 
Museum  das  gegenwärtige  Unternehmen  wesentlich  fördert;  andere  Zeichnungen  werden  unter  den  Augen 
des  Professor  von  Reuss  in  Wien  und  durch  die  artistische  Anstalt  der  Verlagshandlung'  in  Cassel  ausgeführt. 

Für  den  wissenschaftlichen  Theil  der  Arbeit  ist  mir  die  Unterstützung  meines  langjährigen  Freundes 
Prof.  Dr.  von  Beuss  in  Wien,  welcher  die  Bnjosoen  bearbeiten  wird,  und  des  Herrn  Dr.  W.  Boelsche 
in  Braunseli weig,  der  sich  der  eigentlichen  Korallen  angenommen  hat,  zugesagt  worden. 

Die  Drucklegung  uuserer  Monographie  soll  in  zwei  Theilen  erfolgen,  deren  jeder  in  einzelnen,  in  sich 
abgeschlossenen  Heften  rasch  erscheinen  wird.  Der  erste  Theil  ist  für  den  unteren  (cenomanen)  Quader 
und  Pläner,  der  zweite  Theil  für  den  mittleren  und  oberen  (turonen  und  senonen)  Quader 
mit  seinen  Plänerbildungen  u.  s.  w.  bestimmt.  Diese  Scheidung  gewährt  den  Vortheil  einer  mehr  sicheren  Be- 
urtheilung  der  noch  mehrfach  verkannten  geologischen  Stellung  der  einzelnen  Glieder  unseres  Quadergebirges 
und  wird  die  beabsichtigte  Bearbeitung  einer  neuen  geologischen  Karte   des  Eibthals  wesentlich  unterstützen. 

Dresden,  den  1.  März  1871. 

Dr.  H.  B.  Geinitz. 


—     5 


A.  Geologie  des  Eibthals  in  Sachsen. 

Das  Sächsische  Elbthal,  in  dessen  Mitte  Dresden  fällt,  wird  von  zwei  alten  Gebirgszügen  ein- 
gefasst,  welche  im  Wesentlichen  aus  Granit  und  Syenit  bestehen.  Der  eine,  das  rechte  Ufer  der  Elbe 
begrenzende  Zug  bildet  eine  ununterbrochene  Kette  von  NW.  nach  SO.  zwischen  Seusslitz  unterhalb  Meissen, 
über  Klotzscha,  N.  von  Dresden,  Pohrsberg  bei  Pillnitz,  Hohnstein  und  der  Gegend  von  Rumburg  in  Böhmen, 
um  sich  von  diesem  nördlichen  Rande  des  Elbthales  aus  in  das  umfängliche  Granitgebiet  der  Oberlausitz 
nach  N.  und  NO.  hin  weiter  auszubreiten. 

Der  andere  grosse  Zug,  der  die  linke  Seite  des  Elbthales  begrenzt,  welchem  man  auch  das  jetzt  durch 
die  Elbe  getrennte  Spaargebirge  bei  Meissen  zurechnen  muss ,  geht  von  der  Gegend  bei  Zehren  und  Zadel 
unterhalb  Meissen  bis  zu  den  Syenitfelsen  des  Plauen'schen  Grundes  bei  Dresden,  findet  seine  Fortsetzung  in 
südöstlicher  Richtung  in  den  Graniten  des  Gamighügels  zwischen  Leubnitz  und  Kauscha,  bei  Kauscha 
selbst,  bei  Lockwitz,  Dohna,  Dohma  und  Gottleuba  und  endet  bei  Niedergrund  in  Böhmen,  wo  er  die 
Elbe  überschreitet.  *) 

Syenit  und  der  alte  normale  G  ebir  gsgran  it,  wie  er  z.  B.  im  Spaargebirge  und  am  Riesensteine 
bei  Meissen  auftritt,  sind  nahezu  von  gleich  hohem  Alter  und  es  finden  sich  zwischen  beiden  mannichfache 
petrographische  üebergänge.  Sie  stellen  auch  hier  das  älteste  Eruptivgebirge,  unserer  Erdrinde  dar,  welches 
die  älteren  krystallinischen  Schiefer,  Gneiss  und  Glimmerschiefer,  und  den  Thonschiefer  durchbrochen  und 
letzteren  oft  bis  in  das  Innerste  seiner  Masse  metamorphosirt  hat. 

Eine  breite  Zone  dieser  Ur  thonschi  ef  er  lehnt  sich  an  den  südlichen  Rand  jenes  grossen  Syenit- 
und  Granitzuges  auf  der  linken  Seite  des  Elbthales  an,  unterlagert  von  Glimmerschiefer  und  Gneiss.  Sie  bildet 
die  nördlichsten  und  östlichsten  Ausläufer  des  Erzgebirges,  dessen  Züge  hier  fast  rechtwinkelig  mit  dem  Eib- 
gebirge zusammenstossen.  In  das  Gebiet  dieses  Thonschiefers  fallen  mächtige,  zum  Theil  sehr  ergiebige  Lager 
krystallinischer  Kalke,  meist  von  feinkörniger  und  kryptokrystallinischer  Beschaffenheit,  zum  Theil  auch  serpen- 
tinhaltig  und  mit  Spuren  von  eozonaler  Structur,  wie  bei  Maxen.  Sie  gehören  demnach  in  die  Gruppe 
der  laurentischen  (loreuzischen)  Bildungen,  die  auch  in  Sachsen  über  dem  alten  oder  Fundamental-Gneisse 
unterschieden  werden  kann.2)  Die  Silurformation  ist  in  dieser  Schieferzone  durch  einige  Züge  von 
Grapolithen-inhr  enden  Kieselschiefern  vertreten,  welche  durch  G.  Kirsten  in  der  Gegend  von  Wilsdruff  ent- 
deckt worden  sind.3) 


')  Vgl.  die  geognostische  Karte  des  Königreichs  Sachsen,  von  Naumann  und  Cotta,  Sectionen  X  (Dresden),  XI  Frei- 
berg),  VI    (Bautzen)    und    VII    (Zittau),     sowie     die    geognostische    Generalkarte    des    Königreichs    Sachsen,    von    Naumann 
1845,    oder  auch:    Brokk's  geognostische  Karte  der  Umgegend   von   Dresden,    nach   C.  Naumann  und  B.  v.  Cotta.  Dresden, 
E.  Arnold,  1868. 

2)  Vgl.  Jahrb.  f.  Volks-  u.  Landwirtbschaft.  Dresden  1870—71.  Bd.  X.  S.  85. 

s)  Denkschr.  d.  Ges.  Isis  in  Dresden,  1860.  S.  67. 


—     6     — 

Kleinere  und  grössere  Schollen  jener  Urschiefer  finden  sich  nicht  selten  in  unseren  benachbarten 
Granitgebieten,  so  bei  Kauscha,  Lockwitz,  im  Müglitzthale  bei  Dohna  und  Weesenstein ,  im  grössten  Maass- 
stabe aber  in  den  Gegenden  von  Radeburg  und  Radeberg,  im  N.  von  Dresden. 

Gänge  von  jüngerem  Granit  durchsetzen  im  Keilbusche  unterhalb  Meissen  an  dem  linken 
Eibufer,  sowie  auch  am  rechten  Eibufer  bei  Meissen,  in  einer  ähnlichen  Weise  aber  auch  in  dem  Plauen- 
schen  Grunde  bei  Dresden  u.  s.  w.  den  Syenit  und  nehmen  diesem  gegenüber  dieselbe  Stelle  ein,  welche  der 
feinkörnige  Ganggranit  in  dem  grobkörnigen  Normalgranite  bei  Carlsbad  und  anderen  berühmten 
Stellen  behauptet. 

Die  Gegend  von  Meissen  ist  besonders  reich  an  Porphyren  verschiedenen  Alters.  Als  der  älteste 
gilt  dort  der  bei  Dobritz  und  im  Triebischthale  auftretende  lichte  Thonsteinporphyr  oder  Dobritzer  Por- 
phyr Naumann's.  Dieser  wird  von  einem  quarzfreien  und  glimmerreichen,  dunkelbraunen  Porphjr  gang- 
förmig durchbrochen,  den  man  als  Glimmerporphy rit  bezeichnet  und  mit  dem  braunen  Wilsdruffer 
Porphyr  Naumann's  zu  vereinigen  pflegt,  wiewohl  unter  letzterem  oft  Porphyre  verschiedenen  Alters  und 
Charakters  zusammengefasst  werden.  Jünger  als  dieser  Glimmerporphyrit  ist  der  quarz-  und  feklspathreiche 
Zehren  er  Porphyr  Naumann's.  welcher  Gänge  im  letzteren  bildet. 

Unter  den  in  der  Nähe  von  Dresden  vorkommenden  Porphyren  verdient  vor  allem  hervorgehoben 
zu  werden  der  an  kleinen  Hornblendekrystallen  reiche  Potschappeler  Porphyr  Naumann's,  oder  Horn- 
blendeporphy  rit ,  welcher  älter  ist  als  die  Steinkohlenformation  des  Plauen'schen  Grundes.  Letztere  hat 
sich  an  und  auf  seinen  Kuppen  abgelagert  und  enthält  in  ihren  tiefsten  Schichten  zahllose  Brocken  von  ihm 
als  Geschiebe.  Einzelne  Bruchstücke  dieses  Hornblendeporphyrits  sind  auch  in  den  braunen  Wilsdruffer  Por- 
phyr übergeführt  worden. 

Die  Porphyre  des  Tharander  Waldes,  welche  zum  Theil  die  Basis  für  den  unteren  Quader- 
sandstein bilden,  mögen  in  ihrem  Alter  nahezu  mit  dem  Zehrener  Porphyr  zusammenfallen;  ihre  Bildungszeit 
gehört  jedenfalls  der  Periode  der  unteren  Dyas,  oder  des  unteren  Rothliegend en,  an,  ebenso  wie  dies  mit 
vielen  Porphyren  in  der  Gegend  von  Dippoldiswalda,  Liebstadt,  Dohma  und  Dohna  der  Fall  ist.  Der  T  h  o  n  - 
Steinporphyr  von  Hänichen  hat  am  Goligberge,  S.  von  Dresden,  selbst  noch  das  obere  Rotbliegende 
durchbrochen  und  wurde  daher  schon  von  Naumann  als  der  jüngste  Porphyr  in  Sachsen  bezeichnet.1) 

Dass  der  auf  dem  rechten  Eibufer  bei  Weissig,  0.  von  Dresden,  an  der  Grenze  des  Quadersandsteines 
auftretende  Mandelsteinporphyr  (Amy  gdalophyr  Jenzsch)  nur  eine  Abänderung  des  älteren  Mela- 
phyrs  (oder  Basaltits)  sei,  welcher  ebenfalls  der  Bildungszeit  der  unteren  Dyas  angehört,  ist  im  N.  Jahrbuche 
f.  Min.  1856  p.  G66  gezeigt  worden. 

Die  den  silurischen  Kieselschiefern  in  der  Nähe  des  Sächsischen  Elbthales  zunächst  folgende  Sedi- 
mentärbildung ist  die  Steinkohlenformation  des  Plauen'schen  Grundes,  welche  zum  Theil  auf 
Urthonschiefer,  zum  Theil  auf  Syenit  und  Hornblendeporphyrit  aufgelagert  ist  und  grösstentheils  vom  Roth- 
liegenden, theilweise  auch  vom  Quader  und  Pläner  bedeckt  wird.  Sie  gehört  der  oberen  Etage  der  productiven 
Steinkohlenformation  oder  der  Zone  der  Farne  und  Ahnularien  an.  Dieses  Steinkohleugebiet  fällt 
schon  über  die  südliche  oder  linke  Begrenzungslinie  des  Elbthales  hinaus,  unter  deren  Schutze  gegen  die, 
das  Eibthal  wohl  schon   in  jener  fernliegenden  Zeit  durchströmenden  Gewässer  sich  torfmoorartige  Bildungen 


')  Vgl.  Geinitz,  geogn.  Darst.  d.  Steinkohlenformation  in  Sachsen,  mit  besonderer  Berücksichtigung  des  Rothliegenden. 
Leipzig,  1856. 


dort  ruhig  entwickelt  haben.  Nach  den  vom  Verfasser  gewonnenen  Erfahrungen  ist  keine  Hoffnung  vorhanden, 
in  dem  eigentlichen  Elbthale  Steinkohlenlager  auf  ursprünglicher  Lagerstätte  zu  finden.  Auch  hat  das  Vor- 
kommen einiger  schwacher  Brandschieferlagen  der  unteren  Dyas  an  der  Grenze  des  schon  erwähnten 
Mandelsteinporphyrs  von  Weissig  nur  zu  vergeblichen  Versuchen  nach  Steinkohlen  geführt. 

Ungleich  weiter,  als  die  Steinkohlenformation,  ist  das  ihr  unmittelbar  folgende  Rothliegende, 
mit  seinen  mannichfachen  Gesteinsabäuderungen,  darüber  aasgebreitet.  Seine  Schichten  wurden  selbst  noch 
in  einigen  artesischen  Brunnen  Dresdens,  namentlich  auf  dem  Antonsplatze  und  an  der  Dresdener  Papierfabrik, 
unter  dem  unteren  Quader  durchschnitten. 

Genauere  Aufschlüsse  über  die  Steinkohlenformation  und  das  Rothliegende  dieser  Gegenden  sind  in 
verschiedenen  Schriften  des  Verfassers,  zuletzt  noch  in  der  „Geologie  der  Steinkohlen  Deutsch- 
lands", München,  1865,  gegeben  worden. 

Zwischen  dem  Rothliegenden  und  dem  Quadergebirge  fehlt  im  Allgemeinen  hier  jede  andere  sedi- 
mentäre Ablagerung;  nur  in  der  Sächsischen  Schweiz  findet  man  in  der  Gegend  von  Hohnstein,  Saupsdorf 
und  Hinter-Hermsdorf  Glieder  der  Juraformation  aufgeschlossen,  die  an  der  Grenze  des  Granitesund 
Quadersandsteines  unter  eigenthümlichen  Verhältnissen  auftreten.  Sie  gehören  der  grossen  Erhebungslinie  an, 
die  in  der  Längsrichtung  des  nördlichen  Harzrandes  bei  Oberau,  Weinböhla,  Klotzscha  in  Sachsen 
durch  steile  Aufrichtung  von  Schichten  des  Pläners  am  Syenit  und  Granit,  bei  Hohn  st  ein,  Saupsdorf 
und  Hinter-Hermsdorf  durch  Emportauchen  jurassischer  Gesteine  zwischen  Quader  und  Granit,  und  von 
dortaus  weiter  nach  Böhmen  verfolgt  worden  ist.1) 

Bei  Hohnstein  wurde  seit  langer  Zeit  auf  einen  Jurakalk  gebauet,  der  von  Granit  überlagert  war 
und  auf  Quadersandstein  lag.  Jetzt  scheint  der  reinere  Kalk  dort  fast  ganz  abgebauet  zu  sein  und  man  findet 
dort  meist  nur  ein  sandiges  Conglomerat  von  grünlichgrauem  Kalkstein  und  gelbbraunem  Dolomit  mit  Bohr- 
lochausfüllungen  von  Pholas  Zeuschneri  Gein.  Bei  Saupsdorf  beobachtet  man  in  einem  auf  Kalkstein 
betriebenen  Grubenbau  die  unmittelbare  Auflagerung  des  Granites  auf  dem  Quadersandsteine,  beide  Gesteine 
nur  durch  eine  Mergelschicht  getrennt,  bei  Hinter-Hermsdorf  nahe  an  der  böhmischen  Grenze  finden  sich 
ebenfalls  Kalkstein  und  Mergel  unter  ähnlichen  Verhältnissen,  wie  bei  Hohnstein,  anstehen. 

Eine  ähnliche  steile  Aufrichtung  der  Plan  er  schichten,  wie  am  Syenit  zwischen  dem  letzten 
Heller  und  Klotzscha,  N.  von  Dresden,  ist  auch  auf  der  linken  Seite  der  Elbe  zwischen  Dresden  und  Meissen 
bei  Niederwartha  entblösst.  Mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  sind  diese  Hebungen  sämmtlich  auf  basaltische  Empor- 
tretbungen  zurückzuführen,  die  auch  am  Maschkenberge  unweit  Schönlinda  in  Böhmen,  welcher  in  jene 
Hebungslinie  fällt,  handgreiflich  werden.  Basalte  kommen  in  dem  hier  besprochenen  Gebiete  häufig  vor, 
sowohl  auf  der  rechten  als  auch  auf  der  linken  Seite  des  Elbthales,  namentlich  im  Bereiche  der  Sächsisch- 
Böhmischen  Schweiz.  Der  linken  oder  südlichen  Seite,  welche  das  Eibthal  begrenzt,  gehören  der  Asche r- 
hübel  und  Landberg  des  Tharander  Waldes  an,  dessen  Basalte  zahlreiche  Einschlüsse  des  von  ihnen 
durchbrochenen  Felsitporphyrs  und  selbst  Quadersandsteins  enthalten,  der  Wi lisch  bei  Kreischa,  dessen  Basalt 
aus  dem  Gneisse  hervortritt,  der  Cottaer  Spitzberg,  welcher  den  Quader  und  Pläner  durchbrochen  hat,  und 
der  sogenannte  Melaphyr  in  dem  Plauen'schen  Grunde.  Dieses  augitreiche  Gestein,  welches  Gänge 
im  Syenit  in  der  Nähe  des  Forsthauses  bei  Plauen,  sowie  besonders  deutlich  an  dem  Tunnel  und  dem  benach- 
barten Felsenkeller  bildet,   kann   seiner   petrographischen    Beschaffenheit   und  seinem  Alter  nach  nur  zu  dem 


Vgl.  Cotta,  geognost.  Wanderungen,  II.  18S8,  und  0.  Lenz,  in  Zeitschr.  f.  d.  ges.  Naturw.  in  Halle,  1870.   Mai. 


Basalte  gestellt  werden.  Ihm  verdankt  man  ganz  vornehmlich  die  Entstehung  eines  Theiles  des  Plauen'schen 
Grundes,  jenes  schönen  Felsenthales,  durch  welches  gegenwärtig  die  Weisseritz  fliesst.  Die  jetzt  von  beiden 
Seiten  des  Plauen'schen  Grundes  vom  Grunde  aus  abwärts  fallenden. Pläuerschichten,  die  den  Syenit  bedecken, 
müssen  ursprünglich  eine  zusammenhängende  Decke  gebildet  haben,  die  erst  durch  eruptive  Thalbildung  hier 
zerrissen  worden  ist.  Wäre  der  Plauen'sche  Grund  schon  vor  der  Ablagerung  dieser  Meeresschichten  vorhanden 
gewesen,  so  hätten  sich  diese  sicher  auch  im  Grunde  selbst  abscheiden  müssen;  in  dem  Grunde  aber  findet 
sich,  mit  Ausnahme  an  seinem  Ausgange,  keine  Spur  von  Quader  oder  Pläner,  welche  mindestens  noch  an 
einigen  durch  Felsenvorsprünge  geschützten  Stellen  darin  vorkommen  würden,  wo  man  jetzt  nur  diluviale 
Ablagerungen,  wie  Kies  und  Lehm  oder  Löss,  angetroffen  hat,1)  Jedenfalls  ist  dieses  Felsenthal  erst  nach 
der  Ablagerung  des  unteren  Pläners  entstanden. 

In  dem  Quadergebirge  des  Elbthales  lassen  sich  drei  Hauptetagen  unterscheiden,  welche  in 
früheren  Schriften  des  Verfassers  genauer  beschrieben  und  ausserdem  schon  vielfach  besprochen  worden  sind: 

1 .  Unter  -  Quader , 
mit  unterem  Quadersandstein,   unterem  Pläner  etc. 

Der  erstere,  welcher  zum  Theil  auch  als  Grünsand  und  Grünsandstein2)  auftritt,  ist  zunächst  in  drei 
artesischen  Brunnen  von  Dresden  erbohrt  worden,  worüber  die  folgenden  Profile  Aufschluss  ertheilen: 

Feld-  Dresdener 

schlösschen.  Papierfabrik.    Antonsplatz.  Antonstadt. 

Kies  und  Sand 58'  2"  40'  7"              54'               57' 

Mittler  und  unterer  Pläner 195'  91/»"  319'  9'/»"        460'             782' 

Unterer  Quadersandstein  oder  Grünsand      .           —  23'  7lj%"          68'              20' 

Rothliegendes  (Dyas) 4'  5"            258' 

Tiefe:  253'  llVa"         388'  5"  840'  859' 

Der  untere  Quadersandstein  bildet  dem  linken  Eibufer  zunächst  eine  isolirte  Partie  bei  Leiteritz, 
wurde  mit  unreinen  Schieferthonen  und  unbrauchbaren  Lagen  von  Quaderkohle  in  einer  Schlucht  zwischen 
Leiteritz  und  Mobschatz,  NW.  von  Dresden,  aufgeschlossen,  ebenso  meist  als  Grünsand  in  dem  von  dem 
Steinkohlenwerke  bei  Zaukeroda  nach  Priessnitz  (oder  Briesnitz)  an  der  Elbe  geführten  Stollen,  zeigt  sich  auf 
dem  rechten  Gehänge  des  Plauen'schen  Grundes  bei  Ko schütz,  wo  sich  von  ihm  die  berühmten  Muschel- 
felsen abzweigen  und  seine  tiefsten  Schichten  den  seltenen  Leopardensandstein  enthalten,  und  bildet  von  hier 
aus  einen  durch  spätere  Fortspülung  vielfach  unterbrochenen  Zug  nach  SO.,  welcher  zunächst  in  dem 
Meiselschachte  bei  Gittersee  wieder  erkannt  worden  ist.  Das  Profil  des  Meiselschachtes  bei  Gittersee  lässt 
nach  den  in  dem  Königl.  Mineralogischen  Museum  bewahrten  Gesteinsproben  von  oben  aus  folgende  Lagen 
unterscheiden : 

8'  4"  Aufschutt bis    8'  4"  Tiefe 

4'  4"  Dammerde     .....        „     12'  8"     „ 
56'  10"  U-nt.  Pläner      ....        „     69'  6"     „ 

4'  6"  Grünsandstein(U.  Quader)  „     82'  3"     „ 
386'  11"  Oh.  Rothliegendes       .      .        „  469'  2"     „ 

')  Vgl.  die  allgemeine  Reihenfolge  der  geologischen  Ereignisse  in  dem  Plauen'schen  Grunde  in  „Geogn.  Darst.  d.  Stein- 
kohlenformation, 1856.  S.  71." 

2)  Ueber  den  Glaukonitgehalt  der  Quader-  und  Plänerbildungen  in  Sachsen  s.  das  Quadergebirge  in  Sachsen,  1850. 


.  —      9     — 

Darunter  lagern  Unteres  Rothliegendes*  und  Steinkohlenformation. 

Von  dort  aus  folgt  er  der  Richtung  über  die  südlich  von  Dresden  gelegenen  Höhen  des  Horken- 
berges  mit  der  Prinzenhöhe,  des  Goligberges  mit  der  goldenen  Höhe,  ferner  zwischen  Golberode 
und  Pabstenau  (oder  Pabisnau),  wo  er  überall  durch  Steinbruchsbetrieb  gut  aufgeschlossen  ist,  und  findet  eine 
weitere  Fortsetzung  in  der  Nähe  von  G  o  r  k  n  i  t  z.  Er  verbreitet  sich  über-  einen  grossen  Theil  des  Tharander 
Waldgebietes  W.  und  SW.  von  Tharand,  in  dessen  Bereich  auch  die  durch  ihre  fossile  Flora  bekannten 
Schieferthone  von  Nieder  schön  a1)  gehören,  welche  den  tiefsten  Schichten  des  unteren  Quaders 
eingelagert  sind,  überlagert  den  Gneiss  von  Gross-  und  Klein-Opitz,  N.  von  Tharand,  bedeckt  die  auf  dem  S. 
und  S.-O.  von  Tharand  sich  ausdehnenden  Gneissgebiete  zwischen  Rabenau  und  Dippoldiswalda,  namentlich 
in  der  Dippoldiswaldaer  Heide  bei  Wendisch -Carsdorf,  Malter  und  Paulshain,  ansehnliche  Flächen 
und  findet  durch  einzelne,  von  seiner  späteren  Zerstörung  übrig  gebliebene  Schollen  seinen  endlichen  Abschluss 
in  den  untersten  Quaderschichten  des  allen  Fachgenossen  wohlbekannten  Tyssa  in  Böhmen.  Auch  bei 
Niedergrund  an  der  Elbe  ist  seine  Existenz  durch  das  Vorkommen  zweier  seiner  wichtigsten  Leitmuscheln, 
Ostrea  carinata  Lam.  und  Pecten  aequicostatus  Lam.,  mit  Sicherheit  festgestellt  worden.  Ebenso  sicher  ist  er 
auf  der  rechten  Seite  der  Elbe  bei  We issig,  0.  von  Dresden  erkannt. 

Die  sogenannte  Werkbank  des  unteren  Quadersandsteins,  welche  in  den  Brüchen  am  Horkenberge 
und  Goligberge  16—18  Fuss  mächtig  wird,  liefert  feste,  meist  feinkörnige  und  gut  zu  bearbeitende  Sandsteine, 
die  sich  zu  Grundlagen  für  Dampfmaschinen,  für  Wassertröge,  Fenstersimse  u.  dgl.  gut  eignen  und  sehr 
gesucht  sind. 

An  seiner  unteren  und  zum  Theil  auch  oberen  Grenze  führt  er  nicht  selten,  ausser  den  vorher 
erwähnten  Niederschöna-Schichten,  die  auch  bei  Paulshain  bekannt  sind,  grobe  Gerolle  und  geht  in  ein  förm- 
liches Conglomerat  über.  Häufig  findet  man  ihn  von  einer  thonigen  und  stellenweis  ziemlich  reinen  Sand- 
Schicht  bedeckt,  welche  namentlich  auf  dem  Horkenberge  in  der  Nähe  der  Prinzenhöhe  von  zahllosen 
Exemplaren  der  Serpula  Plexus  Sow.,  Schalen  kleiner  Austern  und  Terebrateln,  sowie  Resten  von  Gitter- 
schwämmen erfüllt  ist  und  den  Namen  „Serpulasand"  erhalten  hat.  Alle  in  ihm  vorkommenden  Versteine- 
rungen sind  verkieselt! 

Solche  Grenzschichten  pflegen  den  unteren  Quadersandstein  von  dem  unteren  Pläner  zu  trennen,  der 
jedoch  seiuen  organischen  Einschlüssen  nach  mit  dem  unteren  Quadersandsteine  zusammen  nur  eine  einzige 
geologische  Etage,  den  unteren  Quader,  bildet,  welche  sehr  genau  dem  Genom  anien  d'Orbigny's 
oder  der  Tourtia  der  französischen  und  belgischen  Kohlenbergleute  entspricht. 

Der  untere  PI  an  er  ist  in  der  Regel  ein  sehr  feinkörniger,  thoniger  oder  mergeliger  Sandstein 
(Plan  er  Sandstein),  der  sich  durch  seine  lichtgraue  oder  schmutzigweisse  Farbe  und  zahlreichen  dunkeleren 
Flecken  und  Streifen  von  dem  Quadersandsteine  leicht  unterscheiden  lässt,  mit  einem  sehr  verschiedenen 
Kalk-  und  Thongehalte.  Er  bricht  in  Platten  von  \  bis  mehrere  Fuss  Stärke,  die  man  zum  Schleussenbau 
gut  verwenden  kann  und  woraus  zahlreiche  Dorfmauern  ausgeführt  werden,  muss  aber  wegen  geringer  Luft- 
beständigkeit bei  Hochbauten,  wie  an  der  stattlichen  Begerburg  bei  Dölzschen  (oder  Teltschen)  auf  dem 
linken  Gehänge  des  Plauen'schen  Grundes  mit  einem  Mörtelüberzuge  bekleidet  werden. 


')  Vgl.  v.  Ettingshausen,  die  Kreideflora  von  Niederschöna  in  Sachsen.  Wien,  1867.  8°.  3  Taf. 

Palaeoutographica  XX.  1. 


10     — 


Die  Zeichnung  1  gibt  ein  Bild  von  den  genannten  Schichten  des  unteren  Quaders  an  der,  sehr 
vielen  Fachgenossen  durch  eigene  Anschauung  bekannt  gewordenen  Stelle  bei  Koschütz  unfern  der  schon 
erwähnten  Muschelfelseu  und  gegenüber  der  Begerburg. 

a)  ist  unterer  Quadersandstein,  der  bei  den  Bauten  der  Dresden- Tharander  Eisenbahn  viel  Verwendung 
gefunden  hat.  In  seinen  tiefsten,  auf  dem  Bilde  durch  die  Halde  verdeckten  Lagen  war  es  theilweise  Grün- 
sandstein, theils  Leopardensä'ndstein.  Unterhalb  desselben  liegen  noch  jetzt  jene  Koschtitzer  Muschel- 
felsen. Eine  unendliche  Menge  fossiler  Muscheln,  vor  allen  Pectunculus  öbsoletus  Goldf.,  Exogyra  Columba 
Lam.,  Turritella  granulata  Sow.,  Nerinea  Geinitzi  Goldf.,  auch  Sphaerulites-Avten  sind  hier  in  dem  sandigen 
Schlamme  begraben  worden.  Offenbar  war  bei  seiner  Ablagerung  eine  Spalte  oder  kleine  Bucht  in  dem  Meeres- 
grunde, dem  Syenit,  worin  diese  alte  Bevölkerung  des  Quadermeeres  sich  ruhiger  entwickeln  konnte.  Der 
Syenit  ist  später  durch  Verwitterung  und  andere  Ursachen  zerstört  worden,  während  die  Ausfüllungsmasse 
der  Spalte  selbst  bis  auf  neueste  Zeit  noch  den  zerstörenden  Einflüssen  widerstanden  hat. 

b.  ist  eine  an  Syenitgeschieben  sehr  reiche  Conglomeratschicht  als  Zwischenbildung  zwischen  unterem 
Quadersandsteine  und  dem  unteren  Pläner  c),  dessen  tiefere  Schichten  zum  Theil  von  Kieselgallert  durch- 
drungen und  in  Hornstein-  oder  Feuersteinlagen  übergegangen  sind. 

Dieser  ganze  Pläner  ist  reich  an  kalkreichen  und  glaukonitführ  en  den  Knollen,  die 
allerorts    in   Sachsen    in    dem  unteren   Pläner    sehr    gewöhnlich   sind.     Diese   Plänerschichten    enthalten   die 


—    1-1    — 

wichtigsten  der  für  unteren  Quader  und  Pläner  überhaupt  charakteristischen  Versteinerungen,  welche  in  grösster 
Menge  und  Auswahl  auf  dem  sogenannten  hohen  Steine  bei  Plauen  gefunden  werden,  d.  ist  der  jüngere 
Ackergrund  und  Ackerboden. 


Die  zweite  Zeichnung  gibt  eine  Ansicht  der  sackförmigen  Einlagerung  des  unteren  Pläners  b 
im  Syenit  a  auf  dem  hohen  Steine  (auch  Frohberg's  Burg  genannt)  an  dem  rechten  Gehänge  des 
Plauen'schen  Grundes,   nahe  dem  Dorfe  Plauen.    Dieser  leicht  zugängliche  und  vielbesuchte  Ort  ist  eine  der 


—      1-2     — 

reichsten  Fundgruben  für  Versteinerungen  geworden,  und  man  kann  die  Zahl  der  hier  vorkommenden  Arten 
wohl  nach  Hunderten  zählen.  Vor  allem  begegnet  man  hier  ganzen  Bänken  von  Austern,  Ostrea  carinata  Lam., 
0.  diluviana  L.,  0.  hippopodium  Nilss.,  Exogyra  haliotoidea  Sow.,  Ex.  sigmoidea  Rss.,  Ex.  lateralis  Nilss. 
und  anderen  grösseren  Conchylien,  wie  Plearotomaria  sp.,  Ceritliüim  Birclci  Gein. ,  Pecten  elongatus  Lam.. 
Spondylus  striatus  Sow.,  zahllosen  Stacheln  von  Cidaris  vesiculosa  Goldf.  und  Cid.  Sorigneti  Desor,  Bryozoen, 
Seeschwämmen  und  Zähnen  von  Haifischen,  wie  Oxyrhina  angustidens  Bss.  etc.  Ueberall  ist  auf  dem  hohen 
Steine  der  untere  Pläner  unmittelbar  auf  dem  Syenit  aufgelagert  und  in  dessen  Buchten  und  Klüften  eingelagert, 
es  fehlt  ihm  hier  der  Quadersandstein  als  Unterlage,  was  nur  in  früheren  Niveauunterschieden  dieser  Localität. 
im  Vergleiche  mit  Koschütz,  seine  Erklärung  finden  kann.  Das  alte  Quadermeer  hat  jedenfalls  auch  in  der 
Nähe  des  hohen  Steines  zuerst  seine  sandigen,  darin  mechanisch  verteilten  Materialien  abgeschieden,  später 
die  mergeligen  und  kalkigen  Substanzen,  die  sich  zum  grossen  Theile  darin  gelöst  vorfanden.  Es  Hegt  die 
Annahme  sehr  nahe,  dass  das  Material  für  die  sandigen  Ablagerungen  dem  damaligen  Meere  vom  Lande  her 
zugeführt  worden  sei,  und  solche  Zuflüsse  lassen  sich  am  Rande  desselben  namentlich  da  verfolgen,  wo  neben 
sandigem  und  thonigem  Schlamme  zahlreiche  Landpflanzen  eingeschwemmt  worden  sind,  wie  bei  Nieder- 
schöna,  Pauls hain  u.  s.  w.  Oft  sind  die  untersten  Schichten  des  unteren  Pläners  noch  sandig,  oft  aber 
auch,  wie  gerade  bei  Plauen,  sehr  kalkreich,  zum  grossen  Theile  eine  Folge  der  unzähligen  Trümmer  von 
Kalktheilen  darin  eingeschlossener  Seethiere;  zum  Brennen  von  Kalk  hat  er  sich  seiner  Ungleichheit  halber 
nie  geeignet. 

Ganz  entsprechend  den  eben  beschriebenen  Ein-  und  Auflagerungen  des  Pläners  bei  Plauen  sind  jene 
auf  dem  Granithügel  des  Garn  ig  zwischen  Leubnitz  und  Kauscha,  SO.  von  Dresden,  auf  Granit  und  meta- 
morphischem  Thonschiefer  bei  Kauscha  selbst  und  auf  Granit  hinter  dem  Kammergute  Gross-Sedlitz, 
W.  von  Pirna,   worin   gleichfalls  eine  grössere  Reihe  von  Leitmuscheln  für  unteren  Pläner  gefunden  wurden. 

Für  das  Vorkommen  der  Versteinerungen  des  Quadergebirges  im  Allgemeinen  gilt  zunächst  der 
Erfahrungssatz,  dass  man  dieselben  vorzugsweise  in  den  tiefsten  Schichten  der  einzelnen  Ablagerungen  antrifft. 
Dies  ist  entschieden  bei  allen  sandigen  Ablagerungen  der  Gruppe  in  ihren  verschiedenen  Etagen  der  Fall,  bei  ■ 
welchen  die  tiefsten  Bänke  nicht  nur  am  reichsten  an  Versteinerungen,  —  wenn  auch  immer  noch  arm  genug 
daran  —  sind,  sondern  auch,  theils  in  Folge  des  stärkeren  Druckes,  den  sie  erfahren  haben,  theils  aber  auch 
des  kalkreichen  Kittes,  welchen  die  Schalthiere  und  andere  Seethiere  geliefert  haben,  die  festesten  Werkstücke 
liefern.  An  den  Fossilien  des  Sandsteines  selbst  ist  meist  aller  Kalk  verschwunden  und  nur  ihre  Steinkerne 
oder  Abdrücke  sind  übrig  geblieben.  Es  wiederholt  sich  aber  ebenso  in  den  kalkigen  oder  mergeligen  Ablage- 
rungen der  verschiedenen  Etagen,  wo  die  Schalen  der  Conchylien  und  kalkigen  Theile  der  Versteinerungen 
-überhaupt  noch  wohlerhalten  sind,  wenn  sie  nicht  durch  eine  spätere  Verwitterung  an  der  Oberfläche  des 
»'Gesteines  verloren  gingen. 

In  der  dritten  Zeichnung  liegt  eine  Ansicht  von  einem  anderen  sehr  reichen  Fundorte  für 
7VersteineriiDgen  des  unteren  Pläners  an  der  rechten  Seite  der  Weisseritz  nahe  dem  Forst  hause  bei 
T5  lauen  vor.  Es  ist  dieselbe  Stelle,  die  durch  Herrn  Maler  Ernst  Fischer  in  Dresden  und  den  Bahn- 
wärter Aug.  Jul.  Rudolph,  welcher  eine  Reihe  van  Jahren  dort  stationirt  war,  mit  grossem  Erfolge  im 
Interesse  der  Wissenschaft  ausgebeutet  worden  ist  und  uns  einen  grossen  Theil  des  Materiales  in  die  Hände 
gelangen  Hess,  worüber  diase  Blätter  Rechenschaft  geben.  Das  von  Herrn  E.  Fischer  entworfene  Bild  zeigt 
bei  a  Syenit,  In  dessen  Buchten  und  Spalten  wellig  gelagerte  Schichten  des  unteren  Pläners  ruhen.  In 
.letzterem  enthalten  die  mit  b  unterschiedenen  Schichten  sehr  feste,  fast  dichte  Kalksteine  mit  vielen  Brachio- 


—     13     — 

poden,  wie  Terebratula  phaseolina  Lam.,  Ehynchonella  compressa  Lam.,  Terebratulina  striatula  Mant.,  Ostreen. 
grosse  Arten  von  Peden,  Lima,  anderen  Muscheln  und  von  Schnecken.  Darüber  lagern  bei  c  unreine  Schichten 
von  Plänerinergel ,  die  stark  verwittert  sind.  Die  mit  d  bezeichneten  Stellen  sind  überfüllt  mit  zierlichen 
Gasteropoden,  kleinen  Muscheln,  Tafeln  von  Seesternen,  Seeigeln,  Korallen  und  Bryozoen,  welche  inmitten 
grosser  Rollstücke  von  Syenit  eine  wahre  Liliputfauna  zeigen,  welche  von  dieser  Brutstelle  ausgegangen  sein 
mag.  e  deutet  Syenitgrus  mit  Brocken  von  Pläner  an,  /  Dammerde  mit  verwittertem  Syenit. 


2.    Mittel-Quader  und  Mittel-Pläner. 

Eine  mehrere  Fuss  und  selbst  Meter  mächtige  Thonschicht  (Plänerthon)  trennt  in  der  Gegend  von 
Dresden  den  unteren  Pläner  von  dem  mittlen  Plan  er,  dessen  Region  oft  mit  dünnplattigen  Schichten 
beginnt,  welche  den  Namen  „Zw  ick  plan  er"  führen.  Man  verwendet  sie  häufig  als  Zwischenlagen  zwischen 
Sandsteinquadern  bei  dem  Häuserbau.  Sie  werden  für  Dresden  aus  den  Plänerbrüchen  der  benachbarten  Dörfer 
Cotta  und  Leutewitz  bezogen. 


14     — 


In  dem  Elbthale  zwischen  Meissen  und  Pirna,  dessen  linke  Seite  der  mittle  Pläner  von  Gauernitz 
an  unaufhörlich  begleitet,  tritt  er  als  graues,  gelblich  beschlagendes  Mergelgestein  auf,  das  sich  in  dünn- 
oder  dicksckieferigen  Platten  absondert  (Plänermer gel).  Der  Thon-  und  Kalkgehalt  nimmt  darin  im  All- 
gemeinen nach  oben  hin  zu,  bis  er  zuletzt  die  thon-  und  kalkreiche  Sohle  des  oberen  Pläners  oder 
Plänerkalkes  von  Weinböhla  und  Strehlen  bildet,  in  den  er  allmählich  verläuft. 

Recht  charakteristisch  sieht  mau  den  Mittelpläner  an  der  bei  Priessnitz  (oder  Bries  nitz)  an  der 
Elbe  aufgedeckten  Wand.  Dieser  Pläner  unterlagert  ganz  Dresden  flach  muldenförmig  und  die  im  Norden  von 
Dresden  zwischen  dem  letzten  Heller  und  Klotzscha  bekannten  Plänerschichten  stellen  nur  die  Fortsetzung 
jener  im  Süden  von  Dresden  dar.  Seine  obersten  thonreichen  und  daher  undurchlässigen  Schichten  haben 
für  die  Wasserversorgung  des  Elbthales  eine  hohe  Bedeutung,  da  sich  auf  ihnen  die  Grundwässer 
ansammeln,  welche  sich  in  dem  darüberliegenden  Kies  und  Sand  des  Diluviums  ansammeln  und  aus  zahl- 
losen Quellen  und  Brunnen  zum  Vorschein  gelangen.  Andere  Wasserläufe  kommen  jedoch  auch  in  den  mehr 
sandigen  Schichten  des  Pläners  selbst  vor,  wie  das  anstehende  Profil  des  186  1  beendeten  arte- 
sischen Brunnens  an  der  Dresdener  Papierfabrik  zeigt. 

Von  oben  grober  Kies  (Diluvium) .      .bis    40'  7"  Tiefe. 

Thoniger  Plänermergel,  licht-  oder  dunkeler  grau     .... 

Sandiger  Plänermergel     .  

Desgleichen  oder  Plänersandstein 

Lichtgrauer  sandiger  Plänermergel 

Graublauer  Mergelthon  oder  Lette  mit  Eisenkies      .      . 

Lichtgrauer  thoniger  Plänermergel 

Weisslichgrauer    fester    Plänermergel,    dann    dunkelgrau    und 


CS  T3 


174' 

8" 

178' 

7" 

196' 

3" 

224' 

5" 

227' 

3" 

266' 

7'/2" 

280' 

ö'/a" 

304' 

6" 

310' 

7" 

353' 

6" 

360' 

41/*" 

363' 

11" 

364' 

3" 

365' 

2" 

g       /Plänersandstein 

,§  ^     Grünlichgrauer,  feinkörniger,  thoniger  Sandstein 

^  °°  I  Desgleichen 

.2  §    Plänermergel  mit  viel  Glaukonitflecken,  wie  im  unteren  Planer 

a 

P      {  gewöhnlich  ist 

'Feinkörniger  Grünsandstein 

Sehr  festes  Quarzgestein 

Kluft  mit  Grttnsand  erfüllt 

(woraus  ein  starker  Quell  entsprang). 

Zahllose  Schalen  von  kleinen  Austern  u.  s.  w 

(entsprechend  dem  Serpulasande). 
Lichtgrauer  oder  weisslicher  Quadersandstein  mit  Kaolin  u.  s.  w. 
Desgleichen  mit  Conglomeraten  von  kaolinhaltigen  Gebirgsarten 
und  Quarz,   wie  am  Tunnel   von  Oberau  und  in  dem 

Zaukerodaer  Elbstollen 

Rothliegendes 

Es  zeigten  sich  Schwächere  Quellen  bei  197'  4",  bei  288'  6",  zwischen  308'  7"  und  310'  10",  bei  328'  3",  356'  und 
358'  Tiefe,  die  stärkste  Quelle  hat  man  bei  365'  2"  Tiefe  offenbar  in  dem  Serpulasande  erreicht. 

Unter  Annahme  eines  ähnlichen  Verhaltens  der  Mächtigkeit  des  unteren  und  mittlen  Pläners  in  den 
anderen,  S.  8  angeführten,  Bohrbrunnen  Dresdens,  wie  sie  in  diesem  artesischen  Brunnen  die  wahrscheinliche 
ist,  nämlich  1:3,  so  würde  maii  auf  dem  Antonsplatze  löß^'s'  für  den  unteren  und  3062/3'  für  den  mittlen, 
in  dem  Siemens'schen  Bohrbrunnen  in  Antonstadt-Dresden  aber  2602/3'  für  den  unteren  und  521  lJ3'  für  den 
mittlen  Pläner  festhalten  können.  Andere  Anhaltepunkte  hierfür  sind  aus  beiden  Bohrbrunnen  jetzt  nicht  mehr 
zu  entnehmen. 


366'  — 


375'  11" 


384'  — 
388'  5" 


—      15     — 

Südöstlich  von  Pirna,  schon  im  Gebiete  der  Sächsischen  Schweiz  beginnt  dieser  Mittelpläner 
mehr  und  mehr  zu  versanden  und  geht  durch  einen  mergeligen  Plänersandstein,  den  man  noch  im  Gottleube- 
thale  zwischen  Pirna  und  Rottwernsdorf  (vulgo  Rottendorf)  antrifft,  allmählich  in  den  mittlen  Quader - 
Sandstein  oder  Bildhauersandstein  über,  welcher  in  vielen  ansehnlichen  Brüchen  in  den  Umgebungen 
des  Cottaer  Berges  gewonnen  wird  und  wegen  seines  feinen  Kornes  und  seiner  leichten  Bearbeitbarkeit,  zu 
Ornamenten  und  Bildhauerarbeiten  aller  Art  die  meiste  Verwendung  findet.  Die  Hauptbrüche  für  diesen  Bild- 
hauersandstein liegen  bei  Rottwernsdorf,  im  Lohmgrunde,  bei  Gross-  und  Klein-Cotta  und 
bei  Neundor f. 

Seine  nahe  Verwandtschaft  mit  einem  Plänersandsteine  spricht  sich  nicht  allein  durch  das  feine  Korn, 
sondern  auch  durch  einen  grösseren  Thon-  und  Kalkgehalt  aus,  der  es  oft  nöthig  macht,  die  aus  ihm  an- 
gefertigten Gegenstände  mit  einem  Oelanstriche  zu  versehen,  um  einer  Verwitterung  an  einzelnen  Stellen 
vorzubeugen.  Das  Leitfossil  für  den  Mittel -Quader  ist  Inoceramus  labiatus  Schi.  (Inoc.  mytiloides  Sow.), 
der  in  dem  Cottaer  Bildhauersandsteine,  wie  in  dem  mittlen  Pläner  bei  Priessnitz  u.  a.  0.  des  Elbthales,  die 
gewöhnlichste  Versteinerung  ist.  In  Frankreich  hat  man  mit  Hebert  Bildungen  desselben  Alters  schon  als 
„Labiatus-Schichten"  bezeichnet,  ein  Name,  der  zur  Charakteristik  dieser  Schichten  sicher  geeigneter 
ist  als  „unter  Turon." 

Der  Cottaer  Bildhauersandstein  ist  noch  in  unseren  1850  herausgegebenen  Schriften  zum  unteren  Quader- 
sandsteine gerechnet,  während  der  „untere  Quadermergel"  dort  den  unteren  und  mittlen  Pläner  zusammen- 
fasst.  Der  abweichende  Charakter  in  den  organischen  Ueberresten  des  Bildhauersandsteins  von  jenen  des 
eigentlichen  unteren  Quaders  bei  Dresden  blieb  eine  ganz  auffallende  Erscheinung,  die  erst  später  ihre  Lösung 
finden  sollte.  Es  wurde  die  Zusammengehörigkeit  des  Cottaer  Bildhauersandsteines  und  des  mittlen  Pläners 
zuerst  durch  G  um  bei  in  München  auf  einem  gemeinsamen  Ausfluge  in  die  Gegend  von  Cotta  mit  dem  Ver- 
fasser im  Juni  1867  genauer  festgestellt.1) 

Dünne  Platten  eines  glaukonitischen  kalkigen  Sandsteins,  welchen  Gümbel  nach  seinen  in  der  Nähe 
von  Pirna  leicht  zugänglichen  Fundorten  Copitzer-  oder  Cottaer  Grünsandstein  genannt  hat,  folgen 
dem  Bildhauersandsteine  nach  oben  hin  in  der  Gegend  von  Cotta  und  verschiedenen  Orten  des  Gottlaube- 
thales,  insbesondere  bei  Kritzschwitz,  und  werden  überlagert  von  Schichten  des  oberen  Pläners,  die  jedoch 
hier  weit  unreiner  sind,  als  der  eigentliche  Plänerkalk  von  Strehlen  und  von  Weinböhla.  Doch  entsprechen 
sie  ihm  vollkommen  durch  die  organischen  Ueberreste,  Spondylus  spinosus  Sow.,  Inoceramus  Brongniarti 
Sow.,  etc.  Das  Aequivalent  für  den  „Copitzer  Grünsandstein",  welchen  Gümbel  den  „Mallnitzer 
Schichten"  in  Böhmen  gleichstellt,  fehlt  auch  in  England  nicht.  Wie  schon  in  unserer  Abhandlung  „über 
die  fossilen  Fischschuppen  aus  dem  Plänerkalke  in  Strehlen"  bemerkt  worden  ist,  liegt  auf  der  Insel  Wight2) 
unter  dem  grauen  Kreidemergel  (Grey  Chalk,  marl),'  welcher  genau  unserem  Plänerkalke  von  Strehlen  ent- 
spricht, zwischen  ihm  und  dem  oberen  Grünsande  (Upper  Greensand),  dessen  obere  Schichten  gerade  jene 
Labiatus-Schichten  sind,  während  der  übrige  Theil  des  Upper  Greensand  durch  unseren  unteren  Quader  und 
Pläner  vertreten  wird,    eine   1'  bis   3'  Stärke  variirende   Schicht,    welche.   Ibbetson  als   CMoritilc  Marl  oder 


*)  Gümbel  in  Leonhard  u.  Geinitz  N.  Jahrb.  1867  S.  664  u.  in  Sitzb.  d.  Ges.  Isis  in  Dresden,  1867,  S.  72. 
2)  Vgl.  ein  genaues  Profil  des  Captain  Boscawen  Ibbetson  in  der  K.  polytechnischen  Schule  in  Dresden  und  Sitzb. 
d.  Ges.  Isis  in  Dresden,  1863,  S.  156. 


—     16     — 

Kalkphosphat  unterschieden   hat.    Man  darf  wohl  unbedenklich  diese  an  Fossilien  reiche  Schicht  als  das 
Aequivalent  des  „Copitzer  Gr  ünsan  ds  teins"  betrachten. 

Mit  dem  oberen  Pläner  (meist  Pläner  kalk)  schliesst  die  mittlere  Etage  unseres  Quadergebirges 
nach  oben  hin  ab.  Es  ist  der  „mittlere  Quadermergel"  in  den  1849—1850  veröffentlichten  Schriften.  Er  ist 
in  jeder  Beziehung  das  Aequivalent  für  den  Grey  Chalk  marl  in  England  und  kann  bei  Vergleichen  mit  dem 
in  Frankreich  noch  üblichen  Sprachgebrauche  als  ober-turon  bezeichnet  werden.  In  ähnlicher  Weise  hat 
Ferd.  Eoemer  die  oberen  Plänerbildungen  von  Oppeln  in  Oberschlesien,  welche  dem  Strehlener  Niveau 
entsprechen,  den  Turonbildungen  Frankreichs  gleichgestellt.1) 

3.    Ober-Quader  und  Quadermergel. 

Die  obere  Stufe  unseres  Quadergebirges  beginnt  mit  einer  dunkelgrauen  Mergelbildung,  welche  als 
oberer  Quadermergel,  als  Aequivalent  der  Salzbergmergel  bei  Quedlinburg  u.  s.  w.  mit  Belemnitella 
quadrata  aufgefasst  werden  m  u  s  s ,  trotzdem  man  diese  Versteinerung  in  Sachsen  noch  nicht  darin  entdeckt 
hat.  Die  Auflagerung  dieses  oberen  Quadermergels  über  dem  oberen  Pläner  ist  an  mehren  Orten  des  Elb- 
thales,  namentlich  auch  in  dem  Dorfe  Kritzschwitz  beobachtet  worden.  Bei  Abschluss  der  gegenwärtigen  Unter- 
suchungen soll  Weiteres  darüber  berichtet  werden.  Aller  Sandstein,  der  im  Gebiete  der  Sächsischen  Schweiz 
über  diesem  Mergel  lagert,  ist  als  oberer  Quadersandstein  aufzufassen,  als  Aequivalent  des  Sandsteins 
der  Altenburg  unweit  Quedlinburg,  welcher  jenen  Salzbergmergel  überlagert,  des  Aachener  Sandes,  u.  s.  w., 
wie  auch  des  unteren  Theiles  der  oberen  oder  senonen  Kreide  anderer  Länder.  Der  obere 
Quadersandstein  wird  in  zahlreichen  Brüchen  des  eigentlichen  Elbthales  oberhalb  Pirna  und  dessen 
Seitenthälern  gewonnen  und  liefert  das  weit  und  breit  gesuchte  Material  für  Brücken-,  Wasser-  und  Hochbau. 
Er  ist  ein  aus  Quarzkörnern  bestehender,  theils  fein-  und  mittelkörniger,  -  häufig  auch  grobkörniger,  meist 
sehr  regelmässig  geschichteter  Sandstein,  von  vorherrschend  weisser,  blassgrauer  oder  gelblichweisser  Farbe, 
seltener  durch  Eisenoxyde  dunkeler  gelb,  braun  oder  röthlich  gefärbt. 

Wie  schon  erwähnt,  sind  seine  unteren  Bänke  die  festesten.  Dies  ist  bei  seiner  Auswahl  zu  baulichen 
Zwecken  wohl  zu  beachten  und  es  beruhet  die  eigenthümliche  Art  seines  Abbaues  wesentlich  auf  diesem 
Verhältnisse.  Während  die  untere  Partie  einer  hohen  Sandsteinwand  ein  festes  und  vorzügliches  Material  zu 
liefern  pflegt,  hat  ihre  Festigkeit  oft  in  den  mittleren  Theilen  schon  mehr  und  mehr  abgenommen,  und  es 
bildet  die  obere  Partie  derselben  Wand  meist  nur  einen  lose  zusammenhängenden,  leicht  zerdrückbaren  und 
daher  für  bauliche  Zwecke  weniger  geeigneten  Sandstein,  welcher  nur  die  Grösse  der  Halden  vermehren  hilft. 
Diese  mitunter  über  600  Fuss  mächtigen  Sandsteinmassen  des  oberen  Quaders  dem  oberen  Pläner  unter- 
ordnen und  in  „Ober pläner-Sandstein"  umtaufen  wollen,  wie  Gümbel  vorschlägt,2)  halte  ich  für  ebenso 
unnatürlich,  wie  die  älteren  Bezeichnungen  „Kr  ei  deformation"  oder  „Kreidegebirge"  für  unser 
ganzes  Quadergebirge  überhaupt. 

Das  Quadersandsteingebiet  der  Sächsisch-Böhmischen  Schweiz  hat  im  Laufe  der  Zeit  gewaltige  Ver- 
änderungen erfahren.   Es  bietet  in  vielen  seiner  schönsten ,    grotesken  Partien  ein  Bild  der  Zerstörung  durch 


')  F.  Eoemer,    Geologie  von  Oberschlesien.  Breslau,  1870. 
'')  Leonhard  u.  Geinitz,  N    Jahrb.  1867  S.  795. 


—     17     — 

Denudation  oder  Wegspülung,  wie  man  diese  kaum  irgendwo  deutlicher  und  grossartiger  finden  kann.1)  Ohne 
Zweifel  haben  auch  hier  die  Basalterhebungen,  deren  man  sehr  viele  gerade  in  diesem  Gebiete  antrifft,  eine 
Hauptveranlassung  zu  Spaltenbildungen  in  der  früher  zusammenhängenden  Decke  des  längst  erhärteten 
Quadersandsteins  gegeben.  Solche  Spalten  bahnten  wohl-  zuerst  hochangestaueten  Gewässern  den  Weg,  die 
von  böhmischer  Seite  her  ihren  Abfluss  durch  das  Elbthal  genommen  haben  und  nach  und  nach  das  gross- 
artige Zerstörungswerk  durchführen  konnten,  welchem  man  vorzugsweise  die  gegenwärtige  Physiognomie  unserer 
Sächsischen  Schweiz  zu  verdanken  hat. 

Jene  in  der  Hauptrichtung  von  SO.  nach  NW.  durch  das  Elbthal  geführten  Ströme  haben  auf  die 
Geologie  unseres  Elbthales  noch  einen  anderen  wesentlichen  Einfiuss  ausgeübt.  Sie  haben  uns  die  Zerstörungs- 
producte  des  Quadersandsteines  als  mächtige  Sandsteinmassen  zugeführt,  welche  unter  dem  Schutze  ver- 
schiedener Granitvorsprünge  an  der  rechten  oder  nördlichen  Begrenzungslime  des  Elbthales,  wie  des  Pohrs- 
berges  bei  Pillnitz  und  in  der  Gegend  von  Wackerbarths-Ruhe ,  längs  jener  Kette  granitischer  Hügel  ab- 
geschieden worden  sind  und  einen  grossen  Theil  des  rechten  Eibufers  in  Sandsteppen  und  Heideland  um- 
gewandelt haben,  die  erst  durch  neuere  Cultur  wieder  zu  fruchtbarem  Boden  zu  werden  beginnen. 

Ueber  diese  diluvialen  Ablagerungen  des  Elbthales  verdanken  wir  wiederum  A.  v.  Gutbier 
genauere  Mittheilungen,  die  er  in  seiner  letzten  Schrift  „Die  Sandformen  der  Dresdener  Heide,  bezogen  auf 
das  Eibbassin"  Dresden,  1865,  und  in  den  Sitzungsberichten  der  Isis  in  Dresden,  1864,  S.  42,  niedergelegt 
hat.  Eine  treffliche  Karte  über  die  Dresdener  Heide  von  L.  v.  Gutbier,  welche  zur  Erläuterung  dieser 
Schriften  dient,  sichert  auch  dem  in  dem  Riesenkampfe  für  Deutschlands  Ehre  und  Grösse  leider  zu  früh 
hingerafften  ebenbürtigen  Sohne  des  genialen  Geologen  auch  in  geologischen  Kreisen  ein  bleibendes,  dank- 
bares Andenken. 

Das  Gesammtbild  für  das  Quadergebirge  im  Sächsischen  Elbthale  ist  demnach  folgendes: 
III.  Obere  Stufe  oder  Ober -Quader  (Senon). 

b.  Oberer  Quadersandstein. 

a.  Oberer  Quadermergel. 

IL  Mittlere  Stufe  oder  Mittel-Quader  (Turm). 

c.  Oberer    Pläner,    oft    Plänerkalk    (Schichten   von    Strehlen   und    Weinböhla.     Grey    Chalk    marl. 

Ober-Titron). 

b.  Copitzer  Grünsandstein  (Mallnitzer  Schichten  in  Böhmen,  nach  Gümbel;    Chloritic  Marl  der  Insel 

Wight). 

a.  Mittel  -  Quadersandstein   (Bildhauersandstein    von   Cotta)    oder    mittler   Pläner,    mit    Inoceramus 

labiatus  Sow.,  (Unter -Turon). 

I.  Untere  Stufe  oder  Unter-Quader  (Cenoman,  Tourtia,  Upper  Greensand). 

b.  Unter-Pläner  und  Serpulasand. 

a.  Unter-Quadersandstein  und  Grünsandstein  mit  Niederschöna-Schichten,  Conglomeraten  etc. 


')  Vgl.  A.  v.  Gutbier,   Skizzen  aus  der  Sächsischen  Schweiz.    Leipzig,  1858.  8°.    Mit  123  in  den  Text  gedruckten 
Abbildungen. 

Palaeontogrjpliica  XX.  1. 


B.   Die  Yersteinemngen  im  unteren  Quader  und  unteren  Pläner 
des  Sächsischen  Elbthales. 

'  I.    Classe.     Spongiae.     Schwämme. 

Man  kann  den  Vorwurf,  welchen  Oskar  Schmidt1)  den  Paläontologen  macht,  nicht  ganz  zurück- 
weisen; die  Untersuchungen  von  Friedrich  Baron  Rosen2)  über  die  Natur  der  Stromatojioren  und  über 
die  Erhaltung  der  Hornfaser  der  Spongien  im  fossilen  Zustande  scheinen  dem  Verfasser  noch  nicht  bekannt 
gewesen  zu  sein.  Auch  der  Letztere  beurtheilt  die  früheren  Arbeiten  über  fossile  Schwämme  nicht  günstiger. 
Oskar  Schmidt  sagt:  „Die  Behandlung  der  fossilen  Schwämme  durch  die  Geognosten  und  Paläontologen 
ist  eine  grausliche.  Die  Speciesmacherei  nach  den  zufälligsten  äusseren  Formenabweichungen  übersteigt  alle 
Begriffe,  und  es  ist,  abgesehen  von  einer  Specialuntersuchung  Smith's,  der  aber  die  Ventriculiten  für  Bryo- 
zoen  erklärte,  seit  Goldfuss  kein  Fortschritt.3)  Was  man  über  die  Structur  weiss,  ist  etwa  in  folgenden 
Sätzen  F.  A.  Ro  ein  er 's4)  enthalten:  Das  Gewebe  der  Spongien  ist  der  Form  nach  verschieden,  gitter- 
förmig  oder  wurm  förmig.  Das  gitterförmige  Gewebe  besteht  aus  sehr  dünnen,  glatten,  immer  aus  Kiesel- 
säure gebildeten  Stäbchen,  welche  nach  allen  drei  Richtungen  gitterförmig  verwachsen  sind  und  am  Ver- 
wachsungspunkte  einen  kleinen,  bisweilen  octaederförmigen  Knoten  bilden.  Das  wurmförmige  Gewebe  besteht 
bald  aus  Kieselerde,  bald  aus  Kalk;  im  ersteren  Falle  kann  es  dem  gitterförmigen  sehr  ähnlich  werden,  die 
Stäbchen  sind  aber  auch  dann  stachelig  und  bilden  am  Verwachsungspunkte  keine  Knoten;  gewöhnlich  sind 
die  Fasern  gebogen,  oft  dichotom,  anastomosirend,  an  den  Seiten  oft  stachelig.  Im  wurrnförmigen  Gewebe 
liegen  häufig  walzenförmige,  einfache  oder  sternförmig  verwachsene  kieselige  Nadeln,  welche  bisweilen  fast 
den  ganzen  Schwamm  zusammensetzen.  Die  Verschiedenheit  des  Gewebes  lässt  sich  gewöhnlich  leicht  unter- 
suchen, wenn  man  ein  Stückchen  des  Schwammes  mit  verdünnter  Salzsäure  behandelt;  bisweilen  zerfällt  aber 
das  Kieselskelet  bei  der  Lösung,  in  welcher  danu  ein  feines,  oft  wie  Eisenoxydhydrat  gefärbtes  Kieselpulver 
sich  abscheidet. 


')  Grundzüge  einer  Spongien-Fauna  des  Atlantischen  Gebietes,  Leipzig,  1870,  S.  20. 

2)  Verh.  d.  Russ.  Kais.  Min.  Ges.  zu  St.  Petersburg,  1869. 

3)  Gewiss  eine  gerechte  Anerkennung  der  hohen  Verdienste  von  Goldfuss  für  Paläontologie,  dessen  bildliche  Dar- 
stellungen namentlich  in  .,Petrefaeta  Germaniae",  Düsseldorf,  1826  —  1833,  noch  in  keiner  späteren  Arbeit  über  fossile  Schwämme 
übertroffen  worden  sind. 

4)  Die  Spongitarien  des  norddeutschen  Kreidegebirges.  Palaeontographica  Bd.  XIII,  1864.  —  Roemer's  Arbeit  basirt 
aber  wesentlich  auf  denen  von  Goldfuss,  Eeuss,  d'Orbigny  (vgl.  Bronn's  Lethaea  geogn.  1851—52.  V.  S.  77)  und 
■de  Fromentel,  welche  später  hei  den  einzelnen  Arten  citirt  werden  sollen. 


—     19     — 

Auf  eine  Analyse  der  Arbeit  von  Capellini  und  Pagenstecher1)  lässt  sich  0.  Schmidt  nicht 
näher  ein.  Es  lag  nach  ihm  an  dem  Material,  welches  nur  eine  Untersuchung  von  Schliffen  zuliess,  dass  das 
Richtige  nicht  getroffen  werden  konnte;  auch  waren  damals  die  lebenden  Kieselgitter-Schwämme  noch  zu 
wenig  bekannt,  als  dass  die  so  offenbaren  Beziehungen  sich  hätten  ergeben  können." 

Was  aber  kann  der  Geolog  oder  Paläontolog  mehr  thun,  um  die  Structur  eines  Schwammes  in  einem 
thon-  und  kieselerdereichen  Mergelgesteine,  wie  der  untere  Pläner  ist,  zu  erforschen,  als  Schliffe  herstellen 
und  die  Wirkung  verdünnter  Salzsäure  auf  das  Gestein  zu  prüfen?  Während  sich  die  prächtig  erhaltenen 
Schwämme  mit  wurmförmigem  Gewebe  aus  dem  Grünsande  von  Essen  oft  nur  unter  Zurücklassung  eines 
geringen,  wahrscheinlich  zufälligen  Rückstandes  von  Kieselerde  leicht  lösen,  bleiben  von  den  Schwämmen  des 
unteren  Pläners  gewaltige  Rückstände  übrig,  welche  von  thonigen  und  kieselerdehaltigen  Beimengungen  des 
Gesteines  herrühren.  Wenn  darin  aber  auch  zuweilen  kieselige  Formen  erkennbar  sind,  welche  einigen  Ab- 
bildungen 0.  Schmidt's  nahe  treten,  so  lässt  sich  nicht  immer  von  ihnen  behaupten,  dass  sie  die  gesuchten 
Kieselnadeln  selbst  seien.  Es  ist.  ferner  der  untere  Pläner  nicht  selten  von  Kieselgallert  durchdrungen,  und 
Kieselringe  auf  fossilen  Muscheln  darin  sind  gewöhnliche  Erscheinungen.  Auch  in  dem  Serpulasande  von 
Bannewitz  und  Welschhufa,  einem  Hauptfundorte  für  die  Kieselskelete  der  Gitterschwämme,  Gribrospongia 
und  PlocoscypMu,  sind  sämmtliche,  ursprünglich  Kalkschalen  von  Serpula,  Ostrea  und  Terebratula  ganz  verkieselt. 
(Vgl.  hierüber  auch  die  Abhandlung  von  F.  v.  Rosen  a.  a.  0.) 

Der  Zoolog  ist "  bei  Untersuchungen  mit  lebenden  Gegenständen  in  dieser  Beziehung  in  einer  weit 
günstigeren  Lage.  Möchten  übrigens  nur  recht  viele  Zoologen  ihre  Forschungen  auf  das  Gebiet  der  Vorwelt 
ausdehnen.  Gewiss  wird  jede  Förderung  der  Paläontologie  durch  sie  Seitens  der  Geologen  stets  mit  besonderem 
Danke  aufgenommen  werden.  Bisher  ist  es  jedoch,  mit  nur  wenigen  allerdings  sehr  gewichtigen  Ausnahmen, 
ganz  vorzugsweise  dem  Geologen  überlassen  worden,  diese  Wissenschaft  heranzubilden. 

0.  Schmidt  basirt  sein  System  der  Spongien  auf  die  Beschaffenheit  der  darin  befindlichen  Kiesel- 
körper und  verweist  in  Bezug  auf  die  Kalkschwämme  oder  Calcispongiae  auf  eine  demnächst  zu  erwartende 
Monographie  von  Häckel. 

Die  Haupttypen  dieser  Kieselkörper  sind  folgende: 

1.  Die  einaxigen  Kieselkörper,  meist  nadel-  oder  spindelförmig,  zum  Theil  knotig  und  dornig, 
auch  mit  Neigung  zur  Wirtelstellung,  Bogen-,  Haken-  und  Ankerform.  Ihre  einfachste  Form,  die  gestreckte 
Spindel,  kommt  bei  vielen  lebenden  Spongien,  Spongiüen,  Chalineen,  Benieren  u.  a.  vor. 

2.  Kieselkörper,  deren  Grundform  die  dreikantige  reguläre  Pyramide  ist.  Dazu  gehören  alle 
jene  Kalk-  und  Kieselformen ,  die  als  drei-  und  vierstrahlige  Sterne  und  als  die  verschiedenartigsten  Anker 
mit  drei  geraden,  gekrümmten,  gegabelten  Zähnen  beschrieben  sind. 

3.  Die  drei axi gen  Kieselkörper,  meist  „Sechss tränier",  deren  Strahlen  den  drei  Axen 
eines  Octaeders  entsprechen,  HexactineUidae,  0.  Schmidt. 

Man  hat  also  bei  ihnen  weniger  an  den  hexagonalen  als  vielmehr  an  den  hexaidischen  Typus 
der  Krystallographen  zu  denken. 

4.  Die  Kieselkörper  mit  unendlich  vielen  Axen,  wie  mancherlei  Scheiben-  oder  schildförmige 
Körperchen,  sogenannte  Kugel-,  Spiral-  und  Walzensterne. 


Mikroskopische  Untersuchungen  über  den  inneren  Bau  einiger  fossilen  Schwämme.  Zeitschr.  f.  wiss.  Zool.  10.  1860. 


—     20     — 

Die  in  das  Beobachtungsgebiet  von  0.  Schmidt  fallenden  Spongien  vertheilen  sich  auf  vier  Haupt- 
Ordnungen  : 

I.  Hexactinellidae ,  oder  Spongien  mit  dem  dreiaxigen  Typus  der  Kieselnadeln.  Hierzu  gehören  die 
fossilen  Scyphien  mit  gitterförmigem  Gewebe,  oder  Gitterschwämme  A.  Römer's,  welche  in  unseren  Blättern 
als  Cribrospongia  und  Plocoscyphia  unterschieden  worden  sind. 

IL  Lithistidae,  oder  Spongien  mit  zusammenhängendem  Kieselgewebe,  deren  Fasern  nicht  nach  dem 
dreiaxigen  Typus  wachsen,  sondern  ein  scheinbar  ganz  regelloses  Gewirr  bilden.  Sie  sind  in  der  Vorzeit  durch 
Chenendopora  etc.  vertreten  und,  während  der  lebende  Corcdlistes  clavatetta  0.  Schmidt,  S.  23,  Taf.  3,  Fig.  7, 
auch  ganz  ähnliche  Mündungen  in  der  Vertiefung  seines  Scheitels,  wie  Chenendopora,  trägt,  so  wird  man  das 
Leioderniatium  Lynceus  0.  Schmidt,  S.  22,  Taf.  3,  Fig.  2.  wegen  der  Lage  der  Mündungen  (Oscula)  an  der 
Aussenseite  des  Schwammes  recht  wohl  mit  Elasmostoma  Normanianum  d'Orb.  aus  dem  Quadergebirge  ver- 
gleichen können.  Es  scheinen  die  meisten  fossilen  Schwämme  mit  sogenanntem  wurmförmigen  Gewebe,  oder 
Vermiculatae  0.  Schm.,  dieser  Ordnung  anzugehören. 

III.  Halisarcinae  mit  den  davon  abgezweigten  Familien,  wie  Gummineae,  Benierinae,  Ceraospongiae, 
Chalineae  etc. ,  welche  die  eigentlichen  Hornschwämme  mit  dem  einaxigen  Nadeltypus  enthalten,  für  welche" 
0.  Schmidt  keine  fossilen  Vertreter  bezeichnet.  Unsere  Spongia  Saxonica  würde  wohl  hier  die  geeigneteste 
Stellung  finden. 

IV.  Calcispongiae,  oder  Kalkschwämme,  worüber  Häckel's  Schrift  zu  erwarten  ist.  Es  wird  sich  dann 
zeigen,  ob  man  die  Kalkschwämme  streng  von  anderen  Schwämmen  wird  trennen  können,  oder  ob  nicht  ein 
Theil  der  Vermiculaten  namentlich  Kalk  und  Kiesel  in  ähnlichen  Formen  gleichzeitig  enthält,- oder  endlich 
auch,  ob  Kalk  und  Kieselsäure  nicht  oft  erst  später  durch  den  Versteinerungsprocess  in  die  Fasersubstanz 
des  Schwammes  eingedrungen  sind.  Letzteres  sucht  F.  v.  Rosen  in  der  Eingangs  genannten  Schrift 
für  die  silurischen  und  devonischen  Stromatoporen,  so  wie  auch  für  die  Schwämme  der  Kreideformation  von 
Saratow  an  der  Wolga  als  Regel  zu  erweisen.  (Vgl.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1871.  S.  219.)  Nach  Lösung  des  Kalkes 
einer  Scyphia  infundilndiformis  Goldf.  von  Essen,  wie  von  Plauen,  in  verdünnter  Salzsäure  verblieb  im 
Innern  der  kalkigen  Faserzüge  noch  ein  Kieselkörper  von  ähnlicher  Form  zurück. 

Abgesehen  von  der  grossen  Schwierigkeit,  an  fossilen  Schwämmen  die  Form  jener  Kieselkörper  immer 
genau  zu  ermitteln,  wird  es  für  geologische  Forschungen  zunächst  wichtiger  bleiben,  den  Formenkreis  einer  Art 
festzustellen,  die  unter  gleichen  oder  ähnlichen  Verhältnissen  an  den  verschiedensten  Orten  der  Erde  vorkommt 
und  dadurch  leitend  wird  für  gewisse  Schichten  von  gleichem  Alter,  als  die  Form  einzelner  Kieselnadeln  ohne 
Rücksicht  auf  die  Form  des  ganzen  Schwammes.  0.  Schmidt  bekennt  selbst  in  seiner  bewunderns- 
werthen  Arbeit,  dass  einerseits  jene  Kieselnadeln  einer  grossen  Variabilität  unterliegen  (S.  39),  anderseits 
aber  das  Kieselgewebe  der  verschiedenen  Gattungen  oft  sehr  übereinstimmend  sei  (S.  17).  Man  wird  das  Letztere 
vollkommen  bestätigt  finden,  wenn  man  auf  Taf.  2  und  3  die  Gewebe  der  verschiedenen  Gribrospongien  und 
der  Plocoscypliia  vergleicht. 

In  Bezug  auf  die  Betheiligung  der  organischen  Grundlage  an  der  Formbildung  der  Kiesel-  (und  Kall;-) 
Körper  ist  für  die  einfacheren,  linearen  und  kugeligen  Bildungen  eine  blosse  Verkieselung  und  Ueberkieselung. 
(ebensowohl  aber  auch  Verkalkung  und  Ueberkalkung)  der  organischen  centralen  Grundlage  anzunehmen. 
Dagegen  tritt,  nach  0.  Schmidt,  bei  jeglicher  Complication  der  rein  linearen  Theile  zu  den  unter  2  und  3 
unterschiedenen  Gestalten  ein  ausserhalb  der  organischen  Substanz  liegendes  ursächliches  Moment  hinzu,  das 
von  ihm  erläutert  wird.    An  der  Entstehung-  der  Schwammfaser   aus  ungeformter  Sarkode   hält  der  genannte 


—     21     - 

Verfasser  nach  seinen  früheren  Darstellungen  fest.  Die  ganze  Organisation  der  Spongien  dreht  sich  um  das 
Wassergefässsystem.  Unter  allen  Umständen  sind  also  die  Poren  Vererbungsbildungen  oder  homologe  Organe, 
soweit  sie  in  dem  veränderlichen  Sarkodenetze  der  Oberfläche  enthalten  sind,  und  die  Mündungen  (oder 
Oscula),  insofern  ihr  Zubehör  zu  einer  Person  (nach  Haeckel,  statt  Individuum)  angehörig  nachgewiesen 
worden  ist.  Den  theilweisen  oder  gänzlichen  Mangel  an  Einlassporen  bezeichnet  Schmidt  als  Aporie,  den 
oft  vorkommenden  Mangel  einer  Mündung  (eines  Osculum  oder  Mundes)  als  Astomie.  Der  Mangel  einer 
solchen  Mündung  kann  nach  demselben  Verfasser  eventuell  als  generischer  Charakter  ganz  werthlos  sein 
(vgl.  auch  Sparsispongia  varians  Taf.  4  Fig.  2).  Umgekehrt  haben  wir  auch  auf  das  Vorkommen  einzelner 
Mündungen  bei  Cupulospongia  JRoemeri  Taf.  5,  Fig.  6,  nicht  den  Werth  legen  können,  welchen  andere  Paläonto- 
logen vielleicht  darauf  gelegt  haben  würden. 

Von  besonderem  Werthe'  ist  uns  in  0.  Schmidt's  Arbeit  für  unsere  Beobachtungen  noch  gewesen, 
dass  er  auf  den  Unterschied  zwischen  Einzelschwämmen  (oder  Personen)  und  getheilten  Schwämmen  (oder 
Stöcken  mit  Personen)  durchaus  nicht  den  hohen  Werth  legt,  welchen  d'Orbigny,  de  Fromentel  und  A.  Römer 
dafür  in  Anspruch  genommen  haben  und  worauf  von  ihnen  ganz  unnöthige  Gattungen  begründet  worden  sind. 
In  den  folgenden  Blättern  ist  auf  eine  solche,  durch  Knospung  erfolgte  Theilung  fossiler  Schwämme  wieder- 
holt die  Aufmerksamkeit  gelenkt  worden. 

Schliesslich  lassen  sich  aber  die  drei  ersten  Hauptordnungen,  in  welche  0.  Schmidt  die  Schwämme 
geschieden  hat,  recht  wrohl  mit  den  Abtheilungen  in  Einklang  bringen,  in  welche  schon  vor  dem  Studium  der 
Schmidt'schen  Schrift  die  hier  beschriebenen  Gattungen  und  Arten  geordnet  worden  waren,  was  für  uns  nur 
ein  Beweis  für  die  weittragende  Giltigkeit  und  Natürlichkeit  seines  Systems  sein  kann. 

1.  Ordn.  Halisarcinae  0.  Schmidt.  (Spongiaria,  de  Fromentel,  Introduction  ä  Tetude  des  Eponges 
fossiles.  Caeti  1859,  Hornschwämme.) 

S  p  o  n  g  i  a  L. 

1.  Sp.  Saxonica  Gein.   —  Taf.  1.  Fig.  1—6. 

1760.  Schulze,  Betrachtung  der  versteinerten  Seesterne  S.  40.  Taf.  2.  Fig.  1—5;  Taf.  3. 

1842.  Spongites  Saxonicus  Gein.,  Charakteristik  S.  96.  Taf.  22.  Fig.  1,  2. 

1S42.  Cylindrites   spongioides    Göppert,    Nov.    Act.   Ac.   C.  Leop.    Car.   Vol.   XIX.   2.   S.    115.    Taf.    46.    Fig.   1  —  5; 

Taf.  48.    Fig.  1,  2. 

1849.  Desgl.  Göppert,  eb.  Vol.  XXII.  1.  S.  356.  Taf.  35,  36. 

1849.  Spongia  Saxonica  Gein.  Quadersandsteingehirge  in  Deutschland.  S.  264. 

1852.  Desgl.  v.  Otto,  Additamente  zur  Flora  des  Quadergebirges,  I.  S.  20.  Taf.  6.  Fig.  1—3. 

1854.  Cyl.  spong.  Dunker  in  Palaeontogr.  rV.  S.  179. 

1854.  Desgl.  Göppert  in  Verh.  d.  nat.  Ver.  d.  preuss.  Eheini.  u.  "Westph.  XL  S.  229. 

In  allen  Etagen  des  Quadersandsteines,  besonders  häufig  und  schön  aber  im  unteren  und  mittleren 
Quader  Sachsens,  begegnet  man  wulstförmigen  oder  cylindrischen ,  meist  gabelig  verzweigten  Körpern  von 
der  Stärke  eines  Federkiels  bis  zu  der  eines  Armes,  mit  abstehenden,  stumpf  endenden  Aesten.  Stamm  und 
Aeste  sind  zuweilen  zu  eiförmigen  oder  länglichen  Knoten  angeschwollen  (Fig.  5  und  6).  An  diesem  Fossile 
ist  alle  organische  Substanz  gänzlich  verloren  gegangen,  niemals  hat  man  daran  eine  Spur  von  kohliger  Masse 
beobachtet,  die  an  vegetabilischen  Resten  des  Quaders,  auf  Treibholz  und  Pflanzenstäiumen  oft  angetroffen 
wird;  ihre  Oberfläche  zeigt  jedoch  stets  eine  mehr  oder  minder  deutliche,  unrcgelmässig-  und  lockergrubige 
Beschaffenheit.  Die  Arbeiter  in  den  Steinbrüchen  pflegen  diese  Körper  Hirschgeweihe  zu  nennen,  an  welche 
ihre  Form  und  Structur  oft  erinnert.  Mit  Seesternen,  womit  sie  Schulze  in  Verbindung  zu  bringen  gesucht 


—      22     — 

hat  haben  sie  nichts  gemein;  alle  Forscher  sind  vielmehr  jetzt  damit  einverstanden,  dass  man  es  hier 
mit  sehr  tief  stehenden  Organismen  zu  thun  hat  und  zwar  entweder  mit  Seeschwämmen  oder  mit 
Seetangen. 

In  unserer  ersten  Beschreibung  des  Spongites  Saxonicus  (Char.  S.  97),  deren  Veröffentlichung  in  den 
Juni  1842  fiel,  wurde  auf  die  grosse  Aehnlichkeit  dieser  Körper  mit  lebenden  Seeschwämmen  und  dem  Fluss- 
schwamm  (Spongilla  fluviatilis  oder  lacustris)  hingewiesen.  Das  poröse  Gewebe  derselben  erklärt  es,  das  sie 
niemals  zusammengedrückt  sind,  da  der  sandige  Schlamm,  der  es  umhüllte,  sofort  das  ganze  Gewebe  durch- 
dringen konnte.  Die  theilweisen  knotigen  Verdickungen  desselben  wurden  als  zufällige  Anhäufung  einer  grösseren 
Menge  des  Schwammgewebes  betrachtet,    wie  man  dies  auch  an  lebenden  Arten  oft  antrifft. 

Zum  weiteren  Nachweise  hierfür  wurde  später  „Quaders."  1849/50,  Taf.  XI.  Fig.  1  eine  lebende  Spongia 
abgebildet,  die  ich  Herrn  Naturalienhändler  Leibold  verdankte.  Geh.  Hofrath  Reichenbach  hatte  dieses 
Exemplar,  das  Taf.  I.  Fig.  7  von  neuem,  in  1/6  natürlicher  Grösse  abgebildet  worden  ist,  als  Spongia  alcicornis 
Esper  bestimmt.  Es  soll  nicht  geläugnet  werden,  dass  andere  Abbildungen  von  Es  per,  die  Pflanzen- 
thiere,  II,  1794,  wie  der  Sp.  lacustris,  Taf.  23,  und  lanuginosa,  Taf.  24,  auch  ziemliche  Aehnlichkeit  damit 
besitzen,  doch  zeigt  jene  Spongia  mit  Sp.  alcicornis  Esper,  S.  248.  Taf.  28,  wenigstens  nahe  Verwandtschaft 
durch  die  Art  der  Gabelung.  Bei  einem  Vergleiche  der  Sp.  alcicornis  mit  der  fossilen  Sp.  Saxonica  aber 
ist  der  Umstand  beachtenswert^  dass  in  der  von  Esper  gegebenen  Abbildung  wenigstens  an  einem  der  mitt- 
leren Aeste  ein  oberflächlicher  Kiel  zu  bemerken  ist,  welcher  in  ähnlicher  Weise  auch  hier  und  da  auf  der 
Spongia  Saxonica  angetroffen  wird.  Solch  ein  Exemplar  ist  in  der  „Charakteristik"  Taf.  23.  Fig.  la  als 
Varietät,  leider  zu  scharf  markirt,  gezeichnet  worden,  unsere  neueren  Abbildungen  auf  Taf.  I.  stellen  seine 
wahre  Beschaffenheit  auf  den  Platten-  Fig.  3  und  4  ausser  allen  Zweifel.  Das  Vorkommen  solch  eines  kiel- 
artigen Wulstes  an  einigen  Exemplaren  der  fossilen  Spongia  sollte  eine  Hauptstütze  werden  für  die  Ansicht 
Göppert's,  welcher  diese  Art  zu  den  Fucoiden  stellt.  Hiernach  entspräche  jener  kielartige  Wulst  einer 
durch  Verrottung  der  zwischen  Binde  und  dem  Innern  befindlichen  Zellenschicht  an  die  Oberfläche  getretenen 
Axe,  wie  dies  in  ähnlicher  Weise  öfters  an  Lepidodendreen  und  den  Stigmarien  vorkömmt.  So  ungezwungen, 
als  diese  Deutung  bei  dem  ersten  Anblicke  auch  erscheint,  so  kann  man  dieselbe  doch  nicht  als  maassgebend 
betrachten  und  es  bleibt  jedenfalls  höchst  auffallend,  dass  ein  Fucoide  von  einer  ähnlichen  Beschaffenheit,  wie 
die  lebenden  Gattungen  Lessonia  und  Macrocystis,  mit  welchen  Göppert  diese  fossilen  Körper  zunächst  ver- 
gleicht, bei  dem  Versteinerungsprocesse  nie  eine  Zusammendrückung  erfahren  haben  sollten.  Ihre  Gestalt  und 
Beschaffenheit  der  Oberfläche  sind  ohnedies  lebenden  Spongien  weit  ähnlicher  als  den  genannten  Pflanzen- 
gattungen. Da  aber  jener  oberflächliche  Wulst  an  der  Spongia  Saxonica  im  Allgemeinen  ziemlich  selten 
erscheint,  so  darf  man  ihn,  ebenso  wie  an  jener  Spongia  alcicornis,  vielleicht  nur  als  eine  zufällige  Erschei- 
nung betrachten,  welche  bei  Sp.  Saxonica  nur  die  Folge  einer  eigenthümlichen  Gesteinsablösung  sein  kann. 
Das  Vorkommen  einer  ähnlichen  Erscheinung  an  der  lebenden  Spongia  alcicornis  verdient  jedenfalls  ebenso 
hohe  Beachtung  wie  jene  axenartigen  Verhärtungen  in  eleu  Aesten  der  Spongia  Ventilabrum  L.  (Esper,  II, 
Taf.  12),  welche  nach  Esper's  Beschreibung  sogar  eine  korkartige  Beschaffenheit  annehmen  sollen. 

In  der  Taf.  I  zusammengestellten  Gruppe,  welche  diese  Schwämme  in   l/o  der  natürlichen  Grösse  darstellt,  zeigt 

Fig.  1  normale  Verzweigungen.  Es  stammt  aus  dem  mittleren  Quadersandsteine  der  Goeser  Brüche  bei  Gross-Cotta. 

Fig.  2  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa  bei  Dresden  'ist  eins  der  stärksten  bis  jetzt  aufgefundenen 
Exemplare,  mit  knotigen  Verdickungen  und  an  der  Oberfläche  mit  grober  höckeriger  und  grubiger  Schwamnistructur. 

Fig.  3.  Neben  einem  stärkeren  Exemplare,  auf  dessen  Mitte  ein  kielartiger  Wulst  meist  sehr  deutlich  ist,  liegt  <in 
schwächeres  Exemplar  ohne  denselben.    Aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa. 


—     23     — 

Fig.  4.  Diese  Platte  aus  demselben  Steinbruche  trägt  zwei  sich  durchkreuzende  Spongien,  deren  eine  längs  ihrer 
Mitte  theils  wulstförmig  erhöhet,  theils  rinnenförmig  ausgefurcht  ist. 

Fig.  5  und  6.  Exemplare  mit  eiförmigen  Knollen,  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Wendisch- Carsdorf  bei 
Dippoldiswalda.  Sämmtliche  Exemplare  in  dem  K.  Mineralogischen  Museum  zu  Dresden  sind  durch  Herrn  E.  v.  Otto  auf  Possendorf 
mit  grosser  Sorgfalt  ausgearbeitet  worden  und  geben  ein  sprechendes  Zeugniss  von  dem  Fleisse  und  Interesse,  welches  der  leider 
verstorbene  Forscher  den  Versteinerungen  unseres  Quadergebirges  gewidmet  hat. 

2.  Ordn.  IlexactineUidae  0.  Schmidt.  (Spongitaria  de  Fromentel  pars,  Gitterschwäranie 
A.  Römer.) 

Cribrospongfa  d'Orbigny,  1849,  A.  Römer  1864. 

Syn.  Scyphia  Aut.,  Forospongia  (pars)  d'Orb.  1849,  Gribroscyphia,  de  Fromentel,   1859. 

Ihre  Gestalt  ist  vorwaltend  becher-  oder  trichterförmig.  An  der  äusseren  und  inneren  Fläche  stehen 
runde  oder  längliche  Mündungen  oft  reihenförmig  geordnet.  Das  Gewebe  besteht  aus  feinen,  sich  rechtwinkelig 
und  sternförmig  durchkreuzenden  Kieselfäden. 

Coscinopora  Goldfuss,  1830,  d'Orbigny,  1849,  A.  Römer,  1864,  oder  Ooscinoscyphia  de  Fromentel, 
1859,  darf  man  sicher  damit  vereinigen,  da  sich  ihre  Arten  nur  durch  eine  quincunciale  Anordnung  der 
Mündungen  an  ihrer  Oberfläche  unterscheiden. 

1.  Cr.  subreticulata  Münster  in  litt.  —  Taf.  2.  Fig.  2 — 4. 

1842.  Scyphia  subreticulata  Gein.  Char.  III.  S.  94.  Taf.  22.  Fig.  12. 

1846.  Scyphia  Beaumontii  Reuss.  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  II.  S.  76.  Taf.  17.  Fig.  12. 

?  Scyphia  tenuis  Reuss,  eb.  II,  S.  75.  Taf.  18.  Fig.  8. 

1849.  Scyphia  subreticulata  Gein.  Quaders.  S.  260  z.  Tb. 

1850.  Coscinopora  Beaumontii  d'Orb.  Prodr.  II.  S.  283. 

1864.     Cribr.  BeaumonU  A.  Römer.  Pal.  XIII.  S.  11.  Taf.  5.  Fig.  1. 

Ein  grosser  trichterförmiger,  oft  nach  mehreren  Seiten  hin  mit  lappigen  Ausbreitungen  versehener 
Schwamm,  welcher  ohne  Stiel  an  seinem  schmalen  Ende  befestigt  war.  Die  äussere  Oberfläche  zeigt  ovale 
oder  längliche  Mündungen  von  1—1,5  mm.  Länge,  die  in  regelmässigen,  nach  oben  zum  Theil  dichotomirenden 
Längsreihen  geordnet  sind  und  durch  breitere,  gewölbte  Zwischenräume  getrennt  werden.  Schmälere  Quer- 
leisten, welche  die  Mündungen  nach  oben  und  unten  hin  begrenzen,  bewirken  eine  rechtwinkelige  Durch- 
kreuzung der  Längs-  und  Querreihen  von  den  Oeffnungen  (oder  den  Maschen).  Sämmtliche  Zwischenräume 
besitzen  eine  feingrubige  Structur,  welche  dem  blossen  Auge  noch  sichtbar  ist. 

Auf  der  inneren  Oberfläche  und  auf  den  Steinkernen  des  Quadersandsteines,  Fig.  1  und  2,  treten  die 
rechtwinkelig  sich  durchkreuzenden  Reihen  von  Mündungen  oder  Maschen  noch  regelmässiger  hervor,  als 
auf  der  Aussenfläche ,  Fig.  3,  da  sie  hier  etwas  breiter  und,  wie  auch  Reuss  beobachtete,  fast  quadratisch 
sind.   Reuss  hat  diese  Seite  des  Schwammes  als  die  äussere,  jene  als  die  innere  bezeichnet. 

Die  Dicke  der  Wandung  des  Schwammes  beträgt  an  grösseren  Exemplaren,  die  keine  Zusammen- 
drückung erlitten  haben,  gegen  6  mm.  Die  Textur  dss  Schwammes  wurde  sehr  deutlich  an  dem  Fig.  4 
abgebildeten  Bruchstücke  aus  dem  unteren  Pläner  von  Sobrigau  ermittelt.  Auf  dem  Längsbruche  des  kieseligen 
Faserskeletes,  welcher  senkrecht  gegen  die  Hauptflächen  liegt,  kreuzen  sich  die  feinen  Stäbchen  vorherrschend 
rechtwinkelig  und  bilden  kleine  Quadrate  von  etwa  0,2  mm.  Grösse,  in  dem  Fig.  4  b  in  natürlicher  und 
Fig.  4  c  in  lOfacher  Grösse  dargestellten  Querbruche  ordnen  sich  jene  feinen  Kieselstäbchen  meist  zu  4-  bis 
6strahligen  Sternen  an,  welche  nach  verschiedenen  Riehtungen  hin  die  Durchkreuzungspunkte  umstellen. 

Als  Synonyme  für  diese  Art  sind,  „Quad.  Deutschi."  S.  260,  auch  Scyphia  tenuis  Ad.  Römer,  1841, 
Nordd.  Kr.  S.  9.  Taf.  4.  Fig.  1  von  Lemförde,  und  Sc.  tenuis  bei  Reuss,  1846,  Böhm.  Kr.  II.  S.  75.  Taf.  18. 


—     24     — 

Fig.  8  aufgeführt  worden.  Die  erstere,  welche  der  senonen  Etage  angehört,  unterscheidet  sich  jedoch  durch 
ihre  weit  grösseren  Mündungen,  während  die  letztere,  aus  dem  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin,  wohl 
eher  auf  Cribr.  subreticulata  als  auf  Sc.  tenuis  Rom.  zurückgeführt  werden  kann. 

Vorkommen.  Nicht  selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa  an  der  goldenen  Höhe, 
Rippien,  Bannewitz  an  der  Prinzenhöhe  bis  33  cm.  gross,  wie  Taf.  2.  Fig.  1,  und  im  unteren  Pläner  von 
Plauen,  Koschütz,  Kauscha,  Sobrigau  u.  s.  w. 

2.  Cr.  isopleura  Reuss  sp.  —  Taf.  2.  Fig.  2—4. 
1842.     Seyphia  subseriatae  affinis  Gein.  Char.  S-  95. 

1S46.  Sc.  isopleura  Rss.  Böhm.  Kr.  II.  S.  76.  Taf.  17.  Fig.  10. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  S.  260. 

1850.  Coscinopora  isopleura  d'Orb.  Prodr.  II.  S.  283. 
1864.  Cribr.  isopleura  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  11. 

Man  findet  von  dieser  Art  flache,  dünnwandige  Ausbreitungen,  die  auf  eine  trichter-  oder  tellerartige 
Entwickelung  des  Schwammes  hinweisen,  mit  kleinen  breitelliptischen  oder  kreisrunden  Mündungen,  die  regel- 
mässig mit  einander  abwechseln.  Hierdurch  entsteht  in  ihrer  Anordnung  im  Allgemeinen  ein  Quincunx  von  ',2, 
doch  treten  durch  engere  Stellung  oder  auch  geringere  Grösse  einzelner  Mündungen  zuweilen  Unregelmässig- 
keiten in  dieser  Anordnung  ein  (Fig.  3). 

Auf  1  cm.  Länge  pflegen  in  einer  Längsreihe  8 — 12  Mündungen  zu  liegen.  Die  sie  begrenzenden 
gewölbten  Zwischenräume,  in  welche  sich  die  Mündungen  trichterförmig  einsenken,  sind  wenig  schmäler  und 
auf  ihrer  Aussenseite  mit  feinen  rundlichen  Poren  besetzt  (Fig.  2.  b).  An  der  inneren  Seite  der  äusseren 
Fläche  (Fig.  4.  b)  wird  jede  Mündung  von  einem  schmalen  hervortretenden  Rande  umringt,  welcher  von  dem 
benachbarten  Rande  durch  sternförmig  sich  kreuzende  Fäden  getrennt  ist.  Die  innere  Textur  mit  ihren  recht- 
winkelig sich  durchkreuzenden  Fäden  ist  Fig.  3.  b  abgebildet  worden. 

Vorkommen.  Im  Serpulasande  des  unteren  Quaders  von  Bannewitz  und  Welschhufa,  im  Grünsande 
des  unteren  Quaders  in  dem  Bohrbrunnen  der  Dresdener  Papierfabrik  bei  183  Ellen  Tiefe,  im  unteren  Pläner 
des  Elbthales  bei  Plauen,  Koschütz,  Teltschen  u.  s.  w. ,  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  und  dem 
unteren  Quadermergel  an  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg. 

3.  Cr.  het  er  omorpha  Reuss.  sp.  —  Taf.  3.  Fig.  5—8. 

1846.  Seyphia  heteromorpha  Reuss.  Verst.  d.  böhm.  Kr.  II.  S.  74.  Taf.  18.  Fig.  1  —  4. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  S.  258  (excl.  Syn.). 

1850.  Amorphospongia  heteromorpha  d'Orb.  Prodr.  II.  S.  289  (nicht  bei  Muggendorf). 
1864.  Cylinclrospongia  heteromorpha  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  22.  z.  Th. 

Mit  einer  breiten  Basis  aufgewachsen,  welche  oft  dicke  und  unregelmässige,  knollige  oder  cylindrische, 
meist  stumpf  endende  Ausläufer  bildet  (Fig.  6  a),  dann  etwas  verengt,  sucht  der  vielgestaltige  Schwamm 
eine  trichterförmige  Gestalt  anzunehmen,  die  jedoch  meist  in  mehrere  uuregelmässige  '  Lappen  zusammen- 
gefaltet ist  (Fig.  5  a),  welche  sich  mitunter  auch  gänzlich  röhrenförmig  abschnüren  (Fig.  6  a). 

Das  Gewebe  des  Schwammes  besteht  in  dem  Hauptstamme,  welchen  der  Querschnitt  Fig.  Sab 
darstellt,  aus  concentrischen  und  radialen  Fasern,  welche  sich  rechtwinkelig  durchkreuzen.  Eine  gleiche  Be- 
schaffenheit ist  auf  jedem  Durchschnitte  der  Wandung  zu  beobachten  und  wird  namentlich  auf  der  inneren 
Seite  derselben  sehr  regelmässig  (Fig.  7a*  und  b).  Das  hierdurch  entstehende  Gitterwerk  ist  dem  blossen 
Auge  deutlich  sichtbar.  Meist  treten  darin  die  queren  oder  concentrischen  Linien  stärker  hervor  als  die 
Längslinien.     Beide    dichotomiren    zum    Theil,    wenn   auch    die    davon    eingeschlossenen    rundlichviereckigen 


—      25      — 


Mündungen  immer  noch  ziemlich  regelmässige  Reihen  bilden.  Auf  1  mm.  Breite  pflegen  3  —  4,  der 
Länge  nach  nur  etwa  2  solcher  Oeffnungen  zu  liegen.  Die  äussere  Oberfläche  des  Schwammes  ist  in  der 
Nähe  der  Basis  mit  kleinen  Höckern  bedeckt,  welche  rundliche  Poren  einscbliessen,  ohne  dass  grössere 
Mündungen  hier  vorhanden  sind  (Fig.  6  b);  mit  Beginn  der  Erweiterung  des  Schwammes  stellen  sich  grössere 
rundliche  Mündungen  oder  Maschen  von  vß  —  1  mm.  Grösse  ein  (Fig.  5  *  und  b),  welche,  den  Abbildungen 
von  Reuss  nach  zu  schliessen,  nach  oben  hin  grösser  und  grösser  werden.  Exemplare  aus  dem  unteren  Pläner 
des  Elbthales  zeigen  in  dieser  Beziehung  keine  so  grosse  Verschiedenheit.  Ihre  Zwischenräume  lassen  ein 
lockeres  Gewebe  von  runden,  festen,  knotigen  Fasern  wahrnehmen,  welches  zahlreiche  runde  Poren  einschliesst. 
Von  Cribrospongia  isopleura,  womit  sie  in  Sachsen  und  Böhmen  zusammen  vorkömmt,  ist  diese  Art  nament- 
lich durch  die  unregelmässige  Stellung  der  Mündungen  oder  Maschen  unterschieden.  Durch  die  Abschnürung 
unregelmässiger  Lappen,  selbst  zu  röhrenartigen  Verzweigungen  zeigt  sich  ein  Uebergang  nach  Plocoscyphia, 
deren  Gewebe  dem  der  Cribrospongien  oder  Coscinoporen  am  nächsten  verwandt  ist. 

Vorkommen.  Im  unteren  Quadersandsteine  und  im  Serpulasande  von  Welschhufa  und  Bannewitz, 
im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  a.  0.  bei  Dresden  und  an  den  Schillingen  bei  Bilin  in  Böhmen. 

4.  Cr.  bifrons  Reuss.  —  Taf.  3.  Fig.  9. 

1844.     Scyphia  bifrons  Reuss,  Geogn.  Skizzen  aus  Böhmen.  II.  S.  299. 
1846.     Desgl.  Verst.  d.  böhm.  Kr.  II.  S.  76.  Taf.  18.  Fig.  6. 
1850.     Cupalospongia  bifrons  d'Orbigny,  Prodr.  II.  S.  288. 

Von  dieser  grossen,  nach  Reuss  breitohrförmigen  Art  liegt  nur  ein  Bruchstück  von  Plauen  vor,  an 
welchem  die  äussere  Fläche  wohlerhalten  ist.  Diese  zeichnet  sich  durch  grosse  unregelmässige  Mündungen 
aus,  welche  durch  gewölbte,  höckerige  Zwischenräume  von  einander  getrennt  sind.  Manche  dieser  Mündungen 
sind  rhombisch-quadratisch  und  gegen  3  mm.  gross,  andere  sind  rundlich,  oval  oder  gebogen  und  stehen 
dann  um  so  unregelmässiger  beisammen.  Die  von  einer  Durchkreuzung  starker,  knotiger  Fäden  herrührende 
Beschaffenheit  der,  verschieden  breiten,  fast  wulstigen  Zwischenräume  bewirkt  an  den  Mündungen  einen  zackigen 
oder  höckerigen  Begrenzungsrand ,  was  diese  Art  mit  Cr.  Decheni  (Scyp>hia  Decheni  Goldf.  P.  G.  Taf.  65. 
Fig.  6)  gemein  hat. 

Vorkommen.     Im  unteren  Pläner  bei  Bilin  und  bei  Dresden. 

Plocoscyphia  Reuss,  1846,  d'Orbigny,  1850. 
Syn.:  Maeanürospongia  A.  Römer. 

Abgesehen  von  einer  im  Scheitel  der  PI.  labyrinthica  Reuss,  Böhm.  Kr.  II.  S.  77.  Taf.  18.  Fig.  10, 
vorhandenen  Centraldepression,  welche  Reuss  in  den  Gattungscharakter  mit  aufgenommen  hat,  lassen  sich  die 
von  d'Orbigny,  Prodrome,  1850,  unter  Plocoscyphia,  von  A.  Römer,  Pal.  XIII.  S.  52  aber  als  Maeandro- 
spongia  aufgeführten  Schwämme,  ferner  auch  Polypoiliecia  Pictonica  Michelin,  Icon.  zooph.  S.  147.  PI.  37. 
Fig.  1  (==  Bhysospongia  Pictonica  d'Orb.  Prodr.  IL  S.  286)  recht  wohl  zu  einer  Gattung  vereinen. 

Das  Auszeichnende  ist  für  dieselben,  bei  einer  verschieden  knolligen  Gestalt,  das  Vorhandensein  von 
weiten,  labyrinthartig  mit  einander  verwachsenen,  unregelmässigen  Röhren,  welche  als  Wülste  an  der  Ober- 
fläche vorragen  und  daselbst  weit  ausmünden.  Ihr  Gewebe  besteht  aus  feinen,  rechtwinkelig  oder  sternförmig 
sich  durchkreuzenden  Kieselfäden,  ganz  ähnlich  wie  bei  Cribrospongia  subreticulata  Mün.  sp.,  und  es  sind  in 
dasselbe  zahlreiche  kleinere  und  grössere  Poren  eingesenkt.  Diese  Beschaffenheit  tritt  an  Exemplaren  aus  dem 
Serpulasand   von   Bannewitz   ausgezeichnet  hervor   (Taf.  2.  Fig.  5   und  Taf.  3.    Fig.  1  b)    und   wurde   auch 

Palauoiitographica  XJl.  1.  j 


—     26      - 

von  Reuss    bei   Ploc.  formosa  d'Orb.    (Achitteum  formosum  Reuss  a.  a.  0.  Taf.  43.  Fig.  7)   und   anderen 
Arten  gezeichnet. 

Bei  PI,  Morchella  d'Orb.  (Achitteum  Morchella  Goldf.,  Petr.  Germ.  I.  S.  2.  Taf.  29.  Fig.  6)  von 
Essen  kann  man  eine  ähnliche  Textur  in  gleicher  Weise  oft  wahrnehmen.  Keineswegs  erscheint  die  Oberfläche 
ihrer  zusammenfliessenden  Röhrenwände  immer  so  glatt,  als  sie  Goldfuss  und  A.  Römer  hingestellt  haben. 

1.  PI.  pertusa  Gein.  —  Taf.  2.  Fig.  5  a  b.  Taf.  3.  Fig.   1  a  b. 
1843.     Tragos  pertusum  Gein.  Nachtr.  z.  Charakt.  S.  19.  Taf.  6.  Fig.  18. 

1849.  Achillewm  pertusum  Gein.  Quad.  S.  264. 

1864.     Maeandrospongia  pertusa  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  53.  Taf.  18.  Fig.  11. 

Diese  Art  bildet  breite  Knollen,  ohne  Scheitel,  ohne  centrale  Einsenkung  und  ohne  Stiel,  ganz  ähn- 
lich der  PI.  Morchella  Goldf.,  von  der  sie  vielleicht  nur  durch  ihr  lockeres  Gewebe  verschieden  ist;  denn 
die  Gestalt  der  letzteren  ist  keineswegs  immer  so  kegelförmig,  als  es  die  Abbildung  von  Goldfuss,  Petr. 
Germ.  I.  Taf.  29.  Fig.  6  erscheinen  lässt,  sondern  meist  mit  einer  breiten  Fläche  aufgewachsen. 

Die  weiten  Röhren,  die  den  Schwamm  durchziehen,  sind  bei  unserer  Art  ziemlich  stielrund,  erweitern 
sich  aber  zuletzt  nach  ihren,  unregelmässig  in  einander  verlaufenden  Mündungen  zu  labyrinthartigen  Gängen. 
Dasselbe  gilt  für  PI.  Morchella. 

Als  nahe  Verwandte  von  beiden  muss  aber  auch  Polypothecia  Pictonica  Michelin,  Icon.  zooph.  S.  147 
PL  37.  Fig.  1  angesehen  werden,  deren  untere  Fläche  (1.  c.  Fig.  1  b)  durch  ihre  aus  der  Befestigungsstelle 
ausstrahlenden  Oanäle  unterschieden  ist,  offenbar  eine  blosse  Folge  von  der  mehr  horizontalen  Entwickelung 
des  Individuums,  welches  bald  mehr  in  die  Höhe,  bald  mehr  in  die  Breite  zu  wachsen  pflegt. 

Wahrscheinlich  wird  sich  bald  die  Identität  aller  dieser  Arten  noch  mehr  herausstellen.  - 

Vorkommen.  Plocoscyphia  pertusa  gehört  dem  Serpulasande  des  unteren  Quaders  von  Bannewitz  und 
Welschhufa  bei  Dresden  an;  PI.  Morchella  wurde  in  gleichalterigen  Schichten  von  Frohnhausen  bei  Essen 
an  der  Ruhr  entdeckt;  PI.  (Polypothecia)  Pictonica  fand  sich  in  cenomanen  Schichten  von  Angouleme  (Charente) 
und  Tours  (Indre-et-Loire).  A.  Römer's  Abbildungen  der  Maeandrospongien  bedürfen  besonders  ihres  Gewebes 
halber  einer  neuen  Prüfung. 

3.  Ordn.  Vermiculatae  oder  Lithlstklae  0.  Schmidt.  (Spongitaria  de  Fromentel  pars,  Schwämme 
mit  wurmförmigem  Gewebe  A.  Römer.) 

Amorphospongi'a  d'Orbigny,   1849.  (Amorphofungia  de  Fromentel,  Introd.  S.  50). 

Die  Formen  dieser  Schwämme  sind  sehr  unbestimmt,  oft  knollig,  walzig,  oder  bilden  zusammen- 
geschlagene Flächen.  Sie  bestehen  aus  einem  ziemlich  gleichartigen  Gewebe,  von  welchem  kleine,  gedrängt 
liegende  Poren  eingeschlossen  werden.  An  der  Oberfläche  erscheinen  sie  höckerig.  Sie  besitzen  weder  eine 
Scheitelöffnung,  noch  grössere  Mündungen,  noch  eine  deutliche  Epithek. 

1.  A.  vola  Michelin  sp.  —  Taf.  4.  Fig.   1. 

18-10.     Spongia  vola  Mich.  Icon.  zooph.  S.  29.  PI.  7.  Fig.  2. 

1819.     Desgl.  Gein.  Quad.  S.  264. 

1850.  Amorphospongia  vola  d'Orb.  Prodr.  IL  S.  210. 

Mit  dem  durch  Michelin  von  Uchaux  beschriebenen  Exemplare  stimmen  die  Stücke  von  Plauen  in 
Form  und  Structur  sehr  genau  überein.  Sie  bilden  eine  dicke,  zusammengeschlagene  Fläche,  die  sich  nach 
oben  erweitert,  an  ihrem  ganzen  Rande  zugeschärft  und  oben  unregelmässig  wellenförmig  gebogen  ist.  Es 
liegen  Bruchstücke  von  mehr  als  16  Cm.  Länge  und  etwa  2  Cm.  Dicke  vor,  welche  im  ausgebreiteten  Zu- 
stande auch  16  Cm.  Breite  besitzen.  Ihre  Structur  stimmt  auf  der  äusseren  und  inneren  Fläche  ganz  überein. 


-      27     - 

Anastomosirende  Fasern  schliessen  kleine,  ziemlich  gleich  grosse,  jedoch  unregelmässige,  rundliche  oder  läng- 
liche, Poren  ein  (Eig.  1  c).  An  den  Vereinigungspunkten  der  Fasern  schwellen  sie  höckerig  an.  An  einzelnen 
Stellen  der  Oberfläche  macht  sich  in  den  Fasern  eine  Neigung  zur  Längsrichtung  bemerkbar  (Fig.  1  d). 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen;  im  Grünsande  von  Uchaux  (Dept.  de  Vaucluse.) 

Sparsispöngia  d'Orbigny,  1849. 

Unter  ähnlichen  unbestimmten,  oft  knolligen,  warzenförmigen  oder  anderen  Formen,  und  mit  einem 
ähnlichen  Gewebe  wie  AmorpJiospöngia,  unterscheidet  sich  diese  Gattung  durch  ihre  concentrischen  Lagen 
und  durch  eine  Anzahl  von  grösseren  Mündungen,1)  die  auf  dem  Scheitel  der  warzenförmigen  oder  astförmigen 
Auswüchse  ring-  oder  strahlenförmig  augeordnet  sind.  d'Orbigny  und  de  Fromentel  stellen  als  Typus 
dafür  Stromatopora  polymorpha  Goldf.  (Petr.  Germ.  I.  Taf.  64.  Fig.  8  /)  hin.  Dagegen  hat  v.  Rosen 
a.  a.  0.  S.  83  die  Gattung  Sparsispöngia  ganz  aufgegeben  und  fasst  unter  Stromatopora  Formen  zusammen, 
die  wenigstens  in  ihrem  Aeussern  sehr  von  einander  verschieden  sind. 

1.  Sp.  varians  de  From.  —  Taf.  4.  Fig.  2. 
1846.     Tragos  clavellatum  Geiu.  Grundr.  S.  694  z.  Th. 

1849.  Spongia  sanguisuga  Gein.  Qnad.  S.  264. 

1861.     E.  de  Fromentel,  Catalogue  des  Spongitaires.  p.  13.  PI,  3.  Fig.  8. 

Unregelmässig  wulstförmige  oder  handförmig  getheilte  Schwämme  mit  kurzen,  stumpfen  Auswüchsen, 
deren  Scheitel  in  seiner  Mitte  eine  Anzahl  kleiner  Löcher  oder  kurze  ausstrahlende  Furchen  trägt,  während 
die  ganze  übrige  Oberfläche  sehr  dicht  mit  feinen  Höckern  besetzt  ist. 

Bei  der  grossen  Aehnlichkeit  unserer  Plaüen'schen  Exemplare  mit  de  Fromentel's  Abbildung  von 
Sparsispöngia  varians  aus  dem  Neokom  von  Champtonay  und  Germigney  in  Frankreich  lässt  sich  nicht  nur 
eine  generelle,  sondern  auch  eine  specielle  Identität  mit  dieser  Art  wohl  annehmen,  wiewohl  die  Scheitel- 
mündungen nur  an  wenigen  Aesten  sichtbar  sind.  Die  Beschaffenheit  des  Gewebes  ist  aus  der  Abbildung 
Taf.  4.  Fig.  2  b  wohl  zu  entnehmen. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen.  Unter  den  Essener  Arten  scheint  ihr  Tragos 
deforme  Goldf.  P.  G.  I.  S.  12.  Taf.  5.  Fig.  3  oder  Leiospongia  deformis  A.  Römer,  Pal.  XIII.  S.  41.  Taf.  14 
Fig.  12,  am  nächsten  verwandt  zu  sein. 

Tremospongia  d'Orbigny,  1849,  de  Fromentel,  1859. 

Diese  Gattung  ist  von  Sxmrsispongia  nur  durch  eine  Epithek  unterschieden,  die  oft  einen  grossen 
Theil  des  Schwainmes  in  blätterigen  Anwachsringen  umgibt.  Als  Typus  dafür  gilt  nach  d'Orbigny  und 
de  Fromentel:  Lymnorea  sphaerica  Michelin,  Icon.  zooph.  p.  216.  PI.  52.  Fig.  16,  aus  cenomanen  Schichten 
von  Le  Mans,  welche  nicht  verschieden  ist  von  Manon  pulvinarium  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  S.  2  z.  Th., 
Taf.  29.  Fig.  7. 

1.  Tr.  pidvinaria  Goldf.  sp. 
1826—33.    Manon  pulvinarium  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  S.  2  z.  Th.,  Taf.  29.  Fig.  7. 
1840 — 47.     Lymnorea  sphaerica  Mich.  Icon.  zooph.  p.  216.  PL  32.  Fig.  16. 

1850.  Tremosp.  sphaerica  et  Sparsisp.  pulvinaria  d'Orb.  Prodr.  II.  p.  187. 

1851 — 52.     Tragos  pulv.  und  Mammülipora  sphaerica  Bronn,  Lethaea,  V.  S.  61.  Tab.  XXIX.  Fig.  1.  4. 
1864.     Tr.  pulvinaria  A.  Köm.  Pal.  XIII.  S.  40.  Taf.  14.  Fig.  8. 


')  oder  Einströmungsöffnungen  nach  Fr.  v.  Rosen  in  Verh.  d.  Russ.  Kais.  Min.  Ges.  zu  St.  Petersburg.  2.  Serie 
4.  Bd.  1869.  S.  66.  Taf.  6.  Fig.  3. 


In  der  halbkugeligen  Fläche  des  Schwauiraes  liegen  Gruppen  von  3  —  5  Mündungen  zerstreut.  Das 
Original  zu  der  Goldfuss'schen  Abbildung,  welches  sich  in  den  Dresdener  Sammlungen  befindet,  ist  keineswegs 
frei  von  einer  Epithek,  die  an  der  Basis  des  Schwammes  sehr  deutlich  hervortritt;  ein  scheinbarer  Unterschied 
von  Tr.  sphaerica  liegt  nur  darin,  dass  es  mit  dem  grössten  Theile  seiner  Fläche  aufgewachsen  ist,  während 
Michelin's  Exemplar  mit  einem  kurzen  dicken  Stiele  versehen  ist.  A.  Römer  hat  schon  die  Identität  beider 
Arten  erkannt. 

Vorkommen.  Im  unteren  Quadermergel  von  Frohnhausen  bei  Essen  und  in  cenomanen  Schichten 
von  Le  Mans  in  Frankreich.  Das  Vorkommen  dieser  Art  in  Sachsen  ist  noch  zweifelhaft,  da  man  bisher 
wenigstens  noch  keine  deutlichen  Exemplare  davon  gefunden  hat. 

2.  Tr.  rugosa  Goldf.  sp. 

;826.  Tragos  rugosum  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  S.  12.  Taf.  5.  Fig.  4. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,"  Verst.  d.  Nordd.  Kreideg.  S.  3. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  S.  262. 

1850.  Sparsispongia  rugosa  d'Orb.  Prodr.  IL  S.  187. 

1864.     Tremospongia  dilatata  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  40.  Taf.  1.  Fig.  24. 

Nach  den  uns  vorliegenden  Originalexemplaren  von  Essen,  welche  aus  der  Sack'schen  Sammlung  an 
das  Dresdener  Museum  übergegangen  sind,  bildet  dieser  Schwamm  ganz  unregelmässige  Knollen,  die  mit  einer 
breiten  Fläche  aufgewachsen  sind,  an  ihrem  Umfange  mit  unregelmässigen  Blätterlagen  von  Epithek  bedeckt 
sind  und  mit  einer  unregelmässig  gewölbten  Scheitelfläche  enden.  Statt  einer  grösseren  mittleren  Scheitel- 
mündung,  die  bei  übrigens  ähnlicher  Structur  für  die  Gattung  Epitheles  de  From.  bezeichnend  ist,  treten  bei 
dieser  Art  aus  dem  feinen  Gewebe  des  Schwammes  nur  vereinzelte  röhrenartige  Mündungen  an  verschiedenen 
Stellen  zu  Tage.  Bei  Tr.  pulvinaria  liegen  bekanntlich  meist  je  3  —  5  solcher  Mündungen  gruppenweise 
beisammen. 

A.  Römer  war  geneigt,  Tragos  rugosum  Goldf.  auf  Epitheles  multiformis  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  38. 
Taf.  14.  Fig.  2  zurückzuführen,  welches  weit  mehr  an  Epitheles  foraminosa  Goldf.  sp.  angrenzt,  dagegen 
liegt  kein  Bedenken  vor,  Tremospongia  dilatata  Ad.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  40.  Taf.  1.  Fig.  1  mit  Tr.  rugosa 
zu  vereinen,   wenn  jene  Art  auch  in  einer  tieferen  Etage,  in  dem  Hils  von  Berklingen,  gefunden  worden  ist. 

Vorkommen.  Im  Neokom  oder  Hils  von  Berklingen.  im  unteren  Quadermergel  von  Frohnhausen 
bei  Essen,  und  wahrscheinlich  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

3.  Tr.  Klieni  Gein.  —  Taf.  4.  Fig.  3. 

Bei  eiförmiger  oder  schiefeiförmiger  Gestalt  ist  sie  mit  breiter  Basis  aufgewachsen,  besitzt  bis  weit 
naoh  oben  hin  eine  Anzahl  unregelmässiger  Querrunzeln,  die  von  einer  Epithek  herrühren,  und  zeigt  zuweilen 
in  dem  gerundeten  Scheitel  mehr  oder  minder  deutliche  Mündungen,  welche  ihre  Stellung  bei  Tremospongia 
rechtfertigen.   Diese  treten  an  dem  hier  abgebildeten  Exemplare  deutlicher   als  an  manchen  anderen  hervor. 

Vorkommen.  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Oberhässlich  bei  Dippoldiswalda,  wo  sie  von  Herrn 
Gerichtsrath  Klien  entdeckt  worden  ist,  bis  6  cm.  gross. 

Cupulospongia  d'Orbigny,  1849,  A.  Römer,  1864.  Cupulochonia  de  Fromentel,  1859,  Intro- 
duction,  p.  44. 

In  dieser  von  den  Autoren  etwas  verschieden  aufgefassten  Gattung  lassen  sich  Schwämme  von 
ziemlich  einfacher  Structur,  ohne  Röhren  und  Mündungen  und  ohne  deutliche  Epithek  unterbringen,  deren 
poröses  Gewebe  undeutlich  netzförmig  ist  und   die   sich  in   mehr   oder   minder  deutlichen   Trichter-,    Becher- 


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oder  Tellerformen  zu  entwickeln  streben.  Ob  ihr  Rand  umgebogen  ist  oder  nicht,  worauf  de  Fromentel  Werth 
legt,  scheint  unwesentlich  zu  sein,  womit  auch  A.  Römer  übereinstimmte,  wenn  er  Pal.  XIII.  S.  51  Cup. 
gigantea  und  Cup.  contorta  als  Arten  dieser  Gattung  beschrieb.  Eben  so  wenig  Gewicht  ist  vielleicht  auch 
auf  die  Spuren  einer  epithekartigen  Hülle  zu  legen,  die  an  der  Basis  von  Cup.  inf 'iindibulif ormis  einmal 
vorkommen  kann,  wodurch  sich  A.  Römer  veranlasst  sah,  letztgenannte  Art  zu  Epitlieles  zu  verweisen. 

1.  Cup.  infundibulif ormis  Goldf.  sp.  —  Taf.  4.  Fig.  4.  5. 

1826.     Scyplüa  infundibulif  ormis  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  S.  12.  Taf.  5.  Fig.  2. 

1842.  Desgl.  Gein.  Char.  III.  S.  95. 

1843.  Auloporae  sp.  Gein.  Nachtr.  z.  Char.  S.  18. 

1849.  Scyph.  infund.  Gein.  Quad.  Deutschi.  S.  258. 

1850.  Hippalimus  infund.  d'Orb.  Prodi'.  II.  S.  187. 
1864.     Epitheles  infund.  A.  Römer,  Pal.  XIII.  S.  38. 

Junge  Exemplare  sind  knollig  oder  birnförmig  und  im  Scheitel  cylindrisch  vertieft,  ältere  Individuen 
bilden  sich  becher-  oder  trichterförmig  aus  und  haben  an  Exemplaren  von  Essen  über  30  cm.  Höhe  und  Breite, 
bei  einer  Stärke  der  Wandung  von  etwa  l1,^  cm.  erreicht.  Ihr  kurzer  Stiel  ist  an  der  Aufwachsungsstelle 
wenig  erweitert.  Das  kalkige  Fasergewebe  des  Schwammes  erscheint  dem  blossen  Auge  in  der  Form  von 
netzförmigen  Verzweigungen,  welche  bei  ihrer  oft  glatten  Beschaffenheit  und  zunehmenden  Stärke  lebhaft  an 
jene  der  Auloporen,  wie  Aul.  conglomerata  Goldf.  (Petr.  I.  S.  83.  Taf.  29.  Fig.  4)  erinnern.  Ihre  Beschaffen- 
heit tritt  auch  an  Exemplaren  von  Plauen,  wo  sie  ziemlich  dick  werden  und  meist  glatt  sind,  in  den  Abbil- 
dungen auf  Taf.  4  deutlich  hervor.  Dieselben  scheinen  förmlich  aus  einander  hervorzuwachsen  und  schliessen 
weite,  rundliche  oder  unregelmässige  Hohlräume  ein.  An  Exemplaren  von  Essen  erreichen  diese  Verzweigungen 
nur  selten  diese  Dicke.  Man  trifft  sie  hier  theilweise  mit  glatter  oder  fast  glatter  Oberfläche  an,  wie  bei 
Plauen,  theilweise  aber  auch  als  ein  sehr  feines  Gewebe,  welches  rundliche,  eng  an  einander  stehende  Poren 
enthält,  deren  Vorhandensein  die  sie  bedeckende  Oberhaut  verdeckt  hielt. 

Dies  erinnert  an  Plocoscyphia-kxtm  und  scheint  wesentlicher  zu  sein,  als  eine  wenig  deutliche  Epithek, 
die  an  der  Basis  des  Schwammes  mitunter  wohl  angedeutet  ist  und  worauf  A.  Römer  bei  der  Stellung  dieser 
Art  im  Systeme  wohl  zu  viel  Werth  gelegt  haben  dürfte.  Unter  deil  zahlreichen  Exemplaren  des  Dresdener 
Museums,  welche  von  Essen  stammen,  ist  dieser  epithekartige  Ueberzug,  welcher  den  Stiel  umgibt,  nur  an 
einem  einzigen  Exemplare  vorhanden. 

Auch  bei  Cupulospongia  infundibuliformis  fand  zuweilen  eine  Theilung  des  Individuums  in  zwei 
trichterförmige  Individuen  statt,  was  namentlich  an  einem  Exemplare  des  Dresdener  Museums  sehr  schön 
hervortritt  und  genügend  beweist,  wie  unrecht  man  that,  Einzelschwämme  von  übrigens  gleichartigen  Schwamm- 
gruppen generisch  zu  trennen. 

Vorkommen.  Diese  im  Grünsande  oder  unteren  Quadermergel  von  Frohnhausen  bei  Essen  sehr 
gemeine  Art  wurde  auch  an  einigen  Stellen  des  unteren  Pläners  von  Plauen  nicht  selten  gefunden,  sowie  auf 
dem  Gamighügel  bei  Leubnitz  und  bei  Gross-Sedlitz. 

2.  Cup.  Roemeri  Gein.  —  Taf.  5.  Fig.   1  —  6. 

1864.     C.    contorta   A.    Roemer,    Pal.  XIII.    S.  51.    Taf.  18.  Fig.   2.     (Nicht   Cup.    contorta  Courtiller,    1861.  S.  24. 
PI.  39.    Fig.  1.) 

Mit  einem  kurzen  dicken  Stiele  aufgewachsen,  nimmt  diese  Art  in  der  Regel  die  Form  eines  schiefen, 
unregelmässigen  Napfes  oder  flachen  Trichters  an,  dessen  dicker,  wulstförmiger  Rand  mehr  oder  minder  tief 


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verbogen  ist;  zuweilen  breitet  sie  sich  auch  flach  tellerförmig  aus  (Fig.  4.  5),  wohin  von  den  napfförmigen 
Formen  zuverlässige  Uebergänge  vorliegen.  Ihre  äussere  Fläche  lässt  in  einem  feinen  höckerigen  Gewebe 
ungleiche,  gröbere,  wenig  vertiefte  Gruben  von  V*— */s  mm.  Grösse  wahrnehmen  (Taf.  5.  Fig.  3  im  vergrös- 
serten  Maassstabe),  deren  Zwischenräume  nicht  so  structurlos  erscheinen,  als  in  Römer's  Abbildung,  Fig.  18.  2  b, 
welche  Beschaffenheit  dort  nur  die  Folge  vom  Vorhandensein  einer  glatten  Oberhaut  sein  dürfte,  ähnlich  wie 
bei  Cup.  infundibuliformis.  Vielmehr  ist  diese  Structur  ganz  ähnlich  der  von  Reuss,  Verst.  d.  Böhm.  Kr. 
Taf.  18.  Fig.  1,  für  Scyphia  heteromorpha  gegebenen  Abbildungen.  Auf  der  inneren  Fläche  sind  jene  Gruben 
oft  zu  Furchen  verlängert,  wie  dies  in  ähnlicher  Weise  bei  Cupulochonia  sequana  de  Fromentel,  Catalogue,  1861, 
S.  31.  PL  4.  Fig.  1,  aus  dem  Neokom  von  Germigny,  der  Fall  ist,  die  besonders  nach  dem  Rande  hin 
deutlicher  werden.  Die  innere  Textur  zeigt  an  Durchschnitten  nur  feine  Poren  in  einem  noch  feineren  filzigen 
Gewebe.  An  der  Aussenseite  einiger  Exemplare  der  Cup.  Boemeri  stellen  sich  vereinzelte  grössere  Mündungen 
von  etwa  4  mm.  Durchmesser  ein,  Taf.  5.  Fig.  6,  die  man  vielleicht  noch  als  Zufälligkeiten  betrachten  kann, 
wenn  sie  auch  einen  Uebergang  zu  Stellispongia  Plauensis  vermitteln,  Dank  der  künstlichen  Systematik, 
wodurch  man  genöthigt  wird,  zuweilen  die  nächsten  Verwandten  weit  von  einander  zu  trennen.  Aehnliche 
Vertiefungen  sind  übrigens  auch  an  Cupiäospongia  gigantea  Rom.  (Pal.  XIII.  Taf.  18.  Fig.  1)  wahrzunehmen. 
(Vgl.  S.  21.) 

Vorkommen.  Bis  10  cm.  gross"  nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  am  Gamighügel  bei 
Leubnitz,  bei  Kauscha  und  Gross-Sedlitz;  Römer's  Cup.  contorta  im  Varians-Pläner  des  Kahnsteins. 

Stellispongia  d'Orbigny,  1849,  de  Fromentel,   1859,  A.  Roemer,  1864. 

In  dem  porösen  Gewebe  der  Aussenfläche  sind  vereinzelte  oder  zahlreiche  grössere  Mündungen  ein- 
gesenkt, von  welchen  undeutlich  sternförmige  Furchen  ausstrahlen. 

1.  St.  Plauensis  Gein.   -  Taf.  5.  Fig.  7.  8;  Taf.  6.  Fig.  1. 

1843.     Cnemidium  astroides  und  Cnem.  Plauense1)  Gein.  Nachtr.  z.  Charakt.  S.  18.  Taf.  6.  Fig.  13.  19. 

1846.     Tragos  astroides  Gein.  Grundr.  S.  693.  (excl.  Syn.)  Taf.  25.  Fig.  22. 

1849.     Cnemidium  acaule  (pars)  und  Tragos  astroides  Gein.  Quad.  Deutschi.  S.  256.  262. 

Kurzgestielt  oder  mit  einer  breiteren  Fläche  aufsitzend,  gleicht  dieser  vielgestaltige  Schwamm  in 
seinen  Jugendzuständen  oft  der  Cupulospongia  Boemeri,  von  der  er  sich  dann  nur  durch  seine  zahlreichen 
grösseren  Mündungen  an  der  Aussenseite  unterscheidet.  Zuerst  knollig,  oft  niedergedrückt,  entweder  mit 
rundlichem  Umfange  oder  mit  stumpfen  rundlichen  Auswüchsen  versehen,  ähnlich  der  St.  Mosensis  d'Orb. 
{Cnemidium  stellatum  Mich.  Icon.  zooph.  PI.  26  Fig.  8)  aus  dem  oberen  Jura,  oder  schief  napfförmig,  ent- 
wickelt sich  St.  Plauensis  in  der  Regel  zu  ohrförmigen,  dickwandigen  Ausbreitungen,  deren  gewölbte  äussere 
Fläche  gewöhnlich  mit  zahlreichen  runden  Mündungen  von  etwa  4  mm.  Durchmesser  bedeckt  ist,  welche 
einige  Millimeter  tief  in  dem  lockeren  Gewebe  eingesenkt  sind.  An  dem  zuerst  als  Cnemidium  Plauense 
beschriebenen  Exemplare  fällt  eine  solche  Mündung  gerade  in  die  Mitte  des  flachen  Scheitels,  in  ähnlicher 
Weise,  wie  an  dem  Exemplare  auf  Taf.  6.  Fig.  1.  Zwischen  diesen  Mündungen,  wie  überhaupt  auf  der  ganzen 
Aussenfläche  des  Schwammes  liegen    zahllose  kleinere   und   grössere  Gruben,   von   0,5  mm.  durchschnittlicher 


')  Nachdem  sich  durch  neue  Funde  die  Zusammengehörigkeit  von  Cnemidium  Plauense  und  astroides  herausgestellt 
hat,  lässt  sich  diese  Art  als  Stellispongia  Plauensis  festhalten,  da  bereits  Tragos  astroides  Münster,  1841,  Beitr.  IV.  S.  30. 
Taf.  1.  Fig.  18,  von  d'Orbigny  (Prodr.  I.  S.  210)  den  Namen  Stellispongia  astroides  erhalten  hatte. 


—     31     — 

Grösse,  in  einem  höckerigen,  feinporösen  Gewebe  zerstreut.  (Taf.  6.  Fig.  1  c.)  Aehnlich,  wenn  auch  noch 
unregelmässiger  höckerig,  ist  auch  die  innere  meist  concave  Fläche  des  Schwammes  beschaffen  (Taf.  5. 
Fig.  8  b,  c),  welcher  jedoch  die  grösseren  Mündungen  fehlen.  Letztere  sind  stets  mit  einer  grösseren  Anzahl 
unregelmässiger,  ausstrahlender  Furchen  umgeben,  die  dem  Fossile  einige  Aehnlichkeit  mit  der  Structur  der 
Astraeen  ertheilen.  Uebrigens  nähert  sich  die  Structur  des  Gewebes  an  diesen  Schwämmen  sehr  der  von 
Oupülospongia  JRoemeri,  womit  sich  überhaupt  eine  nahe  Verwandtschaft  zeigt. 
Vorkommen.    Häufig  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

2.  St.  Reussi  Gein.  —  Taf.  6.  Fig.  3. 

1846.     Cnemidium  stellatum  Reuss.  Verst.  d.  böhm.  Kr.  II.  S.  71.  Taf.  16.  Fig.  1. 
1849.    Cnem.  Reussi  Gein.  Quad.  S.  256. 
1864.     Stell.  Reussi  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  49. 

Zu  dieser  Art,  welche  Reuss  aus  dem  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  beschrieben  hat,  muss 
wenigstens  1  Exemplar  von  Plauen  in  der  Sammlung  des  Generalstabsarztes  Dr.  Günther  in  Dresden  gerechnet 
werden.  Dasselbe  war  auf  einer  seiner  schmalen  Seiten  aufgewachsen  und  bildet  mehrere  mit  einander  innig 
verwachsene  Haupttheile,  von  denen  sich  je  ein  rundlicher  Theil  an  die  Seiten  des  halbkreisförmigen  mittleren 
Theiles  anschliesst.  Die  eine,  wahrscheinlich  äussere  Fläche  derselben  (Fig.  3,  b)  ist  scheiteiförmig  erhoben 
und  trägt  in  der  Nähe  ihres  Scheitels  bei  *  jene  flache  grubeiiförmige  Vertiefung,  auf  welche  Reuss  die  Auf- 
merksamkeit lenkte  und  von  der  aus  lange  und  seichte,  gabelnde  oder  anastomosirencle  Furchen  das  feinporöse 
und  höckerige  Gewebe  durchschneiden.  An  dem  mittleren  Theile  des  Exemplares  laufen  diese  Furchen  von 
dem  erhabenen  Scheitel  selbst  aus,  ähnlich  wie  bei  Tragos  stellatum  Goldf.  (Petr.  I.  S.  14.  Taf.  30.  Fig.  2) 
=  Actinospongia  stellata  A.  Rom.  =  Stellisp.  substellata  d'Orb.  von  Essen. 

Die  andere,  wahrscheinlich  innere  Fläche  (Fig.  3  a)  ist  in  ihren  mittleren  Theilen  entweder  flach- 
concav  oder  fast  eben  und  lässt  schon  mit  blossem  Auge  höckerige ,  anastomosirende  Fasern  unterscheiden, 
die  sich  entweder  zu  vereinzelten  oder  in  einander  verlaufenden  undeutlichen  Sternen  gruppiren.  Diese 
Structur  ist  nicht  unähnlich  jener  auf  der  inneren  Fläche  des  Elasmostoma  Normaniamim  d'Orb.  in  Golclfuss' 
Abbildung  des  Manon  Peziza  Taf.  29.  Fig.  8  b. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden,  an  den  Schillingen  bei  Bilin,  viel- 
leicht auch  im  unteren  Grünsande  von  Essen  {Aetinospongia  stellata  A.  Rom.). 

3.  St.  Goldfussiana  Gein.  —  Taf.  6.  Fig.  4—7. 

1826.    Manon  stellatum  Goldf.  Petr.  I.  S.  3.  Taf.  1.  Fig.  9. 

1864.    Stell,   stellata   A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  48.    (Nicht   Stell,   stellata   d'Orb.  Prodr.  I.   S.  326,  =  Spongia  stellata 
Lamour.  1821.) 

Sie  bildet  dünnwandige,  nieren-  oder  ohrförmige,  verschieden  gebogene  und  gewölbte,  unregelmässige 
Ausbreitungen,  deren  eine,  bald  convexe,  bald  concave  Fläche  mit  kleinen,  gegen  vß  mm.  grossen  Mündungen 
bedeckt  ist,  die  von  zahlreichen  kurzen,  knotigen  Fasern  sternförmig  begrenzt  werden.  Letztere  anastomosiren 
und  schliessen  auf  den  breiten  Zwischenräumen  wurmförmige  und  rundliche  Vertiefungen  ein.  Diese  Zwischen- 
räume sind  entweder  eben  oder  wulstförmig  gewölbt,  nie  aber  ragen  die  Mündungen  aus  der  Fläche  hervor, 
was  neben  anderen  Charakteren  diese  Art  von  Elasmostoma  oder  Manon  bei  Goldfuss  entfernt.  Die  andere, 
innere  Fläche  des  Schwammes,  die  bald  concav,  bald  convex  erscheint,  zeigt  ein  feines,  höchst  unregelmässiges 
Gewebe,  das  man  mit  blossem  Auge  noch  wohl  unterscheiden  kann. 


—     32     — 

Vorkommen.  Man  findet  diese  Art,  welche  irn  unteren  Quadermergel  von  Essen  bis  14  cm.  Breite 
erreichte,  in  weit  kleineren  Exemplaren  auch  bei  Plauen. 

4.  St.  Michel  ini  Gein.  —  Taf.  6.  Fig.  2. 

1843.     Tragos  stellatum  Gein.  Nachtr.  z.  Char.  S.  19.  Taf.  6.  Fig.  14.  15. 
1849.     Tragos  Michelini  Gein.  Quad.  S.  262. 

Sie  bildet  halbkugel-  oder  knopfförmige  Körper  von  mehreren  Centimetern  Durchmesser,  die  auf  der 
freien  Seite  gewölbt  und  mit  der  unteren  Fläche  grösstentheils  aufgewachsen  sind.  In  dem  feinporösen  Gewebe 
der  Oberfläche  liegen  zahlreiche,  jedoch  vereinzelte,  aus  4—6  zusammenlaufenden  Furchen  gebildete  Sterne, 
deren  lange  Strahlen  meist  dichotomiren.  Die  Mitte  eines  solchen^  Sternes  ist  schwach  vertieft  und  mit  einer 
oder  mehreren  kleinen  Gruben  versehen. 

Bei  einer  noch  weiteren  Spaltung  der  Gattungen  würde  man  diese  Art  'zu  Asterospongia  A.  Römer 
stellen  können,  wofür  nachstehende  Diagnose  gegeben  wurde:  „Asterospongia  A.  Römer,  1864.  Aus  verwachsenen, 
warzenförmigen  Individuen  gebildet,  oder  ohne  bestimmte  Form;  hier  und  dort  laufen  Furchen  sternförmig 
von  einem  Punkte,  aber  von  keiner  Mündung  aus;  die  Basis  ist  mit  keiner  Epithek  versehen,  wodurch  sich 
diese  Gattung  von  der  immer  davon  umgebenen  Gattung  Actinospongia  d'Orb.  unterscheidet."  (A.  Römer. 
Pal.  XIII.  S.  53.) 

A.  conglobata  (Cnemidium  eongl.)  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kr.  II.  S.  72.  Taf.  16.  Fig.  2.  3,  aus  dem 
unteren  Pläner  von  Bilin  (nicht  Quadratenkreide,  wie.  man  bei  A.  Römer  liest),  eröffnet  die  Reihe  von 
Römer's  Arten. 

Reuss  hat  jedoch  bei  dieser  Art  ausdrücklich  hervorgehoben,  dass  in  der  Centralvertiefung  eines 
jeden  wenig  vertieften  Centrums  der  vereinzelten  Sterne  12 — 22  in  mehrere  kleine  Kreise  geordnete  runde 
Mündungen  stehen,  die  er  auch  deutlich  abgebildet  hat.  Hierdurch  gewinnen  wir  wieder  einen  Uebergang 
nach  Tremospongia  d'Orb.  1849,  de  Fromentel,  Introd.  1859.  S.  37. 

Stell.  Michelini  zeigt  sowohl  mit  Ast.  conglobata  Reuss  sp.  als  auch  mit  Ast.  globosa  A.  Rom. 
(Pal.  XIII.  S.  54.  Taf.  19.  Fig.  5)  aus  dem  Quadratenmergel  des  Sudmer  Berges  bei  Goslar  sehr  nahe  Ver- 
wandtschaft. Ausserdem  hat  sie  Aehnlichkeit  mit  Tragos  stellatum  Goldf.  Petr.  I.  S.  14.  Taf.  30.  Fig.  2  von 
Essen  =  Cnemidium  stellosum  Bronn,  Stellisp.  siibstellata  d'Orb.  =  Act.  stellata  A.  Römer.  Pal.  XIII.  S.  41, 
welche  Art  sich  jedoch  durch  das  Vorhandensein  einer  Epithek,  sowie  durch  den  Mangel  jeder  Oeffnuug  oder 
Vertiefung  in  der  Mitte  ihrer  meist  warzenförmig  erhobenen  Sterne  unterscheidet,  während  hier  und  da  ovale 
Oeffnungen  neben  den  Sternen  das  Gewebe  durchbrechen. 

Vorkommen.  St.  Michelini  wird  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  nur  selten  gefunden. 

Epitheles  de  Fromentel,  1869,  Gein.  1871. 

Syn.:  Lymnorea  Lamouroux,  1821  (nicht  Peron  et  Lesueur);  Lymnoreotheles  et  Epitheles 
de  Fromentel,  1859,  Myrmecium  et  Scyphia  (pars)  Goldfuss,  1826  u.  f.,  Lymnorea  et  Rippalimus  (pars) 
d'Orbigny,  Prodr.   1849/1850,   Lymnorea  et  Epitheles  (pars),   Polyendostoma  et  Endostoma  A.  Römer,  1864. 

Kreisel-  oder  umgekehrt  kegelförmige,  bim-  oder  walzenförmige,  selbst  becher-  und  trichterförmige 
Schwämme,  welche  unten  von  einer  Epithek  bedeckt  sind  und  an  ihrem  Scheitel  eine  centrale,  röhren-  oder  kegel- 
förmige bis  trichterförmige  Vertiefung  besitzen.  Dieselben  sind  entweder  einfach  und  wurden  dann  als  Epitheles 
im  engeren  Sinne,  als  Myrmecium  und  Endostoma  unterschieden,  oder  sie  sind  in  Folge  einer  einmaligen 
oder  wiederholten  Theilung  des  Schwammes  (vgl.  S.  21)  innig  verwachsen  und  in  Gruppen  vereinigt,  die  man 


-      33      — 

als  Arten  von  Lyninoreotheles  und  Polyendostoma  beschrieben  hat.  Jene  grossen  runden  Mündungen  von 
Canälen,  die  auf  der  inneren  Wand  der  centralen  Vertiefung  vorhanden  sind  und  Römer  zur  Aufstellung 
seiner  Gattungen  Polyendostoma  und  Endostoma,  neben  Lymmrca  und  Epitlieles,  veranlasst  haben,  werden 
öfters  vom  oberen  Eande  aus  durch  eine  dünne  Oberhaut  mit  regelmässigen  runden  Poren  verdeckt.  Dies 
ist  in  ausgezeichneter  Weise  bei  JE.  foraminosa  Goldf.  sp.  der  Fall.  Bei  Myrmecium  hemispliaericum  Goldf. 
I.  p.  IS.  Taf.  6.  Fig.  12,  aus  dem  Jurakalke  von  Thurnau,  das  de  Fromentel  als  Typus  für  Epitlieles  hinstellt, 
sollen  die  ästigen  Canäle  von  der  Grundfläche  nach  der  Peripherie  hinstrahlen,  deren  Beschaffenheit  und 
Richtung  demnach  manchen  dieser  Canäle  bei  Epitlieles  foraminosa  ganz  analog  sind.  Wie  bei  Myrmecium, 
sind  auch  bei  E.  foraminosa  die  Mündungen  dieser  Canäle  an  der  Aussenfläche  zerstreut  und  oft  sternförmig 
ausgezackt. 

1.  E.  tetragona  Goldf.  sp.  —  Taf.  8.  Fig.  9  —  12. 

1826.     Scyphia  mammillaris  und  Sc.  tetragona  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  p.  4.  Taf.  2.  Fig.  1.  2. 

1841.     Sc.  tetragona  A.  Römer,  die  Verst.  d.  nordd.  Kreideg.  S.  6. 

1849.  Desgl.  Geinitz.  Quad.  Deutschi.  S.  256. 

1850.  Hippalimus  tetrugonus  d'Orbigny,  Prodr.  II.  p.  186. 

1864.     Polyendostoma  sociale  und  Endostoma  tetragonum  A.  Römer,  Pal.  XIII.  S.  39.  Taf.  14.  Fig.  4.  7. 

Der  kleine  Schwamm  sitzt  auf  einer  breiten  Grundfläche  auf,  verengt  sich  etwas  und  verlängert  sich 
warzig,  kreisel-,  umgekehrt  kegel-  oder  keulenförmig  bis  zu  einem  von  einer  Kante  begrenzten,  meist  flach- 
gewölbten, zuweilen  fast  ebenen  Scheitel,  in  dessen  Mitte  sich  eine  schmale  cylindrische  Mündung  einsenkt. 
Der  Umfang  des  Scheitels  ist  meist  rundlichvierseitig,  zuweilen  aber  auch  nach  einzelnen  Richtungen  hin  in 
unregelmässige  Lappen  ausgezogen,  die  jedoch  keine  besondere  Hauptmündung  zeigen;  sein  Rand  ist  meist 
scharf,  die  Mündung  nähert  sich  mehr  oder  weniger  der  Mitte  des  Scheitels. 

An  dem  unteren  Theile  des  Schwammes  ist  an  vielen  Exemplaren  von  Essen  eine  blätterige,  theil- 
weise  zerrissene,  glatte  Oberhaut  oder  Epithek  wahrnehmbar,  auf  deren  Vorhandensein  bei  dieser  Art  zuerst 
A.  Römer  die  Aufmerksamkeit  gerichtet  hat.  Oft  finden  sich  Exemplare,  die  aus  2  oder  mehreren  innig  mit 
einander  verwachsenen  Individuen  oder  sogenannten  Personen  bestehen,  von  denen  ein  jedes  seine  besondere 
Scheitelöffnung  besitzt,  derart  verbunden,  dass  man  nur  an  eine  ähnliche  Theilung  des  Individuums,  wie  bei 
Cyatliophyllum  und  anderen  Korallen  denken  kann.  Dies  ist  Polyendostoma  sociale  A.  Römer. 

Das  Gewebe  des  Schwammes,  welches  an  Essener  Exemplaren  vorzüglich  erhalten  ist,  besteht  aus 
kurzen,  anastomosirenden  höckerigen  Fäden,  welche  kleine  rundliche  oder  vieleckige  Zwischenräume  lassen. 
Darin  sind  zahlreiche,  von  dem  Hauptcanale  aus  horizontal  nach  aussen  laufende  Seitencanäle  vorhanden, 
deren  Mündungen  an  der  Aussenseite  meist  sternförmig  ausgezackt  sind  und  welche  mitunter  auch  die  centrale 
Mündung  als  strahlenförmige  zum  Theil  dichotome  Rinnen  umgeben. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen.  Die  hier  abgebildeten  Exemplare  sind  junge 
Individuen  theils  mit  spitz  erhobenem,  theils  mit  fast  flachem  Scheitel.  Ausgewachsene  Exemplare  kamen  häufig 
im  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen  vor. 

2.  E.  foraminosa  Goldf.  sp.  —  Taf.  8.  Fig.  13. 

1826.  Scyphia  foraminosa  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  p.  86.  Taf.  31.  Fig.  4. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  Verst.  des  nordd.  Kreidegeb.  S.  6. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  S.  258. 

1850.  Eudea  foraminosa  d'Orb.  Prodr.  II.  p.  186. 

1864.     Endostoma  foraminosum  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  39.  Taf.  14.  Fig.  6. 
Epitlieles  multiformis  A.  Rom.  eb.  S.  38.  Taf.  14.  Fig.  2. 

Palaeontographica  XX.  1.  5 


—      34     — 

Auch  von  dieser  Art  ist  das  Originalexemplar  bei  Goldfuss  an  das  Dresdener  Museum  übergegangen. 
Der  ungestielte  Schwamm  ist  mit  einer  sich  erweiternden  Basis  aufgewachsen  und  in  deren  Nähe  mit  Epithek 
umhüllt.  Ursprünglich  warzenförmig,  entwickelt  er  sich  walzig-eiförmig,  oder  umgekehrt  kegelförmig  und  becher- 
förmig, und  dann  oft  mit  unregelmässig  gebogenem  und  ungleichförmigem  Rande.  Der  Scheitel  besitzt  stets 
eine  weite  Vertiefung,  die  oben  scharfrandig,  becher-  oder  trichterförmig  eingesenkt  ist,  eine  gewisse  Glätte 
besitzt  und  mit  kleinen,  runden,  ziemlich  regelmässigen  Poren  siebartig  durchlöchert  ist.  Erst  unter  dieser 
Schicht,  die  mitunter  schon  von  den  Canälen  durchzogen  wird,  tritt  die  uuregelmässige  Structur  des  Gewebes, 
wie  auch  die  grosse  Anzahl  von  Canalmündungen  auf  der  inneren  Seite  hervor.  Das  ziemlich  lockere  Gewebe 
besteht  aus  knotigen  anastomosirenden  Fasern,  die  auf  der  Aussenfläche  ganz  unregelmässige,  grössere  und 
kleinere  Zwischenräume  lassen,  neben  welchen  ausserdem  noch  grössere  von  Canälen  herrührende  Mündungen 
mit  ihren  undeutlich  sternförmigen  Auszackungen  zerstreut  liegen. 

Unter  den  zahlreichen  Exemplaren  von  Essen,  die  bis  5  cm.  Länge  erreicht  haben,  sind  auch  welche 
vorhanden,  an  welchen  eine  Theiluug  des  Schwammes  eingetreten  ist. 

In  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  sind  bisher  nur  junge  beobachtet  worden,  die  aber  ganz  den  jungen 
Exemplaren  von  Essen  entsprechen. 

3.  E.  robusta  Gein.  —  Taf.  8.  Fig.   1—8. 

Eine  fast  cylindrische  Art,  die  nicht  selten  mit  ringförmigen  Zuwachswülsten  und  Spuren  von  Epithek 
versehen  ist,  an  ihrer  Oberfläche  aber  oft  mehr  oder  weniger  zahlreiche,  grössere  oder  kleinere,  unregelmässige 
Knoten  trägt,  zu  welchen  sich  das  wurmförmig  anastomosirende  Gewebe  erhebt.  Sie  ist  mit  breiter  Basis 
aufgewachsen  und  verschmälert  sich  nur  wenig  in  der  Nähe  ihres  oberen  stumpfen  Endes,  an  dessen  schwach 
vertieftem  Scheitel  eine  lange  cylindrische  centrale  Höhlung  mündet.  Von  den  letzteren  laufen  zahlreiche 
Seitencanäle  nach  aussen  hin,  die  bei  2  cm.  Durchmesser  des  ganzen  Querschnittes  des  Schwammes  nur  gegen 
0,5  mm.  stark  sind. 

Das  Gewebe  des  Schwammes  besteht  aus  verhältnissmässig  dicken,  anastomosirenden  Fasern,  welche 
vielgestaltige,  kleinere  und  grössere,  rundliche  oder  wurmförmige  Poren  einschliessen.  Dasselbe  ist  noch 
robuster,  als  bei  Ep.  foraminosa  und  Ep.  tetrayona.  Die  grösseren  an  der  Oberfläche  zerstreuten  Knoten 
besitzen  dieselbe  Structur  und  es  scheint  überhaupt,  als  ob  die  von  der  centralen  Höhlung  ausstrahlenden 
Seitencanäle   zum  Theil  darin  ihren  Ausgang  nähmen. 

Man  kann  nach  der  äusseren  Betrachtung  dieser  Art  leicht  versucht  werden,    sie  für  eine  SipJiono- 
coelia  de  Fromentel,   1859,  Introd.  p.  31,  zu  halten,  welcher  Gattung  jedoch  alle  Seitencanäle  und  Mündungen 
■  fehlen  sollen.  Ihre  äussere  Aehnlichkeit  mit  Siphonia  anmdata  Gein.  wird  dort  besprochen. 

Vorkommen.  Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  liegen  mehrere  Exemplare  der  Epitlieles  nodosa 
von  14  cm.  Länge  und  4,5  cm.  Dicke  vor;  häufiger  sind  Exemplare  von  etwa  G  cm.  Länge  und  nur  2,5  cm. 
Durchmesser.  Auch  kommt  sie  am  Gamighügel  bei  Leubnitz  vor. 

4:  E.  für c ata  Goldf.  sp.  —  Taf.  8.  Fig.  7—8. 

1826.     Scyphia  furcata  Goldf.  P.  G.  I.  S.  5.  Taf.  2.  Fig.  6. 
1840—47.     Scyplüa  micropora  Micheliu,  Icon.  Zooph.  p.  215.  PI.  53.  Fig.  14. 
1849—50.     Scyphia  furcata  und  Spongia  Ottoi  Gein.  Quad.  Deutschi.  S.  256.  264. 

1850.     Hippalimus  furcata  d'Orb.  Prodr.  IL  p.  187. 

1S64.     Polyendostoma  furcatum  A.  Rom.  Pal.  XIII.  S.  39.  Taf.   14.  Fig.  5. 

Diese  Art  bildet  walzenförmige,  oft  ein-  oder  zweifach  gabelnde  Stämme,  die  meist  gruppenweise  oder 
stockförmig  beisammenstehen  und    in   deren  stumpfen  Scheitel  sich  eine  lange  cylindrische  Höhlung  einsenkt. 


—     35     — 

Yon  dieser  laufen,    wie   bei  allen  Arten  der  Gattung,   mehrere  dünne  Seitencanäle  aus.    Das  Gewebe  ist  be- 
trächtlich feiner  und  dichter,  als  bei  den  drei  ersten  Arten. 

Vorkommen.  Im  cenomanen  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen.  Es  ist  höchst  wahrscheinlich, 
dass  Spongia  Ottoi  Gein.,  1849  —  50,  Quad.  Deutschi.  S.  264.  Taf.  12.  Fig.  G.  7  aus  dem  unteren  Quader- 
sandsteine von  Wendischcarsdorf  bei  Dippoldiswalda  dazu  gehört.  Wenigstens  stimmt  deren  Form,  wie  auch 
aus  den  Abbildungen  von  E.  v.  Otto.  Additamenta  zur  Flora  des  Quadergebirges,  1852  —  4.  I.  S.  26, 
II.  S.  12.  Taf.  4.  Fig.  7,  hervorgeht,  sehr  nahe  mit  verschiedenen  uns  von  Essen  vorliegenden  Gruppen  dieses 
Schwammes  überein.  Fig.  7  auf  Taf.  XII.  in  Gein.  Quad-  Deutschi,  ist  nicht  ganz  richtig  aufgefasst  und  des- 
halb hier  Taf.  8.  Fig.  8  noch  einmal  gezeichnet  worden,  indem  der  in  dieser  Zeichnung  als  Stiel  erscheinende 
Theil  nur  ein  Zweig  von  der  Hauptgruppe  ist,  die  sich  von  einer  gemeinschaftlichen  Basis  aus  nach  verschiedenen 
Richtungen  hin  ausbreitet.  Etwas  Aehnliches  gilt  für  die  beiden  unteren  Figuren  der  v.  Otto'schen  Abbildungen. 
Structur  ist  an  diesen  Sandsteinversteinerungen  nicht  mehr  zu  erkennen.  Der  Form  dieses  Schwammes  gleicht 
auch  die  des  Gyrophyllites  Kivassizensis  Glocker,  1841,  N.  Act.  Ac.  Leop.  Car.  XIX.  2.  Suppl.  S.  322,  aus 
dem  Sandsteine  des  Kwassitzer  Kapellenberges  in  Mähren,  welchen  Geinitz  und  v.  Otto  als  Synonym  der 
Spongia  Ottoi  bezeichnet  haben. 

Chenendopora  Lamouroux,  1821.  {Chenendoscyphia  de  Fromentel,  1859,  Bicupula  Courtiller,  1861.) 
Dickwandige,  trichter-  oder  napfförmige,  nach  A.  Römer  auch  ohr-  und  halbkreisförmig  ausgebreitete 
Schwämme,  auf  deren  inneren  Fläche  ziemlich  regelmässige  Mündungen  stehen,  welche  seicht  sind  und 
oft  mit  erhabenem  Rande  aus  einer  glatten  Oberhaut  hervorragen.  Die  äussere  Fläche  und  der  obere  Rand 
erscheinen  sehr  fein  netzartigporös.  Das  Gewebe  des  Schwammes  ist  wurmförmigporös.  Ueber  ihre  lebenden 
Vertreter  s.  S.  20. 

1.  Ch.  und ul ata  Mich.  —  Taf.  7.  Fig.  5.  6. 

1840—47.     Michelin,  Icon.  zooph.  p.  131.  PI.  34.  Fig.  3;  PI.  40.  Fig.  2. 

1846.     ?  Manon  PMllipsü  Keuss,  Verst.  d.  böhm.  Kr.  II.  S.  77.  Taf.  19.  Fig.  7.  8. 
1850.     d'Orbigny,  Prodrome  II.  p.  187. 

Sie  ist  trichterförmig,  oft  etwas  schief,  wohl  auch  ohrförmig,  auf  ihrer  feinporösen,  fast  glatten  Aussen- 
fläche  mit  flachen -wulstförmigen  Anwachsringen  versehen,  besitzt  einen  dicken,  wellenförmigen  Rand  und  ist 
an  der  Basis  dickgestielt.  Ihre  flachen  Mündungen  auf  der  inneren  Seite  der  Wandung  haben  einen  vor- 
stehenden, wulstförmigen  Rand  und  besitzen  1  —  1,5  mm.  Durchmesser.  Sie  werden  den  Mündungen  von 
Elasmostoma  Normanianum  sehr  ähnlich,  so  dass  es  ziemlich  willkürlich  erscheint,  ob  man  die  flach  ohrförmig 
ausgebreiteten  Exemplare,  welche  von  Reuss  (Böhm.  Kr.  II.  S.  77.  Taf.  19.  Fig.  7.  8)  und  Geinitz  (Quad. 
S.  262)  Manon  Phillipsi  genannt  worden  sind,  zu  Chenendopora  widulata  oder  zu  Elasmostoma  Normanianum 
stellt.  Ihrem  geologischen  Horizonte  nach  wird  man  sie  übrigens  viel  eher  mit  Ch.  undulata,  als,  wie  früher 
geschah,  mit  Ch.  marginata  vereinigen  können. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen;  nach  Michelin  und  d'Orbigny  in  cenomanen 
Schichten  von  Villers  und  Coulanges  in  Frankreich.  Sie  kommt  mit  Siphonia  pyriformis  zusammen  auch  bei 
Chäteau  de  Meauence  bei  Lude  (Dpt.  Maine-et-Loire)  vor. 

2.  Ch.  pateraeformis  Mich.  —  Taf.  7.  Fig.   1—4. 
1840—47.     Michelin,  Icon.  zooph.  p.  130.  PI.  37.  Fig.  2. 

1850.     d'Orbigny,  Prodr.  II.  p.  187. 


—     36     — 

Diese  Art  ist  schüsseiförmig  oder  niedrig  kreiseiförmig,  zuweilen  etwas  schief  ausgebildet,  hat  einen 
rundlichen  Umfang,  einen  sehr  breiten,  entweder  gewölbten  oder  flachen  Rand  und  eine  flache  Vertiefung,  in 
welcher  flache  runde  Mündungen  von  etwa  2>  mm.  Durchmesser  liegen.  Die  übrige  Beschaffenheit  der  Ober- 
fläche gleicht  der  vorigen  Art,  von  der  sie  sich  wesentlich  noch  durch  ein  meist  spitzes  unteres  Ende 
unterscheidet. 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  sind  mehrfach  jüngere  Exemplare  gefunden  worden, 
welche  unserer  Abbildung  entsprechen;  d'Orbigny  führt  sie  aus  cenomanen  Schichten  Frankreichs,  von 
le  Havre,  Villers,  Coulanges,  Remalard,  auf. 

Elasmostoma  de  Fromentel,   1859.   {Manon  Goldf.  pars.) 

Die  Arten  dieser  Gattung  entwickeln  sich  nieren-,  halbkreis-,  ohr-  oder  napf-  und  trichterförmig  und 
sind  oft  mehr  oder  weniger  verbogen.  Ihre  äussere,  mit  einer  oberhautartigen  Schicht  (Epithek)  überzogene 
Fläche  wird  von  niedrigen,  röhrenartigen  Mündungen  durchbrochen,  die  oft  wie  Pusteln  hervorstehen  und  an 
die  durch  ein  Kartenblatt  mit  einer  Ahle  gestossenen  Löcher  erinnern.  Unter  der  ziemlich  glatten,  zuweilen 
auch  rissigen  Oberhaut,  die  durch  Verwitterung  zuweilen  verloren  gegangen  ist,  zeigt  sich  ein  aus  kurzen, 
höckerigen  Fasern  bestehendes  Gewebe,  welches  kleinere  oder  grössere,  rundliche  oder  längliche  und  dann 
wurmförmig  gebogene  Zwischenräume  oder  Poren  einschliesst. 

Auf  der  inneren  Fläche  des  Schwammes,  welcher  die  Epithek  und  die  grösseren  rundlichen  Mündungen 
fehlen,  gewinnen  die  Fasern  nicht  selten  ein  moosförmiges  Ansehen  und  gruppiren  sich  wohl  auch  um  einzelne 
grössere  oder  tiefere'  Poren  undeutlich  sternförmig.  Dies  ist  sehr  schön  bei  Manon  Peziza  Goldfuss,  Petr.  G.  I. 
Taf.  29.  Fig.  8  l,  gezeichnet,  während  Fig.  8  «  und  c  die  äussere  Fläche  dieses  Exemplars,  theils  mit,  theils 
ohne  Epithek  darstellen. 

Im  Wesentlichen  unterscheidet  sich  die  Gattung  Elasmostoma  von  Clienendopora  nur  dadurch,  dass 
jene  oberhautartige  Epithek,  aus  welcher  die  Mündungen  hervortreten,  hier  auf  der  Aussenseite,  bei  Chenen- 
dopora  aber  auf  der  Innenseite  der  Wandung  liegen.  Da  es  aber  bei  flach  ausgebreiteten  Formen  wie  auch 
an  manchen  ohrförmig  gebogenen  Exemplaren  oft  unmöglich  wird,  zu  entscheiden,  was  aussen  und  innen 
ist,  so  mögen  wohl  auch  mehrere  der  ohr  artigen  Che  nendopo  r  en  bei  Ad.  Römer  in  Pal.  XIII.  S.  43 
zu  Elasmostoma  gehören. 

1.  El.  Normanianiim  d'Orb.  sp.   —  Taf.  7.  Fig.  7—  12. 

1826.     Manon  Pezua  Goldf.  P.  tr    Germ.  I.  S.  3  z.  Th.,    Taf.  29.   Fig.  8.    (Nicht  Taf.   1.   Fig.  7.   8;   Taf.  5.  Fig    1 
und  Taf.  34.  Fig.  8.) 
1840 — 47.     Spongia  Pezisa  Michelin.  Icon.  zooph    p.  143.  PI.  36.  Fig.  5. 
1849 — 50.     Manon  Phillipsii  und  Manon  Pezisa  z.  Th.  Gein.  Quad.  S.  262. 

1850.     Cupulospongia  Normaniana  d'Orb.  Prodr.  II.  p.  188. 
1864—66.     Elasmostoma  Norm.  A.  Rom.  in  Pal.  XIII.  S.  45.  Taf.  16.  Fig.  6. 

Offenbar  hat  Goldfuss  unter  Manon  Vezim  verschiedene  Arten  vereiniget,  unter  welchen  nur  jenes 
„ausgewachsene  Exemplar"  seiner  Taf.  29.  Fig.  8  für  die  Art  typisch  ist.  Dasselbe  stammt  nicht  von 
Maestricht,  wie  bei  Goldfuss  S.  250  zu  lesen  ist,  sondern  aus  der  Tourtia  von  Essen,  und  ist  mit  der 
Sack'schen  Sammlung  an  das  Dresdener  Museum  übergegangen.  Da  auch  seine  Abbildungen  Taf.  1.  Fig.  7.  8 
sich  auf  Essener  Exemplare  beziehen,  während  Taf.  5.  Fig.  1  einem  Maestrichter  Exemplare  gilt,  so  sind 
in  dem  Texte  von  Goldfuss  S.  250  die  Fundorte  dieser  Exemplare  zu  vertauschen. 

Den  Abbildungen  Taf.  1.  Fig  7  u.  8  bei  Goldfuss  entsprechen  die  von  A.  Römer  (Pal.  XIII.  S.  46. 
Taf.    16.   Fig.   7)   als  Elasmostoma   consobrinum   und    (S.    52.   Taf.    16.    Fig   4)    als    Cupulospongia   biformis 


-      37     — 

von  Essen  beschriebenen  Arten,  auch  wird  bei  weiteren  Untersuchungen  Cupulospongia  Trigeris  d'Orb.  (Spongia 
Trigeris   Michelin,   Icon.  zooph.  PL  53.  Fig  12)  damit  zu  vergleichen  sein. 

Für  Hanon  Fesisa  Goldfuss  (Taf.  5.  Fig.  1),  von  Maestricht  und  aus  der  Quadratenkreide  von 
Gehrden,  wird  von  A.  Römer  (Pal.  XIII.  S.  46)  der  Name  Elasmostoma  Pesisa,  von  d'Orbigny  aber  (Prodr.  IL 
S.  288)  der  Name  Cupulospongia  subpesisa  gebraucht.  Die  von  Goldfuss  (Taf.  34.  Fig.  8)  aus  dem  oberen 
Jura  zu  Manon  Pesisa  gerechnete  Art  hat  d'Orbigny  (Prodr.  I.  S.  388)  als  Porospongia  Pesisa  unterschieden. 
Um  neuen  Verwechselungen  des  Elasmostoma  Pesisa  verum  Goldf.  (Taf.  28.  Fig.  8)  mit  anderen  Arten 
vorzubeugen,  empfiehlt  sich  der  schon  von  d'Orbigny  und  A.  Römer  dafür  gebrauchte  Name:  El.  Normanianum. 

Die  typischen  Exemplare  von  Essen  bilden  meist  nieren-,  halbkreis-  oder  ohrförmige  Ausbreitungen, 
die  oft  mehr  oder  minder  gewunden  sind,  seltener  erscheinen  sie  unregelmässig  napfförmig.  Michelin's 
Abbildung  stimmt  damit  gut  überein.  Die  runden  Mündungen  der  Aussenfläche  besitzen  meist  einen  aufge- 
richteten Rand  und  sind  im  Niveau  der  Hauptfläehe  gegen  1  mm.  weit,  doch  variirt  ihre  Grösse  selbst  an 
einem  und  demselben  Exemplare.  Sie  erscheinen  an  dem  Normal -Exemplar  bei  Goldfuss  etwas  grösser 
durch  Abreibung,  weshalb  sie  dort  auch,  statt  eiues  vorstehenden  Randes,  schon  von  dem  porösen  Gewebe 
des  Innern  umringt  sind ;  an  den  grossmüudigsten  Exemplaren  von  Plauen  haben  sie  gleichfalls  2  mm.  Durch- 
messer. Wo  die  Ephithek  verloren  gegangen  ist,  wie  an  jenem  Essener  Exemplare,  tritt  das  netzförmige 
Gewebe  des  Schwammes  deutlich  hervor.  In  den  Mündungen  zeigen  sich  dann  auch  mitunter  2 — 4  tiefere 
Löcher  (Goldf.  Taf.  29.  Fig.  8  c).  Gegenüber  den  vielen  anderen  uns  von  Essen  vorliegenden  Exemplaren 
dieser  Art  ist  gerade  das  von  Goldfuss  zur  Abbildung  gewählte  durch  seine  stärkere  Verwitterung  in  einen 
Ausnahmezustand  übergegangen,  was  in  ähnlicher  Weise  auch  für  einige  andere  durch  Goldfuss  von  Essen 
beschriebene  Schwämme  gilt. 

Die  innere  Seite  der  Mündung  ist  sehr  gut  von  Goldfuss  (Taf.  29.  Fig.  8  b)  dargestellt,  wenn  auch 
jene  schon  erwähnte  sternförmige  Gruppirung  um  einzelne  tiefere  Gruben  durch  die  Verwitterung  des  Exem- 
plares  hier  weit  mehr  hervortritt  als  gewöhnlich.  Meist  zeigt  sich  nur  ein  unregelmässiges  Netzwerk  von 
kurzen  wurmförmigen,  höckerigen,  zuweilen  auch  lamellenartig  aufgerichteten  Fasern,  welche  ziemlich  ge- 
drängt stehen. 

Die  Wandung  des  Schwammes  ist  im  Verhältniss  zu  seiner  Grösse  ziemlich  dünn  und  biegt  sich 
nicht  selten  zu  förmlichen  Anwachsringen. 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz  und  anderen  Orten  des  sächsischen  Eibthals, 
wahrscheinlich  an  den  Schillingen  bei  Bilin;"  im  unteren  Quadermergel  (oder  der  Tourtia)  von"  Frohnhausen 
bei  Essen ;    nach  d'Orbigny  in  cenomanen  Schichten  vor  Villers  (Calvados),  le  Maus  und  le  Havre.  — 

Die  Exemplare  von  Plauen  und  Koschütz  entsprechen  durch  die  Grösse  ihrer  Mündungen  zum  Theil 
genau  der  normalen  Form  des  El.  Normanianum,  dazu  gehören  wahrscheinlich  auch  mehrere  der  von  Reuss 
und  Geinitz  als  Manon  Phillipsi  aufgeführten  Exemplare,  an  denen  sich  nicht  wohl  unterscheiden  lässt,  was 
innen  und  aussen  ist.  A.  Römer  hat  diese  unter  die  ohrförmigen  Arten  von  Chenenäopora  aus  der 
Quadratenkreide  vertheilt.  Häufiger  sind  aber  die  Mündungen  kleiner,  vgl.  die  Abbildungen  auf  Taf.  7,  und 
nähern  sich  in  ihrer  Grösse  jenen  von  Manon  miliare  Reuss  (Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  IL  S.  78.  Taf.  19. 
Fig.  10  —  13;  Tat.  20,  Fig.  3),  welche  Art  indess  nach  Reuss  auf  ihren  beiden  gegenüberliegenden  Flächen 
mit  Mündungen  besetzt  sein  soll. 


—     38     — 

2.  El.  consobrinum  d'Orb.  sp.  —  Taf.  6.  Fig.  8 — 10. 

1826.  Manon  Peziza  Goldf.  I.  S.  3  z.  TB.  Taf.  1.  Fig.  8. 

1843.  Desgl.  Gein.  Nachtr.  z.  Cbarakt.  S.  19.  Taf.  6.  Fig.  12. 

184G.  Manon  PHllipsii  Reuss,  Verst.  d.  böhm    Kr.  II.  S.  77  z.  Th.  Taf.  19.  Fig.  9. 

1847.  Cupulospongia  consobrina  d'Orb.  Prodi1.  II.  p.  188. 

Der  vorigen  Art  nahe  verwandt,  doch  sind  die  Mündungen  nur  halb  so  gross  (d'Orbigny).  Ihre 
Grösse  bewegt  sich  demnach  um  V2  —  ili  mm-  Durchmesser;  die  grossmündigsten  grenzen  eng  an  El.  Nor- 
manianum,  die  kleinmündigen  eng  an  El.  Trigeris  (Michelin,  PI.  53.  Fig.  12)  an,  auf  welche  letztere  Art 
vielleicht  auch  ein  Theil  von  El.  consobrinum  A.  Römer  (Pal.  XIII.  S.  46.  Taf.  16.  Fig.  7)  zurückzuführen  ist. 

Die  Entwickelung  des  ziemlich  dünnwandigen  Schwammes  ist  theilweise  trichter-  oder  napfförmig,  mit 
mehr  oder  weniger  verbogenem  und  selbst  lappigem  Rande,  theils  in  nicht-  oder  nur  theilweis  geschlossenen 
breiteren  oder  längeren  ohrförmigen  Gestalten,  bei  denen  die  gewölbte  oder  äussere  Fläche  die  Mündungen 
trägt.  Letztere  treten  aus  einer  dünneu,  rissigen  Epithek  hervor,  die  jedoch  auch  zerstört  sein  kann.  Ihr 
Rand  ragt  gewöhnlich  nur  schwach  darüber  hervor.  Exemplare  mit  stärker  hervortretendem  Mündungsrande, 
wie  bei  Reuss  (Taf.  19.  Fig.  9)  und  einem  diesem  ganz  ähnlichen  in  den  Freiberger  Sammlungen,  sind 
seltener.  Die  Mündungen  zeigen  eine  nicht  ganz  regelmässige  Anordnung,  die  sich  einem  Quiricunx  von  H> 
am  meisten  nähert,  trotzdem,  dass  sich  in  dem  Schwämme  mitunter  eine  Neigung  zu  concentrischen  Anwachs- 
ringen und  einer  ringförmigen  Anordnung  der  Mündungen  selbst  kundgiebt.  Ihre  Entfernung  von  einander 
ist  sehr  verschieden,  meist  viel  grösser,  als  ihr  Durchmesser  beträgt.  In  der  Regel  sind  ihre  flachen  Zwischen- 
räume von  wurmförmig-  oder  winkelig-gebogenen  Fasern  bedeckt,  welche  sehr  gedrängt  stehen  und  rund- 
liche oder  längliche,  vielgestaltige  Poren  einschliessen.  Diese  Fasern  besitzen  oft  Neigung,  sich  um  die 
Mündungen  herum  zu  unregelmässigen  Sternen  zu  gruppiren,  wodurch  selbst  eine  Aehnlichkeit  mit  Stellispongia 
Goldfussiana  eintreten  kann.  Von  dieser  unterscheidet  sich  Elasmostoma  aber  generell  durch  einen  deutlich 
begrenzten  Mündungsranrl. 

Auf  der  inneren  Fläche  des  Schwammes  tritt  eine  Neigung  zur  Längsrichtung  in  den\  porösen  Faser- 
gewebe ein,  das  aus'  fein  porösen,  nicht  selten  moosartigen  Fasern  besteht,  welche  grössere  ungleiche,  rund- 
liche oder  längliche  Vertiefungen  (Poren)  einschliessen. 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  am  Gamighügel  bei  Leubnitz,  an  den  Schillingen 
bei  Bilin,  im  unteren  Quadermergel  bei  Essen;  nach  d'Orbigny  in  cenomanen  Schichten  von  le  Havre. 

Siphonia  Parkinson,   1811. 

Kugel-  oder  birnenförmige,  auch  kreisel-  und  walzenförmige  Schwämme,  in  deren  Scheitel  eine  kegel- 
förmige oder  cylindrische  Höhlung  mündet,  von  welcher  zahlreiche  runde  Canäle  auslaufen,  die  zum  grossen 
Theile  an  der  Aussenfläche  des  Schwammes  zum  Vorschein  gelangen.  Die  Siphonien  sind  meist  deutlich  ge- 
stielt. Von  Epitheles,  welcher  Gattung  einzelne  Arten  sehr  nahe  treten,  unterscheiden  sich  die  Siphonien 
durch  den  Mangel  einer  Epithek  und  durch  ihr  dichteres  Gewebe,  dessen  Fasern  eine  grosse  Neigung  zur 
linearen  Anordnung  besitzen,  wie  man  dies  nicht  nur  in  den  hier  gegebenen  Durchschnittsfiguren ,  sondern 
auch  aus  den  Abbildungen  des  zu  Siphonia  gehörenden  Choanites  Koenigi  Dixon  (Geology  and  Fossils  of 
Sussex,  1850,  Taf.   17)  erkennt. 

1.  S.  piriformis  Goldf.   -   Taf.  9.  Fig.   1—14;  Taf.   10.  Fig.  4? 

1826.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  S.  16.  Taf.  6.  Fig.  7. 
1840—47.     Michelin,  Icon.  zooph.  p.  137.  Tab.  33.  Fig.  1. 

1846.     Cnemidium  pertusum  und  Siphonia  piriformis  K,enss,  Verst.  d.  böhm.  Kr.  II.  S.  71.  73.  Taf.  16. 


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1849 — 50.     Siphonia  piriformis  und  Scyphia  heteromorpha  (pars)  Gein.  QuaJ,  Deutschi.  S.  254.  258. 
1850.     Siphonia  Lycoperdiies  (pars)  und  Siph.  Königi  (pars)  d'Orbigny,  Prodr.  II.  p.  285. 
1861.     Siph.  piriformis  Courtiller,   Eponges  foss.    des  sables  du  terrain  cret.  sup.  des  env.  de  Saumur,    p.  14.  PI.  18. 

Fig.  6.  7. 
1864.     Siph.  Königi  A.  Kömer,  Pal.  XIII.  S.  27  (nicht  Mantell  und  Dixon.) 
1870.     Siph.  piriformis  und  Siphonia  sp.  F.  Römer.  Geologie  von  Obersehlesien,  S.  292.  Taf.  28.  Fig.  1.  2. 

Die  vorherrschend  birnenförmige  Gestalt  unterliegt  vielen  Schwankungen,  indem  sie  oft  zusammen- 
gedrückt, kugelig  bis  niedrig-kreiselförmig,  oder  auch  walzenförmig  wird.  Ausser  den  hier  gegebenen  Ab- 
bildungen vgl.  die  von  Reuss  und  F.  Roemer.  In  die  Mitte  des  stumpfen  oder  flach-gewölbten  Scheitels 
senkt  sich  eine  mehr  oder  weniger  tiefe,  oft  cylindriscke  Höhlung  ein.  in  welche  zahlreiche  runde  Canäle 
einmünden,  die  entweder  von  der  Seite  der  Centralhöhlung  aus  unter  einem  flachen  Bogen  nach  aussen 
strahlen  (Fig.  7.  10.  11.  12  i),  oder  auch  von  deren  Grund  aus  wurzelartig  divergiren  (Fig.  6.  10.  11). 
Dies  wird  hauptsächlich  von  der  grösseren  oder  geringeren  Länge  der  mittleren  Höhlung  bestimmt,  die  nie 
das  untere  Ende  des  Schwammes  erreicht. 

Auf  der  äusseren  meist  höckerigen  Oberfläche  des  Schwammes  finden  sich  rundliche,  oft  gedrängt 
stehende  Gruben  oder  Canalmündungen  bis  zu  I  mm.  Grösse,  zwischen  welchen  man  unter  der  Loupe  zahllose 
kleine  runde  Poren  bemerkt.  In  der  Umgebung  der  Scheitelmündung'  pflegen  jene  Gruben  in  einander  zu 
fliessen  und  sich  zu  ausstrahlenden ,  theilweise  gebogenen  oder  gabelnden  Furchen  anzuordnen.  Hierdurch 
wird  die  äussere  Structur  dieser  Art  oft  nicht  unähnlich  jener  der  Oupidospongia  Boemeri  und  Stellispongia 
plauensis.-  An  mehreren  Exemplaren  tritt  sie  nur  undeutlich  hervor  oder  ist  nur  an  einzelnen  Stellen  zu 
beobachten. 

Die  Exemplare  von  Plauen  sind  ineist  sehr  kurz  gestielt  oder  fast  sitzend  und  entsprechen  hierdurch 
am  meisten  den  von  Reuss  und  F.  Roemer  aus  Böhmen  und  Oberschlesien  beschriebenen  Exemplaren,  sowie 
manchen  Exemplaren  aus  den  tieferen  Plänerschichten  bei  Halberstadt..  Man  kann  sie  jedoch  alle  recht 
wohl  noch  an  die  von  Goldfuss,  Michelin  und  Courtiller  gegebenen  typischen  Abbildungen  der  Siphonia 
piriformis  anreihen,  wiewohl  an  den  letzteren  der  Stiel  sehr  deutlich  und  selbst  mit  wurzelartigen  Ausläufern 
versehen  ist. 

Fitton's  Exemplare,  von  Blackdown  (Observations  on  some  of  the  strata  beüveen  the  Chalk  and  Oxford 
Oolite,  PI.  XV.  a.  Fig.  1 — 5)  weichen  dagegen  durch  den  langen  Stiel  sehr  davon  ab,  ebenso  Siphonia  Koenigi 
(Ghoanites  Koenigi)  Mantell,  wozu  d'Orbigny  Cnemidium  pertusum  Reuss  gezogen  hat,  zumal  nach  den 
besseren  Abbildungen  in  Dixon,  Geologij  and  Fossils  of  Sussex,   1870,  PI.  17. 

Langstielige  Exemplare  dieser  Siphonia  wurden  bisher  bei  Plauen  noch  nicht  gefunden ,  sie  besitzen 
jedoch  übrigens  ganz  den  Charakter  der  Siphonia  piriformis  aus  der  Meule  von  Chäteau  de  Meauence  bei 
Lude,  Dept.  Maine-et-Loire,  in  ihren  mannigfachen  Abänderungen,  wovon  das  Dresdener  Museum  eine  reiche 
Auswahl  besitzt,  die  es  Fräulein  Ida  von  Boxberg  verdankt1). 

Eine  Siphonia  piriformis  mit  längerem  Stiele  wurde  im  unteren  Quadersandsteine  vor  Oberhaesslich 
bei  Dippoldiswalda  gefunden.  Diese  gleicht  einigen  Exemplaren  aus  dem  Pläner  von  Halberstadt  und  dem 
unteren  Quadersandstein  von  Kelheim  an  der  Donau,  an  welchen  selbst   wurzelartige   Ausläufer   vorkommen. 

Ist  schon  nach  diesen  Abweichungen  in  der  Gestalt  dieses  Schwammes  eine  grosse  Mannichfaltigkeit 
zu  erkennen,  die  auch  Herrn  Courtiller  zur  Aufstellung  einer  ganzen  Reihe   verschiedener  Species   veranlasst 


Sitzungsb.  d.  Isis  in  Dresden,  1870.  S.  149. 


-      40     — 

hat  (vgl.  dessen  Tafel  17  u.  18),  so  treten  ausserdem  noch  andere  Umwandlungen  hinzu,  welche  die  Ab- 
grenzung der  Art  erschweren.  So  finden  sich  Exemplare,  die  bei  übrigens  gleicher  Form  und  Structur 
äusserlich  kaum  Spuren  einer  Centralhöhle  zeigen  und  diese  erst  in  Längsschnitten  und  Querschnitten  her- 
vortreten lassen  (Fig.  11  u.  12);  an  dem  uns  am  fraglichsten  erscheinenden  Exemplare  Taf.  10.  Fig.  4. 
scheint  sie  ganz  zu  fehlen  und  es  münden  in  dessen  sehr  flach  vertieftem  Scheitel  nur  einzelne  Röhren  wie 
bei  Jerea.  Goldfuss  hat  eine  ähnliche  Form  von  Coesfeld  a.  a.  0.  S.  220.  Taf.  65.  Fig.  10  als  Manon 
puriforme  beschrieben. 

Bei  einigen  erweitert  sich  die  Scbeitelmündung  derart,  dass  man  wiederum  Anklänge  an  Gupulo- 
spongia  Roemeri  wahrnimmt,  wiewohl  die  innere  Structur  von  sehr  verschiedenen  durchschnittenen  Exem- 
plaren den  Charakter  der  Siphonia  zeigt  (vgl.  Fig.  5  u.  9,  ein  einseitig  ausgebildetes  Individuum). 

Bei  anderen  ist  eine  Theilung  des  Schwammes  offenbar  durch  Knospung  eingetreten,  wie  sie  schon 
Reuss  a.  a.  0.  Taf.  16.  Fig.  13  abgebildet  hat,  und  solch  eine  Theilung  kann  sich  selbst  wiederholen 
(Taf.  9.  Fig.  13.   14). 

Ueber  die  innere  Textur  von  Siphonia  piriformis  geben  die  Abbildungen  6 — 12  Aufschluss.  Sie  be- 
stätigen nur  die  Eingangs  darüber  gegebenen  Mittheilungeu. 

Vorkommen.  In  Sachsen  ist  Siphonia  piriformis  auf  den  unteren  Quadersandstein  und  unteren 
Pläner  beschränkt.  Man  hat  sie  nicht  nur  bei  Plauen,  sondern  auch  in  dem  Pläner  am  Gamighügel  bei 
Leubnitz,  bei  Kauscha  und  Gross-Sedlitz  vielfach  gefunden.  Das  von  F.  Römer  entdeckte  Vorkommen  in 
cenomanen  Gesteinen  von  Groschowitz  in  Oberschlesien,  sowie  das  in  der  Meide  von  Chäteau  de  Meauence, 
wo  sie  mit  Exogyra  Columba  und  Chenenäopora  undiüata  zusammen  gefunden  wird,  entspricht  dem- 
selben Niveau. 

2.  S.  annulata  Gein.  —  Taf.  10.  Fig.   1—3. 

Diese  Art  ist  fast  walzenförmig  und  mit  dicken,  unregelmässigen,  ringförmigen  Wülsten  umgeben,  an 
ihrem  oberen  Ende  abgestutzt  und  mit  einem  nur  flachgewölbten  Scheitel  versehen  (Fig.  1  a.  b),  in  dessen 
mittlerem,  vertieftem  Theile  die  sehr  lange  cylindrische  Centralhöhle  mündet.  Die  Aussenfläche,  welche  dem 
unbewaffneten  Auge  fast  glatt  erscheint,  zeigt  unter  der  Loupe  kleine,  ziemlich  regelmässige  Poren,  die  von 
dem  zarten  Fasergewebe  umschlossen  werden.  Hier  und  da  senken  sich  grössere  Mündungen  von  kaum  1  mm. 
Durchmesser  in  dasselbe  ein,  die  von  den  ausstrahlenden  Canälen  herrühren,  welche  in  grosser  Anzahl  fast 
rechtwinkelig  von  der  Centralhöhle  auslaufen.  (Fig.  3  a.  b.  c.) 

An  dem  verwitterten  Exemplare  Fig.  2  liegen  oben  die  Ausfüllungen  solcher  Canäle  sehr  gedrängt 
beisammen,  an  dem  Querbruche  Fig.  1  c.  zeigt  sich  ihre  Lage  um  die  Centralhöhle  herum  und  ihre  Gabelung, 
die  angeschliffenen  Längsschnitte  Fig.  3  a.  b.  c  stellen  ihre  Lage  inmitten  des  inneren  Gewebes  dar.  S.  annu- 
lata gewinnt  durch  ihre  äussere  Gestalt,  ihre  cylindrische  Centralhöhle  und  die  von  dieser  auslaufenden  Seiten- 
canäle  Aehnlichkeit  mit  Epitheles  robusta,  unterscheidet  sich  jedoch  von  dieser  durch  ihr  sehr  feines  und 
dichtes  Gewebe,  sowie  die  ungemein  grosse  Anzahl  der  ausstrahlenden  Canäle. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Planer  von  Plauen  in  Bruchstücken  von  etwa  6  cm.  Länge  und 
3 — 4  cm.  Dicke. 

3.  S.  bovista  Gein.  —  Taf.  10.  Fig.  5.  6. 

1842.     Achüleum  fungiforme  Gein.  Charakt.  III.  p.  96.  (nicht  Goldfuss.) 
1849—50.     Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  S.  264. 

Sie  bildet  schief-  oder  seitlich  zusammengedrückt  kugelige  Knollen,  welche  ungestielt  oder  sehr  kurz 

gestielt  sind  und  an  ihrem,  oben  oder  auch  seitlich  (bei  o)  liegenden  Scheitel  eine  flache  Aushöhlung  besitzen. 


—     41     — 

Ihre  Form  ist  sehr  ähnlich  jener  von  Astylospongia  praemorsa  Goldf.  aus  der  Silurformation ,  von  der  aber 
F.  Römer1)  bei  Aufstellung  der  Gattungscharaktere  ausdrücklich  bemerkt,  dass  dieser  Schwamm  frei  und 
nicht  aufgewachsen  sei.  Die  Befestigungsstelle  liegt  bei  S.  bovista  bei  b.  Von  der  Scheitelvertiefung  strahlen 
mehrere  unregelmässige  Furchen  aus  und  ähnliche  Furchen  treten  zum  Theil  auch  nach  unten  hin  auf.  Alle 
weitere  Structur  ist  wegen  der  Art  des  Versteinerungsmittels  undeutlich.  Doch  spricht  die  sehr  feinkörnige 
Beschaffenheit  der  Oberfläche,  worin  einzelne  rundliche  Mündungen  zerstreut  liegen,  keineswegs  gegen  die 
Natur  der  Siphonien  und  Astylospongien. 

Von  Achilleum  fungiforme  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  S.  1.  Taf.  1.  Fig.  3,  aus  der  Kreide  von  Maestricht, 
womit  sie  zuerst  verglichen  wurde,  unterscheidet  sie  sich  durch  ihre  weite  und  regelmässige  Scheitelvertiefung 
und  den  Mangel  eines  eigentlichen  Stiels,  der  jedoch  abgebrochen  sein  kann,  von  Siphonia  incrassata  Goldf. 
eb.  Taf.  30.  Fig.  5,  aus  dem  oberen  Kreidemergel  von  Coesfeld,  mit  welcher  sie  gleichfalls  Aehnlichkeit  zeigt, 
ebenfalls  durch  den  Mangel  eines  Stieles,  oder  wenigstens  die  Art  der  Befestigung  desselben,  da  er  bei  S.  bovista 
in  die  untere  Fläche  förmlich  eingesenkt  scheint.  Siphonia  incrassata  bei  Goldfuss  erscheint  ferner  deprimirt. 
Siphonia  bovista  comprimirt. 

Vorkommen.  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa. 


')  F.  Köm  er,  die  silurische  Fauna  des  westlichen  Tennessee.  Breslau,  1860.  S.  7. 


l'alaiuntogr.ipliica  XX.  1 


Index  generum  et  specierum. 

(Die  liier  beschriebenen  Arten  sind  mit  Cursivsehrift  gedruckt,  die  Synonyme  und  nur  beiläufig'  genannten  Arten  in  gewöhnlicher  Schrift .) 


Achilleum  formosum  Rss.  26. 
A.  fungiforme  Gein.  40. 
A.  Morchella  Goldf.  26. 
A.  pertusum  Gein.  26. 
Actinospongia  d'Orb.  32. 
A.  stellata  A.  Rom.  31. 
Amorphofungia  de  From.  26. 
Amorphospongia  d'Orb.  26. 
A.  heteromorpha  d'Orb.  24. 
A.  vola  Mich.  sp.-26. 
Asterospqngia  A.  Rom.  32. 
A.  conglobata  Rss.  32. 
A.  globosa  A.  Rom.  32. 
A.  Michelini  Gein.  32. 
Arloporae  sp.  Gein.  29. 
Bicupula  Court.  35. 
Chenendopora  Lamx.  35. 
Ch.  marginata  Mich.  35. 
Gh.  pateraefprmis  Mich.  35. 
Gh.  undulata  Mich.  35. 
Chenendoscyphia  de  From.  35. 
Choanites  Königi  Mant.  38.  39. 
Cnemidium  acaule  Gein.  30. 
C.  astroides  Gein.  30. 
C.  conglobatum  Rss.  32. 
C.  pertusum  Rss.  38. 
C.  plauetise  Gein.  30. 
C.  Reussi  Gein.  31. 
C.  stellatum  Rss.  31. 
C.  stellosum  Br.  32. 
Coscinopora  Goldf.  23. 
C.  Beaumontii  d'Orb.  23. 
C.  isopleura  d'Orb.  24. 
Coscinoscypliia  de  From.  23. 
Cribroscyphia  de  From.  23. 
Cribrospongia  d'Orb.  23. 
C.  Beaumonti  Rss.  23. 
C.  hifrons  Rss.  sp.  25. 
G.  heteromorpha  Rss.  sp.  24. 
C.  isopleura  Rss.  sp.  24. 
C.  subreticulata  Mün.  sp.  23. 
Cupulochonia  de  From.  28. 
Cupulospongia  d'Orb.  28. 


G.  biformis  A.  Rom.  36. 
0  bifrons  d'Orb.  25. 
C.  consobrina  d'Orb.  38. 
C.  contorta  d'Orb.  29. 
C.  infundibuliformis  Goldf. 

sp.  29. 
C.  Normaniana  d'Orb.  36. 
C.  Boemeri  Gein.  29. 
C.  Trigeris  d'Orb.  38. 
Cylindrites  spongioides  Gö.  21. 
Cylindrospongia  heteromorpha 

A.  Rom.  24. 
Elasmostoma  de  From.  36. 
E.  consobrinum   d'Orb.  sp.  37. 
E.  consobrinum  A.  Rom.  38. 
E.  Normanianum  d'Orb.  sp.  36. 
E.  Peziza  A.  Rom.  37. 
E.  Trigeris  Mich.  sp.  38. 
Endostoma  A.  Rom.  32. 
E.  foraminosum  A.  Rom.  33. 
E.  tetragonum  A.  Rom.  33. 
Epilheles  de  From.  32.  38. 
E.  foraminosa  Goldf.  sp.  28.  33. 
E.  furcata  Goldf.  sp.  34. 
E.  iufundibuliformis  A.Röm.  29. 
E.  multiformis  A.  Rom.  28.  33. 
E.  robusta  Gein.  34. 
E.  tetragona  Goldf.  sp.  33. 
Eudea  foraminosa  d'Orb.  33. 
Forospongia  d'Orb.  23. 
Gitterschwämme  18.20.23. 
Gyrophyllites  Kwassizensis 

Glocker  35. 
Halisarcinae  20.  21. 
Hexactinellidae  20.  23. 
Hippalimus  d'Orb.  32. 
H.  furcata  d'Orb.  34. 
H.  infundibuliformis  d'Orb.  29. 
H.  tetragonus  d'Orb.  33. 
Hornschwämme  21. 
Leiospongia  deformis  A.  Rom.  27. 
Lithistidae  26. 
Lymnorea  Lamx.  32. 


L.  sphaerica  Mich.  27. 

Lymnoreotheles  de  From.  32. 

Maeandrospongia   A.   Rom.  25. 

M.  pertusa  A.  Rom.  26. 

Mammillopora  sphaerica  Br.  27. 

Mauou  Goldf.  36. 

M.  miliare  Rss.  37. 

M.  Peziza  Goldf.  36.  37. 

M.  Phillipsii  Gein.   u.  Rss.  35.- 

36.  37.  38. 
M.  piriformis  Goldf.  40. 
M.  pulvinarium  Goldf  27. 
M.  stellatum  Goldf.  31. 
Myrmecium  Goldf.  32. 
Plocoscyphia  Rss.  25. 
P.  formosa  d'Orb.  26. 
P.  Idbyrinthica  Rss.  25. 
P.  Morchella  d'Orb.  26. 
P.  pertusa  Gein.  26. 
P.  Pictonica  d'Orb.  26. 
Polyendostoma  A.  Rom.  32. 
P.  furcatum  A.  Rom.  34. 
P.  sociale  A.  Rom.  33. 
Polypothecia  Pictonica  Mich.  25. 
Porospongia  Peziza  d'Orb.  37. 
Rhysospong.  Pictonica  d'Orb.  25. 
Scyphia  Aut.  23  u.  f. 
Sc.  Beaumonti  Rss.  23. 
Sc.  bifrons  Rss.  25. 
Sc.  foraminosa  Goldf.  33. 
Sc.  furcata  Goldf.  34. 
Sc.  heteromorpha   Rss.  24.  30. 
Sc.  infundibuliformis  Goldf.  29. 
Sc.  isopleura  Rss.  24. 
Sc.  mammillaris  Goldf.  33. 
Sc.  micropora  Mich.  34. 
Sc.  subreticulata  Mün.  33. 
Sc.  subseriatae  affinis  Gein.  24. 
Sc.  tenuis  Reuss  u.  Rom.  23. 
Sc.  tetragona  Goldf.  33. 
Siphonia  Park.  38.- 
S.  annulata  Gein.  40. 
S.  bovista  Gein.  40. 


S.  Koenigi  d'Orb.  39. 

S.  Lycoperdites  d'Orb.  39. 

S.  piriformis  Goldf.  38. 

S.  piriformis  Sow.  b.  Fitton  30. 

Siphonocoelia  de  From.  34. 

Sparsispongia  d'Orb.  27. 

Sp.  pulvinaria  d'Orb.  27. 

Sp.  rugosa  d'Orb.  28. 

Sp.  varians  de  From.  27. 

Spongia  L.  18.  21. 

S.  Ottoi  Gein.  34.  35. 

S.  Peziza  Mich.  36. 

S.  sanguisuga  Mich.  27. 

S.  Saxonica  Gein.  21. 

S.  Trigeris  Mich.  37. 

S.  vola  Mich.  26. 

Spongiaria  de  From.  21. 

Spongitaria  de  From.  23. 

Spongites   Saxonicus   Gein.  21 

Stdlispongia  d'Orb.  30. 

St.  Goldfussiana  Gein.  31.  38. 

St.  Michelini  Gein.  32. 

St.  Plauensis  Gein.  30. 

St.  Beussi  Gein.  31. 

St.  stellata  A.  Rom.  31. 

St.  substellata  d'Orb.  31. 

Stromatopora  Goldf.  27. 

Tragos  astroides  Gein.  30. 

T.  clavellatum  Gein.  27. 

T.  deforme  Goldf.  27. 

T.  Michelini  Gein.  32. 

T.  pertusum  Gein.  26. 

T.  pulvinarium  Br.  27. 

T.  rugosum  Goldf.  28. 

T.  stellatum  Gein.  32. 

T.  stellatum  Goldf.  31. 

Tremospongia  d'Orb.  27.  32. 

T.  dilatata  A.  Rom.  28. 

T..  Klieni  Gein.  28. 

T.  pulvinaria  Goldf.  27. 

T.  rugosa  Goldf.  sp.  28. 

T.  sphaerica  d'Orb.  27. 

Vermiculatae  26. 


Malilau  &  WaMschiiiicIt.  Frankfurt  a.  II 


II.  Die  Korallen  des  unteren  Pläners  im  Sächsischen 

Elbthale, 


Dr.  W.  Bölsche  in  Braunschweig. 
Taf.  11—13. 


Von  Herrn  Professor  Geinitz  bei  Gelegenheit  einer  grösseren  Arbeit  über  die  Versteinerungen  des 
sächsischen  Elbthalgebirges  aufgefordert,  die  Korallen  des  unteren  Pläners  von  Plauen  zu  untersuchen  und 
zu  bestimmen,  erfüllte  ich  gern  diesen  Wunsch,  zumal  da  der  Genannte  mir  mit  der  grössten  Liberalität  das 
Material  des  Königl.  mineralogischen  Museums  zu  Dresden  und  die  dortige  reichhaltige  Bibliothek  zur  freien 
Benutzung  zu  Gebote  stellte.  Hierfür  sage  ich  demselben  hiemit  meinen  herzlichsten  Dank.  Ausserdem  bin 
ich  noch  zu  Dank  verpflichtet  den  Herren  Credner  in  Leipzig  und  Kunth  *)  in  Berlin,  welche  mir  Korallen 
aus  der  belgischen  Tourtia  zur  Untersuchung  überliessen. 

Zunächst  lasse  ich  eine  Beschreibung  der  bei  Plauen  vorkommenden  Species  folgen.  Die  Originale 
befinden  sich  sämmtlich,  wenn  es  nicht  ausdrücklich  bemerkt  ist,  im  Königl.  mineralogischen  Museum  in  Dresden. 


Dr.  W.  Bölsche. 


J)  Dieser  um  die  Kenntniss  der  paläozoischen  Korallen  sehr  verdiente  Forscher  ist  leider  kürzlich  in  Folge  seiner  auf 
dem  Felde  der  Ehre  empfangenen  Wunden  gestorben. 


46     — 


A.  Monastrea  aporosa  Fromentel. 

Familie:  IÄfhophyllidae  Fromentel. 

Montlivaultia  Lamouroux. 

Montlivaultia?    Tourtiensis  n.  sp.  —  Taf.  11.  Fig.  1. 

Polypenstock  verlängert -kegelförmig,  in  der  Richtung  der  kürzeren  Axe  unten  ganz  schwach  ge- 
krümmt, frei.  Kelch  breit-oval.  110  Septen;  fünf  Cyclen  und  der  Anfang  eines  sechsten.  Septen  gerade, 
ziemlich  dicht  gedrängt  (auf  2  mm.  kommen  4).  Endothecaeen  Querleisten  zahlreich.  Höhe  22  mm. ;  der 
grössere  Kelch-Durchmesser  20  mm.,  der  kleinere  18  mm. 

Vorkommen.     Es  lag  ein  Exemplar  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Bemerkungen.  Das  vorliegende  Exemplar  ist  so  stark  abgerieben,  dass  die  Epithek  und  die 
Zähnelung  des  oberen  Septalrandes  nicht  mehr  zu  beobachten  war.  Es  muss  desshalb  die  Stellung  der  Species 
noch  zweifelhaft  bleiben. 

Leptophyllia.     Reuss. 

Leptophyllia  patellata  Mich.  sp.   —  Taf.   11.  Fig.  2. 

1845.  ÄnthophyUum  patellatum  Michelin,  Icon.  zooph.  p.  195  pl.  50  fg.  2. 

1849.  Thecophyllia?  patellata  Mil.  Edwards  und  Haime,  Ann.  des  Sc.  nat.  3  ser.  t.  XI.  p.  243. 

1850.  Polyphyllia  patellata  d'Orbigny,  Prod.  de  Paleont.  t.  IL  p.  181. 

1851.  Montlivaultia  patellata  Mil.  Edwards  und.  Haime,  Polyp,  foss.  des  terr.  palaeoz.  p.  74. 
1857.  Desgl.  Mil.  Edwards  und  Haime,  Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  II.  p.  317. 

1859.     Desgl.  —  Fromentel,  Introd.  ä  l'Et.  des  Polyp,  foss.  p.  113. 

1864.     Leptophyllia  patellata  Fromentel,  Paleont.  franc.  Terr.  cret.  t.  VIII.  Zooph.  p.  309  pl.  71  fg.  1—7. 

Der  fast  cylindrische  oder  konische  und  in  letzterem  Falle  nach  oben  mehr  oder  weniger  rasch  an 
Breite  zunehmende  Polypenstock  ist  an  zwei  der  vorliegenden  Exemplare  mit  breiter  Basis  festgewachsen. 
Derselbe  ist  mit  einer  feinen,  Firniss-ähnlichen  Lage  bedeckt  gewesen.  Rippen  fein  gekörnelt,  gleich  stark, 
dicht  gedrängt  (auf  2  mm.  kommen  6)  Kelch  kreisförmig  (Fig.  2a)  oder  unregelmässig  nach  der  einen 
Richtung  in  die  Länge  gezogen,  so  dass  die  Kelchgrube  aus  der  Mitte  gerückt  ist  (Fig.  2b),  eben  oder 
concav.  Septen  fein,  dicht  gedrängt  (auf  2  mm.  kommen  5 — 7);  die  jüngeren  vereinigen  sich  mit  den  älteren 
mit  ihrer  inneren  Kante.  Man  zählt  216  an  dem  einen  Exemplare;  an  demselben  beträgt  der  Kelch-Durch- 
messer 29  mm.  und  die  Höhe  12  mm.,  an  einem  anderen  der  erstere  21  mm.,  die  letztere  17  mm. 

Yorkommen.     Es  lagen  4  Exemplare  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

In  Frankreich  findet  sich  Lept.  patellata  sehr  häufig  in  der  Etage  cenomanien  von  le  Mans. 


—     47      — 

Bemerkungen.     Trotzdem   dass   der   Erhaltungszustand    der    vorliegenden  Exemplare   ein   etwas 

mangelhafter  war  und  die  Bestimmung  erschwerte,    so  Messen   die   Beschreibung   und  die   Abbildungen,    die 

Fromentel   in   der   Paläontologie    francaise   von  dieser    Species   gegeben    hat,   keinen  Zweifel   darüber    auf- 
kommen, dass  die  französische  mit  der  sächsischen  identisch  sei. 

Familie  CijcloserhiMae  Fromentel. 

Placoseris  Fromentel. 

Placoseris?    Geinitzi  n.  sp.  —  Taf.  11.  Fig.  3. 

1849.     Turbinolia  eompressa  Geinitz  (non  Lamarck  und  Michelin),  das  Quadersandsteingebirge  in  Deutschland  p.  232. 

Der  an  der  Seite  zusammengedrückte  Polypenstock  ist  mit  dickem  Stiele  festgewachsen  und  breitet 
sich  nach  oben  mehr  oder  weniger  fächerförmig  aus.  Die  Mauer  ist  mit  fein  gekörnelten,  besonders  in  der 
Nabe  des  Kelch-Randes  (auf  2  mm.  kommen  hier  3—4)  schärfer  hervortretenden  und  hier  abwechselnd  etwas 
ungleichen  Längs-Rippen  bedeckt.  Dieselben  sind  an  einzelnen  Exemplaren  von  der  Basis  an  deutlich  aus- 
gesprochen ;  an  anderen  hingegen  werden  sie  daselbst  etwas  undeutlich,  indem  sie.  sich  in  Körner-Reihen  auf- 
lösen. Eine  dünne  Epithek  scheint  den  ganzen  Polypenstock  eingehüllt  zu  haben.  Der  endstäudige  Stern 
ist  in  die  Länge  gezogen  und  in  der  Mitte  an  beiden  Seiten  mehr  oder  weniger  tief  eingeschnürt,  so  dass 
scheinbar  2  Kelche  vorhanden  sind,  die  auseinander  durch  Selbsttheilung  hervorgegangen  sind.  Septen  stehen 
dichtgedrängt  (auf  2  mm.  zählte  man  bei  einem  Querschliffe  B).  Bei  einem  ovalen,  in  dem  oberen  Drittheil 
der  Korallen  gemachten  Querschliffe  (siehe  Taf.  11.  Fig.  3e),  dessen  Längs-Durchmesser  14  mm.  und  dessen 
Quer-Durchmesser  10  mm.  beträgt,  sind  die  Septen  in  6  Systemen  entwickelt.  Die  Septen  der  ersten  3  Cyclen 
sind  gleich  lang  und  erreichen  die  Columella.  Sie  scheinen  sich  nach  ihrem  inneren  Ende  hin  etwas  zu  ver- 
dicken und  sind  stärker  als  die  Septen  der  jüngeren  Cyclen,  die  sich  zwischen  dieselben  einschieben,  deren 
Anzahl  jedoch  sich  nicht  mit  Sicherheit  bestimmen  liess.  Die  Seitenflächen  der  Septen  sind  mit  Höckerchen 
dicht  besetzt,  die  sich  namentlich  in  dem  oberen  Theile  des  Stockes  in  Reihen  anordnen  (s.  Taf.  11  Fig.  3d). 
Sehr  zahlreiche  Querbalken  vereinigen  die  einzelnen  Septen.  Der  Erhaltungszustand  lässt  nicht  darüber  ent- 
scheiden, ob  der  freie  Septal-Rand  ganz  oder  gezähnt  war.  Kelch-Grube  tief.  Die  ausgeführten  Querschliffe 
zeigen  deutlich,  dass  -eine  lamelläre  Columella  vorhanden  ist.  Die  Höhe  und  Breite  variiren  sehr,  was  man 
aus  den  folgenden  Messungen  von  5  Exemplaren  sieht. 


Höhe.    La 

ng's-Durchmesser. 

Quer-Durchmesser. 

grösserer 

kleinerer 

I. 

20  mm. 

23  mm. 

17   mm. 

10  mm. 

II. 

20    „ 

31    „ 

20    „ 

12    „ 

III. 

23    „ 

25    „ 

14    „ 

9    „ 

IV. 

24    „ 

34    „ 

22 

13    „ 

V. 

29    „ 

33    s 

19    „ 

9    „ 

Vorkommen.     Es  lagen  27  Exemplare  vor  aus  dem  unteren  Planer  von  Plauen  und  Koschütz. 

Bemerkungen.  Diese  Species  wurde,  wie  mir  Exemplare  des  Dresdener  Museums  beweisen,  von 
Geinitz  in  seiner  Uebersicht  der  Versteinerungen  des  Quadersandstein-Gebirges  in  Deutschland  als  TurUnolia 
eompressa  aufgeführt,  wogegen  schon  der  Umstand  spricht,  dass  diese  von  Lamarck  aufgestellte  Species  zu 
der  Gattung  TrocJwsmüia  gehört,  die  sich  durch  das  Fehlen  der  Columella  und  durch  das  Auftreten  von 
Querleisten  auszeichnet.     Das  Vorhandensein  von  zahlreichen  Querbalken   bei  Placoseris?  Geinitzi  weist  hin 


—      48     — 

auf  eine  Zugehörigkeit  zu  den  Cycloserinidae.  Von  den  vielen  Gattungen,  die  in  dieser  Familie  aufgestellt 
sind,  ist  nur  eine  einzige  mit  einer  lamellären  Columella  versehen,  nämlich  die  von  Fromentel  aufgellte 
Gattung  Placoseris.  x)     Dieser  Forscher  giebt  folgende  Diagnose  von  derselben: 

„Der  Korallenstock  ist  breit  angeheftet  und  zeigt  eine  cylindrische  Mauer.  Die  Rippen  sind  ge- 
körnelt  und  treten  deutlich  hervor.  Die  durch  Querbalken  verbundenen  Septen  sind  zahlreich  und 
ungleich;  die  Columella  ist  lamellär  und  wird  gebildet  aus  Stäbchen,  die  mit  einander  verschmolzen 
und  seitlich  sehr  dornig  sind." 

Vorläufig  habe  ich  die  vorliegende  Species  zu  dieser  Gattung  gestellt.  Sollte  an  gut  erhaltenen 
Exemplaren  später  das  Vorhandensein  einer  einhüllenden  Epithek  mit  Bestimmtheit  nachgewiesen  werden,  so 
müsste  die  PI.  Geinitsi  zum  Repräsentanten  einer  neuen  Gattung  gemacht  werden.  Placoseris  patellata,  die 
Fromentel  aus  der  Etage  cenomanien  von  Sainte-Croix  beschrieben  hat,  unterscheidet  sich  von  der  vorliegen- 
den Species  leicht  schon  durch  die  cylindrische  Gestalt. 


B.  Syrrastrea  aporosa  Fromentel. 

Familie :  Latimaeanclridae  Fromentel. 

Latimaeandra  d'Orbigny. 

Latimaeandra  Fromenteli  n.  sp.  —  Taf.   12.  Fig.  3. 

Der  zum  Theil  sehr  stark  abgeriebene  Polypenstock  dieser  Species  ist  eine  flache  Ausbreitung  von 
ebener  Oberfläche.  Die  Kelche  derselben  sind  entweder  vereinzelt  oder  zwei  derselben  haben  sich  zu  einer 
kurzen,  graden  Kelch-Reihe  mit  einander  vereinigt.  Die  Kelche  werden  durch  breite  abgerundete,  zum  Theil 
sogar  in  der  Mitte  etwas  vertiefte  (vielleicht  eine  Folge  des  schlechten  Erhaltungszustandes)  Hügel  von  ein- 
ander getrennt.  In  einem  Kelche  zählt  man  38 — 50  Septen.  Dieselben  stehen  dicht  gerdrängt  (auf  2  mm. 
kommen  7 — 8),  sind  gerade  und  werden  durch  zahlreiche  Querleisten  mit  einander  verbunden.  Die  Länge 
der  Kelch-Reihe  beträgt  8— 10  mm.  und  ihre  Breite  4 — 6  mm.;  die  vereinzelten  Kelche  besitzen  einen  Durch- 
messer von  5  mm. 

Vorkommen.     Es  lag  ein  Exemplar  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Bemerkungen.  Der  vorliegenden  Species  sind  nahe  verwandt  Latimaeandra  maeandrinoides  Reuss 
aus  der  böhmischen  Kreideformation  (aus  den  Korycaner  Schichten  von  Korycan)  und  Latimaeandra  maeandra 
d'Orb.  aus  dem  Jura  von  Voncourt;  erstere  unterscheidet  sich  von  L.  Fromenteli  durch  die  dicht  aneinander 
gereihten,  durch  scharfe  Kanten  geschiedene  Kelche,  letztere  durch  die  kleinere  Anzahl  der  Septen. 


')  Paleont.  fran£.  Terr.  er6t.  Zooph.  p.  329. 


—     49     — 


C.  Polyastrea  aporosa  Fromentel. 

Familie:  Oculinidae  Fromentel. 

Synhelia  Milne   Edwards   und  Haime. 

Synhelia  gibbosa  Münst.  sp.  —  Taf.  12.  Fig.  4—6. 

1829.  Lithoclendron  gibbosum  Goldfuss,  Petref.  Germ.  t.  I.  p.  106.  pl:  37.  fg.  9. 

1840.  Desgl.  —  Römer,  Verst.  der  nordd.  Kreide  p.  25  und  113. 

1846.  Oculina  gibbosa  Geinitz,  Grundr.  d.  Verst.  p.  568.  pl.  33.  A.  fg.  4. 

1846.  Desgl.  —  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreide  t.  IL  p.  61.  tb.  XIV.  fg.  35—37. 

1848.  Stephanocora  gibbosa  Bronn,  Ind.  paleont.  p.  1200. 

1850.  Synhelia  gibbosa  Milne  Edwardsund  Haime,  Brit.  foss.  Corals.  Introd.  p.  XX.  — Ann.  des  Sc.  nat.  3  ser.  t.XIII.  p.  78. 

1850.  Desgl.    -  d'Orbigny,  Prod.  de  Paleont..  22  Etage  1296. 

1851.  Desgl.  —  Milne  Edwards  und  Haime,  Monog.  des  polyp.  foss.  des  terr.  palaeoz.  p.  38. 
1854.  Desgl.  —  Reuss,  Denkschr.  d.  Wien.  Akad.  d.  Wissensch.  t.  VII.  p.  83. 

1857.     Desgl.  —  Milne  Edwards  und  Haime,  Hist,  nat.  d.  Corall.  t.  II.  p.  114. 
1858—61.     Desgl.  —  Fromentel,  Introd.  ä  l'Et.  d.  Polyp,  foss.  p.  176. 

Polypenstock  ästig;  Zweige  ziemlich  dick  und  etwas  höckerig  in  Folge  der  wenig  hervorspringenden 
Kelche.  Bei  manchen  Exemplaren  ist  der  Polypenstock  von  der  Anheftungsstelle  an  mit  Kelchen  bedeckt, 
an  anderen  (s.  Taf.  12,  Fig.  5)  haben  sich  am  Grunde  fast  gar  keine  Kelche  entwickelt,  so  dass  der  Polypen- 
stock unten  fast  ganz  glatt  erscheint.  Die  Kelche  sind  fast  kreisförmig,  oft  in  die  Länge  gezogen,  stehen 
mehr  oder  weniger  dicht  gedrängt  und  sind  von  einander  durch  deutlich  hervortretende,  gerade  verlaufende, 
fast  gleich  starke  Rippen  geschieden.  Eine  schwach  angedeutete  Furche  trennt  meistens  die  Rippen  der 
einzelnen  Kelche.  Letztere  zeigen  nur  eine  sehr  seichte  Central-Depression.  In  den  grösseren  Kelchen  sind 
4  Cyclen  von  Septen  vollständig  ausgebildet,  ausserdem  die  Anfänge  eines  fünften  Oyclus  (nicht,  wie  Milne 
Edwards  und  Haime  anführen,  nur  3  Cyclen).  Septen  stehen  dicht  gedrängt  und  sind  an  ihrem  freien  Rande 
fein  gekörnelt.  Die  deutlich  entwickelte  Columella  hat  das  Ansehen  eines  stumpfen  Tuberkels.  Durchmesser 
der  Kelche  4  —  6  mm. 

Yorkommen.  Zur  Untersuchung  lagen  vor  drei  Exemplare  aus  dem  unteren  Pläner  des  Gamighügel 
bei  Dresden;  ausserdem  Exemplare  aus  dem  unteren  Pläner  von  Gr.  Sedlitz  bei  Pirna,  und  der  Tourtia  von 
Bochum  im  Westphalen  und  aus  den  Korycaner  Schichten  von  Weisskirchlitz  bei  Teplitz. 

Nach  Geinitz  findet  sich  diese  Species  auch  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

A.  Römer  führt  sie  noch  an  aus  der  Tourtia  von  Osterfeld  in  Westphalen. 

Nach  A.  Fritsch  ist  die  Synhelia  gibbosa  sehr  verbreitet  in  den  Korycaner  Schichten  der  böhmischen 
Kreideformation.  Als  Fundorte  führt  er  an:  Friedrichsberg  bei  Velim,  Radovesnic,  Kamajka,  Zbislav,  Schillinge 
bei  Bilin,  Kutschlin  und  Korycan. 

Fraglich  ist  nach  Reuss  das  Vorkommen  in  den  Mergeln  des  Nef-  und  Wegscheidgraben  in  der  Gosau. 

Bemerkungen.    Diese  Species,  welche  zuerst  von  Goldfuss  unter  dem  Namen  Lithoclendron  gibbosum 


-      50     — 

Münster  beschrieben  und  abgebildet  ist,  wurde  1850  von  Milne  Edwards  und  Haime  als  Typus  einer  neuen 
Gattung  aufgestellt.  Zu  derselben  gehören  ausserdem  noch  Synhelia  Sharpeana  M.  Edw.  u.  H.  aus  dem  Senon 
von  Douvres,  Synh.  Meyer i  Dank.  u.  K.  aus  dem  mittleren  Hilsconglomerat  des  Elligser-Brinks,  Synh.  approxi- 
mata  Eichw.  aus  dem  Jura  der  Krim,  und  vielleicht  nach  Fromentel  Diblastus  grevensis  Lonsd.  aus  dem 
Senon  von  Sussex. 

Von  Synhelia  Sharpecma  und  S.  Meyeri  unterscheidet  sich  S.  gibhosa  durch  die  deutlich  hervortretenden 
Rippen.  S.  approximata  besitzt  nach  den  undeutlichen  Abbildungen,  die  Eichwald  x)  von  derselben  gegeben 
hat,  dünnere  und  stärker  gebogene  Rippen,  die  ohne  Unterbrechung  die  einzelnen  Kelche  vereinigen. 

Sehr  interessant  ist  von  den  vorliegenden  Exemplaren  das  eine  bei  Bochum  gefundene  (s.  Taf.  12, 
Fig.  6.)  Es  zeigt  auf  das  deutlichste  am  unteren  Ende  des  Polypenstockes  eine  stark  quergefaltete  Epithek, 
eine  Thatsache,  die  der  von  Milne  Edwards  und  Haime2)  ausgesprochenen  Behauptung  widerspricht,  dass 
in  der  Familie  der  Oculiniden  nie  eine  Epithek  vorhanden  sei.  An  dem  fraglichen  Exemplare,  das  eine  Höhe 
von  10  mm.  besitzt,  sind  9  Kelche  entwickelt. 


Psammohelia  Fromentel. 

Syn. :  1858 — 61.     Psammohelia.  —  Fromentel,  Introd.  ä  l'Et.  d.  Polyp,  foss.  p.  176. 
1860.     Dendrohelia.  —  Etallon,  Rayon  de  Montbel.  p.  36. 
1864.     Desgl.  —  Etallon,  Leth.     Bruntrut.  p.  358„ 

Polypenstock  warzenförmig  oder  baumförmig;  Cönenchym  stark  entwickelt,  dicht,  fein  gekörnelt, 
Rippen  nur  sichtbar  in  der  Nähe  des  Kelches;  Septen  ungleich,  nicht  gezähnt;  keine  Pfählchen;  Columella 
gfiffelförmig.  — 

Diese  Gattung  wurde  fast  -zu  gleicher  Zeit  von  Fromentel  und  Etallon  unter  zwei  verschiedenen 
Namen  publicirt,  von  jenem  als  Psammohelia  und  von  letzterem  als  Dendrohelia.  Im  Gegensatz  gegen  Etallon, 
der  im  Jahre  1864  in  der  Lethaea  Bruntrutana  Psammohelia  als  Synonym  anführt,  habe  ich  letzterem  Namen 
die  Priorität  gegeben,  indem,  wenn  auch  die  beiden  fraglichen  Arbeiten  von  Fromentel  und  Etallon  zu  der- 
selben Zeit  im  Druck  erschienen,  das  Manuscript  von  »Introduction  ä  l'Etude  des  polypiers  fossiles«  früher 
der  Oeffentlichkeit  übergeben  wurde  (vorgelegt  im  Jahre  1858  der  Gesellschaft  von  B6sancon),  als  das  Manu- 
script von   »Rayonnes  de  Montbeliard«  (vorgelegt  1860  der  Gesellschaft  von  Montbeliard). 

Psammohelia  gr  anal  ata  n.  sp.   —   Taf.  11.  Fig.  5  u.  6. 

Die  Bruchstücke,  die  von  dieser  untersucht  wurden,  dürften  wohl  einem  baumförmigen  Pölypenstocke 
angehört  haben.  Die  mehr  oder  weniger  breiten  Zweige  desselben  besitzen  eine  unregelmässige  höckerige 
Oberfläche.  Die  Kelche  ragen  als  kurze  Kegel  über  das  sie  trennende  Cönenchym  hervor.  Die  Entfernung 
der  Centren  ist  sehr  verschieden  (3  —  7  mm.).  Die  Aussenwand  der  Kelche  ist  sehr  dick  und  zeigt  feine 
Längs-Rippen  in  der  Nähe  des  Kelch-Randes.  Die  äussere  Oberfläche  des  Cönenchyms  ist  mit  feinen  Körnchen 
dicht  bedeckt.  24  dünne  Septen  in  6  Systemen  vollständig  entwickelt;  die  Septen  des  ersten  und  zweiten 
Cyclus  gleich  gross.     Kelch-Durchmesser  2  —  2,5  mm. 

Torkommen.     Es  lagen  9  Exemplare  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 


')  Leth.  ross.  t.  IL  pl.  9  fg.  11. 
2)  Hist.  nat.  d.  coiall.  t.  II.  p.  102. 


—     51     — 

Bemerkungen.  Bei  den  untersuchten  Exemplaren  füllen  sich  die  Kelch-Kammern  allmählich  durch 
Verdickung  aus.  Es  scheint  deshalb  die  von  Fromentel  ausgesprochene  Ansicht  die  richtige  zu  sein,  dass 
die  vorstehende  Gattung  zu  der  Familie  der  Oculinidae  und  nicht  der  Stylophoridae  zu  stellen  sei. 

Psammohelia  gramdata  unterscheidet  sich  von  den  anderen  bis  jetzt  nur  aus  der  Jura-Formation 
bekannt  gewordenen  Psammohelien  leicht  durch  die  grössere  Anzahl  der  Septen. 


Familie  Astraeiclae  Fromentel. 

Thamnastraea  Lesauvage. 

Thamnastraea  tenuissima  M.  Edwards  u.  Haime.  —  Taf.  12.     Fig.  1.  2. 

1850.  Synastrea  tenuissima  Mil.  Edwards  u.  Haime,  Ann.  d.  Sc.  nat.  3  ser.  t.  XII.  p.  151. 

1851.  Tliamnastrea  tenuissima  Mil.  Edwards  u.  Haime,  Polyp,  foss.  d.  terr.  palaeoz.  p.  110. 
1857.     Desgl.  —  Mil.  Edwards  u.  Haime,  Hist.  nat.  d.  corall.  t.  H.  p.  562. 

1858--61.     Synastrea  tenuissima  Fromentel,  Iatrod.  ä  l'Et.  d-  Polyp,  foss.  rX.  221. 

Der  knollenförmige,  stark  gewölbte,  von  einer  vollständigen  Epithek  eingehüllte  Polypenstock  besitzt 
einen  Durchmesser  von  37  mm.  Bippen  stehen  sehr  dicht  gedrängt  (auf  2  mm.  kommen  14).  Die  Oberfläche 
ist  mit  kreisförmigen  Kelchen  bedeckt,  deren  Centren  nahe  bei  einander  (l1^— 2  mm.)  befindlich  sind.  Kelche 
ungleich  gross,  in  der  Mitte  schwach  vertieft,  unregelmässig  angeordnet,  indem  die  jüngeren  Kelche  an  den 
verschiedensten  Stellen  der  Oberfläche  zwischen  den  alten  entstehen.  3  Cyclen  von  Septen  in  den  grossen 
Kelchen,  zuweilen  die  Anfänge  eines  vierten  Cyclus.  Septen  dicht  gedrängt  (auf  1  mm.  kommen  5),  nach 
dem  Bande  mehr  oder  weniger  gebogen,  ohne  Unterbrechung  sich  mit  denen  der  benachbarten  Kelche  ver- 
einigend, fein  gekörnelt,  die  jüngeren  vereinigen  sich  mit  den  älteren.  Querbalken  sehr  zahlreich.  Columella 
durch  wenige  Körnchen  im  Grunde  des  Kelches  angedeutet.     Kelch-Durchmesser  l*/a — 2  mm. 

Vorkommen.  Es  lagen  4  Exemplare  zur  Untersuchung  vor;  3  stammten  aus  dem  unteren  Pläner 
von  Plauen,  das  andere  aus  der  Tourtia  von  Tournay. 

Ausserdem  findet  sich  diese  Species  noch  nach  Milne  Edwards  uud  Haime  in  der  Tourtia  von 
Montignies  -  sur-Boc. 

Bemerkungen.  Die  vorstehende  Beschreibung  ist  nach  dem  bei  Tournay  gefundenen,  ausgezeichnet 
erhaltenen  Exemplare  ausgeführt.  Von  den  bei  Plauen  herstammenden  Exemplaren  zeigt  das  eine  Bruchstück 
die  Kelche  vollständig  erhalten  und  lässt  keinen  Zweifel  aufkommen,  dass  die  sächsischen  Korallen  der  von 
Milne  Edwards  und  Haime  aus  der  belgischen  Tourtia  beschriebenen  Species  angehören.  Die  beiden  anderen 
Exemplare  von  Plauen  zeigen  die  18 — 24  Septen  enthaltenden- Kelche  in  einem  stark  abgeriebenen  Zustande 
(siehe  Taf.  12.  Fig.  2).  Dieselben  beweisen,  dass  die  an  ihrer  Oberfläche  papillöse  Columella  in  ihrem 
unteren  Theile  griffeiförmig  ist.  Bei  ihnen  sieht  man  sehr  gut,  dass  die  Septen  durch  zahlreiche  Querbalken 
mit  einander  verbunden  sind. 


Palaeontographica  XX.  2. 


—     52     — 

Thamnastraea  conferta  M.  Edwards  u.  Haime.  —   Taf.  13.  Fig.  3.  4. 

1850.  Synastrea  conferta  Milne  Edwards  u.  Haime,  Ann.  des  Sc.  nat.  3  ser.  t.  XII.  p.  150. 

1851.  Thamnastrea  conferta  Milne  Edwards  u.  Haime,  Polyp,  foss.  des  terr.  palaeoz.  p.  109. 
1857.     Desgl.  —  Milne  Edwards  u.  Haime,  Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  H.  p.  575. 

1858—61.     Synastrea  conferta  Fromentel,  Introd.  ä  l'Et.  d.  Polyp,  foss.  p.  219. 

Der  an  der  Oberfläche  ebene  oder  schwach  gewölbte  Polypenstock  mit  schmaler  oder  breiter  Basis 
festgewachsen,  allmählich  oder  sehr  rasch  nach  oben  an  Breite  zunehmend,  zuweilen  ein  intermittirendes  Wachs- 
thum  zeigend.  Die  Aussenseite  des  Polypenstockes  ist  von  quergefalteter  Epithek  vollständig  eingehüllt 
(s.  Taf.  13.  Fig.  3).  An  Stellen,  wo  dasselbe  abgerieben,  erscheinen  die  feinen  Rippen.  Dieselben  stehen 
dicht  gedrängt  (auf -2  mm.  kommen  10),  sind  gleich  dick  und  fein  gekörnelt.  Die  Oberfläche  des  Polypen- 
stockes zeigt  ein  sehr  verschiedenes  Ansehen.  Die  Sterne  sind  im  ausgewachsenen  Zustande  ziemlich  rund ; 
die  jüngeren  hingegen,  die  sich  an  den  verschiedensten  Stellen  der  Oberfläche  zwischen  den  älteren  durch 
Knospung  bilden,  sind  mehr  unregelmässig  und  eckig.  Die  Kelche  stehen  dicht  bei  einander.  Die  Entfer- 
nung der  Centren  von  ausgewachsenen  Kelchen  beträgt  4 — 5  mm.;  bei  jüngeren  nur  21/ä — 3  mm.  In  den 
grösseren  Kelchen  sind  40 — 56  Septen  entwickelt.  (Milne  Edwards  u.  Haime  führen  nur  30 — 38  Septen  an.) 
Dieselben  stehen  dicht  gedrängt  (auf  2  mm.  kommen  7 — 8)  und  sind  nach  aussen  nur  schwach  gebogen;  die 
jüngeren  vereinigen  sich  mit  den  älteren.  Columella  durch  wenige  Körnchen  im  Grande  des  Kelches  ange- 
deutet.    Querbalken  sehr  zahlreich.     Durchmesser  der  grossen  Kelche  4—5  mm. 

Vorkommen.  Es  lag  ein  Exemplar  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen;  ausserdem  Exemplare 
aus  der  Tourtia  von  Tournay  und  Montignies-sur-Roc  in  Belgien. 

Bemerkungen.  Das  aus  Sachsen  stammende  Exemplar  befindet  sich  leider  in  einem  sehr  ab- 
geriebenen Zustande;  trotzdem  kann,  wie  ich  glaube,  kein  Zweifel  obwalten  in  Betreff  der  Identität  mit  der 
aus  der  belgischen  Tourtia  zuerst  von  Milne  Edwards  und  Haime  beschriebenen  Species.  Bei  dem  sächsischen 
Exemplare  sieht  man,  dass  die  Seitenflächen  der  Septen  dicht  mit  kleinen  Körnchen  bedeckt  sind,  die  meistens 
in  Reihen  stehen  und  sich  sehr  oft  mit  denen  der  benachbarten  Septen  zu  Querbalken  verbinden. 

Thamnastraea  cf.   belgica  Milne  Edwards  und  Haime.  —  Taf.  11.  Fig.  4. 

Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  II.  p.  579. 

Dieser  von  Milne  Edwards  und  Haime  aus  der  Tourtia  von  Montignies-sur-Roc  ganz  kurz  beschriebenen 
Species  scheint  ein  vorliegendes  Exemplar  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  sehr  nahe  verwandt  zu  sein. 
Die  Kelche,  die  einen  Durchmesser  von  5 — 6  mm.  besitzen,  enthalten  einige  20  Septen.  Der  Erhaltungs- 
zustand ist  leider  der  Art,  dass  namentlich  bei  dem  Fehlen  von  genauen  Beschreibungen  und  Abbildungen 
der  Thamnastraea  belgica  an  eine  sichere  Identificirung  nicht  zu  denken  war. 

Dimorphastraea  d'Orbigny. 

Dimorphastraea  parallela  Reuss  sp.  —  Taf.  13.  Fig.   1.  2. 

1842.  Astrea  geometrica?  Geinitz  (non  Goldf.),  Char.  d.  Schicht.  u.Petref.d.  sächs.  böhm.Kreid.p.  92.  tf.  23  fg. 5  u.p.  XX.  im  Index. 
1846.  Astrea  parallela  Eeuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  p.  60.  tf.  14.  fg.  39. 
1849.  Astrea  parallela  Geinitz,  Quaders,  in  Deutsch,  p.  232. 

Der  Polypenstock  bildet  rundliche,  mehr  oder  weniger  gewölbte  Massen  bis  zu  einem  Durchmesser 
von  60  mm.  Bei  zwei  Exemplaren  hat  sich  ein  grösserer  Mutterkelch  erhalten  (s.  Taf.  13.  Fig.  1).  Erzählt 
^einige  60  Septen,  von  denen  die  meisten  miteinander  gegen  die  Axe  hin  anastomosiren ;   nur   einige   bleiben 


—     53     — 

ganz  frei.  Um  diesen  Mutterkelch  haben  sich  in  mehr  oder  weniger  unregelmässig  concentrischen  Kreisen 
kleinere  Kelche  gebildet. 

In  anderen  Exemplaren  (s.  Taf.  13.  Fig.  2),  wo  diese  jüngeren  Kelche  nicht  allein  in  der  Peripherie 
der  Mutter-Kelche  entstanden  sind,  sondern  auch  au  verschiedenen  Stellen  zwischen  seinem  Rande  und  dem 
Centrum,  ist  der  grössere  Mutterkelch  ganz  verschwunden.  Bei  solchen  Polypenstöcken  lässt  aber  immer 
noch  die  mehr  oder  weniger  concentrische  Anordnung  der  jüngeren  Kelche  die  Entwickelung  derselben  aus 
einem  grösseren  Mutterkelch  erkennen.  Zuweilen  stehen  sich  die  Sterne  desselben  concentrischen  Kreises 
näher,  als  die  Kreise  selbst.  Die  kleineren  Kelche  besitzen  einen  Durchmesser  von  5 — 6  mm.  30—46  Septen 
sind  in  ihnen  entwickelt;  die  jüngeren  vereinigen  sich  nach  innen  mit  denen  der  älteren.  Septen  gleich  dick, 
ziemlich  dicht  gedrängt  (auf  2  mm.  kommen  5  —  6).  Ein  grosser  Theil  der  Septen  biegt  rasch  um  und  ver- 
läuft in  wenig  gebogener  radialer  Richtung  gegen  die  Peripherie  des  Polypenstockes.  Septal-Rand  fein  ge- 
körnelt.  Kelch-Centrum  seicht  vertieft;  in  demselben  ist  die  Columella  nur  durch  einige  wenige  Körnchen 
angedeutet,     Querbalken  zahlreich. 

Vorkommen.  Es  lagen  10  Exemplare  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen;  ausserdem  noch 
Exemplare  aus  den  Korycaner-Schichten  von  Kutschlin  bei  Bilin  in  Böhmen.  A.  Fritsch  J)  führt  diese  Species 
noch  an  aus  den  Korycaner-Schichten  von  Debrno  und  Korycan. 

Bemerkungen.  Diese  Species  wurde  zuerst  im  Jahre  1842  beschrieben  von  Geinitz  aus  den 
Korycaner-Schichten  von  Kutschlin  in  Böhmen  und  damals  fraglich  von  ihm  zu  Astraea  geometrica  Goldf. 
gestellt,  die  eine  Thamnastraea  der  weissen  Kreide  von  Mastricht  ist.  Die  Beschreibung  von  Geinitz  ist 
nach  stark  abgeriebenen  Exemplaren  geliefert.  Dasselbe  kann  man  behaupten  von  der  Diagnose,  die  Reuss 
im  Jahre  1846  von  dieser  Species  aufstellt.  Er  beschrieb  sie  als  Astraea  parallela,  welchen  Namen  auch 
Geinitz  später  adoptirte,  —  Dimorphastraea  parallela,  die  ziemlich  häufig  in  dem  unteren  Pläner  von  Sachsen 
und  den  Korycaner-Schichten  von  Böhmen  zu  sein  scheint,  unterscheidet  sich  von  der  Thamnastraea  conferta 
leicht  dadurch,  dass  die  Kelche  immer  mehr  oder  weniger  in  concentrischen  Reihen  angeordnet  sind,  ein 
Kennzeichen,  welches  allein  die  Gattung  Dimorphastraea  von  Thamnastraea  trennt. 

Die  vorliegenden  Exemplare  der  Dimorphastraea  parallela  beweisen  auf  das  deutlichste,  dass  nicht, 
wie  Milne  Edwards  und  Haime  2)  bei  der  Gattung  Dimorphastraea  angeben ,  immer  ein  grösserer  centraler 
Kelch  vorhanden  ist.  Ob  derselbe  bleibt  oder  später  verschwindet,  ist,  wie  schon  oben  angedeutet  ist,  davon 
abhängig,  an  welcher  Stelle  sich  aus  dem  Mutter-Kelche  die  jüngeren  entwickeln.  Die  grössere  oder  geringere 
Anzahl  der  Septen  des  Haupt-Kelches  darf  desshalb  nicht,  wenn  dieser  vorhanden  ist,  zur  Unterscheidung 
von  Species  verwandt  werden. 

Isastraea  Mil.  Edwards  und  Haime. 

Isastraea  sp. 

Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  lag  mir  ein  Exemplar  zur  Untersuchung  vor,  das  ohne  Zweifel 
zu  dieser  Gattung  zu  rechnen  ist.  Die  3  —  4  mm.  grossen  Kelche,  die  einige  20  Septen  zu  besitzen  scheinen, 
sind  aber  so  schlecht  erhalten,  dass  an  eine  nähere  Bestimmung  der  Species  nicht  zu  denken  war. 


1)  Paläont.  Unters,  d.  einz.  Schicht  i.  d.  böhm.  Kreidef.  im  Archiv  d.  naturw.  Landesdurchforsch.  v.  Böhmen.  Bd.  I.  Abth.  II. 

2)  Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  II.  p.  585. 


54 


Astrocoenia  Mil.  Edwards  und  Haime. 
Astrocoenia  Tourtiensis  n.  sp. —  Taf.   11.  Fig.  7.  u.  8. 

Polypenstock  meistens  mehr  oder  weniger  scheibenförmig.    Die  Dicke  der  Platten  schwankt  zwischen 

5  bis  20  Millimeter.  Das  grösste  Exemplar  besitzt  einen  Durchmesser  von  150  min.  Kelche  stehen  dicht 
aneinander  und  sind  durch  verhältnissmässig  dicke  Zwischenwände  von  einander  geschieden.  Zwischen  den 
Kelchrändern  ist  kein  Cönenchym  entwickelt.  Kelche  sind  polygonal,  seicht  und  ungleich  an  Grösse,  indem 
die  neuen  Kelche  zu  gleicher  Zeit  an  den  verschiedensten  Stellen  der  Oberfläche  des  Polypenstockes  durch 
Knospung  entstehen..  In  den  grösseren  Kelchen  3  Cyclen  von  Septen  in  6  Systemen  entwickelt;  die  Septen 
des  ersten  und  zweiten  Cyclus  erreichen  die  Columella  und  sind  um  die  Hälfte  länger,  als  die  dazwischen- 
liegenden des  dritten  Cyclus.   Septen  gerade.    Columella  dünn,  griffeiförmig.    Kelch-Durchmesser  1— l1/*  mm. 

Vorkommen.     Es  lagen  16  Exemplare  vor  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Bemerkungen.  Sehr  viele  der  untersuchten  Exemplare  zeigten  einen  sehr  schlechten  Erhaltungs- 
zustand. Theils  sind  sie  nur  als  Steinkerne  erhalten,  theils,  wenn  dies  nicht  der  Fall  ist,  sind  die  Kelche  so 
stark  abgerieben,  dass  man  in  ihnen  fast  nur  die  durch  Ansatz  fremder  Gesteinsmasse  sehr  verdickte  Columella 
erblickt  (s.  Taf.  11.  Fig.  8). 

Von  den  meisten  Astrocoenien,  die  sich  durch  dieselbe  Kleinheit  ihrer  Kelche,  wie  die  vorliegende 
Species  auszeichnen,    unterscheidet   sich   Astrocoenia  Tourtiensis  leicht   durch   die  Ausbildung   der  Septen  in 

6  Systemen,  indem  bei  Ast.  numisma  M.  Edw.  u.  EL,  Ast.  minima  und  regitlaris  Froment.,  Ast.  favoidea 
und  minuta  Duncan  die  Septen  in  10,  bei  Ast.  ramosa  M.  Edw.  u.  H.  und  Ast.  üiberculata  und  nana  Rss. 
sich  in  8  Systemen  entwickelt  haben.  Bei  Ast.  laminosa  d'Achiard  sind  nur  2  Cyclen  von  Septen  in  6  Systemen 
vorhanden.  Astraea  minuta,  die  Geinitz  J)  aus  dem  unteren  Quadermergel  des  Tunnels  bei  Oberau  beschrieben 
hat,  und  welche  wahrscheinlich  zu  der  Gattung  Astrocoenia  zu  rechnen  ist,  besitzt  eine  geringere  Anzahl 
von  Septen.  . 


Eine  genauere  Schilderung  der  geognostischen  Verhältnisse  der  Schichten,  denen  das  Material  zu  den 
vorstehenden  Diagnosen  entnommen  ist,  werde  ich  an  dieser  Stelle  nicht  liefern,  da  Herr  Professor  Geinitz 
auf  dieselben  an  einer  anderen  Stelle  dieses  Werkes,  von  welchem  diese  Arbeit  einen  integrirenden  Theil 
bildet,  näher  eingehen  wird. 

.  Ich  will  hier  nur  bemerken,  dass  das  Vorkommen  der  meisten  Anthozoen  gerade  in  den  Conglomerat- 
schichten  von  Plauen  schon  einen  Schluss  auf  die  Art  der  Erhaltung  machen  lässt.  Bei  sehr  vielen  der 
untersuchten  Korallen  ist  die  Gesteinsmasse  so  mit  den  Zellensternen  verwachsen  und  hat  zum  Theil  die 
innere  Structur  der  Kelche  so  verwischt,  dass  dieselben  ohne  nähere  Bestimmung  der  Gattung  und  Species 
bei  Seite  gelegt  werden  mussten.  Bei  einer  Koralle  war  nur  die  Bestimmung  der  Gattung  möglich;  bei  anderen, 
bei  welchen  man  wohl  an  eine  specifische  Bestimmung  denken  konnte,  musste  die  genauere  Feststellung  der 
Gattung,  zu  welcher  die  Species  gehörte,  einer  Zeit  überlassen  bleiben,  wo  bessere  Exemplare  zur  Unter- 
suchung zu  Gebote  stehen. 

Von    den    beschriebenen   Korallen    sind    5    neu:    Monüivaultia?    Tourtiensis,    Tlacoseris?    Geinitzi, 


')  Charact.  d.  Schicht,  u.  Petref.  d.  sächs.  Kieid.  p.  92.  Tf.  22.  Fg.  15. 


—     55     — 

Latimaeandra  Fromenteli,  Psammohelia  granulata  und  Astrocoenia  Tourtiensis;  zwei  sind  charakteristisch  für 
die  Tourtia  von  Belgien:  Thamnastraea  conferta  M.  Edw.  u.  H.  und  Thamnastraea  tenuissima  M.  Edw.  u.  H. 
Synhelia  gibbosa  ist  ein  Leitfossil  für  die  Tourtia  von  Westphalen  und  die  Korycaner  Schichten  von  Böhmen. 
In  letzteren  findet  sich  auch  sehr  häufig  Dimorphastrea  parallela  Kss.  sp.  Hiernach  wird  durch  die  Unter- 
suchung der  Korallen  auf  das  entschiedenste  die  von  Geinitz  und  anderen  Geologen  schon  früher  ausgesprochene 
Ansicht  bestätigt,  dass  die  Schichten  des  unteren  Pläner  von  Plauen  äquivalente  Bildungen  sind  der  Tourtia 
von  Belgien  und  Westphalen.  Ebenso  spricht  wenigstens  das  Vorkommen  von  verschiedenen  Korallen  in  den 
Korycaner-Schichten  Böhmens  dafür,  dass  dieselben  dort  die  Tourtia  repräsentiren. 

Um  für  spätere  Untersuchungen  die  Vergleichung  der  Korallen-Fauna  der  Tourtia  von  Belgien  und 
Westphalen  und  der  Korycaner-Schichten  in  Böhmen  mit  der  von  Plauen  zu  erleichtern,  will  ich  die  bis  jetzt 
aus  jenen  drei  Gebieten  beschriebeneu  Anthosoen  aufführen  und  bei  verschiedenen  derselben  ihre  .Stellung  im 
Systeme  anzugeben  suchen. 


Belgien. 

Die  ersten  drei  Korallen  aus  der  Tourtia  von  Belgien  führt  Michelin  an  in  seiner  Iconographie 
zoophytologique.  Es  sind  nach  ihm:  Tnrbinolia  conulus  Phill.,  Astrea  agaricües  Goldf.  und  Astrea  reticu- 
lata  Goldf. 

Im  Jahre  1847  wurden  von  d'Archiac  in  seinem  „Rapport  sur  les  fossiles  du  tourtia"  J)  noch  zwei 
Species,  nämlich:  Astrea  Delcrosiana  Mich,  und  velomentosa  Goldf.  auf  Mittheilung  von  Michelin  hin  hinzu- 
gefügt. Als  jedoch  später  sich  Milne  Edwards  und  Haime  bei  ihren  monographischen  Arbeiten  über  die 
Korallen  auch  mit  der  Untersuchung  der  belgischen  Anthozoen  der  Tourtia  beschäftigten,  erkannten  sie  zum 
Theil  die  von  Michelin  angegebene,  ganz  unrichtige  Identificirung  der  dortigen  Korallen  mit  schon  bekannten 
Species,  zum  Theil  zogen  sie  mit  Recht  das  Vorkommen  von  2  Species  (Turbinolia  conulus  und  Astrea 
Delcrosiana)  in  jenen  Schichten  in  Zweifel.  2)  Nach  ihren  Untersuchungen  finden  sich  in  der  belgischen 
Tourtia : 

1)  Thamnastraea  tenuissima  Mil.  Edwards  und  Haiine,  s.  oben. 
Syn. :  Ast.  reticulata  Mich,  und  velamentosa  Mich. 

Fundort:  Toumay  und  Montignies-sur-Roc. 

2)  Thamnastraea  conferta  Mil.  Edwards  und  Haime,  s.  oben. 
Fundort:  Tournay  und  Montignies-sur-Roc. 

3)  Thamnastraea  belgica.  Mil.  Edwards  und  Haime. 
Syn.:  Astrea  agaricites  Mich. 

Fundort:  Montignies-sur-Roc. 

4)  Baryhelia  Archiaci  Mil.  Edwards  und  Haime. 

Hist.  nat.  d.  Corall.  II.  p.  125.  —  Froment.  Introd.  ä  l'Et.  d.  Polyp,  foss.  p.   179. 
Fundort:  Chercq  bei  Tournay. 


*)  Memoires  de  la  Societe  geologique  de  France.  2.  ser.  tome  II. 

2)  siehe:  Histoire  des  progres  de  la  geologie  de  1834  ä  1850.  par  d'Archiac  tome  IV.  p.  187  und  A  Monograph  of  the 
British  fossil  Corals.  Part  I.  p.  65. 


5)  Thecosmilia  Konineki  Mil.  Edwards  und  Haime,  Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  II.  p.  359.  —  Fro- 
mentel,  Intro'd.  ä  FEt.  d.  polyp.  foss.  p.  143. 

Fundort:  Montignies-sur-Roc. 
Zu  diesen   5  Species  muss   ich   noch   nach   einem   im   Berliner  Museum   befindlichen  Exemplare   die 
Beschreibung  einer  neuen  Art  hinzufügen,  nämlich: 

6)  Astrocoenia  Kunthi  n.  sp.  Taf.  12.  Fig.  7. 

Das  vorliegende  knollige  Bruchstück  dieser  Species  besitzt  eine  schwach  gewölbte  Oberfläche  und 
ist  von  einer  quer  gefalteten  Epithek  umgeben.  Die  Kelche  sind  unregelmässig'  angeordnet,  schwach  vertieft, 
polygonal  und  ungleich  an  Grösse.  In  den  grösseren  Kelchen  sind  meistens  3  Cyclen  von  Septen  in  sechs 
Systemen  entwickelt,  nur  in  wenigen  zeigen  sich  die  Anfänge  eines  vierten  Cyclus.  Die  Septen  des  ersten 
und  zweiten  Cyclus  sind  gleichgross  und  reichen  bis  zur  Columella.  Septen  gerade,  fast  gleich  dick.  Colu- 
mella  dünn,  griffeiförmig.  Cönenchym  ist  zwischen  den  Kelchen  nicht  entwickelt;  letztere  werden  durch 
einen  mehr  oder  weniger  scharfen  Rand  von  einander  geschieden.     Kelch:  Durchmesser  2—21l2  mm. 

Fundort:   Tournay. 

Bemerkungen.  Astrocoenia  Kunthi  unterscheidet  sich  von  der  Astrocoenia  Tourtiensis  leicht  durch 
die  Grösse  der  Kelche.  Eine  gleiche  Grösse  und  eine  ähnliche  Entwicklung  der  Septen  zeigen  Astroc. 
Cotteaui  Froment.  und  Ast.  pidchella.  M.  Edw.  u.  H.  Bei  ersterer  werden  die  Septen  nach  dem  Centrum 
dicker,  und  letztere  besitzt  Cönenchym  zwischen  den  einzelnen  Kelchen. 


Westphalen. 

Aus  der  westphalischen  Tourtia  sind  bis  jetzt  2  Species  bekannt  geworden,  die  schon  Goldfuss 
beschrieben  und  abgebildet  hat,  nämlich: 

1)  Synhelia  gibbosa  Münst.  sp.  sieh.  oben. 
Fundort:  Bochum. 

2)  Micrabacia  coronula  Goldf.  sp. 

Syn:  Funcjia  coronula  Goldfuss,  Petref.  Germ.  t.  I.  p.  50.  Tf.   14.  Fg.  10.  1826. 

Micrabacia  coronula  Mil.  Edwards  und  Haime,  Brit.  foss.  Corals.  p.  60.  Tf.  10.  Fg.  4.  1850  und  Hist.  nat.  d.  Corall. 
t.  III.  p.  30.  1860. 

Diese  von  Milne  Edwards  und  Haime  vortrefflich  abgebildete  und  beschriebene  Species  ist  ganz 
characteristisch  für  die  Tourtia  von  Essen.  In  England  findet  sie  sich  im  oberen  Grünsand  von  Warminster 
in  Wiltshire  und  in  Frankreich  in  der  Etage  cenomanien  von  le  Mans. 

Ausser  diesen  schon  aus  Westphalen  bekannten  Species  findet  sich  noch  daselbst 

3)  Anthophyllum  coniciim  Reuss.  (non  Römer)  Taf.  13.  Fig.  5. 
Reuss.  Verst.  d.  böhm.  Kreidet.  Abth.  2.  p.  62.  Tf.  14,  Fg.  31. 

Zwei  Exemplare,  die  aus  der  Tourtia  von  Essen  im  Dresdener  Museum  aufbewahrt  werden,  gehören 
nach  den  Abbildungen  und  Beschreibungen,  die  Reuss  von  dem  in  den  Korycaner  Schichten  der  Schillinge 
bei  'Bilin  gefundenen  Anthophyllmn  conicum  gegeben  hat,  zu  letzterer. 

Die  Exemplare  von  Essen  besitzen  einen  verkehrt  kegelförmigen,  oben  schräg  abgestutzten  Polypen- 


—      57     — 

stock,  dessen  Mauer  längs  gefaltet  ist.  Bei  einem  Querschliffe  (Taf.  13.  Fig.  5b)  sieht  man  eine  doppelte 
Mauer;  in  der  inneren  sind  einige  20  Septen  entwickelt,  die  im  Centrum  eine  schwammige  Columella  bilden. 
Auf  der  einen  Hälfte  wird  diese  innere  Mauer  in  sehr  kleinem  Zwischenräume  noch  von  einer  äusseren  um- 
geben ;  beide  sind  durch  Septen  verbunden.  Höhe  des  Polypenstockes  2  mm. ;  Durchmesser  des  Kelches 
ebenfalls  2  mm. 

Fundort:  Essen. 

Bemerkungen.  Es  scheint  mir  sehr  wahrscheinlich,  dass  diese  Essener  Korallen,  ebenso  wie  die 
aus  Böhmen  nur  sehr  junge  Parasmilieu  sind,  da  ich  bei  der  Untersuchung  der  Korallen  aus  dem  Senon  von 
New-Jersey  bei  dort  vorkommenden  Parasmilien  das  unterste  Ende  des  Polypenstockes  ebenso  ausgebildet 
gefunden  habe.  Ich  will  hier  noch  hinzufugen,  dass  man  auch  im  norddeutschen  Senon  sehr  häufig  auf 
Belemnitellen  und  anderen  Versteinerungen  ähnliche,  verkehrt  kegelförmige  Polypenstöcke  aufsitzend  findet, 
die  ebenfalls  junge  Parasmilien  sind.  Anthophyllum  conicum  Roemer  J)  aus  dem  mittleren  (nach  vorläufiger 
mündlicher  Mittheilung  von  Strombecks)  Hilsconglomerate  des  Elligser  Brinck,  eine  Species,  welche  ich  früher 
als  Representant  einer  neuen  Gattung  Brevismilia  2)  aufgestellt  habe,  und  welche  sich  von  dem  vorliegenden 
Anthoph.  conicum  durch  das  Vorhandensein  einer  Epithek  unterscheidet,  ist  vielleicht  auch  nur  ein  Jugend- 
Zustand. 

Anhangsweise  will  ich  hier  noch  erwähnen,  dass  in  Norddeutschland  früher  die  Tourtia  sehr  schön 
aufgeschlossen  gewesen  ist  bei  der  Steinholzmühle  unweit  Quedlinburg.  Die  Korallen,  die  aus  jenen  Schichten 
im  Berliner  Museum  aufbewahrt  werden,  sind  so  schlecht  erhalten,  dass  weder  Gattung  noch  Species  bestimm- 
bar war.  s) 

Böhmen. 

Reuss  hat  im  Jahre  1846  aus  den  Korycaner  Schichten  Böhmens  in  seinen  „Versteinerungen  der 
böhmischen  Kreideformation"  eine  grössere  Anzahl  von  Antliozoen  beschrieben  und  abgebildet.  Leider  sind 
aber  nach  dem  jetzigen  Standpunkte  der  Wissenschaft  seine  Beschreibungen  so  uugenau,  dass  es  sehr 
wünschenswerth  wäre,  dass  die  dort  vorkommenden  Korallen  einmal  genauer  untersucht  würden.  In  den 
Korycaner  Schichten  Böhmens  finden  sich  folgende  Species: 

1)  Anthophylum  cylindraceum  Reuss. 

Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  2  Abth.  p.  61.  Taf.  14.  Fig.  23—30. 

Diese  von  Reuss  aus  den  Schichten  von  Weisskirchlitz  und  den  Schillingen  bei  Bilin  beschriebene 
und  ausserdem  nach  Fritsch  bei  Kamajka  vorkommende  Species  gehört  vielleicht  zur  Gattung  Parasmilia. 
Sie  bedarf  namentlich  in  Betreff  der  inneren  Organisation  des  Kelches  noch  einer  genaueren  Untersuchung, 
da  man  wohl  mit  Recht  wenigstens  nach  dem  Vorkommen  die  von  Milne  Edwards  und  Haime  4)  und  nach 
ihnen  von  Fromentel 5)  vorgenommene  Identificirung  mit  der  im  Senon  von  Dinton  in  Wiltshire  und  Nehou 
(Manche)  in  Frankreich  gefundenen  Caryopliyllia  laevigaia  in  Zweifel  ziehen  kann. 


J)  Verst.  d.  nordd.  Ool.  Geb.  p.  20.  Taf.  1.  Fig.  2. 

2)  Zeitsch.  d.  deutsch,  geol.  Gesell.  Bd.  18.  p.  469. 

3)  Vergl.   Giebel  über  Polypen   aus  dem  Plänermergel   des  subhercynisehen  Beckeus  um  Quedlinburg  (Zeitsch.  f.    Zoo!., 
Zoot.  u.  Paläoz.  herausg.  von  d'Alton  u.  Burmeister.  Bd.  I.  1848.) 

4)  Hist.  nat.  d.  corall.  t.  II.  p.  18. 

5)  Introd.  ä  l'Et.  d.  polyp.  foss.  p.  79  und  Paleont   franc.  Terr.  cret.  Zooph.  p.  165. 


—     58     — 

2)  Parasmilia?  rudis  Keuss  sp. 

Syn.:  Anthophyllum  rüde  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  p.  62.  Taf.  14.  Fig.  22. 
Parasmilia?  rudis  M.  Edwards  u.  Haime,  Hist.  nat.  d.  corall.  t.  IL  p.   175. 
Fundort  nach  Keuss:  Schillinge  bei  Bilin. 

3)  Anthophyllum    explanatum   Reuss  (non  Römer),  Verst.   d.  böhm.  Kreidef.    2.   Abth.  p.  62. 

Taf  43.  Fig.  6. 

Es  scheint  mir  sehr  zweifelhaft,  dass  die  Identificirung  mit  dem  von  Römer  ])  aus  dem  mittleren 
Hilsconglomerate  von  Schandeiah  und  Berklingen  beschriebenen  Anth.  explanatum  richtig  ist.  Vielleicht 
gehört  die  bei  Korycan  vorkommende  Koralle  zu  Leptophyllia  pateüata. 

4)  Anthophyllum  conicum  Reuss  s.  oben. 
Fundort  nach  Reuss:  Schillinge  bei  Bilin. 

5)  Micrabacia  coronula  Goldf.  sp.  s.  oben. 

Nach  Fritsch  findet  sich  dieselbe  bei  Kralup,  Premyslany,  Zlosejn  und  Zbislav. 

6)  Synhelia  gibbosa  Münst,  sp.  s.  oben. 

Fundorte  nach  Fritsch:  Velim,  Radovesnic,  Kamajka,  Zbislav,  Schillinge  bei  Bilin,  Weisskirchlitz 
und  Korycan. 

7)  Astrea  macrocona  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  2.  Abth.  p.  60.  Taf  24.  Fig.  2. 
Syn.:  Heliastraea?  Barrandei  M.  Edwards  u.  Haime,  Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  H.  p.  478. 

Die  Beschreibung  von  Reuss  ist  nach  Steinkernen  geliefert.  Die  Stellung  dieser  Species  ist  bis  jetzt 
vollständig  unsicher.     Sie  findet  sich  nach  Reuss  bei  Kutschlin  und  ausserdem  nach  Fritsch  bei  Kuttenberg. 

8)  Astrea   distans  Reuss,    Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  2.  Abth.  p.  60. 

Wohin  diese  Species  zu  stellen  ist,  darüber  gibt  die  Beschreibung  keinen  Aufschluss.  Sie  findet 
sich  nach  Reuss  bei  Kutschlin. 

9)  Astrea  multifida  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  2.  Abth.  p.  60.  tf.   14.  fg.  38. 

Diese  nach  ganz  abgeriebenen  Exemplaren  ungenau  beschriebene  Specks  scheint  zur  Gattung  Di- 
morphastraea  zu  gehören.     Sie  kommt  vor  nach  Reuss  am  Panznerhügel  bei  Bilin. 

10)  Dimorphastraea  parallela  Reuss  sp.,  siehe  oben. 
Fundort:  Kutschlin,  Debrno  und  Korycan. 

11)  Porites   Michelinii  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  2.  Abth.  p.  61.  tf.  43.  fg.  3. 

Diese  Species  ist  vielleicht  eine  Thamnastraea ;  sie  findet  sich  nach  Reuss  bei  Korycan  und  ausser- 
dem nach  Fritsch  bei  Premyslany. 

12)  Latimaeandra?  maeandrinoides  Reuss  sp. 

Syn.:  Astrea?  maeandrinoides  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  2.  Abth.  p.  61.  tf.  43.  fg.  2. 

Latimaeandra?  maeandrinoides  M.  Edwards  und  Haime,  Hist.  nat.  d.  Corall.  t.  II.   p.  547. 
Fundort:  Korycan. 

13)  Astrea  putealis  Gein.  (non  Mich.),  Charak.  d.  Seh.  u.  Petref.  d.  Sachs.  Kreid.  Tf.  22.  Fg.  18. 

Nach  Fritsch  sollen  Exemplare,  die  zu  dieser  Species  gehören,  bei  Korycan  und  Premyslany  vor- 
kommen. Die  Untersuchung  des  Original-Exemplars,  das  den  Conglomeratschichten  des  Tunnels  bei  Oberau 
in  Sachsen  entnommen  ist,  hat  mir  bewiesen,  dass  weder  Gattung,  noch  Species,  zu  dem  dasselbe  gehört,  sich 
bestimmen  lassen. 


*)  Römer,  Nachtr.  zu  Verst.  d.  nordd.  Ort.  p.  15.  Tf.  17.  Fg.  27.  u.  Verst.  d.  nordd.  Kreid.  p.  26. 


—     59     — 

Tabellarische  Uebersicht  der  Anthozoen,   die  bis  jetzt  aus  der  Tourtia  von  Belgien,   West- 
pbalen,  Plauen  und  aus  den  Korycaner  Schichten  Böhmens  beschrieben  sind. 


Namen    der    Species. 


Vorkommen 


in  der 
Tourtia  v, 


in  der 

Tourtia  v. 

West- 


in der 

Tourtia  v. 

Plauen. 


in  den 
Korycaner 
Schichten 
Böhmens. 


in  Prankreich  und 
England. 


Montlivaultia?  Tourtiensis  n.  sp.    . 
Leptophyllia  patellata  Mich.  sp.     .     .     , 

Placoseris?  Geinitzi  n.  sp 

Anthophyllum  conicum  Eeuss 

Authophyllum  cylindraceum  Eeuss. 
Anthophyllum  explanatum  Eeuss.    . 

Parasmilia?  rudis  Eeuss.  sp 

Micrabacia  coronula  Goldf.  sp 

Thecosmilia  Konincki  M.  Edw.  u.  H. 
Baryhelia  Archiaci  M.  Edw.   u.  H.      .      . 

Synhelia  gibbosa  Münst.  sp 

Psammohelia  granulata  n.  sp 

Thamnastraea  tenuissima  M.  Edw.  u.  H. 
Thamnastraea  conferta  M.  Edw.   u.  H.     . 
Thamnastraea  belgica  M.  Edw.  u.  H. 
Dimorphastraea  parallela  Eeuss.   sp.    . 

Astrocoenia  Tourtiensis  n.  sp 

Astrocoenia  Kunthi  n.  sp 

Astrea  macrocona  Eeuss 

Astrea  distans  Eeuss 

Astrea  multifida  Eeuss 

Porites  Michelini  i  Eeuss 

Latimaeandra  Fromenteli  n.   sp.       .     .     . 
Latimaeandra?  maeandrinoides  Eeuss  sp. 


fraglich. 
+ 
+ 


+ 


Etage  cenomanienvonleMans. 


+ 


Etage  cenom.  von  le  Maus 


Ober-Grünsand  v, 


Warminster. 


Palaeoutographica  XX.  2. 


Malilau  &  Waldschmidt.    Frankfurt  a.  M. 


A.  Zur  Geologie  des  Eibthals  in  Sachsen. 

Ueber  ein  eigenthümliches  Vorkommen  des  unteren  Quaders  im  Gebiete  der  Sächsischen  Schweiz 
wurde  vom  Verfasser  in  der  Sitzung  der  Gesellschaft  Isis  in  Dresden  am  20.  Juli  1871  in  Gegenwart  der 
Herren  Bergrath  von  Cotta  und  Geh.  Bergrath  Naumann  folgender  Nachweis  geführt:  Ein  bei  Zeschnig, 
zwischen  Rathewalde  und  Hohnstein  an  der  Grenze  des  Granites  und  gewöhnlichen  Quadersandsteines  auf- 
tretendes Gestein,  welches  man  dort  behufs  der  Darstellung  von  Düngekalk  abbauet  und  brennt,  gehört  nicht 
zur  Juraformation,  womit  es  bisher  vereint  worden  ist,  sondern  vielmehr  zu  den  Conglomeratbildungen 
des  unteren  Quaders.  Die  darin  zahlreich  vorkommenden  eckigen  Bruchstücke  eines  ockergelben  thonigen 
Kalksteines  und  feinkörnigen  Oolithes,  worin  erstaunliche  Mengen  von  keulenförmigen  Bohrloch-Ausfüllungen 
und  Steinkernen  vorkommen,  welche  von  Pholas  Zeuschneri  Gein.  herrühren,  so  wie  eine  Serpula  und  eine 
ästige  und  unbestimmte  Bryozoe,  sind  allerdings  jurassisch.  Diese  Reste  der  Pholas  Zeuschneri  stimmen 
genau  überein  mit  jenen  im  Jura  von  Baiin  in  Polen,  von  wo  wir  sie  zuerst  durch  Professor  Zeuschner  er- 
halten haben.  Diese  Brocken,  welche  dem  benachbarten  Jura  entstammen,  dessen  Existenz  in  der  Gegend 
von  Hohnstein  durch  die  bekannten  Arbeiten  von  L.  v.  Buch,  Graf  Münster  und  B.  Cotta  (Geognostische 
Wanderungen.  H.  Dresden  u.  Leipzig,  1838)  mit  aller  Sicherheit  erwiesen  ist,  werden  in  dem  Conglomerate 
oder  der  Breccie  von  Zeschnig  durch  eine  glaukonitführende  kalkig-sandige  Masse  verkittet,  welche  auch  jene 
Bohrlöcher  der  Pholas  Zeuschneri,  die  in  dem  ockergelben  Gesteine  stecken,  ausgefüllt  hat.  Die  Stellung 
dieses  an  Bruchstücken  verschiedener  jurassischer  Gesteine ,  mit  Versteinerungen  der  Juraformation  reichen 
Conglomerates  zum  unteren  Quader  wird  gerechtfertigt  durch  das  Vorkommen  dreier  Leitfossilien  für  den 
letzteren  darin,  der  Stacheln  der  Cidaris  Sorigneti  Desor,  der  Schalen  der  Bhynchonella  compressa  Lam.  und 
der  Ostrea  diluviana  L.,  welche  überall  in  den  untersten  Schichten  des  unteren  Pläners  und  zum  Theil  auch 
des  unteren  Quadersandsteines  selbst  in  dem  Elbthale  gefunden  werden. 

Die  ersten  Spuren  hiervon  traf  der  Verfasser  bei  Zeschnig  auf  einer  Excursion  mit  Studirenden  des 
Dresdener  Polytechnikums  am  26.  Mai  1871.  Es  verdient  hervorgehoben  zu  werden,  dass  ihm  schon  auf 
einer  früheren  Excursion  in  analogen  Gesteinen  in  dem  bekannten  Jurakalkbruche  bei  Hohnstein  selbst  ein 
grosser  Nautilus  elegans  Sow.  entgegengetreten  ist,  welcher  noch  heute  in  dem  K.  mineralogischen  Museum  zu 
Dresden  bewahrt  wird.  Diese  Art  ist  aber  gleichfalls  im  unteren  Quader  des  Elbthales  nicht  selten.  Wir 
haben  durch  diese  Funde  einen  neuen  wichtigen  Anhaltepunkt  zu  der  immer  noch  schwierigen  Feststellung 
der  Grenzen  zwischen  den  verschiedenen  Etagen  des  Quadersandsteines  im  Gebiete  der  Sächsischen  Schweiz 
gewonnen;  denn  es  entspricht  hiernach  das  Conglomerat  des  unteren  Quaders  von  Zeschnig  den  tiefsten 
Schichten  des  Quadersandsteines  von  Niedergrund  an  der  Elbe,  worin  Ostrea  carinata  Lam.  und  Pecten 
aeauicostatus  Lam.  gefunden  worden  sind,  und  den  untersten  Schichten  des  Quadersandsteines  von  Tyssa 
in  Böhmen. 


64      — 


B.    Die  Versteinerungen  im  unteren  Quader  und  unteren  Plaener  des 

sächsischen  ElMhales. 

III.  Classe.    Badiata.    Strahlthiere. 

1.  Ech.inoid.ea.    Seeigel. 

Die  Schale  der  Seeigel  besteht,  mit  einigen  seltenen  Ausnahmen,  wo  sich  die  Zahl  4  oder  6  Geltung 
verschafft,  aus  20  Reihen  in  einander  eingreifender  Tafeln  (Assulae),  welche  in  Längsreihen  stehen  und  sich 
auf  10  Felder  (Areae)  vertheilen. 

Man  unterscheidet  5  schmälere  Felder  als  Fühlerfelder  (Areae  ambulacrorttm) ,  und  5  breitere  Felder 
als  Zwischenfühlerfelder.  Erstere  sind  an  ihren  beiden  Seitenwänden  mit  einer  doppelten  oder  einfachen 
Reihe  kleiner  Löcher  durchbohrt,  welche  paarweise  einander  gegenüber  stehen  und  nicht  selten  durch  eine 
eingedrückte  Querlinie  verbunden  werden.  Die  Reihen  dieser  Löcher  heissen  Fühlergänge  (Ambulacra).  Sie 
verlaufen  vom  Scheitel  bis  zu  dem  Munde  und  sind  entweder  in  ihrem  ganzen  Verlaufe  sichtbar,  oder  an  den 
Rändern  der  Rückenseite  so  klein  und  undeutlich,  dass  sie  dem  blossen  Auge  verschwinden.  Immer  sind 
also  10  Fühlergänge  vorhanden,  welche  paarig  zusammenstehen  und  bei  mehreren  Gattungen  sich  blumen- 
blattartig um  den  Scheitel  gruppiren.  (Nach  Goldfuss). 

A.  Regelmässige  Echinideen.  Mund  und  After,  oder  Peristom  und  Pefiprokt  liegen  einander 
gegenüber. 

1.  Farn.:  Cidaridea.     Cotteau,  Desor  z.  Th. 

Ilire  Schale  ist  niedergedrückt  —  kugelig  bis  halbkugelförmig  und  besitzt  einen  kreisrunden,  seltener 
elliptischen  Umfaug.  Die  Fühlergänge  laufen  ohne  Unterbrechung  vom  Scheitel  bis  an  das  Peristom,  von 
Goldfuss  Mund  genannt,  das  in  der  Mitte  der  unteren  Fläche  liegt  und  mit  einem  Kauapparate  versehen 
ist,  einem  aus  35  Kalkstücken  bestehenden  Knochengerüste  oder  der  sogenannten  Laterne  des  Aristoteles. 
Man  findet  diesen  Kauapparat  einer  lebenden  Art  unter  anderen  in  Leunis,  Synopsis  der  Naturgeschichte 
des  Thierreiches,  1860,  S.  909  abgebildet.  Theile  einer  ganz  ähnlichen  fossilen  laterna  Aristotelis  sind  bei 
Cidaris  vesiculosa  aus  dem  unteren  Planer  von  Plauen  beschrieben  worden. 

Das  Periprokt,  von  Goldfuss  und  Anderen  After  genannt ,  liegt  dem  Munde  gegenüber  auf  der 
Mitte  des  Scheitels  und  wird  von  einer  Anzahl  Plättchen,  dem  Scheitelapparate,  umgeben,  die  man  als 
Genital-  oder  Eierleitertäfelchen  und  Ocellar-  oder  Augentäfelchen  unterscheidet,  wozu  mitunter  noch  1  bis 
mehrere  Analtäfelchen  treten.     Die  beiden  ersteren  sind  meistens  durchbohrt. 

Die  Fühlerfelder  der  Cidariden  sind  schmal  und  nur  mit  Körnerreihen,  nicht  mit  grösseren  stachel- 
tragenden Warzen  besetzt. 

Jede  grössere  Tafel  oder  Assel  auf  den  breiten  Zwischenfühlerfeldern  schwillt  in  seiner  Mitte  zu  einer 
kreisrunden,  meist  glatten  Warze  an,  die   mit   einem   halbkugeligen  Gelenkfortsatze   endet,    worauf   ein 


—     65      — 

walzen-,  keulen-  oder  eiförmiger  Stachel  articulirt.  Ein  diesen  Fortsatz  umgebender  wulstiger  Rand,  der 
Gelenkring,  ist  entweder  glatt  oder  gekerbt.  Der  an  die  Warze  grenzende  Rand  der  Tafel  ist  meist  mit 
ringförmig  angeordneten  Körnern  besetzt,  die  oft  sehr  zahlreich  beisammen  stehen  und  kleinen  Stacheln  zur 
Unterlage  dienen. 

Cidaris  Klein,  1734. 

Die  Schale  ist  von  oben  und  unten  niedergedrückt;  die  Fühlergänge  sind  etwas  wellenförmig  gebogen, 
die  schmalen  sie  tragenden  Felder  sind  nur  mit  Körnerreihen  besetzt.  Auf  den  breiten  Zwischenfühlerfeldern 
finden  sich  grosse  Tafeln,  deren  Warzen  meist  einen  durchbohrten  Gelenkfortsatz  und  einen  glatten  oder  ge- 
kerbten Gelenkriug  besitzen. 

1.  C.  vesiculosa  Goldfuss.  —  Taf.  14. 

1826.  Cidarites  vesiculosus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  p.  120.     Taf.  40.  fig.  2.  a-g,  i. 

1838.  Cidaris  vesiculosa  Bronn,  Lethaea  geogn.  II.  p.  607  z.  Th.     Taf.  29.     fig.  16. 

1841.  Desgl.  *A.  Roemer,  Verst.  d.  norddeutsch.  Kreideg.  p.  28.  —   C.  perforata  A.  Römer  eb.  p.  28. 

1846.  Cid.  vesiculosus  Geinitz,  Grundriss  d.  Verst.  p.  525  z.  Th.     Taf.  22.  fig.  16. 

1846.  Desgl.  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  II.  p.  57  z.  Th.     Taf.  20.  fig.  14.  16. 

1849.  Desgl.  Geinitz,  Quad.  Deutschi.  p.  218  z.  Th.*) 

1850.  Cid.  vesiculosa  d'Orbigny,  Prodrome  ü.  p.  180. 

1851.  Desgl.  Bronn,  Leth.  geogn.  V.  p.  181  z.  Th.     Taf.  29.  fig.  16. 
1856.  Desgl.  Desor,  Synopsis  des  Echinides  fossiles,  p.  11. 

1855—1869.    Desgl.  Cotteau  et  Triger,  Echinides  du  departement  de  la  Sarthe,  p.  133.    PI.  25.    fig.  1—5. 
1862—1867.    Desgl.  Cotteau  in  Paleontologie  francaise,  terr.  cret.  VII.  p.  222.    PI.  1050  et  1051.    fig.  1—6. 

Mit  der  1850  erfolgten  Uebersiedelung  der  an  Versteinerungen  von  Essen  an  der  Ruhr  sehr  reichen 
Sack'schen  Sammlung  in  das  Dresdener  Museum  wurde  namentlich  auch  Gelegenheit  geboten,  fast  sämmtliche 
durch  Goldfuss  von  diesem  wichtigen  Fundorte  beschriebenen  Seeigel  genauer  zu  studiren  und  mit  den  Vor- 
kommnissen des  Elbthales  von  neuem  zu  vergleichen. 

Es  sind  jene  Darstellungen  von  C.  Hohe  in  Petrefacta  Germaniae  so  genau,  dass  sie  kaum  treuer 
wiedergegeben  werden  können;  dennoch  aber  haben  einige  Arten,  von  welchen  nur  Bruchstücke  bekannt 
waren,  zu  Verwechselungen  mit  anderen  Arten  Veranlassung  gegeben.  Diess  ist  insbesondere  mit  Cidaris 
vesiculosa  der  Fall,  zu  welcher  cenomanen  Art  von  den  meisten  Autoren,  ausgenommen  Cotteau,  Arten  aus 
jüngeren  Schichten  der  Kreideformation  gezogen  worden  sind,  die  ihr  zwar  sehr  ähnlich,  doch  aber  durch  con- 
stante  Merkmale  von  ihr  geschieden  werden. 

Vollständige  Exemplare  hat  wohl  nur  Cotteau  davon  abgebildet,  die  uns  von  Essen  vorliegenden 
Exemplare  sind  nicht  viel  vollkommener,  als  die  hier  abgebildeten  von  Plauen. 

Cidaris  vesiculosa  ist  ein  Seeigel  von  mittler  Grösse,  mit  kreisrundem  Umfange,  mehr  oder  weniger 
niedergedrückt  —  kugelig,  oben  und  unten  ziemlich  gleich  abgeplattet.  Cotteau  giebt  bei  30  mm.  Durch- 
messer der  Schale  19  mm.  Höhe  an.  Das  Taf.  14  Fig.  2  abgebildete  Exemplar  scheint  eins  der  grössten  zu 
sein,  da  es  fast  33  mm.  Höhe  erreicht. 


*)  Das  in  Geinitz,  Charakteristik  III.  1842.  p.  89.  Taf.  22.  Fig.  1  abgebildete  Exemplar,  welches  sich  zuletzt  in  der 
Sammlung  des  jüngst  verstorbenen  Generalstabsarztes  Dr.  Günther  in  Dresden  befand,  gehört  nicht  zu  Cid.  vesiculosa,  sondern 
stimmt  vielmehr  mit  Cid.  coronata  Goldf.  aus  dem  oberen  Jura  überein.  Es  erscheint  uns  unzweifelhaft,  dass  es  sein  erster 
Besitzer  aus  der  fräukischen  Schweiz,  und  nicht  von  Strebten  erhalten  hat. 


—     66     — 

Seine  schwach  wellenförmig  gebogenen  Fühlergänge  bestehen  aus  einfachen ,  paarig  zusammen 
stehenden  Poren,  welche  durch  eine  seichte  Querfurche  mit  einander  verbunden  sind  und  sehr  gedrängt  hinter 
einander  liegen.  Auf  den  schmalen  Fühlerfeldern  zählt  man  meist  6,  bei  grösseren  Exemplaren  mehr,  nahe 
ihrem  oberen  und  unteren  Ende  oft  nur  4  Längsreihen  gleichgrosser,  rundlicher  Körner,  die  sich  hier  gleich- 
zeitig zu  deutlichen  Querreihen  in  der  Verlängerung  der  Porenpaare  anordnen. 

Die  grossen  Zwischenfühlerfelder  werden  von  2  Reihen  fünfseitiger  Tafeln  gebildet,  von  welchen  meist 
5  eine  Längsreihe  bilden.  Dieselben  sind  nach  Cotteau  an  der  oberen  Seite  des  Seeigels  grösser  als  an  der 
unteren  Seite,  was  einer  umgekehrten  Stellung  unserer  Fig.  1,  2,  3  auf  Taf.  14  entsprechen  würde. 

In  der  Mitte  des  grossen,  glatten,  kreisrunden  Warzenfeldes  erhebt  sich,  von  einem  glatten  Gelenk- 
ringe umgeben,  der  an  seiner  Basis  eingeschnürte,  fast  halbkugelige,  oben  durchbohrte  Gelenkfortsatz,  dessen 
Durchmesser  etwa  ein  Drittheil  der  Gesammtbreite  der  Warze  beträgt. 

Der  übrige  Theil  einer  Tafel  ist  mit  ziemlich  gleich  grossen  flachen  Körnern  dicht  besetzt,  von 
welchen  die  das  glatte  Warzenfeld  zunächst  ringförmig  umstehenden  von  einem  wulstförmigen  Rande  ein- 
geschlossen werden  und  daher  von  einander  entfernter  liegen,  aber  um  so  deutlicher  hervortreten. 

Nach  Essener  Exemplaren  sind  sämmtliche  Körner,  welche  diesen  Seeigel  bedecken,  hohl  oder 
bläschenartig. 

Auf  der  obersten  Tafel  der  rechten  Reihe  ist  das  Warzenfeld  oft  nur  zu  einem  einfachen  Gelenk- 
fortsatze reducirt,  welcher  zuweilen  selbst  nicht  mehr  durchbohrt  ist.  Wie  an  dem  von  Cotteau  abgebildeten 
Exemplare  zeigt  sich  diese  Verkümmerung  auch  an  einem  Exemplare  von  Essen.  Auffallender  Weise  hat  sie 
an  unseren  beiden  Exemplaren  von  Plauen,  Fig.  1  und  2  a,  gerade  die  oberste  Tafel  der  linken  Reihe  betroffen 
(siehe  rechts  unten). 

Nach  den  Abbildungen  in  der  Paleontologie  francaise  kommen  ähnliche  Beschränkungen,  oder  ein 
gänzliches  Fehlen  des  Warzenfeldes  und  ihres  Gelenkfortsatzes,  zuweilen  auch  an  anderen  nach  der  Seite  hin 
liegenden  Tafeln  vor,  deren  ganze  Oberfläche  dann  nur  noch  körnig  erscheint.  Unsere  Fig.  7  zeigt  eine 
Tafel  mit  einem  sehr  schwach   entwickelten,   niedergedrückten  Gelenkfortsatze   und  undeutlicher  Granulirung. 

Die  glatte  Beschaffenheit  der  Gelenkringe  ist  Regel,  doch  lässt  sich  an  einzelnen  Exemplaren  von 
Essen  hier  und  da  eine  Spur  von  Granulirung  daran  nachweisen,  und  zwar  unmittelbar  neben  Warzen  mit 
vollkommen  glattem  Gelenkringe. 

Neben  den  zahllosen  Tafeln,  welche  von  Cidaris  vesiculosa  im  unteren  Pläner  von  Plauen  gefunden 
werden,  kommen  auch  länglich-sechsseitige  Plättchen  vor,  Taf.  14,  Fig.  4 — 6,  deren  Mitte  mit  einer  runden 
Oeffhung  durchbohrt  ist  und  die  man  als  Genital-  oder  Eierleitertafeln  des  Cidaris  vesiculosa  ansprechen 
kann.  Mit  Ausnahme  eines  glatten  Randes  ist  ihre  Aussenfläche  fein  granulirt ,  ihre  Innenfläche  glatt ,  ent- 
weder eben  oder  diagonal  gekielt. 

Von  besonderem  Interesse  erscheinen  ferner  die  Taf.  14,  Fig.  28—33  abgebildeten  Theile  des  Kau- 
apparates oder  der  laterna  Aristotelis,  welche  mit  Tafeln  und  Stacheln  der  Cidaris  vesiculosa  zusammen  gefunden 
worden  sind  und  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  gerade  dieser  Art  angehören.  Im  Allgemeinen  ist  zwischen 
diesen  Theilen  und  dem  von  Leunis  a.  a.  0.  abgebildeten  Kauapparate  einer  lebenden  Art  sehr  grosse  Aehn- 
lichkeit  vorhanden,  wie  auch  Exemplare  in  den  Dresdener  Sammlungen  beweisen.  Die  5  Knochenplatten 
oder  Balken,  welche  die  Basis  dieses  kegelförmigen  Gerüstes  bilden  (Fig.  28.  29),  sind  oblong,  10 — 12  mm. 
lang,  4 — 5  mm.  breit,  an  ihrem  äusseren  Ende   gerade  abgeschnitten,   an   ihrem  inneren,  etwas  schmäleren, 


—     67     — 

tief  eingebuchtet,  und  in  der  Mitte  der  Länge  etwas  erweitert.  Die  untere  oder  äussere  Fläche  ist  flach  ge- 
wölbt und  fällt  nach  den  scharfen  Seitenkanten  flach  ab,  die  obere  oder  innere  Fläche  ist  mit  einem  Längs- 
kiele versehen,  welcher  gabelig  in  die  vorspringenden  Ecken  verläuft  und  in  Verbindung  mit  seinen  mittleren 
Seitenästen  dieser  Fläche  das  Ansehen  eines  Malteserkreuzes  ertheilt.  Die  ganze  innere  Fläche  lässt  deutliche 
concentrische  Anwachsschichten  erkennen.  — 

Ich  verdanke  Herrn  Stud.  Alfred  Jentzsch  in  Leipzig  die  Ansicht  des  Balkens  aus  dem  Kauapparate 
der  jurassischen  Cidaris  coronata,  welcher  unseren  Exemplaren  von  Plauen  ziemlich  ähnlich,  doch  relativ 
länger  ist.  — 

Die  Abbildungen  Fig.  30,  31,  32  von  Plauenschen  Exemplaren  entsprechen  einer  Hälfte  der  pyrami- 
dalen Kalkstücke  einer  solchen  Laterne,  während  Fig.  33  die  gebogene  symmetrische  Leiste  darstellt,  die 
von  zwei  Hälften  dieser  Pyramiden  eingeschlossen  wird  und  an  ihrem  oberen  Ende  in  einen  kleinen  emailirten 
Zahn  ausläuft.  Dasselbe  weicht  von  dem  entsprechenden  Theile  der  uns  vorliegenden  lebenden  Art  mehr  ab, 
als  die  vorher  bezeichneten  Theile.  Seine  äussere,  convexe  Seite  bildet  einen  fast  ebenen  Rücken,  welcher 
mit  einer  Kante  an  die  convergirende  Seite  angrenzt ;  die  innere ,  concave  Seite ,  welche  bei  der  lebenden 
Art  gekielt  erscheint,  ist  hier  mit  einer  tiefen  Rinne  versehen. 

Die  Stacheln  der  Cidaris  vesiculosa  (Taf.  14,  Fig.  8 — 27),  welche  an  den  verschiedenen  Lokalitäten 
bei  Plauen  äusserst  häufig  sind,  kommen  in  allen,  besonders  gut  von  Goldfuss  und  Cotteau  abgebildeten 
Varietäten  vor.  Im  Allgemeinen  sind  sie  walzig-spindelförmig  und  nach  oben  entweder  allmählich  verengt, 
doch  nie  in  eine  pfriemenförmige  Spitze  auslaufend,  oder  auch  kronenartig  erweitert,  abgestutzt,  und  oft  in 
einen  mittleren  Vorsprung  auslaufend.  Ihre  Oberfläche  ist  mit  schmalen,  meist  höckerigen  Längsrippen  be- 
setzt, deren  Zahl  (circa  12)  sich  zuweilen  an  den  dickeren  Stellen  durch  Einsetzung  vermehrt,  nur  der  untere 
Theil  des  Stachels,  als  Gelenkfläche,  der  wenig  hervortretende  knopfartige  Theil  und  der  kurze  sogenannte 
Hals  des  Stachels  sind  glatt.  Die  höckerige  Beschaffenheit  der  Rippen  verschwindet  mitunter  ganz,  während 
sie  an  anderen  Exemplaren  um  so  stärker  hervortritt.  Diese  Höcker  sind  hohl  und  pusteiförmig,  wie  an 
manchen  Exemplaren  hervortritt  (Fig.  24,  25),  ihre  gewöhnliche  Beschaffenheit  ist  aus  den  anderen  Abbil- 
dungen genügend  zu  ersehen.  Das  kronenförmige  Ende  der  Stacheln  ist  bald  mit  kurzen  Rippen  (Fig.  18, 
19,  20),  bald  mit  zusammen  gedrängten  Höckern  (Fig.  22,  23)  versehen,  wobei  die  Mitte  des  Vorsprunges 
zuweilen  vertieft  ist  (Fig.  18). 

Unter  den  Taf.  14  gegebenen  Abbildungen  von  diesen  Stacheln  weicht  jener  in  Fig.  27  durch  sehr 
feine  Linien  zwischen  den  Rippen  von  allen  übrigen  ab  und  kann  einer  anderen  Art  angehören. 

Die  längsten  Stacheln  von  Cidaris  vesiculosa  überschreiten  nur  selten  die  Grösse  von  30  mm. 

Vorkommen.  Dieses  Leitfossil  für  cenomane  Schichten  kommt  im  unteren  Quadersandstein  von 
Weissig  am  rechten  Eibufer,  sowie  von  Tyssa  in  Böhmen,  in  dem  Grünsande  und  Conglomerate  des  Tunnels 
bei  Oberau  unweit  Meissen,  und  des  Eibstollens  bei  Dresden  vor,  welche  dem  unteren  Quader  angehören,  am 
häufigsten  aber  in  dem  unteren  Pläner  des  Elbthales,  bei  Plauen,  Koschütz,  Teltschen,  Gamighügel  bei 
Leubnitz  und  Gross-Sedlitz  bei  Pirna.  —  Fundorte  ausser  Sachsen  sind  der  untere  Pläner  von  Bilin,  Weiss- 
kirchlitz  bei  Teplitz,  der  Grünsand  von  Frohnhausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  und  viele  Orte  in  Frankreich, 
nach  Cotteau  bei  Anzin  (Pas-de-Calais),  le  Havre,  Rouen  (Seine-Inf.) ,  Villers-sur-mer  (Calvados),  Fourneaux, 
la  Madeleine  bei  Vernonnet  (Eure),  Theligny,  la  Trugale  (Sarthe)  etc.  —  Cotteau  bemerkt,  dass  diese  Art  bis 
jetzt  noch  nicht  in  England  nachgewiesen  sei,  trotzdem  sie  von  Englischen  Autoren  citirt  wird. 


2.  C.  cenomanensis  Cotteau.  —  Tai.   15.     Fig.  27. 

1855—1869.    Cotteau,  Echinides  du  depart.  de  la  Sarthe,  p.  1S6.    PI.  25.  fig.  6—9. 
1862—1867.     Cotteau,  Paleont.  franc.  terr.  cret.  VII.  p.  229.    PI.  1052. 

Wir  kennen  von  Plauen  nur  das  abgebildete  Fragment  und  von  Essen  nur  wenige  Exemplare  dieser 
Art,  welche  mit  C.  vesiculosa  nahe  verwandt  ist.  Wesentliche  Unterschiede  von  dieser  liegen  darin,  dass 
die  Fühlergänge  nur  4,  unten  und  oben  selbst  nur  2  Körnerreihen  einschliessen,  dass  ierner  die  kreisrunden 
Warzenfelder  mit  einem  Kranze  von  etwas  grösseren  und  regelmässigen  Höckern  umstellt  sind  und  dass 
endlich  der  Gelenkfortsatz  der  Warze  im  Verhältniss  grösser  wird  und  mitunter  sogar  den  Gelenkring  noch 
überragt.     Der  letztere  ist  entweder  glatt  oder  gekerbt. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  in  dem  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr.  — 
Nach  Cotteau  in  cenomanen  Schichten  von  Ronen  (Seine-Inf.) ,  Change,  les  Caves,  Yvr6-PEveque  (Sarthe) 
in  Frankreich. 

3.  C.  Sorigneti  Desor.  —   Taf.  15.     Fig.  1—19. 

1842.  Cidaris  clavigera  Gein.  Char.  p.  90.  —  (nicht  König.) 

1846.  Desgl.  Eeuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidet.  IL  p.  57.     Taf.  20.     flg.  17—19.  21. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  218  z.  Th. 

1858.  Cidaris  Sorigneti  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  446.    PI.  6.    flg.  16. 

1862—1867.  Desgl.  Cotteau,  Paleont.  franc.  terr.  cret.  VII.  p.  237.     PI.  1051.     fig.  9—14. 

Die  im  unteren  Pläner  des  sächsischen  Elbthales  häufig  vorkommenden  Stacheln  sind  eiförmig  oder 
keulenförmig,  kurzgestielt  und  mit  zahlreichen  höckerigen  oder  stacheligen  Längsrippen  besetzt,  welche  am 
oberen  Theile  des  Stieles  ihren  Anfang  nehmen.  Der  untere  Theil  desselben  und  der  nur  schwach  hervor- 
tretende Gelenkring  sind  glatt.  Der  Stachel  erweitert  sich  unmittelbar  über  dem  Stiele  sehr  schnell,  wird 
eiförmig  und  ist  an  seinem  oberen  Ende  entweder  stumpf  gerundet  oder  verläuft  in  eine  wenig  vorragende 
Spitze,  welche  von  zahlreichen  Stachelhöckern  umgeben  ist.  Die  grössten  uns  bekannten  Stacheln  dieser  Art 
sind  18  mm.  lang. 

Als  Varietät  darf  man  einige  schwach  comprimirte  Stacheln  betrachten  (Fig.  17 — 19),  die  mit  nor- 
malen Exemplaren  zusammen  gefunden  werden. 

Die  Stacheln  der  Cidaris  Sorigneti  sind  früher  mit  jenen  der  Cidaris  clavigera  Mant  aus  der  oberen 
Kreide  verwechselt  worden,  welche  im  Allgemeinen  länger  gestielt  sind,  sich  weniger  schnell  erweitern  und 
an  ihrem  oberen  Ende  allermeist  stumpf  sind.  Ihre  Gestalt  ist  daher  mehr  keulenförmig  als  bei  C.  Sorigneti. 
Indess  sind  beide  Arten  durch  mannichfache  Uebergänge  mit  einander  sehr  eng  verbunden ,  wie  nament- 
lich Exemplare  der  Cidaris  clavigera  aus  dem  oberen  Quadermergel  des  Sudnierberges  bei  Goslar  »er- 
kennen lassen. 

Es  ist  noch  nicht  gelungen,  die  Stacheln  der  Cidaris  Sorigneti  an  den  Warzen  ansitzend  zu  finden. 
Reuss  vermuthet,  dass  die  von  ihm  a.  a.  0.  Taf.  20,  fig.  21  abgebildete  Tafel  aus  dem  unteren  Pläner  der 
Schillinge  bei  Bilia  dazu  gehöre,  zumal  sie  noch  grösser  ist,  als  eine  Tafel  der  Cidaris  vesiculosa.  Von  den 
letzteren  unterscheidet  sie  sich  durch  den  Mangel  einer  wulstförmigen  Umgebung  der  an  das  kreisrunde 
Warzenfeld  unmittelbar  angrenzenden  Höcker.  Ferner  tritt  in  der  ganzen  Anordnung  der  zahlreichen,  gleich- 
grossen  Höcker,  welche  die  Seiten  der  warzentragenden  Tafeln  bedecken,  eine  entschiedene  Neigung  zu  einer 
strahlenförmigen  Anordnung  hervor.  Eine  sehr  ähnliche,  nur  etwas  kleinere  Tafel  von  Plauen  ist  Taf.  15, 
Fig.  16  abgebildet  worden. 


—     69     - 

Vorkommen.  Häufig  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz,  Gamighügel,  Kauscha,  Gross-Sedlitz 
im  Elbthale,  in  der  eigenthümlichen  Breccie  von  Zeschnig  bei  Hohenstein  in  der  sächsischen  Schweiz,  im 
unteren  Pläner  von  Bilin  in  Böhmen,  im  Galeritenpläner  von  Fleischercamp  bei  Salzgitter  (v.  Unger),  im 
unteren  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr;  nach  Cotteau  in  der  Tourtia  von  Bruyelles  bei  Tournay  in 
Belgien,  Antibes  (Var)  in  Frankreich  und  in  Catalonien  in  Spanien. 

4.  C.  Dixoni  Cotteau.  -  Taf.  15.     Fig.  20,  21. 

1850.     Cidaris  sp.  Dixon,  Geol.  and  Foss.  of  the  Tertiary  and  Cret.  Form,  of  Sussex,  p.  339.     PI.  24.     flg.  25. 
1862—67.     Cid.  Dixoni  Cotteau,  Pal.  frang.  terr.  cret.  VII.  p.  238.     PI.  1051.     fig.  7.  8. 

Man  kennt  von  dieser  seltenen  Art  nur  die  Stacheln,  welche  gross  und  stark  sind,  birn-  oder  spindel- 
förmig, etwas  länger  gestielt  als  die  Stacheln  von  C.  Sorigneti,  auch  tritt  ihr  Gelenkring  deutlicher  hervor. 
Mit  der  eiförmigen  Erweiterung  des  Stachels  über  dem  glatten  Stiele  beginnt  eine  dachziegelförmige  Be- 
schuppung der  Oberfläche,  die  nach  dem  oberen  Ende  hin  oft  in  beschuppte  Längsrippen  übergeht,  zwischen 
denen  man  hier  und  da  auch  feine  Streifen  bemerkt.  Anderseits  erscheinen  selbst  grössere  Flächen  der 
Stacheln  fast  glatt,  während  der  grösste  Theil  derselben  mit  flacli^ewölbten  Schuppen  bedeckt  ist. 

Vorkommen.  Sie  kommen  vereinzelt  im  unteren  Pläner  über  dem  Quadersandsteine  von  Koschütz 
bei  Plauen  vor,  Dixon  hat  sie  aus  der  Kreide  von  Sussex  abgebildet,  Cotteau  in  cenonianen  Schichten  bei 
le  Havre  erkannt. 

5.  Cidaris  sp.   -   Taf.  15.     Fig.  22,  23,  24. 

Die  mit  Cidaris  Sorigneti  nahe  verwandten  Stacheln  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  bieten  doch 
Eigenthümlichkeiten  dar,  welche  kaum  erlauben,  sie  damit  zu  vereinen. 

Fig.  22  bildet  durch  langen  Stiel  und  keulenförmige  Gestalt  einen  förmlichen  Uebergang  zu  den 
Stacheln  der  Cidaris  clavigera  König,  und  es  sind  mir  auch  ganz  ähnliche  Stacheln  aus  dem  unteren  Pläner 
von  Gross-Sedlitz  bekannt. 

Fig.  23  und  24  sind  bei  einer  ähnlichen  Form,  wie  Cid.  Sorigneti  und  Cid.  clavigera  voll- 
kommen glatt. 

Cotteau  hat  ähnliche  Stacheln  als  Cid.  pleracantha  Ag.  beschrieben. 

6.  Cidaris  sp.  —  Taf.  15.     Fig.  25,  26. 

Im  unteren  Pläner  von  Plauen  werden  zuweilen  kleine  Stacheln  gefunden  mit  einer  knopfartig  ver- 
dickten Basis,  übrigens  von  spindelförmiger  oder  pfriemenförmiger  Gestalt,  mit  einer  fast  glatten  Oberfläche, 
die  jedoch  unter  der  Loupe  sehr  fein  und  dicht  linirt  und  etwas  rauh  erscheinen.  Ihr  Gelenkring  ist  un- 
deutlich gekerbt,  die  dem  Gelenkfortsatze  entsprechende  Höhlung  sehr  gross. 

Die  Stellung  dieser  Stacheln  ist  zweifelhaft. 

7.  Cidaris  sp.   -  Taf.  15.     Fig.  28. 

Auch  die  hier  abgebildete  Tafel  von  Plauen  hat  sich  noch  nicht  auf  eine  der  bekannten  Arten  sicher 
zurückführen  lassen,  wiewohl  es  nicht  unmöglich  ist,  dass  sie  zu  C.  Sorigneti  gehöre.  Sie  unterscheidet  sich 
von  anderen  im  untern  Pläner  von  Plauen  häufig  vorkommenden  Tafeln  durch  die  grosse  Breite  des  kreis- 
runden Warzenfeldes ,  von  welchem  der  durchbohrte  Gelenkfortsatz  etwa  den  vierten  Theil  der  Breite 
einnimmt. 

Palaeontographica  XX.  3.  11 


—     70     — 

2.  Farn.:  Diadematidea  Cotteau,  Cidaridea  Desor  z.  Th. 

Die  aus  einfachen  Porenpaaren  bestehenden  Fühlergänge  vermehren  sich  öfters  in  der  Nähe  des 
Scheitels  und  des  Peristoms.  Die  Fühlerfelder  sind  mit  ähnlichen  Warzen  und  stacheltragenden  Tafeln  besetzt, 
wie  die  Zwischenfühlerfelder.     Peristom  mit  10  Einschnitten  versehen  und  dadurch  fast  lOeckig. 

Pseudodiadema  Desor.  1855. 

Schale  etwas  fünfseitig  und  mehr  oder  weniger  niedergedrückt.  Poren  in  einfachen  Paaren,  nur  in 
der  Nähe  des  Scheitels  oft  doppelt.  Gelenkringe  gekerbt  und  Gelenkfortsätze  durchbohrt.*  Beide  Hauptfelder 
tragen  fast  gleich  grosse  Warzen,  die  auf  den  Zwischenfühlerfeldern  bald  in  2  oder  4  und  selbst  6  Längs- 
reihen stehen  und  von  kleinen  Höckern  oder  Tuberkeln  begleitet  werden.  Das  Peristom  ist  ziemlich  gross, 
lOkantig  und  mit  tiefen  Einschnitten  versehen.  Der  Scheitelapparat  ist  zart,  jedoch  stark  ausgebreitet. 
(Nach  Cotteau.) 

1.  Ps.  variolare  Bgt,  sp.  —  Taf.  15.     Fig.  30,  31,  33,  34. 

1835.    Cidarites   varielaris   AI.   Bronguiart,    description   geol.   des   environs   de   Paris ,    3.    ed.    p.    152.  635.    PI.   M. 
fig.  9  A.  B.  C. 

1858.    Diplopodia  variolaris  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  78. 
1855  —  1859.     Pseudodiadema  Roissyi  Cotteau  &  Triger,  Echin.  du  dep.  de  le  Sarthe,  p.  144.  363.     PL  34.     fig.  1 — 5. 
1862—1867.     Ps.  variolare  Cotteau,  Pal.  franc.  terr.  cret.  VII.  p.  488.     PI.  1117,  1118,  1119,  1120.     fig.  1—3. 

Die  deprimirte  Form  und  übrige  Beschaffenheit  des  Fig.  31  abgebildeten  Steinkernes  aus  dem  unteren 
Pläner  (Pläuer-Sandstein)  von  Nöthnitz  bei  Dresden  entspricht  am  meisten  dieser  in  cenomanen  Bildungen 
Frankreichs  häufigen  und  weit  verbreiteten  Art.  Nur  ist  der  Umfang  mehr  elliptisch  —  als  kreis- 
rund —  fünfseitig. 

Derselben  Art  gehören  wahrscheinlich  einige  Zwischenfühlertafeln  von  Plauen  an  (Fig.  30),  welche 
niedrig  uud  breit  sind  und  neben  einer  mittleren  grösseren  Warze  wenigstens  noch  eine  nur  wenig  kleinere 
Warze  an  der  Seite  der  ersteren,  ausserdem  aber  noch  kleinere  Warzen  und  Körner  tragen.  Die  Gelenk- 
fortsätze sämmtlicher  Warzen  sind  durchbohrt,  ihr  Gelenkring  ist  deutlich  gekerbt. 

Ob  auch  die  Fig.  29  abgebildete  Tafel  zu  dieser  Art,  oder  überhaupt  zu  Pseudodiadema  gehört,  ist 
sehr  zweifelhaft. 

Unter  den  uns  von  Plauen  bekannten  Stacheln  entsprechen  die  Fig.  33  und  34  abgebildeten  am 
nächsten  den  von  Cotteau  gegebenen  Abbildungen.  Sie  sind  lang,  dünn  und  pfriemenförmig ,  ihrer  ganzen 
Länge  nach  fein  und  regelmässig  gestreift  und  es  laufen  diese  Streifen  noch  unter  den  vorstehenden  Ring 
bis  in  die  Mitte  des  kegelförmigen  Gelenkkopfes  herab. 

Torkommeii.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen;  nach  Cotteau  sehr  verbreitet  in  cenomanen 
Schichten  Frankreichs,  so  wie  bei  Folkstone  und  Warminster  in  England. 

2.  Pseudodiadema  sp.  —  Taf.  15.     Fig.  32,  35,  36. 

Von  allen  anderen  sehr  abweichend  sind  lange  walzenförmige  Stacheln,  welche  dicht  besetzt  sind  mit 
feinen  Längsrippen,  die  durch  gedrängt  liegende  unregelmässige,  und  meist  schiefe  Querringe  ein  schuppiges 
Ansehen  erhalten.  Der  hohe  kugelförmige  Gelenkfortsatz  ist  treppenförmig  abgesetzt  und  oben  mit  einem 
gerippten  vorstehenden  Rande  versehen. 

Diese  Stacheln  zeigen  mit   den   zu  Pseudodiadema  variolare   gestellten   nahe  Verwandtschaft,   unter- 


—     7.1      — 

scheiden  sich  aber  durch  ihre  fast  ziegelschuppige  Oberfläche,  wodurch  sie  sich  am  meisten  jenen  des  lebenden 
Biadema  Savignii  Michelin  (Desor,  Syn.  PL  13.  fig.  3)  nähern. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen.  Es  ist  der  Fig.  32  abgebildete  Stachel  gewiss 
nur  zufällig  auf  die  Warze  einer  Gidaris  vesieulosa  gelangt. 

Orthopsis  Cotteau  1863. 

Schale  ziemlich  klein  und  leicht  bauchig.  Die  geraden  Fühlergänge  bestehen  aus  einfachen  Poren- 
paaren, die  sich  in  der  Nähe  des  Peristoms  zuweilen  vermehren.  Die  Tafeln  der  Fühlerfelder  sind  schmal, 
die  der  Zwischenfühlerfelder  etwas  breiter.  Die  zahlreichen  auf  beiden  Feldern  stehenden  Warzen  sind  durch- 
bohrt und  nicht  gekerbt.  Peristom  fast  kreisrund  und  mit  kleinen  Einschnitten  versehen,  Scheitelapparat 
solid,  ziemlich  gross,  fünfseitig  und  granulirt.     (Nach  Cotteau.) 

0.  gr anularis  Agassiz  sp.  1846.   --  Taf.  16.     Fig.  1,  2. 

1846.  Diadema  granuläre  Agassiz  u.  Desor. 

1850.  Desgl.  d'Orbigny,  Prodr.  H.  p.  179. 

1858.  Pseudodiadema  granuläre  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  73. 

1855—1859.  Hemipedina  granularis  Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  149.    PL  27.    fig.  1—6. 

1862—1867.  Orthopsis  granularis  Cotteau,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VII.  p.  554.     PL  1130. 

Es  liegen  von  Plauen  mehrere  kleine  Exemplare  von  10  und  13  mm.  Durchmesser  vor,  von  welchen 
das  erstere  (Fig.  2)  wahrscheinlich  durch  Druck  seine  normale  Beschaffenheit  verloren  hat.  Das  grössere 
gegen  6  mm.  hohe  Exemplar  (Fig.  1)  entspricht  genau  den  Abbildungen  von  Cotteau. 

Bei  einer  fast  halbkugeligen  Form  ist  die  obere  Seite  gewölbt,  die  untere  fast  flach.  Die  kleine 
Scheitelmündung  (After,  Periprokt)  ist  ringförmig  von  5  breiten  in  der  Mitte  durchbohrten  Plättchen  umgeben, 
deren  vorspringende  Ecken  auf  die  Mitte  der  Zwischenfühlerfelder  stossen ;  das  eine  derselben  ist  fein 
granulirt,  die  andern  sind  mit  wenigen,  undeutlichen  grösseren  Körnern  bestreuet.  Die  schmalen  Fühler- 
gänge laufen  gerade  von  oben  nach  unten.  Die  Breite  der  Fühlerfelder  ist  an  dem  Umfange  nahezu  halb  so 
gross,  als  die  der  Zwischenfühlerfelder.  Auf  den  ersteren  stehen  2  entfernte  Reihen  grösserer  durchbohrter 
Warzen,  neben  welchen  beiderseits,  d.  h.  an  der  Grenze  der  Fühlergänge  und  in  dem  mittleren  Raum,  ver- 
einzelte kleinere  Höcker  erscheinen.  Die  Zwischenfühlerfelder  lassen  ausser  ihren  zwei  entfernteren  Haupt- 
reihen von  etwa  12  grösseren,  durchbohrten  Warzen  an  ihrer  äusseren  Seite  noch  eine  kleinere  Höckerreihe, 
zwischen  den  beiden  Hauptreihen  aber  noch  zwei  alternirende  Reihen  von  Warzen  erkennen,  die  jedoch  nur 
von  unten  bis  in  die  Mitte  des  Umfanges  reichen.  Ausserdem  sind  die  Warzen  von  einem  Kranze  entfernt- 
stehender Höcker  umgeben.     Ihre  Gelenkringe  sind  glatt. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen.  Nach  Cotteau  in  cenomanen  Schichten  von 
le  Mans,  Yvre-1'fiveque  (Sarthe),  la  Cadiere  bei  Beausset  (Var),  la  Bedoule  (Bouches-du  Rhone)  und  Portugalette 
in  Spanien,  überall  selten. 

Cyphosoma  Agassiz,   1840. 

Die  meist  kleine  Schale  ist  oft  fünfseitig-rundlich  und  meist  niedergedrückt.  Porenpaare  einfach 
oder  doppelt,  und  in  der  Nähe  des  Peristoms  zuweilen  noch  zahlreicher.  Die  Warzen  der  Fühlerfelder  sind 
fast  von  gleicher  Grösse,  wie  auf  den  Zwischenfühlerfeldern,  ihre  Gelenkringe  sind  gekerbt,  ihre  Gelenkfortsätze 


—     72     — 

nicht  durchbohrt.     Peristom  gross   und    zehnkantig,   meist   mit  deutlichen  Einschnitten  versehen.     Periprokt 
fünfseitig.     Der  Scheitelapparat  ist  wenig   fest   und   meist  zerstört.     (Nach  Cotteau.) 

1.  C.  granulosum  Goldf.  sp. 

1826— 1833.  Cidarites  granulosus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  p.  122.     Taf.  40.     fig.  7. 

1851—1852.  Cyphosoma  Milleri  Bronn,  Leth.  geogn.  V.  p.  186  z.  Th. 

1858.  Physosoma  granulosum  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  87. 

1862 — 1867.  Cyphosoma  granulosum  Cotteau,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VII.  p.  684.     PI.  1169  z.  Th. 

Die  Exemplare  aus  dem  unteren,  cenomanen  Grünsande  von  Essen,  welche  sich  auf  diese  Art  zurück- 
führen lassen,  haben  einen  kreisrunden  Umfang,  sind  stark  niedergedrückt,  oben  und  unten  ziemlich  flach 
und  besitzen  bei  35  mm.  Durchmesser  15  mm.  Höhe.  Ihre  grosse  Scheitelmündung  (After  oder  Periprokt) 
ist  fünfseitig,  das  grosse  fast  kreisrunde  Peristom  (oder  der  Mund)  ist  an  der  Grenze  der  Fühlergänge  und 
Zwischenfühlerfelder  mit  Einschnitten  versehen.  Die  Fühlergänge  sind  deutlich  wellenförmig  und  bestehen 
aus  runden  Poren,  deren  Paare  sich  oft  strahlenförmig  an  die  äussere  Seite  der  Warzentafeln  anschliessen. 
Oben  und  unten  vermehren  sich  die  Porenreihen  in  einer  ähnlichen  Weise,  wie  bei  C.  cenomanense,  indem 
ihre  Paare  in  einander  eingreifen.  An  dem  Umfange  des  Körpers  verhält  sich  die  Breite  der  Fühlerfelder 
zu  jenen  der  Zwischenfühlerfelder  wie  2 :  3,  beide  tragen  zwei  Reihen  grosser  undurchbohrter  Warzen,  deren 
9  —  10  eine  Längsreihe  bilden,  eine  Reihe  von  kleinen  Warzen  liegt  an  der  äusseren  Seite  der  Zwischen- 
fühlerfelder, reicht  jedoch  nur  von  unten  bis  an  den  Umfang  der  Schale.  Die  warzentragenden  Tafeln  sind 
nach  ihrem  Rande  hin  mehr  oder  minder  deutlich  strahlig,  wie  bei  Cyph.  radiatum  des  oberen  Pläners, 
welche  Beschaffenheit  namentlich  in  der  Nähe  der  Fühlergänge  und  zwar  an  den  unteren  Tafeln  eintritt. 
Diese  Strahlen  sind  höckerig  oder  enden  wenigstens  in  einem  rundlichen  Höcker,  wie  überhaupt  der  Rand 
aller  Tafeln  mit  vielen  kleineren  und  grösseren  Höckern  ziemlich  dicht  besetzt  ist;  nur  der  mittlere  Raum 
zwischen  den  oberen  Tafeln  der  Zwischenfühlerfelder  erscheint  nicht  selten  fast  glatt.  Der  Gelenkring  der 
Warzen  ist  gekerbt. 

Yorkommen.  Nach  diesen  Mittheilungen  steht  Cyphosoma  granulosum  Goldf.  sp.  auf  schwachen 
Füssen  und  scheint  mehrere  zu  unterscheidende  Arten  zu  umfassen.  Goldfuss  citirt  ihn  sowohl  aus  dem 
Mergelgrand  von  Essen,  worunter  nur  der  cenomane  Grünsand  von  Essen  gemeint  sein  kann,  aus  welchem 
die  Exemplare  in  dem  Dresdener  Museum  herrühren,  als  auch  aus  der  oberen,  sononen  Kreide  von  Aachen 
und  Maestricht.  Aehnliches  gilt  für  den  ähnlichen  Cid.  variolaris  Goldf.,  Petr.  Germ.  I.  p.  123.  Taf.  40. 
fig.  9,  welcher  im  Jurakalke  von  Streitberg,  Regensburg  und  Heidenheim,  im  Kreidemergel  von  Koesfeld 
und  Essen  an  der  Ruhr  und  in  dem  Plänerkalke  von  Sachsen  vorkommen  soll,  welchen  letzteren  Goldfuss 
der  oberen  Schicht  des  Jurakalkes  bei  Heidenheim  analog  betrachtet. 

Man  wird  wohl  unbedenklich  die  von  Goldfuss  von  Essen  citirten  Exemplare  des  Cidarites  granulosus 
und  des  Cidarites  variolaris  zu  Cyphosoma  cenomanense  Cott.,  die  aus  dem  Plänerkalke  des  Sächsischen  Elb- 
thales  zu  Cyphosoma  radiatum  Sorignet  und  die  aus  der  oberen  Kreide  von  Aachen  und  Maestricht  zu 
Cyphosoma  Königi  Mant.  sp.  (=  C.  Milleri  Desm.  sp.)  aus  den  Senonbildungen  stellen  können. 

Von  Plauen  liegt  nur  ein  Bruchstück  vor,  was  man  auf  C.  granulosum  Goldf.  sp.  zurückführen  kann, 
wenn  man  diese  Art  noch  aufrecht  erhalten  will. 


—     73     — 

2.  C.  cenomanense  Cotteau,  1859.  —  Taf.  16,  Fig.  3—10. 

1855—1859.    Cotteau  &  Triger,  Echin.  du  dep.  de  la  Sartue,  p.  150.    PI.  26.    fig.  13—16. 
1862—1867.     Cotteau,  Pal.  franc.  terr.  cr<5t.  VII.  p.  580.     PI.  1137.     fig.  6—13. 

Diese  kleine  Art,  welche  hei  Plauen  18  mm.  Durchmesser  und  6  mm.  Höhe  erreicht,  ist  hiernach 
niedergedrückt-halbkugelig.  Der  Scheitel  ist  flach  und  mit  einem  grossen,  ziemlich  regelmässig-fünfseitigen 
Periprokt  versehen,  welches  ein  Drittheil  des  Durchmessers  einnimmt,  die  untere  Fläche  ist  in  der  Nähe 
des  grossen  rundlichen  Mundes  (oder  Peristoms)  etwas  eingesenkt.  Man  nimmt  bei  Fig.  3e  zwei  seiner 
ohrförmigen  Einschnitte  wahr. 

Die  Fühlergänge  sind  breit  und  laufen  fast  geradlinig  von  oben  nach  unten,  wo  sie  sich  schliesslich 
so  erweitern,  dass  ihre  beiderseitigen  Reihen  in  einander  vertliessen.  Ihre  porentragenden  Plättchen  alterniren 
und  verschlingen  sich  dort  mit  einander  in  einer  Weise,  dass  man  zuletzt  eine  grössere  Anzahl  von  Poren, 
bis  6  neben  einander  trifft  (Fig.  3e).  Beide  Hauptfelder  tragen  zahlreiche  grössere  Warzen,  deren  meist 
10  in  einer  Längsreihe  stehen,  die  auf  den  Fühlerfeldern  sind  etwas  schmäler.  An  der  äusseren  Grenze  der 
Zwischenfühlerfelder  verfolgt  man  eine  Längsreihe  kleiner  Warzen,  ziemlich  regelmässig  von  unten  bis  oben. 
Das  kreisrunde  Warzenfeld  erscheint  auf  der  den  Fühlergängen  zugewendeten  Seite  nicht  selten  strahlig 
gefurcht  oder  gerippt  (Fig.  4),  der  innere  Tafelrand  ist  meist  nur  mit  Körnern  besetzt,  die  sich  in  der  Mitte 
der  Zwischenfühlerfelder  zu  zwei  wellenförmig  gebogenen  Linien  anordnen. 

Die  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  zu  dieser  Art  gehörenden  Stacheln  (Fig.  5 — 10)  sind  pfriemen- 
förmig,  oft  etwas  spindelförmig,  haben  einen  kurzen  kegelförmigen  Gelenkkopf  mit  einem  feingekerbten  vor- 
stehenden Ringe  und  sind  sehr  fein  und  dicht  gestreift.  Diese  Streifung  ist  an  dem  unteren  Theile  des 
Stachels  am  deutlichsten  und  verschwindet  nach  oben  hin  oft  plötzlich,  wo  ein  Theil  desselben  mit  einer 
förmlichen  Oberhaut  bedeckt  zu  sein  scheint.  Die  meisten  dieser  Stacheln  sind  stielrund,  einige  jedoch  auch 
zusammengedrückt. 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  mit  Stacheln  bis  14  mm.  Länge  zusammen.  Im 
Grünsande  von  Essen  erreichen  die  zu  Cid.  granulosus  und  Cid.  variolaris  z.  Th.  gerechneten  Seeigel  bis 
35  mm.  Durchmesser  und  ihre  Stacheln  gegen  20  mm.  Länge.  —  Cotteau  führt  C.  cenomanense  als  Selten- 
heit aus  cenomanen  Schichten  Frankreichs  an,  wie  von  le  Mans,  Yvre-l'E>eque  (Sarthe),  Corze  (Maine-et-Loire), 
wo  diese  Art  mit  Pyguriis  lampas  zusammen  vorkommt. 

3.  Cyphosoma?  sp.  —  Taf.  16.     Fig.  11. 

Dieser  kleine  Seeigel  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  ist  nur  3  mm.  breit  und  1  mm.  hoch. 
Die  fünfseitige  Scheitelmündung  nimmt  fast  ein  Drittheil  der  Breite  ein,  das  weit  grössere  Peristom  ist  kreis- 
rund-zehnkantig und  mit  einem  schmalen  vorstehenden  Rande  umgeben.  Die  Fühlergänge  sind  geradlinig 
und  bestehen  aus  eng  beisammen  liegenden  runden  Poren,  deren  Paare  von  einem  wulstförmigen  Rande  um- 
geben sind.  Beide  Hauptfelder  tragen  fast  gleich  grosse  Warzen,  welche  sich  auf  einem  jeden  in  zwei  Längs- 
reihen von  4—5  Tafeln  anordnen.  Die  auf  den  Zwischenfühlerfeldern  sind  etwas  breiter  als  auf  den  Fühler- 
feldern. Sparsam  vertheilte  Körner  finden  sich  hier  und  da  an  dem  Rande  der  grösseren  Tafeln.  Die  Gelenk- 
ringe der  Warzen  sind  gekerbt,  ihre  halbkugeligen  Fortsätze  nicht  durchbohrt. 

4.  C.  cf.  subcompressum  Cotteau  etc.  —  Taf.   17.     Fig.  2—6,  7?  8? 
1862—1867.     Cotteau,  Pal.  franc.  terr.  cret.  VII.  p.  691.     PI.  1170.     fig.  10—13. 

Kleine   Stacheln   mit   einem   niedrigen   Gelenkkopfe   von    elliptischem  Umriss,    mit    oder   ohne   ring- 


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förmige  Anschwellung.  Sie  verlaufen  in  ziemlich  gleicher  Breite  bis  in  die  Nähe  des  schnell  verengerten, 
oft  stumpfen  Endes,  sind  mehr  oder  weniger  zusammengedrückt  und  nach  oben  hin  stets  zweikantig ;  die  eine 
ihrer  breiteren  Flächen  ist  einfach  gewölbt,  die  andere  meist  mit  1  —  3  Längsrippen  versehen,  welche  am 
oberen  Ende  am  stärksten  hervortreten.  Die  ganze  Oberfläche  ist  höchst  fein  linirt  und  zwischen  diesen  Linien 
bemerkt  man  unter  der  Loupe  kleine  regelmässige  Gruben  (Fig.  2  E,  3  c,  e). 

Wir  schliessen  vorläufig  auch  die  nach  oben  sich  allmählich  erweiternden,  keilförmig  zusammen- 
gedrückten und  oben  stumpfen  Stacheln  (Fig.  7)  an,  deren  breite  Seiten  flach  gewölbt  sind  und  keine 
Längsrippen  zeigen,  ferner  flach  zusammengedrückte  keulenförmige  Stacheln  (Fig.  8)  welche  auf  einer  Seite 
statt  einfacher  Kanten  3  höckerige  Längsrippen  tragen. 

Vorkommen.  Die  hier  beschriebenen  Stacheln  kommen  hier  und  da  in  dem  unteren  Pläner  von 
Plauen  vor  und  mögen  verschiedenen  Arten,  wenn  nicht  Gattungen  angehören.  —  Verwandte  Stachelformen 
werden  abgebildet  von  Desor  als  Acrociclaris  nobilis  Ag.  aus  dem  Korallenkalke  des  oberen  Jura  (Syn.  des 
Ech.  foss.  PI.  14.  fig.  11),  und  von  Cotteau  als  Acrociclaris  minor  Ag.  und  Acroc.  Meridanensis  Cott.  aus 
dem  unteren  Neokom  (Pal.  frang.  terr.  cr6t.  VII.  PI.  1092),  ferner  als  Goniopygus  Noguesi  Cott.  aus  dem 
unteren  Neokom  (Pal.  fr.  VII.  PI.  1177.  flg.  10—12)  etc. 

Codiopsis  Agassiz,  1840. 

Der  Umfang  des  Körpers  ist  kreisrund-fünfseitig,  die  obere  Fläche  halbkugelig  gewölbt,  die  untere 
fast  eben.  Die  Fühlergänge  verlaufen  mit  einfachen,  regelmässig  über  einander  stehenden  Porenpaaren  von 
dem  Scheitel  aus  in  divergirenden  Linien  nach  unten,  bis  sie  auf  der  unteren  Fläche  in  zweifachen  und  mehr 
Reihen  das  Peristom  erreichen  (Fig.  1  e).  Der  Scheitelapparat  ist  solid  und  besteht  aus  5  grossen  Eier- 
leiterplatten, welche  deutlich  durchbohrt  sind,  und  5  damit  abwechselnden  Augenplättchen ,  an  deren  Enden 
die  Fühlergänge  entspringen  (Fig.  1  cl).  Das  Peristom  ist  rundlich-fünfseitig.  Der  grösste  Theil  der  Schale 
ist  mit  gebogenen  feinen  Längsstreifen  dicht  besetzt  (Fig.  1  /).  Regelmässige  Warzenreihen  sind  auf  die 
untere  Fläche  beschränkt,  wo  sie  in  divergirenden  Reihen  angeordnet  sind  (Fig.  1  e),  die  den  Umfang  der 
Schale  nicht  erreichen.  Ihre  Gelenkringe  sind  nicht  gekerbt  und  ihre  kugeligen  Gelenkfortsätze  (Fig.  1  g) 
nicht  durchbohrt.     Kleinere  Körner  finden  sich  unregelmässig  auf  der  übrigen  Oberfläche  vertheilt. 

C.  Doma  Desmarets  sp.,  1825.  —  Tai  17.     Fig.  1. 

1841.  A.  Eoemer,  Verst.  d.  norddeutsch.  Kreideg.  p.  30. 

1847.  d'Arehiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  II.  2.  p.  299.     PI.  13.     fig.  1. 

1849—1850.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  222. 

1851  —  1852.  Bronn,  Leth.  geogn.  V.  p.  188.     Taf.  XXIX.  7.     fig.  11. 

1858.  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  112.     PI.  19.     fig.  15—17. 
Codiopsis  pisum  Desor,  eb.  p.  111.     PL  19.     fig.  13 — 14. 

1855—1859.  Cotteau  &  Triger,  Echin.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  162.    PI.  29.     fig.  1-8. 

1862—1867.  Cotteau,  Pal.  fran§.  terr.  cret.  VII.  p.  781.    PI.  1192.     fig.  1  —  11. 

Diese  elegante  Art  ist  von  mittlerer  Grösse,  hat  einen  stumpf-fünfseitigen  Umriss,  ist  in  der  Nähe 
des  Scheitels  halbkugelig-gewölbt  und  verengt  sich  nach  der  abgeplatteten  Basis  hin.  Sie  erreicht  bei  23  mm. 
Durchmesser  18  mm.  Höhe,  liegt  uns  aber  auch  in  Exemplaren  von  35  mm.  Durchmesser  und  in  sehr 
kleinen  Exemplaren  vor.     Ueber  den  Scheitel   gruppiren   sich  blumenkelch-ähnlich  die  5  ungleich-fünfseitigen 


—      75     — 

Eierleiter-Platten,  deren  vorspringende  Ecken  auf  die  Mitte  der  Zwischenfühlerfelder  stossen.  Jede  derselben 
ist  durchbohrt,  das  am  meisten  hervortretende  ist  fein-granulirt,  alle  anderen  besitzen  eine  rauhe  Oberfläche. 
Die  damit  alternirenden  kleinen  Ocellarplatten  oder  Augentäfelchen  grenzen  an  die  Fühlergänge  an.  Letztere 
werden  von  runden  Poren  gebildet,  welche  paarig  eng  neben  einander  und  nahe  hinter  einander  stehen. 
Ihre  abweichende  Stellung  auf  der  unteren  Seite  der  Schale  ist  schon  hervorgehoben  worden.  Die  Fühler- 
felder nehmen  an  dem  Umfange  des  Körpers  fast  nur  ein  Drittheil  der  Breite  der  Zwischenfühlerfelder  ein. 
Beide  erscheinen  dem  blossen  Auge  fast  glatt,  sind  jedoch  mit  sehr  feinen,  etwas  wellig  gebogenen  Längsstreifen 
bedeckt,  während  Gruppen  kleiner  rundlicher  Höcker  auf  der  Schale  eine  sehr  ungleiche  Vertheilung  zeigen. 
Nur  an  der  Basis  tritt  in  der  Anordnung  der  Warzen  eine  grosse  Gesetzmässigkeit  ein.  Sie  ordnen  sich  um 
das  rundlich-fünfseitige  Peristom,  oder  -den  Mund,  zu  breiten  Streifen  an,  welche  einen  grossen  fünfstrahligen 
Stern  bilden.  Zwei  fast  parallele  Warzenreihen  werden  von  den  sich  beträchtlich  erweiternden  Fühlergängen 
umschlossen,  mehrere  an  dem  Peristom  stark  convergirende  Warzenreihen  finden  sich  auf  dem  Zwischen- 
fühlerfelde, an  dessen  äusserer  Grenze  dicht  neben  den  Fühlergängen  sich  noch  eine  kurze  Reihe  kleiner 
Höcker  entwickelt. 

Vorkommen.  Nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  Koschütz;  durch  A.  Roemer  auch  in 
dem  Grünsande  von  Essen  nachgewiesen,  durch  d'Archiac  in  der  gleichalterigen  Tourtia  von  Tournay  in 
Belgien,  nach  Desor  und  Cotteau  in  cenomanen  Schichten  Frankreichs,  bei  le  Mans  (Sarthe),  Angou- 
leme  (Charente) ,  Be  Madame  (Charente-Inf.) ,  la  Bedoule  (Var)  etc.  und  in  der  Umgegend  von  Sötif 
in  Algerien. 

Cottaldia  Desor,  1856. 

Die  meist  kleine  Schale  hat  einen  kreisrunden  Umfang  und  ist  mehr  oder  weniger  bauchig-halbkugelig. 
Die  Fühlergänge  laufen  geradlinig  von  oben  nach  unten  und  bestehen  aus  einfachen ,  einander  genäherten 
Poren.  Der  Scheitelapparat  besteht  aus  5  grösseren,  fast  dreieckigen  Eierleitertafeln  und  5  kleineren  aus- 
geschnittenen Augentäfelchen,  welche  Tafeln  sämmtlich  granulirt  erscheinen  (Taf.  18,  Fig.  1  e).  Das  runde 
Peristom  (oder  Mund)  ist  mit  10  schwachen  Einschnitten  versehen  und  öffnet  sich  in  der  Ebene  der  Schale. 
Jede  Tafel  ist  mit  zahlreichen  gleichartigen  Tuberkeln  besetzt,  welche  mehr  oder  weniger  regelmässige  Quer- 
reihen bilden. 

C.  Benettiae  König  sp.  1820.  —  Taf.   17.     Fig.  9;  Taf.  18.     Fig.   1. 

1826.  Echinus  granulosus  Münster  in  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  p.  125.     Taf.  49.     fig.  5. 

1836.  Arbacia  granulosa  Agassiz. 

1852.  Desgl.  Bronn,  Leth.  geogn.  V.  p.  188.    Taf.  XXIX.  7.    fig.  10. 

1858.  Cottaldia  granulosa  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  114.     PI.  19.     fig.  1—3. 

1855—1859.  Cottaldia  Benettiae  Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  155.    PL  28.    fig.  13—18. 

1862—1667.  Desgl.  Cotteau,  Pal.  fran?.  terr.  cröt.  VII.  p.  789.    PI.  1193.  1194.    fig.  1—10. 

Von  dieser  zierlichen  Art  liegen  6  Exemplare  von  Plauen  vor,  unter  welchen  das  grösste  12  mm. 
Breite  und  6  mm.  Höhe  erreicht  (Taf.  18,  Fig.  1).  Es  gehört  der  flacheren  Varietät,  oder  Var.  depressa 
Cott.  an,  während  Taf.  17,  Fig.  9  den  Typus  der  höheren   Var.  conica  Cott.  zeigt. 

Bei  fast  kreisrundem  Umfange  der  Schale  ist  der  Scheitel  mehr  oder  minder  gewölbt  und  die  Basis 
fast  eben  oder  nach  der  Mitte  hin  etwas  vertieft,  während  die  Seiten  sich  abrunden.  Der  innere  Ring  des 
Scheitelapparates  mit  seinen  5  durchbohrten  dreieckigen  Eierleitertafeln  gleicht  einem  fünfblätterigen  Blumen- 


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kelche,  der  äussere  aus  fünf  ungleichen  Augentäfelchen  bestehende  Ring  ähnelt  5  Blumenblättern,  die  mit  den 
Kelchblättern  abwechseln.  Diese  Plättchen  sind  an  ihrem  Ende  ausgerandet,  eins  derselben  läuft  jedoch  in 
einen  höckerigen  Vorsprung  aus.  Alle  diese  Täfelchen  sind  mit  undeutlichen  Körnern  bedeckt,  das  ungleiche 
Augentäfelchen  ist  feiner  granulirt.  Das  kreisrund-zehneckige  Peristom  nimmt  fast  die  Hälfte  der  ganzen  Schalen- 
breite  ein.  Die  Beschaffenheit  der  Fühlergänge  ist  vorher  bezeichnet  worden ,  oft  werden  die  Poren  eines 
Paares  nur  durch  einen  schmalen  Höcker  geschieden.  Die' Zwischenfühlerfelder  nehmen  die  doppelte  Breite 
der  Fühlerfelder  ein.  Beide  sind  längs  ihrer  Mitte  durch  eine  vertiefte  Linie  getheilt  und  beide  tragen  eine 
oder  2  Querreihen  ziemlich  gleich  grosser,  flachgerundeter  Warzen  oder  Tuberkeln  die  sehr  gedrängt  stehen. 
Daneben  stellen  sich,  wo  es  der  Raum  gestattet,  auch  kleinere  Höcker  oder  Wärzchen  ein.  Eine  Durch- 
bohrung dieser  Warzen  findet  nur  theilweise  oder  wenigstens  undeutlich  statt. 

Vorkommen.  Cottaldia  Benettiae  erscheint  als  Seltenheit  im  unteren  Pläner  von  Plauen.  Sie  war 
bereits  aus  dem  unteren  Quader  von  Kelheim  an  der  Donau,  von  Warminster  in  England,  sowie  von  le  Havre 
Rouen,  le  Mans  und  anderen  cenomanen  Fundstätten  Frankreichs  bekannt,  während  sie  Coquand  auch  aus 
senonen  Schichten  von  Royan  (Charente-Inf.)  citirt. 

Fam.  Saleniäea   Wriglit.     (Oidaridea  Desor  z.  Th.) 

Die  Fühlergänge  bestehen  aus  einfachen  Porenpaaren,  die  von  oben  bis  unten  laufen  und  nur  in  der 
Nähe  des  Mundes  an  Zahl  zunehmen.  Der  grosse  solide  Scheitelapparat,  der  oft  mit  tiefen  Eindrücken  ver- 
sehen ist,  besteht  aus  5  Eierleitertafeln  oder  Genitalplatten,  5  durchbohrten  Augen-  oder  Ocellarplatten 
und  1  oder  mehreren  Analplättchen,  welche  eine  Excentricität  des  Afters  oder  Periprokts  bestimmen. 
(Nach  Cotteau.) 

Salenia  Gray,  1835. 

Die  kleine  kreisrunde  Schale  ist  mehr  oder  weniger  bauchig.  Fühlerfelder  nur  mit  2  Reihen  grösserer 
Körner.  Die  grösseren  Warzen  bilden  auf  den  breiten  Zwischenfühlerfeldern  zwei  Längsreihen,  sind  undurch- 
bohrt  und  besitzen  einen  gekerbten  Gelenkring.  Das  Periprokt  ist  nach  hinten  gedrängt,  das  Peristom  ist 
rundlich  und  mit  10  schwachen  Einschnitten  versehen. 

S.  liliputana  Gein.  —  Tai  18.     Fig.  2. 

Eine  kleine,  mit  S.  scuügera  Goldf.  (Petr.  Germ.  I.  p.  121.  Taf.  49.  •  flg.  4)  nahe  verwandte  Art, 
welche  man  leicht  für  ein  junges  Exemplar  derselben  halten  könnte,  von  nur  6  mm.  Durchmesser  und  kaum 
halb  so  hoch.  Bei  S.  scuügera  verhält  sich  der  Durchmesser  zur  Höhe  wie  3 : 2.  Auch  bei  S.  rugosa 
dArchiac  (Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France  2.  ser.  T.  IL  2.  PI.  13.  fig.  6.)  ist  sie  durch  ihre  weit  geringere 
Höhe  verschieden.  Einen  wesentlichen  Unterschied  von  diesen  beiden,  wie  überhaupt  von  allen  bisher  be- 
schriebenen Arten  bietet  ferner  die  obere  Fläche  dar.  Jn  einem  deutlich  fünfseitigen  Scheitelapparate  liegt 
der  ähnlich  gestaltete,  quer  verlängerte  After  oder  das  Periprokt  zwischen  der  Mitte  und  der  hinteren  Ecke 
des  fünfeckigen  und  mit  einer  grösseren  Anzahl  symmetrisch  vertheilter  Gruben  bedeckten  Scheitelapparates. 
Eine  deutliche  Trennung  desselben  in  Plättchen  ist  nicht  zu  erkennen.  An  die  Ecken  des  Fünfeckes  stossen 
unmittelbar  die  Fühlergänge  an,  die  fast  geradlinig  nach  der  unteren  Fläche  verlaufen.  Sie  sind  sehr  schmal 
und  erweitern  sich  nur  in  der  Nähe  des  Peristoms  durch  Vermehrung  der  Porenpaare.  Sie  schliessen  auf 
dem  Fühlerfelde  zwei  Reihen  runder   gleichförmiger  Wärzchen   ein,    zwischen   welche   sich   an   dem  Umfange 


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der  Schale  einzelne  kleine  Körner  eindrängen.  In  den  viel  breiteren  Zwischenfühlerfeldern  zählt  man  meist 
5  grössere  Tafeln  in  den  zwei  Längsreihen,  mit  einem  gekerbten  Gelenkringe  und  einem  nicht  durchbohrten 
halbkugeligen  Gelenkfortsatze.  Ihr  kreisrundes  glattes  Feld  ist  von  einem  Ringe  entferntstehender  und  un- 
gleicher Höcker  umgeben,  neben  welchen  sich  hier  und  da  noch  verschiedene  kleinere  einstellen. 

Vorkommen.     Bis  jetzt  nur  in  zwei  Exemplaren  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  bekannt. 

B.  Unregelmässige  Echinideen.  Das  Periprokt  oder  der  After  liegt  dem  Peristom  oder 
Mund  nicht  gegenüber,  sondern  ausserhalb  des  Scheitelapparates. 

Farn.  Echinoconidea  Cotteau.     Galeridea  Desor. 

Poren  einfach,  unter  sich  gleich,  in  geraden  Linien  von  dem  Scheitel  bis  zu  dem  Munde  laufend. 
Mund  oder  Peristom  central,  fast  kreisrund,  lOeckig,  mit  einem  Kauapparate  versehen.  Periprokt  oval, 
birnförmig,  schief  und  sehr  verschieden  in  seiner  Lage.  Der  compacte  Scheitelapparat  besteht  aus  5  Genital- 
oder Eierleiterplatten  und  5  Ocellar-  oder  Augenplättchen.  Die  hintere  Genitalplatte  wird  öfters  durch  eine 
ganz  undurchbohrte  Platte  vertreten  und  fehlt  zuweilen  ganz. 

Pygcister  Agassiz,  1836. 

Schale  gross,  dick,  etwas  fünfseitig.  Fühlergänge  geradlinig  und  aus  einfachen  und  in  schiefe  Paare 
geordneten  Poren  bestehend.  Warzen  durchbohrt  und  nicht  gekerbt,  in  regelmässige  Reihen  gestellt,  welche 
meist  auf  der  unteren  Fläche  mehr  als  auf  der  oberen  entwickelt  sind.  Peristom  rund  und  lOeckig,  immer 
mit  deutlichen  Einschnitten  versehen.  Periprokt  fast  in  der  Ebene  der  Schale,  sehr  gross,  an  der  oberen 
Seite  in  der  Nähe  des  Scheitels  gelegen. 

P.  truncatus  Agassiz.  —  Taf.  18.  Fig.  3. 

1858.     Desor,  Synopsis  des  Ech.  foss.  p.  167. 
1855—1869.     Cotteau  &  Triger,  Echinides  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  175.  PI.  30.  fig.  12—16. 
1862—1867.     Cotteau,  Pal.  frang.  terr.  cr6t.  VII.  p.  70.  PI.  1021. 

Die  Schale  ist  etwas  fünfseitig,  breiter  als  lang,  vorn  gerundet,  hinten  mehr  abgestutzt.  Ihre  obere 
Fläche  ist  in  der  Scheitelgegend  niedergedrückt,  die  untere  in  der  Nähe  des  Peristoms  etwas  eingesenkt, 
übrigens  verläuft  sie  flach  gewölbt  in  die  gerundeten  Seiten.  Der  quer-elliptische  und  an  den  Enden  der 
Fühlergänge  leicht  eingeschnittene  Mund  (oder  das  Peristom)  liegt  in  der  Mitte  der  unteren  Fläche  und 
nimmt  nahezu  ein  Viertheil  ihrer  Breite  ein,  der  grosse  ovale  After  (oder  das  Periprokt)  reicht  von  dem 
Scheitel  aus,  wo  ihn  eine  mittlere  Platte  begrenzt,  bis  in  die  Nähe  des  Hinterrandes.  Die  3  vorderen.  Paare 
von  Fühlergängen  laufen  vom  Scheitel  fast  geradlinig  nach  unten,  die  beiden  hinteren  Paare  umschliessen 
das  Periprokt  in  einwärts  gebogenen  Linien.  Sie  bestehen  aus  kleinen  runden,  genäherten  Poren,  die  durch 
kleine  rundliche  Höcker  von  einander  geschieden  sind.  Die  ganze  Oberfläche  der  Fühlelfelder  und  Zwischen- 
fühlerfelder ist  dicht  bedeckt  mit  gleichgrossen  Warzen,  die  in  regelmässigen  Längsreihen  angeordnet  sind. 
Auf  den  ersteren  beginnen  2  Reihen  am  Scheitel  und  bald  stellen  sich  noch  2  Reihen  zwischen  diesen 
ein;  auf  den  doppelt  so  breiten  Zwischenfühlerfeldern  zählt  man  vom  Scheitel  aus  auch  nur  2  Warzenreihen, 
doch  pflegen  sich  diese  durch  Flinschiebung  neuer  Reihen  an  dem  Umfange  der  Schale  bis  auf  9  und  mehr 
Reihen  zu  vermehren.  Die  Warzen  sind  niedrig  und  nicht  durchbohrt,  das  sie  umgebende  Feld  wird  von 
kleinen  unregelmässigen  Körnern  eingefasst. 

Palaeontograpliica  XX.  3.  12 


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Vorkommen.  Auch  diese  seltene  Art  wird  im  unteren  Pläner  der  Plauenschen  Hügel,  namentlich 
bei  Koschütz  gefunden.  Cotteau  führt  sie  als  Seltenheit  von  einigen  Fundorten  der  cenomanen  Etage  Frank- 
reichs, sowie  von  Portugalete  in  Biscaya  an,  doch  soll  sie  auch  in  dem  Gault  (Et.  aptien)  bei  le  Rimet 
(Isere)  vorkommen. 

Discoidea  Klein,  1734. 

Schale  kreisrund  oder  fünfseitig,  mehr  oder  minder  bauchig,  oft  etwas  kegelförmig.  Fühlergänge 
geradlinig.  Warzen  klein  und  durchbohrt  mit  gekerbtem  Gelenkringe,  an  der  unteren  Seite  sich  vergrössernd 
und  in  ziemlich  regelmässig  concentrische  Reihen  geordnet.  Das  in  der  Mitte  der  unteren  Fläche  liegende 
Peristom  ist  kreisrund,  zehnkantig  und  mit  leichten  Einschnitten  versehen,  das  ovale  Periprokt  liegt  in  der- 
selben Fläche  zwischen  dem  Peristom  und  dem  Hinterrande.  Scheitelapparat  compact,  fast  fünfseitig,  bei 
einigen  Arten  mit  5  durchbohrten  Genitalplatten,  bei  anderen  nur  mit  4  und  einer  nicht  durchbohrten  Platte 
versehen,  ausserdem  mit  5  Ocellarplättchen.  Das  Innere  der  Schale  ist  an  dem  Umfange  mit  Scheidewänden 
versehen,  welche  in  der  Nähe  des  Randes  der  Zwischenfühlerfelder  liegen  und  eigenthümliche  Einschnitte  an 
den  Steinkernen  veranlassen. 

D.  subuculus  Klein,   1734.  —  Taf  18.  Fig.  4. 

1826—1833.  Galerites  subuculus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  p.  129.  Taf.  41.  fig.  2. 

1849.  Discoidea  subuculus  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  222. 

1851—1852.  Desgl.  Bronn.  Leta.  geogn.  V.  p.  190.  Taf.  29.  fig.  19. 

1858.  Desgl.  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  176.  Tab.  24.  fig.  1—4. 

1855—1869.  Desgl.  Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  170.  PI.  24.  fig.  1.  2. 

1862—1867.    Desgl.  Cotteau,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VII.  p.  23.  PI.  1009.  fig.  8—16. 

% 

Diese  kleine  Art,  deren  grösste  Exemplare  aus  dem  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr  nur  14  mm. 
Breite  und  9  mm.  Höhe  erreichen,  besitzt  einen  kreisrunden,  undeutlich  fünfseitigen  Umriss  und  ist  fast 
halbkugelig  gewölbt.  Die  untere  Fläche  ist  in  der  Mitte  eingesenkt  und  an  ihrem  Rande  gerundet.  Der  in 
der  Mitte  dieser  Fläche  liegende  rundliche  Mund  ist  an  den  Fühlergängen  leicht  eingeschnitten  und  nimmt 
bei  14  mm.  Breite  der  Schale  kaum  4  mm.  Breite  ein.  Der  ovale  After  nimmt  fast  3/s  Länge  zwischen 
dem  Munde  und  dem  Aussenrande  ein.  Sein  schmäleres  Ende  ist  nach  innen,  sein  breiteres,  rundliches  oder 
stumpfeckiges  Ende  nach  aussen  gerichtet.  Die  Fühlergänge  laufen  in  geraden  Linien  von  dem  Scheitel  bis 
an  den  Mund  und  bestehen  aus  sehr  eng  stehenden  Porenpaaren  (Fig.  4  e).  Ein  Fühlerfeld  besitzt  nur  die 
halbe  .Breite  eines  Zwischenfühlerfeldes.  Es  wird  längs  seiner  Mitte  durch  eine  vertiefte  Linie  getheilt, 
während  die  Zwischenfühlerfelder  durch  das  stärkere  Hervortreten  seiner  Warzenreihen  seitlich  gekielt  er- 
scheinen. Die  ganze  Oberfläche  ist  dicht  mit  kleinen  durchbohrten  Warzen  und  noch  kleineren  Körnern  be- 
setzt, welche  am  deutlichsten  auf  der  unteren  Fläche  hervortreten.  Hier  strahlen  auf  jedem  Zwischenfühler- 
felde von  dem  Peristom  aus  nach  dem  Rande  2  Hauptreihen,  die  in  jenen  kielförmigen  Linien  nach  oben 
hin  fortsetzen,  während  sich  zwischen  ihnen  noch  2  ganz  ähnliche  Reihen  von  Warzen  einstellen.  In  dem 
Scheitelapparate  (Fig.  4  d)  unterscheidet  man  4  durchbohrte  Eierleitertafeln  oder  Genitalplatten,  von  welchen 
die  grösste,  den  mittleren  Raum  miterfüllende  fein  granulirt  ist,  eine  in  ihrer  Lage  und  Form  den  anderen 
entsprechende  undurchbohrte  Platte  und  5  Augentäfelchen  oder  Ocellarplatten,  an  welche  die  Fühlergänge 
anstossen. 


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Vorkommen.  Häufig  in  dem  cenomanen  Grünsande  von  Essen,  welcher  den  unteren  Quader  und 
unteren  Pläner  des  Elbthales  vertritt,  im  unteren  Quadermergel  an  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg,  im 
Upper  Greensand  der  Insel  Wight  und  anderer  Gegenden  Englands,  und  verbreitet  in  cenomanen  Ablage- 
rungen Frankreichs. 

Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  kennen  wir  bis  jetzt  nur  das  Taf.  18.  Fig.  4.  abgebildete 
Exemplar  von  5  mm.  Breite  und  3  mm.  Höhe,  welches  nahe  Verwandtschaft  mit  Discoidea  subuculus  zeigt. 
Dasselbe  unterscheidet  sich  von  Essener  und  Englischen  Exemplaren  nur  dadurch,  dass  jene  kielartigen  Linien 
auf  den  Zwischenfühlerfeldern  hier  kaum  hervortreten,  dass  ferner  der  Mund  mehr  oval  als  rund  ist  und 
das  birnförmige  Periprokt  etwas  unregelmässiger  erscheint.  Es  verdient  daher  wohl,  als  Var.  Plauensis 
unterschieden  zu  werden. 

Fam.  JEchinoneidea  Cotteau.  (Galeridea  Desor  z.  Th.). 

Poren  einfach,  unter  sich  gleich,  in  geraden  Linien  von  dem  Scheitel  bis  an  den  Mund  laufend. 
Peristom  central,  häufig  schief,  länglich  und  zuweilen  etwas  fünfseitig.  Periprokt  sehr  verschieden  in  Form 
und  Stellung.     Scheitelapparat  bald  ziemlich  compact,  bald  verlängert. 

JPyrina  Desmoulins,  1835. 

Schale  klein  oder  von  mittler  Grösse,  eiförmig  und  zuweilen  cylindrisch  verlängert.  P'ühlergänge 
geradlinig.  Warzen  klein,  gekerbt,  durchbohrt,  auf  der  unteren  Fläche  etwas  grösser.  Peristom  schief,  un- 
regelmässig, von  rechts  nach  links  gewendet  und  in  der  Mitte  der  unteren  Fläche.  Periprokt  oval  oder 
birnförmig,  mehr  oder  weniger  über  den  Hinterrand  reichend.     Scheitelapparat  ziemlich  compact. 

1.  P.  Desmoulinsi  d'Archiac.  —  Taf.  19.  Fig.  1. 

1847.  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France.  2.  ser.  II.  2.  p.  297.  PI.  13.  fig.  4. 

1849—1850.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  224. 

1853—1855.  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VI.  p.  476.  PI.  981.  fig.  7—11. 

1858.  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  191. 

1855—1869.  Cotteau  &  Triger,  Echin.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  180.  370.  PI.  31.  fig.   10—14.  PI.  61.  fig.  12—16. 

Diese  Art  hat  einen  länglich-ovalen,  oft  etwas  fünfseitigen  Umfang,  erweitert  sich  dann  schwach  nach 
vorn  und  ist  vorn  spitzer  gerundet  als  hinten.  Der  flach  eingedrückte  Scheitel  liegt  etwas  vor  der  Mitte 
und  sein  Plattenapparat  ist  Fig.  ]  d  abgebildet.  Man  unterscheidet  4  grössere  Eierleitertafeln  oder 
Genitalplatten,  von  welchen  die  grösste  sich  von  dem  mittleren  Raum  des  Scheitels  bis  in  da.s  vordere 
Zwischenfühlerfeld  hin  verbreitet  und  deutlich  granulirt  ist.  Fünf  ungleiche  Augentäfelchen  grenzen  wieder 
an  den  Anfang  der  Fühlergänge.  Die  untere  Fläche  ist  quer  durch  die  Mitte  ihrer  Länge  eingesenkt,  so  dass 
ihre  beiden  Enden  sich  deutlich  erheben.  Nahezu  in  der  Mitte  liegt  der  schief-ovale  Mund  oder  das  Peristom. 
Der  grosse  After  oder  das  Periprokt  fällt  in  den  obersten  Theil  der  hinteren,  steil  gewölbten  Fläche  und 
ragt  mit  seinem  spitzen  Ende  noch  über  diese  hinaus,  was  in  den  Abbildungen  von  d'Archiac  und  d'Orbigny 
nicht  gut  hervorgehoben  ist.  Die  schmalen  Fühlergänge  bestehen  aus  eng  neben-  und  hintereinander  liegen- 
den Poren,  die  in  gebogenen  Linien  bis  an  den  Mund  laufen.  Die  nach  vorn  zu  laufenden  paarigen  Fühler- 
gänge krümmen  sich  von  dem  unteren  Rande  an  nach  hinten  zu,  die  hinteren  Paare  sind  in  der  Nähe  des 
Afters  oder  Periproktes  deutlich  nach  vorn  gekrümmt  und  haben  demnach  gerade  die  entgegengesetzte  Rich- 
tung von  jener  bei  Pygaster  truncatus. 


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Die  ganze  Oberfläche  der  Schale  ist  flicht  mit  fast  gleichgrossen  kleinen  Warzen  bedeckt,  welche 
kaum  aus  einem  schwach  vertieften  Gelenkringe  hervortreten,  während  ihre  Zwischenräume  sehr  fein  granulirt 
sind  und  dem  blossen  Auge  glatt  erscheinen. 

Länge  28  mm.,  Breite  21  mm.,  Höhe  14  mm.,  oder  =  4:  3:  2. 

Vorkommen.  Nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  Koschütz ;  in  der  Tourtia  von  Tour- 
nay  und  Montignies-sur-roc  in  Belgien,  in  cenomanen  Schichten  von  le  Mans,  Pont  de  Gennes  etc.  in  Frank- 
reich, bei  Chard  in  England. 

2.  P.  inflata  d'Orbigny.  —  Taf.   19.  Fig.  2. 

1853—1855.     d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VI.  p.  481.  PI.  984.  flg.  1—5. 

Umfang  oval  oder  elliptisch,  vorn  und  hinten  fast  gleichmässig  gerundet,  oben  gleichmässig  gewölbt 
und  mit  einer  Rundung  an  die  fast  ebene  untere  Fläche  angrenzend.  In  der  Mitte  derselben  liegt  der  schief- 
ovale  Mund.  Der  grosse  ovale  After,  oder  das  Periprokt,  reicht  mit  seiner  oberen  Spitze  über  den  Hinter- 
rand hinaus,  so  dass  er  von  unten  aus  nicht  sichtbar  ist. 

Die  Fühlergänge  bestehen  aus  sehr  genäherten  Porenpaaren  und  divergiren  vom  Scheitel  aus  in  fast 
geraden  Linien  nach  unten,  von  wo  aus  sie  nach  dem  Munde  hin  wieder  convergiren.  Der  Scheitelapparat 
(Fig.  2  e)  ist  ähnlich  wie  bei  der  vorigen  Art.  Die  Zwischenfühlerfelder  haben  circa  die  doppelte  Breite  der 
Fühlerfelder.  Ihre  Tafeln  sind  mit  2  Querreihen  kleiner  Warzen  besetzt,  die  sich  zu  mehreren  Längsreihen 
auf  den  beiden  Hauptfeldern  anordnen.  An  dem  Umfange  der  Schale  zählt  man  3 — 4  Reihen  auf  den 
Fühlerfelderu,  die  doppelte  Anzahl  aber  auf  den  Zwischenfühlerfeldern.  Der  ganze  zwischen  den  Warzen  be- 
findliche Theil  ist  fein  granulirt. 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  Koschütz,  meist  viel  kleiner,  als  die  Exemplare 
d'Orbigny's,  welcher  diese  Art  aus  cenomanen  Schichten  Frankreichs  von  Mans  (Sarthe),  Charras  bei  Rochefort 
(Charente-Inf.)  und  Bedoule  (Var)  entnommen  hat. 

Farn.  Cassidulidea  Agassiz,  Desor,  Cotteau. 

Fühlergänge  blumenblattartig  oder  fast  blumenblattartig,  nach  unten  dann  weiter  fortlaufend.  Das 
unpaarige  Fühlerfeld  ist  den  anderen  ähnlich  durch  die  Beschaffenheit  seiner  Poren.  In  der  Nähe  der  Mitte 
der  unteren  Fläche  liegt  das  fünfeckige  oder  querelliptische  Peristom,  welches  zuweilen  durch  Anschwellung 
der  Enden  der  Zwischenfühlerfelder  von  einer  sogenannten  Floscelle  umgeben  wird.  Periprokt  sehr  ver- 
schieden.    Scheitelapparat  compact. 

Wucleolites  Lam.  1801.  (Trematopygus  d'Orb). 

Schale  klein  oder  nüttelgross,  länglich  oder  fast  kreisrund.  Fühlergänge  fast  blumenblattartig  mit 
unter  sich  gleichen  Poren.  Die  Floscelle  tritt  wenig  hervor.  Das  Peristom  liegt  stets  etwas  vor  der  Mitte 
und  ist  oft  schief  gestellt  und  oft  fünfeckig.  Das  Periprokt  liegt  an  der  oberen  Seite  des  Körpers  in  einer 
bis  in  die  Nähe  des  Scheitels  reichenden  Furche. 

N.  Fischeri  Gein.  —  Taf.  19.  Fig.  4. 

Bei  ovalem  Umriss  ist  die  Schale  länger  als  breit,  vorn  gerundet  und  an  dem  schnell  sich  verschmä- 
lernden hinteren  Ende  etwas  eingedrückt. 


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Die  obere  Fläche  ist  ähnlich  gewölbt,  wie  ein  Hühnerei,  und  trägt  ihren  nicht  hervortretenden 
Scheitel  vor  der  Mitte  in  2s  der  Länge.  Sein  Plattenapparat  (Fig.  4  /)  besteht  aus  einer  grossen,  länglichen, 
punktirten  Platte,  welche  von  vier  mit  einer  weiten  Oeffnung  versehenen  Eierleitertäfelchen  und  5  Augen- 
täfelchen  umgeben  wird,  an  welche  die  Fühlergänge  anschliessen.  Der  noch  auf  die  obere  Fläche  fallende 
After  ist  elliptisch,  an  beiden  Enden  zugespitzt  und  nimmt  nahezu  1jö  der  Länge  von  hinten  aus  ein  (Fig.  4  a). 
Er  wird  von  zwei  Kanten  eingeschlossen,  welche  das  hinten  nach  dem  Unterrand  abfallende  vertiefte  Feld 
begrenzen. 

Die  untere  Schalenfläche  ist  in  ihren  mittleren  Theilen  vertieft,  nach  den  Seiten  hin  polsterartig  und 
am  stärksten  tritt  diese  Wölbung  nach  hinten  zu  hervor.  Der  schief-elliptische  Mund  liegt  vor  der  Mitte 
ihrer  Länge.  Die  Fühlergänge  sind  blumenblattartig  um  den  Scheitel  vertheilt,  indem  ihre  Porenpaare  vom 
Scheitel  aus  divergiren,  hierauf  aber  nach  dem  unteren  Rande  hin  convergiren,  um  schliesslich  parallel  bis 
an  den  Mund  hin  fortzulaufen.  Die  einzelnen  Poren  sind  quer-oval  und  durch  Querfurchen  miteinander  zu 
Paaren  verbunden  (Fig.  4  e). 

Die  ganze  Oberfläche  der  Schale  ist  dicht  bedeckt  mit  kleinen,  fast  gleich  grossen  und  nur  sehr 
undeutlich  durchbohrten  Warzen,  deren  glatte  Schilder  von  Körnerringen  umgeben  sind.  Einige  Reihen 
kleiner  Körner  zeigen  sich  hier  und  da  auch  zwischen  den  Poren  der  Fühlergänge. 

Yorkomnien.     Sehr  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Der  Name  für  diese  neue  cenomane  Art  soll  ein  Zeichen  der  Erinnerung  sein  für  Herrn  Maler 
Ernst  Fischer  in  Dresden,  dessen  Sammlungen  und  sorgfältigen  Zeichnungen  unsere  Monographie  so 
wesentlich  unterstützt  haben. 

Catopygus  Agassiz,  1836. 

Schale  von  mittler  Grösse,  länglich,  vorn  gerundet,  hinten  etwas  abgestutzt,  unten  fast  eben.  Fühler- 
gänge blumenblattartig.  Peristom  etwas  vor  der  Mitte  liegend,  fünfseitig  und  von  einer  deutlichen  Floscelle 
umgeben.  Periprokt  an  dem  oberen  Theile  der  hinteren  schwach  eingedrückten  Fläche  gelegen.  Scheitelapparat 
compact. 

1.  C.  carinatus  Goldfuss  sp. 

1826—1833.  Nucleolites  carinatus  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  p.  142.  Taf.  43.  fig.  11. 

1836.  Catopygus  carinatus  Agassiz. 

1841.  A.  Römer,  d.  Verst.  d    norddeutsch.  Kreideg.  p.  32. 

1842.  Gein.  Char.  III.  p.  90.  XIX.  z.  Th. 
1849—1850.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  224. 

1853—1855.     Gat.  columbarius  d'OrbigDy,  Pal.  fr.  terr.  erft.  VI.  p.  436.  PI.  970. 

1858.     Desgl.  Gümbel,    Beitr.   z.  Kenntn.   d.   Procän.-od.    Kreidef.   in   Böhmen,    (Abh.    d.   k.   bayer.   Ak.    d.   Wiss.   X. 
IL  p.  56). 

1858.     Cat-  carinatus  Desor,  Syn.  des  Ech.  foss.  p.  283.  Taf.  34.  flg.  1—4.     . 
1855—1869.     Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  184.  PI.  32.  fig.  1—4. 

1870.    F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  p.  293.  Taf.  27.  fig.  3—4. 

Die  mittelgrosse  Schale  hat  einen  ovalen,  undeutlich  fünfseitigen  Umfang  und  ist  in  der  Mitte  ihrer 
hinteren  Hälfte  am  breitesten.  Ihre  obere  Fläche  ist  stark  gewölbt  und  längs  der  Mitte  gekielt,  ihre  untere 
Fläche  ist  flach  und  verläuft  mit  einer  Rundung  in  die  Seiten.  Der  hintere,  nur  wenig  abwärts  gebogene 
Kiel  überragt  mit  seinem  dicken  Ende,    unter  welchem   der   ovale  After   liegt,   die   hintere,    geradabgestutzte 


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Fläche  und  selbst  den  Unterrand.  Der  Scheitel  liegt  wenig  vor  der  Mitte  der  oberen,  der  fünfeckige  Mund 
vor  der  Mitte  der  unteren  Fläche.  In  der  Mitte  des  Scheitels  findet,  sich  eine  grössere,  längliche,  unregel- 
mässig-sechsseitige  Platte,  welche  schief  gestellt  ist  und  um  welche  sich  die  kleineren  Plättchen  gruppiren. 

Die  Fühlergänge  bestehen  aus  Reihen  von  Poren,  deren  äussere  querverlängert  sind,  während  die 
inneren,  durch  seichte  Querfurcheu  damit  verbundenen  rund  erscheinen.  Sie  bilden  blumenblattartige  Zeich- 
nungen, da  sie  vom  Scheitel  aus  divergiren,  schon  auf  der  oberen  Schalenhälfte  aber  wieder  convergiren 
und  dann  mehr  oder  minder  deutlich  parallel  nach  dem  Munde  verlaufen,  wo  sie  durch  polsterartige  Höcker 
von  einander  geschieden  sind. 

Der  etwas  länger  gestreckte  Catopygus  columbarius  Lam.  sp.,  Ag.  und  d'Archiac,  welcher  bei  Tour- 
nay  in  Belgien  vorkommt,  wird  von  Desor  und  Cotteau  als  besondere  Art  unterschieden,  während  d'Orbigny 
ihn  mit  Cat.  carinatus  vereinigt  hat. 

Vorkommen.  Wie  in  dem  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr  findet  sich  Cat.  carinatus  auch  in  dem 
unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen,  bei  Groschowitz  unweit  Oppeln  in  Oberschlesien  (nach  F.  Römer) 
und  in  anderen  cenomanen  Bildungen  Frankreichs,  bei  Rouen,  Fecamp  (Seine-Inf.),  Villers-sur-Mer  (Calvados), 
le  Mans  (Sarthe)  etc.,  bei  Warminster  in  England  etc.  —  Nach  Gümbel  kommt  Cat.  columbarius  in  den  zu 
dem  Mittelquader  gehörenden  Mallnitzer  Schichten  von  Mallnitz  und  Drahomischel  in  Böhmen  vor.  Er  ver- 
muthet,  dass  die  Exemplare  von  Tyssa  einer  anderen  Species  angehören,  was  vielleicht  eine  Trennung  des 
Cat.  carinatus  von  Cat.  columbarius  noch  mehr  rechtfertigen  würde. 

2.  C.  Albensis  Gein.  —  Taf.   19.    Fig.  3. 

Im  Quader  des  sächsischen  Elbthales  begegnet  man  nicht  selten  den  Steinkernen  eines  Seeigels  von 
mittler  Grösse,  welche  bei  naher  Verwandtschaft  mit  C.  carinatus  sich  durch  grössere  Breite  constant  davon 
unterscheiden. 

Bei  Catopygus  carinatus  von  Essen  verhalten  sich  Länge  zur  Breite  und  Höhe,  wie  25:  21:  18  mm., 
bei  C.  Albensis,  wie  28:  27:  18  mm.  Diese  Art  hat  einen  rundlich-ovalen,  undeutlich  fünfseitigen  Umriss ; 
die  grösste  Breite  fällt  in  die  Mitte  der  hinteren  Hälfte  und  der  Hinterrand  ist  flacher  gerundet,  als  der 
Vorderrand.  Die  obere  Fläche  ist  stark  gewölbt  und  von  dem  etwas  vor  der  Mitte  liegenden  Scheitel  aus 
bis  an  den  After  stumpf  gekielt.  Die  flache  untere  Fläche  stösst  mit  einer  deutlichen  Kante  an  die  schief 
abgeschnittene  hintere  Fläche  an,  welche  mehr  zurücktritt,  als  bei  C.  carinatus,  wo  der  hintere  Schalentheil 
gerade  abgestutzt  ist.  Bei  beiden  Arten  liegt  aber  das  runde  Periprokt  an  dem  oberen  Theile  dieser  Fläche 
unmittelbar  unter  dem  Ende  des  oberen  Längskieles. 

Das  fünfseitige  Peristom  liegt  wenig  vor  der  Mitte  und  ist  neben  den  Enden  der  Fühlergänge  mit 
kleinen  Polstern,  einer  sogenannten  Floscelle  begrenzt.  Die  Fühlergänge  divergiren  vom  Scheitel  aus,  con- 
vergiren unterhalb  der  Mitte  der  Seiten,  um  dann  von  neuem  wieder  schwach  auseinander  zu  treten  und 
fast  parallel  bis  an  den  Mund  zu  laufen.  Auf  der  Oberfläche  der  Steinkerne  lassen  sich  meist  deutlich  noch 
die  grossen  und  breiten  Tafeln  unterscheiden,  welche  die  Schale  zusammensetzen. 

Vorkommen.  Diese  Art  geht  aus  dem  unteren  Quader,  in  welchem  sie  bei  Oberhässlich  unweit 
Dippoldiswalda  durch  Herrn  Ingenieur  E.  Poppe  gefunden  worden  ist,  bis  in  den  oberen  Quader  des  Elbthales 
hinauf  und  soll  bei  Behandlung  des  letzteren  von  Neuem  besprochen  werden. 


Pygurus  Agassiz,  1839. 

Die  grosse  Schale  ist  schild-  oder  scheibenförmig,  vorn  gerundet  oder  ausgerandet,  nach  hinten  oft 
schnabelartig  verlängert,  oben  mehr  oder  weniger  bauchig,  unten  polsterartig.  Der  Scheitel  liegt  fast  in  der 
Mitte.  Die  Fühlerfelder  sind  blumenblattartig,  breit  und  an  ihrem  unteren  Ende  fadenförmig  ausgezogen. 
Das  unpaarige  Fühlerfeld  ist  schmäler  als  die  anderen.  Der  fünfseitige  Mund,  oder  das  Peristom,  liegt  etwas 
vor  der  Mitte  und  wird  von  5  an  dem  Ende  der  Zwischenfühlerfelder  befindlichen  Wülsten  (einer  Floscelle 
nach  Cotteau)  umgeben.     Das  Periprokt  fällt  an  die  untere  Seite  des  hinteren  Endes.    Scheitelapparat  klein. 

P.  Lampas  de  la  Beche  sp.  1819.  —  Taf.  20.  Fig.   1. 

1849—1850.  Pygorhynchus  rostratus  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  222.  z.  Th. 

1853—1855.  Pygurus  oviformis  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VI.  p.  311.  PI.  919. 

1858.  Pygurus  Lampas  Desor,  Syn.  des  Echin.  foss.  p.  311. 

1855—1869.  Desgl.  Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  191,  PI.  32.  fig.  8.  9. 

Eine  grosse  hochgewölbte,  beiderseits  abgedachte  und  langgestreckte  Art,  welche  bei  übrigens  eiför- 
migem Umriss  nach  hinten  schnabelartig  verlängert  ist.  Ihre  obere  Fläche  ist  der  ganzen  Länge  nach  gekielt, 
wobei  der  Rücken  von  dem  Vorderrande  an  aufsteigt,  dann  über  den  Scheitel  hin  eine  nur  wenig  gekrümmte 
Linie  bildet,  bis  er  nach  dem  hinteren  Ende  der  Schale  schief  abfällt.  Der  kleine  Scheitel  fällt  noch  vor 
die  Mitte  der  Schalenlänge.  Um  ihn  gruppiren  sich  die  grossen,  breiten,  lanzettförmigen  Fühlerfelder,  deren 
fadenförmige  Verlängerungen  den  scharfen  Unterrand  überschreiten  und  das  Peristom  erst  erreichen,  nachdem 
sie  sich  in  dessen  Nähe  wieder  lanzettförmig  erweitert  haben.  Sie  werden  an  dem  fünfeckigen  Peristom  von 
den  dicken  höckerartigen  Erhebungen  an  dem  Ende  der  Zwischenfühlerfelder  begrenzt.  Das  quer-ovale  Peri- 
prokt, oder  der  After  liegt  unter  dem  schmalen  Ende  des  hinteren  schnabelförmigen  Fortsatzes,  welchem 
auf  der  unteren  Fläche  der  Schale  ein  kielartiger  Wulst  entspricht.  Zwischen  diesem  und  einer  seitlich  vor- 
springenden Ecke  des  Unterrandes  in  2/s  der  Schalenlänge,  wo  die  Schale  ihre  grösste  Breite  erreicht,  ist  der 
Rand  deutlich  eingebogen. 

Vorkommen.  Im  unteren  Quadersaudstein  von  Pankratz  in  Böhmen,  80  mm.  lang,  54  mm.  breit, 
35  mm.  hoch.  In  cenomanen  Schichten  Frankreichs,  bei  Mans,  Fouras  (Charente-Inf.),  Yvre-1'Eveque,  Coulaines 
(Sarthe)  und  im  oberen  Grünsande  von  Leyme  in  England. 

Fam.  Echinocoridea  Cotteau.     (Spatangoidea  Desor  z.  Th.) 

Fühlergänge  nicht   blumenblattartig,   sondern   mehr  ruthenförmig.     Das  unpaarige  Fühlerfeld  weicht 

durch  die  Form  seiner  Poren  zuweilen  ab  von  den  anderen.  Peristom  nach  vorn  gerückt,  last  quer-elliptisch. 
Periprokt  am  unteren  oder  oberen  Hinterrande.     Scheitelapparat  verlängert.  i 

Solaster  Agassiz,  1836. 

Schale  herzförmig,  oben  mehr  oder  weniger  bauchig.  Das  unpaarige  Fühlerfeld  liegt  meist  in  einer 
Furche  und  besteht  aus  einfachen  und  von  den  anderen  abweichenden  Poren.  Die  paarigen  Fühlergänge 
liegen  in  der  Ebene  der  Schale.  Periprokt  oval,  an  dem  oberen  Theile  der  hinteren  Seite  gelegen. 
Scheitelapparat  verlängert. 


—      84     — 

1.  H.  suborbicularis  Defr.,  Agassiz,  nicht  Goldfuss.  —  Taf.  20.     Fig.  3.  4. 

1849—1850.     Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  226  z.  Th. 

1853—1855.     d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VI.  p.  93.  PI.  814.     fig.  6.  7;  PI.  815. 

Hol.  cenomanensis  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VI.  p.  111.     PI.  819.     fig.  7 — 12. 

1858.     Hol.  suborbicularis,  Desor,  Syn.  des  Ech.  foss.  p.  340. 
1855—1859.     Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  198.  430.     PI.  33.     fig.  1—6. 

1865.     W.  A.  Ooster,  Petrefications  remarq.  des  Alpes  Suisses.  Echinodermes  fossiles,  p.  97.  PI.  23.     fig.  3—6. 

Nach  der  neueren  Auffassung  dieser  Art  gehören  ihr  mehrere  Exemplare  aus  dem  unteren  Quader- 
sandsteine und  unteren  Pläner  des  Elbthales  an.  Sie  sind  von  mittlerer  Grösse,  länglich-herzförmig,  vorn 
gerundet  und  stark  ausgefurcht,  hinten  verengt  und  abgestutzt.  Ihre  Oberfläche  ist  in  der  Nähe  des  vor 
der  Mitte  liegenden  Scheitels  nur  schwach-,  an  den  Seiten  aber  stark  gewölbt.  In  der  Nähe  des  Scheitels 
beginnt  eine  breite,  von  Kanten  begrenzte  Ausfurchung,  welche  über  die  steil  gewölbte  vordere  Seite  nach 
dem  Munde  läuft.  Nach  hinten  verflacht  sich  die  Schale  sehr  langsam ,  bis  sie  zuletzt  steil  abfällt.  Die 
untere  Fläche  ist  nur  in  der  Nähe  des  querelliptischen  Mundes  etwas  eingedrückt,  von  da  aus  zieht  sich  ein 
breiter,  stumpf  gekielter  Wulst  bis  an  den  Hinterrand.  Der  ovale  After  liegt  ziemlich  weit  oben  an  der 
hinteren,  oft  eingedrückten  Fläche. 

Die  Fühlergänge  gruppiren  sich  um  den  länglichen  Scheitelapparat  in  der  Weise,  dass  das  hintere 
Paar  der  Fühlerfelder  von  dem  vorderen  Paare  ziemlich  weit  getrennt  liegt.  Sie  laufen  in  der  Regel  nicht 
weit  nach  unten. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Rippien  und  Welschhufa,  sowie  in  dem 
unteren  Pläner  von  Kauscha.  —  Im  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr,  bei  Tournay  in  Belgien ;  im  oberen 
Grünsande  der  Insel  Wight,  wahrscheinlich  im  Grünsande  von  Kieslingswalde  im  Glatzischen,  nach  Cotteau 
ziemlich  verbreitet  in  cenomanen  Schichten  Frankreichs,  bei  le  Mans  (Sarthe),  Villers-sur-Mer  (Calvados), 
Honfleur  (Seiue-Inf.),  Gacö  (Orne)  etc.  —  Nach  W.  A.  Ooster  in  der  Kreideformation  der  Alpen  von  Unter- 
waiden, Appenzell,  Schwytz  und  Valais.  Cotteau  und  Triger  führen  a.  a.  0.  S.  202  auch  Nagorzany  bei 
Lemberg  als  Fundort  an,  was  auf  einem  Irrthume  zu  beruhen  scheint,  da  dort  nur  senone  Bildungen 
bekannt  sind. 

2.  H.  carinatus  Lam.  sp.  —  Taf.  20.     Fig.  5. 

1826—1833.  Spatangus  nodulosus  Goldf.  Petr.  Germ.  I.  p.  149.     Taf.  45.     fig.  6. 

1849—1850.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  226. 

1853—1855.  Hol.  carinatus  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  VI.  p.  104.     PI.  818. 

1858.  Desor,  Syn.  des  Ech.  foss.  p.  340. 

1855—1869.  Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  195,  430.     PI.  24.  fig.  3—5. 

1865.  W.  A.  Ooster,  Petr.  remarq.  des  Alpes  Suisses.  Echinod.  foss.  p.  95.     PI.  23.  fig.  1.  2. 

Im  Wesentlichen  unterscheidet  sich  diese  Art  von  H.  suborbicularis  nur  durch  ihre  weit  flachere 
vordere  Einbuchtung,  welche  erst  in  einiger  Entfernung  vom  Scheitel  deutlicher  wird  und  von  seinen  hervor- 
tretenden Kanten  begrenzt  ist. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen ,  im  unteren  Pläner  von 
Plauen.  —  H.  carinatus  ist  eine  cenomane  Art,  welche  bei  Essen  an  der  Ruhr,  nach  Unger  im  unteren  Pläner 
von  Neuwallmodei!  bei  Lutter  am  Barenberge,  bei  Neuchätel,  im  Sarthe-Departement  und  in  anderen  Gegenden 
Frankreichs,  sowie  bei  Warminster  in  England  häufig  gefunden  worden  ist.  W.  A.  Ooster  begegnete  dieser 
Art  in  den  Alpen  von  Valais. 


—     85     — 

Farn.  Spatangidea  Cotteau. 

Fühlergänge  blumenblattartig.  Das  unpaarige  Fühlerfeld  ist  von  den  anderen  stets  verschieden  durch 
seine  Form  und  die  Structur  seiner  Poren.  Peristom  nach  vorn  gerückt,  fast  quer-elliptisch,  oft  lippenförmig. 
Periprokt  hinten,  unter  oder  über  dem  Rande.     Scheitelapparat  zusammengedrängt. 

JEpiaster  d'Orbigny,  1853. 

Schale  gross  oder  mittelgross,  länglich,  fast  herzförmig,  mehr  oder  weniger  bauchig.  Vordere  Furche 
breit  und  ziemlich  tief.  Das  unpaarige  Fühlerfeld  ist  von  den  anderen  sehr  abweichend.  Die  paarigen 
Fühlerfelder  sind  blumenblattartig,  ausgehöhlt  und  ungleich ;  die  vorderen  meist  weit  grösser  als  die  hinteren. 
Peristom  quer  und  lippenförmig.  Periprokt  oval ,  an  der  hinteren  Seite  gelegen.  Ein  bandförmiger  Streifen 
oder  Fasciola  fehlt. 

E.  distinctus-  Agassiz  sp.  —  Taf.  20.     Fig.  6. 

1840.     Micraster  distinctus  Ag. 
1853—1855,    Epiaster  distinctus  d'Orbigny,  Pal.  frang.  terr.  cret.  VI.  p.  196.  PI.  861. 
1855—1869.     Cotteau  &  Triger,  Ech.  du  Dep.  de  la  Sarthe,  p.  205.  PI.  24.  fig.  6.  7. 

Es  lassen  sich  an  unseren  von  oben  zusammengedrückten  Exemplaren  nicht  alle  Charaktere  der  Art 
beobachten,  doch  sind  sie  deutlich  genug  zu  ihrer  richtigen  Bestimmung. 

Die  Schale  ist  ziemlich  gross  und  von  herzförmigem  Umfange,  länger  als  breit,  vorn  wenig  aus- 
gerandet.  Der  Scheitel  liegt  fast  in  der  Mitte.  Das  unpaarige  Fühlerfeld  fällt  in  eine  breite  Furche  und 
enthält  jederseits  2  Eeihen  etwas  entfernter  liegender  runder  Poren ;  die  paarigen  Fühlerfelder,  welche  gleich- 
falls in  flachen  und  breiten  Vertiefungen  liegen,  enthalten  gedrängt  stehende,  in  die  Quere  verlängerte  Poren. 
Die  Länge  der  vorderen  Fühlerpaare  verhält  sich  zur  Länge  der  hinteren  wie  4 :  3. 

Vorkommen.  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  sehr  verbreitet  in  cenomanen  Schichten  Frank- 
reichs, wo  man  sie  mit  Pecten  asper  zusammen  findet. 

Hemiaster  Desor,  1847. 

Schale  von  mittler  Grösse,  erweitert  und  fast  herzförmig,  vorn  ausgefurcht,  hinten  abgestutzt.  Das 
vordere  Fühlerfeld  ist  von  den  anderen  verschieden.  Die  paarigen  Fühlerfelder  sind  in  der  Regel  breit, 
blumenblattartig  und  ausgehöhlt ;  die  vorderen  länger  als  die  hinteren.  Peristom  nach  vorn  gelegen ,  quer 
und  lippenförmig.  Periprokt  oval,  an  dem  oberen  Theile  der  hinteren  Fläche.  Scheitelapparat  zusam- 
mengedrängt. Eine  Binde  oder  Fasciole  umgiebt  die  Fühlergänge,  ist  aber  an  Steinkernen  meist  nicht 
zu  sehen. 

H.  cenomanensis  Cotteau,  1856.  —  Taf.  20.  Fig.  2. 
1855  —  1869.     Cotteau  &  Triger,  Echinides  du  dep.  de  la  Sarthe,  p.  210.  PI.  34.  fig.  7.  8. 

Die  gegen  40  mm.  grosse  Schale  hat  einen  rundlich-herzförmigen  Umfang,  erreicht  ihre  grösste 
Breite  fast  in  der  Mitte  der  Länge  und  verschmälert  sich  ein  wenig  nach  hinten.  Ihre  obere  Fläche  ist 
schwach  gewölbt,  an  dem  Scheitel  und  nach  vorn  niedergedrückt,  nach  hinten  stumpf-gekielt,  wo  sie  in 
einiger  Entfernung  vom  Scheitel  ihre  grösste  Höhe  erreicht.  Der  Scheitel  liegt  ein  wenig  hinter  der  Mitte 
und  lässt  selbst  an  Steinkernen  des  Quaders  noch  4  Genitalöffnungen  erkennen.  Kleinere  Oeffnungen  zeigen 
sich  auch  noch  an  dem  Anfange  der  Fühlerfelder.  Das  hintere  Paar  der  breiten,  flach  ausgebuchteten 
Fühlerfelder  ist  nur  zwei  Drittheile  so  lang,  als  das  vordere  Paar.     Ihre  eng  hinter  einander  liegenden  Poren 

Palaeontographica  XX.  3.  jq 


—     86     — 

sind  quer-verlängert,  während  die  an  der  äusseren  Seite  des  unpaarigen  Fühlerfeldes  befindlichen  Poren  ein- 
fach rund  sind.  Das  querverlängerte  Peristom  liegt  auf  der  unteren,  fast  ebenen  Seite  in  der  Nähe  des 
Vorderrandes,  das  elliptische  Periprokt  in  dem  oberen  Theile  der  hinteren  Fläche. 

Vorkommen.  Mit  dieser  in  ober-cenomanen  Schichten  von  le  Maus  und  Yvr6-l'Ereque  (Sarthe)  in 
Frankreich  selten  vorkommenden  Art  stimmen  einige  Steinkerne  aus  dem  unteren  Quader  von  Tyssa  in 
Böhmen ,  aus  dem  unteren  Plänersandsteine  von  Rippien  und  aus  dem  Mittelquader  von  Rottwernsdorf  bei 
Pirna  nahe  überein.  Sie  treten  aber  auch  einer  Art  aus  dem  oberen  Quadersandsteine  der  Sächsischen 
Schweiz  sehr  nahe,  welche  später  als  Hemiaster  sublacunosus  beschrieben  werden  soll  und  deren  Fühlerfelder 
stets  tiefer  ausgehöhlt  sind  als  bei  dieser  Art. 

2.  Asteroidea.  Seesterne. 

Die  Asterien  sind  Seesterne,  bei  denen  die  Arme  Ausdehnungen  der  Scheibe  selbst  sind,  ohne  dass 
sie  von  der  Scheibe  abgesetzt  sind,  und  bei  denen  die  Bauchseite  der  Arme  eine  mit  weichen  Fühlern  be- 
setzte tiefe  Furche  hat,  die  sich  vom  Munde  bis  zu  der  Spitze  der  Arme  fortsetzt.  Der  Rand  dieser  Furche 
ist  mit  Papillen  besetzt. 

An  der  Hautbedeckung  ist  die  Bauch-  und  Rückenseite  zu  unterscheiden.  Beide  gehen  entweder 
allmählich  in  einander  über,  und  die  Bedeckung  ist  auf  beiden  Seiten  gleich,  oder  ihr  Rand  ist  geschärft, 
oder,  wie  bei  den  hier  zu  beschreibenden  Arten,  durch  eigenthümliche  Platten  ausgezeichnet.  Diese  Rand- 
platten bilden  meistens  eine  doppelte  Reihe,  eine  dorsale  und  ventrale,  zuweilen  fehlt  die  dorsale.  Die 
Randplatten  sind  entweder  glatt  (Astrogonium)  oder  gekörnt,  wie  bei  den  meisten ,  und  sind  zuweilen  noch 
mit  Stacheln  bewaffnet. 

Alle  Asterien  haben  auf  der  Rückenseite  ein  ausgezeichnetes  Kalkstück,  die  Madreporenplatte.  (Nach 
Müller  und  Troschel.) 

Der  erste  Nachweis  von  dem  Vorkommen  fossiler  Asteroideen  oder  Asteriaden  in  der  Kreideforma- 
tion wurde  von  Goldfuss  (Petrefacta  Germaniae,  I.  1826 — 1833)  gegeben,  wo  S.  209,  Taf.  63,  fig.  5 
Täfelchen  von  Seesternen  als  Asterias  quinqueloba  beschrieben  werden.  Es  ist  die  Literatur  über  die 
seitdem  unterschiedenen  Gattungen  und  Arten  cretacischer  Seesterne  neuerdings  von  Schlüter*)  zusammen- 
gestellt worden. 

Die  in  den  Quader-  und  Plänerbildungen  des  sächsischen  Elbthales  vorkommenden  Arten  lassen  sich 
auf  2  bis  3  Gattungen  dieser  Autoren  zurückführen.  — 

Stella$ter  Gray,  1840.  Goniaster  Agassiz  z.  Th.,  Goniodiscus  und  Stellaster  Müller  u.  Troschel, 
Goniaster  (mit  Goniodiscus  und  Astrogonium)  und  Stellaster  Forbes. 

Müller  und  Troschel  haben  a.  a.  0.  S.  12  u.  62  für  Stellaster  folgende  Diagnose  aufgestellt: 
Körper  fast  pentagonal,   auf  beiden  Seiten   platt,   mit  zwei  Reihen   grosser  granulirter  Randplatten, 
welche   beide   zur  Bildung   des  hohen  Randes    beitragen.     Jede  ventrale   Randplatte   trägt   einen   hängenden 
Stachel.     Beide  Flächen  der  Scheibe  sind  mit  granulirten  Tafeln  bedeckt.     After  subcentral. 

*)  Dr.  Cl.  Schlüter,  fossile  Echinodermen  des  nördlichen  Deutschland.  I.  Bonn,  1869.  (Verh.  d.  naturf.  Ver.  d.  preuss. 
Rheinl.  u.  Westphalens,  26.  Jahrg.  p.  225.)  —  Das  wichtigste  Quellenwerk  für  die  Systematik  ist  noch  immer:  J.  Müller  und 
F.  H.  Troschel,  System  der  Ästenden.  Braunschweig,  1842,  für  cretacische  Arten  aber:  E.  Forbes,  Notes  on  Cretaceous 
Echinodermata,  in  Dixon,  the  Geology  and  Fossils  of  the  Tertiary  and  Cretaceous  Formations  of  Sussex,  London,  1850, 
p.  325  u.  f. 


—     87     - 

In  der  von  diesen  Autoren  S.  12  u.  57  für  Goniodiscus  M.  &  Tr.  gegebenen  Diagnose  lässt  sich 
von  Stellaster  kein  weiterer  Unterschied  herausfinden,  als  das  Vorhandensein  jenes  hängenden  Stachels  an  den 
ventralen  Randplatten,    was  doch  wohl  kaum  als  ein  wesentlicher  Gattungscharakter  betrachtet  werden  kann. 

Dagegen  ist  Astrogonium  M.  u.  Tr.  durch  glatte  Beschaffenheit  der  nur  von  einem  Körnerringe  um- 
gebenen Randtafeln  verschieden.  Auf  dieses  y erhältniss  hat  F  o  r  b  e  s  keine  Rücksicht  genommen ,  da  er 
unter  Goniaster  Agassiz:  Goniodiscus  und  Astrogonium,  allermeist  mit  granulirten  Tafeln,  vereinigt  hat, 
Seine  Goniodiscus-Arten  unterscheiden  sich  nur  durch  kürzere,  die  Astrogonium- Arten  durch  längere  Arme. 
Ein  genereller  Unterschied  zwischen  den  von  Forbes  zu  Goniaster  und  jenen  zu  Stellaster  gestellten  Arten 
ist  weder  aus  den  Beschreibungen  noch  den  Abbildungen  von  Forbes  zu  ersehen,  wenn  man  berücksichtigt, 
dass  die  beiden  Stellaster  uns  nur  in  der  Rückenseite  entgegentreten,  während  man  die  Ambulacralplatten 
der  Bauchseite,  welche  bei  Goniaster  Forbes  längsgefurcht  sind,  nicht  sehen  und  beurtheilen  kann. 

Goniaster  Agassiz  umfasst  bekanntlich  noch  mehrere  andere  Gattungen  als  die  vorher  genannten, 
wie  namentlich  Oreaster  M.  &  Tr.,  die  wir  festhalten  müssen,  so  dass  es  nicht  zweckmässig  erscheint,  nur 
einen  Theil  für  das  ursprüngliche  Ganze  zu  nehmen.  Es  wird  sich  vielmehr  darum  handeln,  ob  man  für  die 
von  Forbes  beschriebenen  und  hier  zu  beschreibenden  Arten  den  Namen  Stellaster  oder  Goniodiscus  wählt. 
Für  den  ersteren  spricht,  wenn  wir  nicht  irren,  die  Priorität,  ferner  die  dem  Oreaster  ähnliche  Bildung  des 
Namens,  endlich  die  Thatsache,  dass  Forbes  gerade  den  am  frühesten  bekannt  gewordenen  Seestern  des 
Quadersandsteins,  Asterias  Schulsei  Cotta  &  Reich ,  mit  Stellaster  passend  vereinigt  hat.  Eine  Beschreibung 
desselben  wird  in  dem  zweiten  Theile  unserer  Arbeit  folgen.  Mit  ganz  demselben  Rechte  aber,  womit  man 
Asterias  Schidzei  zu  Stellaster  stellt,  können  auch  Asterias  tuoerculifera  Drescher  *)  aus  dem  senonen  Quader 
des  Hockenberges  in  Niederschlesien  und  Goniodiscus  Becksii  Schlüter  **)  aus  der  senonen  Kreide  des  Baum- 
berges im  Münsterlande  in  der  Gattung  Stellaster  Aufnahme  finden. 

1.  St.  Ottoi  Gein.   -  Taf.  21.     Fig.  1.  2. 

Die  beiderseits  flache  Scheibe  wird  von  fünf  stumpf-hyperbolisch  eingebogenen  Seiten  begrenzt,  an 
welchen  sich  jederseits  gegen  27  längliche  Randplatten  befinden,  die  sich  wie  die  Steine  eines  Gewölbes  nach 
innen. erweitern  und  dicht  aneinander  stossen.  Ihre  Breite  ist  an  dem  Ende  der  Arme  oder  Strahlen  nur 
wenig  geringer  als  in  der  Mitte  der  Seiten,  wo  ihre  Länge  etwa  das  Doppelte  der  Breite  beträgt,  während 
sie  an  dem  Ende  der  Strahlen  nur  eben  so  breit  als  lang  sind.  Ihre  Oberfläche  war  ursprünglich  fein  granulirt 
und  erscheint  jetzt  punktirt  nach  Ablösung  der  verloren  gegangenen  Körner.  Der  kleine  Radius  verhält  sich 
zu  dem  grossen  Radius  der  Scheibe,  wie  27 ;  49  mm.,  also  kaum  wie  1 : 2. 

Die  Rückenseite,  welche  Fig.  2  im  Abdrucke  zeigt,  war  mit  kleinen  sechsseitigen  Platten  getäfelt, 
die  sich  in  der  Richtung  der  füuf  Arme  zu  drei  Längsreihen  anordnen,  während  das  dazwischen  liegende  Feld 
(Interradialfeld)  mit  ähnlichen  Plättchen  dicht  besetzt  ist,  deren  Begrenzung  jedoch  weit  undeutlicher  hervortritt. 

Der  Abdruck  der  Bauchseite,  Fig.  1,  lässt  zunächst  die  Ausfüllungsmasse  der  tiefen  vom  Munde 
bis  zum  Ende  der  Arme  laufenden  Furche  erkennen,  welche  jederseits  mit  rechtwinkelig  daran  befestigten 
birnenförmigen  Anhängseln  versehen  ist,  die  den  weichen  Fühlern  entsprechen  (a),  wie  sie  von  Müller  und 
Troschel  a.  a.  0.  Taf.  IV.  flg.  3  a  abgebildet  werden.  An  abgeriebenen  Stellen  dieser  Ausfüllungsmasse 
nimmt  man  einen  Theil  der  vierseitigen  Ambulacralplatten  wahr  (b),  an  deren  Seite  hier  und  da  noch  kleine 
längliche  Gruben  die  Stellung  der  Papillen  bezeichnen  (c). 

*)  Zeitsch.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1863.  Bd.  XV.  p.  360.  Taf.  8.  fig.  5. 
**)  Foss.  Echinodernien  d.  nördl.  Deutschi.  I.  Bonn,  1869.  p.  5.  6. 


Unter  den  von  Forbes  beschriebenen  Arten  nähert  sich  Goniaster  (Astrogonium)  Coombii  Forb. 
(a.  a.  0.  p.  334.  Tab.  23.  fig.  6)  aus  der  unteren  Kreide  von  England  dieser  Art  wohl  am  meisten,  doch 
besitzt  er  schlankere  Arme  und  das  Verhältniss  seiner  Radien  ist  wie  1:273.  Zur  Unterscheidung  von 
Stellaster  Schulsei  (Asterias  Schulzii  Aut.)  sei  erwähnt,  dass  sich  bei  dieser  Art  der  kleine  Radius  zum 
grossen  verhält,  wie  1 : 2  */s  und  dass  eine  jede  seiner  stumpfwinkelig  ausgerundeten  Seiten  mit  einer  weit 
grösseren  Anzahl  (bis  50)  schmälerer  Randtafeln  besetzt  ist. 

Ich  widme  diese  neue  Art  dem  Andenken  meines  verstorbenen  Freundes  Ernst  von  Otto,  dessen 
eifrige  Forschungen  im  Gebiete  unseres  Quadersandsteines  und  insbesondere  der  bei  Dippoldiswalda  auftretenden 
Ablagerungen  auf  die  Verleihung  dieses  Grosskreuzes  der  Paläontologen  gerechtesten  Anspruch  hatten. 

Vorkommen.  Diese  Art  gehört  dem  unteren,  cenomanen  Quader  von  Oberhässlich  bei  Dippoldis- 
walda an  und  findet  sich  wahrscheinlich  auch  unter  den  aus  dem  gleichalterigen  Sandsteine  des  Tharander 
Waldes  in  auswärtigen  Sammlungen  zerstreueten  Seesternen. 

2.  St.  Plauensis  Gein.   -  Taf.  21.  Fig.  3-14. 

Die  in  dem  Pläner  von  Plauen  am  gewöhnlichsten  vorkommenden  Platten  von  Seesternen  gehören 
einer  zunächst  mit  Asterias  quinqueloba  Goldf.  nahe  verwandten  Art  an,  die  man  in  Deutschland  bisher 
davon  nicht  unterschieden  hat,  da  sich  auf  ihrer  Oberfläche  gleichfalls  eine  siebartig  durchlöcherte  Ober- 
schicht von  einem  fein  punktirten  Rande  unterscheiden  lässt.  Bei  einem  Vergleiche  mit  den  Abbildungen 
bei  Goldfuss  (Petr.  Germ.  I.  Taf.  63.  fig.  5  a.  b.  c),  mit  deren  Beschaffenheit  die  Exemplare  aus  der 
oberen  Kreide  von  Rügen  sehr  genau  übereinstimmen,  erkennt  man  jedoch  einen  .wesentlichen  Unterschied 
von  den  Plauenschen  Exemplaren.  Es  ist  bei  den  letzteren  der  Rand ,  von  welchem  sich  jene  Oberschicht 
scharf  abtrennt,  allermeist  weit  schmäler,  als  bei  Asterias  quinqueloba  der  senonen  Kreideablagerungen.  Auf 
dieser  siebartig  durchlöcherten  Schicht  stehen  die  runden  Poren  einander  bald  näher  bald  entfernter,  wie  diess 
auch  bei  Stellaster  quinqueloba  Goldf.  sp.  der  Fall  ist,  in  Form  und  Grösse  weichen  die  Tafeln  von  beiden 
Arten  nicht  von  einauder  ab.  Es  herrschen  vierseitige  Tafeln  vor,  mit  einer  derartigen  Wölbung,  dass  die  eine 
Seite  zugeschärft,  die  gegenüberliegende  abgestumpft  ist.  Die  Fig.  5  und  6  abgebildeten  grösseren  Tafeln 
haben  nach  Analogie  mit  Asterias  quinqueloba  Goldf.  die  vorletzten  Tafeln  der  wahrscheinlich  kurzen  Arme 
gebildet,  woran  vielleicht  als  letztes  Glied  das  Fig.  14  abgebildete  dreieckige  Täfelchen  gestossen  ist. 

Vorkommen.  Häufig  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  sowie  auf  dem  Gamighügel  bei  Leubnitz  und 
bei  dem  Kammergute  Gross-Sedlitz. 

Oreaster  Müller  u.  Troschel,  1842.     (Goniaster  Ag.  z.  Th.) 

Die  Unterseite  -dieser  fünfstrahligen  Seesterne  ist  platt,  die  Rückenseite  mehr  oder  weniger  bergartig 
erhaben,  die  Arme  sind  auf  der  Mitte  entweder  in  einen  Kiel  erhoben ,  mehr  oder  weniger  dreiseitig ,  oder 
doch  stark  gewölbt.  Am  Seitenrande  zwei  Reihen  grosser  granulirter  Platten,  der  Rand  wird  jedoch  nur  von 
einer  dieser  Reihen,  der  oberen,  eingenommen,  so  dass  die  ventralen  Randplatten  schon  auf  der  Bauchseite 
liegen.  Der  übrige  Körper  ist  mit  kleineren  oder  grösseren  Platten  besetzt,  welche,  wie  auch  die  Seiten- 
platten, entweder  blos  granulirt  sind,  oder  zugleich  Tuberkeln  tragen,  die  mehr  oder  weniger  stachelartig 
werden.  Porenfelder  zwischen  den  Platten  des  Rückens  gekörnt  mit  vielen  Poren.  Pedicellaren  sitzend, 
entweder  klappenartig  oder  zangenartig.     After  subcentral.     (Nach  Müller  u.  Troschel.) 


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Es  kommen  im  Pläner  von  Plauen  zahlreiche  Platten  vor,  die  zu  Oreaster  gehören,  und  sowohl  mit 
lebenden  Arten  als  auch  mit  den  von  Forbes  beschriebenen  nahe  Verwandtschaft  zeigen.  Ganze  Seesterne 
sind  indess  bei  Plauen  noch  nicht  gefunden  worden. 

1.  0.  thoracifer  Gein.  —  Taf.  22.     Fig.  1  — 15.     16—25? 

a.  Die  unter  1  —  15  abgebildeten  Platten,  welche  den  Typus  der  Art  bezeichnen,  gehören  sämmtlich 
dem  Rande  an.  Sie  sind  quer-verlängert,  an  ihrer  äusseren,  in  den  Abbildungen  unteren  Seite 
gerade  abgestutzt,  an  ihrer  inneren,  in  den  Abbildungen  oberen  Seite  schief  abgeschnitten  und 
ringsum  mit  zahlreichen  Gelenkfiächen  versehen.  Ihre  frei  liegende  Fläche  gleicht  einem  halben 
Brustharnisch,  worauf  sich  der  Name  bezieht.  Sie  ist  hochgewölbt,  fast  diagonal  gekielt  und  hier 
mit  mehreren  hohen,  warzenförmig  gerundeten  Tuberkeln  versehen.  Diese  sind,  wie  die  ganze 
freiliegende  Oberfläche,  mit  Ausnahme  eines  schmalen  Randes,  mit  grösseren  runden  Poren  bedeckt, 
welche  ziemlich  entfernt  liegen  und  eine  quincunciale  Anordnung  zeigen.  An  dem  von  einer 
Furche  begrenzten  Rande  sind  die  Poren  weit  kleiner  und  enger  gestellt. 

Unter  den  vorliegenden  Randtafeln,  welche  theilweise  der  rechten,  theilweise  der  linken 
Seite  des  Armes  angehören,  weichen  Fig.  12  und  13  durch  das  geringere  Hervortreten  ihrer 
Tuberkeln  von  der  gewöhnlichen  Form  etwas  ab,  bei  Fig.  14  und  15  sind  die  Tuberkeln  durch 
Abreibung  verloren  gegangen. 

Unsicherer  ist  die  Zugehörigkeit  der  Fig.  16  abgebildeten  Platte  zu  dieser  Art,  da  sie  durch 
ihre  mehr  vierseitige  Form  und  regelmässigem  Wölbung  von  den  anderen  abweicht.  Sie  trägt 
nur  einen  Tuberkel  in  der  Nähe  des  Randes. 

b.  Die  Fig.  17—25  abgebildeten  Scheibenplatten,  welche  nur  provisorisch  zu  Oreaster  thoracifer 
gezogen  werden  können,  nehmen  sehr  verschiedene  Gestalten  -an,  Sie  nähern  sich  mehr  oder 
weniger  der  Form  eines  Pistills,  mit  längerem  oder  kürzerem,  durch  zahlreiche  Gelenkflächen  viel- 
kantigem Stiele,  während  ihre  frei  liegende  Fläche  mehr  oder  minder  hoch  gewölbt  und  mit  Poren 
von  derselben  Beschaffenheit  und  Grösse,  wie  bei  den  unter  a  beschriebenen  Randtafeln,  bedeckt 
ist.  Andere  sind  dagegen  weit  niedriger,  besitzen  eine  nur  wenig  vorstehende  Basis,  an  welcher 
man  meistens  vier  Gelenkflächen  zählt  (Fig.  21.  22)  und  eine  geringere  Wölbung  der  Oberfläche 
Möglicher  Weise  sind  einige  derselben,  wie  Fig.  21 — 23,  die  Scheibenplatten  des  Stellaster 
Planensis. 

Im  Allgemeinen  erinnern  diese  Scheibenplatten  aber  sehr  an  die  von  Oreaster  Boysii  und  Or. 
pistilliformis  Forbes  (a,  a.  0.  p.  328.  329.  Täf.  21.  fig.  6  und  15)  aus  der  oberen  Kreide  von  Kent,  ohne 
damit  identisch  zu  sein. 

Vorkommen.     Hier  und  da  nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

2.  0.  decoratus  Gein.  -  Taf.  22.     Fig.  26—33.     Taf.  23.     Fig.  1—6. 

Die  unter  diesem  Namen  zusammengefassten  Tafeln  weisen  auf  eine  Art  hin ,  welche  dem  Oreaster 
coronatus  Forbes  (a.  a.  0.  p.  327.     Tab.  21.     fig.  7)  verwandt  ist. 

a.  Die  Rand  tafeln  (Fig.  26—30)  sind  länglich,  an  ihrem  äusseren  (in  den  Abbildungen  unteren) 
Rande  abgestutzt,  an  dem  inneren  (in  den  Abbildungen  oberen)  Rande  in  eine  mittlere  Ecke  vor- 
springend, an  ihren  dicken  Seitenwänden  ringsum  mit  ebenen  oder  vertieften  Gelenkflächen  ver- 
sehen, an   der  flachen  Basis   verengt   und   zum   Theil    eingeschnürt.     Die   freiliegende   Oberfläche 


-      90     — 

zeigt  an  ihren  längeren  Seiten  meist  eine  unregelmässige  Furche  und  ist  von  einer  grösseren  An- 
zahl grosser  runder  Warzen  bedeckt,  deren  flach  eingedrückter  Scheitel  in  der  Mitte  durchbohrt 
ist,  zur  Aufnahme  von  kegelförmigen  Stacheln.  Diese  Platten  sind  den  Randplatten  des  Goniaster 
Smithü  Forbes  (a.  a.  0.  p.  334.  Tab.  22.  fig.  12)  nicht  unähnlich. 

b.~  Die  hiermit  vereinbaren  Scheibenplatten  sind  im  Allgemeinen  schildförmig  und  von  rundlichem, 
vier-  bis  sechsseitigem  Umriss,  an  ihrer  Basis  entweder  flach-vertieft  (Taf.  22.  Fig.  31 — 33)  oder 
mit  stumpfwinkelig  an  einander  stossenden  Flächen  versehen  (Taf.  23,  Fig.  1 — 6),  während  sich 
die  gewölbte  'Oberfläche  in  ihrer  Mitte  zu  einer  ganz  ähnlichen  runden,  meist  eingedrückten  und 
durchbohrten  Warze  erhebt,  wie  sie  auf  den  Randplatten  zu  finden  sind.  Neben  der  mittleren 
Warze  stellen  sich  zuweilen  noch  einige  ähnliche  kleinere  Warzen  oder  Höcker  ein,  welche  un- 
regelmässig gestellt  sind.  Der  um  die  mittlere  Warze  befindliche  Raum  zeigt  eine  fein-grubige 
Beschaffenheit  und  verbreitet  sich  strahlenförmig,  oft  mit  6  flachen  Furchen,  bis  an  den  Rand  der 
Tafel.  Diese  Furchen  sind  nach  inneu  hin  oft  von  hufeisenförmigen  Wülsten  begrenzt  (Taf.  22, 
Fig.  31,  32).  Etwas  unregelmässiger  erscheint  die  Oberfläche  derjenigen  Tafeln,  deren  Basis  nicht 
eben,  sondern  mehr  stumpf-dachförmig  oder  überhaupt  mehr  erhaben  ist  (Taf.  23,  Fig.  1 — 6),  und 
diese  gerade  zeigen  am  meisten  Aehnlichkeit  mit  den  Scheibentafeln  des  Or.  coronatus  Forbes  aus 
der  oberen  Kreide  von  England. 

Vorkommen.     In  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

3.  0.  simplex  Gein.  —  Taf.  21.     Fig.   15—20. 

Die  Randplatten  dieser  Art  haben  zum  grössten  Theile  einen  rhombischen  oder  elliptischen  Umfang, 
sind  auf  ihrer  freiliegenden  Seite,  hoch  gewölbt  und  auf  ihrem  Gipfel  mit  einer  glatten  schüsseiförmigen  und  nicht 
durchbohrten  Vertiefung  versehen,  zur  Einlenkung  eines  kegelförmigen  Stachels,  wie  bei  einer  uns  vorliegenden 
lebenden  Art  von  unbekanntem  Fundorte.  Die  ganze  übrige  Oberfläche  ist  mit  gleichgrossen  runden  Poren  oder 
Gruben  besetzt,  die  weit  enger  beisammen  stehen,  als  bei  den  vorher  beschriebenen  Arten,  und  sich  in  con- 
centrischen  Kreisen  um  die  grosse  mittlere  Gelenkfläche  anordnen. 

Die  mit  vielen  ovalen  Gelenkflächen  versehene  Basis  ist  nach  unten  keilförmig  verengt  (Fig.  17  b  u.  s.  w.). 

Yorkommen.     Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

4.  0.  perforatus  Gein.  —   Taf.  21.  Fig.  21,  22;  Taf.  23.  Fig.  7. 

Die  Randplatten  dieser  Art  haben  den  rhombischen  oder  elliptischen  Umriss,  die  ähnliche  Wölbung 
der  Oberfläche  und  die  schüsseiförmige  Vertiefung  einer  grossen  kreisrunden  Gelenkfläche  am  Scheitel  mit 
der  vorigen  Art  gemein,  unterscheiden  sich  jedoch  davon  durch  ihre  fast  glatte  Beschaffenheit  und  durch  das 
Vorhandensein  einiger  kleinen  tiefen  Löcher,  die  sich  in  der  Nähe  der  längeren  Seiten  in  die  Oberfläche  ein- 
senken. Die  Stellung  derselben  entspricht  in  Fig.  21  den  Diagonalen  eines  Quadrates  oder  einem  liegenden  Kreuze. 

Dazu  mag  als  Scheibenplatte  das  Taf.  23.  Fig.  7  abgebildete  Stück  gehören,  welches  bei  stumpf- 
siebenkantigem  Umriss  eine  grössere  Anzahl  ähnlicher  Löcher  zeigt,  die  eine  unregelmässige  Anordnung  be- 
sitzen. Die  am  Rande  vorspringenden  Ecken  lassen  undeutliche  Gelenkflächen  erkennen;  in  dem  erhobenen 
Scheitel  findet  sich  nur  eine  kleine  Grube,  wie  sie  in  ähnlicher  Weise  auch  an  den  Randplatten  vorkommt, 
die  verengte  Basis  ist  stumpf. 

Yorkommen.     Sehr  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 


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3.  Crinoidea.  Haarsterne. 

Der  Körper  der  Haarsterne  ist  mehr  oder  weniger  kugel-,  kegel-  bis  becherförmig  und  heisst  Kelch. 
Er  besteht  aus  mehreren  Reihen  von  Gliedern  oder  Täfelchen,  welche  in  Kreisen  übereinander  liegen  und 
von  welchen  im  Umkreise  die  gegliederten  Arme  ausstrahlen.  Der  Mund  liegt  in  der  Mitte  der  Bauchseite 
oder  oberen  Seite,  welche  der  unteren  Seite  der  Seeigel  entspricht,  während  der  Scheitelapparat  der 
Seeigel  das  Analogon  für  die  Basis  der  Crinoideen  ist  (Vgl.  H.  E.  Beyrich,  über  die  Basis  der  Crinoidea 
brachiata,  in  Monatsber.  d.  K.  Ak.  d.  Wiss.  zu  Berlin,  Febr.  1871). 

a.  Ungestielte  Haarsterne. 

Glenotremites  Goldfuss,  1826—1833. 

Eine  mit  Comatula  Lam.  und  Solanocrinites  Goldf.  zunächst  verwandte  Gattung,  welche  mit  diesen 
zu  den  ungestielten  Crinoideen  gehört. 

Der  Kelch  ist  halbkugelig  öder  niedergedrückt,  und  besitzt  einen  kreisrund-fünfseitigen  Umriss.  Die 
gewölbte  Rückenseite  ist  dicht  besetzt  mit  vertieften  Gelenkflächen,  welche  eine  unregelmässige  oder  quin- 
cunciale  Anordnung  haben,  nicht  in  geradlinigen  Reihen  stehen,  wie  dies  bei  Solanocrinns  der  Fall  ist.  Die- 
selben haben  zur  Befestigung  sogenannter  Hilfsarme  oder  Ranken  gedient,  welche  den  Ranken  an  der  Säule 
der  gestielten  Crinoiden  entsprechen,  und  sind  zwischen  ihrer  Mitte  und  dem  oberen  Rande  von  einer  runden 
Oeffnung  durchbohrt,  welche  dem  Nahrungskanale  dieser  Ranken  entspricht.  Um  den  Scheitel  dieser  Fläche, 
welche  meist  eingedrückt,  bei  Fig.  8  aber  wohl  erhalten  ist,  gruppiren  sich  sternförmig  5  längliche  oder 
keulenförmige  Einschnitte,  welche  durch  ihre  Lage  der  Mündung  des  Hauptkanales  in  den  Säulengliedern 
gestielter  Crinoideen  entsprechen.  In  der  Nähe  des  einen  derselben  bemerkt  man_  Fig.  8.  b.  c.  eine  kleine 
dreilappige  Oeffnung,  welche  vielleicht  die  Lage  einer  Madreporenplatte  bezeichnet. 

Die  Bauchseite  ist  flach  vertieft  und  besitzt  in  der  Mitte  eine  rundliche  Mundöffnung  (Fig.  9.  c), 
um  die  sich  symmetrisch  5  tiefe  ovale  oder  lanzettförmige  Gruben  vertheilen,  die  man  als  Genitalöffnungen 
aufzufassen  pflegt.  An  einem  unserer  Exemplare,  wo  der  Mundrand  verbrochen  ist  (Fig.  8.  d),  erkennt  man, 
wie  jede  dieser  länglichen  Gruben  aus  zwei  hintereinander  liegenden  besteht,  also  entsprechend  der  Abbildung 
bei  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  Taf.  51.  fig.  1.  b,  und  neben  denselben  noch  jederseits  eine  Reihe  von  kleinen 
Gruben  sich  findet,  welche  für  Fühler  bestimmt  sein  mochten. 

Zwischen  diesen  Genitalöffnungen  ziehen  sich  von  dem  Munde  aus  bis  an  den  äusseren  Rand  der 
Bauchfläche  die  Gelenkflächen  für  die  5  Arme  des  Glenotremites.  welche  Goldfuss  als  Fühlergänge  bezeichnet 
hat.  Sie  bilden  fast  glatte,  von  einer  seitlichen  Furche  begrenzte  Streifen,  in  welchen  Poren,  die  Goldfuss  darin  zu 
erkennen  glaubte,  fehlen.    Der  sie  trennende  Raum  hat  eine  sehr  fein  granulirte  oder  grubige  Beschaffenheit. 

1.  Gl.  paradoxus  Goldf. 

1826—1833.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  p.  159.  Taf.  49.  fig.  9;  Taf.  51.  fig.  1. 
1851  —  1852.     Bronn,  Leth.  geogn.  V.  p.  177.  Taf.  29.  fig.  14. 

Der  Kelch  ist  halbkugelig,  auf  seiner  Rückenseite  mit  grossen,  an  ihrem  Rande  strahlig  gezeichneten 
Gelenkflächen  für  Ranken  bedeckt.  Die  Gelenkflächen  für  die  Arme  auf  der  Bauchseite  verschmälern  sich 
nach  dem  äusseren  Rande  hin  und  haben,  nach  der  Abbildung  von  Goldfuss  zu  schliessen,  eine  mehr  lanzett- 
förmige Gestalt.     Grösse  kaum  5  mm. 

Vorkommen.     Im  Kreidemergel  bei  Speidorf  zwischen  Duisburg  und  Mühlheim  an  der  Ruhr. 


-      92     — 

2.  Gl.  Schlueterianus  Gein.  —  Taf.  23.  Fig.  8.  9. 

Der  Kelch  ist  niedergedrückt  —  halbkugelig,  hat  einen  rundlich-fünfseitigen  Umriss  und  ist  mit 
grossen  rauhen  Gelenkflächen  für  Eanken  bedeckt.  Die  Gelenkflächen  für  die  Arme  auf  der  Bauchseite  er- 
weitern sich  bis  an  den  Rand  hin  und  enden  hier  stumpf.  Sie  sind  fast  eben  und  längs  ihrer  Mitte  zuweilen 
undeutlich  gefurcht  (Fig.  9  c).    Durchmesser  wenig  über  5  mm. 

Vorkommen.  Die  beiden  vorliegenden  Exemplare  stammen  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 
Sie  sollen  den  Namen  des  Dr.  Gl.  Schlüter  in  Bonn  tragen,  dem  wir  schon  so  viele  werthvolle  Mittheilungen 
über  fossile  Strahlthiere  verdanken  und  welcher  demnächst  auch  seine  Beobachtungen  über  Glenotremiten 
veröffentlichen  wird  (N.  Jahrb.  1870.  p.  957). 

3.  Gl.  rosaceus  Gein.  —  Taf.  23.  Fig.  10. 

Der  Kelch  ist  sehr  niedergedrückt  und  hat  einen  deutlich-fünfseitigen  Umriss.  Bei  wenig  über  5  mm. 
Durchmesser  ist  er  noch  keinen  mm.  hoch.  Die  Rückenfläche  ist  mit  zahlreicheren  und  kleineren  Gelenk- 
flächen für  Ranken  bedeckt,  als  bei  den  vorigen.  Sie  zeigen  eine  ähnliche  spirale  Anordnung  wie  die  Blätter 
einer  gefüllten  Rose  oder  die  Blüthchen  auf  dem  Fruchtboden  einer  Compositee.  Die  Gelenkflächen  für  die 
Arme  auf  der  Bauchseite  bilden  breite,  sich  bis  anöden  Aussenrand  erweiternde  Streifen,  welche  längs  ihrer 
Mitte  flach  ausgefurcht  sind. 

Vorkommen.     Bis  jetzt  ist  nur  ein  Exemplar  im  unteren  Pläner  von  Plauen  gefunden  worden. 

b.  Gestielte  Haarsterne. 
JPentacrinus  Miller,  1821. 
1.  P.  lanceolatus  Ad.  Rom.  —  Taf.  2.3.  Fig.  12.  13. 

1841.    A.  Römer,  d.  Verst.  d.  nordd.  Kreidegeb   p.  27.  Taf.  6.  fig.  3. 
1846.    Reuss,  d.  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  II.  p    59. 
1849—1850.     Geinitz,  Quad.  Deutsch!,  p.  228. 

Wir  kennen  aus  dem  Elbthale  nur  niedrige  Glieder  einer  stumpf-fünfkantigen  Säule,  welche  zwischen 
den  Kanten  eingedrückt  sind  und  einen  sehr  engen,  runden  Kanal  besitzen,  dessen  Rand  oft  ein  wenig  er- 
höhet ist.  Ihre  Gelenkfläche  zeigt  5  bis  nahe  dem  Rande  laufende  Blätter,  die  jederseits  von  5  bis  7  kurzen, 
zahnartigen  Leisten  begrenzt  werden,  von  welchen  die  in  der  Mitte  der  Reihe  befindlichen  am  längsten  sind. 
Mehrere  derselben  stossen  mit  den  Leisten  der  benachbarten  Reihe  zusammen,  und  sind  von  diesen  nur  durch 
eine  schwache  Furche  getrennt.  Der  Umfang  der  Säulenglieder  ist  stumpf-gekielt.  An  einzelnen  dieser  Glie- 
der treten  zwischen  jeder  der  Kanten  Gelenkflächen  für  Ranken  oder  Hülfsarme  auf  (Fig.  12),  in  deren 
Mitte  sich  eine  punktförmige  Oeffnung  einsenkt,  während  sich  jederseits  ein  rundlicher  Höcker  erhebt. 

Vorkommen.  Als  Seltenheit  im  unteren  Pläner  von  Plauen  bis  6  mm.  gross,  in  der  Regel  weit  kleiner. 
Nach  Reuss  in  dem  kalkigen  Conglomerate  von  Kutschlin  bei  Bilin,  welches  dem  unteren  Planer  entspricht; 
nach  Römer  in  der   oberen  Kreide   von  Rügen   und   in   den  Feuersteingeschieben   der   norddeutschen  Ebene. 

Antedon  Sars,  1868.  —  Vgl.  IL  1.  Hft. 

A.  Fischeri  Gein.  —  Taf.  23.  Fig.  11. 

Unsere  Abbildung  zeigt  ein  Säulenglied  dieser  Art,  welche  im  unteren  Pläner  von  Plauen  sehr  selten 
ist,  dagegen  häufiger  im  Plänerkalke  von  Strehlen  gefunden  wird.  Wir  behalten  uns  daher  eine  nähere  Be- 
schreibung ihrer  Ueberreste  bis  zu  dem  zweiten  Theile  vor. 


Index  generum  et  specierum. 


(Die  hier  beschriebenen  Arten  sind  mit  Cursivschrift,  die  Synonyme  und  nur  Leilänng'  genannten  Arten  in  gewöhnlicher  Schrift.) 


Antedon  Sars.  92. 
A.  Fischeri  Gein.  92. 
Arbacia  granulosa  Ag.  75. 
Asterias    qtünqueloba    Goldf. 

86.  88. 
A.  Schulzii  Cotta  &  Reich.  87. 
A.  tuberculifera    Drescher  87. 
Asteroidea.  86. 

Astrogonium  M.  u.  Tr.  86.  87. 
Cassidulidea  Ag.,  Des.  80. 
Catopygus  Ag.  81. 
C.  Albensis  Gein.  82. 
C.  carinatus  Goldf.  sp.  81. 
C.  columbarius  d'Orb.    81.  82. 
Cidaridea.  64. 
Cidaris  Klein.  65.  69. 
C.  cenomanensis  Cott.  68. 
C.  clavigera  Gein.  68. 
C.  Dixoni  Cott.  69. 
C.  perforata  A.  Rom.  65. 
C.  Sorigneti  Des.  68. 
C.  vesiculosa  Goldf.  65. 
Cidarites  Aut.  65. 
C.  granulosus  Goldf.  72. 
C.  variolaris  Goldf.  73. 
Codiopsis  Ag.  74. 
C.  Domo,  Desrnar.  sp.  74. 
C    pisum  Des.  74. 
Cottaldia  Des.  75. 


C.  Btiiettiae  König  sp.  75. 

C.  granulosa  Des.  75. 

Cyphosoma  Ag.  71. 

C.  cenomanense  Cott.  73. 

C.  granulosum   Goldf.  sp.   72. 

C.  Koenigi  Mant.  sp.  72. 

C.  Milleri  Br.  72. 

C.  radiatum  Sorignet.  72. 
G.  subcompressum  Cott.  73. 
Grinoideq.  91. 

Diadema  granuläre  Ag.  71. 
Diadematidea  Cott.  70. 
Discoidea  Klein.  78. 

D.  subuculus  Kl.  78. 
Ecliinideen.  64. 
Echinoidea.  64. 
Echinoconidea  Cott.  77. 
Echinocoridea  Cott.  83. 
Echinoneidea  Cott.  79. 
Echinus  granulosus  Mün.  75. 
Epiaster  d'Orb.  85. 

E.  distinctus  Ag.  sp.  85. 
Galeridea  Des.  77. 
Galerites  subuculus  Goldf.  78. 
Glenotremites  Goldf.  91. 

G  paradoxus  Goldf.  91. 
G.  rosaceus  Gein.  92. 
G.  Schlueterianus  Gein.  92. 
Goniaster  Ag.  86.  87. 


Goniodiscus  M.  &  Fr.  86.  87. 

G.  Becksii  Schlüter.  87. 

Haarsterne.  91. 

Hemiaster  Des.  85. 

H.  cenomanensis  Cott.  85. 

Hemipedina  granularis  Cott.  71. 

Holaster  Ag.  83. 

H.  carinatus  Lam.  sp.  84. 

H.  cenomanensis  d'Orb.  84. 

H.  suborbiciüaris  Defr.  84. 

Laterna  Aristotelis  64.  66. 

Micraster  distinctus  Ag.  85. 

Nueleolites  Lam.  80. 

N.  carinatus  Goldf.  81. 

N.  Fischeri  Gein.  80. 

Oreaster  M.  &  Tr.  88. 

0.  decoratus  Gein.  89. 

0.  perforatus  Gein.  90. 

0.  simplex  Gein.  90. 

O.  tlwracifer  Gein.  S9. 

Orthopsis  Cott.  71. 

0.  granularis  Ag.  sp.  71. 

Pentacrinus  Mill.  92. 

P.  lanceolatus  A.  Rom.  92. 

Physosoma  granulosum. Des.  72. 

Pseudodiadema  Des.  70. 

P.  variolare  Bgt.  sp.  70. 

P.  Roissyi  Cott.  70. 

P.  granuläre  Des.  71. 


Pygaster  Ag.  77. 

P.  truncatus  Ag.  77. 

Pygorhynchus  rostratus.Gein.83. 

Pygurus  Ag.  83. 

P.  Lampas  de  la  Beche  sp.  S3. 

P.  oviformis  d'Orb.  83. 

Pyrina  des  Moul.  79. 

P.  Besmoulinsi  d'  Arch.  79. 

P.  inflata  d'Orb.  80. 

Badiata.  64. 

Salenia  Gray.  76. 

S.  liliputana  Gein.  76. 

S.  rugosa  d'Arch.  76. 

S.  scutigera  Goldf.  76. 

Salenidea  Wright.  76. 

Seeigel.  64. 

Seesterne.  86. 

Spatangidea  Cott.  85. 

Spatangoidea  Des.  83. 

Spatangus  nodulosus  Goldf.  84. 

Stellaster  Gray.  86. 

St.  Becksi  Schlüter  sp.  87. 

St.  Ottoi  Gein.  87. 

St.  Plauensis  Gein.  88. 

St.  guinqueloba  Goldf.   sp.  68. 

St.  Schulzei  C.  &  R.  sp.  87. 

St.  tuberculifer  Drescher  sp.  87. 

StrahltMere.  64. 

Trematopygus  d'Orb.  80. 


Palaeontographica  XX.   3. 


Druck  von   Malllau  &  "Waldschn-.idt.     Frankfurt  a.  M. 


A.  Die  Bryozoen  des  unteren  Quaders. 

1.    Allgemeine  Bemerkungen. 

Die  cenomane  Periode  scheint  dem  Leben  und  Gedeihen  der  Bryozoen  im  Allgemeinen  günstig  ge- 
wesen zu  sein,  denn  die  Ablagerungen  dieser  Epoche  bieten  überall,  wo  die  Beschaffenheit  der  abgelagerten 
Massen  die  Erhaltung  kalkiger  Fossilreste  überhaupt  gestattete,  eine  grosse  Mannigfaltigkeit  derselben  dar. 
Ich  brauche  nur  auf  das  Cenoman  Frankreichs,  die  Mergel  von  Essen  an  der  Ruhr,  den  unteren  Pläner  Böhmens 
u.  s.  w.  hinzuweisen.  Nur  wo  das  fossilfühlende  Gestein  sandiger  Natur  ist  und  eine  sehr  reichliche  und 
rasche  Wassercirculation  befördert,  fehlen  auch  die  Bryozoen  ganz  oder  sind  doch  unkenntlich  und  zur  näheren 
Bestimmung  untauglich  geworden. 

Auch  das  sächsische  Cenoman  bietet,  wie  aus  den  nachfolgenden  Blättern  hervorgeht,  eine  grosse 
Mannigfaltigkeit  hierher  gehöriger  Formen  dar  und  ihre  Zahl  würde  sich  ohne  Zweifel  noch  weit  grösser  er- 
weisen, wenn  ihr  Erhaltungszustand  durchgehends  einer  genauen  Bestimmung  der  Gattungen  und  Arten  günstig 
wäre  und  wenn  man  immer  den  Bryozoen,  besonders  den  incrustirenden  Arten,  welche  in  grosser  Anzahl, 
wenngleich  meistens  weniger  gut  erhalten,  die  Austern-  und  Exogj  ren-Schalen  überziehen,  eine  vorwiegende 
Aufmerksamkeit  geschenkt  hätte.  Die  meisten  der  untersuchten  Arten  stammen  aus  dem  kalkigen  Cenoman 
von  Plauen,  einem  Gesteine,  das  zur  Conservirung  zarterer  Fossilreste  noch  am  geeignetsten  war.  Eine  viel 
geringere  Anzahl  ist  anderen  Fundorten  entnommen  z.  B.  dem  Gamighügel  hei  Leubnitz  u.  a.  Dieselben 
sind  aber  in  den  meisten  Fällen  durch  den  Versteinerungsprozess   mehr  oder  weniger   unkenntlich  geworden. 

Der  grösste  Theil  des  untersuchten  und  beschriebenen  Materiales  gehört  dem  Kön.  mineralogischen 
Museum  in  Dresden  an  und  wurde  mir  von  meinem  hochverehrten  Freunde,  Prof.  Dr.  Geinitz,  zur  Bearbeitung 
überlassen.  Eine  nicht  unbeträchtliche  Zahl  vorzüglich  incrustirender  Arten  aus  den  Familien  der  Membrani- 
porideen  und  Celleporideen  verdanke  ich  auch  der  Güte  des  Herrn  Prof.  A.  Stelzner,  welcher  mir  dieselben 
schon  vor  mehreren  Jahren  gütigst  mitgetheilt  hatte. 

üeber  die  geologischen  Verhältnisse  der  Lagerstätten  unserer  Bryozoen  brauche  ich  mich  nicht  näher 
auszusprechen,  da  schon  Prof.  Geinitz  im  ersten  Hefte  des  Werkes  über  das  Elbthalgebirge  Sachsens  in  aus- 
führlicher und  erschöpfender  Weise  darüber  gehandelt  hat.  Mir  erübrigt  nur  noch,  einige  Bemerkungen  über 
die  Charaktere  der  beschriebenen  Bryozoenfauna  beizufügen. 

Dieselbe  umfasst  bisher  69  Arten,  von  welchen  22  den  Chilostomen,  47  (d.  h.  mehr  als  die  doppelte 
Anzahl  den  Cyclostomen  angehören.  Die  artenreichsten  Gattungen  sind  aus  dem  Gebiete  der  ersteren:  Mem- 
branipora,  Lepralia  und  Eschara,  aus  der  zweiten  Abtheilung  Proboseina,  Berenicea,  Entalophora  und  Ceriopora. 


—     98     — 

Die  grösste  Zahl  der  Individuen  bieten  dar:  Membranipora  irregularis,  Eschara  heteromorpha, 
Proboscina  subclavata,  Stomatopora  divaricata,  Diastopora  Oceani,  mehrere  meist  schlecht  erhaltene  Berenicea- 
Arten,  Meliceritites  gracilis,  Heteropora  coronata,  Petalopora  Dumonti,  Desmeopora  setnicylindrica,  Geriopora 
substellata  und  Badiopora  stellata.  Da  die  meisten  der  chilostomen  Bryozoen  bisher  nur  vereinzelt  aufgefunden 
worden  sind,  was  aber  wohl  theilweise  in  zufälligen  Verhältnissen  begründet  sein  mag,  so  wird  der  Charakter 
der  Fauna  vorzugsweise  durch  die  cyclostomen  Formen  bezeichnet.  Dieselbe  zeigt  übrigens  eine  grosse 
Uebereinstimmung  mit  der  Bryozoenfauna  der  Cenomanschichten  anderer  Gegenden,  welche  sich  aber  nicht 
überall  im  ganzen  Umfange  erfassen  lässt  wegen  theilweise  unvollständiger  Bekanntschaft  mit  den  fossilen 
Bryozoen  mancher  dieser  Fundorte. 

Am  längsten  bekannt  —  schon  durch  Goldfuss  und  A.  Römer  beschrieben  —  ist  ein  Theil  der 
Bryozoen  von  Essen  an  der  Ruhr.  Neuerdings  hat  Simonowitsch  *)  dieselben  zum  Gegenstande  einer  Mono- 
graphie gemacht,  von  welcher  jedoch  bisher  nur  die  erste  Hälfte  erschienen  ist,  so  dass  sich  der  Gesammt- 
umfang  der  Fauna  noch  nicht  ermessen  lässt.  Nach  dem  vorliegenden  Materiale  kehren  unter  den  Bryzoen 
des  sächsischen  Cenoman's  auch  bei  Essen  wieder  acht  Species:  Lepralia  inflata  Rom.  sp.,  Stomotopora 
divaricata  Goldf.  sp.,  Spiropora  verticillata  Goldf.  sp.,  Meliceritites  gracilis  Rom.,  Geriopora  substellata 
d'Orb.  sp.,  spongites  Goldf.  und  micropora  Goldf.  und  Badiopora  stellata  Goldf.  sp.,  von  welchen  vier  zu  den 
am  häufigsten  vorkommenden  Arten  gehören.  Ohne  Zweifel  ist  aber,  wie  sich  in  Zukunft  herausstellen  wird, 
die  Zahl  der  identischen  Species  noch  grösser. 

Sehr  beträchtliche  Analogie  verräth  ferner  die  Fauna  von  Plauen  mit  jener  des  unteren  Pläners  der 
Schillinge  bei  Bilin  in  Böhmen.  Dieselbe  ist  schon  ausgeprägt  in  der  Uebereinstimmung  zahlreicher  Spongien 
Cribrospongia  subreticulata  v.  M.  sp.,  Cr.  isopleura  Rss.  sp.,  Cr.  heteromorpha  Rss.  sp.,  Cr.  bifrons  Rss.  sp.,  Stelli- 
spongia  Betissi  Gein.,  Chenendopora  undulata  Mich.,  Elasmostoma  Normanianum  d'Orb.  sp.,  El.  consobrinum 
d'Orb.  und  Siphonia  piriformis  Goldf.2),  sowie  nicht  weniger  Mollusken  (z.  B.  Ostrea  Mppopodium  Nilss.,  Exogyra 
haliotoidea  Sow.,  E.  sigmoidea  Rss.,  E.  reticulata  Rss.  u.  s.  w.).  Aber  auch  mehrere  Bryozoen  sind  identisch, 
obwohl  diese  weniger  vertreten  sind  und  in  dem  festeren  Gesteine  einen  weniger  günstigen  Boden  für  ihre  Er- 
haltung gefunden  haben.  Ich  habe  schon  vor  langer  Zeit  bei  Bilin  nachgewiesen:  Membranipora  elliptica  v. 
Hag.,  M.  irregularis  v.  Hag.  sp.,  M.  tenuisulca  Rss.,  Lepralia  radiata  Rom.  sp.  und  L.  sulcata  Rss.,  Berenicea 
grandis  d'O.,  B.  confluens  Rom.,  Vincularia  Bronni  Rss.,  Spiropora  verticillata  Goldf.  sp.,  Ceriopora 
spongites  Goldf. 

Endlich  theilt  der  untere  Pläner  von  Plauen  noch  eine  nicht  unbeträchtliche  Zahl  von  Arten  mit  dem 
französischen  Cenoman,  besonders  von  Le  Mans,  wie  z.  B.  Diastopora  Oceani  d'O.,  Proboscina  angustata  d'O., 
Stomatopora  divaricata  Rom.  sp.,  Beptotubigera  virgula  d'O.,  Entalophora  Vmdinnensis  d'O.,  Spiropora 
verticillata  Goldf.  Sp.,  Truncatula  aciüeata  d'O.,  Ceriopora  spongites  Goldf.  und  C.  avellana  d'O.,  Heteropora 
surculacea  Mich.  Ohne  Zweifel  wird  dadurch  eine  grosse  Analogie  beider  Faunen  angedeutet,  wenngleich, 
nach  Orbigny's  Angaben  zu  schliessen,  jene  von  Le  Mans  einen  grösseren  Formenreichthum  zu  entfalten  scheint. 

Bei  der  Besprechung  der  Bryozoen  verschiedener  Tertiärablagerungen  wurde  schon  früher  mehrfach 
hervorgehoben,  dass  die  Fossilreste  dieser  Thierclasse  nicht  durchgehends  zur  scharfen  Charakterisirung  einzelner 
besonders  beschränkter  geologischer  Horizonte  verwendet  werden  können,  weil  sie  —  vielleicht  in  Folge  eines 


*)  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Bryozoen  des  Essener  Grünsandes.   Bonn  1871.    Mit  4  lith.  Tafeln. 
2)  Geinitz,  das  Elbthalgebirge  in  Sachsen  I.   Die  Seeschwänime  des  unteren  Quaders.  Cassel  1871. 


—     99     — 

intensiveren  Accomodationsvermögens  für  wechselnde  äussere  Verhältnisse  und  Einflüsse  —  nicht  selten  durch 
längere  Zeiträume  hindurch  fortexistirt  haben  und  daher  eine  ausgedehntere  verticale  Verbreitung  besitzen. 
Dieselbe  Erscheinung  tritt  auch  an  den  Bryozoen  des  sächsischen  Cenoman's  hervor.  Die  Zahl  der  Species, 
welche  dasselbe  mit  den  höheren  Kreideschichten  gemeinschaftlich  besitzt,  ist  nicht  unbeträchtlich.  So  kehren 
Membranipora  elliptica  und  irregularis,  Berenicea  grandis  und  confluens,  Meliceritites  gracilis,  Entalophora 
virgula,  Spiropora  verticillata,  Peripora  ligeriensis,  Osculipora  truncata,  Supercytis  digitata,  Desmeopora 
semicylindrica ,  Petalopora  Dumonti  (?),  Ceriopora  micropora  und  Heteroporella  collis,  theils  im  Kreidetuffe 
von  Maastricht  und  Falkenberg,  theils  in  der  Senonkreide  Rügen's,  Frankreichs  und  England's  wieder. 

Membranipora  concatenata,  Berenicea  grandis  und  confluens  findet  man  im  Böhmischen  und  Sächsischen 
Pläner,  Proboscina  radiolitorum  im  Französischen  Turon  wieder.  Die  letztgenannte  Species  liegt,  so  wie 
Membranipora  cincta,  Stomatopora  rugulosa  und  Proboscina  punctatella,  auch  in  den  Kreidemergeln  der  Gosau. 
Dagegen  ist  Berenicea  Clementina  von  d'Orbigny  bisher  nur  aus  dem  Französischen  Aptien  beschrieben 
worden. 

Endlich  bieten  die  cenomanen  Reste  der  Membranipora  subtilimargo,  der  Entalophora  pulchella  und 
vielleicht  auch  der  Badiopora  stellata  keine  Merkmale  dar,  welche  eine  Sonderung  von  den  tertiären  Formen 
dieser  Species  rechtfertigen  würden. x) 

2.  Aufzählung  und  Beschreibung  der  einzelnen  Arten. 

I.  Br.  chilostomata. 

Ueberrindend,  knollig  oder  frei  sich  erhebend,  lappig-  oder  baumförmig-ästig,  hornig  oder  kalkig,  ge- 
gliedert oder  ungegliedert,  Zellen  mehr  weniger  liegend,  nicht  röhrig,  nur  in  beschränktem  Umfange  am  vorderen 
Ende  gemündet,  meist  mit  beweglicher,  deckelartiger  Lippe  schliessbar.  Der  übrige  Theil  der  Zelle  durch 
eine  membranöse  oder  kalkige  Ausbreitung  (Zellendecke)  geschlossen,  welche  im  Fossilzustande  nur  im  zweiten 
Falle  erhalten  geblieben  ist. 

Alle  mir  aus  dem  Sächsischen  Cenoman  bekannten  Arten  dieser  Abtheilung  gehören  den  ungegliederten 
Formen  (Inarticulata)  an. 

1.  Farn.  Hippothoidea. 

Die  kriechenden  Zellenreihen  von  einander  entfernt,  sich  nicht  berührend. 

Mippothoa  Lamx. 

Die  Reihen  der  krug-  oder  birnförmigen  liegenden  Zellen  einfach,  ästig;  die  Aeste  aus  den  Zellen 
seitlich  hervorspriessend ;  ,die  Zellen  selbst  am  hinteren  Ende  mehr  oder  weniger,  mitunter  sehr  beträchtlich 
röhrenförmig  verdünnt. 


l)  Entalophora  pulchella  Rss.  ist  aus  den  Miocänschichten  Oesterreich-Ungarn's,  aus  dem  Mitteloligocän  von  Söllingen. 
und  aus  dem  Unteroligocän  von  Latdorf  bekannt;  Membranipora  subtilimargo  aus  dem  Oberoligocän  von  Astrupp  und  Bünde. 
Endlich  dürfte  auch  Badiopora  stellata  hierher  gehören,  wenn  sie  mit  den  miocänen,  ober-  und  mitteloligocänen  Formen  wirk- 
lich identisch  ist. 


—      100     — 

1.  H.  brevis  n.  sp.  —  Taf.  24.     Fig.   1. 

Leider  sind  die  spärlichen  mir  vorliegenden  Reste  nur  mangelhaft  erhalten.  Die  geraden  Zellenreihen 
sind  nur  wenig  verästelt,  stets  aber  entspringen  die  Aeste  unter  rechtem  Winkel,  indem  aus  beiden  Seiten 
der  Mutterzelle  je  eine  neue  Zelle  hervorspriesst.  Die  sehr  kleinen  Zellen  sind  eiförmig,  hochgewölbt,  am 
hinteren  Ende  nur  in  eine  sehr  kurze,  stielförmige  Verengerung  zusammengezogen,  mit  kleiner  quer-ovaler 
oder  rundlicher  Mündung  und  mit  je  5 — 6  flachen  kurzen  Radialstreifen  auf  jeder  Seite  der  Zellendecke. 

Ich  fand  diese  Species  nur  sehr  selten  auf  Schalen  von  Exogyra  haliotoidea  aufgewachsen. 

2 .  Fam .     Membran ip o r i d e a. 

Die  häutig-kalkige  oder  kalkige,  incrustirende,  meistens  einschichtige  Colonie  besteht  aus  liegenden, 
sich  am  Rande  rings  berührenden  Zellen. 

Membranipora  Blainv. 

Einschichtige  incrustirende  Ausbreitungen  flacher  Zellen  mit  erhabenem  Rande.  Die  Zellendecke  ist 
oft  ganz  oder  theilweise  häutig,  die  fossilen  Zellen  daher  oft  ganz  oder  in  weiterem  Umfange  geöffnet. 

a)  Zellen  weit  geöffnet,  Zellendecke  häutig. 

In  diese  Gruppe  gehört  überhaupt  eine  beträchtliche  Anzahl  sehr  verwandter  und  ähnlicher  Formen 
in  den  verschiedenen  Etagen  der  Kreide-  und  Tertiärformation,  welche  vielleicht  specifisch  nicht  von  einander 
zu  trennen  sind,  vielmehr  nur  Racen  derselben  Grundform  darstellen.  Da  aber  zur  bestimmten  Entscheidung 
der  Frage  ein  umfassendes  Material  erfordert  wird,  wie  es  mir  nicht  zu  Gebote  steht,  und  da  die  abweichenden 
Formen  grossentheils  auch  verschiedenen  geologischen  Horizonten  angehören,  so  ziehe  ich  es  vor,  dieselben 
vorläufig  noch  getrennt  zu  halten  und  mit  besonderen  Namen  zu  belegen,  um  mich  nicht  etwa  der  Gefahr 
ungerechtfertigter  Identificirungen  auszusetzen. 

1.  M.  dilatata  n.  sp.  —  Taf.  24.     Fig.  2. 

Einfache  Ausbreitungen  breit-hexagonaler,  bisweilen  gerundeter  Zellen,  in  ihrer  gesammten  Ausdeh- 
nung eiförmig  oder  breit-elliptisch  gemündet.  Die  ziemlich  breiten  flachen  Zwischenränder  werden  durch  eine 
darauf  verlaufende  deutliche  Furche  halbirt. 

Von  der  sehr  verwandten  M.  laxa  Rss.  *)  aus  den  Korallenschichten  von  Crosara  im  Vicentinischen 
unterscheidet  sich  unsere  Species  vorzüglich  durch  die  breiteren  Zwischenränder  der  Zellen  und  durch  den 
mehr  .abgerundeten  eiförmigen  Umriss  ihrer  Oeffnungen. 

Ich  fand  sie  aufsitzend  auf  Schalen  von  Ostrea  Mppopodium  Nilss.  und  auf  Stämmchen  von  Eschara 
heteromorpha  Rss. 

2.  M.  subtilimargo  Rss.  var.  —  Taf.  24.     Fig.  3. 

1864.     Reuss,  zur  Fauna  des  deutschen  Oberoligocäns  II.  pag.   17.  Taf.  1.  fig.  5. 

Unser  Fossil  stimmt  zwar  nicht  vollständig  mit  den  oberoligocänen  Formen  überein.  Bei  der  grossen 
Veränderlichkeit  der  einfach  umrandeten  Membranipora- Arten  ist  es  jedoch  weder  zulässig  noch  wünschens- 
werth,  für  jede  wenig  bedeutende  Abweichung  die  Aufstellung  einer  neuen  Art  vorzunehmen. 

Den  Ausgangspunkt  der  wenig  regelmässigen  Colonieen  bildet  gewöhnlich  eine  kreisrunde  Zelle,  von 
welcher  grössere,  breit-elliptische,  selten  etwas  polygonale  Zellen  in  alternirenden,    oft   etwas  unregelmässigen 


')  Reuss,  palaeont.  Stud.  über  die  älteren  Tertiärschicht,  d.  Alpen  II.   1869.  pag.  40.  Taf.  36.  fig.  14. 


—      101      — 

Reihen  ausstrahlen.  Sie  werden  durch  schmale,  aber  deutliche  Furchen  gesondert,  sind  in  ihrer  ganzen  Weite 
geöffnet  und  besitzen  nur  einen  sehr  dünnen,  bisweilen  nur  in  seinem  hinteren  Theile  sich  wenig  verdickenden  Rand. 

Von  der  typischen  M.  subtilimargo  unterscheiden  sich  die  sächsischen  Kreideformen  durch  die  weniger 
regelmässig  gestellten  und  gestalteten,  mehr  elliptischen  als  hexagonalen  Zellen. 

Selten  auf  Stämmchen  von  Eschara  lieteromorpha  Rss.  aufgewachsen. 

3.  M.  elliptica  Hag.  sp.  —  Taf.  24.     Fig.  4,  5. 

1839.     Cellepora  elliptica  v.  Hagenow  in  Leonh.  u.  Bronn's  Jahrb.  pag.  268.  Taf.   4.  flg.  6. 

1841.     Marginaria  elliptica  Römer,  die  Verstein.  d.  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  13. 

1846.     Reuss,  die  VersteiD.  d.  böhm.  Kreideform,  pag.  68.  Taf.  15.  flg.  17,  18. 

Das  Centrum  der  ziemlich  grossen  dünnen  Colonieen  bilden  mehrere  fast  kreisförmige,  im  Mittelpunkte 
nur  klein  und  rundlich  gemündete  Zellen.  Die  übrigen  sind  ziemlich  regelmässig  elliptisch  und  stehen  in 
alternirenden  Radialreihen.  Sie  werden  durch  schmale  aber  deutliche  Furchen  geschieden,  während  bei  sehr 
regelmässiger  Anordnung  die  derselben  Längsreihe  angehörigen  Zellen  bisweilen  nur  sehr  seichte  Furchen 
zwischen  sich  haben.  Sie  sind  insgesammt  in  ihrer  ganzen  Weite  geöffnet,  mit  elliptischer  oder  im  hinteren 
Theile  etwas  verbreiterter,  eiförmiger  Mündung.  Der  sie  umgebende  Rand  ist  schmal,  nur  im  hinteren  Theile 
breitet  er  sich  öfter  etwas  aus,  ja  mitunter  beträchtlich,  in  welchem  Falle  die  Zellen  gleichsam  kurz  gestielt 
erscheinen.  Nicht  selten  steht  hinter  den  Zellen  ein  rundliches  Avicularium  mit  ziemlich  grosser  centraler 
Oeffnung.  Hin  und  wieder  findet  man  auch  einzelne  kleine,  nur  im  Centrum  eng  gemündete,  ja  selbst  ganz 
geschlossene  Zellen  eingestreut.  Besonders  am  Rande  grösserer  Colonieen  sieht  man  sie  bisweilen  gruppen- 
weise stehen. 

Die  Species  ist  manchen  Formen  der  lebenden  M.  Lacroixii  Sav.  sp.  l)  und  der  M.  monostachys 
Busk2),  wenn  man  von  der  feinen  Kerbung  des  Randes  bei  denselben  absieht,  sehr  ähnlich. 

Sie  ist  aus  der  weissen  Kreide  von  Rügen  und  aus  dem  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  in 
Böhmen  bekannt.     Bei  Plauen  findet  man  sie'^auf  Ostrea  hippopodium  und  Exgoyra  haliotoidea  nicht  selten. 

4.  M.  concatenata  Rss.  —  Taf.  25.     Fig.  7. 

1846.     Marginaria  concatenata  Rss.  d.  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  69.  Taf.  15,  flg.  16. 

Sie  ist  der  vorigen  sehr  ähnlich,  unterscheidet  sich  aber  durch  den  dünnern,  sich  im  hinteren  Theile 
nur  sehr  selten  und  wenig  verdickenden  Rand  und  durch  die  Avicularien.  Die  weniger  regelmässigen  alter- 
nirenden Zellenreihen  stehen  nicht  selten  etwas  weiter  von  einander  ab.  Die  Zellen  sind  elliptisch,  kaum  ver- 
längert, von  einem  schmalen,  etwas  erhabenen,  gewöhnlich  in  seinem  ganzen  Umfange  gleich  breiten  Rande 
eingefasst,  der  gegen  die  Mündung  hin  abschüssig  ist.  Hinter  jeder  Zelle  steht  entweder  nur  eine  Avicularie 
in  der  Mittellinie,  oder  man  beobachtet  ihrer  zwei,  eine  an  jeder  Seite,  oder  es  sind  in  seltenen  Fällen  sogar 
drei  vorhanden,  ein  mittleres  Avicularium  und  zwei  seitliche.  Immer  sind  sie  jedoch  zarter,  als  bei  M.  elliptica 
und  in  der  Mitte  fein  gemündet. 

Selten  im  Cenoman  von  Plauen  auf  Ostrea  hippopodium,  wurde  jedoch  von  mir  schon  früher  im 
Scaphitenpläner  von  Kutschlin  in  Böhmen  gefunden.  31.  ostiolata  Rss. 3)  aus  dem  unteren  Pläner  von  Bilin  in 
Böhmen,  ist  nichts  als  M.  concatenata   mit  zwei  Avicularien,    in  welchem   Falle   dann   die  Zöllen   gewöhnlich 


>)  Busk  catal.  of  mar.  polyzoa  II.  1854.  pag.  60.  Taf.  69,  Taf.  104.  flg.  1. 

2)  Busk  1.  c.  pag.  61.  Taf.  70. 

8)  Reuss  1.  c.  pag.  69.  Taf.  15.  flg.  14. 


—     102     — 

seitlich  etwas  weiter  von  einander  abstehen,  was  jedoch  1.  c.  in  der  gegebenen  Abbildung  viel  zu  sehr  hervor- 
gehoben worden  ist. 

5.  M.  patellaris  n.  sp.  —  Taf.  24.     Fig,  6. 

Der  die  grossen  elliptischen  oder  etwas  eiförmigen  Mündungen  umgebende  Rand  ist,  besonders  in 
seinem  hinteren  Theile,  breit  und  dacht  sich  allerseits  schüsseiförmig  nach  innen  ab.  Die  Zellen,  gewöhnlich 
in  ausstrahlende,  alternirende  Reihen  geordnet,  nehmen  öfters  eine  regellose  Stellung  an  und  stehen  weiter 
von  einander  ab.  Hinter  den  Zellen,  bald  näher,  bald  entfernter,  sieht  man  ein  bläschenartiges,  meist  ellip- 
tisches, eng  gemündetes  Avicularium.  Bisweilen  befinden  sich  sogar  zwei  solche  Avicularien  hinter  oder  neben 
einander.     An  manchen  Zellen  verengert  sich  die  Mündung  sehr,  ja  mitunter  obliterirt  sie  gänzlich. 

Einigermassen  der  tertiären  M.  appendiculata  Rss.  verwandt,  unterscheidet  sich  unsere  Species  doch 
davon  durch  die  Gestalt  der  viel  weiter  von  einander  abstehenden  Zellen  und  Mündungen. 

Sehr  selten  bei  Plauen  auf  Eschara  heteromorpha  aufgewachsen. 

6.  M.  ein  et  a  Rss.  —  Taf.  24.     Fig.  7. 

1854.     Reuss,  Beiträge  z.  Kenntn.  d.  Kreideschichten  in  d.  Ostalpen,  pag.  136.  Taf.  27.  fig.  15. 

Wie  es  scheint,  bisweilen  mehrschichtige  Ausbreitungen  mit  mehr  weniger  deutlich  im  Quincunx 
stehenden,  beinahe  kreisrunden  Mündungen,  welche  von  einem  sehr  verschiedentlich  breiten,  oben  flachen,  ge- 
meinschaftlichen Rande  umgeben  werden,  auf  welchem  keine  äusserliche  Begrenzung  der  einzelnen  Zellen  wahr- 
nehmbar ist.  Wohl  aber  beobachtet  man  um  jede  Mündung  einen  den  benachbarten  gemeinschaftlichen 
mehr  weniger  regelmässigen  Kranz  von  7 — 12  kleinen,  etwas  ungleichen  eckigen  Poren,  die  vielleicht  von 
abgefallenen  Stacheln  abzuleiten  sind.  Manche  Mündungen  ragen  in  Folge  eines  erhabenen  Randes,  mit 
welchem  sie  umgeben  sind,  etwas  über  die  Umgebung  vor. 

Sehr  selten  auf  Bhynchonella  compressa  Lam.  aufgewachsen.  An  den  Exemplaren  aus  den  Kreide- 
schichten der  Gosau,  in  welchen  ich  die  Species  zuerst  gefunden  habe,  sind  die  Mündungen  mehr  elliptisch 
und  die  Zwischenporen  schwach  umrandet. 

ß)  Mündung  nur  einen  beschränkten  Theil  am  vorderen  Ende  der  Zelle  einnehmend,  der  übrige  Theil 
der  Zelle  durch  eine  dünne  kalkige  Decke  geschlossen. 

7.  M.  clathrata  n.  sp.  —  Taf.  24.     Fig.  8. 

Sie  bildet  ziemlich  grosse  einschichtige  Ausbreitungen,  deren  Ausgangspunkte  einige  kleine,  bisweilen 
ganz  geschlossene  polygonale  Zellen  bilden.  An  diese  legen  sich  nach  aussen ,  allmählich  grösser  werdend, 
in  radialen  Reihen,  im  Quincunx  oder  weniger  regelmässig  andere  Zellen,  deren  Umriss  aus  dem  polygonalen 
oft  in  den  rhombischen  übergeht.  Sie  werden  von  einem  schmalen  gemeinschaftlichen  Rande  eingefasst,  inner- 
halb dessen  sich  eine  ebene  und  glatte,  sehr  dünne  Zellenwand  ausspannt,  welche  nur  am  vorderen  Ende 
eine  quer-ovale  Mündung  übrig  lässt.  In  den  meisten  Fällen  ist  jedoch  diese  Zellendecke  gänzlich  verschwunden 
und  die  übrig  gebliebenen  Ränder  bilden  ein  offenes  polygonales  oder  rhombisches  Gitterwerk;  oder  man 
entdeckt  an  den  Rändern  noch  stellenweise,  besonders  in  der  vorderen  Hälfte  noch  einzelne  übrig  gebliebene 
Lappen  der  zerstörten  Zellendecke. 

Selten  auf  Ostrea  Mppopodium  Nilss.  aufgewachsen. 

Marginaria   tenera  Rss.   (1846.  Verst.  d.  böhm.  Kreideform,    pag,  69.    Taf.  15.   Fig.  12)   ist   ohne 


-      103     — 

Zweifel  das  Gerüste  einer   sehr   verwandten,   wenn   nicht   derselben  Species.     Auch  das  Netzwerk  der  Marg. 
rhomboidales  d'Orb. J)  aus  dem  französischen  Senonien  dürfte  wohl  auf  analoge  Weise  entstanden  sein. 

8.  M.  irregularis  Hag.  sp.  —  Taf.  24.  Fig.  9  —  11. 

1839.  Cellepora  (Biscopora)  irregularis  v.  Hagenow  in  Leonh.  u.  Bronn's  Jahrb.  pag.  276.  —  1851.  Die  Bryozoen 
d.  Maastrichter  Kreidebildung,  p.  92.  Taf.  11.  fig.  14. 

1841.     Discopora  irregularis  Römer,  d.  Verstein.  d.  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  12. 

1846.     Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  70.  Taf.  15.  fig.  6  (icon  mala). 

Diese  sehr  veränderliche  Species  bildet  zahlreiche  und  nicht  selten  umfangreiche  Colonieen,  besonders 
auf  Schalen  von  Ostrea  Mppopodium  und  Exogyra  haliotoidea.  Die  Zellen,  die  bald  im  Quincunx,  bald  sehr 
regellos  gestellt  sind,  wechseln  in  ihrer  Form  beträchtlich  und  sind  von  einem  schmalen  und  niedrigen  Rande 
eingefasst,  der  in  seiner  vorderen  Hälfte  etwas  dicker  ist.  Die  normal  gebildeten  Zellen  sind  mehr  weniger 
birnförmig,  mit  nicht  sehr  grosser,  am  vorderen  Ende  gelegener  Mündung,  deren  scharfer  Hinterrand  abgestutzt 
ist.  *  Oft  verlängert  sich  die  Mündung  an  beiden  Seiten  etwas  weiter  nach  hinten,  so  dass  der  Hinterrand 
lippenartig  vorragt.  Mitunter  hat  diese  Lippe  noch  in  der  Mitte  einen  kleinen  Vorsprung.  Die  kalkige  Zellen- 
wand ist  eingesenkt,  beinahe  ohne  alle  Wölbung. 

Zwischen  die  eben  beschriebenen  normalen  Zellen  sind  zahlreiche  Zellen  von  sehr  abweichendem  Um- 
riss  eingestreut,  schmal  elliptisch,  an  beiden  Enden  zugespitzt,  oder  selbst  spindelförmig  oder  auch  etwas 
sichelförmig  gebogen.  Sie  tragen  im  niedergedrückten  Centrum  oder  etwas  oberhalb  desselben  eine  kleine 
rundliche  Mündung.  Diese  Avicularzellen  sind  entweder  ganz  regellos  zwischen  die  übrigen  in  verschiedener 
Anzahl  eingeschoben,  oder  sie  alterniren  ziemlich  regelmässig  mit  denselben.  Bisweilen  wechseln  radiale  Reihen 
normaler  und  abnormer  Zellen  mit  einander  ab. 

Die  Species  wurde  häufig  in  der  Schreibkreide  von  Rügen  gefunden,  nicht  selten  bei  Baisberg  in 
Schweden,  seltener  im  Kreidetuff  von  Maastricht,  häufig  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  in  Böhmen. 

9.  M.  depressa  Hag.  sp.  —  Taf.  25.  Fig.  1. 

1851.     Cellepora  depressa  v.  Hagenow.  Bryoz.  v.  Maastricht,  pag.  93.  Taf,  11.  fig.  13. 

Sie  gehört  ebenfalls  in  die  Gruppe  der  M.  irregularis,  von  welcher  sie  sich  schon  bei  flüchtiger 
Betrachtung  durch  die  grösseren,  weniger  unregelmässigen  Zellen  unterscheiden  lässt,  wenn  sie  auch  nicht 
immer  so  breit  sind,  wie  sie  die  Hagenow'sche  Abbildung  darstellt. 

Die  eiförmigen  Zellen  stehen  mehr  weniger  deutlich  im  Quincunx  und  sind  mitunter  ebenso  breit 
als  lang.  Sie  werden  von  einem  ziemlich  dicken  erhabenen  Rande  eingefasst,  der  in  etwas  angewittertem  Zu- 
stande eine  darauf  verlaufende  Längsfurche  wahrnehmen  lässt.  Die  ebene  Zellendecke  liegt  ziemlich  tief  unter 
dem  Niveau  des  genannten  Randes;  die  grosse  Mündung  ist  meist  halbrund  mit  abgestutzter  Hinterlippe. 

Zwischen  diese  Zellen  findet  man  nicht  selten  Avicularzellen  eingestreut,  welche  an  beiden  Enden, 
besonders  aber  am  vorderen,  lang  zugespitzt  und  bisweilen  gebogen  sind.  In  der  Mitte  tragen  sie  eine  ziemlich 
grosse  elliptische  Mündung. 

Sehr  selten,  auf  Exogyra  reticulata  aufgewachsen. 

10.  M.  tenuisulca  Rss.  —  Taf.  25.  Fig.  2,  3  u.  6. 

1846.     Marginaria  tenuisulca  Rss.,  Verst.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  69.  Taf.  15.  fig.  10.  {icon  mala). 
Die  mehr  weniger  regelmässig  im  Quincunx  stehenden  Zellen  sind  elliptisch  und  von  einem  schmalen, 
wenig  erhabenen  Rande   eingefasst,   der  in   seinem  vorderen  Theil   am  dicksten   und  am   höchsten   ist.     Die 


l)  Palaeont.  frang.  terr.  cret.  V.  pag.  554.  Taf.  729.  fig.  9,  10. 

aoontographica  XX.  4. 


—      104     — 

massig  grosse  Mündung  ist  halbrund  oder  gerundet  dreiseitig,  die  Zellendecke  sehr  wenig  von  einer  Seite  zur 
anderen  gewölbt,  gegen  die  Mündung  hin  abschüssig.  Von  den  Seitentheilen  der  Mündung  läuft  längs  dem 
Zellenrande  nach  hinten  eine  seichte  furchenartige  Depression,  welche  sich  rückwärts  allmählich  verflacht. 

Bei  den  vom  Ausgangspunkte  der  Colonie  entfernteren  Zellen  steht  oft  am  hinteren  Ende  entweder  in 
der  Mittellinie  oder  etwas  seitwärts  ein  kleines  rundliches  oder  ovales  Avicularium.  Die  Ovicellarien  sind 
helmförmig,  etwas  verlängert,  schwach  seitlich  zusammengedrückt,  glatt,  mit  scharfem  Mündungsrande. 

Selten  auf  Ostrea  hippopodium  aufgewachsen.  —  In  demselben  Schichtenniveau  auch  in  den  Schillingen 
bei  Bilin  in  Böhmen. 

JLepvalia  Johnst. 

Meistens  einschichtige  incrustirende  Colonieen,  durch  von  einem  Centrum  ausstrahlende,  mehr  weniger 
regelmässig  alternhende  Zellenreihen  gebildet.  Die  Zellen  sich  berührend,  durch  Furchen  geschieden,  krug- 
förmig,  liegend,  mit  kalkiger,  mehr  weniger  gewölbter  Zellendecke,  die  nur  eine  Mündung  von  beschränktem 
Umfange  offen  lässt.     Mit  oder  ohne  Avicularien  und  Vibrakeln  '). 

a)  Ohne  Avicularporen. 

1.  L.  sulcata  Rss.  —  Taf.  25.  Fig.  8. 

1846.     Escharina  sulcata  Reuss,  d.  Verst.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  67.  Taf.  15.  fig.  25.  (icon  mala). 

Mitunter  umfangreiche  Colonieen  kleiner,  mehr  weniger  im  Quiucunx  stehender,  flacher,  gewöhnlich 
hexagonaler,  bisweilen  durch  Abrundung  der  Ecken  ovaler  Zellen,  die  von  einer  schmalen  seichten  Furche 
umgrenzt  sind.  Die  sehr  kleine  Mündung  ist  quer-oval  oder  halbrund,  scharfrandig.  Die  glatte  Zellendecke 
erhebt  sich  in  der  Mitte  nur  in  sehr  flacher  Wölbung,  am  meisten  unmittelbar  hinter  der  Mündung;  zunächst 
dem  Rande  bietet  sie  eine  seichte  furchenartige  Depression  dar,  die  im  hinteren  Seitentheile  am  deutlichsten 
ausgesprochen  ist. 

L.  Maceana  d'Orb. 2)  aus  dem  Cenoman  von  Le  Mans  ist  sehr  ähnlich,  wenn  nicht  identisch. 
Selten  auf  Ostrea  hippopodium.     Auch  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  in  Böhmen. 

2.  L.  und  ata  n.  sp.  —  Tai.  25.  Fig.  5. 

Unregelmässige  Ausbreitungen  ziemlich  grosser,  mehr  weniger  im  Quincunx  stehender,  eiförmiger  oder 
etwas  hexagonaler,  durch  tiefe  Furchen  gesonderter  Zellen.  Die  ziemlich  kleine,  runde  oder  hinten  schwach 
abgestutzte  Mündung  ist  hoch  und  scharf  umrandet.  Der  in  der  Mitte  der  Länge  nach  schwach  und  stumpf 
gekielte  Zellenbauch  trägt  ungleiche,  wellige  quere  Anwachslinien. 

Sehr  selten  auf  Eschara  heteromorpha  Rss. 

3.  L.  radiata  Rom.  sp.? 

1841.     Escharina  radiata  Römer  1.  c.  pag.  13.  Taf.  5.  fig.  4. 

1846.    Reuss,  d.  Verst.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  68.  Taf.  15.  fig.  19. 

Die  vorliegenden  kleinen,  auf  Ostrea  hippopodium  aufsitzenden  Colonieen  sind  in  Folge  von  Abreibung 
so  unvollständig  erhalten,  dass  ihre  Identität  mit  der  Römer'schen  Species  trotz  ihrer  Wahrscheinlichkeit  doch 
nicht  mit  Sicherheit  ausgesprochen  werden  kann. 


J)  Busk,  a  Monograph  of  the  Crag  Polyzoa.  pag.  37.  —  Reuss,  Foraminiferen,  Anthozoen  u.  Bryozoen  des  deutsch. 
Septarienthones.  pag.  56. 

2)  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  405.  Taf.  604.  fig.  15,  16.  {Escharina). 


—     105     — 

Findet  sich  selten  auch  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin,  nach  Römer  in  der  unteren 
Kreide  von  Peine. 

ß)  Mit  Avicularporen. 

4.  L.  interposita  n.  sp.  —  Taf.  25.  Fig.  4. 

Kleine,  in  wenig  regelmässigen  Radialreihen  stehende  gewölbte,  durch  tiefe  Furchen  geschiedene 
eiförmige  oder  etwas  hexagonale  Zellen,  welche  sich  mit  dem  vorderen  verschmälerten  Ende,  das  die  ziemlich 
dick  umrandete,  kleine  rundliche  Mündung  trägt,  etwas  aufrichten.  Hinter  den  meisten  Zellen  steht  eine 
sehr  kleine  längliche,  gewölbte,  fein-gemündete  Avicularcelle.  Bisweilen  sind  sogar  zwei  solche  Zellen  vor- 
handen, symmetrisch  zu  beiden  Seiten  des  hinteren  Zellenrandes  gelegen. 

Sehr  selten  auf  Eschara  heteromorpha  Rss.  aufgewachsen. 

3.  Farn.  Escharidea. 

Aufrechte,  mit  fester  kalkiger  Basis  aufgewachsene,  zusammengedrückte,  blätterige,  gelappte,  baumförmig 
ästige  oder  netzförmig  verästelte  Polypenstöcke,  bestehend  aus  einer  einfachen  oder  aus  2  oder  mehreren 
mit  der  Rückenseite  mit  einander  verwachsenen  Schichten  liegender  Zellen,  welche  nur  auf  einer  oder  auf 
beiden  Seiten  des  Polypenstockes  ausmünden. 

Eschara  Ray. 

Der  aufrechte,  mehr  weniger  zusammengedrückte,  baumförmig-  oder  lappig-ästige  oder  selbst  blattförmige 
Polypenstock  besteht  aus  2  mit  dem  Rücken  an  einander  liegenden  und  untrennbar  verwachsenen  Schichten 
von  im  Quincunx  angeordneten,  liegenden,  krugförmigen  Zellen,  welche  auf  beiden  Flächen  des  Polypen- 
stockes ausmünden. 

1.  E.  latilabris  n.  sp.  —  Taf.  25.  Fig.  9. 

Von  dieser  Species  hegen  nur  kleine  Bruchstücke  vor,  welche  es  wahrscheinlich  machen,  dass  sie 
dünne  blattartige  Ausbreitungen  gebildet  habe.  Die  kurzen  Zellen  stehen  in  wenig  schrägen,  nach  beiden 
Seiten  abfallenden  Reihen.  Die  grosse  runde  Mündung  wird  von  einem  vorragenden,  besonders  im  unteren 
Theile  breiten,  nach  innen  abschüssigen  Randsaume  eingefasst.  Der  übrige,  kleinere  Theil  der  Zellen  dacht 
sich  nach  unten  und  gegen  beide  Seiten  ab.     Seitlich  werden  sie  durch  tiefe  Furchen  geschieden. 

Sehr  selten. 

2.  E.  heteromorpha  n.  sp.  —  Taf.  25.  Fig.  10—13;  Taf.  26.  Fig.  1. 

Diese  sehr  häufig  vorkommende  Species  steht  der  E.  piriformis  Goldf.  J)  sehr  nahe,  unterscheidet 
sich  aber  durch  die  Form  der  Colonie,  die  geringere  Grösse  der  Zellen  und  einige  andere  Merkmale. 

Noch  mehr  stimmt  sie  in  mancher  Beziehung  mit  E.  Delarueana  d'Orb.  aus  dem  Senonien  von 
Royan  2)  überein,  doch  auch  von  dieser  weicht  sie  'durch  eine  sehr  differente  Bildung  der  seitlichen  Zellen- 
reihen ab,  wovon  Orbigny  keine  Erwähnung  thut. 

Sie  bildet  breite,  stark  zusammengedrückte,  sich  gabelig  spaltende  Stämmchen,  die  in  der  Mitte  am 
dicksten  sind  und  gegen  die  Ränder  hin  sich  etwas  zu  verdünnen  pflegen.  Die  Zellen  stehen  jederseits  sehr 
regelmässig  in  7  —  11    alternirenden   Längsreihen.      Sie  sind   birnförmig,   oben   gerundet,   unten   beträchtlich 


J)  Goldfuss,  Petref.  Germ.  I.  pag.  24.  Taf.  8.  fig.  10.  —  v.  Hagenow,  Bryozoen  v.  Maastricht,  pag.  75.  Taf.  9.  fig.  6' 
Taf.  11.  fig.  6. 

2)  d'Orbigny,  Paleont.  frang.  terr.  cret.  V.  pag.  105.  Taf.  602.  fig.  6—8;  Taf.  673.  fig.  8. 


-     106     — 

verschmälert  und  abgestutzt.  Nur  sehr  selten  nehmen  einzelne  Zellen  einen  rhomboidalen  Umriss  an.  Im 
wohlerhaltenen  Zustande  werden  sie  von  einem  ziemlich  breiten  gemeinschaftlichen  erhabenen  Rande  umgeben, 
auf  welchem  man  schon  bei  dem  geringsten  Grade  des  Abgeriebenseins  eine  feine  Grenzlinie  verlaufen  sieht. 
Bei  stärkerer  Abreibung  verflacht  sich  die  Randerhebung  mehr  und  die  Zellengrenze  gibt  sich  als  eine 
Furche  zu  erkennen,  die  aber  immer  seicht  und  sehr  schmal  bleibt. 

Der  innere  Theil  der  Zelle  ist  flach,  schüsseiförmig  vertieft  und  fällt  gegen  die  am  tiefsten  gelegene 
Mündung  allmählich  ab.  Diese  ist  verhältnissmässig  gross,  indem  sie  beinahe  die  Hälfte  der  Zelle  einnimmt, 
halb  elliptisch,  oben  gerundet,  unten  abgestutzt,  vou  einem  sehr  schmalen  und  niedrigen  scharfen  Rande  um- 
geben. In  sehr  wohl  erhaltenem  Zustande  ragt  die  Unterlippe  in  ihrem  mittleren  Theile  mit  zwei  sehr  kurzen 
Läppchen  in  die  Mündung  hinein.  In  den  meisten  Fällen  ist  dies  jedoch  nicht  mehr  wahrnehmbar.  Die 
Zellendecke  ist  niedergedrückt,  fast  eben. 

Die  von  d'Orbigny  bei  E.  Belarueana  angegebenen  und  abgebildeten  sichelförmigen  Avicularzellen 
habe  ich  an  den  zahlreichen  sächsischen  Exemplaren  nie  gesehen.  Dagegen  hatte  ich  Gelegenheit,  mancherlei 
abnorm  entwickelte  Zellen  zu  beobachten.  Bisweilen  verkürzen  sich  dieselben  beträchtlich,  werden  fast  gleich- 
seitig hexagonal  oder  selbst  pentagonal,  wobei  die  kleinere,  mehr  rundliche  Mündung  beinahe  in  die  Mitte 
der  Zelle  rückt.  In  selteneren  Fällen  vergrössern  sich  einzelne  Zellen  ungewöhnlich  und  nehmen  dabei  einen 
unregelmässig  hexagonalen  Umriss  an.  Noch  seltener  spaltet  sich  eine  Zelle  durch  eine  schräge  Furche  in 
zwei  sehr  regellos  gestaltete  mit  kleineren  Mündungen.  Bisweilen  verlängert  sich  die  Zellendecke  nach  unten, 
mit  zwei  seitlichen  Zipfeln  endigend,  wobei  diese  Verlängerung  die  Mündung  der  nächstunteren  Zelle  theilweise 
überdeckt.  Endlich  schliesst  sich  mitunter  die  Mündung  einzelner  kleiner  Zellen  bis  auf  eine  enge  rundliche 
Centralöffnung.  Eine  constaute  Ahweichung  in  ihrer  Beschaffenheit  zeigen  aber  die  Zellen  der  seitlichen  End- 
reihen an  den  Stämmchen.  Abgesehen  von  der  oft  eintretenden  Unregelmässigkeit  ihres  Umrisses,  hat  jede 
Mündung  neben  sich  nach  aussen  eine  Avicularpore  von  wechselnder  Grösse,  aber  stets  grösser  als  die  Nachbar- 
poren. Sehr  oft  wird  sie  auch  auf  der  inneren  Seite  von  einer  solchen  grösseren,  gewöhnlich  etwas  weiter 
abwärts  gerückten  Pore  begleitet.  Ferner  zeigt  sich  die  Decke  der  abwechselnden,  seltener  zweier  oder  gar 
dreier  auf  einander  folgender  Zellen  gewölbter  und  am  Rande  von  einem  Porenkranze  durchbohrt.  Oft  stellen 
sich  jedoch  auch  noch  einzelne  kleinere  Poren  auf  dem  Mittelfelde  des  Zellenbauches  ein.  Die  meistens  kleinere 
Mündung  dieser  Zellen  wird  überdies  gewöhnlich  durch  einen  oder  selbst  zwei  von  unten  und  aussen  hinein 
ragende  spitzige  Zähne  verengt.  Die  zwischenliegenden,  nicht  porösen  Zellen  sind  in  der  Regel  kleiner  und 
weniger  regelmässig  gestaltet. . 

3.  E.  osculifera  n.  sp.  —  Taf.  26.  Fig.  2  —  4. 

Die  vorliegenden  Bruchstücke  zusammengedrückter,  gabelästiger  Stämmchen  sind  in  ihrer  Physiognomie 
sehr  veränderlich.  Sie  werden  von  alternirenden  Längsreihen  unregelmässig  eiförmiger,  äusserlich  nur  selten 
und  unvollständig  begrenzter  Zellen  bedeckt.  Gewöhnlich  lässt  sich  ihre  Stellung,  Gestalt  und  Grösse  nur 
aus  der  Lage  der  Mündungen  erkennen.  Dieselben  sind  ziemlich  gross  und  rundlich ;  in  wohlerhaltenem  Zu- 
stande entspringt  jedoch  eine  zungenförmige  Verlängerung  von  der  Mitte  des  Unterrandes  und  verengert  die- 
selbe. In  den  meisten  Fällen  ist  aber  davon  keine  Spur  mehr  wahrnehmbar.  Fast  immer  ist  die  Mündung 
nur  eingesenkt;  nur  selten  sieht  man  sie  von  einem  meist  wenig  deutlichen  erhabenen  Rande  umgeben. 

Zu  beiden  Seiten  unterhalb  der  Mündung  steht  eine  massig  grosse  pustulöse,  dick  umrandete  Avicular- 
pore mit  einer  rundlichen  Oeffnung  von  sehr  wechselnder  Grösse.  Bisweilen  beobachtet  man  aber  noch 
weiter  abwärts  auf  dem  Zellenbauche,  entweder  in  der  Mittellinie  oder  mehr  seitwärts,  eine  gewöhnlich  kleinere 


—      107      — 

Avicularpore.  Nebstdem  sind  noch  einige  nicht  umrandete  grobe  Poren  an  den  Seitenrändern  der  Zellen  oder 
auf  dem  Zellenbauche  einzeln  zerstreut.  Die  Oberfläche  der  Stämmchen  wird  dadurch  oft  sehr  uneben,  fast  höckerig. 

Nicht  gar  selten. 

4.  E.  pupoides  n.  sp.  —  Taf.  26.  Fig.  5. 

Blattartig  zusammengedrückte  Stämmchen,  deren  Flächen  nicht  sehr  regelmässige  alternirende  Längs- 
reihen verlängerter,  schmaler,  flacher,  durch  wenig  tiefe  Furchen  gesonderter  Zellen  darbieten.  Am  oberen 
Ende  steht  die  verhältnissmässig  kleine,  oben  gerundete,  unten  verschmälerte  und  abgestutzte  Mündung,  ober- 
halb welcher  sich  beiderseits  eine  kleine  ohrförmige  Avicularpore  erhebt.  Bisweilen  rücken  diese  etwas  tiefer 
neben  die  Mündung  herab.  In  seltenen  Fällen  beobachtet  man  jedoch  über  den  in  normaler  Stellung  befind- 
lichen Avicularporen  noch  ein  zweites  Paar  ähnlich  gestalteter  Avicularien.  Uebrigens  ist  die  Mündung  von 
einem  schwach  erhabenen,  schmalen  Rande  umsäumt.  Auf  der  flachen  Zellendecke  verlaufen  jederseits  7 — 11 
sehr  seichte  Querfurchen,  sich  in  der  Mittellinie  begegnend,  die  oberen  vollkommen  horizontal,  nur  die  unteren 
schwach  aufsteigend. 

Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Biflustra  d'Orb. 

Der  blättrige  oder  ästige  Polypenstock  besteht  aus  zwei  mit  der  Rückenseite  an  einander  liegenden, 
gewöhnlich  leicht  trennbaren  Schichten  von  in  regelmässig  alternirenden  Längsreihen  stehenden,  umrandeten 
Zellen.     Sehr  oft  lösen  sich  auch  die  Zellenreihen  leicht  von  einander  ab. 

1.  B.  crassimargo  n.  sp.  —  Taf.  26.  Fig.  6. 

In  der  Zellenform  kömmt  sie  sehr  mit  der  Vincularia  Argus  d'Orb.1)  überein,  ist  jedoch  eine  echte 
Biflustra,  indem  die  beiden  Zellenschichten  ohne  Vermittlung  einer  Germinalplatte  verbunden  sind  und  sich 
leicht  trennen  lassen,  wie  auch  die  Längsreihen  der  Zellen  selbst. 

Die  grossen  Zellen  stehen  in  alternirenden  Längsreihen,  sind  birnförmig  oder  unregelmässig  hexagonal 
und  von  einem  dicken  Rande  eingefasst,  auf  welchem  nur  an  wohlerhaltenen  Stücken  eine  sehr  seichte 
Trennungsfurche  verläuft.  Die  grosse  Mündung  ist  vertical  elliptisch,  bisweilen  in  der  unteren  Hälfte  etwas 
verschmälert.  Der  sie  vorne  und  seitlich  begrenzende  dicke  Rand  ist  gegen  die  Mündung  hin  ziemlich  tief 
abschüssig.  Ebenso  senkt  sich  die  Zellendecke  gegen  den  am  meisten  niedergedrückten  Unterrand  der.  Mün- 
dung allmählich  beträchtlich.  Die  Ovarialzellen  sind  stark  gewölbt  und  in  verticaler  Richtung  etwas  verlängert 
mit  abwärts  gerichteter  Oeffnung.  Sie  überdecken  den  oberen  Theil  der  Zellenmündung.  Diese  ist  an  den 
seitlich  gelegenen  Zellenreihen  oft  beträchtlich  verengert. 

An  der  Seitenwaud  jeder  Zelle  zählt  man  5  —  6  in  einer  Verücalreihe  stehende  Poren,  durch  welche 
jede  Zelle  mit  den  seitlich  angrenzenden  zwei  Zellen  in  Verbindung  steht. 

Sehr  selten.     Mir  lag  nur  ein  wohlerhaltenes  Bruchstück  zur  Untersuchung  vor. 

4.  Farn.   Vincalaridea. 

Die  Stämmchen  kalkig,  ungegliedert,  gabelästig,  drehrund  oder  prismatisch.  Die  Zellen  stehen  in 
regelmässigen,  alternirenden  Längsreihen  um  eine  imaginäre  Axe. 

Vincularia  Defr. 

Die  Zellen  sind  niedergedrückt,  umrandet.  Sie  entspricht  der  Gattung  Salicornaria  unter  den  ge- 
gliederten chilostomen  Bryozoen. 


l)  Biflustra  Argus  d'Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  253.  Taf.  639.  fig.  1—4. 


—     108     — 

1.  V.  Bronn i  Rss. 

1846.     Reuss,  d.  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  66.  Taf.  15.  fig.  30. 

Die  nicht  seltenen,  sehr  dünnen  stabförmigen  Fragmente  stimmen  mit  der  1.  c.  gegebenen  Beschrei- 
bung und  Abbildung  vollständig  überein. 

Die  Species  gehört  zu  der  d'Orbigny'schen  Gattung  Quadricettaria,1)  welche  durch  vier  Längsreihen 
von  Zellen  und  daher  durch  einen  rectangulären  Querschnitt  cbarakterisirt  wird.  Die  Zahl  der  Zellenreihen 
kann  aber  ebenso  wenig  zur  Aufstellung  einer  haltbaren  Gattung  verwendet  werden,  als  der  Umstand,  dass 
zwei  dieser  Längsreihen  etwas  breiter  sind  als  die  übrigen.  Es  kann  daher  Quadricettaria  wohl  nicht  von 
Yincularia  getrennt  werden.  Es  kann  dies  um  so  weniger  geschehen,  da  man  an  manchen  Stämmchen  fünf 
Zellenreihen  zählt. 

Die  Species  wurde  von  mir  schon  früher  ziemlich  häufig  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin 
in  Böhmen  gefunden. 

2.  V.  Plauensis  n.  sp.  —  Taf.  26.  Fig.  7. 

Sie  ist  der  V.  bella  Hag. 2)  von  Maastricht  sehr  nahe  verwandt,  und  es  wäre  möglich,  dass  sie  nur 
eine  Form  derselben  darstellte.  Doch  hat  eine  sorgfältige  Vergleichung  von  Originalexemplaren  als  constante 
Differenzen  nachgewiesen :  den  robusteren  Habitus  der  Stämmchen  und  der  Zellen,  die  grössere  Zahl  der  Längs- 
reihen, in  welche  dieselben  geordnet  sind,  und  die  grössere  Mündung. 

Ich  habe  nur  einfache,  unverästelte  Fragmente  gesehen,  mit  10 — 12  alternirenden  Längsreihen  von 
Zellen.  Diese  sind  hexagonal,  mit  auf-  und  abwärts  gerichteten  kürzeren  Seiten  und  dickem  erhabenem  ge- 
meinschaftlichem Rande,  innerhalb  dessen  die  Zellendecke  seicht  niedergedrückt  ist.  Die  ziemlich  grosse,  breit- 
elliptische Mündung  steht  in  der  oberen  Hälfte  der  Zelle.  Sie  scheint  von  einem  schwach  erhöhten  Rande 
umgeben  gewesen  zu  sein. 

Sehr  selten. 

II.  Br.  cyclostomata. 

Ueberrindend  oder  frei  sich  erhebend,  knollig,  lappig  —  oder  baumförmig  ästig,  kalkig,  gegliedert 
oder  ungegliedert.  Zellen  röhrig,  in  ihrer  ganzen  "Weite  geöffnet,  meist  ohne  Deckel,  ohne  Avicularien  und 
Vibrakeln,  auf  verschiedene  Weise  angeordnet  und  gruppirt. 

1.  Fam.  Diastoporidea. 

Polypenstock  meistens  incrustirend  oder  kurz  gestielt,  kreis-  oder  fächerförmig,  seltener  sich  frei 
erhebend,  lappig-blättrig  oder  ästig.  Die  röhrigen  Zellen  im  unteren  Theile  liegend  und  verwachsen,  mit  dem 
oberen  Theile  sich  mehr  weniger  frei  erhebend.  Die  etwas  verengerte  Mündung  rund,  seltener  eckig.  Am 
peripherischen  Rande  des  Polypenstockes  eine  Zone  kleinerer  eckiger  Germinalzellen. 

1.  Herenicea  Lamx. 

Incrustirende,  ein-  oder  mehrschichtige,  fächerförmige  oder  durch  Verwachsung  mehrerer  neben  ein- 
ander gebildeter  Colonieen  gelappte  Ausbreitungen.  Das  obere  Ende  der  Röhrenzellen  mit  runder,  mehr 
weniger  frei  emporragender  Mündung. 3) 


J)  Quadricettaria  Bronni  d'Orb.  1.  c.  V.  pag.  184. 

2)  v.  Hagenow,  Bryozoen  v.  Maastricht,  pag.  60.  Taf.  6.  fig.  13. 

3)  Reuss,  die  Bryozoen,  Anthozoen  u.  Spongiarien  d.  braunen  Jura  von  Baiin.  pag.  4.  (Denkschr.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss. 
in  Wien.  Bd.  27.) 


—      109      — 

1.  B.  Clementina  d'Orb.  —  Taf.  26.  Fig.  8. 
1850—1851.     d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  865.  Taf.  636.  flg.  1,  2.  (Diastopora  Clementina.) 

Flache  einschichtige  fächer-  oder  scheibenförmige  Ausbreitungen,  deren  lange  schlanke,  oft  gebogene 
Zellen  halbcylindrisch  gewölbt  sind  und  seitlich  durch  deutliche  Furchen  begrenzt  werden.  Sie  stehen  in  mehr 
weniger  ausgesprochenen  alternirenden  Radialreihen.  Die  terminale,  rundliche  Mündung  ist  scharf  umrandet 
und  ragt  massig  stark  hervor.     Die  Oberfläche  der  Zellen   zieren   feine,   aber  scharfe  ungleiche  Querrunzeln. 

Obwohl  d'Orbigny  die  Species  nur  aus  dem  Aptien  anführt,  kann  doch  die  Identität  unserer  Species 
kaum  einem  Zweifel  unterliegen.  In  einem  Falle  bildeten  sich  drei  Ausbreitungen  über  einander,  aber  sich 
ungleichförmig  überlagernd  und  scharf  von  einander  geschieden. 

Sehr  selten. 
'      2.  B.  rudis  n.  sp.    -  Taf.  26.  Fig.  9. 

Unregelmässige  mehrschichtige  Ausbreitungen  mit  regellos  stehenden  kurzen,  sehr  wenig  gewölbten, 
an  den  Seiten  durch  schwache  Furchen  begrenzten  Zellen,  deren  rundliche  Mündungen  sehr  schwach  ringförmig 
vorragen.     Ihre  Oberfläche  ist  mit  gedrängten  groben  Poren  bedeckt. 

Sehr  selten  auf  Ostrea  hippopodium  aufgewachsen. 

3.  B.  grandis  d'Orb.  —  Taf.  26.  Fig.  10. 

1850—1851.     d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  866.  Taf.  639.  flg.  4,  5. 

1846.     Biastopora  gracilis  Reuss  1.  c.  pag.  65.  Taf.  14.  fig.  33.  (ic.  mala.) 

Einschichtige  rundliche,  oft  zusammenfliessende  Ausbreitungen,  deren  lange,  nicht  selten  gebogene, 
röhrige  Zellen  äusserlich  nur  sehr  undeutlich  geschieden  sind.  Meistens  sind  ihre  Grenzen  nur  an  durch- 
scheinenden Linien  erkennbar.  Die  verhältnissmässig  grösseren,  senkrecht  elliptischen  Mündungen  ragen  mit 
ihrem  scharfen  Rande  massig  hervor  und  stehen  ziemlich  entfernt  in  wenig  regelmässigen  alternirenden  Radial- 
reihen.    Ihre  Zwischenräume  erscheinen  bei  stärkerer  Vergrösserung  fein  porös. 

Die  Species  scheint  durch  sämmtliche  obere  Kreideschichten  hindurch  zu  gehen.  Bei  Plauen  ist  sie 
auf  Austernschalen  aufgewachsen.  In  Böhmen  liegt  sie  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  und  im 
Scaphiten-Pläner  von  Hundorf,  in  Frankreich  im  Senon  von  Fecamp  (Seine-Irrferieure). 

4.  B.  Hagenowi  Rss.  —  Taf.  26.  Fig.  12. 

1854.     Reuss,  Beiträge  z.  Kenntn.  d.  Kreidescbichten  d.  Ostalpen,  pag.  136.  Taf.  28.  fig.  6. 

Sehr  kleine  und  dünne  Fächer-  oder  kreisförmige  Ausbreitungen  mit  sehr  gedrängten  schmalen,  halb- 
cylindrischen,  ziemlich  kurzen  Röhrenzellen,  deren  sehr  kleine,  rundliche,  wenig  vorragende  Mündungen  nahe 
und  im  Quincunx  stehen. 

Selten  auf  Ostrea  Mppopodium  aufgewachsen. 

5.  B.  conferta  n.  sp.  —  Taf.  26  Fig.   11;  Taf.  27.  Fig.   1. 

Sie  nähert  sich  sehr  der  B.  Clementina  d'Orb.,  unterscheidet  sich  jedoch  durch  die  zarteren,  dünneren 
gedrängten  Röhrenzellen.  Die  dünnen  einschichtigen  Colonieen  sind  mehr  weniger  kreisförmig  und  bedecken 
sich  zuweilen  theilweise.  Die  sehr  schmal  röhrenförmigen  massig  langen  Zellen  sind  durch  deutliche  Furchen 
begrenzt  und  ragen  halbcylindrisch  vor.  Ihre  Oberfläche  zeigt  an  besser  erhaltenen  Stellen  bei  starker  Ver- 
grösserung feine  Querstreifen.     Die  rundlichen  oder  elliptischen  Mündungen  sind  sehr  klein. 

Sehr  selten  auf  Austernschalen  aufgewachsen  im  Cenoman  von  Plauen  und  im  Scaphitenpläner 
von  Strehlen. 


-      110     — 

5.     B.  confluens  Rom.  sp.  —  Taf.  27.  Fig.   7. 

1841.     Bosaeilla  confluens  Römer,  d.  Verst.  d.  deutsch.  Kreidegeb.  pag.  19. 
1846.     Diastopora  confluens  Reuss,  d.  Verst.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  65.  Taf.  15.  fig.  41,  42. 
1850—1851.     Beptomultisparsa  congesta  d'Orbigny,  1.  c.  pag.  878.  Taf.  640.  fig.  1— 6.1) 
Beptomultisparsa  glomerata  d'Orbigny.  1.  c.  pag.  877.  Taf.  636.  fig.  7,  8. 

Scheibenförmige  dicke,  aus  übereinaudergelagerteu  Schichten,  die  nach  oben  hin  allmählich  kleiner 
werden,  bestehende  Ausbreitungen,  welche  die  Gestalt  eines  niedrigen  Kegelabschnittes  besitzen.  Ihre  obere 
Fläche  trägt  in  unregelmässig  ausstrahlenden  Reihen  stehende,  rundliche  oder  elliptische,  von  einem  ange- 
schwollenen Rande  umgebene  Mündungen.  Die  Zellengrenzen  sind  entweder  gar  nicht  oder  nur  schwach 
angedeutet.  Stellenweise  sind  auf  der  Aussenwand  derselben  feine  Querrunzeln  wahrzunehmen.  Obwohl  diese 
anderwärts  nicht  beobachtet  worden  sind,  so  kann  ich  mich  bei  der  Uebereinstimmung  aller  übrigen  Charak- 
tere nicht  entschliessen ,  darin  einen  Species-Unterschied  zu  sehen.  Die  schräg  abschüssige  Randfläche  der 
Colonie  ist  mit  gedrängten  kleinen  eckigen  Germinalzellen  bedeckt. 

Selten  auf  Exogyra  haliotoidea.  Häufig  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  und  im  Scaphiten- 
pläner  von  Hundorf  in  Böhmen.    In  der  Senonkreide  von  Rügen  und  im  oberen  Kreidemergel  von  Gehrden. 

Diastopora  Lamouroux. 

In  der  Jugend  bisweilen  incrustirende,  später  frei  in  die  Höhe  wachsende,  selten  knollige,  meistens 
blätterige  oder  baurnförmig  verästelte  Colonieen,  die  entweder  einschichtig  sind  oder  durch  successive  Ueber- 
lagerung  mehrschichtig  werden.     Die  Mündung  meistens  rundlich,  selten  anders  gestaltet. 

1.     D.  Oceani  d'Orb.  —  Taf.  27.  Fig.  2,  3. 
1850—1851.     Beptelea  Oceani  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  641.  Taf.  636.  fig.  5,  6.  {Diastopora  Oceani.) 

Ziemlich  grosse  unregelmässige  Ausbreitungen,  die  mitunter  einschichtig  sind,  wie  es  d'Orbigny  von 
seiner  Reptelea  angibt.  Er  scheint  keine  anderen  Formen  beobachtet  zu  haben.  Das  Vorhandensein  eines 
Deckels  auf  der  Zellenmündung,  welches  Orbigny  als  charakteristisches  Kennzeichen  von  Reptelea  anführt, 
dürfte  an  den  bloss  fossilen  Formen  wohl  nicht  mit  Sicherheit  beobachtet  worden  sein. 

Bisweilen  legen  sich  2 — 3  Schichten  über  einander  und  in  seltenen  Fällen  bildet  die  Species  hohle 
Stämmchen,  wenn  sie  cylindrische  Körper,  die  später  zerstört  werden,  umhüllt.  Eine  solche  Form  scheint 
auch  die  Diastopora  escharoicles  d'Orb.  (1.  c.  T.  636.  Fig.  3 — 5)  darzustellen. 

Sehr  häufig  aber  ist  die  Zahl  der  sich  überrindenden  Schichten  eine  noch  grössere  und  es  ver- 
schmelzen auch  mehrere  Colonieen  seitlich  mit  einander.  Es  entstehen  dadurch  dicke  unregelmässige  Rinden 
oder  selbst  mehr  als  zollgrosse  knollige  Gestalten. 

An  denselben  sind  die  Zellen  meistens  regellos  gestellt  und  gestaltet  und  durch  Abreibung  oft  in 
ihrer  ganzen  Weite  geöffnet.  Sie  sehen  in  diesem  Zustande  einer  Celleporaria  täuschend  ähnlich  und  werden 
von  Orbigny  zu  Beptomultisparsa  gezählt. 

Die  oberste  Schichte  der  Colonieen  zeigt  wenig  deutlich  umgrenzte  eiförmige,  am  vorderen  Ende  zu- 
gespitzte Zellen,  die  mehr  weniger  im  Quincunx  angeordnet  sind.  Nur  die  grossen,  etwas  abgerundet  drei- 
seitigen, von  einem  ziemlich  stark  erhabenen  Rande  eingefassten  Mündungen,  die  mehr  als  'die  Hälfte  der 
Zellenlänge  einnehmen,  treten  deutlich  hervor.     Die  übrige  Zelleuoberfläche  ist  ziemlich  grob  porös.     Zwischen 


*)  d'Orbigny  zieht  ganz  mit  Unrecht  die  Diastopora  congesta  Rss.  (1.  c.  pag.  65.  Taf.  15.  Fig.  43.)  zu  D.  confluens, 
von  welcher  sie  sehr  abweicht.  Was  d'Orbigny  1.  c.  Taf.  640.  Fig.  1,  2  als  solche  abbildet,  scheint  wohl  nur  eine  Form  von 
D.  confluens  mit  etwas  deutlicher  begrenzten  Zellen  zu  sein,  ist  aber  von  D.  congesta  Rss.  sehr  verschieden. 


—    111    — 

den  typischen  Zellen  liegen  einzelne,  bei  welchen  der  vordere  Winkel  des  Mündungsrandes  sehr  verlängert 
ist;  an  anderen  ist  das  vordere  nicht  verlängerte  Eck  zu  einem  kleinen  Höcker  angeschwollen.  Nicht  selten 
erscheint  übrigens  die  Mündung  geschlossen. 

Selten  auf  Exogyra  haliotoidea  und  Ostrea  hippopodium.  In  Frankreich  im  Cenoman  von  Le  Mans 
(Sarthe),  Cap  du  Heve  bei  Havre  (Seine-Infexieure). 

Discospavsa  d'Orb.  (Patinella  Gray). 

Die  scheibenförmige  Colonie  auf  der  Oberseite  gewöhnlich  schüsseiförmig  vertieft  mit  stark  verwach- 
senen, gegen  die  Peripherie  aufsteigenden  Zellen  mit  einfacher  rundlicher  Mündung.  Die  öfter  kurz  gestielte 
Unterseite  mit  einer  concentrisch  gestreiften  Epithek  überdeckt.     Die  Zwischenräume  der  Zellen  porenlos. 

1.  D.  clathrata  n.  sp.  —  Taf.  27.  Fig.  4. 

Leider  liegt  mir  nur  ein  proliferirendes  Exemplar  zur  Untersuchung  vor.  Die  primäre  Colonie  sitzt 
mit  einem  kurzen  dünnen  Stiele  fest.  Aus  der  Oberseite  ihrer  tellerförmigen  Ausbreitung  sprosst  eine  zweite 
ähnlich  gestaltete  etwas  grössere  Colonie  hervor;  aus  dieser  zwei  mit  einander  seitlich  verwachsene  kleinere, 
und  endlich  aus  den  Rändern  derselben  erheben  sich  in  vierter  Reihe  noch  zwei  sehr  kleine  niedrig  becher- 
förmige jugendliche  Colonien.  Alle  sind  am  oberen  Ende  schüsseiförmig'  ausgebreitet,  die  unteren  mehr  weniger 
verbogen.  Ihre  Unterseite  erscheint,  wo  sie  frei  ist,  mit  einer  starken  concentrisch  streifigen  Epithek  bedeckt. 
Die  Oberseite  besitzt  eine  bei  den  grösseren  Colonieen  ziemlich  weite  und  tiefe  Centraldepression.  In  der- 
selben beobachtet  man  die  schräg  nach  aussen  aufsteigenden  halbröhrigen,  fest  mit  einander  verwachsenen, 
in  Radialreihen  stehenden  Zellen  mit  eckig-rundlichen  Mündungen.  Der  sehr  breite  peripherische  Rand  der 
Colonieen  zeigt  fest  verwachsene  ziemlich  grosse,  fast  vierseitige,  sehr  dünnwandige  Germin alzellen,  wodurch  er 
ein  beinahe  gitterförmiges  Ansehen  gewinnt. 

Dcfrancia  Bronn. 

Polypenstock  einfach,  Scheiben-  oder  pilzförmig  oder  durch  Verschmelzen  mehrerer  einzelner  Colonieen 
regellos  gestaltet,  mit  der  ganzen  Unterseite  oder  nur  mit  einem  kurzen  centralen  Stiele  festsitzend.  Auf 
der  in  der  Mitte  vertieften  Oberseite  sind  die  nach  aussen  aufsteigenden  Röhrenzellen  zu  radialen,  bald  ein- 
bald  mehrreihigen  leistenartigen  Rippen  verwachsen,  auf  deren  oberem  freiem  Rande  sie  ausmünden.  Die 
Zwischenfurchen  sind  bald  porös,  bald  porenlos.  Orbigny  hat  auf  diese  Verschiedenheiten  eine  grosse  Anzahl 
von  Gattungen  gegründet,  die  kaum  beibehalten  werden  können. 

1.  D.  multiradiata  n.  sp.  —  Taf.  27.  Fig.  5,  6. 

Die  Colonie  ist  Scheiben-,  linsen-  bis  präsentirtellerförmig.  Die  Unterseite  ist  in  verschiedenem  Grade 
gewölbt  bis  zum  Niedrig-kegelförmigen,  mit  einer  concentrisch  gestreiften  Epithek  überkleidet  und  mit  einem 
kurzen  dünnen  Stiele  festgewachsen.  Die  Oberseite  erscheint  dagegen  sehr  flach  gewölbt,  mit  seicht  depri- 
mirtem  kreisförmigem  Mittelfelde.  Dasselbe  umgeben  zahlreiche  (bis  50)  schmale  und  niedrige  radiale  Leistchen, 
die  bald  gleich  am  Rande  dieser  Centraldepression  beginnen,  bald  erst  in  grösserem  oder  geringerem  Abstände 
davon  einsetzen  und  daher  eine  sehr  verschiedene  Länge  besitzen.  Auf  ihrem  Rücken  tragen  sie  eine  ein- 
fache Reihe  kleiner  etwas  eckiger  Zellenmündungen,  deren  Rand  nach  innen  hin  dicker  ist  als  in  seinem 
äusseren  Theile.  Gegen  den  peripherischen  Rand  der  Colonie  verflachen  sich  diese  Leisten  allmählich  ganz. 
Die  Zwischenfurchen  der  Leisten,  sowie  die  Centraldepression  werden  von  eben  solchen,  aber  ringsum  dünn- 
wandigen Mündungen  bedeckt,  die  im  Centrum  am  grössten,  am  Rande  am  kleinsten  sind. 

PalaeontogTaphica  XX,  4.  \J 


-      112      - 

Selten  ist  die  Colonie  proliferirend,  indem  aus  irgend  einer  Stelle  der  Oberseite  eine  zweite  kurz 
gestielte  Colonie  hervorwächst.  Mitunter  findet  man  auch  mehrere  Colonieen  mit  ihren  Seitenrändern  in  eine 
zusammenhängende  Fläche  verwachsen. 

Ziemlich  selten. 

2.  Farn.  Tubuliporidea. 

Colonieen  liegend,  meistens  angewachsen,  einfach  oder  verästelt,  von  einem  excentrischen  Punkte  aus- 
gehend. Die  röhrenförmigen  Zellen  im  unteren  Theile  verwachsen,  am  oberen  Ende  mehr  weniger  frei,  in 
ihrer  ganzen  Weite  geöffnet  mit  runder  Mündung  und  scharfem,  einfachem  Mündungsrande. 

Stomatopora  Bronn. 

Colonie  kriechend,  mit  ihrer  Unterseite  angewachsen,  baumförmig  verästelt;  die  Aeste  aus  einer  ein- 
fachen Längsreihe  röhriger  Zellen  bestehend,  von  denen  jede  jüngere  aus  dem  oberen  Theile  der  Unterseite 
der  nächst  älteren  entspringt.     Die  Mündungen  rund,  mehr  weniger  ring-  oder  röhrenförmig  vorragend. 

1.  St.  rugulosa  Rss.  —  Taf.  27.  Fig.  8. 

1854.     Aleeto  rugulosa  Reuss,  Beiträge  zur  Kenntniss  cl.  Kreidesch.  der  Ostalpen,  pag.  137.  tab.  27.  fig.  13. 

Unregelmässige,  sich  dichotom  verästelnde  schlanke  Ausbreitungen  mit  bisweilen  langen,  in  der  Breite 
veränderlichen  Aesten.  Die  einzelnen  halbwalzigen  Zellen  sind  2  —  2  'xk  mal  so  lang  als  breit.  Die  engen 
kreisförmigen  Mündungen  ragen  als  niedrige  Ringe  oder  als  sehr  kurze  Röhrchen  hervor.  Die  Oberfläche 
der  Zellen  ist  mit  sehr  ungleichen  feinen  Querrunzeln  bedeckt. 

Sie  unterscheidet  sich  von  der  ebenfalls  querrunzeligen  St.  subgracilis  d'Orb.  x)  durch  die  längeren 
schlanken  Aeste  und  die  viel  mehr  verlängerten  schmäleren  gleichbreiten  Zellen.  Noch  viel  kürzer  sind  die 
Zellen  der  St,  Calypso  d'Orb.2) 

Nicht  selten  auf  Ostrea  hippopodium  aufgewachsen.  Im  Nefgraben  der  Gosau  findet  man  sie  vor- 
zugsweise auf  Cycloliten  sitzend. 

2.  St.  divaricata  Rom.  sp.  —  Taf.  28.  Fig.  1,  2. 
1848.     Bronn.  Ind.  palaeont.  pag.  1201. 

1850—1851.     d'Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  840.  tab.  629.  fig.  16—18.  (Alecto  brevis.) 
1836      Aulopora  divaricata  Römer,  Oolitli.  pag.  15.  tab.  17.  fig.  2. 

Die  Aeste  der  unregelmässig  dichotomen  Ausbreitungen  sind  beträchtlich  breiter  als  bei  der  vorigen 
Art,  halbcylindrisch  gewölbt,  an  den  niedergedrückten  Seitenrändern  etwas  ungleich.  Die  einzelnen  Zellen, 
wenig  länger  als  breit,  erscheinen  bei  starker  Vergrösserung  fein  und  gedrängt  punktirt,  Mitunter  treten 
auch  noch  Spuren  sehr  feiner  Querrunzeln  hervor.  Das  Vorderende  der  Zellen  biegt  sich  unter  beinahe 
rechtem  Winkel  um  und  ragt  im  wohlerhaltenen  Zustande  röhrig  hervor. 

Nicht  selten  auf  Austernschalen  aufgewachsen.  Auch  bei  Essen  an  der  Ruhr  und  bei  Le  Mans 
in  Frankreich. 

Pröboscina  d'Orbigny. 

Colonie  kriechend,  baumförmig  verästelt,  bisweilen  netzförmig  verbunden.  Die  halb  cylindrischen, 
seltener  mehr  flachen  Aeste  bestehen  aus  mehreren  Längsreihen  verlängerter  röhriger  Zellen,  die,  in  dem 
grössten  Theile  ihrer  Länge  fest  verwachsen,   sich   mit   dem  oberen,   gewöhnlich  etwas  verschmälerten  Ende 


')  Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  838.  tab.  629.  fig.  1-4. 
2)  Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  841.  tab.  680.  fig.  5—8. 


-      113     — 

aufwärts  biegen.  Dieses  in  wechselnder  Ausdehnung  freie  Ende  trägt  die  runde  scharf  umrandete  Mündung. 
Die  Knospung  erfolgt,  indem  die  Tochterzellen  an  der  Krümmungsstelle  aus  der  Unterseite  der  älteren  Zelle 
hervorspriessen.     Die  Mündungen  liegen  bald  mehr  weniger  regelmässig  in  Querreihen,  bald  regellos  zerstreut. 

1.  Pr.  angustata  d'Orb.  —  Taf.  28.  Fig.  3,  4. 
1850—1851.     D'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  852.  tab.  632.  fig.  7-9. 

Sie  ist  die  zarteste  unserer  Proboscina -Arten  und  bildet  sehr  schlanke  unregelmässige  dichotome 
Colonieen,  deren  schmale  Aeste  aus  sehr  langen  dünnen  Röhrenzellen  bestehen,  deren  nur  zwei  oder  höchstens 
drei  in  einem  Aste  neben  einander  liegen.  Sie  werden  äusserlich  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  durch  sehr 
feine  vertiefte  Linien  begrenzt.  Die  sehr  entfernt  stehenden  vereinzelten  kreisrunden  Mündungen  sind  sehr 
klein  und  ragen  ringförmig  hervor. 

Sehr  selten  auf  Exogyra  hdliotoidea  aufgewachsen.    Auch  in  Frankreich  bei  Le  Mans  (Sarthe). 

2.  Pr.  gracilis  n.  sp.  —  Taf.  28.  Fig.  6,  9. 

Die  kriechenden  Colonieen  wenig  ästig  mit  vereinzelten  schlanken,  langen  Aesten,  die  nur  sehr  lang- 
sam an  Breite  zunehmen  und  an  dem  verdickten  Ende  abgerundet  sind.  Die  sehr  dünnen  halbcylindrischen 
Röhrenzellen  stehen  unregelmässig  alternirend,  im  dickeren  Theile  der  Aeste  3  — 5  an  einander  gedrängt.  In 
der  Längsrichtung  der  Aeste  sind  die  kleinen  rundlichen  Mündungen  der  ziemlich  langen  Zellen  viel  weiter 
von  einander  entfernt.     Bei  stärkerer  Vergrösserung  erscheint  auch  hier  die  Zellenwand  sehr  fein  quergestreift. 

Sehr  selten  auf  Ostrea  liippopodium  aufgewachsen. 

3.  Pr.  subclavata  n.  sp.  —  Taf.  28.  Fig.  5. 

Sie  zeigt  mit  manchen  der  schon  beschriebenen  Arten  Aehnlichkeit,  ohne  jedoch  mit  einer  derselben 
völlig  übereinzustimmen.  Von  Fr.  radiolitorum  d'Orb.  *)  unterscheidet  sie  sich  durch  den  nicht  kantigen  Rücken 
der  Aeste,  durch  die  kleineren  Mündungen  und  die  deutlicher  gesonderten  röhrigen  Zellen ;  von  Fr.  comucopiae 
d'Orb.2),  mit  welcher  sie  in  der  letztgenannten  Beziehung  übereinkommt,  durch  die  längeren,  schmäleren,  sich 
weniger  verdickenden  und  gewölbteren  Aeste.  Am  meisten  Analogie  besitzt  sie  mit  Fr.  ramosa  Mich.  sp. a). 
Jedoch  sind  bei  unserer  Species  die  Aeste  meistens  länger,  die  Zellenmündungen  viel  gedrängter. 

Die  Colonieen  sind  etwas  unregelmässig  gabelästig;  die  ziemlich  langen,  an  der  Basis  sehr  schmalen 
Aeste  verbreitern  sich  sehr  allmälich  und  nehmen  dadurch  eine  keulenförmige  Gestalt  an.  Besonders  ist  diess 
der  Fall  bei  den  sich  dichotom  theilenden  Aesten.  Doch  fehlt  diese  Verdickung  auch  nicht  ganz  bei  den 
einfach  bleibenden  Aesten,  in  welchem  Falle  auf  die  Verdickung  wieder  eine  zeitweilige  Verschmälerung  folgt. 

Die  seitliche  Begrenzung  der  verwachsenen  röhrenförmigen  Zellen  ist  auf  der  halb  cylindrisch  ge- 
wölbten Oberfläche  der  Aeste  durch  deutliche  Furchen  ausgesprochen.  Die  runden,  stark  röhrig  vorragenden 
Mündungen  stehen  je  3 — 7  in  schrägen,  queren  oder  selbst  winkelig  gebrochenen  Reihen  und  sind  einander 
manchmal  sehr  genähert.  Die  Entfernung  der  Querreihen  der  Mündungen  ist  etwa  doppelt  so  gross,  als 
jene  der  Längsreihen. 

Selten  auf  Austernschalen  aufgewachsen. 

4.  Pr.  punctatella  Rss.  —  Taf.  28.  Fig.  7. 

1854.     Reuss,  Beiträge  z.  Charakt.  d.  Kreideschichten  in  d.  Ostalpen,  pag.  137.  tab.  27.  fig.  11,  12. 


')  Orbigny  1.  c.  V.  pag.  854.  tab.  633.  fig.  8—10. 

2)  Orbigny  1.  c.  V.  pag.  854.  tab.  633.  fig.  11  —  13;  tab.  634.  Fig.  7—9. 

s)  Orbigny  1.  c.  V.  pag.  851.  tab.  632.  fig.  1-3;  tab.  633.  fig.  1—3. 


—     114     — 

Die  Colonieen  sind  wenig  und  unregelmässig  gabelförmig-ästig;  die  Aeste  sehr  regellos  gestaltet  und 
ausgebreitet.  Ihre  flache  Oberseite  ist  mit  in  regellosen  Querreihen  (zu  je  4 — 7)  stehenden,  nicht  sehr  stark 
ringförmig  vorragenden,  ziemlich  grossen,  runden  Mündungen  bedeckt,  welche  sowohl  in  querer  als  in  der 
Längsrichtung,  besonders  in  der  ersteren,  einander  sehr  genähert  sind.  Die  seitliche  Begrenzung  der  nieder- 
gedrückten Zellenröhren  ist  nur  durch  schwache  Furchen  angedeutet,  ihre  Oberfläche  stark  porös. 

Sehr  selten  auf  Austernschalen  aufgewachsen.  Die  von  mir  1.  c.  aus  dem  Nefgraben  in  der  Gosau 
abgebildeten  Exemplare  besitzen  weniger  breite  Aeste,  als  die  aus  dem  sächsischen  Cenoman. 

5.  Pr.  radioli forum  d'Orb.  —  Taf.  28.  Fig.  12. 

1850— 1851.    D'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  854.  tab.  633.  fig.  8—10. 

1854.    Reuss,  Beitr.  z.  C'harakt.  d.  Kreideschichten  in  d.  Ostalpen,  pag.  137.  tab.  27.  fig.  14;  tab.  28.  fig.  7. 

Unsere  Exemplare  dürften  wohl  mit  der  französischen  Species  identisch  sein;  mit  den  böhmischen 
und  jenen  aus  der  Gosau  stimmen  sie  ohne  Zweifel  überein.  Die  Colonieen  sind  unregelmässig  gabelästig. 
Die  gewölbten  Aeste  verdicken  sich  gegen  das  Ende  hin  etwas  und  sind  mit  mehr  weniger  regelmässigen 
Querreihen  sehr  genäherter  kreisförmiger,  ringförmig  vorragender  kleiner  Mündungen  bedeckt.  Die  seitlichen 
Grenzen  der  kurzen  Röhrenzellen  sind  nur  selten  und  undeutlich  wahrnehmbar. 

Selten.  Gemeiner  ist  die  Species  in  der  Gosau,  wo  sie  gewöhnlich  auf  der  Unterseite  der  Cycloliten 
aufsitzt.  Im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin  in  Böhmen,  sowie  im  Turonien  von  Pons  in  Frankreich 
sehr  selten. 

6.  Pr.  anomala  n.  sp.  —  Taf.  28.  Fig.  8. 

Sie  ähnelt  sehr  manchen  Formen,  welche  ich  aus  dem  Leithakalke  von  Eisenstadt  in  Ungarn  früher 
irriger  Weise  unter  dem  Namen  Diastopora  echinata  v.  M.  beschrieben  hatte.  l) 

Sie  ist  einfach  oder  unregelmässig  ästig.     Die   ungleich,   aber   sehr  stark  röhrenförmig  vorragenden  , 
runden  Mündungen  stehen  in  sehr  genäherten  regellosen  Querreihen.     Die  Zellenoberfläche  ist  fein  und  un- 
gleich quergerunzelt. 

Sehr  selten  auf  Austernschalen  aufgewachsen. 

7.  Pr.  aggregata  n.  sp.  —  Taf.  28.  Fig.  10,  11. 

Kurz  und  regellos  ästige  gewölbte  oder  flächenartig  ausgebreitete  Ueberrindungen,  bedeckt  von  ge- 
drängten sich  beinahe  überall  berührenden,  ringförmig  umrandeten  runden  Mündungen,  welche,  besonders  an 
den  verzweigten  Colonieen,  stellenweise  eine  Anordnung  in  Querreihen  wahrnehmen  lassen,  während  sie  ander- 
wärts regellos  gehäuft  sind.  Die  ziemlich  hohen,  steil  abfallenden  Bänder  der  Colonien  sind  mit  gedrängten, 
scharfrandigen,  etwas  kleineren  und  polygonalen  Mündungen  bedeckt. 

Selten  auf  Ostrea  Mppojoodium  aufgewachsen. 

Unsere  Species  dürfte  wohl  mit  Pr.  (Beptotubigera)  elevata  d'Orb. 2)  aus  dem  französischen  Senon 
zusammenfallen.  Orbigny's  Beschreibung  scheint  nur  nach  einer  Form  der  in  der  Gestalt  offenbar  recht  ver- 
änderlichen Species  entworfen  zu  sein.  Ich  habe  es  deshalb  aber  doch  nicht  gewagt,  die  Identification  direct 
vorzunehmen,  sondern  die  Wahrscheinlichkeit  nur  angedeutet. 


*)  Reuss,  fossile  Polypen  d.  Wiener  Tertiärbeckens,  pag.  52.  tab.  7.  fig.  14,  15. 
'-)  Orbigny  1.  c.  V.  pag.  755.  tab.  760.  fig.  1—3. 


—     115     — 

Meptotubigera  d'Orb. 

Die  kriechenden  Colonieen  einfach,  vorne  verbreitert,  fächerförmig  oder  dichotom  ästig.  Die  runden 
ringförmig  vorragenden  Mündungen  stehen  in  in  der  Mitte  winkelig  gebrochenen  Querreihen.  Ihre  seitliche 
Begrenzung  ist  wenig  deutlich.     Die  Germinalporen  am  vorderen  Ende  der  Ausbreitung. 

Die  Gattung 'Idmonea  wurde  von  Lamouroux  *)  unzweifelhaft  auf  eine  kriechende  Species,  die  jurassische 
Id.  triquetra  Lam.  gegründet  und  erst  später  wurden  derselben  freiwachsende  Arten  einverleibt  und  dadurch 
der  Gattungscharakter  verrückt,  nicht  blos  erweitert.  Orbigny  versuchte  anfänglich  2j  die  ursprüngliche  Be- 
deutung festzuhalten,  indem  er  für  die  freiwachsenden  Arten  die  Gattung  Crisisina  gründete;  später  ging  er 
jedoch  wieder  von  dieser  Ansicht  ab  und  gebrauchte  statt  letzterer  den  Namen  Idmonea,  schuf  dagegen  für 
die  incrustirenden  Arten  die  Gattung  Beptotubigera  3).  Auch  J.  Haime  4)  hat  sich  auf  den  Standpunkt  Lamou- 
roux's  gestellt  und  nimmt  den  Namen  Idmonea  nur  für  die  kriechenden  incrustirenden  Species  an.  Die  meisten 
neueren  Palaeontologon  habeu  dagegen  die  von  Orbigny  später  adoptirte  Ansicht  angenommen.  So  sehr 
ich  nun  auch  die  Berechtigung  des  Lamouroux'schen  Gattungsbegriffes  anerkenne,  glaube  ich  doch,  um  die 
unvermeidliche  Namenverwirrung  nicht  immer  mehr  zu  steigern,  der  fast  allgemein  adoptirten,  wenngleich 
willkürlichen  Methode  folgen  zu  müssen.  Ich  begreife  daher  unter  Idmonea  die  frei  sich  erhebenden,  baum- 
förmig  verästelten  Arten  (Crisisina  d'Orb.  prius)  und  lege  den  kriechenden  Arten  den  Namen  Beptohibigera 
bei.  Dabei  halte  ich  mich  jedoch  streng  an  die  von  Orbigny  gegebene  Charakteristik.  Nach  dieser  müssen 
mehrere  als  Beptotubigera  beschriebene  und  abgebildete  Arten,  wie  z.  B.  B.  neocomensis  (Taf.  763.  flg.  1 — 3) 
und  B.  elevata  d'Orb.  (Taf.  760.  fig.  1  —  3)  ausgeschlossen  und  zu  Proboscina  versetzt  werden. 

1.  R.  virgula  d'Orb.  —  Taf.  28.  Fig.  13. 
1850—1851.     Orbigny  1.  c.  V.  pag.  753.  tab.  631.  fig.  15  —  17.  (Idmonea  virgula.) 

Die  Fossilreste  von  Plauen  stimmen  völlig  mit  der  Orbigny'schen  Species  aus  dem  Cenoman  von 
Le  Mans  (Sarthe)  überein.  Sie  bilden  längliche,  stark  gewölbte,  hinten  zugespitzte,  vorne  breit  gerundete 
Ausbreitungen,  auf  deren  Oberseite  die  dick  umrandeten,  ringförmigen  Mündungen  in  geraden,  in  der  Mittel- 
linie fast  rechtwinkelig  gebrochenen  Reihen  angeordnet  sind.  In  ihren  Zwischenräumen  ist  keine  Begrenzung 
der  Zellen  äusserlich  sichtbar.     Am  Rande  des  Vorderendes  der  Colonie  stehen  kleine  Germinalzellen. 

Sehr  selten. 

T%ibulipora  Lam. 

Colonieen  liegend,  grösstenteils  angewachsen,  einfach  oder  wenig  getheilt,  von  einem  excentrischen 
Punkte  ausgehend.  Die  röhrenförmigen  Zellen  nur  in  ihrem  unteren  Theile  verwachsen,  mit  dem  oberen, 
freien  Ende  in  beträchtlicher  Ausdehnung  röhrig  vorragend.     Die  runden  Mündungen  scharfrandig. 

1.  T.  linearis  n.  sp.  —  Taf.  33.  Fig.  17. 

Sie  gehört  zu  jener  Gruppe,  welche  Lamouroux  in  seiner  Gattung  Obelia  zusammenfasst  (Expos.  m6th. 
des  genres  de  polyp.  pag.  81.  Taf.  8.  Fig.  7,  8).  Die  auf  Austernschalen  aufgewachsenen  Colonieen  sind  sehr 
klein,  unverästelt,  sehr  schlank  und  beinahe  in  ihrer  gesammten  Länge  gleich  breit.  Auf  ihrer  gewölbten 
Oberseite  stehen  die  feinröhrenförmigen,  in  massiger  Ausdehnung  freien  Zellenmündungen  in  zwei  Län  gsreihen 
abwechselnd  nach  rechts  und  links  gewendet. 


')  Expos,  method.  des  geiires  de  polyp.  pag.  SO. 

2)  Prodrome  de  paleont.  strat.  II.  pag.  265  —  Cours  elemeut.  de  paleont.  et  de  geol.  strat.  II.  1.  pag.  107. 

8)  Pal.  francaise  terr.  cret.  V.  pag.  728,  751. 

4)  Descript.  des  bryozoaires  foss.  de  la  format.  jurass.  1854.  pag.  170. 


—     116     — 

3.  Fam.  Entalophor  idea. 

Polypenstock  frei  in  die  Höhe  wachsend,  mehr  weniger  baumförmig  verzweigt.  Die  langen  Röhren- 
zellen bündeiförmig  fest  verwachsen,  entweder  rund  um  die  Stämmchen  oder  nur  auf  einer  Seite  derselben 
ausmündend.     Keine  poröse  Rückenschichte,  keine  accessorischen  und  Zwischenporen. 

JEhitalopliora  Lamx. 

Die  Zellenmündungen  sind  rings  um  die  Stämmchen  vertheilt,  bald  regellos  zerstreut,  bald  mehr 
weniger  deutlich  im  Quincunx  gestellt.  *) 

1.  E.  virgula  v.  Hag.  sp.  —   Taf.  29.  Fig.  1,  2. 

1851.     Pustulipora  virgula  v.  Hagenow,  ßryoz.  v.  Maastricht,  pag.  17.  tab.  1.  fig.  3. 
Pustulipora  rustica  v.  Hagenow,  1.  c.  pag.  17.  tab.  1.  fig.  5. 

Auf  den  nicht  sehr  dünnen  gabelästigen  Stämmchen  stehen  die  schräg  nach  aufwärts  gerichteten 
Mündungen,  gewöhnlich  je  4  —  6  in  einem  Umkreise  einer  wenig  regelmässigen,  steilen  Spirale.  Im  wohler- 
haltenen Zustande  sind  sie  rundlich  und  ragen  nicht  unbeträchtlich  vor;  sehr  oft  bilden  sie  aber  in  Folge 
von  Abreibung  nur  schwache  Vorragungen  und  haben  einen  elliptischen  Umriss  angenommen.  Die  langen 
Röhrenzellen  sind  nur  in  ihrem  Endtheile  durch  seichte  Furchen  geschieden ;  übrigens  erkennt  man  ihre  seit- 
liche Begrenzung  nur  an  dem  Vorhandensein  durchscheinender  feiner  dunkler  Linien.  Die  Schalenoberfiäche 
trägt  zarte  ungleiche  Querstreifen  und  lässt  bei  stärkerer  Vergrösserung  sehr  zahlreiche  und  feine  Poren 
wahrnehmen. 

Ob  E.  virgula  wirklich  mit  E.  raripora  d'Orb. 2)  übereinstimme ,  vermag  ich  bei  dein  Mangel  fran- 
zösischer Originalexemplare  nicht  zu  entscheiden.  Die  Orbigny'schen  Abbildungen,  die  aber  selbst  wenig  Ueber- 
einstimmung  zeigen,  scheinen  nicht  dafür  zu  sprechen. 

Fustulipora  rustica  v.  Hag.  ist  aber  von  E.  virgula  nicht  zu  trennen;  sie  ist  nur  auf  Fragmente 
älterer  dickerer  Stämmchen  gegründet.     E.  attenuata  Stol.  3)  scheint  auch  nur  wenig  verschieden  zu  sein. 

Nicht  häufig  bei  Plauen.  —  Im  Kreidetuff  von  Maastricht  und  Falkenberg. 

2.  E.  pulchella  Rss.  —  Taf.  29.  Fig.  3. 

1869.     Spiropora  pulchella  Reuss,  pal.  Stud.  über  die  alt.  Tertiärschicht,  d.  Alp.  IL  pag.  75.  tab.  36.  fig.  4,  5. 

Diese  Species  scheiut  sich  einer  ausgedehnten  verticalen  Verbreitung  zu  erfreuen.  Zuerst  habe  ich 
sie  im  Miocän  Oesterreichs  aufgefunden;  später  völlig  übereinstimmend  im  Oligocän  des  Vicentinischen ,  in 
beiden  Schichtengruppen  häufig.  Jetzt  sehe  ich  mich  ausser  Stande,  eine  Entalophora-Art  aus  der  Tourtia 
von  Plauen  durch  irgend  ein  annehmbares  Kennzeichen  davon  zu  unterscheiden. 

Auf  den  sich  etwa  unter  80°  gabelnden  cylindrischen  Stämmchen  stehen  die  runden,  schwach  ring- 
förmig umrandeten  Mündungen  in  steilen  Spiralen,  in  etwa  15  —  17  meistens  regelmässigen  Längsreihen.  Ihr 
verticaler  Abstand  ist  weit  beträchtlicher  als  ihr  seitlicher,  denn  die  Röhrenzellen  erreichen  eine  nicht  unbe- 
deutende Länge.  Sie  sind  nur  selten  seitlich  durch  sehr  seichte  Furchen  begrenzt;  meistens  hat  der  abge- 
flachte Zellenbauch  jederseits  eine  sehr  schwache  erhabene  Linie  neben  sich.  Die  Schalenoberfläche  ist  mit 
gedrängten  zarten  Poren  bedeckt. 

Nicht  häufig. 


')  Reuss,  Foraminif.,  Anthoz.  und  Bryozoen  d.  deutsch.  Septarienthones.  pag.  77. 

2)  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  787.  tab.  621.  fig.  1—3;  tab.  623.  fig.  25—27. 

3)  Reuss,  paläont.  Stud.  über  d.  alt.  Tertiärschicht,  d.  Alpen.  IL  pag.  74.  tab.  36.  fig.  1,  2. 


—      117     — 

E.  tenuis  d'Orb.  aus  dem  Cenoman  von  Le  Mans  ist  von  unserer  Species  offenbar  nicht  wesentlich 
verschieden. 

3.  E.  Vendinnensis  d'Orb.  —  Taf.  29.  Fig.  4,  5. 
1850—1851.     D'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  784.  tab.  617.  fig.  15—17. 

Entalophora  Sarthacensis  d'Orb.  I.  c.  tab.  619.  fig.  6—9. 

Aestige  cylindrische  bald  dickere,  bald  schlankere  Stämmchen  mit  in  regelmässigen  alternirenden 
Längsreihen  stehenden  und  steil  aufsteigende  Spiralen  bildenden,  ziemlich  langen,  röhrenförmigen  Zellen, 
die,  seitlich  durch  eine  Furche  begrenzt,  mit  ihren  runden  Mündungen  stark  ringförmig  vorragen.  Jedoch 
wechselt  die  Länge  des  freien  Mündungsendes  sehr  je  nach  dem  Erhaltungszustande.  Die  Aussenwand  der 
Zellen  lässt  feine  ungleiche  Anwachsstreifen,  in  deu  meisten  Fällen  jedoch  nur  zarte  Poren  wahrnehmen.  An 
abgeriebenen  Fragmenten  ragen  die  Mündungen  gar  nicht  vor  und  sind  in  verticaler  Richtung  verlängert,  wie 
dies  von  Orbigny  1.  c.  Taf.  619.  Fig.  8  dargestellt  wurde. 

Pustulopora  ecJrinata  Mich.  *)  aus  dem  Cenoman  von  Le  Mans  scheint,  nach  der  Abbildung  zu  urthei- 
len,  von  der  in  Rede  stehenden  Species  verschieden  zu  sein. 

E.   Vendinnensis,  zuerst  bei  Le  Mans  gefunden,  kommt  bei  Plauen  nicht  gar  selten  vor. 

4.  E.  Geinitzi  n.  sp.  —  Taf.  29.  Fig.  6,   7. 

Bei  derselben  stehen  die  Mündungen  am  gedrängtesten  unter  allen  mir  bekannten  Arten  der  Gattung 
Entalophora.  Die  kleinen  kurzröhrigeu  Zellen  sind  auf  den  schlanken,  fast  rechtwinkelig  dichotomen  Stämm- 
chen regelmässig  im  Quincunx  zusammengedrängt  und  werden  seitlich  durch  schwache  Längsfurchen  begrenzt. 
Sie  bilden  steil  um  das  Stämmchen  aufsteigende  Spiralreihen,  wobei  jeder  Umkreis  etwa  16—18  Mündungen 
umfasst.  Im  wohlerhaltenen  Zustande  sind  die  kleinen  runden  Mündungen  stark  ringförmig  umrandet.  Bei 
weniger  vollständiger  Erhaltung  verflacht  sich  zuerst  der  untere  Theil  des  Mündungsrandes  und  der  ümriss  der 
Mündung  geht  in  das  Vertical-Elliptische  über,  bis  endlich  im  weiteren  Verlaufe,  der  Rand  völlig  verschwindet. 
Die  Zellenwand  ist  nur  schwach  von  einer  Seite  zur  anderen  gewölbt  und  von  zahlreichen  nicht  sehr  zarten 
Poren  durchstochen.  An  abgeriebenen  Stücken  erscheint  dagegen  die  flache  Zellenwand  beiderseits  von  einer 
feinen  erhabenen  Längslinie  eingefasst. 

Das  flach  gewölbte  Ende  der  Aeste  zeigt  in  der  Mitte  zahlreiche  kleine  rundliche  Germinalporen. 

Die  Species  scheint  bei  Plauen  ziemlich  selten  zu  sein. 

5.  E.  conjugata  n.  sp.  —  Taf.  29.  Fig.  8. 

Sie  zeichnet  sich  vor  allen  hier  beschriebenen  Entalophora-Arten  dadurch  aus,  dass  die  Mündungen 
nicht  vereinzelt  sind,  sondern  je  drei,  seltener  nur  zwei  zu  kleinen  Gruppen  verwachsen  sind. 

Die  Stämmchen  sind  schlank,  walzenförmig,  wenig  ästig.  Die  rundlichen  Mündungen  ragen  in  Gestalt 
kurzer,  am  Ende  bisweilen  etwas  angeschwollener  Röhrchen  hervor,  deren  drei  oder  zwei  unmittelbar  neben 
einander  liegen  und  mit  einander  verschmolzen  sind.  Diese  kleinen  Gruppen  bilden  unterbrochene  unregel- 
mässige Ringe  oder  Spiralen  rings  um  die  Stämmchen,  welche  sich  in  wenig  ungleichen  verticalen  Abständen 
von  einander  befinden. 

Von  den  Mündungen  laufen  feine  erhabene  Linien  —  die  Grenzlinien  der  Röhrenzellen  —  bis  zur 
nächstunteren  Spiralreihe  herab.  Bei  stärkerer  Vergrösserung  erscheint  auch  hier,  wie  bei  allen  übrigen 
Entalophora-Arten,  die  Schalenoberfläche  fein  porös. 

Sehr  selten. 


*)  Micbelin,  Icouogr.  zoopbyt.  pag.  211.  tab.  53.  fig.  5. 


-      118     — 

Spiropora  Lamx. 

Die  rundlichen  Zellenmündungen  bilden  um   die  baumförmig- ästigen  Stämmchen  mehr  weniger  ein- 
fache kreisförmige  Keihen  in  bald  grösserem,  bald  kleinerem  verticalem  Abstände  von  einander. 
1.  Sp.  verticillata  Goldf.  sp.  —  Taf.  29.  Fig.  9. 

1826—1833.  Ceriopora  verticillata  Goldfuss,  Petref.  Germ.  I.  pag.  36.  tab.  11.  fig.  1. 

1839.  Ceriopora  annulata  v.  Hagenow,  in  Leonh.  u.  Bronn's  Jahrb.  pag.  284.  tab.  5.  fig.  1. 

1846.  Cricopora  annulata  Eeuss,  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform,  pag.  64.  tab.  14.  fig.  2,  3. 

1850—1851.  Spiropora  antiqua  d'Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  710.  tab.  615.  fig.  10—18;  tab.  745.  fig.  14— 19.1) 

1851.  Cricopora  verticillata  v.  Hagenow,  1.  c.  pag.  20.  tab.  1.  fig.  12. 

1851.  Cricopora  Reussi  v.  Hagenow,  Bryoz.  v.  Maastricht,  pag.  21.  tab.  1.  fig.  13. 

1871.  Spiropora  verticillata  Simonowitsch,  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Bryoz.  d.  Essener  Grünsandes,  pag.  63. 

Eine  sehr  veränderliche  Art.  Dadurch  wird  es  erklärbar,  dass  sie  zur  Aufstellung  so  vieler  Species 
Veranlassung  geboten  hat.  Schon  das  spärliche  mir  vorliegende  Material  genügt  zum  Beweise ,  das  Sp.  ver- 
ticillata und  Eeussi  (annulata)  nicht  von  einander  geschieden  werden  können,  denn  der  Abstand  der  Mündungs- 
kreise  ist  einem  sehr  grossen  Wechsel  unterworfen.  Dies  wurde  auch  von  Orbigny  und  neuerdings  von 
Simonowitsch  anerkannt.  Ersterer  hat  die  grosse  Formenmannigfaltigkeit,  welche  die  Species  annehmen  kann, 
gezeigt,  obwohl  es  immerhin  noch  möglich  wäre,  dass  vielleicht  einzelne  derselben  dem  Formenkreise  der 
Sp.  verticillata  nicht  einverleibt  werden  dürfen. 

Alle  Formen  kommen  darin  überein,  dass  sie  zierliche  selten  verästelte  Stämmchen  bilden,  an  welchen 
in  grösseren  oder  kleineren  Abständen  die  sich  nach  aussen  umbiegenden  Röhrenzellen  ausmünden,  in  bald 
horizontalen,  bald  mehr  schiefen  Ringen.  Die  runden  oder  wenig  quer-ovalen  Mündungen  ragen  hoch  umran- 
det hervor  und  verschmelzen  an  ihren  Rändern  zum  leistenartig  vorragenden  Ringe.  Von  beiden  Seitenrändern 
der  Mündungen  laufen  gerade  Linien  bis  zum  nächstunteren  Ringe  herab.  —  die  Begrenzungen  der  aussen 
etwas  abgeplatteten  Zellenröhren.  Oft  ragen  diese  Linien  mehr  weniger  hervor  und  ertheilen  den  Stämm- 
chen ein  etwas  kantiges  Ansehen.     Die  Schalenoberfläche  ist  mit  zahlreichen  feinen  Poren  bedeckt. 

Die  älteren  Stämmchen  sind  gewöhnlich  als  Sp>.  verticillata  entwickelt,  welche  im  Allgemeinen  dicker 
ist.  Die  Mündungen  stehen  zu  je  12  — 16  in  einem  Ringe  und  der  Abstand  zweier  Mündungsringe  eines 
Stämmchens  beträgt  nicht  viel  mehr  als  der  Querdurchmesser  des  Stämmchens  selbst. 

Die  jüngeren  Zweige  stellen  in  der  Regel  die  Sp.  annulata  dar.  Sie  sind  schlanker,  haben  nur  6 — 10 
Mündungen  in  einem  Ringe,  während  der  Abstand  zweier  Mündungsringe  21/a — 4  mal  so  gross  ist  als  der 
Durchmesser  des  Stämmchens. 

Zwischen  diesen  beiden  nur  graduellen  Extremen  gibt  es  alle  möglichen  Zwischenstufen,  deren  Zahl 
noch  durch  die  verschiedene  Höhe  der  Umrandung  der  Mündungen  vermehrt  wird. 

Die  Species  findet  sich  bei  Plauen  nur  selten ;  ebenso  im  unteren  Planer  von  Weisskirchlitz  bei  Teplitz 
und  in  den  Schillingen  von  Bilin  in  Böhmen.  Häufig  bei  Maastricht  und  Falkenberg,  auf  der  Insel  Rügen,  in 
Schoonen ;  selten  im  Grünsand  von  Essen ;  in  Frankreich  nach  Orbigny  weit  verbreitet  in  allen  drei  Kreide- 
becken, im  englisch-Pariser,  im  Pyrenäischen  und  im  Mittelmeerischen. 

Sp.  cenomana  d'Orb.  (1.  c.  pag.  708.  Taf.  615.  fig.  1 — 9  =  Cricopora  verticillata  Mich,  aus  dem 
Cenoman  von  Le  Mans  ist  unzweifelhaft  auch  nur  eine  Form  der  hier  besprochenen  vielgestaltigen  Species. 


Dort  ist  auch  die  weitere  Synonymie  nachzusehen. 


—      119     — 

Sp.  cenomana  d'Orb.  (1.  c.  pag.  708.)  tab.  615.  flg.  1—9  =  Cricopora  verticillata  aus  dem  Cenoinan 
von  Le  Mans.ist  unzweifelhaft  auch  nur  eine  Form  der  hier  besprochenen  vielgestaltigen  Species. 

JPeriopora  d'Orb. 

Wie  bei  Spiropora;  nur  sind  die  oft  unregelmässigen  Mündungsringe  nicht  einfach,  sondern  bestehen 
aus  mehreren  dicht  neben  einander  liegenden  Mündungsreihen.  Die  Gattung  kann  wohl  auch  nur  als  eine 
Unterabtheilung  von  Spiropora  betrachtet  werden. 

1.  P.  Ligeriensis  d'Orb.  —  Taf.  29.  Fig.   10. 
1850-1851.     Orbigny  1.  c.  V.  pag.  704  tab.  16.  fig.  9—11;  tab.  745.  flg.  11—13. 

1851.     Escharites  distans  v.  Hagenow,  Bryoz.  v.  Maastricht,  pag.  56.  tab.  1.  fig.  16. 

Auch  diese  Art  ist  offenbar  sehr  veränderlich,  wenngleich  vielleicht  nicht  alle  von  Hagenow  auf  sie 
bezogenen  Formen  ihr  wirklich  angehören  sollten.  Wenigstens  bei  1.  c.  Taf.  1.  fig.  17  ist  mir  dies  höchst 
wahrscheinlich.  Zu  der  Verschiedenheit  des  Aussehens  trägt  jedoch  der  Grad  des  Abgeriebenseins  der  Stämm- 
chen ungemein  viel  bei.  Im  frischen  Zustande  ragen  die  rundlichen  Mündungen  mehr  weniger  röhrig  hervor 
und  stehen  in  wechselndem  Grade  von  einander  ab.  Abgerieben  liegen  sie  in  gleichem  Niveau  mit  der  Um- 
gebung, drängen  sich  näher  an  einander  und  werden  etwas  eckig.  Bei  noch  weiter  vorgeschrittenem  Ange- 
griffensein verlängern  sie  sich  in  verticaler  Richtung,  indem  ein  Theil  der  Zellenwandung  verloren  geht. 

Die  wenigen  mir  vorliegenden  Bruchstücke  befinden  sich  durchgehends  in  etwas  abgeriebenem  Zu- 
stande. Sie  sind  schlank,  drehrund,  meist  unverästelt.  Die  rundlichen,  etwas  verlängerten  oder  eckigen  Mün- 
dungen stellen  gedrängt  in  unterbrochenen,  aus  mehreren  (2 — 4)  Reihen  zusammengesetzten  Ringen  oder 
Spiralen,  die  durch  sehr  ungleiche  mündungsfreie  Zonen  von  einander  geschieden  werden.  In  denselben  treten 
die  Zellen  als  schwach  gewölbte,  seitlich  durch  Furchen  begrenzte  Röhrchen  hervor,  auf  deren  Oberfläche  man 
ungleiche  quere  Anwachsstreifen  und  bei  stärkerer  Vergrösserung  zarte  Poren  wahrnimmt. 

Selten.  —  Auch  bei  Maastricht  und  Falkenberg,  sowie  in  der  Senonkreide  des  englisch-Pariser  und 
des  Pyrenäischen  Kreidebeckens  Frankreichs. 

Umbrettina  n.  gen. 

Sie  unterscheidet  sich  von  Fasciculipora  d'Orb.  (=  Fungella  von  Hag.),  mit  welcher  ich  sie  zuerst 
vereinigt  hatte,  durch  den  einfachen  niemals  ästigen  Polypenstock  und  den  Mangel  der  dicht  gedrängten 
terminalen  Mündungsgruppen,  deren  Stelle  vereinzelte,  mehr  weniger  kreisförmig  geordnete,  umrandete  Mün- 
dungen einnehmen. 

Die  hier  angegebenen  Charaktere  trägt  nebst  der  von  mir  zu  beschreibenden  Species  auch  ein  Fossil 
an  sich,  das  von  Lonsdale  unter  dem  Namen  Clypeina  tubaeformis  aus  der  weissen  Kreide  von  Kent 
beschrieben  wird.  *)  Es  weicht  durch  seine  deutlichen  Röhrenzellen  himmelweit  ab  von  der  Clypeina  mar- 
giniporella2)  aus  dem  Pariser  Eocän,  welche  vielmehr  den  Foraminiferen  und  zwar  der  Familie  der  vielge- 
staltigen Dactyliporideen  zuzurechnen  ist. 

1.  U.  Stelzneri  n.  sp.  -  Taf.  29.  Fig.  11. 

Sie  ist  nur  wenige  mm.  hoch  und  hat  eine  kreisförmige  Gestalt.  Von  einem  kurzen  Stiele  ausgehend, 
verdickt  sie  sich  nach  oben  allmälich  und  endet  zuletzt  gerade  abgestutzt  in  einer  fast  kreisrunden,  wenig 
unebenen  Fläche,  die  am  Rande  einen  Kreis  ziemlich  grosser,  rundlicher,  ringförmig  umrandeter  Mündungen 


1)  Dixon,  the  geol.  and  foss.  of  the  tert.  and  cret.  form,  of  Sussex.  pag.  274.  tab.  18.  A.  fig.  4.  4  a. 
■)  Michelin,  iconogr.  zoophyt.  pag.  177.  tab.  46.  fig.  27. 

xx.  i.  18 


—      120     — 

trägt.     Einige  derselben  stehen  übrigens  auch  vereinzelt   und   weit   von   einander   entfernt  im  inneren  Theile 
der  oberen  Kreisfläche. 

Die  Seiten  der  Colonie  zeigen  nur  durchscheinende  feine  Längslinien,  die  seitlichen  Grenzen  der  nach 
aufwärts  sich  an  Zahl  vermehrenden  Röhrenzellen.  Bei  stärkerer  Vergrösserung  erscheinen  auch  feine  Poren 
auf  den  Wandungen. 

Ich'  habe  die  sehr  seltene  Species  zu  Ehren  des  Hrn.  A.  Stelzner  benannt,  der  mir  dieselbe  nebst 
zahlreichen  anderen  Bryozoen  aus  der  Tourtia  von  Plauen  auf  die  zuvorkommendste  Weise  zur  freien  Dis- 
position stellte. 

Meliceritites  Rom. 

Sie  bildet  gabelig  ästige  Stämmchen  gleich  Escharites,  mit  welchem  sie  auch  im  inneren  Baue 
vollständig  übereinstimmt.  Auf  dem  Querschnitte  und  an  den  freien  Enden  der  Zweige  beobachtet  man  näm- 
lich innerhalb  des  äusseren  Ringes  grösserer  Zellen  zahlreiche  mehr  weniger  in  concentrischen  Kreisen  stehende, 
nach  innen  hin  immer  kleiner  werdende  Oeffnungen  von  Embryonalzellen.  Die  Röhrenzellen,  aus  welchen 
nach  oben  hin  stets  neue  hervorspriessen,  sind  in  einer  der  Hauptaxe  parallelen  Richtung  zu  einem  Bündel 
verwachsen,  dessen  äussere  sich  mit  ihrem  oberen  Ende  nach  aussen  umbiegen,  um  an  der  Oberfläche  der 
Stämmchen  auszumünden.  Die  die  Mündungen  tragenden  Zellenenden  bilden  regelmässige  alternirende  Quer- 
reihen. Darin  kömmt  Meliceritites  mit  Melicerita  M.  Edw.  überein,  welche  aber  in  ihrem  inneren  Baue 
völlig  mit  Eschara  übereinstimmt,  daher  von  Escharites  und  Meliceritites  wesentlich  abweicht.  Letztere 
Gattung  verhält  sich  mithin  zu  Escharites  gerade  so  wie  Melicerita  zu  Eschara.  So  lange  man  diese  zwei 
Gattungen  gesondert  hält  und  so  lange  man  die  Stellung  der  Zellen  oder  ihrer  Mündungen  zur  Aufstellung- 
anderer  Gattungen  verwerthet,  müssen  offenbar  auch  Escharites  und  Meliceritites  gesonderte  Gattungen  bilden. 

1.  M.  gracilis  Rom.   -   Taf.  29.  Fig.   12—16. 
1826—1833.     Ceriopora  gracilis  Goldfnss,  Petref.  Germ.  I.  pag.  35.  tab.  10.  fig.  11. 

1841.     Römer,  Verstein.  d.  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  18.  tab.  5.  fig.  13. 

1851.    Escharites  gracilis  v.  Hagenow,  Bryoz.  v.  Maastr.  pag.  56.  tab.  1.  fig.  15.  d — h,  non  a — c. 

Die  schlanken  cylindrischen  gabelästigen  Stämmchen  nehmen  je  nach  ihrem  Erhaltungszustande  eine 
sehr  abweichende  Physiognomie  an,  so  dass  man  ohne  Vergleichung  der  Zwischenstufen  sich  leicht  veranlasst 
sehen  könnte,  die  Extreme  für  verschiedene  Species  anzusehen.  —  Taf.  5.  fig.  13  bei  Römer  1.  c.  und  zum 
Theile  auch  Taf.  1.  fig.  15  c  bei  Hagenow  1.  c.  stellen  den  normalen  Zustand  dar,  während  Taf.  10.  fig.  11 
bei  Goldfuss  1.  c.  und  in  noch  höherem  Grade  Taf.  1.  fig.  15  d  bei  Hagenow  Bilder  von  sehr  abgeriebenen 
Exemplaren  liefern.  Aber  Taf.  1 .  fig.  1 5  a,  b  bei  Hagenow  gehören  wohl  einer  anderen  Species  an ,  da  sie 
sich  aus  dem  Normalzustande  von  M.  gracilis  nicht  ableiten  lassen.  Dagegen  "scheint  Pustulipora  dubia  Hag.1) 
in  den  Formenkreis  von  M.  gracilis  aufgenommen  werden  zu  müssen.  Mit  Pustulipora  kann  sie  auf  keinen 
Fall  verbunden  werden. 

Auf  den  Stämmchen  stehen  die  kleinen  Zellen  in  deutlichen  alternirenden  Querreihen  (meistens  12—16 
in  einer  derselben)  und  nur  an  den  Gabelungsstellen  der  Zweige  wird  diese  Anordnung  weniger  regelmässig. 
Gewöhnlich  haben  die  Zellen  einen  länglich-hexagonalen  Umriss,  wobei  das  eine  schärfere  Eck  des  Hexagons 
nach  oben,  das  andere  nach  unten  gerichtet  ist.  Bisweilen  nehmen  sie  jedoch  die  Rhombenform  an.  Sie 
werden  von  einem  gemeinschaftlichen  scharfen  erhabenen  Rande  umgeben,  der  in  seiner  oberen  Hälfte, 
welche  die  Mündung  umfasst,  am  höchsten  emporragt. 


*)  v.  Hagenow,  Bryozoen  von  Maastricht,  pag.  19.  tab.  1.  fig.  10. 


—     121      — 

Die  Mündung  nimmt  fast  die  halbe  Zellenfläche  ein,  ist  dreieckig  mit  aufwärts  gerichteter  Spitze  und 
nach  unten  von  einem  erhabenen  Rande  eingefasst.  Die  übrige  Zellenwand  ist  flach  und  dacht  schwach 
nach  unten  ab. 

An  abgeriebenen  Fragmenten  ändert  sich  das  Aussehen  allmählich  nicht  unbeträchtlich.  Der  erhabene 
Rand  der  Zellen  und  der  Mündung  verschwindet  nach  und  nach  völlig.  Die  Oberfläche  der  Stämmchen  wird 
eben  und  es  prägt  sich  allmählich  eine  schwache  Furche  als  Begrenzung  der  Zellen  aus.  Die  Mündung  wird 
grösser,  verliert  ihre  trigonale  Gestalt  und  wird  endlich  zur  breiten  Ellipse,  indem  die  Zellenwand  verschwindet 
und  die  Zelle  nach  Art  der  typischen  Membraniporen  fast  in  ihrer  ganzen  Weite  geöffnet  erscheint. 

Eine  Zwischenstufe  stellt  die  Abbildung  Taf.  10.  flg.  11c  bei  Goldfuss  1.  c.  dar.  Es  ist  durch  Zer- 
störung der  Zelleuwand  ebenfalls  eine  Oeffnung  entstanden,  die  aber  noch  durch  den  brückenartig  stehen  ge- 
bliebenen Unterrand  der  Mündung  von  dieser  geschieden  wird,  wodurch  eine  Doppelöffnung  entsteht.  Ich 
habe  solche  Formen  mehrfach  beobachtet. 

Die  gewölbten  freien  Enden  der  Zweige  sind  innerhalb  des  äusseren  Kranzes  grösserer  Mündungen 
mit  mehr  weniger  regelmässigen  concentrischen  Kreisen  kleinerer  Oeffnungen  der  Embryonalzellen  bedeckt. 
Auf  dem  Verticalschnitte  sieht  man  die  äussere  Schichte  der  bündeiförmig  verwachsenen  aufsteigenden  Röhren- 
zellen sich  mit  ihrem  oberen  Ende  nach  aussen  umbiegen,  und,  sich  zugleich  zur  grösseren  Zellenhöhlung 
erweiternd,   auf  der  Oberfläche  der  Stämmchen  auf  die  früher  angegebene  Weise  in  Querreihen  ausmünden. 

Die  Species  kömmt  häufig  vor  im  Cenoman  von  Plauen,  sowie  in  jenem  von  Essen ;  ziemlich  häufig 
im  Kreidetuff  von  Maastricht  und  Falkenberg. 

2.  M.  Geinitzi  n.  sp.  —  Taf.  29.  Fig.  17;  Taf.  30.  Fig.  1. 

Sie  ist  offenbar  der  M.  Römeri  Hag.  sp. x)  aus  der  weissen  Kreide  von  Rügen  sehr  verwandt,  aber 
durch  Grösse  und  Gestalt  der  Mündung  verschieden.  Auch  von  M.  gracilis  Rom.  weicht  sie  durch  constante 
Merkmale  ab. 

Ihre  spärlich  dichotom  ästigen  walzenförmigen  Stämmchen  sind  stets  schlanker  als  bei  der  vorigen 
Species.  Die  in  altei'nirenden  Querreihen  stehenden  Zellen  sind  kleiner,  weniger  scharf  hexagonal  und  zeigen 
eine  weit  grössere  Neigung  zu  Unregelmässigkeiten  in  der  Stellung.  Die  Mündung  ist  weniger  scharf  drei- 
eckig, mehr  an  den  Winkeln  abgerundet,  nur  von  einem  zarten  erhabenen  Rande  eingefasst,  der  dem  Mün- 
dungsrande von  M.  gracilis  an  Dicke  weit  nachsteht.  Uebrigens  ist  die  Mündung  auch  verhältnissmässig 
grösser,  indem  sie  den  grössten  Theil  der  Zelle  einnimmt  und  nur  am  unteren  Ende  derselben  einen  kleinen 
Theil  frei  lässt,  der  durch  eine  dünne  flache  Zellendecke  geschlossen  wird. 

An  abgeriebenen  Exemplaren  erscheinen  die  Zellen  in  ihrer  ganzen  Weite  geöffnet  mit  runder  Mün- 
dung, welche  bei  M.  gracilis  im  gleichen  Falle  vertical  elliptisch  ist. 

An  einem  Exemplare  beobachtete  ich  einzelne  grosse,  flach  gewölbte,  eiförmige  Ovicellarien,  deren 
Oberfläche  bei  starker  Vergrösserung  sehr  fein  porös  erscheint. 

Selten. 

4.  Farn.  Frondiporidea. 

An  dem  verschieden  gestalteten  Polypenstock  stehen  die  Mündungen  der  bündeiförmig  verwachsenen 
Röhrenzellen  in  einzelnen  Gruppen  von  verschiedener  Lage,  Grösse  und  Form.  Ihre  Zwischenräume  sind  bald 
porös,  bald  undurchbohrt. 


*)  Römer,  1.  c.  pag.  18.  —  Ceriopora  Bömeri  v.  Eagenow,  in  Leorui.  u.  Brona's  Jahrb.  1839.  pag.  285.  tab.  5.  flg.  7. 


—      122     — 

Osculipora  d'Orb. 

v.  Hagenow  hat  in  seiner  Gattung  Truncatula  J)  Arten  von  zweierlei  Typus  vereinigt.  Dem  ersten 
gehören  Tr.filix  v.  Hag.  und  Tr.  pinnata  Rom.  an,  welche  Hagenow  selbst  als  die  hauptsächlichsten  Geschlechts- 
typen hervorhebt.  Bei  ihnen  entspringen  an  beiden  Seiten  der  Aeste  des  baumförmig-ästigen  Polypenstockes 
je  eine  Reihe  mehr  weniger  langer  und  zugespitzter  auswärts  gerichteter  zweigförmiger  Fortsätze,  welche  auf 
ihrer  Unterseite  die  gedrängten  eckigen  Zellenmündungen  tragen,  während  die  Oberseite  der  etwas  nieder- 
gedrückten Stämmchen  und  Fortsätze  mit  einer  dünnen  Epithek  überkleidet  und  porenlos  ist  Diesen  Formen 
hat  Orbigny  den  Namen  Truncatula  erhalten. 

Bei  der  zweiten  Gruppe  sprossen  aus  beiden  Seiten  der  meist  wenig  verästelten  Stämmchen  ebenfalls 
zweizeilig  alternirend  und  vorwiegend  vorwärts  gerichtet  zackenförmige  Fortsätze  hervor,  aber  kürzer  und 
stumpfer  und  vorwärts  gewendet,  so  dass  sie  von  rückwärts  nur  wenig  oder  gar  nicht  gesehen  werden.  Die 
Mündungen  stehen  in  Bündeln,  mehr  oder  weniger  reihenförmig  geordnet  und  sich  bisweilen  etwas  nach  rück- 
wärts fortsetzend  auf  den  Spitzen  der  zackenförmigen  Fortsätze.  Der  übrige  Theil  der  Oberfläche  der  wohl- 
erhaltenen Stämmchen  ist  porenlos.     Diese  Formen  bilden  die  Gattung  Osculipora  d'Orb. 

1.  0.  truncata  Goldf.  sp.  —  Taf.  30.  Fig.  2,  3. 
1826 — 1833.     Betepora  truncata  Goklfuss,  1.  c.  I.  pag.  29.  tab.  9.  fig.  14. 
1850—1851.     d'Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  679. 

1851.     Truncatula  truncata  v.  Hagenow,  1.  c.  pag.  35.  tab.  3.  fig.  2. 

Die  Species  scheint  bei  Plauen  selten  zu  sein;  mir  liegen  nur  wenige  Fragmente  vor.  Die  gewölbte 
Rückseite  ist  mit  verzweigten  feinen  Längsfurchen  bedeckt,  in  welchen  vereinzelte  feine  Poren  stehen.  Von 
der  Vorderseite  entspringen,  abwechselnd  nach  der  rechten  und  der  linken  Seite  gewendet,  zwei  Längsreihen 
kurzer  stumpfer,  meist  vorwärts  gerichteter  Aeste,  deren  Wurzeln  einander  bald  mehr  genähert  sind,  bald 
weiter  von  einander  abstehen.  Ihre  Enden  sind  mit  gedrängten  kleinen  rundlichen  Mündungen  bedeckt,  die 
sich  auch  etwas  auf  die  Rückseite  hinabziehen;  ja  einzelne  reichen  mitunter  selbst  bis  auf  die  Seitenfläche 
des  Stämmchens  herab.  Die  Vorderseite  der  Stämmchen  sowohl  als  der  zweizeiligen  Aeste  ist  porenlos  und 
lässt  nur  dunkle  Längslinien,  die  Grenzlinien  der  Röhrenzellen,  sowie  bei  stärkerer  Vergrösserung  zarte  Poren 
wahrnehmen.  Die  Species  kommt  auch  und  zwar  häufiger,  als  bei  Plauen,  im  Kreidetuff  von  Maastricht  und 
Falkenberg  und  in  der  Schreibkreide  von  Rügen  vor. 

Truncatula  v.  Hag. 

Die  Charakteristik  ist  schon  oben  bei  Osculipora  gegeben  worden. 

1.  Tr.  aculeata  Mich.  sp.  —  Taf.  30.  Fig.  4. 
1840 — 1847.     Idmonea  aculeata  Michelin,  iconogr.  zoophyt.  pag.  203.  tab.  52.  fig.  10. 
1850—1851.     d'Ordigny  1.  c.  V.  pag.  1054.  tab.  796.  fig.  1—5. 

Nicht  mit  völliger  Sicherheit  rechne  ich  ein  mir  vorliegendes  kleines  offenbar  jugendliches,  etwas 
verdrücktes  Exemplar  hierher.  Es  war  mit  sehr  kurzem  dickem  Stiele  aufgewachsen  und  breitet  sich  am 
oberen  Ende  sehr  rasch  nach  allen  Seiten  hin  in  ein-  bis  zweifach  sich  gabelnde,  am  freien  Ende  stumpf  zu- 
gespitzte Aeste  aus.  Diese  erreichen  jedoch  an  dem  untersuchten  Exemplare  bei  weitem  nicht  die  von  Micheliu 
und  Orbigny  angegebene  Dicke  und  Länge,   was  wohl  aus  seinem  jugendlichen  Alter  zu  erklären  sein  dürfte. 

Die  flach  gewölbte  Unterseite  ist  mit  schmalen,  schrägen,  in  alternirenden  Längsreihen  stehenden 
Zellen  bedeckt;  die  ebenfalls  convexe  Oberseite  zeigt  dagegen  Längsstreifen  ohne  allen  Poren. 

Die  Species  wurde  zuerst  im  Cenoman   von  Le  Mans  (Sarthe)  und  von  Villers  (Calvados)  gefunden. 


Bryozoen  von  Maastricht  pag.  35. 


—     123     — 

Supercytis  d'Orb. 

Die  Gattung  stimmt  in  ihren  gestaltlichen  Verhältnissen  mit  Truncatula  überein  und  weicht  nur  darin 
von  derselben  ab,  dass  die  Oberseite  der  Stämmchen  die  porenartigen  Mündungen  trägt,  während  die  Unter- 
seite, von  einer  dünnen  Epithek  bedeckt,  porenlos  ist. 

1.  S.  digitata  d'Orb.  —  Taf.  30.  Fig.  5. 
1850—1851.     d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  1060.  tat».  798.  flg.  6—9. 

Die  Colonie  besitzt  eine  becherförmige  Gestalt  und  sitzt  mit  einem  kurzen  cylindrischen  Stiele  fest, 
von  dessen  oberem  Ende  nach  allen  Seiten  hin  dünne,  sich  gabelförmig  spaltende  kurze  Aeste  ausgehen,  wo- 
durch die  Colonie  eine  becherförmige  Gestalt  erhält.  Die  porenlose  Unterseite  der  Aeste  ist  mit  sich  spal- 
tenden erhabenen  Längsstreifen  geziert,  während  ihre  Oberseite  sammt  den  stumpfen  Endspitzen  mit  gedräng- 
ten länglichen  schrägen  Mündungsporen  bedeckt  erscheint. 

Die  bei  Plauen  nur  sehr  selten  vorkommenden  Stücke  stimmen  mit  den  französischen  völlig  überein. 
In  Frankreich  wurde  die  Species  gefunden  im  Senon  von  Meudon,  von  St.  Colombe  (Manche),  Lavardin,  Lisle 
(Loir-et-Cher),  Fecamp  (Seine-Inferieure). 

Desmepora  Lonsd. 

Sie  gehört  gleich  den  vorhergehenden  Gattungen  in  die  Gruppe  der  Truncatuliden,  welche  früher  von 
vielen  Paläontologen  mit  den  Idmoneen  vereinigt  wurden.  Doch  hat  schon  M.  Edwards1)  auf  die  wesent- 
liche Verschiedenheit  der  mit  büschelförmig  gehäuften  Mündungen  versehenen  Arten  von  jenen,  deren  Mündungen 
in  alternirenden  Querreihen  stehen  {Iämonea),  hingedeutet.  Lonsdale 2)  hat  dieser  Ansicht  bestimmten  Aus- 
druck gegeben  und  für  einen  Theil  der  erstgenannten  Arten  die  Gattung  Desmeopora  3)  gegründet.  Später 
hat  Orbigny  dieselbe  Gattuug  mit  dem  Namen  Semicytis  4)  belegt.  Auf  den,  wie  es  scheint,  wenig  beachteten 
oder  beinahe  vergessenen  Namen  Desmeopora  hat  Simonowitsch 5)  zuerst  wieder  aufmerksam  gemacht. 

Abgesehen  von  allen  übrigen  mit  den  anderen  Truncatulidengattungen  gemeinschaftlichen  Kennzeichen 
wird  Desmepora  dadurch  charakterisirt ,  dass  sowohl  die  Rückenseite,  als  die  zwischen  den  grösseren  Zellen- 
mündungen gelegenen  Theile  der  Vorderseite  mit  Porenmündungen  bedeckt  sind.  Dadurch  unterscheidet  sie 
sich  von  Truncatula,  Osculipora,  Supercytis  u.  a. 

1.  D.  semicylindrica  Lonsd.  —  Taf.  30.  Fig.  6—8. 

1850.    Lonsdale   in  Dixon  the  Geol.  and  Foss.  ofthe  tert.  and  cret.  form,  of  Sussex.  pag.  281.  tab.  ISA.  fig.  6 — 6c. 

Die  mehr  weniger  schlanken  Stämmchen  sind  gabelästig  und  auf  der  Vorderseite  mit  konischen, 
stumpfen  oder  abgestutzten,  oftmals  zusammengedrückten  Zacken  besetzt,  die  sich  oft  zu  kurzen  gerade 
vorwärts  oder  zugleich  schwach  auf-  und  auswärts  gerichteten  Zweigen  verlängern.  Zuweilen  biegen  sie  sich 
ziemlich  regelmässig  alternirend  nach  beiden  Seiten ;  oft  ist  jedoch  ihre  Stellung  viel  regelloser  oder  sie  ent- 
springen auch  nur  in  einfacher  Reihe  beinahe  aus  der  Mitte  der  Vorderseite,  in  welchem  Falle  sie  nicht 
selten  an  ihren  freien  Enden  eine  Neigung  zur  Zweitheilung  verrathen. 


')  Annales  des  scienc.  nat.  2.  ser.  IX.  Memoire  sur  les  Crisies  etc.  pag.  27. 

2)  Dixon,  the  geol.  and  foss.  of  the  tert.  and  cretac.  form,  of  Sussex  1850.  pag.  278  etc. 

3)  Ich  habe  den  Namen  in  Desmepora  umgewandelt,  weil  er  von  dtauri  fasciculus,,  und  nicht  von  decriiot;  vinculum 
abgeleitet  ist. 

4)  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  1048. 

6)  Sp.  Simonowitsch,  Beiträge  z.  Kenntn.  d.  Bryozoen  d.  Essener  Grünsandes  I.  1871.  pag.  57. 


-      124     — 

Die  stumpfen  oder  abgestutzten  Enden  dieser  Zacken  sind  bedeckt  mit  gedrängten  kleinen,  etwas 
eckigen,  dünnwandigen  Mündungen. 

Die  Eückseite  der  Stämmchen  ist  gewölbt  und  bietet  gleich  der  Vorderseite  ein  feines  Netzwerk  dar, 
welches  aber  auf  der  ersteren  regelmässiger  zu  sein  pflegt.  Man  beobachtet  sehr  feine  Längsrippchen,  die 
mehr  weniger  unregelmässig  mit  einander  anastomosiren  und  sich  wieder  spalten.  Sie  werden  in  kleinen, 
ziemlich  gleichen  Abständen  durch  feine  Querfäden  verbunden,  wodurch  ein  zartes  Netzwerk  entsteht,  in 
dessen  Maschen  zarte,  schräg  aufwärts  gerichtete  Poren  stehen.  Der  Querschnitt  der  Stämmchen  ist  beinahe 
kreisförmig  und  auf  ihrer  Vorderseite  sind  die  zackenartigen  Fortsätze,  wenn  sie  in  doppelter  Reihe  vor- 
handen sind,  nicht  durch  eine  deutliche  Zwischenfläche  geschieden,  sondern  mit  ihrer  Basis  ganz  genähert, 
ja  nicht  selten  verschmolzen. 

Unter  den  beschriebenen  Exemplaren  fand  ich  einzelne,  die  bei  dem  ersten  Anblicke  einen  sehr  ab- 
weichenden Zellenbau  der  Rücken-  und  Vorderseite  zu  besitzen  schienen.  Man  beobachtet  nämlich  öfters 
dichotomirende  Längsreihen  zarter,  zusammengedrückter,  röhriger  Zellen,  die  mit  einem  sehr  schräg  aufwärts 
gerichteten,  feinen,  queren  Spalt  ausmünden.  Vergleicht  man  jedoch  Exemplare  von  verschiedenem  Erhal- 
tungszustande, so  überzeugt  man  sich,  dass  ein  allmählicher  Uebergang  in  die  früher  beschriebenen  Formen 
statt  findet,  indem  die  deprimirten  Zellenröhrchen  seitlich  von  einer  erhabenen  Linie  begrenzt  werden  und 
diese  Linien  allmählich  in  deutliche  Rippenstreifen  übergehen.  Die  spaltförmige  Beschaffenheit  der  Mündung 
bleibt  unverändert. 

Wie  sich  unsere  Species,  welche  bei  Plauen  nicht  selten  vorkommt  und  von  Lonsdale  aus  der  weissen 
Kreide  von  Kent  beschrieben  wird,  zu  Idmonea  semicylindrica  Rom. J)  verhalte,  lässt  sich  aus  der  durchaus 
ungenügenden  Beschreibung  und  Abbildung  dieser  Art  nicht  entnehmen,  um  so  weniger,  als  Eetepora  truncata 
Goldf.  dabei  als  Synonym  citirt  wird. 

9.  Familie.    Cerioporidea. 

Die  Colonieen  sehr  vielgestaltig,  überrindend,  knollig,  lappig,  blätterig,  fingerförmig  zertheilt  oder 
aufrecht,  baumförmig-ästig,  aus  gedrängten,  fest  verwachsenen  feinen  Zellenröhren  bestehend.  Die  runden 
oder  polygonalen  Mündungen  getrennt,  oft  von  kleineren  Poren  umgeben,  die  ganze  Oberfläche  bedeckend 
oder  auf  einzelne  Gruppen  oder  Zonen  beschränkt.  Die  Zellenröhren  in  ihrem  unteren  Theile  oft  durch 
quere  Scheidewände  abgetheilt. 

Ceriopora  Goldf.  p.  parte. 

Colonie  überrindend,  knollig  oder  baumförmig-ästig,  oft  aus  sich  überlagernden  Schichten  zusammen- 
gesetzt. Die  mit  einander  verwachsenen  Zellenröhren  sich  auf  der  gesammten  Oberfläche  des  Polypenstockes 
in  ihrer  ganzen  Weite  öffnend  in  gedrängten  rundlichen  oder  eckigen  Mündungen  von  gleicher  Grösse.  Gegen 
die  Basis  der  Colonie  hin  verengern  sich  die  Mündungen  bisweilen  oder  sie  obliteriren  auch  gänzlich. 

Die  Gattung  Ceriopora  hat  früher  nicht  nur  dazu  gedient,  die  verschiedensten  Formen  cyclostomer 
Bryozoen  aufzunehmen,  sondern  man  hat  damit  auch  einzelne  chilostome  Bryozoen,  ja  selbst  Foraminiferen 
und  insbesondere  Spongiarien  und  Nulliporiden  vereinigt.  Nachdem  die  Gattung  von  den  zahlreichen  fremden 
Elementen  gereinigt  worden  war,  blieb  eine  weit  geringere  Zahl  von  Arten  übrig,  deren  gemeinschaftliche 
Merkmale  in  der  vorhin  gegebenen  Gattungsdiagnose  zusammengefasst  sind. 


')  Kömer,  Verst.  d.  nordd.  Kreidegeb.  pag.  20.  tab.  5.  flg.  21. 


-      125     — 

Orbigny  hat  versucht,  die  Gattung  Ceriopora  (abgesehen  von  den  höckerigen  Formen),  nach  den 
Verschiedenheiten  des  Umrisses  und  des  Baues  der  Colonie  unterabzutheilen.  Für  die  einschichtigen  Formen 
schuf  er  die  Gattungen  Ceriocava  und  Semicava;  für  mehrschichtige  die  Sippen  Ceriopora  (sensu  strict.), 
Eeptimulticava  und  Semimulticava.  Semkava  und  Semimulticava  umfassen  hohle  ästige  Formen ;  Ceriocava 
und  Ceriopora  sind  solide  frei  wachsende  Arten,  während  die  Species  von  Reptomultkava  incrustirend  sind. 

Doch  scheint  mir  diese  Trennung  nicht  haltbar  zu  sein,  weil  die  zu  Grunde  gelegten  Charaktere 
keine  scharfen  Grenzen  darbieten.  Es  wird  aus  der  Schilderung  der  einzelnen  beobachteten  Species  hervor- 
gehen, dass  man  von  den  einfach  incrustirenden  Formen  einen  ununterbrochenen  Uebergang  durch  die  knöpf-, 
knollen-,  pilzförmigen  bis  zu  den  freiwachsenden  ästigen  verfolgen  kann.  Zwischen  den  ein-  und  mehrschich- 
tigen Arten  lässt  sich  ohnedies  in  der  Praxis  keine  scharfe  Grenze  ziehen,  da  jede  der  letzteren  Arten  in 
ihrem  frühesten  Lebensalter  einschichtig  gewesen  sein  muss. 

1.  Ceriopora  substellata  d'Orb.  sp.  — .  —  Taf.  30.  Fig    9—12;  Taf.  31.  Fig.  1—3. 

1826—1833.     Ceriopora  stellata  Goldfuss,  1.  c.  I.  pag.  85.  tab.  31.  fig.  la.  b.  (non  fig.  lc).1) 
1850—1851.    Radiopora  substellata  d'Orb.  1.  c.  V.  pag.  993. 
1871.    Simonowitsch  1.  c.  pag.  46.  tab.  2.  fig.  4. 

Orbigny  und  Simonowitsch  haben  die  Species  der  Gattung  Radiopora  einverleibt.  Es  liegt  jedoch 
dafür  kein  ausreichender  Grund  vor.  Immer  beobachtet  man  nur  eine  Art  von  Zellen  und  selbst  bei  diesen 
nur  sehr  selten  eine  Hinneigung  zur  radialen  Anordnung,  von  der  auch  Herr  Simonowitsch  weder  in  seiner 
Beschreibung,  noch  in  der  Abbildung  eine  Andeutung  macht.  Es  fehlen  daher  die  charakteristischen  Merk- 
male von  Radiop>ora  und  unsere  Species  bildet  gleichsam  ein  Mittelglied  zwischen  dieser  Gattung  und  Cerio- 
pora, deren  Trennung  überhaupt  nur  eine  künstliche  ist  nach  der  sehr  wechselnden  Anordnung  der  Zellen- 
mündungen.    Ich  habe  daher  die  Species  naturgemässer  bei  Ceriopora  belassen. 

Sie  kommt  in  doppelter  Form  vor,  einmal  als  einfache  unverästelte  Colonie,  das  zweite  Mal  mehr 
weniger  ästig-knollig.  Erstere  Form  scheint  die  häufigere  zu  sein.  Sie  ist  im  Allgemeinen  sehr  veränderlich 
und  hat  mit  manchen  anderen  Arten  Aehnlichkeit,  ohne  jedoch  bei  genauerer  Prüfung  mit  einer  derselben 
identisch  zu  erscheinen.  Die  in  der  Gestalt  sehr  ähnliche  C.  clavata  Goldf.  2)  hat  reihenweise  stehende 
grössere  Mündungen.  Radiopora  inflata  Sim. 3),  die  wohl  zu  Heteropora  gezogen  werden  muss,  ist  nicht  aus 
über  einander  gelagerten  Schichten  aufgebaut  und  besitzt  ebenfalls  Mündungen  doppelter  Art. 

C.  substellata  zeigt  eine  beträchtliche  Mannigfaltigkeit  der  Form,  vom  Cylindrischen  einerseits  bis 
zum  Keulen-  oder  Kopfförmigen,  anderseits  bis  zur  undeutlichen  Kegelform.  Immer  bietet  die  in  verticaler 
Richtung  mehr  weniger  verlängerte  Colonie  tiefe  kreisförmige  Einschnürungen  dar,  die  durch  Wachsthumsunter- 
brechungen  hervorgebracht  werden.  Es  legen  sich  über  ihren  oberen  Theil  stets  neue  Zellenschichten  und 
ein  Verticalschnitt  lässt  erkennen,  dass  deren  Zahl  noch  beträchtlich  grösser  ist,  als  jene  der  genannten  Ein- 


')  Goldfuss  fasst  unter  dem  Namen  Ceriopora  stellata  vier  verschiedene  Species  zusammen: 

1.  Taf.  31.  fig.  1  a,  b.  Ceriopora  substellata  d'Orb.  sp. 

2.  Taf.  31.  fig.  1  c.  Semimidticavea  Goldfussi  Simon.  (Radiopora.) 

3.  Taf.  30.  fig.  12.  Radiopora  stellata  Goldf.  sp. 

4.  Taf.  11.  fig.  11.  Radiopora  sp.,  zu  welcher  wohl  auch  Taf.  11.  fig.  12  a,  b  bei  Goldfuss  (Ceriopora  diadema 
pars)  zu  zählen  sind. 

2)  Goldfuss  1.  c.  I.  pag.  36.  tab.  10.  fig.  15  a,  b. 
8)  Simonowitsch  1.  c.  pag.  41.  tab.  1.  fig.  4. 


—     126     — 

schnürungen,  indem  manche  derselben  sich  an  der  Seite  der  Colonie  sehr  weit  herabziehen  und  dabei  sich 
allmählich  so  sehr  verdünnen,  dass  ihr  Endrand  keinen  Absatz  bildet  und  mithin  auch  keine  Einschnürung 
verursacht.  Die  Ueberlagerung  scheint  aber  auf  doppeltem  Wege  zu  Stande  zu  kommen,  einmal  dadurch, 
dass  sie,  in  der  Mitte  der  oberen  Seite  beginnend,  dort  einen  knopfförmigen  Fortsatz  bildet,  welcher  sich  an 
der  Peripherie  immer  mehr  ausbreitet,  oder  sie  beginnt  am  Rande,  durch  Neubau  von  Zellen  zuerst  eine 
scharfe  Kante  bildend  und  dann  allmählich  nach  oben  und  innen  fortschreitend. 

Von  diesem  etagenförmigen  Aufbau  hängt  auch  der  Umriss  der  gesammten  Colonie  ab.  Wenn  die 
sich  neu  bildenden  Zellenschichten  an  Umfang  zunehmen,  wird  die  Colonie  selbst  nach  oben  allmählich  dicker, 
keulenförmig.  Sobald  aber  der  Umfang  der  späteren  Auflagerungen  abnimmt,  verdünnt  sich  im  Gegentheile 
die  Colonie  in  ihrem  oberen  Theile. 

Das  obere  Ende  der  Colonie  zeigt  eine  sehr  verschiedenartige  Bildung.  An  manchen  Exemplaren  ist 
dasselbe  von  einer  ringförmigen  Depression  umgeben,  innerhalb  welcher  sich  der  kreisrunde  centrale  Theil  in 
schwacher  gleichförmiger  Wölbung  erhebt.  Es  ist  dies  eine  ähnliche  Bildung,  wie  sie  Goldfuss  1.  c.  Taf.  31. 
fig.  la  abbildet,  In  zwei  Fällen  sah  ich  sogar  die  Mündungen  auf  dem  peripherischen  Ringe  nach  Art  der 
Radioporen  in  radialen  Reihen  geordnet.  An  der  bei  weitem  überwiegenden  Zahl  der  Exemplare  ist  jedoch 
keine  Spur  einer  solchen  Anordnung  zu  erkennen  und  immer  und  überall  fand  ich  die  Mündungen  von 
gleicher  Grösse  und  Beschaffenheit.  An  einer  Colonie  beobachtete  ich  zwei  solche  ringförmige  Depressionen 
neben  einander. 

In  den  meisten  Fällen  fehlt  jedoch  der  beschriebene  niedergedrückte  Randsaum  und  das  obere  Ende 
der  Colonie  erscheint  mehr  weniger  einfach  abgerundet  und  convex. 

Die  Mündungen  pflegen  am  oberen  Ende  der  Colonie  etwas  grösser  zu  sein,  als  an  den  Seitentheilen. 
Uebrigens  sind  sie  gleichförmig,  regellos  gestellt,  etwas  eckig  und  durch  massig  dicke  Zwischenwandungen  ge- 
schieden. An  etwas  angewitterten  Stücken  sieht  man  auf  diesen^ Wandungen  eine  feine  Trennungsfurche 
verlaufen. 

Die  etwas  kleineren  Mündungen  der  Seitenflächen  siud  auch  etwas  deutlicher  eckig  und  dünnwandiger. 
Meistens  stehen  sie  völlig  regellos  nebeneinander;  doch  sieht  man  sie  bisweilen  in  deutliche  schmale  Längs- 
reihen geordnet,  aber  stets  alle  von  gleicher  Grösse  und  Gestalt,  Mitunter  erscheinen  sie  dann  schwach  in 
die  Länge  gezogen. 

An  einem  Exemplare  beobachtete  ich  eine  eigenthümliche  Anordnung  derselben  in  concentrische  Bögen, 
welche  den  unteren  Rand  der  successiv  abgelagerten  Zellenschichten  zur  Basis  haben.  Mehrere  solche  Bogen- 
gruppen  liegen  neben  einander. 

Die  zusammengesetzten  ästigen  Formen  scheinen  häufiger  vorzukommen.  Gewöhnlich  beginnt  die 
Verästelung  nicht  weit  über  der  Basis,  indemjsich  der  Stamm  in  2,  3  oder  selten  noch  mehrere  fast  gleich 
dicke  kurze  Zweige  spaltet,  welche  alle  bei  den  einfachen  Formen  beschriebenen  Modifikationen  darbieten. 

Häufig,  aber  sehr  oft  schlecht  erhalten,  im  Cenoman  von  Plauen.  In  jenem  von  Essen  ist  sie  die 
gemeinste  Bryozoenspecies. 

2.  C.  spongites  Goldf.  —  Taf.  31.  Fig.  4.  5. 

1826—1833.  Goldfuss  1.  c.  I.  pag.  35.  tab.  10.  fig.  14. 

1846.  Reuss,  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  63.  tab.  14.  fig.  12. 

1850—1851.  Reptomulticava  spongites  d'Orb.  1.  c.  V.  pag.  1037.  tab.  792.  fig.  6—11.  (B.  cupula.) 

1871.  Simonowitscb,  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Bryozoen  des  Essener  Grünsandes,  pag.  52.  tab.  3.  fig.  1  a — f. 


—     127      — 

Wenn  wirklich  alle  in  dieser  Species  vereinigte  Formen  zusammengehören,  zeigt  dieselbe  eine  unge- 
meine Formenmannigfaltigkeit.  Es  lassen  sich  auch  hier  zwei  Formengruppen  unterscheiden.  Die  eine  um- 
fasst  höhere  pilzförmige  und  knollige  Gestalten,  wie  sie  Goldfuss  abbildet  und  wie  ich  sie  auch  aus  dem 
unteren  Pläner  Böhmens  kennen  lernte.  Bei  denselben  scheinen  die  Mündungen  der  Oberseite  etwas  kleiner 
zu  sein  als  bei  den  übrigen  Formen,  und  auch  die  Seitenflächen  sind  mit  Mündungen  bedeckt,  die,  wenn  sie 
gleich  nicht  durch  eine  deutliche  Epithek  maskirt  werden,  doch  etwas  undeutlicher  zu  sein  pflegen.  Diese 
Formen  habe  ich  im  sächsischen  Cenoman  nicht  beobachtet. 

Die  der  zweiten  Gruppe  angehörigen  Polypenstöcke  sind  mehr  weniger  Scheiben-  oder  kuchenförmig 
und  nehmen  dadurch,  dass  sie  sich  auf  der  Unterseite  in  einen  kurzen  Stiel  zusammenziehen,  oft  eine  pilz- 
oder  kreiseiförmige  Gestalt  an.  Solche  Formen  bildet  Simonowitsch  von  Essen  ab.  Da  sie  nur  mit  dem 
Stiel  aufgewachsen  waren,  ist  die  übrige  Unterseite  bisweilen  mit  einer  concentrisch  streifigen  Epithek  bedeckt. 
In  den  sächsischen  Exemplaren,  die  gewöhnlich  mit  der  ganzen  Unterseite  festgesessen  sind,  ist  eine  solche 
Epithek  nur  äusserst  selten  wahrnehmbar.  Sie  sind  öfters  verbogen  und  besitzen  eine  ebene  oder  selbst 
schwach  deprimirte  Oberseite,  in  welchem  letzteren  Falle  der  peripherische  Rand  zugeschärft  ist.  In  anderen 
Fällen  wölbt  sich  die  Oberseite  flach  empor,  wobei  der  Seitenrand  stumpf  wird.  Die  obere  Fläche  und  der 
Seitenrand  werden  von  verhältnissmässig  grossen,  meist  rundlichen,  durch  ziemlich  dicke  Wandungen  geson- 
derten Mündungen  dicht  bedeckt,  die  bisweilen  unregelmässige  Radialreihen  erkennen  lassen.  Durch  Abreibung 
scheinen  sie  sich  etwas  zu  verlängern. 

Die  gewöhnlich  etwas  coneave  Unterseite  gestattet  einen  Einblick  in  den  inneren  Bau  der  Colonie. 
Das  Centrum  nehmen  kurze  eckig  gemündete  Zellen  ein.  Die  mehr  nach  aussen  gelegenen  verlängern  sich 
und  werden  kurzröhrig.  Die  inneren  steigen  daher  senkrecht  empor,  während  sich  die  seitlichen  mehr  nach 
aussen  umbiegen. 

Die  etwas  ähnliche  C.  orbiculata  Rss.  aus  dem  Oberoligocän  vonAstrupp1)  ist  viel  kleiner,  gewölbter, 
mit  viel  kleineren  Mündungen. 

Die  Species  liegt  im  Cenoman  von  Plauen  nicht  _selten,  überdies  in  gleich  alten  Schichten  Frankreichs, 
von  Essen  und  von  Biliu  in  Böhmen. 

3.  C.  micropora  Goldf.  —  Tai  31.  Fig.  6.   7. 
1826—1833.     Goldfuss,  1.  c.  I.  pag.  33.  tab.  10.  fig.  4. 

1851.     v.  Hagenow,  Bryoz.  v.  Maastricht,  p.  52.  tab.  5.  fig.  4. 
1850—1851.     d'Orbigny,  1.  c.  V.  pag.  1030. 

1871.     Simonowitsch,  1.  c.  pag.  50. 

Sie  bildet  kleine  oder  grössere,  kugelige,  seltener  etwas  verlängerte  Knollen,  die  aus  concentrisch 
sich  überlagernden  Schichten  kurzer  feiner  Röhrenzellen  zusammengesetzt  und  mit  breiter  Basis  aufgewachsen 
sind.  Ihre  Oberfläche  bedecken  gedrängte  kleine,  schmal  umrandete,  meistens  etwas  polygonale  Mündungs- 
poren. Diese  sind  vorwiegend  von  ziemlich  gleicher  Grösse;  nur  hin  und  wieder  findet  man  eine  einzelne 
beträchtlich  kleinere  eingestreut.  An  abgeriebenen  Exemplaren,  an  welchen  die  scharfen  Kanten  der  Zwischen- 
wandungen verloren  gegangen  sind,  erscheinen  diese  dicker. 

Warum  Simonowitsch  die  in  Rede  stehende  Species  zu  Ceriopora  und  C.  spongites  zu  Eeptomdlticava 
d'Orb.  zieht,  ist  nicht  wohl  einzusehen,  da  doch  beide,  ja  erstere  noch  deutlicher,  aus  concentrischen  Zellen- 


')  Reuss,  zur  Fauna  d.  deutsch.  Oberoligocäns  II.  pag.  70.  tab.  7.  fig.  3. 

xx.  4.  19 


—     128     — 

lagen  bestehen.     d'Orbigny  betrachtet  die  baumförmig-ästige  Gestalt  der  Colonie  als  den  Hauptcharakter  von 
von  Ceriopora  in  dem  von  ihm  adoptirten  Sinne,  der  aber  gerade  der  knolligen  G.  micropora  Goldf.  mangelt. 
Sie  ist  bei  Plauen  nicht  selten,  jedoch  sind   früher   manche  knollige  Spongien   mit  ihr   verwechselt 
worden.     Sie  kommt  nicht  häufig  auch  bei  Essen  und  selten  in  dem  Kreidetuff  von  Maastricht  vor. 

4.  C.  avellana  Mich.  —  Tat.  31.  Fig.  8.  9. 
1840—1847.     Michelin,  Iconogr.  zoophyt.  pag.  203.  tab.  52.  fig.  13. 

Die  Formen  von  Plauen  stimmen  mit  den  französischen  aus  dem  Cenoman  von  Le  Mans  (Sarthe)  über- 
ein. Die  Knollen  sind  mehr  weniger  kugelig,  bisweilen  höckerig,  und  aus  übereinander  liegenden  Zellenschichten 
zusammengesetzt.  Die  gedrängt  stehenden  Mündungen  sind  sehr  klein,  kleiner  als  bei  C.  micropora,  mit 
freiem  Auge  nicht  deutlich  erkennbar,  eckig  und  durch  ziemlich  dicke  Zwischenwände  geschieden. 

Selten. 

5.  C.  phymatodes  n.  sp.  —  Taf.   31.     Fig.  10.  11. 

Mit  breiter  Basis  aufgewachsene  traubige  Knollen,  mit  verwachsenen  Kugelsegmenten  unregelmässig 
besetzt.  Die  gedrängten,  regellos  gestellten  Mündungen  klein,  rundlich  oder  etwas  eckig,  durch  ziemlich 
dicke  Zwischenwände  gesondert.  Auch  hier  vermag  man  die  Bildung  der  Knollen  aus  über  einander  gelagerten 
Zellenschichten  zu  erkennen. 

Nicht  selten. 

Radiopora  d'Orb. 

Die  Gattung  ist  in  ihren  Formverhältnissen  sehr  veränderlich.  Die  Colonie  bleibt  bald  einfach,  bald 
spriessen  aus  ihren  Rändern  seitlich  neue  Colonieen  daraus  hervor.  Es  findet  aber  zugleich  sehr  oft  ein  Wachs- 
thum  in  verticaler  Pachtung  durch  Proliferiren  statt,  indem  aus  der  Mitte  der  Oberseite  eine  neue  Colonie 
hervorwächst,  die  mit  der  Muttercolonie  an  den  Rändern  mehr  weniger  vollständig  verschmilzt.  Durch  diese 
etagenweise  Fortbildung  verwandeln  sich  die  anfänglich  incrustirenden  Formen  in  knollige,  pilz-,  keulenförmige, 
selbst  mitunter  ästige  Stöcke.  Den  Scheitel  der  Colonie  nimmt  ein  rundliches  ebenes  oder  etwas  depri- 
mirtes  Feld  ein,  von  dessen  Rande  nach  allen  Seiten  radiale  leistenartige  Rippchen  ausgehen,  welche  sich 
in  verschiedenem  Abstände  vom  Centrum  durch  Einsetzen  neuer  vermehren  und  auf  ihrem  Rücken  eine  ein- 
fache bis  dreifache  Reihe  von  Mündungen  tragen.  Doch  sind  auch  die  Zwischenfurchen  der  Rippen,  so 
wie  die  centrale  Area,  mit  Poren  besetzt,  die  oft  in  Grösse  und  Form  von  den  Rippenporen  abweichen.1) 

Dass  Badiopora  d'Orb.  sich  von  Domopora  d'O.  nicht  trennen  lässt,  habe  ich  schon  früher  (1.  c. 
pag.  63)  dargethan.  Ebenso  können  die  einschichtigen  Arten  (Unicavea  d'O.)  von  den  mehrschichtigen  nicht 
gesondert  werden.  Das  Vorhandensein  einer  Epithek  auf  der  Unterseite,  welche  Semimulticavea  d'Orb.  aus- 
zeichnen soll,  dürfte  ebensowenig  zur  Charakterisirung  einer  selbstständigen  Gattung  genügen. 

Uebrigens  scheint,  wie  schon  früher  angedeutet  wurde,  Badiopora  auch  mit  Ceriopora  durch  ver- 
mittelnde Zwischenformen  verknüpft  zu  werden,  so  dass  man  mitunter  im  Zweifel  bleibt,  ob  man  einen  Fossil- 
rest der  einen  oder  der  anderen  Gattung  einverleiben  soll. 

I.  R,  stellata  Goldf.  sp.  —  Taf.  31.     Fig.  12  —  14;     Taf.  32.     Fig.  1  -5. 

1826-1833.  Ceriopora  stellata  Goldf.  1.  c.  I.  pag.  85.  tab.  30.  fig.  12. 

1841.  Heteropora  stellata  Römer,  die  Verstein.  d.  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  23. 

1850—1851.  Domopora  stellata  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  988. 

1871.  Simonowitsch  1.  c.  pag.  43.  tab.  2.  fig.  3. 


')  Reuss,  zur  Kenntn.  d.  Oberoligocäns  II.  pag.  63,  64. 


—      129     — 

Diese  Species  wechselt  gleich  den  meisten.  Cerioporideen  ausnehmend  in  Gestalt  und  Bau  und  manche 
Formen  sind  von  analogen  der  Ceriovora  substellata  d'Orb.  kaum  zu  untei scheiden.  Ueberhaupt  dürfte  es,  so  sehr 
ihre  Extreme  auch  von  einander  abweichen  mögen,  doch  schwierig  sein,  beide  Species  nach  allen  Seiten  hin 
scharf  zu  begrenzen. 

Die  Colonieen  der  in  Rede  stehenden  Art  sitzen  mit  kurzem  dickem  Fusse  und  mit  sehr  ungleicher 
Fläche  auf  ihrer  Unterlage  fest  und  verästeln  sich  gewöhnlich  schon  in  geringem  Abstände  von  der  Basis,  in- 
dem sich  auf  der  Scheitelfläche  der  Muttercolonie  2  bis  3'  oder  selbst  vier  neue  Colonieen  neben  einander  zu 
bilden  beginnen.  Diese  wachsen  durch  Auflagerung  neuer  Schichten  von  Zellenröhren  allmählich  in  die  Höhe, 
um  nach  einem  gewissen  Zeiträume  sich  durch  Proliferiren  wieder  zu  theilen  u.  s.  f.  Es  entstehen  auf  diese 
Weise  verzweigte,  kurz-  und  dickästige  Colonieen,  die  je  nach  der  Gestalt  der  Zweige  einen  doppelten  Habitus 
annehmen  können.  Entweder  behalten  nämlich  die  Aeste  bei  ihrem  Fortwachsen  ihre  ursprüngliche  Dicke 
bei  oder  verdicken  sich  noch  mehr,  wodurch  ihre  oberen  Enden  köpf-  oder  pilzförmig  werden ;  oder  die 
neuen  Anlagerungen  verdünnen  sich  nach  und  nach,  wodurch  —  der  seltenere  Fall  —  die  Zweige  mehr  we- 
niger conisch  werden.  Immer  aber  bestehen  die  einzelneu  Zweige  selbst  wieder  aus  mehr  oder  weniger  zahl- 
reichen und  dicken,  an  den  Seiten  der  Stämmchen  oft  weit  sich  herabziehenden,  sich  überlagernden  Schichten, 
die  sich  schon  äusserlich  durch  ringförmige  Furchen  oder  selbst   durch  Einschnürungen   zu  erkennen   geben. 

Das  freie  Ende  der  Aeste  ist  gewöhnlich  mehr  weniger  zugerundet ;  selten  sind  Spuren  einer  seichten 
Scheiteldepression  wahrzunehmen.  Wohl  aber  zeigen  die  Exemplare  von  Plauen  beinahe  stets,  wenngleich 
nicht  immer  in  gleicher  Deutlichkeit,  18  —  26  radiale  Leistchen  und  Furchen,  die  fast  vom  Centrum  des 
Scheitels  bis  zum  unteren  Rand  der  letzten  Ablagerungsschichte  herablaufen.  Bisweilen  werden  sie  jedoch 
schon  viel  früher  undeutlich.  Die  Zellenmündungen,  die  auf  den  Radialleistchen  stets  in  mehreren  unregel- 
mässigen Reihen  neben  einander  stehen,  sind  nur  selten  wenig  grösser  als  jene  der  Zwischenfurchen.  Alle 
sind  übrigens  klein,  gedrängt,  rundlich  oder  etwas  eckig,  dünn  umrandet.  Ganz  übereinstimmend  mit  der  eben 
gegebenen  Beschreibung  stellt  Goldfuss  die  Vertheilung  der  Mündungen  dar.  Grössere  Mündungen  aber,  in 
einfachen  Längsreihen  stehend,  wie  sie  Simonowitsch  beschreibt  und  abbildet,  habe  ich  an  den  sächsischen 
Exemplaren  nie  gesehen.  An  den  Seitenwänden  der  Colonieen  pflegen  die  kleinen  sehr  dünnwandigen  Mün- 
dungen etwas  eckiger  zu  sein  und  in  deutlich  ausgesprochenen  Längsreihen  zu  stehen. 

Bisweilen  findet  man  alle  Mündungen  etwas  in  die  Quere  verlängert,  wobei  sie  gewöhnlich  in  deutliche 
Längsreihen  geordnet  sind,  ohne  dass  man  aber  eine  Spur  von  Radialleistchen  wahrzunehmen  im  Stande  wäre. 

Die  Befrancia  (Radiopora)  stellata  Rss.1)  aus  den  Miocänschichten  Oesterreichs,  sowie  die  früher 
von  mir  damit  vereinigte  Radiopora  Goldfussi  Rss.2),  aus  dem  Oberoligocän  von  Freden  und  Luithorst  und 
aus  dem  Septarienthone  von  Söllingen  dürften  von  der  Kreidespecies  nur  schwer  zu  sondern  sein. 

Häufig  bei  Plauen,  sowie  im  Cenoman  von  Essen. 

Meteropora  Blainv. 

Der  vielgestaltige,  stets  aber  aufrechte  knollige,  köpf-  oder  keulenförmige,  sehr  oft  baumförmig  oder 
auch  netzförmig  verzweigte  Polypenstock  ist  ~auf  seiner  ganzen  Oberfläche  mit  gedrängten  runden  oder  eckigen 
Poren  zweierlei  Art  bedeckt,  von  grösseren  Zellenmündungen  und  dazwischen  liegenden,  verschiedentlich  grup- 
pirten  kleineren  Oeffnungen  der  röhrenförmigen  Interstitialcanäle.     Im  wohlerhaltenen  Zustande  sind  jedoch 


')  Reuss,  die  foss.  Polyp,  d.  Wiener  Beckens  pag.  37.  tab.  6.  fig.  2. 

2)  Eeuss,  Septarienthon  pag.  84,  tab.  10.  fig.  11,  12.  —  Zur  Fauna  des  deutschen  Oberoligocäns  II.  pag.  63. 


—     130     — 

letztere  durch    ein  sehr  dünnes  Kalkblättchen   geschlossen.     Die  Zellenröhrchen   findet   man   sehr   oft   durch 
mehr  weniger  gedrängte  dünne  Querscheidewände  unterabgetheilt. 

1.  H.  coronata  n.  sp.  —  Taf.  32.     Fig.  6,  7. 

Dichotom  ästig  mit  unter  stumpfem  Winkel  abgehenden  dicken  walzigen  Aesten.  In  der  Vertheilung 
der  Poren  findet  Aehnlichkeit  statt  mit  H.  verrucosa  Rom.1);  aber  die  Oberfläche  der  Aeste  ist  eben,  ohne 
alle  Hervorragungen.  Die  Differenz  in  der  Grösse  der  Mündungen  ist  nicht  sehr  auffallend ;  doch  scheint  sie 
im  Allgemeinen  an  verschiedenen  Stämmchen,  ja  an  verschiedenen  Aesten  desselben  Stämmchens,  einem 
grossen  Wechsel  unterworfen  zu  sein.  Grössere  fast  rundliche  Mündungen  werden  von  einem  ziemlich  regel- 
mässigen einfachen  Kranze  von  5 — 10  etwas  kleineren  eckigen  Poren  eingefasst.  Alle  Mündungen,  besonders 
die  letzteren  stehen  gewöhnlich  sehr  gedrängt  und  werden  durch  dünne  Wandungen  geschieden,  doch  ist 
an  stärker  abgeriebenen  Exemplaren  ihr  wechselseitiger  Abstand  etwas  grösser,  —  ein  Beweis,  dass  die  Zellen 
nach  aussen  hin  an  Weite  zunehmen. 

An  wohlerhaltenen  Stämmchen  findet  man  nur  die  Zellenmündungen  geöffnet,  die  Interstitialcanäle 
aber  durch  eine  dünne  Kalklamelle  geschlossen.  Ihre  Grenzen  erkennt  man  au  dem  Vorhandensein  durch- 
scheinender Linien. 

Die  Species,  welche  im  Cenoman  von  Plauen  häufig  auftritt,  hat  in  der  Gestalt  der  Stämmchen  grosse 
Aehnlichkeit  mit  H.  crassa  Hag.2)  und  ich  würde  sie  damit  vereinigt  haben,  wenn  Hagenow  nicht  ausdrücklich 
von  seiner  Species  bemerkte,  dass  die  Mündungen  3 — 5  mal  so  gross  seien,  als  die  Zwischenporen,  was  bei 
dem  sächsischen  Fossile  nie  der  Fall  ist. 

2.  H.  surculacea  Mich.  —  Taf.  32.     Fig.  8,  9. 

1840—1847.    Michelin  1.  c.  pag.  209.  tab.  51.  fig.  8.  —  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  1070. 

Michelin  hebt  in  seiner  übrigens  sehr  kurzen  und  unzureichenden  Diagnose  ausdrücklich  hervor,  dass 
die  Colonie  aus  sich  concentrisch  überlagernden  Zellenschichten  besteht.  Trotzdem  wird  die  Species  von 
d'Orbigny  zu  seiner  Gattung  Heteropora  gerechnet,  als  deren  Charakter  er  das  Vorhandensein  einer  einzigen 
Zellenschichte  betrachtet.  Auch  an  dem  mir  vorliegenden  nicht  sehr  reichen  Materiale  beobachtete  ich  die 
Mehrschichtigkeit  deutlich,  wenngleich  nur  an  den  dicksten  Zweigen  und  an  einzelnen  Stellen,  was  zweifellos 
nur  durch  den  Vorgang  des  Versteinerungsprocesses  bedingt  ist. 

Die  Colonieen  sind  baumförmig-ästig  und  die  wenig  zahlreichen  Aeste  liegen  entweder  sämmtlich  in 
einer  Ebene  oder  weichen  nur  wenig  davon  ab.  Die  Stämmchen  erreichen  bisweilen  eine  Dicke  von  12  — 13  Mm. 
und  sind  nicht  vollkommen  stielrund.  Die  Aeste  entspringen  in  der  Regel  unter  einem  Winkel  von  90°; 
die  Eudzweige  sind  gabelspaltig,  sehr  kurz  und  am  Ende  abgerundet  oder  kurz  conisch.  Die  Oberfläche  des 
Polypenstockes  ist  mit  sehr  feinen,  dem  freien  Auge  nicht  erkennbaren,  gedrängten,  rundlichen  oder  wenig 
eckigen,  massig  dünnwandigen  Mündungen  bedeckt,  die  gewöhnlich  so  gestellt  sind,  dass  eine  derselben  von 
einem  Kranze  von  5  —  7  anderen  umgeben  wird.  An  manchen  Stellen  der  Stämmchen  stimmen  alle  Mündungen 
in  der  Grösse  überein,  während  man  an  anderen  zwischen  grösseren  deutlich  kleinere  eingestreut  findet. 

Der  Querschnitt  eines  Astes  zeigt  im  Mittelfelde  sehr  kleine  und  dünnwandige  Poren  —  die  Quer- 
schnitte des  immer  neu  zuwachsenden  centralen  Zellenbündels,  —  und   dieselben  nach   aussen   umgebend  die 


*)  Römer,  Verstein.  d.  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  23.  tab.  5.  fig.  26. 
2)  v.  Hagenow,  Bryoz.  v.  Maastricht  pag.  46.  tab.  5.  fig.  12,  13. 


—     131      - 

Querschnitte  der  nach  aussen  umgebogenen  peripherischen  Zellenröhren,  deren  Längsschnitte  zahlreiche  feine 
Querdissepimente  wahrnehmen  lassen. 

Selten.     In  Frankreich  im  Cenoman  von  Le  Mans  (Sarthe). 

3.  H.  coalescens  n.  sp.  —  Taf.  32.     Fig.  10—12. 

Die  Species  ist  verwandt  der  H.  intricata  Mich. J)  aus  dem  Falunien  von  Mantelan  und  Dore,  unter- 
scheidet sich  aber  schon  durch  die  schlankeren,  an  den  Enden  nicht  abgestutzten  Zweige. 

Die  zahlreichen  Aeste  der  baumförmig  verzweigten  Stämmchen  liegen  grösstentheils  in  einer  Ebene 
und  verschmelzen  in  ihrem  unteren  Theile  oft  netzförmig,  wobei  sie  grosse  elliptische  oder  oblonge  Maschen 
bilden.  Ihr  Querschnitt  ist  beinahe  kreisrund  und  sie  enden  stumpf,  abgerundet.  Auf  dem  Querbruche  kann 
man  sich  bisweilen  überzeugen,  dass  sie  aus  sich  überlagernden  dünnen  Zellenschichten  bestehen,  meistens 
ist  jedoch  diese  Zusammensetzung  durch  den  Versteinerungsprocess  verwischt. 

Die  Oberfläche  der  Aeste  zeigt  sehr  ungleich  grosse  Mündungen.  Die  grösseren  sind  rund,  dick- 
wandig und  werden  von  zerstreuten,  ebenfalls  ziemlich  dickwandigen  3 — 4  mal  kleineren  Poren  umgebeD. 

Häufig. 

Ditaxia  Hagenow. 

v.  Hagenow2)  hat  die  Gattung  Dilaxia  aufgestellt  für  Bryozoen  aus  der  Gruppe  der  Cerioporideen, 
welche  aus  zwei  mit  dem  Rücken  an  einander  gewachsenen,  durch  eine  undurchbohrte  Medianplatte  getrennten 
Zellenschichten  bestehen,  die  mithin  auf  zwei  einander  entgegengesetzten  Seiten  ausmünden.  Er  hat  zwei 
Species  in  dieser  Gattung  zusammengefasst,  von  denen  aber  eine,  D.  compressa  {Geriopora  compressa  Goldf.) 
offenbar  nicht  hierher,  sondern  zu  Biäiastopora  gehört,  so  dass  für  Ditaxia  nur  D.  anomalopora  {Geriopora 
anom.  Goldf.)  übrig  bleibt. 

Orbigny  hat  die  Gattung  Ditaxia  adoptirt  und  mit  ihr  die  Species  D.  anomalopora.  Wenn  man 
auch  zugeben  will,  dass  die  von  Goldfuss  und  Hagenow  beschriebenen  Formen  derselben  durch  Abreibung 
gelitten  haben,  so  ist  es  doch  sehr  unwahrscheinlich,  dass  die  von  Orbigny  aus  dem  französischen  Senonien 
angeführten  und  abgebildeten  Fossilreste3)  mit  der  Goldfuss'schen  Species  zu  identificiren  sind.  Mir  scheinen 
sie  eine  differente  Species  zu  bilden. 

Busk  hat,  durch  die  D.  compressa  irregeführt,  Ditaxia  mit  Diastopora  vereinigt,  aber  gewiss  mit 
Unrecht,  da  die  echten  Ditaxien  den  Cerioporideen  angehören  und  durch  die  zwischen  den  Zellenmündungen 
eingestreuten  Zwischenporen  sich  den  Heteroporen  zunächst  anschliessend  Mit  diesen  können  sie  jedoch  nicht 
vereinigt  werden  wegen  der  abweichenden  Lage  und  Vertheilung  der  Zellen  und  ihrer  Mündungen,  die  bei 
Heteropora  rings  um  die  centrale  Längsaxe  nach  allen  Seiten  der  Peripherie  gerichtet  sind,  während  sie  bei 
Ditaxia  parallel  einer  medianen  undurchbrochenen  Platte  nur  nach  zwei  entgegengesetzten  Seiten  sich  kehren. 
Ditaxia  verhält  sich  mithin  zu  Heteropora,  wie  Eschara  zu  Vincularia,  und  man  muss  sie  ebenso  von  ein- 
ander gesondert  halten,  wie  viele  andere  Gattungen  unseres  bisherigen  künstlichen  Bryozoen-Systemes,  welche 
nur  auf  einer  verschiedenen  Stellung  und  Anordnung  der  Zellen  beruhen. 

1.  D.  multicincta  n.  sp.  -   Taf.  32.     Fig.  13-19. 

Die  Species  bildet  kleine  fächerförmig  verästelte  Stämmchen,   die  mit  breiter  Basis   festsitzen.      Die 


')  Michelin  1.  c.  pag.  320.  tab.  77.  fig.  6. 

2)  Bryozoen  d.  Kreidetuffs  v.  Maastricht,  pag.  49. 

s)  Orbigny  1.  c.  V.  pag.  953.  tab.  775.  fig.  7—15. 


—     132     — 

sich  dicliotom  spaltenden  Aeste  liegen  fast  sämmtlich  in  einer  Ebene  oder  weichen  doch  nur  wenig  von  der- 
selben ab.  Die  Endzweige  sind  kurz,  fast  abgestutzt  oder  nur  schwach  gewölbt.  Uebrigens  sind  sie  zusammen- 
gedrückt und  zwar  desto  mehr,  je  jünger  sie  sind. 

Die  Seitenflächen  tragen  selten  regellos,  meistens  in  alternirenden  Längsreihen  stehende,  breit-ellip- 
tische, seltener  fast  kreisrunde  Mündungen,  deren  Zwischenräume  mit  gedrängten  3— 4  mal  kleineren,  etwas 
eckigen  Poren  besetzt  sind,  die  sie  nicht  selten  in  Gestalt  eines  regelmässigen  Kranzes  umgeben.  Oefters 
werden  die  Mündungen  auch  von  einem  schmalen,  etwas  erhabenen  Rande  ringförmig  eingefasst  oder  sie  stehen 
auf  flachen  bläschenartigen  Erhabenheiten.  In  abgeriebenem  Zustande  liegt  aber  Alles  in  einer  Ebene.  Bis- 
weilen ragt  dagegen  der  Zwischenraum  zwischen  den  Mündungen  derselben  Längsreihe  am  meisten  hervor, 
und  dann  erscheinen  die  Stämmchen  mit  kleinen,  in  queren  oder  schrägen  Eeihen  stehenden  Höckerchen  be- 
deckt. In  anderen  Fällen  erhebt  sich  der  zwischen  mehreren  Zellenmündungen  gelegene  Theil  zu  einem  flachen 
Knötchen.  An  den  ältesten  Theilen  der  Stämmchen,  die  übrigens  weniger  zusammengedrückt  sind,  findet  man 
die  grösseren  Mündungen  oft  durch  Kalkmasse  völlig  geschlossen. 

Auf  einem  Querbruche  der  Zweige  oder  an  den  freien  Enden  derselben  beobachtet  man  zu  beiden 
Seiten  der  undurchbrochenen  Medianplatte  eine  Reihe  grösserer  Zellenmündungen,  umgeben  von  sehr  feinen 
Zwischenporen. 

Ziemlich  häufig  bei  Plauen. 

Petaiopora  Lonsd. 

Schon  Römer  deutete  darauf  hin,  dass  seine  Chrysaora  pulchella1)  wohl  eine  selbstständige  Gattung 
bilden  müsste.  Ebenso  hat  Lonsdale,  der  eine  sehr  ähnliche  Art  in  der  Schreibkreide  Englands  nachwies, 
gezeigt,  dass  beide  Species  weder  mit  Heteropora,  noch  mit  Chrysaora  vereinigt  werden  können.3)  Er  grün- 
dete daher  für  dieselben  die  Gattung  Petalopora.  d'Orbigny  hat,  derselben  Ansicht  folgend,  später  auf  analoge 
Arten  das  Genus  Cavea  gegründet.     Dem  Namen  Petalopora  kommt  mithin  das  Recht  der  Priorität  zu. 

Die  dichotomen  baumförmig  ästigen  Stämmchen  sind  durch  die  eigenthümliche  Vertheilung  der  Mün- 
dungen von  verschiedener  Grösse  ausgezeichnet.  Die  grösseren  Zellenmündungen  stehen  rund  um  das  Stämm- 
chen in  regelmässigen  alternirenden  Läugsreihen.  Ihre  Zwischenräume  bedecken  kleinere  Poren,  welche  ge- 
wöhnlich auch  in  (2 — 4)  mehr  weniger  deutliche  Längsreihen  geordnet  sind.  Bisweilen  sind  porenlose  Zwischen- 
rippchen  vorhanden,  durch  welche  die  Gattung  Petalopora  sich  einigermaassen  den  Neuroporen  (Chrysaora 
Lamx.)  nähert;  jedoch  sind  dieselben  meist  nur  sehr  schwach  entwickelt  oder  fehlen  auch  ganz.  Die  Petalo- 
pora-Arten  sind  bisher  nur  in  den  Schichten  der  Kreideformation  gefunden  worden. 

1.  P.  Dumonti  Hag.  sp.  —  Taf.  33.     Fig.  1—4. 

1841.     Heteropora  Dumonti  v.  Hagenow,  1.  c.  pag.  48.  tab.  5.  flg.  15. 

Die  Jüngern  Aeste  der  baumförmigen  cylindiischen  Stämmchen  sind  lang  und  dünn  und  spalten  sich  unter 
Winkeln  von  50 — 60°.  Die  Stämmchen  tragen  12 — 14  oft  unterbrochene  alternirende  Längsreihen  entfernter 
rundlicher  Mündungen,  die  oft  auf  kleinen  bläschenartigen  Erhöhungen  sitzen,  wodurch  die  gesammte  Ober- 
fläche etwas  höckerig  erscheint.  Doch  werden  diese  Hervorragungen  oft  sehr  flach  oder  verschwinden  stellen- 
weise oder  auch  durchaus.  Nicht  selten  obliteriren  die  Mündungen,  mögen  sie  pustulös  hervorragen  oder  nicht, 
einzeln  oder  gruppenweise  oder  auf  ganzen  Zweigen.     Besonders  scheint  dies  auf  älteren  Partieen  der  Stämm- 


')  1.  c.  pag.  24.  tab.  5.  fig.  29. 

2)  Dixon,  the  geol.  and  foss.  of  the  tert.  and  cret.  form,  of  Sussex.  pag.  283.  tab.  15.  fig.  7— 7  b. 


—      133     — ■ 

chen  constant  der  Fall  zu  sein.  Die  Oberfläche  der  mitunter  flachhöckerigen  Aeste  ist  dann  nur  mit  ge- 
drängten, regellos  gestellten  Poren  bedeckt,  wodurch  dieselben  ein  von  den  jüngeren  Zweigen  völlig  abwei- 
chendes Ansehen  erhalten. 

Zwischen  den  Längsreihen  der  grösseren  Mündungen  laufen  einzelne  schwach  erhabene  porenlose 
Längslinien  herab,  12 — 14  im  Umfange  eines  Stämmchens.  Durch  stärkere  Entwickelung  derselben  erscheinen 
die  Stämmchen  schwach  kantig;  sehr  oft  sind  sie  aber  kaum  merkbar  oder  fehlen  auch  gänzlich. 

Innerhalb  zweier  solcher  Linien  werden  die  Zwischenräume  der  Mündungen  durch  je  drei,  selten  je 
vier  etwas  unregelmässige  Längsreihen  sehr  kleiner  gedrängter  rundlicher  Poren  ausgefüllt.  An  Stellen,  wo 
die  grösseren  Mündungen  geschlossen  sind,  sind  die  kleinen  Poren  allein  vorhanden,  welche  dann  auch  die 
undurchbohrten  pustulösen  Höcker  bedecken.  Es  verschwinden  in  diesem  Falle  die  porenlosen  Längslinien 
an  manchen  Zweigen  gänzlich. 

Ob  unsere  Species  mit  P.  Bumonti  Hag.  sp.  wirklich  übereinstimme,  lässt  sich  bei  der  gegebenen 
etwas  unvollkommenen  Schilderung  nicht  mit  Sicherheit  bestimmen.  Hagenow's  Abbildung  und  Beschreibung 
scheint  nach  älteren  nicht  vollständig  erhaltenen  Stammstücken  entworfen  zu  sein.  Da  sie  jedoch  mit  ein- 
zelnen der  sächsischen  Exemplare  stimmt,  so  habe  ich  beide  Vorkommnisse  zu  identificiren  gewagt. 

Chrysaora  pulcliella  Rom.  aus  dem  Kreideraergel  von  Gehrden  und  Quedlinburg,1)  mit  welcher 
Dixon  die  englischen  Formen  identincirt,  hat  zahlreichere  stärkere  glatte  Längsstreifen  und  nur  je  zwei  Längs- 
reihen kleiner  Poren,  während  Cavea  pölypora  d'Orb.2)  aus  dem  Senon  von  Lisle  (Loir-et-Cher)  12  stärkere 
glatte  Längsrippen  und  je  4 — 5  regellose  Längsreihen  kleiner  Poren  darbieten  soll. 

Unsere  Species  kommt  bei  Plauen  häufig  vor. 

2.  P.  tenera  n.  sp.  —  Taf.  33.     Fig.  5. 

Mit  der  eben  beschriebenen  Species  kommen  einzelne  Fragmente  vor,  die  sich  mit  derselben  nicht 
wohl  vereinigen  lassen.  Sie  stellen  sehr  dünne  einfache  cylindrische  Stämmchen  dar,  an  welchen  15 — 16 
zarte  Längsstreifen  herablaufen,  zwischen  welchen  je  eine  Reihe  kleiner  rundlicher  nicht  umrandeter  Mün- 
dungen liegt.  Sie  nehmen  die  ganze  Breite  zwischen  zwei  Längssfreifen  ein  und  stehen  viel  gedrängter,  als 
bei  der  vorigen  Species,  indem  die  Mündungen  einer  Längsreihe  nur  je  zwei,  höchstens  drei  unregelmässige 
Querreihen  kleiner  Poren  zwischen  sich  aufnehmen.  Uebrigens  stehen  diese  auch  hier  in  zwei  oder  höchstens 
drei  sehr  unregelmässigen  alternirenden  Längsreihen. 

Hetevopovella  Busk. 

Polypenstock  incrustirend,  scheibenförmig  oder  auf  der  Oberseite  mehr  weniger  convex  oder  von  un- 
regelmässigem Umriss.  Die  Zwischenräume  der  grösseren  Mündungen,  die  mitunter  annähernd  radial  geordnet 
sind,  werden  von  kleineren  Interstitialporen  bedeckt. 

Die  Gattung  unterscheidet  sich  daher  von  Heteropora  nur  durch  die  Form  des  Gehäuses,  das  bei 
der  letzteren  aufrecht  und  meistens  ästig,  bei  Heteroporella  aber  niedrig  ausgebreitet  und  incrustirend  ist. 
Dass  dadurch  eine  scharfe  Begrenzung  und  Scheidung  beider  Gattungen  nicht  ermöglicht  wird,  unterliegt  wohl 
keinem  Zweifel. 

1.  H.  colli s  d'Orb.  sp.  —  Taf.  33.     Fig.  6. 
1850—1851.     Unicavea  eollis  d'Orbiguy  1.  c.  V.  pag.  973.  tab.  778.  fig.  1,  2. 

Sie  ist  mit  der  ganzen  Unterseite  aufgewachsen,  im  Umrisse  scheibenförmig,  fast  halbkugelig  gewölbt. 


')  Römer  1.  c.  pag.  24.  tab.  5.  fig.  29. 
2)  d'Orbigny  1.  c.  V.  pag.  946.  tab.  774. 


—     134     — 

mit  kleiner  seichter  Scheiteldepression.  Von  derselben  strahlen  18 — 29  kürzere  und  längere  abgerundete 
radiale  Leistchen  gegen  die  Peripherie  aus,  die  mit  einreihig  stehenden  ziemlich  grossen  eckigen  Mündungen 
besetzt  sind.  Etwa  8 — 10  dieser  Leisten  reichen  bis  in  die  Nähe  der  Scheiteldepression,  die  übrigen  setzen 
erst  in  grösserer  Entfernung  derselben  ein. 

Die  Centraldepression  und  die  Zwischenrinnen  der  genannten  Leistchen  sind  mit  wenig  kleineren, 
aber  mehr  genäherten,  durch  dünne  Wände  gesonderte  Poren  besetzt. 

Selten  im  Cenoman  vom  Gamighügel  bei  Dresden,  sowie  im  Senon  Frankreichs. 

2.  H.  placenta  n.  sp.  —  Taf.  33.     Fig.  7. 

Bis  7  Mm.  grosse  dünne  Scheiben-  oder  kuchenförmige  Colonieen,  die  mit  ihrer  ganzen  Unterseite  auf- 
gewachsen waren.  Ihre  sehr  flach  gewölbte  Oberseite  ist  in  der  Mitte  mehr  weniger  deutlich  und  in  grösserem 
oder  geringerem  Umfange,  aber  immer  nur  sehr  seicht  eingedrückt,  während  die  untere  Fläche  concav,  selten 
eben  oder  selbst  sehr  flach  gewölbt  ist.  Der  peripherische  Rand  ist  etwas  abwärts  gebogen  und  mehr  oder 
weniger  scharf. 

Die  freie  obere  Seite  ist  mit  dichtgedrängten  Mündungen  bedeckt,  die  meistens  rundlich,  seltener 
schwach  elliptisch  sind.  Die  im  mittleren  Theile  liegenden  sind  etwas  grösser,  etwas  dicker  umrandet  und 
stehen  ganz  regellos.  Weiter  nach  aussen  hin  ordnen  sie  sich  in  deutliche,  dicht  gedrängte  Radialreihen,  die 
durch  Einsetzen  neuer  an  Zahl  rasch  zunehmen,  ohne  dass  sie  aber  leistenartig  vorragen  würden.  Zugleich 
sind  diese  Mündungen  kleiner,  dünner  umrandet  und  nicht  so  deutlich  gerundet,  sondern  in  radialer  Richtung 
etwas,  wenngleich  nur  schwach  verlängert.  In  dem  dem  Centrum  zunächst  liegenden  Theile  der  Scheibe  sieht 
man  zwischen  die  beschriebeneu  Mündungen  einzelne  grössere  rundliche  eingestreut,  welche  von  einem  ver- 
dickten und  etwas  erhöhten  Rande  eingefasst  sind. 

Ob  die  Unterseite  mit  einer  Epithek  versehen  war,  lässt  sich  nicht  mit  Bestimmtheit  nachweisen. 
Wenn  sie  durch  Abreibung  verloren  gegangen  ist,  niuss  sie  jedenfalls  sehr  dünn  gewesen  sein.  Jetzt  erscheint 
die  Unterseite  überall  mit  dichtgedrängten  kleinen,  sehr  dünnwandigen,  etwas  eckigen  Poren  bedeckt.  Man 
überzeugt  sich  zugleich,  dass  die  Zellen  gegen  den  Rand  der  Colonie  hin  eine  schräge  Richtung  annehmen 
und  sich  zur  kurzen  Röhre  verlängern. 

Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

B.  Die  ForainMferen  des  unteren  Quaders. 

Die  Zahl  der  Foraminiferen,  welche  mir  das  sächsische  Cenoman  geliefert  hat,  ist  nur  sehr  gering  (13). 
Doch  liegt  der  Grund  dieser  Erscheinung  gewiss  nicht  in  der  absoluten  Armuth  der  Foraminiferen-Fauna  dieses 
Schichtencomplexes.  Denn  einerseits  ist  der  Aufsammlung  dieser  Fossilreste,  besonders  der  kleineren  Formen, 
nur  sehr  geringe  Aufmerksamkeit  zugewendet  worden;  andererseits  ist  selbst  das  kalkige  Gestein  von  Plauen, 
in  welchem  die  Bryozoen  sich  theilweise  vortrefflich  conservirt  haben,  der  Erhaltung  sehr  kleiner  dünner 
Kalkschalen  nur  wenig  zuträglich  gewesen.  Deshalb  gelangten  auch  meistens  nur  grössere  und  derbere  For- 
men zur  Untersuchung;  zartere  Schalen  nur  sehr  selten  und  meistens  nur  in  Bruchstücken. 

Als  charakteristisch  für  die  cenomane  Stufe  sind  nur  die  grossen  und  eigenthümlichen  Polyphragma 
cribrosum  Rss.  und  Thalamopora  cribrosa  Goldf.  sp.  zu  betrachten,  von  welchen  das  erstere  auch  aus  dem 
unteren  Pläner  von  Bilin  in  Böhmen,  die  letztere  aus  dem  Grünsand  von  Essen  bekannt  ist,  und  vielleicht 
auch  Nodosaria  oigotoma  Rss.,  die  von  mir  bisher  nur  bei  Plauen  aufgefunden  wurde. 


—      135      - 

Alle  übrigen  Arten  sind  kosmopolitische  Formen  von  ausgedehnter  verticaler  und  horizontaler  Ver- 
breitung. Cristellaria  rotulata  Lam.  sp.  reicht  durch  alle  Kreideschichten  vom  Gault  bis  in  das  Senon  und 
noch  darüber  hinaus.  Flabellina  cordata  Rss.  und  rugosa  d'Orb.,  Frondicularia  inversa  Rss.,  Nodosaria  com- 
munis d'Orb.  und  Gandryina  rugosa  d'Orb.  liegen  in  Menge  im  Senon  und  im  Pläner ;  Cymbälopora  radiata 
Hag.  sp.  wurde  von  Hagenow  zuerst  im  Kreidetuff  von  Maastricht  aufgefunden.  Flacopsüina  cenomana  d'Orb. 
ist  auf  Molluskenschalen  im  Pläner  häufig  nachgewiesen  worden;  Vaginulina  arguta  Rss.  dagegen  wurde  von 
von  mir  nur  im  deutschen  Gault  und  Cenoman  angetroffen. 

Verzeichniss  der  einzelnen  Arten. 
I.  Mit  poröser  Kalkschale. 

1.  Nodosaridea. 

Nodosaria  Lam. 

Die  Kammern  sind  in  einer  einfachen  Reihe  über  einander  gestellt,  welche  bald  gerade  (Nodosaria), 
bald  mehr  weniger  gekrümmt  ist  {Dentalina).  Mündung  einfach  rund,  terminal,  bei  Nodosaria  central,  bei 
Bentalina  etwas  excentrisch. 

1.  N.  oligotoma  n.  sp.  —  Taf.  33.  Fig.  16. 

Sie  hat  mit  vielen  der  gerippten  Nodosarien  Aehnlichkeit ,  ohne  mit  einer  derselben  vollkommen 
übereinzustimmen.  Am  meisten  verwandt  ist  sie  mit  N.  Ludwigi  Rss.  *)  aus  dem  Septarienthon  von  Alsfeld. 
Doch  hat  diese  einen  excentrischen  Schnabel  und  zahlreichere  Rippen. 

Das  gerade  Gehäuse  unserer  Species  ist  verhältnissmässig  kurz  und  dick  und  verschmälert  sich  ab- 
wärts ziemlich  rasch  zur  stumpfen  Spitze.  Wenige  (5)  Kammern,  die  untersten  durch  seichte,  die  jüngeren 
durch  tiefere  Nähte  gesondert.  Die  Embryonalkammer  ist  wenig  gewölbt  und  kleiner  als  die  folgenden ;  die 
letzte  dagegen  gross,  fast  kugelig,  in  einen  kurzen  centralen  Schnabel  auslaufend.  Elf  bis  zwölf  sehr  feine, 
scharfe  Längsrippchen  mit  breiten  Zwischenrinnen  laufen  über  die  Kammern  und  Nähte  herab. 

Sehr  selten  bei  Plauen,  wie  alle  folgenden  Arten. 

2.  N.  (Dentalina)  communis  d'Orb. 

1839.  d'Orbigny,  Mem.  sur  les  foram.  de  la  craie  blanche  du  bass.  de  Paris,  pag.  13.  tab.  1.  fig.  4. 

Die  sächsischen  Formen  stimmen  in  Folge  der  grossen  Veränderlichkeit  der  Nodosarien  überhaupt 
mit  den  Parisern  nicht  völlig  überein.  Sie  sind  meistens  etwas,  wenngleich  schwach,  zusammengedrückt,  und 
ihre  Primordialkammer  ist  nicht  grösser  und  convexer  als  die  folgenden. 

Selten.  —  In  der  Senonkreide  von  Paris,  England,  Westphalen;  in"  den  Mucronatenmergeln  von 
Lemberg,  in  den  Baculitenthonen  und  im  Pläner  Böhmens  etc. 

Vaginulina  d'Orb. 

Die  Kammern  in  einfacher  gerader  oder  wenig  gekrümmter  Linie  über  einander  stehend.  Das  Ge- 
häuse schmal,  verlängert  oder  kürzer,  dreieckig,  zusammengedrückt,  mitunter  im  Anfangstheile  etwas  vorwärts 
gekrümmt.   Die  zahlreichen  Kammern  niedrig,  meistens  schräg;  die  letzte  schräge  abgestutzt,  ohne  Schnabel; 


')  Eeuss,  Septarienthon  pag.  19.  tab.  2.  fig.  23. 

20 

PalaeontographiCü  XX  4. 


—     136     — 

die  runde  Mündung  end-"  und  rückenständig.  Manche  Formen  gehen  allmählich  in  die  Gattung  Nodosaria 
(Dentalina)  über. 

1.  V.  arg uta  Ess. 

1860.     Reuss,  Foraminif.  d.  Westphäl.  Kreideform.  pag.  58.  tab.  8.  fig.  4. 

1862.     Reuss,  Foraminif.  d.  norddeutsch.  Hils  und  Gault,  pag.  47.  tab.  3.  fig.  13. 

Sehr  selten,  meistens  Bruchstücke.  Ueberdies  liegt  eine  Schale  vor,  an  welcher  sich  im  späteren 
Verlaufe  des  Wachsthums  über  die  normalen  Kammern  einige  reitende  Kammern  gelegt  haben,  wodurch  der 
Vaginulinentypus  in  den  Frondicularientypus  übergegangen  ist. 

2.  Frondicularidea. 

Frondicularia  Defr. 

Das  gerade,  stark  zusammengedrückte,  oft  blattförmige  Gehäuse  besteht  mit  Ausnahme  der  Primordial- 
kammern  aus  bogenförmigen  oder  winkelig  gebrochenen  reitenden  Kammern,  welche  sich  mit  zwei  in  einer 
Ebene  liegenden  Armen  umfassen.  Daher  sind  auf  den  Seitenflächen  sämmtliche  Kammern  sichtbar.  Die  auf 
einer  centralen  Spitze  der  letzten  Kammer  sitzende  Mündung  ist  fast  immer  rund. 

1.  Fr.  in  versa  Ess. 

1845.    Reuss,  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  31.  tab.  8.  fig.  15—19;  tab.  13.  fig.  42. 

1860.     Reuss.  Foraminif.  d.  westphäl.  Kreidef.  pag.  50. 

Selten.  —  Im  obereren  Senon  Westphalens ;  in  der  Quadratenkreide  und  im  Scaphitenpläner  Böhmens. 

Flabellina  d'Orb. 

Ein  Mischtypus,  entstanden  durch  Combination  des  einfach  spiralen,  mit  dem  rhabdoiden  Typus  der 
Frondicularieu.  Die  ersten  Kammern  des  zusammengedrückten  Gehäuses  sind  zu  einer  meist  kleinen  gleich- 
seitigen Spira  eingerollt,  der  jüngere  Theil  derselben  stellt  dagegen  eine  Frondicularia  dar.  Die  terminale 
mittelständige  Mündung  rund  oder  verlängert. 

1.  Fl.  cordata  Ess. 

1845.     Reuss,  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  32.  tab.  8.  fig.  37—46,  78. 

1854.     Reuss,  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  Kreideschichten  d.  Ostalpen  pag. '67.  tab.  25.  fig.  6 — 8. 

1860.     Reuss,  Foraminif.  d.  Westphäl.  Kreideform.  pag.  72. 

Nicht  selten. 

2.  Fl.  rugosa  d'Orb. 

1839.     d'Orbigny,  1.  c.  pag.  23.  tab.  2.  fig.  4—7. 
1860.     Reuss,  Foraminif.  d.  Westphäl.  Kreideform.  pag.  71. 

Selten,  meist  fragmentär.  —  In  der  weissen  Kreide  verbreitet ;  in  den  Gosaumergeln  des  Gosauthales, 
in  der  Quadratenkreide  und  im  Pläner  Böhmens. 

3.   Gristellaridea. 

Cristellaria  Lam. 

Entweder  sind  nur  die  älteren  Kammern  mehr  weniger  spiral  eingerollt  (Marginulina ,  Cristel- 
lariae  rectae),  während  die  übrigen  in  gerader  Eeihe  über  einander  stehen,  oder  sie  sind  sämmtlich  zu  einer 
gewöhnlich  linsenförmigen  Spira  eingerollt.  Das  stets  gleichseitige  Gehäuse  trägt  die  runde  (Cristellaria) 
oder  spaltenförmige  Mündung  (Robiäina)  am  Carenalwinkel. 

1.  Cr.  rotulata  Lam.  sp. 

1839.     d'Orbigny,  Mem.  de  la  soc.  geol.  de  France  IV.  1.  pag.  26.  tab.  2.  fig.  15—18. 

1860.    Reuss,  die  Foraminif.  d.  Westphäl.  Kreideform.  pag.  69. 


—     137     — 

Die  häufigste  und  verbreitetste  Foraminiferen-Species  der  Kreideformation,  welche  vom  Gault  aufwärts 
bis  in  das  obere  Senon  reicht.     Auch  im  Cenoman  von  Plauen  tritt  sie  nicht  selten  auf. 

i.  Botalidea. 
Cymbalopora  v.  Hag. 

Das  kreiseiförmige  oder  niedrig  conische  Gehäuse  trägt  auf  der  Unterseite  eine  weite  Nabelhöhlung, 
in  welche  die  ringförmig  oder  unregelmässig  spiral  angeordneten  Kammern  einzeln  ausmünden.  Diese  stehen 
aber  auch  durch  je  zwei  Sprossencanäle  mit  den  Nachbarkammern  in  Verbindung.  Während  Cymbalopora 
daher  noch  den  Habitus  der  Rotalideen  an  sich  trägt,  neigt  sie  sich  in  manchen  Merkmalen  ihres  Baues  zu 
den  Dactyloporiden  hin. 

1.  Cymbalopora  sp. 

Die  sehr  seltenen  Schalen  gehören  zwar  mit  Sicherheit  der  Gattung  Cymbalopora  an  und  sind  wahr- 
scheinlich sogar  mit  C.  radiata  Hag.1)  identisch;  sie  sind  aber  nicht  vollständig  genug  erhalten,  um  dies 
mit  Bestimmtheit  aussprechen  zu  können. 

5.  Thalamoporidea. 

TJialamopora  Rom. 

1.  Th.  cribrosa  Goldf.  sp.  -   Taf.  33.  Fig.  11—15. 
1826 — 1833.     Ceriopora  cribrosa  Goldfuss,  Petref.  Germ.  I.  pag.  36.  tab.  10.  fig.  16  a — c 

1841.     Römer,  Verstein.  d.  deutschen  Kreidegeb.  pag.  21. 
1840 — 1847.     Thalamopora  vesiculosa  Michelin,  Iconogr.  zoophyt.  pag.  209.  tab.  53.  fig.  8. 

1850.     Monticulipora  cribrosa  d'Orbigny,  Prodr.  d.  paleont.  stratigr.  II.  pag.  184.  n°  739. 

1871.     Simonowitsch,  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  Bryoz.  d.  Essener  Grünsandes  pag.  26.  tab.  1.  fig.  1  a— c. 

Dieses  eigenthümliche  Fossil  wurde  schon  von  Goldfuss  sehr  gut  abgebildet,  aber  trotz  der  beobach- 
teten mannigfachen  Structurabweichungen  doch  mit  der  Bryozoengattung  Ceriopora  vereinigt.  Römer  erkannte 
wohl  die  grosse  Verschiedenheit  von  den  Cerioporen  und  gründete  darauf  ein  neues  Genus  mit  dem  Namen 
Thalamopora,  welches  er  aber  demungeachtet  bei  den  Bryozoen  in  der  Nachbarschaft  von  Pustulopora  und 
Ceriopora  beliess.  Diesem  Beispiele  folgten  alle  Paläontologen,  welche  bisher  die  Gattung  Thalamopora  be- 
sprachen. Selbst  Simonowitsch,  der  neueste  Monograph  der  Essener  Bryozoen,  der  zugleich  den  Bau  des 
hier  in  Rede  stehenden  Fossils  am  genauesten  dargelegt  hat,  ist  trotz  der  Einsicht  in  die  völlige  Abweichung 
vom  Bryozoenbaue  noch  der  alten  Ansicht  gefolgt ;  ja  er  hat  die  Begrenzung  von  Thalamopora  noch  schwankend 
gemacht,  indem  er  ein  sehr  differentes  Fossil,  das  nicht  die  geringste  Aehnlichkeit  mit  einer  Bryozoe  und  mit 
Th.  cribrosa  besitzt,  die  Th.  Michelini  Simon.2)  mit  dieser  Gattung  vereinigte. 

Bronn  hat  die  Unsicherheit  der  Stellung  von  Thalamopora  wohl  erkannt,  und  dies  war  wohl  die 
Ursache,  weshalb  er  derselben  in  „den  Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreiches"  keine  Erwähnung  thut,  was 
ihm  zum  Vorwurfe  gemacht  wird. 

Dass  Thalamopora  keineswegs  bei  den  Bryozoen  belassen  werden  könne,  darüber  kann  nach  meiner 
Ansicht  nicht  der  geringste  Zweifel  obwalten.  Die  Aehnlichkeit  mit  den  Cerioporiden  ist  nur  eine  ganz 
oberflächliche  und  beruht  blos  auf  äusserlichen  Momenten,  während  aus  dem  inneren  Bau,  wie  die  nach- 
folgende Schilderung  lehrt,  keine  Analogie  nachgewiesen  werden  kann. 

Unsere  Species,  welche  mitunter  die  beträchtliche  Höhe  von  1,5  Zoll  erreicht,  bleibt  in  den  meisten 


')  v.  Hagenow,  Bryozoen  v.  Maastricht  pag.  104.  tab.  12. 
2)  Simonowitsch  1.  c.  pag.  31.  tab.  1.  fig.  2. 


-     138     — 

Fällen  einfach,  ist  ziemlich  dick  und  fast  walzenförmig.  Nach  oben  verdickt  sie  sich  gewöhnlich  nur  wenig, 
seltener  wird  das  Gehäuse,  in  Folge  des  stärkeren  Anwachsens  in  der  Breite  keulenförmig.  Eine  solche  Form, 
bei  welcher  der  Breitendurchmesser  nach  oben  hin  besonders  stark  zugenommen  hat,  scheint  die  verhältniss- 
mässig  kurze  und  verkehrt  kegelförmige  Th.  vesiculosa  Mich,  aus  dem  Cenomanien  von  Le  Mans  zu  sein. 

In  seltenen  Fällen  theilt  sich  der  Stamm,  gewöhnlich  in  geringem  Abstände  von  der  Basis  in  2  — 5 
Aeste,  welche  sich  von  der  cylindrischen  Gestalt  nur  wenig  entfernen. 

Immer  ist  das  Gehäuse  mit  seiner  ganzen  Breite  aufgewachsen;  ja  bisweilen  breitet  sich  der  Fuss 
noch  beträchtlicher  aus. 

Die  Oberfläche  ist  mit  gerundeten  Anschwellungen  bedeckt,  die  bisweilen  nur  sehr  wenig  hervortreten, 
in  anderen  Fällen  aber  sich  beinahe  halbkugelig  wölben.  Sie  werden  durch  mehr  weniger  seichte  De- 
pressionen gesondert  und  stehen  in  ziemlich  regelmässigen  alternirenden  Kreisen.  Wegen  der  Dünne  der 
Wandung  an  ihrem  convexesten  Theile  findet  man  dieselbe  oft  zerbrochen,  und  dann  erscheint  die  Aussenseite 
des  Stockes  an  der  Stelle  der  Erhöhungen  mit  ziemlich  grossen  rundlichen  Löchern  bedeckt,  welche  in  einen 
flachen  Hohlraum  führen.  Einen  solchen  Kranz  von  5  —  7  Erhöhungen  oder  Einsenkungen  nimmt  man  auch 
am  oberen  Ende  des  Stockes,  die  Centralhöhlung  desselben  umgebend,  wahr.  Diese  durchzieht  als  ein  ziemlich 
weiter  cylindrischer  Canal  von  fast  gleichbleibendem  Durchmesser  den  ganzen  Stock  in  seiner  Mittellinie. 

Quer-  und  Längsschnitte  des  Gehäuses  belehren  uns,  dass  den  erwähnten  Erhöhungen  der  Aussenseite 
die  innern  Höhlungen  entsprechen,  welche  von  rundlichem  Umfange  und  in  senkrechter  Richtung  etwas 
niedergedrückt  sind.  Sie  stehen  in  ziemlich  regelmässigen  alternirenden  Längsreihen  um  die  Centralhöhlung 
herum.  Jede  dieser  Kammern  verschmälert  sich  nach  innen  zu  einem  kurzen  Halse  und  mündet  mit  einer 
rundlichen  Oeffnung  in  den  Centralcanal.  In  Folge  der  symmetrischen  Stellung  der  Kammern  selbst  zeigen 
auch  diese  Mündungen  eine  ziemlich  regelmässige  Anordnung  in  alternirenden  Läugsreihen,  wie  man  sich  an 
einem  gerade  durch  den  Centralcanal  geführten  Verticalschnitt  überzeugt.  Unter  einander  stehen  die  Kammern 
durch  keine  grössere  Mündung  in  Verbindung;  nur  grobe  Poren,  welche  die  einfachen  Wandungen,  ziemlich 
gedrängt,  aber  regellos  stehend,  durchbohren,  vermitteln  ihren  Zusammenhang.  Nur  der  innerste  Theil  der 
Wandung,  welcher  dem  Centralcanal  zugekehrt  ist,  zeigt  keine  Poren,  ist  —  mit  Ausnahme  der  genannten 
grösseren  Mündung  —  undurchbohrt. 

Aus  der  eben  gebotenen  Charakteristik  ergibt  -sich  unzweifelhaft,  dass  Thalamopora  keineswegs  den 
Bryozoen,  von  welchen  sie  sich  in  ihrem  Baue  fundamental  unterscheidet,  angehören  könne.  Schon  der  Mangel 
der  Sprossencanäle  und  die  dadurch  gegebene  Abweichung  in  dem  Aufbau  des  Gehäuses  verbietet  dies  von 
vorne  herein.  Die  Communication  der  Kammern  wird  nur  bewirkt,  einerseits  direct  durch  die  Poren  der 
Kammerwandungen,  anderseits  mittelbar  durch  die  in  die  Centralhöhlung  sich  öffnenden  Mündungen  der 
Kammern.  Es  kann  daher  kaum  einem  Zweifel  unterliegen,  dass  die  Centralhöhlung  durch  einen  grösseren 
Sarkodekörper  ausgefüllt  war,  mit  welchem  die  die  Kammerhöhlungen  erfüllenden  Sarkodesegmente  durch 
dickere  Stränge  zusammenhingen,  während  die  Verbindung  der  Segmente  unter  einander  nur  durch  dünne 
Sarkodefäden  vermittelt  wurde,  denen  die  zahlreichen  Wandungsporen  freien  Durchgang  gestatteten. 

Aus  dieser  Gliederung  des  Thierkörpers,  wie  sie  sich  aus  dem  Baue  des  Gehäuses  erschliessen  lässt, 
ergibt  sich  eine  grosse  Analogie  von  Thalamopora  mit  den  vielgestaltigen  Dactyloporen  und  theilweise  auch 
mit  Gymbalopora.  Nur  findet  in  Betreff  der  erstgenannten  der  wesentliche  Unterschied  statt,  dass  Thala- 
mopora eine  grob-poröse,  Dactylopora  hingegen  eine  dichte  porzellanartige  Kalkschale  besitzt.  Will  man  der 
Analogie  im  Baue  des  Thierleibes  Rechnung  tragen,  so  wird  der  Schluss  erlaubt   sein,   dass  Thalamopora  in 


—      139     — 

der  Reihe  der  porös-kalkschaligen  Foraminiferen  eine  analoge  Stellung  einnimmt,  wie  Dactylopora  unter  jenen 
mit  undurchbohrter  Kalkschale,  und  dass  sie  gleichsam  als  vicarirende  Bildungen  in  den  genannten  zwei 
grossen  Foraminiferengruppen  anzusehen  sind. 

IL  Mit  kieseliger  Schale. 

1.  Lituolidea. 

Haplophragtniwm  Rss. 

Das  unregelmässige  veränderliche  Gehäuse  spiral  oder  nur  im  Anfangstheile  spiral,  im  oberen 
gerade  gestreckt.  Mündung  einlach  oder  mehrfach,  die  Mündungsfiäche  siebförmig  durchlöchernd,  Kammer- 
höhlungen  ununterbrochen. 

1.  H.  irreguläre  Rom.  sp. 

1841.     Spirolina  irregiüaris  Römer,  1.  c.  pag.  98.  tab.  15.  fig.  29. 

1841.     Spirolina  lagenalis  Römer,  1.  c.  pag.  98.  tab.  15.  fig.  28. 

1860.     Reuss,  die  Foraminif.  d.  Westphäl.  Kreideform,  pag.  75.  tab.  10.  fig.  9;  tab.  11.  fig.  1. 

Auch  Spirolina  aequalis  Rom.  (1.  c.  pag.  98.  Taf.  15.  Fig.  27)  dürfte  der  Species  nach  kaum  ver- 
schieden sein,  da  sich  zwischen  allen  diesen  Formen  keine  scharfe  Grenze  ziehen  lässt. 

Bei  Plauen  sehr  selten.  —  In  der  weissen  Kreide  Englands,  im  Senon  Westphalens  und  von  Lem- 
berg;  in  der  Quadratenkreide  und  im  Scaphitenpläner  Böhmens;  in  den  Gosauschichten  der  Gosau,  im  Ceno- 
man  von  Peine,  von  Salzgitter  etc. 

JPolyphragma  nov.  gen. 

1.  P.  cribrosum  Rss.    Taf.  33.  Fig.  8— LO. 

1846.     Lichenopora  cribrosa  Reuss,  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  pag.  64.  tab.   14.  fig.  10  ;  tab.  24.  fig.  3,  5. 

Ich  habe  vor  25  Jahren  ein  kleines  Fossil,  welches  ich  im  unteren  Pläner  der  Schillinge  bei  Bilin 
nur  selten,  in  den  gleichalten  Schichten  von  Weisskirchlitz  bei  Teplitz  dagegen  häufig  angetroffen  hatte,  unter 
dem  Namen  Lichenopora  cribrosa  beschrieben  und  abgebildet  und  irriger  Weise  den  Bryozoen  beigesellt.  Jetzt, 
da  ich  dasselbe  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  wenngleich  selten,  wieder  aufgefunden  habe,  lehrt  mich  die 
wiederholte  genauere  Untersuchung,  dass  es  den  Foraminiferen  zugerechnet  werden  müsse  und  zwar  der  Familie 
der  Lituolideen.  Nimmt  man  die  Gattung  Lituola  in  dem  den  englischen  Forschern  geläufigen  weiten  Um- 
fange, wo  sie  eigentlich  sämmtliche  Formen  der  Lituolideen  umfasst,  so  müsste  auch  unser  Fossil  derselben 
einverleibt  werden.  Eine  solche  Anschauungsweise,  die  vielleicht  in  genetischer  Beziehung  auf  einige  Berech- 
tigung Anspruch  machen  kann,  scheint  mir  aber  in  systematischer  und  noch  mehr  in  paläontologischer  Rich- 
tung nicht  annehmbar  zu  sein.  Zu  diesen  Zwecken  und  zur  leichteren  Uebersicht  empfiehlt  sich  hier,  wie 
anderwärts,  eine  Sonderung'  in  Gruppen  oder  Gattungen,  die  übrigens  auch  in  wirklichen  Differenzen  des 
Schalenbaues  ihre  Berechtigung  findet.  Die  Verwandtschaft  und  der  Zusammenhang  dieser  Gruppen  unter 
einander  wird  dadurch  auf  keine  Weise  in  Abrede  gestellt. 

Unser  Fossil  ist  mit  seinem  unteren  Ende,  das  sich  bisweilen  in  einen  breiten  incrustirenden  Fuss 
ausbreitet,  aufgewachsen  gewesen  und  erhebt  sich  frei  und  mehr  weniger  cylindrisch  bis  zu  0,5  Zoll  Höhe. 
Nicht  selten  ist  jedoch  der  Cylinder  auf  mannigfache  Weise  verbogen  und  gekrümmt.  Schon  bei  schwacher 
Vergrösserung  nimmt  man  wahr,  dass  die  ziemlich  dicke  Schale  aus  kleinen  und  annähernd  gleichen  Kiesel- 
körnchen besteht,  die  durch  ein  spärliches  Kalkcäment  verbunden  sind,  so  dass  sie  bei  Behandlung  mit  Salz- 
säure ihre  Form  und  ihren  Zusammenhang   behält.     Zugleich   nimmt   man   seichte   kreisförmige,    oft   schräg 


—     140     — 

■verlaufende  Einschnürungen  wahr,  welche  die  äusseren  Grenzen  der  successiv  über  einander  gebildeten  Kammern 
darstellen.  Das  obere  Ende  der  letzten  Kammer  bildet  eine  mehr  weniger  kreisrunde,  sehr  flach  gewölbte 
oder  fast  ebene  Fläche  dar,  die,  von  einem  schmalen,  glatten,  wenig  erhabenen  Rande  umgeben,  zahlreiche 
eckige  Mündungsporen  trägt,  die  gewöhnlich  regellos  zusammengedrängt  sind,  manchmal  jedoch  auch  eine  An- 
deutung kreisförmiger  Anordnung  verrathen. 

An  einem  Verticalschnitte  überzeugt  man  sich,  dass,  dieser  Endfläche  mehr  weniger  parallel  und  den 
äusseren  Einschnürungen  der  Seitenwand  entsprechendT  ebensoviele  Querscheidewände  mit  verschiedenem  Grade 
von  Regelmässigkeit  die  Röhre  durchziehen.  Ebenso  nimmt  man  aber  wahr,  dass  der  Kammerraum  nicht 
ununterbrochen  ist,  sondern  durch  regellos  sich  verbindende  lamellare  Fortsätze  der  Querwände  vielfach 
unterabgetheilt  wird. 

Es  ergibt  sich  daraus  eine  vollkommene  Uebereinstimmung  der  Structur  mit  Lituola.  Polypliragma 
stellt  gleichsam  den  oberen  verticalen  Theil  einer  Lituola  dar,  welche,  statt  sich  im  Anfangstheile  Spiral  ein- 
zurollen, mit  demselben  aufgewachsen  ist.  Placopsilina  weicht  dagegen  darin  ab,  dass  sie  mit  einer  Seiten- 
fläche aufgewachsen  ist,  dadurch  gleichsam  durch  einen  verticalen  Flächenschnitt  halbirt  erscheint,  nicht  durch 
einen  horizontalen  Querschnitt,  wie  Polypliragma. 

Placopsilina  d'Orb. 

Gehäuse  in  der  Fläche  fest  aufgewachsen.  Die  sehr  ungleichen  und  unregelmässigen  Kammern  bald 
sämmtlich,  bald  nur  im  Anfangstheile  spiral  eingerollt,  bald  in  bogenförmiger  oder  verschiedentlich  gekrümmter 
Linie  angeordnet,  bald  ganz  regellos  gehäuft,  im  Innern  oft  durch  secundäre  Septa  regellos  zellig.  Mündung 
veränderlich,  ein-  oder  mehrfach. 

1.  PI.  cenomana  d'Orb. 

1850.     d'Orbigny.  Prodi-,  de  paleont.  strat.  II.  pag.  185.  uro.  758. 

1860.     Reuss,  Beiträge  z.  Charact.  d.  Kreideschicht,  d.  Ostalpen,  tab.  28.  fig.  4,  5. 

Aeusserst  veränderlich  in  ihrer  Form,  selten  bischofsstabförmig,  einem  mit  der  Fläche  aufgewachsenen 
Haplophragmium  gleichend,  oft  mehr  weniger  regelmässig  spiral,  regellos  gehäuft  oder  linear,  meistens  hin 
und  her  gebogen.  Ebenso  veränderlich  ist  die  Zahl,  Grösse  und  der  Umriss  der  Kammern,  die  durch  mehr 
weniger  tiefe  Nähte  geschieden  werden. 

Bei  Plauen  selten  auf  Austern-  und  Exogyrenschalen  aufgewachsen.  —  Im  böhmischen  Pläner,  in  den 
Gosauschichten ;  in  Frankreich  im  Cenoman  von  Le  Mans.     Ohne  Zweifel  noch  viel  weiter  verbreitet. 

2.    Uvellidea. 

Gaudryina  d'Orb. 

Die  ältesten  kleinen  Kammern  des  geraden  verlängerten  Gehäuses  sind  zu  einer  schraubenförmigen 
gerundeten  oder  dreikantigen  Spira  eingerollt  und  stellen  daher  ein  Ataxophragmium  oder  eine  Verneuilina 
dar.  Die  übrigen  jüngeren  Kammern  dagegen  stehen  in  zwei  geraden  parallelen  alternirenden  Längsreihen 
nach  Art  der  Textilarien.  Mit  diesen  stimmt  auch  die  Mündung  überein,  eine  kurze  nackte  Querspalte  am 
inneren  Rande  der  Kammern,  die  bisweilen  an  denselben  höher  —  ja  bis  zur  Mitte  —  hinaufrückt  und  mit- 
unter gelippt  oder  selbst  kurzröhrig  wird.     Die  Gattung  schliesst  sich  nahe  an  Clavulina  an. 

1.  G.  rugosa  d'Orb. 

1839.     d'Orbigny,  Mem.  de  la  soc.  geol.  de  France  IV.  1.  pag.  44.  tab.  4.  fig.  20 — 21. 

1860.     Reuss,  d.  Foraminif.  d.  westphäl.  Kreideform.  pag.  85. 

Sehr  selten.  —  Im  Senon  Frankreichs,  Englands,  Westphalens,  von  Lernberg  u.  a.;  in  der  Quadraten- 
kreide Böhmens ;  im  Plänermergel  vor  dem  Clever  Thore  von  Hannover,  im  Ananchytenmergel  zwischen 
Ahlfeldt  und  Imstadt  etc. 


—     141      — 

C.  Nachtrag  zu  den  Anthozoen  des  Cenomans  von  Plauen. 

Unter  dem  mir  zur  Untersuchung  mitgetheilten  Matenale  aus  dem  Cenoman  von  Plauen  befanden 
sich  auch  zwei  fossile  Anthozoen,  welche  in  Dr.  Bölsche's  monographischer  Bearbeitung  der  Korallen  dieses 
Schicbtencomplexes  *)  nicht  aufgenommen  worden  sind.  Sie  gehören  beide  der  Familie  der  Isideen  an.  Eine 
derselben,  Stichöboihrion  foveolatum  Kss.,  wurde  von  mir  schon  früher  im  böhmischen  Cenoman  aufgefunden 
und  als  Isis  foveolata  beschrieben.  Da  beide  dem  Cenoman  eigentümlich  zu  sein  scheinen,  lasse  ich  zur 
Vervollständigung  der  Fauna  desselben  ihre  Beschreibungen  hier  folgen,  soweit  sie  sich  aus  den  ziemlich 
unvollständig  erhaltenen  Fossilresten  ergeben. 

1.  Isis  tenuistriata  n.  sp. 

Sie  ist  der  oligocänen  I.  brevis  d'Ach.2),  sowie  der  miocänen  I.  gracüis  Rss. 3)  verwandt.  Die 
kalkigen  Glieder  sind  kurz,  übersteigen  nicht  die  Höhe  von  13 — 16mm  bei  einer  Dicke  von  6mm.  Gewöhnlich 
sind  sie  nur  9—  10mm  lang  und  3,5mm  dick.  Uebrigens  sind  sie  bald  gerade,  bald  etwas  gebogen  und  ver- 
dicken sich  gegen  die  Enden  hin  nur  wenig.  Ihre  Oberfläche  ist  der  Länge  nach  mit  gedrängten  schmalen, 
aber  scharfen  Rippenstreifen  bedeckt,  welche  selten  ganz  regelmässig  verlaufen,  sich  oft  krümmen  und  gabel- 
förmig spalten,  kurz  manche  Unregelmässigkeiten  wahrnehmen  lassen.  Sie  scheinen  fein  gekörnt  zu  sein,  doch 
lässt  sich  dies  bei  dem  weniger  vollkommenen  Erhaltungszustande  der  Oberfläche  nicht  mit  völliger  Sicher- 
heit bestimmen. 

Die  Gelenkflächen  stellen  einen  niedrigen,  concentrisch  gestreiften  Kegel  dar.  Zuweilen  liegen  an 
einem  Ende  des  kalkigen  Gliedes  zwei  Einlenkuugsflächen,  —  das  Zeichen  beginnender  Gabeltheilung.  Andere 


Gelenkflächen  sind  seicht  vertieft,  und  dergleichen  von  kleinem  Umfange  beobachtet  man  auch  hin  und  wieder 
an  den  Seitentheilen  der  Glieder. 

Die  Species  scheint  bei  Plauen  selten  zu  sein;  mir  liegen  nur  sechs  Glieder  vor. 

Die  obenstehenden  Fig.  1  und  2  stellen  zwei  Glieder  in  vergrössertem  Maassstabe  dar. 


*)  Geinitz,  das  Eibthal gebirge  in  Sachsen.  II.  1871. 

a)  Reuss,  paläont.  Studien   über  d.  alt.  Tertiärschichten  d.  Alpen.  IL  pag.  80.  tab.  28.  fig.  14—16. 

3)  Reuss,  die  foss.  Korallen  des  österr.-ung.  Miocäns.  1871.  pag.  9.  tab.  20.  fig,  13. 


—     142      - 

2.  Stichobothrion  foveolatum  nov.  gen. 

1846.    Isis  foveölata  Reuss,  d.  Verstein.  d.  böhm.  Kreideform.  1846.  II.  pag.  70.  tab.  15.  fig.  1,  2. 

Dieses  Fossil,  welches  ich  vor  langer  Zeit  unter  dem  angegebenen  Namen  aus  dem  untern  Pläner 
der  Schillinge  bei  Bilin  in  Böhmen  beschrieben  habe,  wurde  von  mir  auch  unter  dem  mir  aus  dem  Cenoman 
von  Plauen  in  Sachsen  zur  Untersuchung  mitgetheilten  Materiale  aufgefunden ,  wo  es  ebenfalls  nur  selten 
und  in  nicht  sehr  wohlerhaltenem  Zustande  vorzukommen  scheint. 

Dass  dasselbe  den  Tsideen  angehört,  geht  aus  der  Gliederung  der  sclerobasischen  Axe  hervor,  Es 
unterscheidet  sich  aber  von  allen  bekannten  Isideengattungen  dadurch,  dass  die  kalkigen  Axensegmente  in 
ziemlich  regelmässigen .alternirenden  Längsreihen  stehende  Gruben  tragen,  in  welche  offenbar  die  einzelnen 
Polypen  eingesenkt  waren.  Ich  habe  daher  eine  besondere  Gattung  darauf  gegründet,  welcher  ich  zur  Be- 
zeichnung der  vorerwähnten  auffallenden  Eigenschaft  den  Namen  Stichobothrion  (von  o-ti^»?  Reihe  und  ßoSpiov 
Grübchen)  beigelegt  habe. 

O.  4. 


Die  einzelnen  Glieder  besitzen  eine  Länge  von  9  —  15mm  bei  2 — 3mm  Dicke,  welche' sie  in  ihrer  ge- 
sammten  Länge  unverändert  beibehalten.  Oefters  sind  sie  schwach  gekrümmt,  übrigens  walzenförmig  oder,  wenn 
die  eingesenkten  Grübchen  tiefer  werden,  etwas  kantig. 

Ihre  Seitenfläche  trägt  in  6 — 10  mehr  weniger  regelmässigen  alternirenden  Längsreihen  stehende  ziemlich 
grosse  Gruben  von  meistens  elliptischem  Umrisse,  welche  gewöhnlich  seicht,  selten  etwas  tiefer  eingesenkt  sind. 
In  letzterem  Falle  stehen  sie  einander  nahe,  werden  von  einem  schmalen  scharfen  Rande  umgeben  und  weichen 
von  der  regelmässigen  Reihenstellung  mehr  weniger  ab.  Ihr  Boden,  dessen  Beschaffenheit  jedoch  nicht  mit 
wünschenswerther  Deutlichkeit  erkennbar  ist,  erscheint  in  der  Mitte  sehr  flach  erhaben,  zunächst  dem  Rande 
aber  mit  kleinen  Grübchen  versehen.  Die  die  Gruben  trennenden  Zwischenränder  zeigen,  wo  sie  breiter  und  besser 
erhalten  sind,  eine  unregelmässige  grobe  Längsstreifung. 

Die  Verzweigung  scheint  in  den  meisten  Fällen  an  den  Enden  der  Glieder  statt  zu  haben,  welche  dann 
nicht  selten  verdickt  erscheinen.  Man  beobachtet  an  ihnen  öfters  doppelte  Gelenkflächen,  während  ich  dieselben 
niemals  an  den  Seiten  der  Glieder  fand.  Die  Ansatzflächen  sind  mit  einigen  groben  concentrischen  Streifen 
versehen  und  tragen  im  Centrum  ein  in  der  Mitte  durchbohrtes  Knötchen.  Uebrigens  sind  sie  theils  concav.  theils 
niedrig  conisch. 

Fig.  3  gibt  die  vergrösserte  Darstellung  eines  Gliedes  mit  seichteren,  in  regelmässigen  Reihen  stehenden 
Gruben,  Fig,  4  dagegen  eines  mit  tieferen,  regelloser  gestellten  Gruben. 


Index  generum  et  specieriim. 


iDie  hier  beschriebenen  Arten  sind  mit  Cursivsclirift,  die  Synonyme  um!  nur  beiläufig-  genannten  Arten  in  gewöhnlicher  Schrift.) 


Alecto  brevis  d'Orb.  112. 

A.  rugulosa  Rss.  112. 
Aulopora  divaricata  Rom.  112. 
Bcrenicea  Lamx.  108. 

B.  Clementina  d'Orb.  109. 
B.  conferta  Rss.   109. 

B.  eonfiuens  Rom.  sp.   110. 
B.  grandis  d'Orb.  109. 
B.  Hagenowi  Rss.  109. 
B.  rudis  Rss.  109. 
Bidiastopora  compressa  131. 
Biflustra  d'Orb.  107. 
B.  crassimargo  Rss.  107. 
Bryozoa  chilostomata  99. 

B.  cyclostomata  108. 
Bryozoen  97. 
Cavea  d'Orb.  132. 

C.  polypora  d'Orb.  133. 
Cellepora  depressa  Hag.  103. 
C.  elliptica  Hag.  101. 

C.  irregularis  Hag.  103. 

Celleporaria   110. 

Ceriopora  Goldf.  124. 

C.  annulata  Hag.  118. 

C.  anomalopora  Goldf.  131. 

G.  avellana  Mich.  128. 

C.  clavata  Goldf.  125. 

C.  compressa  Goldf.  181. 

C.  cribrosa  Goldf.  137. 

C.  gracilis  Goldf.  120. 

C.  micropora  Goldf.  127. 

C.  orbiculata  Rss.  127. 

C.  phymatodes  Rss.  12S. 

C.  spongites  Goldf.  126. 

C.  stellata  Goldf.  125.  128. 

C.substellata  d'Orb.  sp.125.  129. 

C.  verticillata  Goldf.  118. 

Cerioporidea  124. 

Chrysaora  pulchella  Rom.  132. 

133. 
ClypeinatubaeformisLonsd.  119. 
C.  marginiporella  Mich.  119. 
Cricopora  annulata  Rss.  118. 

Palaec-ntographica  XX.  4. 


C.  Reussi  Hag.  118. 
C.  verticillata  Hag.   118.  119. 
Crisisina  d'Orb.  115. 
Cristellaria  Lam.  136. 

C.  rotulata  Lam.  136. 
Cristellaridea  136. 
Oymbalopora  Hag.  137. 
G.  radiata  Hag.   137. 
Defraneia  Br.  111. 

B.  multiradiata  Rss.   111. 

D.  stellata  Rss.  129. 
Besmepora  Rss.  123. 

B.  semieylindrica  Lonsd.   123. 

Desmeopora  Lnnsd.  123. 

Diastopora  Lamx.  110. 

D.  Clementina  d'Orb.  109. 

D.  confluens  d'Orb.  110. 

D.  congesta  Rss.  110. 

D.  echinata  M.  114. 

D.  escharoides  d'Orb.  110. 

D.  gracilis  Rss.   109. 

B.  Oceani  d'Orb.   110. 

Diastoporidea  108. 

Biscosparsa  d'Orb.  111. 

B.  clathrata  Rss.  111. 

Discopora  irregularis  Rom.  103. 

Bitaxia  Hag.  131. 

D.  anomalopora  Goldf.  sp.  131. 

D.  compressa  Hag.  131. 
B.  multicincta  Rss.  131. 
Domopora  d'Orb.  128. 
U.  stellata  d'Orb.  128. 
Entalophora  Lamx.  HG. 

E.  attenuata  Stol.  116. 
E.  conjugata  Rss.  117. 
E.  Geinitzi  Rss.  117. 
E.  pulchella  Rss.  116. 
E    raripora  d'Orb.   116. 

E.  Sarthacensis  d'Orb.  117. 
E.  tenuis  d'Orb.  117. 
E.  Vendimiensis  d'Orb.  117. 
E.  virgula  Hag.   116. 
Entalophoridea  116. 


|  Esehara  Ray  105.  120. 
E.  Delarueana  d'Orb.  105. 
E.  heteromorpha  Rss.  105. 
E.  latüabris  Rss.  105. 
E.  oscidifera  Rss.  106. 
E.  pupoiäes  Rss.  107. 
E.  pyrifovmis  Goldf.   105. 
Escharidea  105. 
Escharina  radiata  Rom.  104. 
E.  sulcata  Rss.   104. 
Es,'harites  120. 
E.  distans  Hag.  119. 

E.  gracilis  Hag.  120. 
Fasciculipora  d'Orb.  119. 
Elabellina  d'Orb.  136. 

F.  cordata  Rss.  136. 

F.  rugosa  d'Orb.  136. 
Foramhnferen  134. 
Frondicularia  Defr.  136. 
F.  inversa  Rss.  136. 
Frondicularidea  136. 
Frondiporidea  121. 
Fungella  Hag.  119. 
Haplophragmium  Rss.  139. 
H.  irreguläre  Rom.  sp.  139. 
Heteropora  Blainv.   129. 

H.  coalescens  Rss.  131. 
H.  coronata  Rss.  130. 
H.  crassa  Hag.  130. 
H.  Dumonti  Hag.  132.  133. 
H.  intricata  Mich.   131. 
H.  stellata  Rom.  128. 
H.  surculacea  Mich.  130. 
H.  verrucosa  Rom.  130. 
Heteroporella  Busk.  133. 
H.  collis  d'Orb.  sp.  133. 
H.  placenta  Rss.  134. 
Hippothoa  Lamx.  99. 
JET.  brevis  Rss.  100. 
Hippotlwidea  99. 
Gaudryina  d'Orb    140. 

G.  rugosa  d'Orb.  140. 
Idmonea  Lamx.   115.  123. 


I  I.  aculeata  Mich.  122. 

I  I.  semieylindrica  Rom.  124. 

'  I.  virgula  d'Orb.  115. 

Isis  brevis  d'Ach.  141. 

I.  foveolata  Rss.  142. 

I.  gracilis  Rss.  141. 

I.  tenuistriata  Rss.  141. 

Lepralia  Johnst.  104. 

L.  interposita  Rss.  105. 

L.  Maceana  d'Orb.  104. 

L.  radiata  Rom:  sp.  104. 

L.  sidcata  Rss.  104. 

L.  undata  Rss.  104. 

Lichenopora  cribrosa  Rss.  139. 

Lituolidea  139. 

Marginaria  appendiculata  Rss. 
102. 

M.  concatenata  Rss.   101. 

M.  elliptica  Rom.  101. 

M.  ostiolata  Rss.   101. 

M.  rhomboidalis  d'Orb.  103. 

M.  tenera  Rss.  102. 

M.  tenuisulca  Rss.  103. 

Marginulina  136. 

Meliceritites  Rom.  120. 

M.  Geinitzi  Rss.  121. 

M.  gracilis  Rom.   120. 

Melicerita  M.  Edw.  120. 

Membranipora  Blainv.  100. 

M.  cineta  Rss.  102. 

M.  clathrata  Rss.  102. 

M.  concatenata  Rss.  101. 

M.  depressa  Hag.  sp.  103. 

M.  dilatata  Rss.  100. 

M.  elliptica  Hag.  sp.  101. 

M.  irregularis  Hag.  sp.  103. 

M.  laxa"  Rss.  100. 

M.  patellaris  Rss.  102. 

M.  subtüimargo  Rss.  10,9. 

M.  tenuisulca  Rss.  103. 

Membraniporidea  100. 

Monticulipora    cribrosa    d'Orb. 
137. 

21 


-     144     — 


Nodosaria  communis  d'Orb.  135. 

N.  Ludwigi  Rss.  135. 

N.  oligotoma  Rss.  134.  135. 

Obelia  Lamx.  115. 

Osculipora  d'Orb.  122. 

0.  truncata  Goldf.  sp.  122. 

Patinella  -Gray  111. 

Peripora  d'Orb.  110. 

P.  Ligeriensis  d'Orb.  119. 

Petalopora  Lonsd.  132. 

P  Dumonti  Hag.  sp.  132. 

P.  teuer a  Rss.  133. 

Placopsüina  d'Orb.  140. 

P.  cenomana  d'Orb.   140. 

Polyphragma  Rss.  139. 

P.  cribrositm  Rss.  134.  139. 

Proboscina  d'Orb.  112. 

P   angustata  d'Orb.  113. 

P.  anomala  Rss.  114. 

P.  cornucopiae  d'Orb.  113. 

P.  elevata  d'Orb.   114. 

P.  gracilis  Rss.  1 13. 

P.  punctatella  Rss.  113. 

P  radiolitoruvi  d'Orb.  113.114 


P.  ramosa  Mich.  sp.  113. 

P  subclavata  Rss.  113. 

Pustulipora  dubia  Hag.  120. 

P.  echinata  Mich.  117. 

P.  rustica  Hag.  116. 

P.  virgula  Hag.   116. 

Quadricellaria  d'Orb.  108. 

Radiopora  d'Orb.  128. 

R.  Goldfussi  Rss.  129. 

R.  inflata  Sim.  125. 

R.  stellata  Goldf.  sp.  125. 128. 

R.  stellata  Rss.  129. 

R.  substellata  d'Orb.  125. 

Reptelea  Oceani  d'Orb.  110. 

Reptimulticava  d'Orb  125. 

R.  spongites  d'Orb.  126. 

Reptimultisparsa   congesta 

d'Orb.  110. 
R.  glomerata  d'Orb.  110. 
Reptotubigera  d'Orb.  115. 
R.  elevata  d'Orb.  114. 
R.  virgula  d'Orb.   115. 
Retepora  truncata  Goldf.  122. 
Rosacilla  confluens  Rom.   110. 


Rotalidea  137. 
Semicava  d'Orb.  125. 
Semimulticava  d'Orb.  125. 
Semimulticavea  d'Orb.  128. 
S.  Goldfussi  Sim.  125. 
Spirolina  aequalis  Rom.  139. 
S.  irregularis  Rom.  139. 
S.  lagenalis  Rom.   139. 
Spiropora  Lamx.  118. 
S.  antiqua  d'Orb.   118. 
S.  annulata  Rss.   118. 
S.  cenomana  d'Orb.  118. 
S.  pulchella  Rss.  116. 
S.  verlicillata  Goldf.  sp.  118. 
Stichobothrion  Rss.  142. 
St.  foveolatum  Rss.  142. 
Stomatopora  Br.   112. 
St.  Calypso  d'Orb.   112. 
St.  divaricata  Rom.  sp.  112. 
St.  rugulosa  Rss.  112. 
St.  suhgracilis  d'Orb.  112. 
Supercytis  d'Orb.  123. 
S.  digitata  d'Orb.  123. 
Thalamopora  Rom.  137. 


Th.  cribrosa  Goldf.   134.  137. 
Th.  vesiculosa  Mich.  137. 
Thalamoporidea  137. 
Truncatula  Hag.  122. 
T.  aculeata  Mich.  sp.  122. 
T.  filix  Hag.  122. 
T.  pinnata  Rom.  122. 
T.  truncata  Hag.  122. 
Tuhulipora  Lamx.  115. 
T.  linearis  Rss.  115. 
Tulndiporidea  112. 
Umbrellina  Rss.  119. 
Umbrelliiia  Stelzneri  Rss.  119. 
Unicavea  d'Orb.  128. 
U.  collis  d'Orb.  133. 
Uvellidea  140. 
Vaginulina  d'Orb.  135. 
V.  argttta  Rss.  136. 
Vincularia  Defr.  107. 
V.  Argus  d'Orb.  107. 
V.  bella  Hag.   108. 
V.  Bronni  Rss.   108. 
V.  Plauensis  Rss.  108. 
Vincularidea  107. 


Malilau  &  Walrtschmidt.    Frankfurt  a.  M. 


Allgemeine  Bemerkungen. 

Bei  Untersuchung  der  Brachiopoden  und  Pelecypoden  des  Quadergebirges  im  Sächsischen  Elbthale 
begegnen  wir  Arten,  welche  theils  wegen  ihrer  weiten  geographischen  Verbreitung,  theils  wegen  der  langen 
Zeitdauer  ihrer  Existenz  innerhalb  der  verschiedenen  aufeinander  folgenden  Etagen  der  Kreideformation  in 
hohem  Grade  das  Interesse  beanspruchen. 

Für  eine  sehr  weite  Verbreitung  einzelner  Arten  sind  von  den  hier  beschriebenen  Arten  hervor- 
zuheben: Ostrea  carinata  Lam.,  0.  diluviana  L.,  0.  Mppopodium  Nilss.,  Exogyra  lateralis  Nilss.  sp., 
E.  Columba  Lam.  sp.,  E.  Jidliotoidea  Sow.  sp.,  Pecten  memoranaceus  Nilss.,  P.  curvatus  Gein.,  Vola 
phaseola  Lam.  sp.,  V.  quinquecostata  Sow.  sp.,  V.  quadricostata  Sow.  sp.,  Lima  tecta  Goldf.,  etc.,  welche 
die  südindische  Kreideformation  mit  unserem  Eibthalgebirge  gemein  hat.  Unter  diesen  ist  namentlich  Vola 
quinquecostata  (Pecten  quinquecostatus)  eine  schon  seit  1834  durch  Morton  für  Nordamerika  nachgewiesene 
Form.  Weitere  Parallelen  knüpfen  sich  an  die  in  der  zweiten  Abtheilung  der  Pelecypoden  niederzulegenden 
Beschreibungen,  und  wir  erwähnen  aus  ihnen  vorläufig  nur  den  auch  in  Südindien  und  in  Nordamerika 
häufigen  Inoceramus  labiatus  Schi.  (=  I.  mytiloides  Mant.) 

Man  hat  in  der  neuesten  Zeit  die  genauesten  Aufschlüsse  über  die  Fauna  der  südindischen  Kreide- 
formation durch  F.  Stoliczka  erhalten  in:  Memoirs  of  the  Geological  Survey  of  India;  Palaeon- 
tologia  Indica,  Cretaceous  Fauna  of  Southern  India,  I.  The  Cephalopoda;  IL  The 
Gasteropoda;    III.   The  Pelecypoda.     Calcutta,  1863—1871. 

Für  Sachsen  haben  diese  Untersuchungen  ein  ganz  besonderes  Interesse.  Stoliczka  bemerkt,  dass 
die  beiden  tiefsten  Glieder  der  Kreideformation,  das  Neocom  oder  Lower  Greensand  und  der  Gault, 
welche  auch  in  Sachsen  fehlen,  in  der  südindischen  Kreideformation  nicht  entwickelt  sind.  Die  von  ihm 
unterschiedenen  Ootatoor-Gruppe,  als  die  älteste,  und  die  Trichonopoli-Gruppe  entsprechen  dem 
C6nomanien  und  der  unteren  Partie  der  Turonien  d'Orbigny's,  während  die  Arrialoor-Gruppe  Süd- 
indiens, als  die  jüngste,  der  oberen  Partie  des  Turonien  und  dem  Senonien  gleichsteht.  Diese  drei  Etagen 
fallen  aber  zusammen  mit  den  in  Sachsen  entwickelten  Quader-  und  Plänerablagerungen,  wie  auch  die  beiden 
entfernten  Gegenden  gemeinsamen  Versteinerungen  beurkunden.  Der  in  dem  Plänerkalke  von  Strehlen 
so  häufige  Ämmonites  peramplus  Sow.  gehört  auch  in  Indien  zu  den  gewöhnlichsten  Formen ;  Vola  quinque- 
costata geht,  wie  in  Sachsen,  auch  durch  alle  drei  Gruppen  Südindiens  hindurch;  Inoceramus  labiatus, 
das  Leitfossil  für  den  mittleren  Quader  und  mittleren  Pläner,  wurde  dagegen  in  der  Ootatoor-Gruppe  Süd- 
indiens erkannt. 

22 

Pulaeonti'^TapliH'a  XX.  5. 


—     148     — 

Eine  sehr  erwünschte  Unterlage  für  neue  Parallelen  zwischen  den  Ablagerungen  der  Kreideformation 
oder  des  Quadergebirges  im  sächsischen  Elbthale,  oder  in  anderen  Gegenden  Deutschlands  mit  einigen 
Gegenden  Nordamerika^,  bot  dem  Verfasser  eine  Anzahl  Fossilien  dar,  welche  Herr  A.  Dittmarsch-Flocon 
aus  Dresden  auf  einer  Reise  nach  Colorado  und  dem  nördlichen  Neu-Mexiko  im  Sommer  1871  gesammelt 
und  dem  Königl.  Mineralogischen  Museum  in  Dresden  überlassen  hat.  Darunter  befinden  sich  kalkige  Mergel 
von  Colorado  City,  welche  sowohl  petrographisch  als  paläontologisch  mit  dem  mittleren  Pläner  des  Elbthales 
bei  Dresden  identisch  sind.  Sie  führen,  wie  dieser,  zahlreiche  Exemplare  des  Inoceramus  läbiatus  Schi,  sp., 
und  gehen,  wie  hier,  allmählich  in  den  normalen  Plänerkalk  oder  die  Strehlener  Schichten  über.  Es 
wurden  von  dieser  Localität  bei  Colorado  City  Ammonites  peramplus  Sow.  sp.,  Baculites  baculoicles  Mant.  sp., 
Inoceramus  Brongniarti  Sow.,  und  eine  von  Inoc.  striatus  Mant.  oder  Inoc.  Websteri  Mant.  wohl  kaum  zu 
unterscheidende  Art  festgestellt,  welche  bei  Strehlen  und  Weinböhla  in  Sachsen  so  häufig  ist. 

Jünger  als  diese  turonen  Schichten  sind  Schichten  mit  Inoceramus  Goldfussianus  d'Orb.,  grossen 
Baculiten  und  Scaphiten,  die  sich  in  der  Nähe  von  Colorado  City  über  den  turonen  Ablagerungen  vor- 
finden und  offenbar  zur  senonen  Etage  gehören.     (Vgl.  Sitzungsb.  d.  Isis  in  Dresden,  1871,  pag.  195.) 

Thatsachen  dieser  Art  unterstützen  die  Annahme  von  Wanderungen  der  Arten  aus  Indien 
nach  Europa,  oder  von  hier  nach  Amerika,  schon  in  uralten  Zeiten,  lange  vorher  ehe  das  Menschengeschlecht 
ähnliche  Wanderungen  ausgeführt  hat. 

Für  die  lange  Existenz  einiger  Arten,  die  man  mit  Sicherheit  in  allen  Etagen  unseres  Quader- 
gebirges nachgewiesen  hat,  spricht  namentlich  auch  das  Vorkommen  einer  Reihe  von  Pelecypoden,  welche 
der  untere  cenomane  Quadersandstein  und  Pläner  mit  den  jüngsten  Schichten  der  Kreideformation  der 
Provinz  Schonen  im  südlichen  Schweden  gemein  hat.  Es  sind  dies,  ausser  der  noch  fraglichen  Terebraiula 
triangularis  Nilss.,  welche  von  den  jungen  Exemplaren  der  Bhynchonella  compressa  Lam.  nicht  wohl 
unterschieden  werden  kann,  namentlich:  Ostrea  diluviana  L.,  0.  Mppopodium  Nilss.,  Exogyra  lateralis 
Nilss.,  Beeten  membranaceus  Nilss.,  B.  laevis  Nilss.,  B.  curvatus  Gein.,  B.  multicostahis  Nilss.,  und  Vola 
quinquecostata  Sow.  sp. 

Unter  diesen  sind  Bhynclionella  compressa,  Beeten  laevis  und  B.  multkostatus  bisher  noch  nicht  in 
den  dazwischen  liegenden  unter-  und  oberturonen  Ablagerungen  gefunden  werden. 

Gegenüber  diesen  Beispielen  für  eine  sehr  lange  Lebensdauer  oder  einer  Unv  er  ander  lichkei  t 
von  Arten  treten  uns  Beispiele  von  einer  Veränderung  oder  Umprägung  der  Arten  vielfach 
entgegen.  Die  nahe  Verwandtschaft  zwischen  mehreren  in  älteren  Schichten  auftretenden  Arten  mit  jenen 
in  jüngeren  Etagen  vorkommenden  ist  an  den  betreffenden  Stellen  bemerkt  worden,  so  bei  Terebratula 
biplicata  Sow.  und  T.  obesa  Sow.,  Terebratulina  striatula  Mant.  und  T.  striata  Wahlenberg  sp.,  Radiolites 
Saxoniae  Rom.  und  B.  suevicus  Lundgren,  Ostrea  carinata  Lam.  und  0.  frons  Park.,  Exogyra  conica 
Sow.  sp.  und  Ex.  cornu  arietis  Nilss.,  Ex.  haliotoidea  Sow.  sp.  und  Ex.  auricularis  Wahlenb.  sp.,  Beeten 
curvatus  und  verwandten  Formen,  B.  Hspidus  Goldf.  und  B.  serratus  Nilss.,  Vola  quinquecostata  Sow.  sp. 
und  V.  quadricostata  Sow.  sp.,  Lima  Beichenbachi  Gein.  und  Limea  Oldhamiana  Stoliczka,  Lima  simplex 
d'Orb.  und  L.  Eoperi  Mant.,  etc. 

Es  ist  unschwer,  für  verschiedene  Reihen  einen  förmlichen  Stammbaum  zu  entwerfen,  doch  ist  der 
Willkür  des  Systematikers  dabei  stets  ein  grosser  Spielraum  überlassen. 

Viele  Arten  unseres  Quadergebirges  sind  nur  auf  bestimmte  Etagen  oder  geologische  Horizonte  ver- 
wiesen,   und    diese   werden  als  Leitfossilien    dem   Geognosten    eine    um    so  willkommnere    Erscheinung 


—      149     — 

bleiben,  als  ihre  geographische  Verbreitung  oft  sehr  bedeutend  ist.  Gerade  der  untere  Quader  aber,  mit 
seinen  sandigen  und  mergeligen  Gliedern,  ist  solch  ein  Horizont,  dessen  Leitfossilien  wahrscheinlich  von 
Südindien  aus  über  einen  grossen  Theil  von  Deutschland,  Belgien,  Frankreich  und  England  geführt  sein 
mögen. 


IT.  Classe.      Mollusca   (Weichthiere). 

1.   Ordn.     BracMopoäa   (Armfüsser). 

Es  fehlt  diesen  Thieren  der  Kopf,  wie  den  Muscheln,  weshalb  sie  zu  Cuvier's  Acephalen  gehören. 
Zweischalig,  wie  diese,  unterscheiden  sie  sich  von  allen  übrigen  Bivalven  durch  ihre  genaue  und  vollständige 
Symmetrie  nicht  nur  ihrer  äusseren,  sondern  auch  ihrer  inneren  Theile,  so  dass  die  Schalen  aller  Brachio- 
podeu  im  normalen  Zustande  gleichseitig  sind. 

Quenstedt  bezeichnet  sie  in  seinem  trefflichen  Werke  über  Brachiopoden,  Leipzig  1871,  pag.  5  u.  f. 
als  bilateral,  da  sie  auf  eine  der  Schalen  gelegt,  links  wie  rechts  (gleichseitig)  bleiben,  während  die  eine 
Schale  über  die  andere  hervorragt  und  sie  daher  ungleichschalig  sind.  Er  hebt  abermals  hervor,  dass  es 
bei  der  Beschreibung  der  Arten  alte  Sitte  sei,  die  grössere  Schale  nach  unten,  die  kleinere  nach  oben  zu 
legen,  weil  man  dann  mit  einem  Blicke  die  wichtigsten  Kennzeichen,  namentlich  die  Wirbellage,  übersieht. 
Daraus  ergab  sich  aber  der  Name  Oberschale  für  die  kleinere  und  Unterschale  für  die  grössere 
Klappe.  Weil  nun  die  obere  sich  nicht  selten  wie  ein  Leib  zurundet  und  der  Schnabel  darüber  brustartig 
hervorragt,  so  nannte  man  überdies  jene  kleinere  Klappe  Bauch-  oder  Ventralschale,  und  die  grössere 
Rücken-  oder  Dorsalschale. 

Diese  Art  der  Bezeichnung  ist  nach  dem  Vorbilde  L.  v.  Buch 's  in  unseren  Grundriss  der  Ver- 
steinerungskunde, 1846,  sowie  in  viele  andere  Schriften  übergegangen,  und  Quenstedt  ist  ihr  bis  heute  noch 
treu  geblieben. 

Nachdem  aber  Owen  diesen  Sprachgebrauch  gänzlich  umgekehrt  hat,  indem  er  Bauchschale  nennt, 
was  als  Rückenschale  galt,  und  Rückenschale,  was  Bauchschale  hiess,  so  empfiehlt  sich  zur  Vermeidung  aller 
Verwechselungen  der  Sprachgebrauch  Davidson's,  welcher  die  eine  Schale  oder  Klappe  als  die  grössere, 
die  andere  als  die  kleinere  bezeichnet. 

Wir  nennen  mit  L.  v.  Buch  auch  fernerhin  die  beiden  Kanten  der  Schale,  welche  in  der  Schnabel- 
spitze eines  Brachiopoden  zusammenlaufen,  die  Schlosskanten,  den  dem  Schlossrande  gegenüber  liegenden 
Rand  den  Stirnrand  oder  die  Stirn,  und  die  beiden  Kanten  zwischen  den  Schlosskanten  und  der  Stirn 
die  Seitenkanten. 

Die  Ausdehnung  der  Schale  zwischen  dem  Wirbel  und  der  Stirn  ist  ihre  Länge,  und  die  zwischen 
den  beiden  Seitenkanten  ihre  Breite.  Die  Schnabelöffnung  in  der  grösseren  Schale  mancher  Brachiopoden 
für  den  Durchgang  eines  Haftmuskels  wird  durch  ein  dreieckiges,  deltaförmiges  und  meist  zweitheiliges 
Schalenstückchen,  des  D  eltidium,  von  dem  Wirbel  der  kleineren  Schale  getrennt  und  zu  beiden  Seiten  von 
einem  breiteren  dreieckigen  Felde,  der  Area,  eingeschlossen. 

Beide  Schalen  sind  entweder  eingelenkt  mittelst  Zähnen  und  Schlossgruben,  oder  nicht  eingelenkt 
und  blos  durch  die  Wirkung  der  Muskeln  zusammengehalten. 


—      150     — 

Das  Oeffnen  und  Schliessen  der  Schalen  ist  durch  Quenstedt  *)  schon  1835  (Wiegmann's  Archiv,  221) 
am  genügendsten  erläutert  worden,  und  man  hat  hiernach  Oeffnungsmuskeln  (Diductoren  oder  Divari- 
catoren) und  Schliessmuskeln  (Adductoren)  zu  unterscheiden,  welche  im  Innern  der  Schalen  ihre  Ein- 
drücke hinterlassen  haben. 

Beim  Oeffnen  der  Schalen  aller  Gattungen  mit  Schlossapparat  bewegt  sich  (nach  Quenstedt)  die 
kleinere  Schale  wie  der  Balken  einer  Schnellwage  auf  der  Unterlage  der  Schlosszähne.  Da  nun  an  der 
Spitze  des  kurzen  Wagenarms,  der  sich  bei  der  Bewegung  unter  dem  Deltidium  versteckt,  die  beiden  deut- 
lichsten Muskeleindrücke  liegen,  so  müssen  diese  Muskeln  bei  ihrer  Contraction  wie  die  Belastung  der  Wage 
wirken,  also  den  langen  Wagenarm,  d.  i.  die  kleinere  Schale,  emporschnellen.  Bei  der  Kreuzung  der 
Muskeln  sind  die  kürzeren,  dickeren  Oeffnungsmuskeln  die  umfassenden,  die  längeren,  dünneren  Schliess- 
muskeln die  umfassten. 

Die  Eigenthümlichkeit  der  inneren  Knochengerüste  der  Brachiopoden,  wozu  auch  die  sogenannte 
Schlossplatte  und  die  Schleife  gehören,  sind  bei  den  verschiedenen  Familien  und  Gattungen  selbst 
hervorgehoben  worden.  Bei  Unterscheidung  der  letzteren  sind  wir  den  Arbeiten  von  Davidson  und 
S  u  e  s  s 2)  gefolgt. 

1.  Fam.     Terebratalidae. 

„Schale  zweiklappig,  von  mannichfacher  Gestalt,  bald  quer,  bald  verlängert,  gewöhnlich  gerundet  oder  etwas  fünfseitig, 
glatt,  gestreift  oder  gefaltet.  Die  grössere  Klappe  ist  am  Schnabel  durchbohrt;  die  Durchbohrung  oft  durch  ein  Deltidium, 
das  aus  einem  oder  zwei  Stücken  besteht,  theilweise  oder  ganz  umgrenzt;  Klappen  eingelenkt  durch  zwei  Zähne  in  der 
grösseren  Klappe,  welche  von  Gruben  in  der  kleineren  Klappe  aufgenommen  werden. 

Thier  an  submarine  Körper  meist  durch  einen  Haftmuskel  befestigt,  der  durch  die  Durchbohrung  der  grossen  Klappe 
hervortritt.  Mundanhänge  durch  eine  eigene,  oft  zurückgefaltete  Membran  verbunden,  ganz  oder  theilweise  gestützt  von  einer 
kalkigen  Vorrichtung,  die  gewöhnlich  das  Aussehen  eines  Bandes  hat,  das  in  Bezug  auf  seine  Dimensionen  und  Gestalt  viele 
Abänderungen  bietet,  stets  jedoch  an  die  kleinere  oder  Rückenklappe  befestigt  ist. 

Die  Structur  der  Klappen  ist  punktirt,  jene  der  Vorrichtungen  des  Innern  jedoch  nicht."  (Nach  Davidson  und 
Suess,  p.  35.) 

Terebratula  Llhwyd,  1696. 

„Schale  eiförmig,  quer  oder  verlängert,  mit  glatter  oder  gefalteter,  oft  auch  anderweitig  verzierter 
Oberfläche  und  punktirter  Structur;  Klappen  mehr  oder  weniger  ungleich  gewölbt;  Piänder  gerade  oder  ge- 
gezähnelt;  Schlosslinie  gekrümmt;  Schnabel  kurz,  abgestutzt  durch  die  Oeffnung  für  den  Haftmuskel,  deren 
Grösse  veränderlich  ist  und  deren  unterer  Rand  von  einem  Deltidium  gebildet  wird,  das  entweder  ganz  oder 
in  zwei  Theile  zerspalten  ist.  Der  Brachial-Apparat  ist  kurz,  ganz  auf  die  Scheitelgegend  der  kleineren 
Klappe  beschränkt,  nicht  oder  kaum  bis  in  das  zweite  Drittheil  der  Länge  der  Klappe  hinabreichend,  und 
einfach  mit  seinen  Wurzeln  an  die  Schlossplatten  befestigt.  Die  beiden  kalkigen  Bänder,  welche  denselben 
bilden,  geben  gleich  unterhalb  ihrer  Befestigungsstellen  je  einen  spornförmigen  Fortsatz  nach  innen  zu  ab, 
verlängern  sich  noch  ein  klein  wenig  nach  der  Längsrichtung  der  Klappe,  wobei  sie  etwas  windschief  um 
sich  selbst  gewendet  sind,  biegen  sich  dann  wieder  nach  auf-  und  einwärts,  und  vereinigen  sich."  (Nach 
Davidson  und  Suess,  pag.  36.) 


J)  Vgl.  auch  Davidson  in  Ann.  or  Mag.  of  Nat.  Hist.,  Dec.  1855,  p.  8. 

2)  Classification  der  Brachiopoden  von  Thomas  Davidson,  deutsche  Bearbeitung  von  Ed.  Suess,  Wien  1856. 


—     151      — 

1.     T.  biplicata   Sow.  1815.  —  Taf.  34.   Fig.  1—11. 

1815.     Sowerby,  Mineral  Conchology,  Tab.  90,  Tab.  437,  fig.  3—5. 
1825.     Ter.  obtusa,  Sow.  M.  C,  Tab.  437,  fig.  6,  7. 
1834.     Ter.  biplicata  v.  Buch,  über  Terebrateln,  p.  107,  z.  Th. 
1839.     Ter.  ovoides  Gein.  Char.  L,  p.  17,  Taf.  8,  fig.  5  fniclit  Sowerby). 

1841.  Ter.  curvirostris,  T.  ovoides  und  T.  subundata  A.  Römer,  d.  Verstein.  d.  norddeutsch.  Kreidef.  p.  42  z.  Th., 
Ter.  biplicata  A.  Rom.  eb.  p.  43  z.  Th. 

1846.  Ter.  biplicata  u.  T.  ovoides  Gein.  Grundr.  p.  510  u.  511  z.  Th. 

1847.  Ter.  Tornacensis,  Bouei,  Boemeri,  crassa,  crassificata  u.  T.  rustica  d'Archiac  in  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de 
France,  2.  II.  pag.  316—320.     PI.  18,  fig.  3—9;  PI.  19,  fig.  1,  2. 

1847.     Ter.  Dutempleana  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  93,  Tab.  511,  fig.  1—8. 

1850.     Ter.  ovoides  u.  T.  biplicata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  214  z.  Th. 

1854.  Ter.  biplicata  Davidson,  Brit.  Cretac.  Brachiopoda,  pag.  55,  PI.  6,  fig.  1—44;  Ter.  Tornacensis  Davidson,  ib 
pag.  61,  PI.  7,  fig.  11  —  16;  PL  9,  fig.  1—8. 

1867.  Ter.  biplicata  U.  Schloenbach,  Brachiop.  d.  norddeutsch.  Cenomanbild.  (In  Benecke's  geogn.-paläont.  Beitr.  I,  3, 
München  pag.  433,  Taf.  21  (1).     Fig.  1—6. 

Ter.  Tornacensis,  U.  Schloenb.  eb.  pag.  445,  Taf.  21  (1),  fig.  8. 

1871.  Ter.  biplicata  Quenstedt,  Petrefactenkunde  Deutschlands  II.  Die  Brachiopoden,  pag.  381,  382  z.  Th.,  Taf.  48' 
fig.  61—63. 

Ist  es  schon  unmöglich,  eine  scharfe  Trennung  zwischen  jurassischen  und  cretacischen  Formen  der 
biplicaten  Terebrateln  zu  ziehen  (vgl.  v.  Buch,  H.  Credner  und  Quenstedt),  so  ist  dies  in  einem  noch 
höheren  Grade  in  den  verschiedenen  Etagen  der  Kreideformation  selbst  der  Fall ;  daher  auch  die  von  ein- 
ander sehr  abweichende  Auffassung  des  Formenkreises  der  Terebratula  biplicata  durch  die  verschiedenen 
Autoren.     Recht  passend  bezeichnet  sie  Quenstedt  als  den  Proteus  unter  den  glatten  Terebrateln. 

Wir  wollen  dem  jetzt  herrschenden  Gebrauche,  die  jurassischen  Biplicaten,  wie  T.  bisuffarcinata 
Ziet.  etc.,  von  den  cretacischen  zu  trennen,  nicht  weiter  entgegentreten,  zumal  auch  innere  Unterschiede  zum 
Theil  schon  festgestellt  worden  sind, l)  man  wird  auch  meistens  die  Ter.  biplicata  des  Neokom  unter  dem 
Namen  Ter.  Sella  Sow.  oder  Ter.  praelonga  Sow.  abtrennen  können,  wenngleich  man  einzelne  Individuen  von 
Plauen  (Taf.  34.  Fig.  7)  davon  kaum  unterscheiden  kann.  In  der  Regel  treten  nämlich  bei  neokomen 
Formen,  auf  welche  sich  H.  Credner's  Untersuchungen  2)  vorzugsweise  beziehen,  die  nach  der  Stirn  hin- 
laufenden Falten  und  Buchten  am  stärksten  hervor,  und  ihre  Schale  ist  in  der  Nähe  der  Stirn  weniger  stark 
gewölbt,  sondern  mehr  keilförmig  verengt,  als  bei  Ter.  biplicata  in  dem  Gault  und  in  cenomanen 
Ablagerungen. 

Davidson  und  U.  Schloenbach  haben  das  Vorkommen  der  Ter.  biplicata  Sow.  auf  diese 
beiden  Etagen  der  Kreideformation  beschränkt ;  haben  jedoch  dienormale  Ter.  biplicata  von  Essen  an  der  Ruhr 
als  T.  Tornacensis  davon  abgetrennt,  eine  Auffassung,  der  wir  nicht  beitreten  können.  Die  grosse  Mehrzahl 
der  bei  Essen  vorkommenden  Exemplare  ist  weit  schmäler  als  die  von  Schloenbach  (nordd.  Cenomanb. 
Taf.  22.  fig.  8)  gegebene  Abbildung. 

Auch  unsere  Abbildungen  auf  Taf.  34.  Fig.  4  und  5,  welche  das  innere  Gerüst  und  die  Muskel- 
eindrücke in  der  kleineren  Schale  darstellen,  sind  breiten  Individuen  entnommen. 


*)  Vgl.  die  inneren  Gerüste  der  Ter.  biplicata  von  Essen  und  der  Ter.  insignis  aus  dem  weissen  Jura  von  Nattheini 
in .  Quenstedt's  Petrefactenkunde  Deutschlands   IL,  pag.  370,  Taf.  48,  fig.  13,  14. 
2)  H.  Credner  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1864,  pag.  557. 


—     152     — 

Im  Allgemeinen  sind  die  cenomanen  Formen  der  Ter.  biplicata  im  engeren  Sinne,  denen  wir  im 
Sächsischen  Elbthale  und  bei  Essen  an  der  Ruhr  begegnen,  länger  als  breit,  oval,  drei-  bis  fünfseitig  und 
ihre  grösste  Breite  fällt  in  der  Eegel  unterhalb  der  Mitte  der  Schalenlänge.  Sie  sind  im  normalen  Zustand 
bauchig  gewölbt,  und  zwar  die  grössere  Schale  mehr  als  die  kleinere;  beide  Klappen  fallen  an  der  Stirn 
schneller  ab,  als  bei  Ter.  Sella  und  Ter.  oblonga.  Falten  und  Buchten  treten  meist  sehr  deutlich  hervor,  so 
dass  ihr  Stirnrand,  wenn  man  die  grössere  Schale  nach  unten  kehrt,  M-artig  gebogen  ist,  indess  reichen 
diese  Falten  bis  kaum  in  die  Schalenmitte,  während  sie  bei  der  neokomen  Form  meist  über  die  Mitte 
hinaufreichen. 

Unser  einziges  eine  Ausnahme  hiervon  machendes  Exemplar  von  Plauen  (Taf.  34.  Fig.  7)  nähert 
sich  in  dieser  Beziehung  einer  Ter.  Sella  am  meisten,  und  unterscheidet  sich  von  dieser  fast  nur  durch  ihre 
weit  kleinere  Schnabelöffnung. 

Der  mehr  oder  weniger  stark  gebogene  Schnabel  der  Ter.  biplicata  besitzt  meist  eine  grosse  runde 
Oeffnung,  unter  welcher  ein  breites  Deltidium  oft  deutlich  sichtbar  wird.  Der  Rand  des  Schnabels  grenzt  an 
die  Area  mit  einer  stumpfen  Kante  an.  Die  Structur  der  Oberfläche  ist  sehr  fein  punktirt  (Taf.  34. 
Fig.  1,  e  und  3,  e). 

Jugendformen,  an  welchen  der  Stirnrand  ziemlich  einfach  erscheint,  sind  von  anderen,  namentlich  jenen 
der  Ter.  phaseolina  kaum  zu  unterscheiden.  Ihrer  Form  nach  zu  urtheilen,  lassen  sich  vielleicht  die  Taf.  34. 
Fig.  8 — 11  abgebildeten  als  solche  betrachten.  Zu  einer  sicheren  Unterscheidung  von  Arten  sind  solche 
Jugendformen  bekanntlich  am  wenigsten  geeignet. 

Vorkommen.  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  finden  sich  Riesenexemplare  der  Ter.  biplicata,  von 
welchen  das  grösste  Taf.  34.  Fig.  2  abgebildet  worden  ist.  Von  wenig  geringerer  Grösse  kamen  sie  in  dem 
Grünsande  des  unteren  Quaders  in  dem  Tunnel  von  Oberau,  in  dem  Rathsweinberge  bei  Meissen  und  in  dem 
unteren  Pläner  von  Bodomus  vor.  Wir  hatten  diese  früher  als  Ter.  ovoides  Sow.  oder  Ter.  Nerviensis 
d'Arch.  aufgeführt,  welche  letztere  mit  Ter.  äepressa  Lam.  identisch  ist,  und  in  der  Tbat  wird  man  zwischen 
den  Fig.  3  von  Oberau  und  Fig.  6  von  Plauen  abgebildeten  Exemplaren  und  den  bei  Essen  vorkommenden 
typischen  Formen  der  Ter.  äepressa  kaum  einen  Unterschied  wahrnehmen. 

Der  umsichtige  U.  Schloenbach  wagte  jedoch  nicht,  sie  von  Ter.  biplicata  zu  trennen,  und  wir  wollen 
ihm  solange  folgen,  bis  ihr  Vorkommen  sich  öfter  wiederholt  hat  und  zu  einer  Trennung  noch  mehr 
berechtigen  kann. 

Im  cenomanen  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen  kam  Ter.  biplicata  von  mittlerer  Grösse  bis 
zu  35  Mm.  Länge  früher  sehr  häufig  vor;  dass  sie  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien  eine  Hauptrolle 
spielt,  zeigen  die  zahlreichen  Artnamen,  unter  welchen  sie  von  d'Archiac  beschrieben  worden  ist.  Wir  besitzen 
dieselbe  aus  dem  unteren  Quadermergel  von  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg,  und  aus  dem  Gault  von 
Feldkirch  in  Vorarlberg. 

Ihre  grosse  Verbreitung  in  cenomanen  Schichten  Westphalens,  wie  im  Grünsande  von  Schelk  bei  Unna 
und  bei  der  Waterlappe  unweit  Werl,  im  Gault  und  Upper  Greensand  Englands,  wie  bei  Cambridge,  auf 
Isle  of  Wight  etc.  ist  durch  U.  Schloenbach,  Credner  und  Davidson  zur  Geniige  erwiesen  worden. 

Gegen  eine,  von  Schloenbach  empfohlene  Vereinigung  der  Ter.  sulcifera  Morris  aus  der  unteren 
Kreide  von  Cambridge  mit  Ter.  biplicata,  spricht  ausser  Davidson's  trefflicher  Darstellung  in  Brit.  Cret. 
Brach,  pag.  64.  PI.  7.  fig.  17 — 20,  auch  das  in  dem  Dresdener  Museum  befindliche  Modell,  worauf  Schloen- 


—     153     — 

bach  Bezug  nimmt.    Ihre  regelmässigen,  stark  hervortretenden  Anwachslinien  und  ihr  fast  gerade  abgeschnittener 
Stirnrand  weichen  sehr  von  Ter.  biplicata  ab. 

Aus  dem  Plänerkalke  Sachsens,  welcher  der  unteren  Kreide  Englands  entspricht,  ist  uns  keine  Tere- 
bratel  bekannt,  die  mit  Ter.  biplicata  verwechselt  werden  könnte.  Sie  wird  da  durch  Ter.  semiglöbosa 
Sow.  ersetzt. 

In  den  oberen,  senonen  Kreideablagerungen  wird  Ter.  biplicata  durch  Ter.  obesa  Sow.  (Min.  Conch. 
PL  438.  fig.  1,  2)  vertreten,  die  ihr  so  ähnlich  werden  kann,  dass  Davidson  (Brit.  Cret.  Brach,  pag.  53. 
PI.  5.  fig.  13 — 16)  neben  Exemplaren  der  letzteren  aus  der  oberen  Kreide  auch  das  aus  dem  oberen  Grün- 
sande herrührende  Exemplar  fig.  16  mit  zu  dieser  Art  zählt. 

Mit  allem  Rechte  führt  U.  Schloenbach  auch  Ter.  Sowerbyi  v.  Hagenow  aus  der  weissen  Kreide  von 
Bügen  (N.  Jahrb.  1842.  pag.  541)  und  die  in  Korallenkalke  von  Faxe  auf  Seeland  vorkommende  grosse 
glatte  Terebratel  auf  Ter.  obesa  Sow.  zurück.  Die  Wiederkehr  dieser  mit  Ter.  biplicata  so  nahe  verwandten 
Form  aber  in  weit  jüngeren  Schichten  erinnert  uns  lebhaft  an  die  Wiedererscheinung  der  Gattung  Arethusina, 
welche  Barrande  im  N.  Jahrb.  1868.  S.  257  so  meisterhaft  geschildert  hat. 

2.     Ter.  phaseolina  Lam.  1819.  —  Taf.  35.  Fig.  1  —  24. 

1819.    Lamarck,  An.  s.  Vert.  VI,  pag.  251  (seq.  Schlönbach). 

1847.  Ter.  biplicata  d'Orb.  Pal.  fr.  t,  cret.  IV,  pag.  95,  Tab.  511,  fig.  9—15. 
Ter.  phaseolina  d'Orb.  ib.  pag.  109. 

1848.  Ter.  revolula,  jßoysii  et  var.,  Virleti,  subpectoralis,  Tchihatcheffi  et  var.  d'Archiac  in  Mem.  Soc.  geol.  2,  III, 
pag.  321,  322,  325,  328;  Tab.  19,  fig.  3—6,  9;  Tab.  20,  fig.  8,  9. 

1849—1850.    Ter.  lucculenta  Gein.  Quad.  Deutschl.  pag.  216  (excl.  T.  bucculenta  Sow.  et  T.  pectoralis  Rom.). 
1866.    Ter.  phaseolina  U.  Schlönb.  Brach,  nordd.  Cenom.  pag.  42. 
1868.    Ders.,  Brach,  d.  nordd.  Cenom.  pag.  441. 

Ders.,  in  Jahrb.  d.  k.  k.  Reichsanst.  XVIII,  pag.  150,  Taf.  5,  fig.  1. 

Der  Umriss  der  Schale  ist  kreisrund  —  fünfseitig  und  es  fällt  ihre  grösste  Breite  in  die  Mitte  der 
Länge  oder  selbst  noch  darüber.  Der  kurze,  nur  wenig  gebogene  Schnabel  und  die  schärferen  Kanten  der 
Area,  besonders  an  jüngeren  Exemplaren,  unterscheiden  diese  Terebratel  meist  leicht  von  Ter.  biplicata.  mit 
welcher  sie  Falten  und  Buchten  und  den  M-förmig  gestalteten  Stirnrand  gemein  hat. 

Die  Schnabelöffnung  ist  von  mittlerer  Grösse,  das  Deltidium  ziemlich  breit.  Die  Oberfläche  der  Schale 
ist  sehr  fein  und  dicht  punktirt  und  lässt  bei  älteren  Individuen  oft  unregelmässige  und  undeutlich  aus- 
strahlende Linien,  sowie  Anwachsstreifen  erkennen. 

Die  grössere  Klappe  ist  ihrer  ganzen  Länge  nach  stumpf  gekielt  und  fällt  nach  den  gerundeten 
Seiten  hin  ziemlich  regelmässig  ab.  Nach  dem  Stirnrande  hin  senken  sich  die  den  Kiel  begrenzenden  Längs- 
buchten ein,  welche  oft  nur  schwach  angedeutet  sind,  häufig  aber  auch  ebenso  deutlich  hervortreten,  wie 
bei  Ter.  biplicata. 

Auf  der  fast  gleichstark  gewölbten  kleineren  Klappe  verhalten  sich  die  nach  der  Stirn  hin  divergirenden 
Falten  und  die  von  denselben  eingeschlossene  Bucht  ganz  ähnlich.  Die  grösste  Dicke  beider  Schalen  fällt 
ungefähr  in  das  obere  Drittheil  der  Länge. 

Jugendformen  von  Ter.  phaseolina  (Taf.  35.  Fig.  19—24)  lassen  den  Hauptcharakter  der  Art  meist 
wohl  erkennen,  wenn  auch  ihr  Stirnrand  oft  keine  Falten  mehr  zeigt. 

Palaeontographica  XX.  5.  23 


—      154     — 

Eine  von  der  gewöhnlichen  Form  durch  grössere  Länge  der  Schale  etwas  abweichende  ist  die  Taf.  35. 
Fig.  17  abgebildete  Terebratel,  die  man  indess  von  der  Hauptform  nicht  trennen  kann,  da  ihre  grösste  Breite 
noch  über  die  Mitte  der  Länge  fällt. 

Bei  allen  jüngeren  Exemplaren  der  Ter.  biplicata  pflegt  die  grösste  Breite  der  Schale  unter  die 
Mitte  der  Länge  zu  fallen,  ihr  Schnabel  ist  länger,  als  bei  Ter.  phaseolina,  und  grenzt  stumpfkantiger  an 
die  Area  an.  Trotzdem  wird  man  bei  jüngeren  Individuen  sich  oft  in  Verlegenheit  befinden,  ob  man  sie  der 
einen  oder  anderen  Art  zurechnen  soll. 

Ihrer  äusseren  Form  nach  liess  sich  Ter.  phaseolina  mit  Ter.  bucculenta  Sow.  (M.  C.  Tab.  438,  flg.  3,  4) 
vergleichen,  doch  haben  Morris  und  Davidson  später  gezeigt,  dass  letztere  eine  verschiedene  jurassische 
Species  sei.  Ebenso  nähert  sich  ihre  Gestalt  sehr  der  Ter.  pectoralis  A.  Rom.  (Nordd.  Kreidegeb.  pag.  42. 
Taf.  7,  fig.  19),  welche  bei  Essen  mit  Ter.  phaseolina  vorkommt.  U.  Schloenbach  hat  jedoch  nachgewiesen, 
dass  diese  Terebratel  mit  Megerleia  lima  Defr.  sp.  zusammenfällt.  Dem  Scharfsinne  dieses  Forschers 
verdanken  wir  die  endliche  Entzifferung  unserer  vielverkannten  und  vielbenannten  Art. 

Vorkommen:  Ter.  phaseolina  ist  die  gewöhnlichste  Terebratel  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen 
und  wird  in  denselben  Schichten  bei  Koschütz  und  Dölzschen  an  den  Gehängen  des  Plauenschen  Grundes 
und  am  Gamighügel  bei  Leubnitz  gefunden.  Sie  kommt  in  dem  unteren  Quadersandsteine  und  Serpulasande 
des  Goligberges    bei  Welschhufa,   Horkenberges   bei   Bannewitz    und   bei  Niederschöna,  unweit  Freiberg,  vor. 

Das  K.  Mineralogische  Museum  in  Dresden  besitzt  sie  aus  dem  unteren  Quadermergel  von  Heim- 
burg  im  Harz  und  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg,  von  Essen  an  der  Ruhr  und  von  Le  Havre  in 
Frankreich.  Sehr  häufig  ist  sie  in  der  Tourtia  von  Belgien.  Schlönbach  hat  ihr  Vorkommen  in  dem 
unteren  Pläner  Böhmens  bei  Weisskirchlitz  (Ter.  lentoidea  Reuss),  Korycan,  Holubice  uud  Klein-Herrendorf, 
sowie  in  verschiedenen  Cenomanbildungen  Frankreichs  verfolgt,  dagegen  scheint  sie  in  England  noch  nicht 
beobachtet  worden  zu  sein. 

3.  T.  capillata  d'Arch.  —  Taf.  34.  Fig.  12,  13. 

1842.  Spondylus  undulatus  Gein.  Char.  III,  pag.  82. 

1847.  Ter.  capillata  d'Archiac  in  Mein,  de  la  Soe.  g6ol.  de  France,   2.  s6r.  T.  II,  pag.  323,  tab.  20,  fig.  1  —3. 

1849.  Desgl.  Geinitz,  Quad.  Deutschi.  pag.  212. 

1868.  Desgl.  IT.  Schlönbach,  Brach,  d.  norddeutsch.  Cenomanbild.  pag.  454. 

1868—1871.  Desgl.  Quenstedt,  Brachiopoden  pag.  385.  Taf.  48,  fig.  75,  76. 

Eine  robuste  Art,  welche  ziemlich  gross  wird,  von  ovalem  Umfange,  mit  einem  kurzen,  stark  nieder- 
gebogenen Schnabel  versehen,  der  eine  weite  ruude  Oeffnung  besitzt  und  mit  einer  langen,  deutlich  hervor- 
tretenden Kante  eine  breite  concave  Area  begrenzt.  Beide  Schalen  sind  ziemlich  regelmässig  gewölbt  und 
erreichen  ihre  grösste  Dicke  ein  wenig  oberhalb  der  Mitte.  Die  stärker  gewölbte,  grössere  Schale  zeigt  in 
der  Nähe  der  Stirn  eine  stumpfe  kielartige  Falte,  und  neben  dieser  eine  kurze  und  flache  Bucht.  Die 
kleinere  Schale  ist  kreisrund  oder  selbst  breiter  als  lang,  querelliptisch,  und  flacher  gewölbt  als  die  andere 
Schale.  Der  Stirnrand  ist  nur  schwach  wellenförmig  gebogen  (Fig.  12  d),  an  jungen  Exemplaren  fast 
geradlinig  (Fig.  13  d). 

Beide  Schalen  zeigen  starke  Anwachsringe,  welche  besonders  an  der  Stirn  zahlreich  sind  und  stark 
hervortreten.  Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  feinen,  haarförmigen,  oft  wellenförmig  gebogenen,  ausstrahlenden 
Linien  bedeckt,  die  sehr  gedrängt  liegen  und  sich  durch  Einsetzung  neuer  Linien  nach  dem  Rande  hin 
bedeutend  vermehren.    Nur  an  jungen  Exemplaren  sind  diese  Linien  verwischt,  wie  dies  aus  d'Archiac's  Ab- 


—     155     - 

bildung,  Tab.  20,  Fig.  3,  hervorgeht,  und  wofür  unser  Taf.  34,  Fig.  13  abgebildetes  Exemplar  einen 
weiteren  Beleg  abgibt. 

Schlönbach  war  deshalb  geneigt,  dieses  Exemplar  mit  Ter.  Böbertoni  d'Arch.  zu  vereinen,  eine  An- 
sicht, die  bei  weiteren  Untersuchungen  keine  Bestätigung  gefunden  hat. 

Die  von  Davidson  (Brit.  Cret.  Brach.  P.  II.,  pag.  46.  PL  5.  fig.  12)  aus  dem  Gault  beschriebene 
Terebratel  unterscheidet  sich  von  Ter.  capülata  d'Arch.  durch  weit  gröbere  und  stärkere,  ausstrahlende 
Linien,  was  schon  U.  Schlönbach  hervorgehoben  hat. 

Vorkommen:  In  dem  Grünsande  des  unteren  Quaders  am  Tunnel  von  Oberau,  und  in  dem 
daraufliegenden  unteren  Pläner  sind  von  uns  4  Exemplare  dieser  seltenen  Art  gefunden  worden,  wovon  das 
am  besten  erhaltene  in  die  Sammlung  von  L.  de  Koninck  in  Lüttich  übergegangen  ist. 

Das  Taf.  34,  Fig.  12  abgebildete  Exemplar  lässt  das  Deltidium  nicht  mehr  erkennen,  indess  kann 
über  die  Identität  der  in  Sachsen  vorkommenden  Art  mit  jener  von  Tournay  in  Belgien  beschriebenen  kein 
Zweifel  obwalten,  wie  überhaupt  die  vollkommene  Uebereinstimmung  der  Tourtia  von  Tournay  mit  dem 
unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden  und  dem  Grünsande  von  Oberau  schon  1849  von  uns  erkannt 
worden  ist  (Gein.  Quad.  Deutschi.,  S.  16). 

Terebratulina   d'Orbigny,    1847. 

„Schale  meist  länger  als  breit,  mehr  oder  weniger  oval;  Schnabel  durch  eine  Oeffnung  abgestutzt, 
die  meistens  bis  zum  Scheitel  der  kleinen  Klappe  hinabreicht ;  Deltidium  klein,  bisweilen  undeutlich.  Kleinere 
Klappe  gewöhnlich  etwas  flacher  gewölbt  und  an  ihrem  Scheitel  mit  zwei  kleinen,  ohrförmigen  Ausbreitungen 
versehen.  Oberfläche  fein  dichotomisch  gestreift,  gerippt,  oder  mit  zierlichen  Perlreihen  besetzt.  Klappen 
mittelst  Zähnen  und  Zahngruben  in  einander  gelenkt;  Schleife  kaum  so  lang  als  das  erste  Drittheil  der 
Klappe,  durch  die  Vereinigung  des  rechten  und  linken  Querfortsatzes  zu  einem  blossen  Ringe  umgewandelt ; 
die  Arme  ragen  weit  davon  in  die  Höhlung  des  Gehäuses.  Structur  punktirt."  (Nach  Davidson  und  Suess, 
pag.  38.) 

1.     T.  striatula  Mant.  —  Taf.  36.  Fig.  39—41;    IL,  Taf.  7.  Fig.   16,  17. 

1822.  Terebratula  striatula  Mantell,  Geol.  of  Sussex  pag.  131.  Tab.  25,  fig.  7,  8,  12. 

1834.  Desgl.  v.  Buch,  über  Terebrateln,  pag.  61. 

1837.  Desgl.  Sowerby,  Min.  Conch.  Taf.  536,  fig.  5—9. 

1839—1840.  Ter.  chrysalis  und  Ter.  striatula  Gein.  Char.  I,  pag.  15,  II,  pag.  59.  Taf.  16,  fig.  12. 

1841.  Ter.  striatula  u.  Ter.  auriculata  A.  Römer,  Verst.  d.  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  39.  Taf.  7,  fig.  9. 

1846.  Ter.  striatula  u.  Ter.  chrysalis  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II,  pag.  49.  Taf.  26,  fig.  2,  3. 

1847.  Terebratulina  striata  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  65  z.  Th. 
Ter.  Martiniana  d'Orb.  ebend.  pag.  59.  PI.  502,  fig.  8—12. 

Ter.  campaniensis  d'Orb.  ebend.  pag.  60.  PI.  502,  fig.  13 — 18. 
1849—1850.     Ter.  striatula  u.  Ter.  auriculata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  213. 

1852.    Ter.  striata  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach,  pag.  35  z.  Th.  PI.  2,  fig.  18—28. 

1866.    Ter.  chrysalis  U.  Schlönbach,    Krit.  Stud.  über  Kreide-Brachiopoden    (Paläontographica,  XIII)  pag.  11  z.  Th 

Taf.  38,  fig.  3. 
1868.    Desgl.  in  Sitzb.  d.  Ak.  d.  Wiss.  LVII.  Bd.  pag.  18  z.  Th.  Taf.  1,  fig.  3—5;   in  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichs 
anstalt,  Bd.  18,  pag.  149  z.  Th. 

1870.  Ter.  striata  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  pag.  314.  Taf.  34,  fig.  8. 

1871.  Ter.  striatula  Quenstedt,  Brachiopoden,  pag.  247.  Taf.  44,  fig.  29,  30. 


—     156     — 

Bei  spitz-eiförmigem,  oft  deutlich  fünfseitigem  Umriss  liegt  die  grösste  Breite  der  Schale  meist  in 
der  Mitte  der  Länge.  Die  Schlosskanten  bilden  einen  mehr  oder  weniger  spitzen  Winkel,  der  Stirnrand  ist 
flach-gerundet  oder  abgestutzt.  An  demselben  Fundorte  finden  sich  breitere  Abänderungen,  deren  grössere 
Schale  selbst  ebenso  lang  als  breit  wird,  und  schmälere  Abänderungen,  bei  welchen  sich  die  Breite  zur 
Länge  verhält,  wie  2 :  3.  Bei  allen  erscheint  aber  der  Theil  der  Schale,  welcher  dem  Stirnrande  zunächst 
liegt,  verhältnissmässig  kürzer  und  breiter,  als  dies  bei  Ter.  striata  Wahlenb.  sp.  oder  Ter.  Defrancü  Bgt. 
der  Fall  ist. 

Beide  Schalen  besitzen  oft  eine  mittlere  Einsenkung  (Fig.  41),  so  dass  sich  am  Stirnrande  selbst 
eine  mittlere  Ausrandung  zeigen  kann,  in  der  Regel  wird  aber  nur  die  kleinere  Schale  an  ihrem  Stirnrande 
durch  das  Eingreifen  der  grösseren  schwach  erhoben.  An  vielen  Exemplaren  findet  sich  von  solch  einem 
mittleren  Sinus  gar  keine  Andeutung  vor. 

Der  Schnabel  der  grösseren  besitzt  eine  grosse  runde  Oeffnung,  welche  den  Wirbel  der  kleineren 
Schale  berührt,  so  dass  die  kleinen  Stücken  des  Deltidiums  an  die  Seite  gedrängt  werden  und  über  die 
stumpfwinkeligen  Ohren  der  kleineren  Schale  zu  liegen  kommen. 

Bei  allen  Exemplaren  dieser  Terebratulina,  welche  uns  vorliegen,  ist  die  Biegung  des  Schnabels 
stärker,  als  bei  Ter.  striata  Wahl,  aus  der  oberen  Kreide  von  Mörby  in  Schonen,  bei  welcher  die  Schnabel- 
öffnung fast  senkrecht  zu  der  Länge  der  Schalen  liegt,  während  sie  bei  T.  striatula  damit  einen  sehr  stum- 
pfen Winkel  bildet,  wenn  sie  nicht  gar  in  die  Ebene  der  Schalenlänge  selbst  fällt.  Die  Oberfläche  der 
Schalen  ist  mit  zarten,  sich  durch  Einsetzung  und  durch  Dichotomie  stark  vermehrenden  Streifen  bedeckt, 
welche  an  jungen  Exemplaren  (Taf.  36.  Fig.  40)  zierlich  gekörnt  sind.  Wenn  auch  in  der  Stärke  dieser 
ausstrahlenden  Linien  mehrfache  Verschiedenheiten  vorkommen,  so  erreichen  sie  bei  T.  striatula  doch  niemals 
die  Feinheit  und  relative  Menge,  wie  bei  der  wahren  T.  striata  von  Schonen,  welche  Quenstedt  mit  sicherem 
Takte  wieder  aus  den  Synonymen  der  T.  striatula  gestrichen  hat. 

T.  striatula  besitzt  meist  nur  eine  Grösse  von  15  Mm.,  das  grösste  von  uns  in  Sachsen  beobach- 
tete Exemplar  (IL,  Taf.  7.  Fig.  17)  ist  20  Mm.  lang. 

Von  T.  striata  liegen  uns  dagegen  Exemplare  von  55  Mm.  Länge  vor. 

Vorkommen:  Die  verticale  Verbreitung  der  Terebratulina  striatula  ist  sehr  bedeutend.  Selbst 
nach  Ausscheidung  der  von  ihr  nur  durch  stärkere  Streifen  unterschiedenen  T.  auriculata  bei  d'Orbigny 
(Pal.  fr.  t.  er.  IV.  pag.  58.  PI.  502,  fig.  3,  4)  aus  dem  Neokom  von  Couronne  (Bouches-du-Rhöne),  würde 
doch  T.  Martiniana  d'Orb.  ihr  Erscheinen  im  Gault  bezeichnen.  In  cenomanen  Schichten  von  Essen  an  der 
Ruhr,  von  Plauen,  Gamighügel  und  Oberau  in  Sachsen  wird  sie  sehr  häufig  gefunden;  vereinzelt  zeigt  sie 
sich  in  dem  Plänerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla  in  Sachsen,  mit  dessen  Horizonte  die  Schichten  von 
Oppeln  in  Oberschlesien,  Hundorf  in  Böhmen,  der  Grey  Chalk  Marl  oder  untere  weisse  Kreide  von  England 
und  andere  turonen  Ablagerungen  übereinstimmen;  man  begegnet  ihr  aber  auch  noch  in  der  oberen  weissen 
Kreide  von  Rügen  und  Moen. 

2.     T.  Rudolphi  Gein.  —  Taf.  35.  Fig.  25—28. 

Eine  kleine  Art,  von  2 — 4  Mm.  Grösse  mit  fast  kreisrundem  Umriss,  deren  beide  Schalen  ziemlich 
gleichmässig  gewölbt  und  mit  10 — 12  divergirenden  schmalen  Längsrippen  bedeckt  sind,  die  in  der  Regel 
granulirt  erscheinen  und  zwischen  denen  sich  in  der  Nähe  des  äusseren  Randes  hier  und  da  eine  kleinere 
Rippe  einzudrängen  sucht.  Der  Stirnrand,  an  welchem  die  Rippen  beider  Schalen  alterniren,  ist  einfach  und 
zeigt   keinen   Sinus.      Die  grössere  Schale  besitzt  einen   mehr  oder  weniger  vorspringenden,    im  Allgemeinen 


—     157     — 

stumpfen  Wirbel,  welcher  nur  schwach  gebogen  ist  und  mit  scharfen  Kanten  an  die  Area  angrenzt.  Zur 
Seite  der  grossen  runden  Oeffnung,  welche  den  Wirbel  der  kleineren  Schale  berührt,  liegen  die  beiden,  weit 
von  einander  getrennten  Stücken  eines  niedrigen  Deltidiums  (Fig.  27  b,  28  a.). 

Die  kleinere  Schale  besitzt  einen  langen,  geradlinigen  Schlossrand,  pflegt  aber  ihre  grösste  Breite 
erst  in  der  Mitte  ihrer  Länge  zu  erreichen. 

In  ihrer  ganzen  äusseren  Erscheinung  an  Argyope  megatrema  Sow.  sp.  l)  von  Blackdown,  erinnernd, 
unterscheidet  sich  unsere  Art  schon  äusserlich  durch  das  Alterniren  ihrer  Rippen  und  eine  andere  Textur  der 
Schale,  innerlich  aber  durch  den  Mangel  eines  Septums  in  der  kleineren  Schale,  so  dass  ihre  Stellung  bei 
Terebratulina  gesichert  erscheint.  Ich  benenne  sie  zu  Ehren  eines  braven  unermüdlichen  Sammlers,  Aug. 
Jul.  Rudolph,  dessen  scharfes  Auge  auch  diese  Art,  wie  so  viele  andere  in  dieser  Monographie  beschrie- 
benen Seltenheiten  der  Wissenschaft  gerettet  hat. 

Vorkommen:  Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  liegen  uns  von  dieser  neuen  Art  gegen  30 
Exemplare  vor. 

Terebratella  d'Orbigny,  1847. 

„Schale  von  mannichfacher  Gestalt,  verlängert  oder  quer.  Die  beiden  Klappen  zwar  regelmässig, 
aber  meist  ungleich  stark  gewölbt;  auf  der  kleineren  öfters  eine  Längs-Depression.  Schnabel  durch  eine 
schräge,  kreisförmige  oder  ovale  Oeffnung  abgestutzt,  die  bei  manchen  Arten  stark  nach  rückwärts  tritt  und 
theilweise  begrenzt  wird  von  einem  Deltidium  in  zwei  Stücken,  welche  in  manchen  Fällen  von  einauder 
getrennt  sind.  Die  Kiele  oder  Kanten  an  jeder  Seite  des  Schnabels  sind  stets  mehr  oder  minder  ausge- 
sprochen und  begrenzen  gewöhnlich  ein  flaches  oder  concaves  Schlossfeld.  Aussenfläche  glatt  oder  gefaltet. 
Einlenkung  durch  zwei  Schlosszähne  hergestellt,  die  sich  in  der  grossen  Klappe  befinden  und  welchen  zwei 
Schlossgruben  in  der  kleineren  Klappe  entsprechen.  Im  Innern  der  kleineren  Klappe  läuft  von  unterhalb 
des  Schlossfortsatzes  und  der  Schlossplatten  bis  etwa  in  die  Mitte  der  Klappe  ein  mehr  oder  minder 
erhabenes  Septum  herab.  Das  Brachial-Gerüste  ist  auf  doppelte  Weise  an  der  Klappe  befestigt,  erstens 
zwischen  den  Schlossgruben  und  dem  Schlossfortsatze,  wie  bei  Terebratula,  und  zweitens  durch  zwei  kleine 
Fortsätze,  die  rechtwinkelig  an  der  Längswand  der  Klappe  nach  rechts  und  links  abgehen,  und  von  denen 
sich  jeder  an  einem  absteigenden  Ast  der  Schleife  befestigt.  An  jeder  Seite  dieser  Längswand  sieht  man 
einen  doppelten  Schliessmuskel-Eindruck."     (Nach  Davidson  und  Suess,  pag.  45.) 

T.  Menardi  Lam.  sp.  —  Taf.  36.  Fig.  37,  38. 
1819.     Ter.  Menardi  Lam. 

1829.     Ter.  truncata  Sow.,  Min.  Conch.  PI.  537,  fig.  5—8. 
1834.     Ter.  Menardi  v.  Buch,  Terebr.  pag.  78.  Tab.  3,  fig.  42. 

1841.  Ter.  canaliculata  A.  Rom.,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  41.  Taf.  7,  fig.  12. 

1842.  Ter.  truncata  Gein.  Char.  III,  pag.  86.  Taf.  19,  fig.   17. 

1847.  Terebratella  Menardi  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  118.  PI.  517,  fig.  1—15. 

1847.  Ter.  canaliculata  d'Archiac,  in  Mem.  de  la  Soc.  Geol.  de  France  II.  2,  pag.  331.  PL  21,  fig.  15. 

1849—1850.  Ter.  Menardi  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  210. 

1852.  Terebratella  Menardi  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach.  II,  pag.  24.  PI.  3,  fig.  34—42. 

1867.  Desgl.  Schlönbach,  Brachiop.  d.  nordd.  Cenomanbild.  pag.  458  (58).  Taf.  22  (2),  fig.  1,  2. 

1871.  Ter.  truncata  Quenstedt,  Petref.  Deutschi.  II,  Brachiopoden,  pag.  260. 


')  1836.     Ter.  megatrema  Sowerby   bei  Fitton,    Observations  on  some  of  the  strata,  etc.,   pag.  343.   PI.  18, 
Arg.  megatrema  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach.  II,  pag.  101.  PI.  12,  fig.  31—32,  34—36. 


-      158     — 

Die  wenigen  uns  noch  vorliegenden  Exemplare  aus  den  sandigen  Conglomeratbildungen  des  unteren 
Quaders  am  westlichen  Ende  des  Tunnels  der  Leipzig-Dresdener  Eisenbahn  bei  Oberau  sind  sämmtlich 
kleinere  oder  Dorsal-Klappen  von  fast  halbkreisförmigem  Umriss,  weiche  in  der  Nähe  des  geraden  Schloss- 
randes ihre  grösste  Breite  erreichen.  Der  mittlere  Längswulst,  welcher  einer  tiefen  Bucht  der  grösseren 
Schale  entspricht,  tritt  stark  hervor  und  ist,  wie  die  daneben  liegenden  Falten,  mehr  oder  weniger  deutlich 
in  dachförmige  Rippen  zerspalten. 

Die  Exemplare,  deren  richtige  Bestimmung  schon  längst  L.  v.  Buch  und  später  U.  Schloenbach 
anerkannt  haben,  stimmen  sehr  genau  überein  mit  Exemplaren  aus  dem  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr 
und  den  von  d'Archiac  aus  der  Tourtia  von  Tournay  beschriebenen,  wogegen  an  Exemplaren  von  Mans  oft 
eine  grössere  Anzahl  von  regelnlässigeren  Längsrippen  beobachtet  wird. 

Ein  Uebergang  zu  der  von  v.  Hagenow  (N.  Jahrb.  1842,  pag.  539.  Taf.  9,  Fig.  5)  als  Ter.  Humboldti 
bezeichneten  Art  aus  der  oberen  Kreide  von  Rügen  und  dem  oberen  Kreidemergel  von  Klosterholz  bei  Ilse- 
burg im  Harze,  worauf  Quenstedt  hinweist,  tritt  deshalb  an  Exemplaren  von  Sachsen  und  Belgien  weniger, 
als  an  Exemplaren  aus  England  und  Frankreich  hervor.  —  Sie  gehört  der  cenoraanen  Stufe  an  und  wurde 
auch  bei  Oberau  mit  Rkpichonella  compressa  etc.  zusammen  gefunden. 

Magas   Sowerby,  1816. 

„Schale  ungleichklappig,  mehr  oder  weniger  oval,  oder  vierseitig;  Schnabel  vorgebogen  oder  zurück- 
stehend, in  einzelnen  Fällen  von  einer  ganz  unverhältnissmässig  grossen  Oeffnung  für  den  Haftmuskel  durch- 
brochen, die  sich  stets  bis  an  den  Scheitel  der  kleineren  Klappe  erstreckt;  das  Deltidium  ist  verkümmert, 
die  Aussenfläche  glatt  oder  schwach  gestreift.  Die  Schalenstructur  ist  stark  punktirt;  die  Brachial-Vor- 
richtung  besteht  aus  einer  erhabenen  Längswand,  welche  zwei  Paare  zarter  Kalklamellen  trägt,  und  zuweilen 
so  hoch  ist,  da  ss  sie  die  andere  Klappe  berührt.  Das  tiefer  liegende  Paar  von  Lamellen  ist  zuerst  an  die 
Schlossplatten  befestigt  und  erstreckt  sich  von  da,  zwei  kleine  convergirende  Fortsätze  bildend,  in  zierlicher 
Beugung  gegen  die  Vorderregion  der  Wand,  an  deren  Flanken  rechts  und  links  je  eine  sich  anschmiegt; 
das  zweite,  viel  breitere  und  höher  liegende  Paar  hat  die  Form  eines  Ankers  und  geht  aus  dem  oberen 
Rande  der  Wand  hervor.  In  der  Mitte  der  grossen  Klappe  läuft  gewöhnlich  eine  stumpfe  Längsleiste  herab. 
Die  Lage  der  Muskel  scheint  ähnlich  wie  bei  anderen  Terebratuliden  zu  sein;  in  solchen  Fällen,  wo  die 
Oeffnung  sehr  gross  ist,  entsprechen  auch  dem  sehr  entwickelten  Haftmuskel  namentlich  auf  den  Schloss- 
platten der  kleineren  Klappe  ausserordentlich  grosse  Haftstellen."     (Nach  Davidson  und  Suess,  pag.  52.) 

M.   Geinitzi   U.  Schloenbach. 

1842.     Terebratula  pumäa  Gein.  Char.  III,  pag.  87. 

1846.     Terebratula  Jiippopus  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  II,  pag.  52.  Taf.  26,  fig.  14  (nicht  T.  hippopus  Rom.). 

1846.     Desgl.  Gein.  Grundriss,  pag.  511. 

1850.     Desgl.   Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  212  z.  Th. 

1866.  Magas  Geinitzi  Schlönbach,  Krit.  Studien  über  Kreide-Brachiopoden  (Paläont.  XIII.),  pag.  32.  Taf.  2  (39) 
fig.  4-8. 

1868.  Desgl.  Schlönbach,  über  Brachiopoden  der  norddeutsch.  Cenomanbild.  (in  Benecke,  geogn.-pal.  Beitr.  I,  3), 
pag.  474. 

1868.     Desgl.  Schlönbach,   im   Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  XVIII,  pag.  153. 

Der  ausführlichen  Beschreibung  dieser  Art  durch  Schloenbach  entlehnen  wir  nachstehende  Diagnose: 
„Eine  kleine  ovale  oder  nahezu  kreisrunde  Art,  oft  gerundet   fünfseitig;   grösste  Breite  und  Dicke  zwischen 


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der  Mitte  und  dem  Schnabel;  gewöhnliche  Dimensionen:  8  Mm.  lang,  7  Mm.  breit,  4x/2— 5  Mm.  dick;  bei 
grossen  Individuen  bez.  11,  9'/^  und  Q1^  Mm.  Die  Oberfläche  der  dünnen  Schale  ist  glatt,  mit  schwachen 
Anwachslinien;  Färbung  derselben  hell  fleischroth.     Die  Schalenstructur  ist  regelmässig   und   dicht  punktirt. 

Grössere  Klappe,  namentlich  in  der  Mittellinie,  stark  gewölbt  und  oft  einen  stumpfen  Kiel  bildend, 
mit  mehr  oder  weniger  gebogenem  kurzem  Schnabel,  der  mit  scharfen  Seitenkanten  versehen  und  von  einem 
meist  ziemlich  grossen  Foramen  durchbohrt  ist,  das  an  den  Seiten  durch  die  beiden  schwach  entwickelten 
Deltidial-Platten,  vorn  vom  Wirbel  der  kleinen  Klappe  begrenzt  wird. 

Die  kleine  Klappe,  die  eine  fast  gerade,  wenig  gekrümmte  Schlosslinie  hat,  ist  weit  schwächer 
gewölbt,  am  stärksten  in  der  Wirbelgegend;  in  der  Nähe  des  Wirbels  beginnt  eine  schwache  sinusartige 
Längs-Depression,  die  nach  der  Stirn  zu  immer  stärker  wird,  wo  die  kleine  Klappe  mit  leichtem  Bogen  in 
die  grössere  eingreift. 

Vorkommen:  In  dem  Dresdener  Museum,  dessen  Brachiopoden  Schloenbach  genauer  studirt  hat, 
erkannte  er  diese  Art  in  dem  unteren  Quadersandstein  von  Goppeln,  S.  von  Dresden,  wo  kurze  Zeit  hindurch 
ein  kleiner  Bruch  im  Liegenden  des  dortigen  Plänersandsteines  in  Betrieb  stand,  im  Serpulasande  des  unteren 
Quaders  am  Horkenberge  (oder  der  Prinzenhöhe)  bei  Bannewitz,  und  in  dem  unteren  Pläner  vom  Galgenberge 
bei  Regensburg. 

Im  charakteristischer  Weise  findet  sich  Magas  Geinitsi  im  Exogyrensandsteine  von  Laun,  Mallnitz 
und  Postelberg  in  Böhmen  mit  Exogyra  Columba  und  Rhynchonella  bohemica  Schloenbach  zusammen ;  Schloen- 
bach weist  ferner  ihre  weite  verticale  Verbreitung  namentlich  in  cenomanen  Bildungen,  wie  in  dem  Grünsande 
von  Essen  an  der  Ruhr,  und  von  Rougefort  bei  Licques  (Pas-de-Calais)  in  Frankreich,  sowie  einigen  jüngeren 
Ablagerungen  nach. 

TJiecidea  Defrance,  1824  seq.  Quenstedt  *),  (Thecidium  J.  B.  Sowerby). 

„Schale  dick,  drei-  oder  viereckig,  quer  oder  länglich  oval;  Zahn-  oder  grössere  Klappe  gewölbt, 
zum  Theil  oder  fast  ganz  mit  der  Schalenmasse  an  unterseeische  Körper  angewachsen;  Schnabel  gerade, 
nach  vorn  oder  auch  nach  rückwärts,  oft  auch  nach  rechts  oder  links  gebeugt,  mit  einem  mehr  oder  weniger 
scharf  begrenzten  Schlossfelde  der  Area  und  einem  Pseudo-Deltidium  versehen;  kleine  oder  Deckelklappe 
leicht  concav  oder  convex,  oft  auch  längs  der  Schlosslinie  eine  schmale  Area  zeigend.  Aussenfläche  glatt 
oder  verschiedenartig  gestreift.  Die  Zuwachslinien  setzen  ohne  Unterbrechung  von  der  Klappe  über  das 
Schlossfeld  fort.  Klappen  mittelst  Zähnen  und  Zahngruben  wie  bei  den  übrigen  Terebratuliden  eingelenkt.  — 
Im  Innern  umgibt  ein  breiter  und  verdickter,  gekörnter,  schräger  Rand  die  beiden  Klappen;  in  der  Mitte 
der  grossen  Klappe  erstreckt  sich  derselbe  oft  von  der  Stirn  aus  eine  Strecke  weit  nach  innen,  eine  mehr 
oder  weniger  ausgesprochene  Längswulst  bildend,  welche  zwischen  die  grossen  Eindrücke  der  Oeffnungsmuskel 
hineintritt;  gleich  unter  dem  Schnabel  sieht  man  die  beiden  kleinen  Haftstellen  des  Adductors  von  zwei 
•kleinen  Septen  an  den  Seiten  begrenzt,  die  meistens  auf  einer  kleinen  aus  der  Schnabelhöhle  hervortretenden 
Wand  aufsitzen;  ausser-  und  unterhalb  dieser  Septa  befindet  sich  auf  jeder  Seite  ein  etwas  grösserer,  ovaler 
Fleck  (der  Anheftungsplatz  der  Fussmuskel?)  und  unter  diesen  sieht  man  die  grossen,  länglichen  Eindrücke 
der  Schlossmuskeln.  Der  gekörnte  Reif,  welcher  die  Klappe  umgibt,  mit  dem  dazu  gehörigen  mittleren 
Längsstreifen  an  der  Stirn  entsprechen  höchst  wahrscheinlich  jenen  Stellen,  wo  der  Mantel  unmittelbar  an  der 


')  Die  unpassende  Umänderung  von  T  h  e  c  i  d  e  a  in  T  h  e  c  i  d  i  u  m  ist  in  Quenstedt's  Brachiopoden,  pag.  690,  erwiesen  worden. 


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Klappe  haftete ;  in  vielen  Fällen  ist  jedoch  bei  fossilen  Stücken  die  Lage  auch  des  frei  über  die  Klappe 
erhabenen  Theiles  des  Mantellappens  dadurch  kenntlich  geblieben,  dass  die  in  demselben  enthaltenen  Kalk- 
platten  sich  zu  einem  Netze  vereinigten,  welches  sich  nun  entweder  nur  über  jedem  Oeffnungsmuskel  erhebt, 
oder  auch  sich  mit  der  ganzen  Fläche  vom  Grunde  der  Klappe  loslöst.  —  Die  Einrichtung  der  kleinen  Klappe 
bietet  je  nach  dem  Alter  und  der  Art  ein  sehr  verschiedenes  Aussehen.  Der  Schlossfortsatz  ist  in  der  Regel 
etwas  vorgezogen  und  unter  demselben  vereinigen  sich  die  Querfortsätze  der  Schleife  zu  einer  zarten,  frei 
über  dem  Eingange  in  die  Eingeweidehöhle  schwebenden  Brücke;  die  Schleife  selbst  ist  am  Grunde  der 
Klappe  festgewachsen,  oder  sie  wird  von  einem  freien,  kalkigen  Netze  getragen;  die  Brachial-Membran  ist 
bei  fossilen  Exemplaren  ebenso  wie  der  Mantel  durch  ein  zartes  Kalknetz  repräsentirt.  Die  Arme  sind  in 
Schlangenlinien  gewunden,  und  die  Anzahl  ihrer  Windungen  und  der  Loben,  in  welche  in  Folge  dessen  die 
Brachial-Membran  zertheilt  ist,  schwankt  zwischen  2  und  14.  Schalenstructur  punktirt,  Thier  klein;  die 
langen,  gleichsam  auf  sich  selbst  zurückgefalteten  Arme  sind  mit  langen  Cirrhen  besetzt;  der  Mantel  hängt 
ringsum  mit  der  Klappe  zusammen."     (Nach  Davidson  und  Suess,  pag.  65). 

1.     Th..  digitata  Br.,  Goldf.  —  Taf.  35.  Fig.  29-33. 

1838.  Thecidea  digitata  Bronn,  Leth.  geogn.  II,  pag.  664  z.  Th.  (Fundort:   Essen.) 

1839.  Thecidea  telragona  A.  Römer,  norddeutsch.  Oolitheng.  Nachtr.  pag.  22.  Taf.  18,  fig.  4. 
1834—1840.    Th.  digitata  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  pag.  290.  Taf.  161,  flg.  6. 

Th.  hieroglyphica  Goldf.  eb.  pag.  290  z.  Th.  (Fundort:  Essen.) 

1841.  Th.  tetragona  u.  Th.  Essensis  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  36. 

1847.  Th.  tetragona  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  IV    pag.  152.  PL  522,  fig.  1  —  6. 

1849—1850.  Th.  tetragona  u.  Th.  digitata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  216. 

1851—1852.  Th.  digitata  Bronn,  Leth.  geogn.  V,  pag.  239.  Taf.  30,  fig.  4. 

1853.  Desgl.  Süss,  Sitzb.  d.  Wien.  Ak.  XI,  pag.  991.  Taf.  3,  fig.  3. 

1853.  Tliecidium  digitatum  Davidson,  Brit.  Foss.  Brach.  Introduetion,  PI.  6,  fig.  40. 

1856.  Desgl.  Süss  und  Davidson,  Class.  d.  Brachiopoden.  Taf.  2,  fig.  9. 

1864.  Thecidium  tetragonum  Herrn.  Credner,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  XVI,  pag.  569.  Taf.  21,  fig.  6—9. 

1867.  Thecidium  digitatum  U.  Schlönbach,  Brach,  d.  nordd.  Cenomanbild.  pag.  477.  Taf.  23  (III),  fig.  14. 

1871.  Tliecidea  digitata  u.  Th.  tetragona  Quenstedt,  Brachiopoden,  pag.  697—698.  Taf.  61,  fig.  125—132. 

Wir  betrachten  als  Typus  für  diese  Art  die  Exemplare  aus  dem  cenomanen  Grünsande  oder  der 
Tourtia  von  Essen  (Goldfuss,  P.  G.  IL  pag.  290.  Taf.  161,  fig.  6),  die  schon  vielfach  beschrieben  und  sehr 
gut  von  Goldfuss  abgebildet  worden  sind.  Sie  unterscheiden  sich  von  Th.  hieroglyphica  Defr.  aus  der  oberen 
Kreide  von  Maastricht  nicht  nur  durch  die  grössere  Breite  ihrer  kleinen  Schale  und  den  Verlauf  der  finger- 
artigen Vertiefungen  auf  deren  inneren  Seite,  sondern  namentlich  auch  durch  die  Beschaffenheit  ihres  Schloss- 
randes. Bei  Th.  hieroglyphica,  von  welcher  Goldfuss,  Taf.  161,  fig.  5  eine  typische  Abbildung  gibt,  fällt 
ein  nach  innen  steil  aufgerichteter  leistenartiger  Rand  in  der  unmittelbaren  Nähe  des  Schlossrandes  in  die 
Augen,  während  bei  Th.  digitata  der  Schlossrand  nach  innen  von  einer  in  der  Regel  nur  schwach  abgedachten 
Randfläche  begrenzt  wird. 

Unsere  Exemplare  von  Maastricht  und  Fauquemont  gehören  zu  Th.  hieroglyphica  und  es  lässt  sich 
aus  der  von  Schloenbaeh  für  Th.  digitata  cirtirten  Abbildung   von   Faujas-Saint-Fond  *)   durchaus  nicht   ent- 


J)  1799.    Histoire  nat.  de  la  Montagne  de  Saint-Pierre,  pag.  162.  PI.  26,  fig.  16. 


—      161     — 

nehmen,  ob  man  hier  die  wirkliche  Th.  digitata  vor  sich  hat,  welche  nach  Goldfuss  a.  a.  0.  pag.  290  nicht 
bei  Maastricht,  sondern  nur  im  Grünsande  von  Essen  vorkommen  soll. 

Anderseits  wird  an  den  Essener  Exemplaren  nicht  selten  eine  ähnliche  Richtung  jener  fingerförmigen 
Vertiefungen  auf  der  inneren  Fläche  der  kleineren  Schale,  wie  bei  Th.  Meroglyphica  beobachtet,  was  auch 
der  Grund  sein  mag,  dass  Goldfuss  diese  Art  auch  von  Essen  citirt,  indess  wird  man  vor  einer  Verwechselung 
beider  Arten  durch  die  Beschaffenheit  der  an  den  äusseren  Schlossrand  unmittelbar  angrenzenden  inneren 
Fläche  meistens  geschützt. 

Schlönbach's  eingehende  Untersuchungen  haben  schon  gezeigt,  dass  kleine  Exemplare  einer  Thecidea 
aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  zu  Th.  digitata  gehören,  wenn  auch  ihre  Grösse  meist  nur  5 — 6  Mm., 
also  kaum  die  Hälfte  oder  gar  ein  Drittheil  von  der  Grösse  der  Essener  Exemplare  beträgt.  Sie  lassen 
freilich  in  Bezug  auf  ihre  Deutlichkeit  in  dem  Innern  der  Schalen  noch  manches  zu  wünschen  übrig ;  was  an 
ihnen  sichtbar  ist,  wurde  Taf.  35.  Fig.  29 — 33  wiedergegeben. 

Nach  Exemplaren  der  Th.  tetragona  Rom.  aus  dem  Neokom  von  Achim  bei  Wolfenbüttel  in  unserem 
mineralogischen  Museum  lässt  sich  die  Identität  dieser  Art  mit  Th.  digitata,  die  bereits  Quenstedt  nach- 
gewiesen hat,  nur  bestätigen. 

Die  rundliche  oder  unregelmässige  Schale  der  Th.  digitata  ist  gewöhnlich  etwas  breiter  als  lang. 
Ihre  grössere  Klappe  ist  ziemlich  gleichmässig  gewölbt  und  an  dem  Wirbel  in  Folge  ihrer  Befestigung  an 
fremdartigen  Körpern  mehr  oder  weniger  abgestutzt.  Die  äussere  Oberfläche  zeigt  unregelmässige,  zum  Theil 
blätterige  Anwachsschichten  und  erscheint  ausserdem  nicht  selten  fein  punktirt  (Fig.  30).  Ihre  oft  hohe  und 
breite  Area  ist  dreieckig,  scharf  begrenzt,  mit  einem  schmalen  Pseudo-Deltidium  und  an  dessen  Grenze  mit 
vorstehenden  Schlosszähnen  versehen  (Fig.  30  b,  31).  Im  Innern  liegen  unter  dem  Wirbel  drei  dünne  Septen, 
die  auf  einem  mittleren  Lager  ruhen  und  deren  beide  seitlichen  sich  an  die  stumpfe  Zahnleiste  stützen. 
Neben  den  Schlosszähnen  liegen  unter  dem  Schlossrande  die  beiden  Gruben  für  die  Oeffnungsmuskeln 
während  zwei  langgezogene  an  ihrem  Ende  mitunter  gelappte  Eindrücke  für  die  Schliessmuskeln  einen 
ansehnlichen  Theil  der  Seitenflächen  bedecken  (Fig.  31).  Der  übrige  Raum,  insbesondere  der  Rand  der 
Schale  ist  granulirt. 

Die  kleinere  Klappe  bildet  einen  ziemlich  flachen  Deckel  (Fig.  30  c),  der  jedoch  an  der  Wirbel- 
gegend zuweilen  etwas  aufgetrieben  ist  (Fig.  29).  Sie  besitzt  einen  geraden  Schlossrand,  nach  welchem  sich 
die  Schale  sowohl  auf  ihrer  äusseren  Seite,  wo  sich  eine  niedrige  Area  bildet,  als  auch  au  ihrer  finneren 
Seite,  zuschärft;  doch  finden  sich  in  letzterer  Beziehung  auch  bei  Essen  üebergänge  nach  Th.  Meroghjphica 
hin.     Ihr  breiter  Schlossfortsatz  greift  in  das  Pseudo-Deltidium  der  grösseren  Klappe  ein  (Fig.  29). 

Im  Innern  wird  diese  Schale  in  ihrem  ganzen  Umfange  von  einem  schräg  abfallenden  Saume  umgeben, 
welcher  fein  granulirt  ist,  und  es  grenzen  zwei  grosse  runde  Muskeleindrücke  an  dem  Schossrande  dicht 
an  jenen  Schlossfortsatz  an  (Fig.  33),  während  zwei  andere  Muskeleindrücke  neben  dem  Ende  der  Eingeweide- 
höhlung liegen,  die  von  dem  Schlossfortsatze  bis  fast  in  die  Mitte  der  Schale  reicht,  aber  zum  grossen  Theile 
überbrückt  ist. 

Die  Anzahl  der  nach  dem  Rande  divergirenden,  zuweilen  aber  auch  an  Essener  Exemplaren  gegen 
die  Mitte  convergirenden,  fingerartigen  Buchten  beträgt  jederseits  meistens  4  bis  5.  Es  ist  dieser  Apparat 
von  Süss,  Schlönbach,  Quenstedt  u.  A.  sehr  genau  beschrieben  worden. 

Vorkommen:  In  Sachsen  kennt  man  diese  Art  nur  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen.  Römer 
und  H.  Credner  beschrieben  sie  aus  dem  Neokom  oder  Hilsconglomerat  von  Schöppenstedt,  Volkmarode  und 

Palaeontographica  XX.  5.  24 


—     162     — 

Schandeiahe  etc.,  d'Orbigny  aus  dem  unteren  Neokom  von  Vallerest  bei  Wassy  (Haute- Marne),  als  TJi.  tetragona; 
am  häufigsten  kam  Th.  digitata  in  dem  cenomanen  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen  vor,  Davidson 
lehrte  ihr  Vorkommen  in  dem  oberen  Gründsande  Englands  kennen. 

2.     Th.  vermicularis  Schloth.  sp.  —  Taf.  35.  Fig.  35—38. 

1799.  Faujas-Saint-Fond,  hist.  nat.  de  la  Montagne  de  Saint-Pierre  de  Maastricht,  pag.  160.  PI.  26,  fig.  12. 

1813.  Th.  vermicularis  Schlotheim,  in  Leonhard's  Taschenb.  113. 

1820.  Desgl.  Schloth.,  Petrefactenkunde,  pag.  272. 

1834—1840.  Th.  hippocrepis  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  pag.  289.  Taf.  161,  fig.  4. 

1853.  Th.  vermicularis  Suess,  Sitzb.  d.  Wien.  Ak.  XI,  pag.  991.  Taf.  1  u.  2. 

1867.  Thecidium  vermiculare  Schlönbach,  Brach,  d.  nordd.  Cenomanbild.  pag.  482.  Taf.  22  (II),  fig.  9,  10;  Taf.  23 
(III),  fig.  12,  13- 

1871.  Th.  vermicularis  Quenstedt,  Brach,  pag.  693.  Taf.  61,  fig.  111—113. 

Auch  von  dieser  Art  hat  Schlönbach  die  Identität  der  Plauenschen  Vorkommnisse  mit  Exemplaren 
von  Essen  erwiesen,  nur  sind  sie  weit  kleiner  und  erreichen  selten  über  4  Mm.  Grösse.  Schlönbach  hat 
sie  recht  genau  beschrieben.  Grosse  Klappe  au  dem  wenig  gekrümmten  Schnabel  mit  einem  ziemlich 
grossen,  fast  rechtwinkelig  zu  der  durch  die  Klappenränder  gelegten  Ebene  stehenden,  ziemlich  grossen 
Theile  ihrer  Oberfläche  unregelmässig  angewachsen  (Fig.  37  b  c),  stark  und  gleichmässig  gewölbt;  Anwachs- 
linien undeutlich ;  Area  und  Pseudodeltidium  undeutlich  begrenzt ;  Schlosszähue  nach  innen  vorspringend 
(Fig.  37  a,  38). 

Kleine  Klappe  flach  oder  nur  wenig  gewölbt,  Scheitel  nahe  dem  geraden  Schlossrande,  über  welchem 
der  viereckige,  von  den  beiden  Zähnen  der  grösseren  Klappe  eingeschlossene,  Schlossfortsatz  in  das  Pseudo- 
deltidium eingreift  (Fig.  36).     Auch  die  Oberfläche  dieser  Schale  ist  zuweilen  fein  punktirt. 

Das  Innere  dieser  kleineren  Klappe  oder  Deckelschale  (Fig.  34—36)  weicht  von  dem  der  vorigen 
Art  wesentlich  ab  durch  seine  pferdehufartige  Beschaffenheit,  worauf  sich  der  Name  „hippocrepis"  bezieht. 
Man  trifft  jederseits  nur  eine  Schlinge  an,  welche  durch  ein  breites  Mittelfeld  auseinander  gehalten  werden. 
Die  von  einem  scharfen  Kande  umgebene  Eingeweidehöhle  war  ebenfalls  überbrückt.  Nahe  dem  Unterrande 
erhoben  sich  Spuren  eines  Septums,  das  sich  unter  dem  zerrissenen  Oberraude  des  Medianfeldes  verliert. 
(Vgl.  die  Beschreibungen  von  Suess,  Schlönbach  und  Quenstedt.). 

Vorkommen:  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  häufiger  als  die  vorige  Art,  dagegen  im  Grünsande 
von  Essen,  wie  es  scheint,  seltener.  Exemplare  aus  der  oberen  Kreide  von  Maastricht  lassen  sich  davon 
nicht  unterscheiden,  und  es  erinnert  daher  auch  dieses  Vorkommen  an  das  Wiedererscheinen  der  Gattung 
Arethusina,  worüber  wir  Herrn  Barrande  jene  lehrreiche  Abhandlung  verdanken.1) 

2.  Farn.     BhynchoneUidae. 

„Schale  entweder  gar  nicht  angeheftet,  oder  mit  einer  Durchbohrung  für  den  Haftmuskel  versehen,  die  sich  unter  der 
Spitze  des  Schnabels  der  grossen  Klappe  befindet,  und  dann  gewöhnlich  nach  unten  oder  ringsum  durch  ein  oft  verstecktes 
Deltidium  begrenzt  wird  ;  Schlosslinie  gekrümmt ;  Klappen  wie  bei  den  Terebratuliden  durch  zwei  Zähne  in  der  grösseren,  und 
zwei  entsprechende  Gruben  in  der  kleineren  Klappe  eingelenkt.  Die  Träger  der  Lippen-Anhänge  bestehen  nur  aus  zwei  kurzen 
schmalen,   gekrümmten,   schaligen    Lamellen,    die   an   der  Scheitel-Gegend  der  kleinen  Klappe  befestigt  sind.    Muskeleindrücke 


')  Barrande  in  Leonhard  und  Geinitz,  N.  Jahrb.  1868,  pag.  257  u.  f. 


-     163     — 

ähnlich  wie  bei  den  Terebratuliden  vertheilt.     Gefässeindrücke    in  jeder  Klappe  aus  zwei  engen  Hauptstämmen  entspringend 
daran  rückwärtige  Aeste  die  Geschlechtstheile  umschliessen.    Schalenstructur  faserig,  nicht  punktirt." 

Rhynchonella  Fischer,  1809. 

„Schale  ungleichklappig,  von  veränderlicher  Gestalt,  quer  oder  verlängert,  kreisrund  oder  dreieckig; 
Klappen  mehr  oder  weniger  convex,  mit  oder  ohne  mittlere  Falte  und  Wulst;  Schnabel  nicht  abgestutzt, 
spitz,  vorragend  oder  so  stark  eingebogen,  dass  kein  Raum  zum  Durchgange  der  Haft-  oder  Stielmuskel 
bleibt;  Oeffnung  in  Grösse  und  Gestalt  veränderlich,  unter  dem  Schnabel  gelegen,  sichtbar  oder  versteckt, 
ganz  oder  theilweise  von  einem  Deltidium  umgeben,  in  letzterem  Falle  von  einem  Theile  des  Buckels  der 
kleinen  Klappe  begrenzt.  Deltidium  in  zwei  Stücken,  zuweilen  in  Gestalt  einer  röhren-  oder  trichterförmigen 
Ausbreitung,  oder  auch  nur  rudimentär  vorhanden.  Aussenfläche  gestreift  oder  gefaltet,  selten  glatt. 
Brachial-Vorrichtung  aus  zwei  kurzen,  abgeplatteten,  schmalen  und  massig  nach  aufwärts  gekrümmten,  an 
die  tief  eingeschnittene  Schlossplatte  angehefteten  Blättchen  bestehend;  in  der  kleineren  Klappe  ein  deut- 
licher vierfacher  Eindruck  des  Schliessmuskels,  durch  eine  kurze  Mittelleiste  der  Länge  nach  getheilt;  die 
Stielmuskel-Eindrücke  haften  auf  der  kleinen  Schlossplatte,  in  deren  Mitte  der  kleine  und  schmale  Schloss- 
fortsatz sich  befindet;  die  zwei  starken,  auseinander  gehenden  Zähne  der  grösseren  Klappe  werden  gestützt 
durch  zwei  Zahnplatten,  die  bis  an  den  Boden  der  Klappe  reichen,  und  von  deren  Basis  jederseits  eine 
halbkreisförmige  Leiste  herabläuft,  und  eine  mehr  oder  weniger  napfförmige  Vertiefung  zur  Anheftung  von 
Muskeln  einschliesst ;  die  zwei  schmalen  und  länglichen  Eindrücke  des  Stielmuskels  sitzen  hart  an  der  inneren 
Basis  der  Zahnplatten,  den  übrigen  grösseren  Raum  nehmen  hauptsächlich  die  Oeffnungsmuskel  (Schloss- 
muskel bei  Suess)  ein,  welche  der  Länge  nach  durch  eine  kurze,  erhöhte  Leiste  zertheilt  sind;  über  ihnen 
liegt  in  der  Mitte  der  kleine,  ovale  Eindruck  des  Schliessmuskels  oder  Adductors.  Schalenstructur  faserig 
Thier  frei  oder  an  Gegenständen  unter  der  Meeresfläche  mittelst  eines  Stieles  haftend;  Masse  der  Eingeweide  auf 
einen  engen  Raum  beschränkt,  der  dem  obersten  Theile  der  Klappen  entspricht."  (Nach  Davidson  u.  Suess,  pag.  97.) 

1.     Rh.   compressa  Lam.  —  Taf.  36.  Fig.  1—30. 

1819.    Terebratula  difformis  u.  Ter.  compressa  Lamarck,  An.  sans  vert.  6,  pag.  255  u.  256. 

1821.  Ter.  dimidiata  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  277,  fig.  7,  8. 

1822.  Ter.  gallina  Brongniart,  Descr.  geol.  des  env.  de  Paris,  pag.  84.   PI.  9,  fig.  2.    —   3.  ed.  1835,  pag.  152,  644. 

PI.  Q.  fig.  2. 
1825.     Ter.  lata  Sowerby,  1.  c.  PL  502,  fig.  1,  2.  (Nicht  PI.  100,  fig.  2.) 
1828.     Ter.  deformis  Defrance,  (seq.  d'Orbigny  et  Quenstedt). 

1834.     Ter.  depressa,  alata  u.  plicatilis  v.  Buch.  Terebrateln,  pag.  39,  48  u.  51  z.  Th. 
1836.     Ter.  dilatata  Sowerby,  bei  Fitton,  Observations  on  some  of  the  strata,  PI.  18,  fig.  2. 
1839 — 1842.     Ter.  gallina,   Gibbsiana  u.  triangularis  Gein.   Char.  I,  pag.  14,  II,  pag.  59,  III,   pag.  XVII.    Taf.  16,  fig.  11, 
14,  15.  Taf.  19,  fig.  1—3. 

1841.    T.  gallina,  latissima  u.  nuciformis  A.  Römer,  nordd.  Kreidegeb.  pag.  37,  38.  Taf.  7,  fig.  4.  5. 
1846.    Ter.  alata  Gein.  Grundr.  pag.  501  z.  Th.  Taf.  21,  fig.  7,  9  (nicht  8). 

1846.  Ter.  depressa,   rostrata,   latissima   u.   gallina   Beuss,   böhm.  Kreidef.    II,   pag.  46.   Tab.  25,    fig.  9 ;    pag.  46. 
Taf.  42,  fig.  25 ;  pag.  47.  Taf.  25,  fig.  1,  2. 

1847.  Ter.  latissima,  rostrata  und  Scaldiensis  d'Archiac,   in  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  II,  2,  pag.  330 
PI.  21,  fig.  7—9;  pag.  330.  PI.  21,  fig.  11;  pag.  330.  PI.  21,  fig.  11. 

1847.     Eh.  Lamarckiana  d'Orbigny,  Pal.  franc..  terr.  cret.  IV,  pag.  32.  PI.  496,  fig.  5 — 13. 
Eh.  contorta  ib.  pag.  34.  PL  496,  fig.  14—17. 
Bh.  compressa  ib.  pag.  35.  PL  497,  fig.  1  —  6. 


—     164     — 

Bh.  difformis  ib.  pag.  41.  PI.  498,  fig.  6—9. 
1850.     Ter.  compressa  Gein.  Quad.  Deutsch],  pag.  206.     Var.  lata  und  compressa. 
1850—1851.     Bh.  compressa  Bronn,  Leth.  geogn.  V,  pag.  211.  Taf.  30,  fig.  8. 

1854.     Bh.  compressa  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach,  pag.  80.  PI.  11,  fig.  1—5;  PL  12,  fig.  25. 
Bh.  latissima  ib.  pag.  82.  PI.  11,  fig.  6—22;  PI.  12,  fig.  24. 
Bh.  depressa  ib.  Var.  A.  und  B.  pag.  92.  PI.  12,  fig.  28,  30. 
1867.     Bh.  dimidiata   U.  Schlönbach,    Brach,  d.  nordd.  Cenonianbild.    pag.  486    (excl.  Ter.  Dufrenoyi,   T.  Desnoyersi 
u.  ?   T.  dubia).  Taf.  23  (III),  fig.  1-3. 

1870.  Bh.  compressa  F.  Römer,  Geol.  von  Ober-Schlesien,  pag.  334. 

1871.  Bh.  difformis  Quenstedt,  d.  Brachiopoden,  pag.  159.  Taf.  41,  fig.  20—23. 

Diese  Citate  beziehen  sich  fast  sämmtlich  auf  Exemplare  aus  cenomanen  Schichten.  Wir  haben  noch 
Bedenken  getragen,  die  nahe  verwandten  Formen  der  Bh.  depressa  aus  neokomen  Ablagerungen  mit  ein- 
zuschliessen,  wie  auch  anderseits  die  meist  unter  Rh.  alata  unterschiedenen  Formen  der  jüngeren  cretacischen 
Schichten  ausgeschlossen  worden  sind,   indem   die  letzteren  sämmtlich  eine  kleinere  Schnabelöffnung  besitzen. 

Die  ältesten,  gleichzeitig  für  diese  Art  aufgestellten  Namen  sind  Ter.  difformis  und  Ter.  compressa. 
Quenstedt  hält  den  ersteren  Namen  für  bezeichnender  und  stellt  ihn  deshalb  an  die  Spitze,  wenn  auch 
Schlotheim  1820  (Petrefactenkunde,  pag.  263)  die  in  Encycl.  m6thod.  tab.  242,  fig.  5  befindliche  Ab- 
bildung, welche  Lamarck  für  T.  difformis  anführt,  für  seine  T  dissimilis  in  Anspruch  genommen  hat ;  es 
scheint  uns  indess  der  schon  eingebürgerte  Name  Bh.  compressa  ebenso  passend  als  Bh.  difformis  zu  sein, 
da  eine  Unsymmetrie  bei  dieser  Art  zwar  häufig  vorkommt,  jedoch  nicht  Gesetz  ist ;  wenn  sie  aber  eintritt, 
so  nimmt  die  Muschel  in  der  That  eine  seitlich  zusammengedrückte  Gestalt  an.  Eine  scheinbare  Compression 
macht  sich  ferner  fast  bei  allen,  selbst  den  breitesten  Exemplaren  in  der  Nähe  des  Wirbels  an  den  Schloss- 
kanten deutlich  bemerkbar,  so  dass  der  Wirbel  der  grösseren  Schale  meist  spitz  ist  und  weit  vorragt. 

Die  Schale  der  Bh.  compressa  ist  vorherrschend  dreiseitig,  mit  langen,  geraden  oder  eingebogenen 
Schlosskanten  versehen,  an  den  Seiten  gerundet  und  an  der  Stirn  nur  wenig  vorspringend,  allermeist  weniger 
als  bei  Bh.  depressa  und  hoch  weniger  als  bei  Bh.  alata  und  Bh.  plicatüis.  Im  jugendlichen  Zustande 
bilden  die  Schlosskanten  oft  einen  sehr  spitzen  Winkel  (Taf.  36.  Fig.  25,  28)  und  man  kann  diese  Varietät 
als  Var.  triangidaris  bezeichnen,  da  sie  mit  Ter.  triangidaris  Nilsson  J)  grosse  Aehnlichkeit  zeigt ;  mit  zu- 
nehmendem Alter  nähert  sich  dieser  Winkel  einem  rechten,  oder  wird  noch  grösser,  wobei  aber  dennoch 
selbst  an  den  breitesten  Schalen  die  schon  erwähnte  Compression  in  der  Nähe  des  Wirbels  sich  geltend  macht. 

Von  der  jurassischen  Bh.  lacunosa  und  deren  Verwandten  unterscheidet  sie  sich  sogleich  durch 
scharfe  Kanten  der  Area.  Die  Schnabelöffnung  ist  oval  und  gross,  und  von  einem  kräftigen  Deltidium  um- 
geben (Taf.  36.  Fig.  1,  2,  8,  9,  11,  12,  15  u.  s.  w.). 

Die  grössere  Schale  besitzt  einen  breiten,  tiefen  Sinus,  welcher  schon  über  der  Mitte,  oder  doch  in 
der  Mitte  der  Schalenlänge,  beginnt  und  sich  ganz  allmählich  mehr  oder  weniger  tief  bis  zu  dem  Stirnrande 
herabsenkt  (Taf.  36.  Fig.  3,  4,  5,  14).  In  der  Beschaffenheit  dieses  Sinus  liegt  ein  wesentliches  Unter- 
scheidungsmerkmal von  Bh.  plicatüis,  wo  er  erst  später  beginnt,  um  sich  dann  um  so  schneller  und  tiefer 
herabzusenken.  Nur  bei  jungen  Exemplaren  fehlt  der  Sinus  zuweilen  ganz  und  diese  erscheinen  dann  sehr 
flach  (Taf.  36.  Fig.  10,  17,  20,  25).     Die  kleinere  Schale  erreicht  ihre  grösste  Dicke  meist  zwischen  Wirbel 


v)  Nilsson,  Petref.  Suecana,  Tab.  4,  fig.  9,  10. 


—     165     — 

und  Mitte,  und  wird  oft  bauchig  (Fig.  13,  14).  Sie  ist  stets  breiter  als  lang  und  kann  an  den  breitesten 
Exemplaren  fast  doppelt  so  breit  werden,  als  ihre  Länge  beträgt. 

Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  Falten  bedeckt,  deren  relative  Zahl  und  Gestalt  sehr  veränderlich  ist. 
Sie  stehen  bald  dichter  (Fig.  4,  7),  bald  entfernter  (Fig.  5,  6),  sind  entweder  dachförmig  und  selbst  ziemlich 
scharf,  oder  flacher  gewölbt  und  meist  stumpfkantig ;  an  vielen  Exemplaren  sind  sie  einfach,  an  zahlreichen 
anderen  aber  gespalten  (Fig.  5,  11,  12,  15,  16). 

Unregelmässigkeiten  der  Form,  wahre  Missbiklungen  kommen  so  häufig  vor,  dass  sie  die  Namen 
compressa,  difformis,  dimidiata,  contorta  vollkommen  rechtfertigen,  dann  hat  sich  in  der  Regel  die  eine  Seite 
auf  Kosten  der  anderen  mehr  ausgebildet  (Fig.  6,  7,  10,  15). 

Zu  den  nächsten  Verwandten  dieser  Art  gehören  die  meist  als  Rh.  alata  und  Rh.  vespertüio 
beschriebenen  Formen,  unter  welchen  U.  Schlönbach  noch  Rh.  bohemica  abgetrennt  hat,  der  man  häufig 
in  dem  Exogyrensandstein  Böhmens  begegnet.  Sie  bilden  eine  wahre  Mittelstufe  zwischen  Rh.  compressa 
und  Rh.  plicatilis  und  unterscheiden  sich  von  der  ersteren  immer  durch  ihre  weit  kleinere  und  runde 
Schnabelöffnung. 

Vorkommen:  In  Sachsen  ist  Rh.  compressa  auf  den  unteren  Quadersandstein  und  unteren  Pläner 
beschränkt,  und  wird  nicht  selten  mit  Exogyra  Columba  zusammen  in  den  Sandsteinen  der  Prinzenhöhe  und 
goldenen  Höhe  bei  Bannewitz  und  Welschhufa,  bei  Pabstenau,  Ober-Hässlich  und  Wendisch-Carsdorf,  in  dem 
Grünsande  am  Tunnel  bei  Oberau,  namentlich  aber  in  dem  untersten  Pläner  an  den  Rathsweinbergen  bei 
Meissen,  bei  Plauen,  Koschütz,  Dölzschen  (Teltschen),  Goppeln  u.  a.  0.  gefunden,  insbesondere  war  sie  an 
dem  Eingange  des  Plauenschen  Grundes  in  der  Nähe  des  Forsthauses  (s.  S.  13)  in  unglaublicher  Menge  zu 
sammeln.  Diesem  Vorkommen  entspricht  genau  das  in  anderen  Ländern,  wie  in  dem  glaukonitischen  unteren 
Quader  von  Mühlhausen  in  Böhmen,  im  Exogyrenstandsteine  von  Drahomischel,  in  den  untersten,  zum  Theil 
conglomeratigen  Plänerbildungen  Böhmens,  bei  Bilin  und  Kutschlin,  oder  im  Hippuritenkalk  vor  Kutschlin,  Deberno, 
Grossdorf,  Wodolka,  Hollubitz  in  Böhmen  (T.  depressa  und  T.  latissima  bei  Reuss),  nach  F.  Römer  bei  Neudörfel 
und  Damasko  in  Oberschlesien,  bei  Regensburg,  ferner  in  der  Tourtia  von  Frohnhausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  wo  sie 
gleichfalls  sehr  häufigjvorkam,  von  Tournay  und  Montignies-sur-Roc  in  Belgien,  in  cenomanen  Schichten  bei  Mans, 
La  Fleche  (Sarthe),  Rouen,  Havre,  Villiers,  Honfleur  (Calvados),  ile  Madame,  ile  d'Aix  (Charente-Inf.),  etc., 
in  Frankreich,  wo  sie  d'Orbigny  überall  mit  Exogyra  Columba  zusammenfand,  während  von  ihm  nur  Rh.  dif- 
formis in  turonen  Schichten  über  der  Zone  der  Hippuriten  beobachtet  wurde,  und  in  dem  oberen  Grünsande 
Englands  bei  Blackdown,  Warminster,  Farringdou  in  Berkshire,  sowie  auch  in  dem  chloritischen  Mergel  von 
Chard,  welcher  sich  eng  au  den  unteren  Grünsand  von  Chardstock  anzuschliessen  scheint. 

2.     Rh.  Grasiana   d'Orb.  —  Taf.  36.  Fig.  31—34. 

1847.    Bh.  Grasiana  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  38.  PI.  497,  fig.  7—11. 

1847.  Ter.  Dufrenoyi,  Ter.  Desnoyersi  und  ?Ter.  dubia  d'Archiac  in  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  2, 
pag.  332.  PI.  22,  fig.  1,  2  ;  pag.  333.  PI.  22,  fig.  3.*) 

1850.     Ter.  pisum  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  210  z.  Th.  (Fundorte:  Zscheila  und  Plauen.) 


')  Terebratida  alata  Reuss,  böhni.  Kreidef.  II,  pag.  45.  Taf.  25,  fig.  3—8 ;  Taf.  42,  fig.  26. 

Bh.  bohemica  Schlönbach,  im  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1868.  Bd.  XVIH,  pag.  159.  Taf.  5,  fig.  10. 

2)  Schlönbach  hat  diese  3  Arten  zu  Bh.  dimidiata  gezogen,  doch  schliessen  sie  sich  nach  der  Beschaffenheit  ihres 
Deltidiums,  wie  ihrer  ganzen  Form  nach,  an  Bh.  Grasiana  an,  und  es  hat  schon  d'Archiac  die  nahe  Verwandtschaft  der 
T.  Desnoyersi  mit  Ter.  pisum  Sow.  hervorgehoben. 


—     166     - 

1854.  Eh.  Grasiana  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach,  pag.  96.  PI.  12,  fig.  17—19. 

1867.     Eh.  Grasiana  U.  Schlönbach,  Brach,  d.  nordd.  Cenomanbild.  pag.  496.  Taf.  23  (III),  fig.  8,  9. 

Die  Exemplare  von  Plaueu,  in  welchen  zuerst  Schlönbach  diese  Art  erkannt  hat,  sind  meist  etwas 
länger  als  breit,  und  mit  sehr  zahlreichen  schmalen  Falten  bedeckt.  Ihre  grösste  Breite  fällt  etwas  unter 
die  Hälfte  der  Länge.  Die  grössere  Schale  senkt  sich  von  der  Mitte  aus  nach  der  Stirn  in  einem  breiten, 
meist  flachen  Sinus  allmählich  herab  und  verläuft  vorn  in  einen  kleinen  spitzen  und  wenig  gebogenen  Wirbel, 
dessen  runde  Oeffnung  oft  den  Wirbel  der  kleineren  Schale  berührt  und  von  einem  starken  Deltidium  ganz 
umschlossen  wird,  welches  mitunter  einen  trichterförmigen  oder  hörnerartigen  Vorsprung  bildet  (Fig.  34). 
Die  Area  wird  jederseits  von  einer  deutlichen  Kante  begrenzt. 

Die  weit  stärker  gewölbte  kleinere  Schale  erreicht  ihre  grösste  Dicke  in  der  Mitte,  von  wo  aus  sie 
nach  der  Stirn  hin  in  einen  flachen  Wulst  verläuft. 

Bh.  Grasiana  unterscheidet  sich  von  den  Jugendformen  der  Bh.  plicatüis  im  Plänerkalke  (II.  Taf.  7, 
Fig.  12),  die  oft  als  Ter.  oder  Bh.  pisum  bezeichnet  worden  sind,  durch  ein  kräftigeres  Deltidium,  eine  etwas 
grössere  Schnabelöffnung  und  ihre  allmähliche  Einsenkung  der  Bucht  auf  der  grösseren  Schale,  sowie  durch 
eine  grössere  Anzahl  ihrer  schmalen  Falten,  von  welchen  oft  10  in  dem  Sinus  liegen. 

Dagegen  vermuthet  schon  d'Orbigny,  dass  Ter.  pisum  Sow.,  Min.  Conch.  PI.  536,  Fig.  10—12,  mit 
Bh.  Grasiana  identisch  sein  möge.  Auch  Davidson  tritt  dieser  Ansicht  nicht  bestimmt  entgegen,  wenn  er 
auch  vorläufig  noch  Ter.  pisum  Sow.  unter  dem  älteren  Namen  Bh.  Martini  Mant.  sp.  von  Bh.  Grasiana 
getrennt  beschreibt. 

Vorkommen:  Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  liegen  uns  einige  20  Exemplare  vor,  deren 
grösstes  13  Mm.  Länge,  12  Mm.  Breite  und  10  Mm.  Dicke  erreicht.  Dieselben  stimmen  im  Allgemeinen 
sehr  genau  mit  jenen  aus  dem  oberen  Grünsande  von  Chute  bei  Warminster  und  aus  cenomanen  Schichten 
von  Hävre  (Seine-Inf.)  überein  und  lassen  sich  von  allen  anderen  Brachiopoden  unseres  Elbthales  wohl 
unterscheiden. 

Nach  Schlönbach  kommt  sie  selten  in  dem  cenomanen  Grünsande  von  Essen,  häufiger  in  dem  Grün- 
sande von  Spelldorf  bei  Mühlheim  an  der  Ruhr  vor.  Die  von  d'Archiac  beschriebenen  Arten  stammen  aus 
der  Tourtia  von  Tournay,  Montignies-sur-Roc  und  Gussignies  in  Belgien. 

3.     Rh.   Mantelliana   Sow.  sp.  —  Taf.  36.    Fig.  35. 

1825.  Ter.  Mantelliana  Sowerby,  Min.  Conch.  Taf.  537,  fig.  11—13. 

1841.  Ter.  paucicosta  A.  Kömer,  nordd.  Kreideg.  pag.  38.  Taf.  7,  fig.  6. 

1847.  Eh.  Mantelliana  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  40.  PI.  498,  fig.  1—5. 

1850.  Ter.  paucicosta  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  210. 

1855.  Eh.  Mantelliana  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach,  pag.  87.  PI.  12,  fig.  20—23. 

1867.    Eh.  Mantelliana  U.  Schlönbach,  Brach,  d.  nordd.  Cenomanbild.  pag.  494.  Taf.  23  (III),  fig.  11. 

Eine  kleine  rundliche  Art,  meist  etwas  breiter  als  lang,  mit  fast  gleichgewölbten  Schalen,  deren 
grössere  oder  Ventralschale  nach  der  Stirn  hin  schwach  eingesenkt  ist  und  einen  kurzen,  wenig  gebogenen 
Schnabel  besitzt.  Die  ovale  Oeffnung  darin  wird  von  dem  Deltidium  ganz  umgeben ;  die  Area  ist  von  stumpfen 
Kanten  begrenzt.  Die  Oberfläche  einer  Schale  trägt  etwa  15  einfache  dachförmige  Falten,  von  welchen  meist 
3  in  der  flachen  Bucht  an  dem  Stirnrande  liegen.   Ihre  Grösse  beträgt  oft  nur  10  Mm.,  bei  5 — 6  Mm.  Dicke. 

Es  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  diese  Art  jüngeren  Individuen  der  Bh.  plicatüis  mit  sparsameren 
Falten  (IL  Taf.  7.  Fig.  11)  aus  dem  Plänerkalke  sehr  ähnlich  wird,   die   man   häufig  als   Ter.   Mantelliana 


—      167     — 

bezeichnet  hat.  Man  kann  sie  von  der  letzteren  oft  nur  durch  geringere  Wölbung  ihrer  Schale,  durch 
schärfere  dachförmige  Falten,  durch  einen  seichteren  Sinus  der  grösseren  Schale  und  durch  einen  weniger 
erhobenen  Wulst  der  kleineren  Schale  unterscheiden. 

Vorkommen:  Selten  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen,  wo  Rh.  plicatüis  gänzlich  fehlt,  häufiger 
in  dem  cenomanen  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr,  ferner  im  unteren  (cenomanen)  Quadermergel  an  der 
Steinholzmühle  bei  Quedlinburg  und  in  dem  unteren  Pläner  von  Langeisheim  im  Harz.  Davidson  beschreibt 
sie  aus  dem  oberen  Grünsande  von  Chute  Farm  bei  Warminster,  aus  der  unteren  Kreide  von  Lewes  und 
der  grauen  Kreide  von  Folkstone  und  Hamsey,  d'Orbigny  entdeckte  sie  in  turonen  Ablagerungen  bei  Cap 
Blanc-Nez  (Pas-de-Calais)  und  la  Cadiere  (Var). 

4.     Rh.  liueolata  Dav.  — •  Taf.  36.  Fig.  36. 

1835.  ITer.  lineolata  Phillips,  Geol.  of  Yorkshire  I,  pag.  178.  PI.  2,  fig.  27. 

1843.     Terebratula,  der  T.  Puscheana  Rom.  nahestehend,  Gein.  Char.  IV,  pag.  17. 

1850.     Ter.  Jugleri  Gein.,  Quad.  Deutschi.  pag.  208  z.  Th.  (Fundort:  Plauen). 

1855.     Eh.  lineolata  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach,  pag.  98.  PI.  12,  fig.  7—10.  ?  PI.  12,  fig.  6. 

1867.     Eh.  cf.  lineolata  U.  Schlönbach,  Brach,  d.  nordd.  Cenomanbild.  p.  493.  Taf.  23  (III),  fig.  4. 

Das  in  unserer  Charakteristik  und  später  von  Schlönbach  beschriebene  Exemplar  von  Plauen  ist 
von  neuem  hier  abgebildet  worden,  wobei  sein  Schnabel  nach  einem  zweiten  Exemplar  von  Plauen  vervoll- 
ständiget werden  konnte. 

Die  Schale  ist  breiter  als  lang,  unterhalb  der  Mitte  am  breitesten.  Der  Schnabel  ist  kurz,  stumpf 
und  stark  übergebogen.  Area  niedrig.  Oeffnung  klein.  Beide  Schalen  sind  gleichmässig  gewölbt,  am  stärksten 
wenig  über  der  Mitte.  Oberfläche  mit  feinen  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  deren  mehrere  sich  in  der 
Nähe  der  Seiten  und  der  Stirn  zu  stärkeren  Falten  vereinigen.  Ein  sehr  breiter  und  flacher  Sinus  der 
grösseren  Schale  wird  von  zwei  grösseren  Falten  begrenzt,  die  von  zwei  schwächeren  Falten  auf  der  kleineren 
Schale  eingeschlossen  sind.  An  den  Seiten  und  in  dem  Sinus  liegen  noch  ein  paar  kleinere  Falten. 
Schlönbach  fügt  dem  hinzu:  Die  feinen  und  dichten  Rippchen  setzen  auf  den  an  den  Rändern  sich  aus- 
bildenden gröberen  Falten,  deren  jede  etwa  3 — 6  derselben  trägt,  noch  etwas  fort;  an  der  Stirn,  wo  die 
groben  Falten  noch  nicht  so  deutlich  entwickelt  sind,  gehen  die  Rippchen  bis  zu  dem  Rande. 

Vorkommen:  Sehr  selten  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  und  in  der  Tourtia  von  Tournay 
in  Belgien,  häufiger,  nach  Davidson,  in  dem  oberen  Grünsande  von  Cambridge.  —  Ob  die  von  Phillips  und 
später  von  Davidson  (1.  c.  PI.  12.  Fig.  6)  aus  dem  Speeton  Clay  abgebildete  Form  wirklich  mit  jenen  aus 
cenomanen  Ablagerungen  identisch  sei,  lässt  sich  mit  Schlönbach  noch  bezweifeln. 

3.  Farn.   Craniadae. 

„Schale  an  unterseeische  Körper  mit  der  Masse  der  unteren  Klappe  aufgewachsen;  obere  Klappe  deckeiförmig.  Kein 
Schloss  oder  sonstiger  Einlenkungs-Fortsatz.  Schalenstructur  grob  punktirt.  Thier  mit  fleischigen  Spiralarmen  versehen,  welche 
gegen  die  Höhlung  der  Deckelklappe  gerichtet  sind  und  von  einem  nasenförmigen  Fortsatze  im  Mittelpunkte  der  unteren  Klappe 
unterstützt  werden.    Die  Gefässeindrücke  sind  in  einfache  Digitationen  zertheilt." 

Crania   Retzius,  1781. 

„Schale  von  veränderlicher  Gestalt,  kreisrund,  fast  quadratisch,  quer  oder  verlängert,  theilweise  oder 
fast   an  der  ganzen  Unterfläche   der   unteren  Klappe   aufgewachsen,   selten  frei ;    obere    oder  Deckelklappe 


—      168     — 

(Oberschale  oder  Deckelschale)  mehr  oder  weniger  kegelförmig,  mit  subcentralem  Scheitel;  kein  Schloss- 
gelenk oder  Schlossband ;  die  Klappen  werden  lediglich  durch  vier,  in  etwas  schiefer  Richtung  von  einer 
Klappe  zur  andern  gehende  Muskel  zusammengehalten.  Die  angeheftete  Klappe  ist  meist  dicker  als  die 
andere,  mit  oder  ohne  Schnabel  und  Area.  Aussenseite  glatt,  stachelig,  oder  mit  strahlenförmigen  Rippen 
oder  blattartigen  Ausbreitungen  verschiedenartig  geziert ;  concentrische  Wachsthumsstreifen  setzen  ununter- 
brochen von  der  Klappe  über  die  Area  fort.  Im  Innern  jeder  Klappe  bemerkt  man  vier  paarweise  gestellte 
Haupteindrücke  von  Muskeln  ;  das  eine  Paar  liegt  nahe  beisammen,  vereinigt  sich  öfters  und  zeigt  sich  stets 
nahe  am  Mittelpunkte  der  Schale,  hinter  oder  zwischen  diesem  sieht  man  eine  Vorragung;  das  andere  Paar 
ist  weit  von  einander  und  nahe  dem  Schlossrande  gelegen  ;  die  Muskeleindrücke  der  angehefteten  Klappe 
sind  zuweilen  etwas  gewölbt,  manchmal  auch  tief  ausgehöhlt,  die  der  Deckelklappe  sind  convex,  das  centrale 
Paar  mitunter  sogar  zu  sehr  vorragenden  Apophysen  entwickelt.  Das  Innere  der  angehefteten  Klappe  wird 
von  einem  verdickten  und  erhabenen  Rande  umkränzt,  an  dem  sich  der  röhrige  Bau  der  Schale  besonders 
deutlich  zeigt.  Auf  der  übrigen  Fläche  einer  jeden  Klappe  sieht  man  mit  grösserer  oder  geringerer  Schärfe 
die  Eindrücke  des  Gefäss-Systemes  in  Gestalt  von  einfachen  Digitationen.  Schalenstructur  röhrig.  (Nach 
Davidson  und  Suess,  pag.  137.) 

C.  gracilis   Mün.  —  Taf.  37.    Fig.  1-4. 

1834—1840.  Münster  in  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  pag.  296.  Taf.  163,  flg.  2. 

1846.  Crania  irregularis  Reuss,  böhro.  Kreidef.  II,  pag.  53.  Taf.  42,  fig.  27,  28. 

1847.  Crania  cenomanensis  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  138.  PI.  524,  fig.  1 — 4. 
1854.  Desgl.  Davidson,  Brit.  Cret.  Brach.  II,  pag.  103.  PI.  12,  flg.  40,  41. 

1866.  Cr.  gracilis  u.  Cr.  eximia  TL  Schlönbach,  Krit.  Stud.  üb.  d.  Kreide-Brach.  (Paläontogr.  XIII.),  pag.  56.  Taf.  3, 

fig.  17. 

1867.  Desgl.  TJ.  Schlönbach,  Brach,  d.  nordd.  Cenoman-Bild.  pag.  502,  503. 

Unter  Berücksichtigung  von  8  uns  von  Essen  und  20  von  Plauen  vorliegenden,  zumeist  wohl  erhal- 
tenen Exemplaren  gewinnt  man  die  Ueberzeugung,  dass  sich  alle  diese  Citate  auf  nur  eine  Art  beziehen,  für 
welche  Crania  gracilis  der  älteste  Name  ist.  Graf  Münster  hat  davon  nur  die  Oberschale  gekannt,  während 
Schlönbach  eine  Unterschale  derselben  Art  für  die  Oberschale  einer  neuen  Art  hielt,  der  er  den  Namen 
Cr.  eximia  gab.  D'Orbigny  beschrieb  eine  Oberschale  als  Cr.  cenomansis,  und  erst  Davidson  lehrte  von 
dieser  sowohl  die  Oberschale  als  die  Unterschale  kennen.  Beiden  entsprechende  Formen  kommen  gemein- 
schaftlich sowohl  in  dem  Grünsande  von  Essen,  als  in  dem  Pläner  von  Plauen  vor. 

Es  ist  eine  grosse  Art,  die  bei  Essen  25  Mm.  Breite  und  20  Mm.  Länge  erreicht,  und  auch  von 
Plauen  und  anderen  Fundorten  15 — 20  Mm.  gross  gefunden  wird.  Der  Umriss  ihrer  Schale  ist  vierseitig, 
bald  oblong,  bald  trapezisch,  wobei  die  Stirnseite  die  breitere  ist.  Der  Schlossrand  ist  stets  geradlinig,  der 
Stirnrand  nicht  selten  sehr  flach  gerundet  und  zuweilen  in  seiner  Mitte  schwach  eingebogen.  Die  Seiten- 
kanten stossen  an  den  Schlossrand  nahezu  rechtwinkelig,  an  den  Stirnrand  aber  stumpfwinkelig  oder  mit  einer 
Rundung  an. 

Die  schildförmige  Oberschale  besitzt  einen  wenig  vor  der  Mitte  liegenden  spitzen  Scheitel 
(Fig.  1  a,  b),  und  ist  mit  sehr  unregelmässigen,  ausstrahlenden  Runzeln  bedeckt,  welche  von  blätterigen  An- 
wachsringen unterbrochen  werden  (Fig.  1  a).  Auf  ihrer  inneren  Fläche  liegen  zwei  grosse  runde  Muskelein- 
drücke wenig  entfernt  von  einander  hinter  dem  Schlossrande,  während  zwei  längliche  Eindrücke  für  die 
beiden   Schliessmuskeln,    oder  Adductoren,    in   der   Mitte   der   Schale   unter   einem  Winkel   zusammenstossen. 


—      1G9     — 

Sie  liegen  vor  einer  dünnen,  aufgerichteten  Scheidewand,  deren  Seitenflügel  nach  den  Enden  des  Schloss- 
randes hin  divergiren.  Hinter  dieser  zum  Theil  wellig  gebogenen  Scheidewand  strahlen  zahlreiche  finger- 
artige Gefäss-Eindriicke  nach  dem  Rande  hin,  ohne  denselben  zu  erreichen,  welche  an  Exemplaren  von  Essen 
und  Plauen  durch  dünne  Kalkleisten  von  einander  geschieden  sind  (Fig.  1  c). 

Die  untere  Schale  ist  je  nach  der  Grösse  ihrer  Aufwachsungsfläche  und  der  Substanz,  worauf  sie 
befestigt  war,  flach  oder  mehr  weniger  gewölbt.  Während  z.  B.  einige  auf  Austern  aufgewachsene  Schalen 
ganz  flach  erscheinen,  findet  man  andere  auf  zarten  Seeschwämmen  befestigte  nur  mit  einer  kleinen  Fläche 
aufgewachsen,  gewölbt  und  z.  Th.  bauchig.  Diesem  Zustande  entspricht  das  von  Schlönbach  als  Cr.  eximia 
abgebildete  Exemplar  von  Essen.  Das  Innere  der  unteren  Schale  ist  von  einem  wulstförmigen  Rande  begrenzt, 
welcher  mitunter  in  der  Mitte  des  Schlossrandes  eine  kleine  wellenförmige  Biegung  wahrnehmen  lässt. 
Unmittelbar  an  dem  Schlossrande  liegen  zwei  grosse  runde  Eindrücke  für  die  Oeffnungsmuskeln,  die  von 
einander  etwas  weiter  getrennt  sind,  als  in  der  Oberschale ;  in  der  Mitte  der  Schale  finden  sich  die  zwei 
divergirenden  länglichen  Eindrücke  oder  auch  vorragende  Apophysen  für  die  Schliessmuskeln,  die  an  ihrer 
Basis  durch  einen  kleinen  Höcker  geschieden  werden,  in  welchem  man  das  Rudiment  eines  mittleren  Septum 
erblicken  kann.  Hinter  diesen  länglichen  Vorsprüngen,  an  die  sich  die  Schliessmuskeln  befestigt  haben, 
breiten  sich  undeutliche  fingerartige  Eindrücke  aus,  welche  fast  bis  zu  dem  Rande  strahlen  (Fig.  2  c).  Der 
grösste  Theil  der  inneren  Fläche  ist  fein  punktirt  (Fig.  2  d). 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Golberoda  bei  Dresden  als  Steinkern  (Fig.  3), 
im  unteren  Pläner  von  Plauen,  in  analogen  Schichten  von  Korizan  in  Böhmen,  im  Grünsande  von  Frohn- 
hausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  in  unter-cenomanen  Schichten  von  Mans  in  Frankreich,  und  im  'oberen  Grün- 
sande von  Farringdon  in  England. 

2.  Ordn.     Peleeypoda  (Beilfüsser).     Concliiferen.    Bivalven  (Zweischalige 

Muscheln). 

1.  Fam.     Budistae.     Tlippimtiäae. 

Die  in  unserem  Grundriss  der  Versteinerungskunde  1846  den  Rudisten  provisorisch  angewiesene  Stellung  als  Anhang 
der  Chamaciden  ist  durch  die  wichtigen  Arbeiten  von  S.  P.  Wo  od  ward,1)  und  E.  Bayle,2)  über  die  Structur  und  Verwandt- 
schaft der  Hippuritiden  vollkommen  bestätigt  worden,  und  wir  finden  von  Woodward  namentlich  die  Merkmale  hervorgehoben, 
wodurch  sich  dieselben  von  den  Brachiopoden  unterscheiden,  wozu  sie  von  Goldfuss,3)  d'Orbigny,4)  und  Bronn,5) 
gezählt  worden  sind.  Stoliczka6)  reihet  sie  in  seinem  für  die  Systematik  hochwichtigen  Werke  über  die  Pelecypwlen  der  süd- 
indischen Kreideformation  geradezu  in  die  Ordnung  der  Chamacea  und  die  Familien  der  Chamidae  und  Hippuräidae  ein. 


:)    S.  P.  Woodward  in  Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  London,  1854,  X.  pag.  397;    1855,  XI.  pag.  40,  fig.  1— 31. 
PI.  3—5.  —  N.  Jahrb.  1855,  pag.  376—379. 

2)  E.  Bayle,  Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  1855,  XII.  pag.  772,  t.  17—19;  XIII.  pag.  71,  t.  1;  pag.  102,  t.  6.  -- 
N.  Jahrb.  1856,  pag.  383—384. 

3)  Goldfuss,  Petrefacta  Germaniae,  1834—1840,  II.  pag.  298—303.  Taf.  164,  165. 

*)  D'Orbigny,  Pale'ontologie  francaise,  terrains  cretaces,  t.  IV,  1847,  pag.  157—267.  PL  526 — 599. 

5)  Bronn,  Lethaea  geognostica,  1851—52,  V.  pag.  240—262. 

6)  F.  Stoliczka,   in  Th.  Oldham's   Memoire  of  the  Geological  Survey  of  India,   Palaeontologia  Indica,    Gretaceous 

Fauna,  Vol.  IH,  1871,  pag.  223—244. 

25 

Palaeontographica  XX.  5. 


—      170      - 

J)ie  von  ihnen  in  dem  Quadergebirge  Sachsens  und  Böhmens  aufgefundenen  Ueberreste,  deren  Erhaltungszustand  viel 
zu  wünschen  übrig  lässt,  sind  auf  den  unteren  Quader  und  untersten  Pläner,  mithin  auf  die  tiefsten  cenomanen  Ablagerungen 
beschränkt.  Sie  wurden  zum  Theil  in  dem  Quader  des  Muschelfelsens  bei  Koschütz,  dem  Pläner  von  Koschütz  und  Plauen, 
sowohl  am  rechten  Gehänge  der  Weisseritz  in  der  Nähe  des  Forsthauses,  an  der  I.  pag.  13  abgebildeten  Stelle,  als  an  dem 
linken  Gehänge  der  Weisseritz,  an  dem  Flossrechen  oder  unterhalb  Dölzschen  (Teltschen),  unmittelbar  über  dem  Syenit,  auf- 
gefunden, oder  kommen  als  Steinkerne  in  dem  Quader-Sandsteine  von  Oberhässlich  bei  Dippoldiswalde  vor. 

Von  Caprotina  semistriata  sind  Steinkerne  nur  aus  den  sandigen  Conglomeratschichten  an  dem  westlichen  Ende  des 
Tunnels  von  Oberau  an  der  Leipzig-Dresdener  Eisenbahn  bekannt,  welche  unmittelbar  auf  Gneiss  auflagern.1)  Die  Hippuriten- 
schichten  Böhmens,  welche  sich  gleichfalls  als  Localbildung  dem  unteren  Quader  anschliessen,  sind  von  Reuss,  böhm.  Kreidef. 
IL  pag.  118,  genauer  beschrieben  worden. 

Einige  der  darin  vorkommenden  Arten  sind  mit  unseren  Arten  identisch. 

Raäiolites  Lamarck  1801.     (Sphaerulites  de  la  Metherie,-)  1805.) 

„Schale  am  Grunde  aufgewachsen,  dick,  aus  sechseckig-prismatischen  Zellen  gebildet,  oft  fast  faserig, 
meist  sehr  ungleichklappig,  runzelig-blätterig,  auch  längsrippig ;  Unterklappe  unregelmässig  cylindrisch  -  oder 
umgekehrt  kegelförmig,  mit  einer  Seite  oder  dem  Ende  aufgewachsen,  oft  mit  einer  auch  durch  Biegung  der 
Querstreifen  ausgezeichneten  Längsfurche ;  die  trichterförmige  Höhle  glatt  oder  fein  quergestreift,  in  der 
hinteren  Hälfte  mit  2 — 3  oder  mehr  senkrechten  Leistchen  ;  der  Rand  mit  ästig-strahligen  Fasern  (Grund- 
lagen der  Zellenstructur). 

Die  Oberklappe  kleiner,  niedriger,  kegelförmig  bis  flach,  mit  mittelständigem  Scheitel,  dick,  blätterig, 
mit  einer  vom  Scheitel  zum  Rande  ziehenden  Furche,  innen  niedrig  kegelförmig  ausgehöhlt,  ohne  äussere 
Oeffnungen  und  Kanäle.  Der  Kern  (Birostrites  und  Jodamia)  aus  zwei  sehr  ungleich-grossen,  unter  stum- 
pfem Winkel  gegen  einander  geneigten,  unregelmässigen  Kegeln  bestehend,  welche  beiden  Klappen  ent- 
sprechend, öfters  mit  undeutlicher  Querstreifung. 

Aus  der  Höhle  der  Deckelklappe  ragt  halbkreisförmig  ein  Zahnapparat  weit  senkrecht  in  die  der 
Unterklappe  herab,  fast  parallel  mit  der  Biegung  der  Wand,  innerhalb  welcher  er  steht,  doch  in  der  Mitte, 
welche  sich  senkrecht  in  zwei  mächtige  Zähne  verlängert,  mehr  als  an  den  Seiten  von  derselben  entfernt 
und  die  beiden  Seitenflügel  mehr  oder  weniger  vom  Boden  abgelöst.  Diese  beiden  Zähne  gleiten  an  zwei 
senkrecht  stehenden  Leisten  der  Seitenwände  der  Unterklappe  wie  in  zwei  Nuthen  so  herab,  dass  nur  eine 
verticale  Schiebung  der  Oberklappe  bewirkbar  ist,  ein  deckelartiges  Oeffnen  und  Schliessen  am  Charuier 
aber  unmöglich  wäre.  Die  zwei  Flügel  des  Zahnapparates,  welche  auf  ihrer  äusseren  Fläche  oft  senkrecht 
gestreift  sind,   legen   sich   sehr  nahe   an   die  ähnlich  gestreiften  Seiten  der  Unterklappe  an."     (Nach  Bronn.) 

1.     R.  Saxoniae   A.  Rom.  sp.   —  Taf.  37.  Fig.  5  —  9. 

1839.    Sphaerulites  Saxonicus  Gein.  Char.  I,  pag.  18.  Taf.  7,  fig.  2  a.  b. 

1841.     Sphaerulites  Saxoniae  A.  Römer,  Norddeutsche  Kreideg.  pag.  35.  Taf.  7,  fig.  1. 

1846.    Hippurites  (Sphaer.)  Saxoniae  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II,  pag.  54. 
1849—1850.    Bad.  Saxoniae  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  218. 

Die  Unterklappe  (Fig.  5 — 7)  ist  verkehrt-kegelförmig  oder  trichterförmig,  meist  gerade,  zuweilen 
etwas  gewunden,  und  mit  zahlreichen  gerundeten  Längsrippen  versehen,  die  sich  nach  oben  durch  Spaltung 
vermehren   und  durch  schmälere  Zwischenfurchen  getrennt  sind.     Ueber  beide  laufen  hier  und  da  zuweilen 


1)  Vgl.  das  geognostische  Profil  eines  Theils  des  Tunnels  zu  Oberau,  in  Geinitz,  Charakteristik,  Taf.  A. 
-)  D'Orbigny  schreibt:  Delametrie,  Stoliczka:  de  la  Merth. 


—     171     — 

kragenförmige  Anwachsstreifen  hinweg.  Die  innere  Wandung  ist  glatt  oder  fein-quergestreift,  mit  Ausnahme 
ihres  oberen  Randes,  der  bei  Steinkernen  einen  strahlig-gerippten  Rand  hinterlässt  (Fig.  8,  9). 

Man  hat  zuweilen  solche  Reste  von  Steinkernen,  an  welchen  die  Ausfüllungsmasse  der  kegelförmigen 
Unterschale  abgebrochen  war,  für  den  Abdruck  der  Deckelschale  gehalten  (Gein.  Char.  pag.  18.  Taf.  7,  fig.  2  b). 

Deckelschalen  lassen  sich  nur  unsicher  auf  diese  Art  zurückführen ;  soll  man  aber  auf  Grund  der 
Verwandtschaft  das  R.  Saxoniae  mit  R.  Sauvagesi  (d'Orb.  Pal.  fr.  IV.  pag.  211.  PL  553)  einige  bei  Plauen 
vorkommende  Fossilien  als  die  Deckelschalen  des  R.  Saxoniae  ansprechen,  so  haben  sie  eiue  kappenförmige 
Gestalt  von  nahezu  elliptischem  Umfange  mit  einem  dem  schmalen  Ende  genäherten  stumpfen  Scheitel 
besessen. 

Au  den  Steinkernen  der  unteren  Schale  findet  sich  stets  auf  der  einen  Seite  des  Kegels  eine  schmale 
Längsfurche  vor  (Fig.  9),  die  einer  inneren  Leiste  entspricht,  wie  sie  in  einer  ganz  ähnlichen  Weise  auch  an 
R.  Sauvagesi  aus  dem  senonen  Kreidemergel  von  Osterfeld  in  Westphalen  beobachtet  wird. 

Nahe  verwandt  mit  unserer  Art  ist  ferner  Rad.  Suevieus  Lundgren  aus  der  oberen  Kreide  von 
Schonen,  von  welchem  B.  Lundgren  J)  eine  ganze  Reihe  von  Entwicklungsstufen  der  Unterschale  be- 
schrieben hat. 

Vorkommen:  Einzeln  oder  gruppenweise  im  untersten  Pläner  von  Koschütz  und  Plauen,  beson- 
ders in  der  Nähe  des  Forsthauses,  als  Steinkerne  im  unteren  Quadersandsteine  von  Oberhässlich  bei  Dippol- 
diswalde ;  nach  Reuss  in  dem  Hippuritenkalke  von  Grossdorf  und  Wodoka  in  Böhmen. 

2.     R.  Germari  Gein.  —  Taf.  37.  Fig.  10—13. 

1839—1840.    Spliaerulites  ellipticus  und  Hippurites   Germari   Gein.  Char.    pag.  17,  59,  60.   Taf.  7,  fig.  1   c.  d.  e.  f.    (nicht 
a.  b.),  Taf.  9,  fig.  4,  5.  Taf.  14,  fig.  3—5.  Taf.  16,  fig.  23  (nicht  22).  Taf.  19,  fig.  11. 

1846.     Hipp,  ellipticus  u.  Kipp.  Germari  Reuss,  hökm.  Kreidet  II,  pag.  55.  Taf.  45,  fig.  13,  14,  15. 
1849—1850.    Sphaer.  eil.  u.  Sph.  Germari  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  218. 

Nach  Ausscheidung  der  zu  Acmaea  Plauensis  Gein.  gehörenden  Schalen  (Char.  Taf.  7,  fig.  1  a,  b, 
und  Taf.  16,  fig.  22)  erscheint  eine  Trennung  des  R.  Germari  und  R.  ellipticus  nicht  mehr  räthlich.  Die 
Veranlassung,  dass  diese  Schalen  früher  als  Deckeischalen  des  Sphaerulites  ellipticus  beschrieben  worden 
sind,  gab  die  ihnen  allerdings  sehr  ähnliche  Deckelschale,  welche  auf  dem,  Taf.  37.  Fig.  12  abgebildeten 
Exemplare  noch  aufliegt,  indess  entspricht  ihr  Umfang  nicht  einer  Ellipse,  sondern  der  Fig.  12  a  gezeich- 
neten Linie. 

Die  Unterklappe  ist  verlängert  kegelförmig,  mehr  oder  weniger  comprimirt  und  meist  nur  wenig, 
zuweilen  jedoch  hakenförmig  gekrümmt  (Fig.  11).  Ihr  Querschnitt  nähert  sich  einem  oft  verbogenen 
Ellipsoid.  Die  Schale  ist  dicht  mit  Anwachslinien  besetzt,  lässt  aber  besonders  auf  ihrer  Innenseite  durch 
engstehende  Längsstreifen  die  faserige  Structur  erkennen. 

Aeussere  Längsfurchen,  wie  sie  die  Gattung  Hippurites  besitzt,  sind  nicht  vorhanden,  wohl  aber 
bemerkt  man  bei  mehreren  Exemplaren  einige  innere  Längsleisten,  welche  zum  Theil  durch  unregelmässige 
Querscheidewände  mit  einander  verbunden  sind  (Fig.  13). 

Die  Oberklappe  (Deckelschale)  entspricht  auch  in  dem  Fig.  10  gezeichneten  Exemplare  dem  Quer- 
schnitte der  Unterklappe  Fig.  12  a,  ist  unregelmässig  gewölbt,  diagonal  gekielt  und   mit  einem  seitwärts  ge- 

')  Om  Rudister  i  Kritformationen  i  Sverge,  Lund,  1870. 


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legenen,   niedergedrückten  Scheitel  versehen,  nach  welchem  inmitten  der  concentrischen  Anwachslinien  feine 
radiale  Linien  laufen. 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  der  Muschelfelsen  bei  Koschütz  und  bei  Oberhässlich, 
im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  in  dem  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  bei  Bilin. 

3.  R.   polyconilites   d'Orb.  —  Taf.  38.  Fig.  2,  3. 
1842.     D'Orbigny,  Ann.  des  sc.  nat.  pag.  182. 

1847.     D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  IV,  pag.  203.  PI.  547. 

Zu  d'Orbigny's  Beschreibung  und  Abbildung  Fig.  1  scheint  eine  Unterklappe  von  kreiseiförmiger 
Gestalt  und  rundlichem  Querschnitte  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  der  Koschützer  Muschelfelsen  zu 
passen,  die  mit  einer  starken  Längsfurche  versehen  und  mit  gedrängt  liegenden,  etwas  blätterigen  Anwachs- 
streifen bedeckt  ist,  an  welchen  die  faserige  Textur  unter  der  Loupe  noch  erkennbar  ist. 

Die  Taf.  38.  Fig.  2  und  3  abgebildeten  Steinkerne  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Ober- 
hässlich treten  der  Abbildung  von  d'Orbigny  a.  a.  0.,  Fig.  3,  so  nahe,  dass  man  sie  ohne  Bedenken  damit 
vereinigen  kann.  Dieselben  zeigen  eine  grössere  Anzahl  ungleich-langer,  zusammengedrückter  und  daher 
kantiger  Kegel  oder  Pyramiden,  die  von '  einer  gemeinschaftlichen  glatten  Fläche  aus  dem  unteren  spitzen 
Ende  zulaufen  und  den  inneren  Höhlungen  dieser  Klappe  entsprechen.  Die  Deckelschale  ist  uns  nicht  be- 
kannt, nähert  sich  aber  nach  d'Orbigny's  Abbildung,  1.  c.  fig.  1,  2,  der  Taf.  38.  Fig.  1  als  Rad.  agaricifornris 
abgebildeten  Schale,  von  welcher  sie  sich  jedoch  durch  einen  seitlichen  Einschnitt  unterscheidet. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Oberhässlich  und  vielleicht  von  Koschütz. 
D'Orbigny  citirt  diese  Art  aus  cenomanen  Schichten  von  ile  Madame,  ile  d'Aix,  Fourras  und  Nancras  (Cba- 
rente-Inf.),  Angouleme  und  Cognac  (Charente). 

4.  R.   agaricif ormis   de  la  M6th.  sp.  —  Taf.  38.  Fig.  1. 

1805.  Spliaerulites  agaricif  ormis  de  la  Metherie. 

1826.  Sph.  foliacea  Desmoulins,  Essai  sur  les  Spherulites,  pag.  103. 

1834 — 1840.  Hippurites  agariciformis  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  pag.  300.  Taf.  164,  fig.  1  a.  b. 

1840.  Sphaer.  agar.  Gein.  Char.  II,  pag.  59.  Taf.  9,  fig.  3  (nicht  Taf.  7,  fig.  3). 

1847.  B.  agar.  d'Orbigny,  Pal.  fr.  IV,  pag.  200.  PI.  544,  545. 

1849—1850.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  216. 

1851—1852.  Desgl.  Bronn,  Leth.  geogn.  V,  pag.  258.  Taf.  31,  fig.  6. 

Es  folgt  hier  eine  neue  Abbildung  derselben  Deckelschale  aus  den  Conglomeratschichten  am  Tunnel 
bei  Oberau,  die  schon  Char.  Taf.  9,  fig.  3  vorgelegen  hat,  nachdem  sie  zum  grossen  Theile  von  den  darauf 
befindlichen  fremdartigen  Körpern  befreit  worden  ist. 

Diese  ziemlich  flache  Deckelklappe  oder  Oberschale  hat  einen  elliptischen  Umfang  von  35  Mm. 
Länge  und  28  Mm.  Breite,  und  ist  mit  blätterigen  Anwachsringen  bedeckt,  auf  welchen  gedrängt  liegende, 
feine,  radiale  Linien  unter  der  Loupe  sehr  deutlich  hervortreten.  Der  fast  flache  Scheitel  liegt  in  der  Mitte. 
Eine  Unterklappe  ist  in  dem  Elbthale  bis  jetzt  noch  nicht  gefunden  worden. 

Das  Char.  Taf.  7.  Fig.  3  zu  dieser  Art  gezogene  Fossil  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von 
Bannewitz  ist  ebenso  auf  einen  zersetzten  Fischwirbel  zurückzuführen,  wie  die  von  F.  Römer  in  der  Geologie 
von  Oberschlesien  S.  334.  Taf.  26.  Fig.  6,  7  zu  Sphaerulites  Saxoniae  gestellten  Formen.  . 

Vorkommen:  Selten  in  den  unteren  cenomanen  Ablagerungen  Sachsens,  zu  welchen  die  sandigen 
Conglomeratschichten  in  dem  Tunnel  von  Oberau  gehören ;    nach  d'Orbigny  in  gleichalterigen  Schichten  von 


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ile  Madame,  Fourras,  Marennes,  Nancras,  Pons  (Charente),  Perigueux  (Dordogne),  Chinou  (Indre-et-Loire)  in 
Frankreich. 

Caprotina    d'Orb.  1842. 

„Schale  aufgewachsen,  dickwandig,  blätterig,  sehr  ungleich-klappig,  in  der  Jugend  Exogyren-förmig. 
Unterklappe  in  der  Jugend  gewunden,  später  gerade  oder  nur  etwas  schief,  mit  seitlicher  Rinne.  Oberklappe 
gewöhnlich  kleiner,  gewölbt,  mit  seitlichem,  eingewundenem  Wirbel  und  einer  der  in  der  unteren  entsprechen- 
den Schlossfurche ;  beide  ohne  innere  Canäle.  Kein  Schlossband ;  aber  ein  grosser  Zahnapparat,  und  in  jeder 
Klappe  2  Muskeleindrücke.  In  der  Unterklappe  sind  innen  am  hinteren  oder  Schlossrande  2,  später  immer 
zahlreicher  werdende  kreiseiförmige  Vertiefungen;  der  Vordertheil  der  inneren  Höhle  ist  beharrlich  durch 
eine  Längswand  in  zwei  getheilt.  Oberklappe  im  Hintertheile  anfangs  mit  zwei  starken  vorstehenden,  doch 
ungleichen  und  vom  Rande  entfernt  stehenden  Zähnen,  welche  in  zwei  kreiseiförmige  Gruben  der  unteren 
einpassen,  während  die  Leisten  der  letzten  zwischen  diese  Zähne  eintreten  und  so  eine  Art  Schloss  entsteht, 
welches  weit  nach  hinten  liegt;  der  Vordertheil  stellt  eine  einfache,  zwei-  oder  dreitheilige  Höhle  dar. 
Oberfläche  glatt,  blätterig,  gerippt,  gefurcht  oder  gestreift.  Textur  wie  bei  Badiolites,  von  dem  sie  sich, 
namentlich  durch  ihren  seitlich  gelegenen  und  selbst  etwas  Spiralen  Wirbel  der  Oberschale  unterscheidet.'' 
(Nach  d'Orbigny  und  Bronn.) 

1.     C.   semistriata   d'Orb.  —  Taf.  38.  Fig.  4—6. 

1839.     Caprina  semistriata  d'Orbigny,  Revue  cuvierienne,   pag.  169  (seq.  d'Orbigny). 
1839—1842.    Sphaerulites  cylindracea   Gein.  Char.   pag.  18.   Taf.  8,   flg.  6;   Biceras  Saxonicum   Gein.  eb.  pag.  18.  Taf.  8, 
fig.  1  a.  b.  c. ;  Diceras  falcatum  Gein.  eb.  pag.  18.  Taf.  8,  flg.  2;  Hippurites  Saxonicus  Gein.  eb.  Taf.  19,  flg.  15. 

1846.  Hippurites  falcatus  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II,  pag.  55.  Taf.  45,  fig.  16. 

1847.  C.  semistriata  d'Orbigny,  Pal.  fr.  IV,  pag.  244.  PL  594. 

1849—1850.    Hipp,  falcatus  und  Cliama  Saxonica  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  218,  206. 
1851—1852.     C.  semistriata  Bronn,  Letb.  geogn.  V,  pag.  260.  Taf.  31  \  fig.  7. 

Nach  d'Orbigny  ist  die  Schale  unregelmä'ssig  und  sehr  ungleichklappig.  Die  Unterklappe  ist  schief 
—  und  stumpf  —  kegelförmig,  ungleich,  —  und  grob  —  längsgestreift.  Die  Oberschale,  welche  oft  weit 
grösser  als  die  untere  wird,  ist  stark  gewölbt,  glatt,  und  krümmt  sich  mit  ihrem  Wirbel  stark  nach  unten. 
Im  Innern  der  Unterschale  sind  die  beiden  kreiseiförmigen  Aushöhlungen  ziemlich  tief  und  vom  Rande  ent- 
fernt, in  der  Oberschale  erreichen  die  Schlosszähne  eine  enorme  Grösse.  Sie  stossen  an  verticale  Leisten  an 
und  begrenzen  mit  diesen  drei  kegelförmige  Höhlungen,  eine  grosse  und  zwei  kleine  seitliche.  Diese  Höhlen 
bilden  an  Steiukernen  eine  gleiche  Anzahl  von  kegelförmigen  Abgüssen. 

Unter  Vergleichung  der  instructiven  Abbildungen  von  d'Orbigny,  welche  auch  in  der  Lethaea  auf- 
genommen worden  sind,  ist  es  wohl  kaum  zweifelhaft,  dass  unsere  früher  so  unsicher  gedeuteten  Steinkerne 
dieser  Art  angehören.  So  würde  die  Abbildung  Taf.  38.  Fig.  6  (=  Char.  Taf.  8.  Fig.  1  a,  b  in  umgekehrter 
Stellung)  von  einer  Unterklappe  herrühren  können.  Der  kleine  Seitenkegel  bei  a,  welcher  auf  seiner 
äusseren  Seite  mit  einer  tiefen  Längsfurche  versehen  ist  und  an  einen  zungenförmigen  Muskeleindruck  b  an- 
grenzt, der  in  Char.  Taf.  8.  Fig.  1  a,  b  noch  besser  hervortritt,  dürfte  einer  jener  beiden  kreiseiförmigen 
Gruben  entsprechen. 

An  dem  Char.  Taf.  19.  Fig.  15  und  in  Reuss,  1.  c.  Taf.  45.  Fig.  16  abgebildeten  Exemplare  tritt 
noch  die  grobe  Längsstreifung  der  Unterschale  als  Abdruck  hervor  und  es  mögen  manche  Bruchstücke  von 


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ihr,  die  in  dem  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  gefunden  werden,  mit  den  oft  ähnlichen  Schalen  des  Spondy- 
lus  striatus  verwechselt  worden  sein,  welcher  dort  gleichfalls  vorkommt. 

Dagegen  beziehen  sich  unsere  früheren  Abbildungen  in  Char.  Taf.  8.  Fig.  1  c,  2  b  wohl  auf  Stein- 
kerne der  oberen  Klappe.  Ihre  Aehnlichkeit-  mit  d'Orbiguy's  Abbildung  PI.  594.  Fig.  6  tritt  in  der  jetzigen 
Abbildung  Taf.  38.  Fig.  5  weit  besser  hervor  als  in  jenen. 

Der  noch  vollständigere  Steinkern  einer  Oberklappe  aus  dem  Hippuritenkalke  von  Kutschlin,  Taf.  38, 
Fig.  4  a,  b,  verbürgt  ihre  Identität  noch  mehr  durch  das  Vorhandensein  eines,  gleichfalls  mit  einer  breiten 
Längsfurche  versehenen  hohen  Seitenkegels. 

Vorkommen:  In  den  sandigen  Conglomeratschichteu  des  Tunnels  von  Oberau,  welche  den  unteren 
Quadersandsteiu  vertreten,  und  in  dem  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  bei  Bilin  in  Böhmen  ;  nach  d'Orbigny 
in  den  unteren  cenomanen  Schichten  Frankreichs  bei  Mans  (Sarthe),  ile  d'Aix,  ile  Madame,  Fourras  (Cha- 
rente-Inf.),   etc. 

2.     C.    Plauens  is   Gein.  —  Taf.  38.   Fig.  7. 
1849—1850.     Chamo,  Flauensis  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  206.  Taf.  11,  tig.  10,  11. 

Die  Unterschale  gleicht  der  einer  Exogyra  Columba,  nur  ist  ihr  Wirbel  oder  Schnabel  nicht  spiral 
eingerollt,  sondern  stielartig  verlängert  und  an  seinem  Ende  an  fremden  Körpern  angeheftet.  Derselbe  ist 
ferner  auf  der  inneren  Seite  seiner  Biegung  mit  einer  deutlichen  Längsfurche  versehen.  Die  Oberfläche  ist 
mit  ungleichen  Längsstreifen  dicht  bedeckt,  welche  die  Dicke  eines  Pferdehaares  kaum  übertreffen. 

Die  Oberschale  ist  schief,  quer-oval,  längs  ihrer  Mitte  wulstförmig  gewölbt,  daneben  niedergedrückt 
und  besitzt  einen  niedrigen  Wirbel,  welcher  nahezu  mit  der  vorerwähnten  Längsfurche  der  Unterschale 
zusammenstösst.     Sie  ist  mit   ähnlichen   ausstrahlenden   Linien    oder   Streifen,   wie   die   Unterschale   bedeckt. 

Vorkommen:    Von  30  Mm.  Länge  und  25  Mm.  Breite  selten  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

2.  Farn.     Ostracidae. 

Ostrea  Lam.  Auster. 

Beide  Schalen  sind  un regelmässig,  ungleichseitig  und  blätterig.  Die  untere  ist  theils  ganz,  theils 
nur  mit  einer  kleinen  Stelle  aufgewachsen,  wird  dickschaliger  als  die  obere,  und  ihr  Wirbel  verlängert  sich 
mit  zunehmendem  Alter  nach  vorn  oder  nach  der  linken  Seite  hin.  Die  obere  oder  Deckelschale  ist  gewöhnlich 
flacher,  dünner  und  ihr  Wirbel  kürzer.  Das  zahnlose  Schloss  besteht  in  beiden  Schalen  aus  einer  quer- 
gestreiften, meist  dreieckigen  Fläche,  welche  sich  in  eine  mittlere  vertiefte  dreieckige  Bandgrube  und  zwei 
dieselbe  wulstförmig  begrenzende  Theile  abschneidet.  Der  grosse  Muskeleindruck  nähert  sich  der  Mitte 
der  Schale. 

1.     0.  carinata  Lam.  1819.  —  Taf.  39.  Fig.  6—11. 

1834.  Goldfuss  Petr.  Germ.  II.  pag.  9.  Taf.  74.  fig.  6. 

1839.  Gein.  Char.  I.  pag.  19. 

1841.  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  45  z.  Th. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  er.  III.  pag.  714.  PI.  474. 

1846.  Gein.  Grundr.  pag.  478  z.  Th. 

1846.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  IL  pag.  38  z.  Th. 

1849—1850.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  196. 


—      175     — 

1350.     D'Orbigny,  Prodi',  de  Pal.  II.  pag.  170. 
1863.     Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  724. 

1868.    Gümbel,   Geogn.    Beschr.    d.    Königreichs   Bayern    II.     —  Desgl.    in   Abh.   d.    1c.  bayer.    Ak.,    II.  Cl.    X.  Bd. 
2.  Abth.  pag.  60. 

1870.  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  pag.  333. 

1871.  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  South  India,  Pelecypoda,  468.  PI.  48,  fig.  5. 

Die  schmale  langgestreckte  Schale  ist  bogenförmig  gekrümmt  und  in  der  Nähe  des  Wirbels  nach 
inks  hin  flügelartig  ausgebreitet  und  aufgewachsen  (Fig.  7),  übrigens  stark  comprimirt,  mit  um  so  steiler 
abfallenden  Seitenflächen,  je  älter  sie  ist.  Aus  der  schmalen,  oft  kielförmigen  Rückenseite  (Fig.  6,  9)  ent- 
springen die  zahlreichen  dachförmigen  Falten  in  einem  durch  sich  wiederholende  Gabelung  unterbrochenen 
Kiele,  erheben  sich  an  der  Kante  des  Rückens  meist  zu  einem  spitzen  Höcker  und  laufen  von  hier  aus  in 
gleicher  Stärke  bis  an  den  Rand,  wo  sie  mit  den  Falten  der  anderen  Schale  unter  spitzen  Winkeln  ineinander- 
greifen (Fig.  6).  Hier  und  da  bilden  sich  auch  Höcker  auf  den  Falten  der  Seitenflächen  aus.  Die  auf  dem 
seitlichen  Flügel  oder  in  dessen  Nähe  befindlichen  Falten  erhalten  nicht  selten  durch  stärkere  Anwachs- 
schichten  unregelmässig  gebogene  stachelförmige  Verlängerungen,  welche  zur  Befestigung  der  Schale  gedient 
haben  (Fig.   7). 

Auf  der  inneren  Fläche  der  Schale,  sowie  an  den  Steinkernen  sind  die  seitlichen  Falten  mehr  oder 
minder  angedeutet,  Abdrücke  der  Schalen  im  Quadersandsteine  bezeichnen  die  Arbeiter  oft  als  „versteinerte 
Raupen. "  Der  längliche  Muskeleindruck  breitet  sich  an  dem  Anfange  jenes  seitlichen  Flügels  aus,  die  drei- 
eckige Randgrube  krümmt  sich  deutlich  nach  links,  also  diesem  Flügel  zu  (Fig.  7). 

Schon  an  jungen  Exemplaren  (Fig.  8  —  11)  spricht  sich  der  Charakter  der  Art  meist  sehr  deutlich 
aus.  wenn  auch  ihre  relative  Länge  sehr  variirt  und  der  Seitenflügel  mitunter  nicht  so  deutlich  hervortritt. 
Die  kleinen  Schalen  sind  in  der  Regel  noch  sehr  flach  und  ihre  Rippen  oft  nur  durch  eine  starke  seitliche 
Einkerbung  angezeigt. 

Eine  nahe  verwandte  Art  ist  Ostrea  macroptera  Sow.  des  Neokom,  die  sich  indess  durch  grössere 
Länge  der  Schale  und  entfernter  liegende  Falten  unterscheidet,  welche  auf  der  Rückenseite  weniger  hervorzu- 
treten pflegen,  als  bei  der  0.  carinata.  In  dieser  Beziehung  entspricht  sie  weit  mehr  den  Jugendzuständen 
dieser  Art,  in  ähnlicher  Weise  etwa,  wie  der  Salamander  dem  Kaulquappenzustande  des  Frosches. 

Die  in  jüngeren  Schichten  sie  vertretende  Ostrea  frons  Park,  welche  oft  damit  verwechselt  worden 
ist,  unterscheidet  sich  durch  das  Fehlen  oder  die  nur  geringe  Ausbildung  des  vorderen  Flügels  und  geringere 
Compression  der  Schale. 

Vorkommen:  Diese  Leitmuschel  für  unteren  Quader  oder  cenomane  Schichten  findet  sich  überall 
im  unteren  Quadersandsteine,  bei  Koschütz,  an  der  Prinzenhöhe  (Bannewitz  und  Klein-Naundorf),  goldenen 
Höhe  (Welschhufa),  bei  Golberoda,  Oberhässlich  bei  Dippoldiswalde,  und  bei  Niedergrund  an  der  Elbe  (pag.  63), 
im  Grünsande  des  Elbstolles  zwischen  Zaukeroda  und  Priessnitz,  in  dem  Bohrloche  der  Dresdener  Papier- 
fabrik bei  366'  Tiefe  (s.  pag.  14),  und  im  Tunnel  bei  Oberau,  im  unteren  Pläner  bei  Plauen,  namentlich  an 
der  Frohbergsburg  (pag.  11)  wo  sie  mit  Ostrea  diluviana  zusammen  ganze  Bänke  bildete,  Koschütz,  Dölzschen, 
am  Gamighügel  bei  Leubnitz  u.  s.  w.  —  Sie  findet  sich  im  unteren  Quadersandstein  von  Tyssa,  Pankratz, 
und  im  unteren  Pläner  Böhmens,  in  den  sandigen  cenomanen  Schichten  bei  Leobschütz,  Sabschütz  und 
Hotzenplotz  in  Oberschlesien  (nach  F.  Römer),  in  cenomanen  Schichten  bei  Lahn  in  Schlesien,  in  dem  Grün- 
sandsteine von  Regensburg  (nach  Gümbel),   in  cenomanen  Schichten  Frankreichs  auf  ile  d'Aix,   bei  Villers, 


—      176     — 

Havre,  Source-Salee,  le  Mans,  St-Sauveur,  la  Malle,  Eaulx  (B.-Alpes)  etc.  (nach  d'Orbigny),  in  der  Ootatoor- 
und  Trichonopoly-Gruppe  Süd-Indiens  bei  Veraghoor,  Coonum  etc.  (nach  Stoliczka). 

2.     0.  diluviana  L.  1767.  —  Taf.  39.  Fig.  1—5. 

1827.    NilssoD,  Petr.  Suec.  pag.  32. 

1834.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  11.  Taf.  75,  fig.  4. 
0.  pectinata  Goldf.  eb.  pag.  9.  Taf.  74,  fig.  7. 

1839.     0.  diluviana  Gein.  Char.  I.  pag.  19. 

1841.  0.  macroptera  A.  Römer,  Nordd.  Kreideg.  pag.  45  z.  Th. 

1842.  0.  Hübleri,  0.  plicato-striata  u.  0.  macroptera  Gein.  Char.  III.  pag.  85.  Taf.  21,  fig.  12,  14,  15. 

1843.  0.  diluviana  d'Orbigny,  Pal.  fr.  t.  er.  III.  pag.  728.  PI.  480. 
1846.    Desgl.  Gein.  Grundr.  pag.  478. 

1846.    Desgl.  Rcuss,  böhm.  Kreidef.  IL  pag.  38.  Taf.  30,  fig.  16,  17;  Taf.  41,  fig.  1;  Taf.  45,  fig.  1. 
1849—1850.    Desgl.  Gein.  Quad.  Deutsch],  pag.  198. 

1850.     0.  Carantonensis,  0.  diluviana  u.  0.  Santonensis  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  170,   171,  198,  255. 

1863.     0.  diluviana  Kunth,  in  Zeitschi',  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  724. 

1868.     0.  diluviana    Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Königreichs  Bayern  II.  2,  pag.  758.    —    Desgl.  in  Abh.  d.  k.  bayer. 
Ak.,  II.  Cl.   X.  Bd.   2.  Abth.   pag.  68. 

1871.    0.  diluviana  Stoliczka,   Cret.  Fauna  of  South  Ind.,   Pelecypoda,   pag.  466.  PI.  46,  fig.  1,  2  ;    PI.  47,  fig.  1,  2. 

Eine  vielgestaltige,  oft  sehr  dickschalige  Art,  in  ihren  typischen  Formen  von  oval-dreiseitigem  Umriss, 
indem  ihre  linke  oder  vordere  Fläche  eine  flache  flügelartige  Ausbreitung  bildet  (Fig.  1,  4),  welche  entweder 
allmählich  in  die  Rückenfläche  verläuft,  oder  durch  eine  mehr  oder  minder  deutliche  Bucht  von  dieser 
geschieden  ist.  Die  Rückenfläche  ist  ein  wenig  gebogen,  oft  hoch  gewölbt  und  fällt  nach  dem  Hinterrande 
oder  rechten  Rande  stärker  ab  als  nach  dem  Flügel  hin.  Die  Oberfläche  beider  Schalen  ist,  soweit  die 
untere  nicht  aufgewachsen  ist,  mit  hohen,  scharfkantigen  Falten  bedeckt,  welche  durch  Anwachsblätter  zick- 
zackförmig  gestreift  sind  und  mit  grossen  spitzen  Zähnen  an  der  Verbindungsebene  beider  Schalen  in 
einandergreifen. 

Oft  ist  ein  grosser  Theil,  selbst  der  Oberschale,  von  Falten  befreiet  und  diese  zeigen  sich  nur  noch 
am  Rande,  oder  fehlen  zum  Theil,  zumal  auf  der  Flügelseite,  auch  da.  Sie  werden  an  manchen  Exemplaren 
nur  durch  vereinzelte  Knoten  ersetzt,  an  anderen  wieder  durch  büschelförmig  ausstrahlende  Streifen.  Im 
Allgemeinen  sind  die  Falten  auf  der  hinteren  convexen  Seite  ansehnlich  grösser  und  constanter,  als  auf  der 
flacheren  vorderen  Seite. 

Die  Unterschale  ist  mit  einer  ziemlich  grossen  Fläche  aufgewachsen  und  lässt  oft  nur  noch  an  ihrer 
rechten  oder  hinteren  Seite  hohe,  senkrecht  aufgerichtete  Falten  wahrnehmen  (Fig.  2,  3),  wodurch  P'ormen 
entstehen,  die  sehr  eng  an  Ostrea  haliotoidea  angrenzen  und  früher  als  0.  Hübleri  Gein.  unterschieden 
worden  sind.  Natürlich  ist  die  Form  der  Oberschale  wesentlich  beinflusset  von  der  Grösse  und  Form  der 
Aufwachsungsfläche  der  Unterschale. 

Der  grosse  Muskeleindruck  liegt  vor  der  Mitte  am  Anfange  der  flügelartigen  Ausbreitung  des 
vorderen  Schalentheiles.  Die  Bandgrube  bildet  ein  schmales  meist  langgezogenes  Dreieck,  welches  sich  mehr 
oder  weniger  nach  der  vorderen  Seite  hin  wendet,  wodurch  in  der  Unterschale  die  Aehnlichkeit  mit  Exogyra 
haliotoidea  noch  mehr  hervortritt  (Fig.  2,  3). 

An  diese  Hauptform,  welche  in  zahllosen  Mengen  bei  Essen  und  Plauen  gesammelt  worden  ist,  schliesseu 
sich  schmälere,  langgestrecktere  Formen  von  Essen  an,  welche  Goldfuss  Taf.  75,  fig.  4  a,  b,  c,  als  0.  diluviana 
und  Taf.   74,  fig.    7   als  0.  pectinata   abgebildet   hat.     Dieselben   bilden   einen  förmlichen  Uebergang  nach 


—     177     — 

0.  carinata  und  0.  frons  Park.  (0.  prionota  und  0.  serrata  Goldfuss  Taf.  74,  fig.  8,  9,1  aus  jüngeren 
Schichten  der  Kreideformation.  Von  der  ersteren  unterscheiden  sie  sich  durch  ihre  breiteren  Falten  und 
geringere  Compression,  sowie  durch  die  kleinere  flügelartige  Ausbreitung,  so  dass  sie  der  0.  diluvicma  näher 
rücken,  als  der  0.  carinata,  womit  sie  d'Orbigny  vereinigt  hat. 

Vorkommen:  Vereinzeltim  unteren  Quadersandsteine  bei  Welschhufa,  Golberoda.  Oherhässlich 
und  Malter  bei  Dippoldiswalde,  in  den  Conglomerat-Bildungen  des  Tunnels  bei  Oberau  und  bei  Zeschnig 
unweit  Hohnstein  (S.  63),  massenhaft  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz,  Dölzschen,  Gamighügel  bei 
Leubnitz  und  Gross-Sedlitz  bei  Pirna.  Im  unteren  Quader  von  Tyssa,  in  den  Hippuritenschichten  und  dem 
unteren  Pläner  von  Bilin  u.  a.  0.  Böhmens ;  im  unteren  Quader  zwischen  Löwenberg  und  Hirschberg  u.  a.  0. 
in  Schlesien,  in  dem  Grünsandsteine  von  Regensburg,  in  grossen  Mengen  in  dem  Grünsande  von  Frohn- 
hausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  in  cenomanen  Schichten  Frankreichs  bei 
le  Mans,  Be  Madame,  in  turonen  bei  Uchaux  und  Beausset  und  in  senonen  Schichten  (0.  Santonensis  d'Orb.). 

Die  in  der  oberen  Kreide  von  Schonen,  bei  Baisberg  und  Carlshamn  etc.  vorkommenden  Exemplare 
stimmen  in  allen  wesentlichen  Beziehungen  mit  jenen  von  Plauen  überein.  Im  südlichen  Indien  hat  Stoliczka 
das  Vorkommen  dieser  Art  bei  Anapaudy  und  Serdamungalum,  Moraviatoor,  Odium  und  Ootatoor  in  der 
Trichonopoly  und  Ootatoor-Gruppe  erwiesen. 

3.     0.  Hippopodium  Nilss.  —  Taf.  39.  Fig.  12—27;  Taf.  40.  Fig.  1—3;  II.  Taf.  8.  Fig.  5—7. 

1827.  Nilsson,  Petrificata  Suecana,  pag.  30.  Taf.  7,  fig.  1. 

1834.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  IL  pag.  23.  Taf.  81,  fig.  1. 

1837.  Hisinger,  Lethaea  Suecica,  pag.  47.  Taf.  13,  fig.  4. 

1839.  0.  Hippopodium  u.  0.  vesicularis  Gein.  Char.  I.  pag.  19. 

1841.  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  46. 

1842.  v.  Hagenow,  in  Leonh.  n.  Jahrb.  pag.  546. 

1842.  0.  trapezoiäea  Gein.  Char.  III.  pag.  84.  Taf.  21,  fig.  13. 

1843.  0.  Limae  Gein.  Kieslingswalda,  pag.  17.  Taf.  3,  fig.  18. 

1843.     0.  biauriculata  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  719.  PI.  476,  und 

0.  hippopodium,  pag.  731.  PI.  481,  fig.  4—6;    PI.  482. 
1846.    Gein.  Grundr.  pag.  480. 

1846.  0.  Hippopodium  Eeuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  39.  Taf.  28,  fig.  10—15,  17,  18  ;   Taf.  29,  fig.  1—18  ;   Taf.  30, 

fig.  13—14. 
0.  vesicularis  ib.  pag.  37.  Taf.  29,  fig.  21,  22  ;  Taf.  30,  fig.  1—8. 
0.  trapezoidea  ib.  pag.  40.  Taf.  30,  fig.  9,  10. 
0.  Naumanni  ib.  pag.  41.  Taf.  27,  fig.  48—53  ;  Taf,  28,  fig.  1. 

1847.  0.  vasculum  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soe.  geol.  de  France,  2.  ser.  II.  2.  pag.  312.  PI.  15,  fig.  5. 
1849—1850.     0.  Hippopodium,    0.  trapezoidea,    0.  Limae,    0.  vesicularis  z.  Th.   u.   0.  biauriculata   Gein.  Quad.  Deutschi., 

pag.  200—202. 
1863.     0.  hippopodium  Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.,  pag.  732. 
1868.     O.  vesiculosa  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Königreichs  Bayern,  IL  1.  pag.  710. 
0.  biauriculata  Gümbel,  in  Abh.  d.  k.  baier.  Ak.  X.  2.  pag.  59. 

1870.  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  pag.  317.  Taf.  37,  fig.  7. 

1871.  Gryphaea  vesiculosa  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  South.  India,  pag.  466.  PI.  39,  fig.  1,  2. 

Eine  der  veränderlichsten  Arten,  je  nachdem  sie  mehr  oder  weniger  befestiget  war,  meist  ziemlich 
dünnschalig,  besonders  in  ihrer  Jugend,  oft  von  rundlichem,  querovalem,  oder  trapezoidischem  Umriss,  doch 
auch  länglichoval  oder  sehr  unregelmässig,  vorherrschend  flach,  seltener  stärker  gewölbt. 

Palaeontographica  XX.  5. 


26 


—     178     — 

Die  Unterschale  ist  mehr  nach  der  linken  oder  vorderen  Seite  hin  ausgedehnt,  nach  welcher  Seite 
hin  sich  auch  die  dreieckige  Bandgrube  zu  biegen  pflegt,  die  über  den  kielartigen  Schlossrand  hervortritt 
(Taf.  40.  Fig.  2,  3).  In  beiden  Schalen  läuft  von  der  Schlossfläche  aus  eine  schwielig-gekerbte  Linie  mehr 
oder  minder  weit  an  dem  inneren  Rande  der  Schale  hin.  Der  grosse  Muskeleindruck  liegt  in  der  Regel  vor 
der  Mitte  der  Schale  und  drängt  sich,  je  dicker  die  Schale  wird,  mehr  und  mehr  nach  der  Mitte  derselben 
(0.  biauriculata   Lam.). 

Die  Unterschale  ist  entweder  mit  ihrer  ganzen  Fläche,  zum  Theil  selbst  an  einem  welliggebogenen 
Rande  aufgewachsen  (Taf.  40.  Fig.  2,  3),  oder  sie  ist  es  nur  zum  grösseren  oder  kleineren  Theile,  in  welchem 
Falle  ihr  äusserer  Rand  oft  senkrecht  emporsteht.  Sie  breitet  sich  dann  zu  beiden  Seiten  ihres  Wirbels 
selbst  ohrartig  aus  und  bildet  nach  vorn  hin  einen  grösseren,  nach  hinten  einen  kleineren  Flügel,  welche 
bald  stumpfwinkelig,  rechtwinkelig,  spitzwinkelig  oder  gerundet  sind  (0.  biauriculata  Lam.,  0.  Naumanni 
Reuss  etc.).  Von  typischen  Exemplaren  der  0.  Hippopodium  aus  dem  Grünsande  von  Essen  und  aus  der 
Kreide  von  Schonen  unterscheidet  sich  0.  biauriculata  Lam.  schliesslich  nur  durch  die  mittlere  Lage  des 
Muskeleindruckes,  worauf  in  keinem  Falle  ein  zu  grosses  Gewicht  gelegt  werden  kann.  Man  findet  nicht  nur 
alle  Uebergänge  in  dieser  Beziehung  an  den  Essener  Exemplaren  der  0.  Hippopodium,  womit  wir  sehr 
reichlich  versehen  sind,  sondern  bemerkt  auch  an  einem  typischen  Exemplare  der  0.  biauriculata  von  le  Mans, 
wie  sich  der  Muskeleindruck  mit  Zunahme  der  Schalendicke  mehr  und  mehr  nach  deren  Mitte  gedrängt  hat, 
damit  der  Schliessmuskel  die  stärkeren  Schalen  kräftiger  anziehen  konnte. 

Wenn  die  Unterschale  nur  mit  einer  kleinen  Fläche  in  der  Nähe  ihres  Wirbels  aufgewachsen  war 
(Taf.  39.  Fig.  13 — 17),  so  nimmt  sie  eine  bauchige  Form  an,  wird  oft  wulstförmig  in  die  Breite  gezogen 
(Fig.  14,  17)  und  selbst  diagonal  gekielt,  fällt  nach  dem  vorderen  Flügel  oder  dem  vorderen  Rande  über- 
haupt steil  ab  und  wird  dann  nicht  selten  durch  eine  tiefe  Furche  von  einem  ohrartig  gefalteten  Flügel 
geschieden  (Taf.  39.  Fig.  12).  Das  Thier  bedarf  Raum  zu  seiner  Entwickelung  und  verschafft  sich  denselben 
nach  irgend  einer  Richtung  hin. 

Alle  Abänderungen  kommen  gemeinschaftlich  in  dem  cenomanen  Grünsande  von  Essen  vor  und  sind 
von  einander  unmöglich  zu  scheiden. 

An  jüngeren  Exemplaren  fehlt  eine  solche  Furche  oft  gänzlich  und  ihre  bauchige  Schale  ist  nur  in 
der  Nähe  des  Wirbels  durch  die  Befestigungsstelle  abgestutzt  (Taf.  30.  Fig.  14 — 17),  wodurch  Formen  ent- 
stehen, die  an  Gryphaea  vesiculosa  Sow.  (Min.  Conch.  PI.  369)  sehr  eng  angrenzen.  Exemplare  der  letzteren 
von  le  Havre,  die  ich  Herrn  Hebert  verdanke,  zeigen  an  ihrem  Wirbel  eine  kleine  Befestigungsstelle.  Sie  sind 
etwas  breiter  als  die  Figuren  bei  Sowerby,  entsprechen  am  meisten  unserer  Abbildung  Taf.  39.  Fig.  13,  und 
lassen,  wie  letztere,  sich  füglich  mit  0.  Hippopodium  vereinigen.  Auch  an  ihnen  bemerkt  man  an  der  vorderen 
Seite  eine  deutliche  Furche. 

Die  Oberschale,  deren  Form  durch  jene  der  Unterschale  wesentlich  beinflusst  wird,  ist  in  der  Regel 
sehr  flach,  seltener  stärker  gewölbt.  Im  Allgemeinen  ist  ihre  Oberfläche  glatt,  doch  treten  hier  und  da 
ausser  den  zarten  Anwachslinien  auch  undeutliche  ausstrahlende  Linien  auf  ihrer  Oberfläche  hervor  (Taf.  39. 
Fig.  20;  IL  Taf.  8.  Fig.  5),  wie  sie  auch  Goldfuss,  Taf.  81,  fig.  1  g,  und  d'Orbigny,  PI.  481,  fig.  8, 
angedeutet  haben. 

Trotz  der  uns  unzweifelhaften  Zusammengehörigkeit  von  0.  Hippopodium  Nilss.  und  0.  biauriculata 
Lam.,  sowie  wahrscheinlich  auch  Gryphaea  vesiculosa  Sow.,  empfiehlt  es  sich,  ersteren  Namen  für  die  Art 
aufrecht  zu  erhalten,  da  man  darunter  den  eigentlichen  Arttypus  begreift,  während  0.  biauriculata  und   Gr. 


—     179     — 

vesicidosa  nur  Ausnahrnszustände  und  jugendliche   Formen   der   Art   bezeichnen,    ausserdem   aber   der    Name 
Gr.  vesicidosa  mit  Gr.  vesicularis  sehr  leicht  zu  verwechseln  ist. 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersaudsteine  von  Koschütz,  Bannewitz,  besonders  im  Serpulasande 
der  Prinzenhöhe,  bei  Welschhufa,  Goppeln,  im  Grünsande  des  Tunnels  von  Oberau,  sehr  gemein  in  dem  unteren 
Pläner  von  Plauen,  und  vom  Gamighügel  bei  Leubnitz,  und  fast  in  jedem  Plänerbruche  des  Eibthals,  wie  in 
dem  Mittelpläner  von  Constappel  und  Niederwartha,  wenn  auch  nur  in  jungen  vereinzelten  Exemplaren;  im 
Plänerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla  oft  auf  Spondylus  spinosus  aufgewachsen. 

In  Böhmen  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa,  im  TMittel- Quader  von  Malnitz  und  Lobkowitz, 
und  im  unteren  und  oberen  Pläner,  im  unteren  Quader  und  Pläner  von  Regensburg,  nach  Kunth  im  Pläner 
am  Bober  in  Schlesien,  im  oberen  Pläner  von  Oppeln  in  Oberschlesien  und  im  Grünsandsteine  von  Kieslings- 
walda  (0.  Limae);  im  cenomanen  Grünsande  von  Halberstadt  auf  Siphonien,  im  Plänerkalke  von  Quedlin- 
burg, Neinstedt,  Ahlten,  im  turonen  Grünsande  von  Nolle  bei  Rothenfelde  und  im  senonen  Grünsande  des 
Sudmerberges  bei  Goslar;  im  cenomanen  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen  bis  12  Cm.  gross,  in  der 
Tourtia  von  Gussignies  in  Belgien  (0.  vasculum  d'Arch.),  in  der  weissen  Kreide  von  Lebbin  auf  Wollin  und 
von  Rügen  (neben  0.  Nilssoni  v.  Hag.,  N.  Jahrb.  1842,  pag.  546),  und  in  den  oberen  senonen  Kreide- 
bildungen von  Schonen  bei  Ifö,  Carlshamn  u.  s.  w.,  hier  neben  0.  Marldini  v.  Hag.,  welche  eine  dickschalige 
Abänderung  ist  mit  einer  breiteren  und  geradgestreckten  Bandgrube ;  in  Frankreich  von  cenomanen  bis  in 
senone  Ablagerungen  hinauf ;  in  Südindien  nach  Stoliczka  in  der  Ootatoorgruppe. 

Untergattung   Exogyra   Say.    1819. 

4.     0.  (Exogyra)  lateralis  Nilss.  —  Taf.  41.  Fig.  28—35;   II.  Taf.  8.  Fig.  15-17. 

1813.     Chamo,  eanaliculata  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  26,  flg.  1.  —  Nicht  Ostrea  eanaliculata  Sow.  PL  135,  fig.  1,  2. 

1827.     0.  lateralis  Nilsson,  Petr.  Suec.  pag.  29.   Taf.  7,  fig.  7—10. 

1834.     Desgl.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  24.   Taf.  82,  fig.  1. 

1837.    Desgl.  Hisinger,  Leth.  Suec.  pag.  46.  Tab.  13,  fig.  1. 
1839—1840.    Desgl.  Gein.  Char.  I.  pag.  19,  84. 

1841.     Desgl.  A.  Römer.  Nordd.  Kr.  pag.  46. 

1843.     0.  eanaliculata  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  709.  PL  471,  fig.  4—8. 

1846.     0.  lateralis  Gein.  Grundr.  pag.  480.  Taf.  20,  fig.  22. 

1846.    Exogyra  lateralis  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  42.  Taf.  27,  fig.  38—47. 

1850.     0.  eanaliculata  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  139,  170,  255,  294. 

1863.     0.  lateralis  Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.,  pag.  732. 

1868.     0.  Reussi   Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Königreichs  Bayern,  IL  1.  pag.  769.    —    Abhandl.  d.  k.  bayer.  Ak.  X. 
2,  pag.  59. 

1870.    Exogyra  lateralis  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschles.,  pag.  341.  Taf.  29,  fig.  4,  5. 

1870.  ?  Ostrea  lateralis  Credner,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.,  pag.  228. 

1871.  Exogyra  eanaliculata  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  South.  India,  Pelecypoda,  pag.  463.  PL  48,  fig.  6—8. 

Eine  kleine  dünnschalige  Art,  die  nach  der  Grösse  ihrer  Befestigungsstelle  sehr  variirt  und  durch 
ihre  spiralförmig  eingerollten  Wirbel,  bei  einer  breiten,  mittelständigen,  und  nur  wenig  nach  links  gebogenen 
Bandgrube,  einen  förmlichen  Uebergang  von  Ostrea  im  engeren  Sinne  zu  Exogyra  vermittelt,  was  jedoch  in 
ähnlicher  Weise  auch  für  einige  andere  Ostreen,  selbst  0.  diluviana,  gilt.  Die  länglich-ovale  Unterschale  ist 
ihrer  ganzen  Länge  nach  bauchig  gewölbt,  bald  gerade,  bald  nach  der  linken  wie  auch  nach  der  rechten 
Seite  hin  verlängert,  mit  einem  vorstehenden,  aber  bis  an  den  Schlossrand  zurückgerollten  und  mit  seiner 
Spitze  nach  links  gebogenen  Wirbel  versehen,   an   dessen  linker  Seite  sie  befestigt  ist.     Die  Befestigungs- 


—     180     — 

stelle  breitet  sich  häufig  über  einen  grösseren  Theil  des  linken  Schalenrandes  aus,  woduich  dieser  oft 
senkrecht  abgeschnitten  erscheint  (Taf.  41.  Fig.  28,  30),  während  sich  die  linke  Seite  der  Schale  in  der 
Regel  flügelartig  verlängert  und  durch  eine  nach  dem  Unterrande  laufende  Furche  von  dem  mittleren  Theile 
der  Schale  geschieden  wird  (Taf.  41.  Fig.  28,  31,  32,  33).  Dieser  vielgestaltige,  durch  Befestigung  zum 
Theil  beschnittene  Flügel  ist  in  den  Abbildungen  von  Sowerby,  Nilsson  (Taf.  7.  Fig.  8),  Golöfuss  (Taf.  82. 
Fig.  1  a),  Gümbel  u.  A.  sehr  deutlich  hervorgehoben. 

Der  gegenüberliegende  Schalenrand,  nach  welchem  die  Schale  mit  einer  regelmässigeien  Wölbung 
abfällt,  ist  im  Allgemeinen  gerundet,  das  untere  Ende  der  Schale  ist  häufig  verengt  und  wendet  sich,  wie 
erwähnt,  bald  nach  rechts,  bald  nach  links.  An  der  Obei fläche  treten  neben  feineren  Anwachslinien  auch 
entfernte  blätterige  Anwachsstreifen  hervor,  die  auf  der  inneren  Fläche  der  Schale  noch  als  schmale  kasten- 
förmige Ringe  bemerkbar  sind.     Ein   rundlicher   Muskeleindruck  fällt  in   die    obere  Hälfte  der  linken  Seite. 

Die  Oberschale  ist  flach  und  nicht  selten  vertieft.  Ihre  Form  ist  meist  dreiseitig -oval,  je  nach 
der  Grösse  des  an  der  Unterschale  sich  entwickelnden  Flügels,  welchem  in  di  eser  Schale  nur  ein  gerundeter 
Vorsprung  entspricht  (Taf.  41.  Fig.  34,  35;    IL  Taf.  8.  Fig.  17). 

Sie  besitzt  einen  kleinen,  über  den  Schlossrand  nicht  hervortretenden  Wirbel,  der  sich  an  der  Mitte 
des  Schlossrandes  kaum  erhebt,  jedoch  spiralförmig  gewunden  ist.  Schmale  leistenartige  Anwachsringe  er- 
heben sich  an  den  dünnschaligen  Exemplaren  von  Essen  ziemlich  scharf  und  blätterig,  an  dm  dickschaligeren 
Exemplaren  aus  dem  Pläner  mehr  als  wulstförmige  Ringe  in  regelmässigen  Entfernungen.  Die  Innenfläche 
ist  glatt.     Der  Muskeleindruck  fällt  etwas  über  und  vor  die  Mitte  der  Schale. 

Dass  Chama  canaliculata  Sow.  und  Ostrea  lateralis  Nilss.  zusammenfallen,  hat  zuerst  d'Orbigny 
erkannt;  wir  haben  indess  (schon  Grundr.  pag.  480)  Bedenken  getragen,  den  älteren  Namen  von  Sowerby 
an  die  Spitze  zu  stellen,  weil  dieser  Autor  (Min.  Conch.  PL  135.  Fig.  12)  als  Ostrea  canaliculata  eine  sehr 
verschiedene  Art  beschreibt,  welche  nähere  Verwandtschaft  mit  0.  lunata  Nilss.  als  mit  0.  I  ateralis  Nilss.  zeigt. 

Ostrea  Beussi  Gümbel  ist  in  keiner  Weise  von  0.  lateralis  zu  trennen  ;  ob  auch  GrypJmea  tomer 
Morton x)  aus  dem  Grünsande  von  New  Jersey  damit  identisch  ist,  wie  BT.  Credner 2)  annimmt,  mag  ich 
nicht  verbürgen ;  jedenfalls  ist  sie  ihr  aber  sehr  nahe  verwandt,  wenn  sie  auch  eine  weit  ansthnlichere 
Grösse  erreicht  als  0.  lateralis  in  Europa. 

Vorkommen:  0.  lateralis  beginnt  in  dem  Sächsischen  Elbthale  mit  dem  unteren  Quader  und 
wird  namentlich  in  dem  Serpulasande  der  Prinzenhöhe  bei  Bannewitz  und  in  dem  Pläner  Sandsteine  zwischen 
Rippien  und  Goppeln,  sowie  in  vielen  anderen  Brüchen  des  unteren  Pläners  bei  Leutewitz,  Plauen,  Koschütz, 
Gittersee,  Gamighügel,  Kauscha,  Gross-Sedlitz  häufig  gefunden,  sie  verbreitet  sich  in  den  Mittelpläner  von 
Constappel  und  Priessnitz  in  der  Elbe,  und  den  Plänerkalk  von  Weinböhla  und  Strehlen,  und  wurde  ver- 
einzelt auch  dem  Cottaer  Grünsande  und  dem  oberen  (turonen)  Pläner  von  Kritzschwitz  bei  Pirna  und  ähn- 
lichen Quadermergeln  zwischen  Mittel-  und  Oberquader  in  der  Sächsischen  Schweiz,  z.  B.  am  Königsbrunn 
oder  bei  Lückendorf  in  der  Oberlausitz  unweit    Zittau,  entnommen. 

Ebenso  steigt  sie  in  Böhmen  von  dem  unteren  Quader  und  unteren  Planer  an  diuch  den  Mittel- 
Quader*  und  Pläner  bis  in  die  oberen  Plänermeigel  von  Luschitz  und  senonen  Quadeimergel  von  Kreibitz 
hinauf;    eine  ähnliche  verticale  Verbreitung  hat  Gümpel  für  Bayern    erwiesen,   wir  besitzen   sie  sehr  deutlich 


')    Synopsis  of  the  Organic  Remains,  Philadelphia  1834,  pag.  54.  PI.  9,  fig.  5. 

8)  H.  Credner,  Die  Kreide  von  New  Jersey.    Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.,  1870,  pag.  228. 


-      1S1      — 

aus  dem  oberen  Pläner  oder  Plänerkalk  von  Buchleitner  bei  Söldenau.  F.  Kömer  fand  sie  im  sandigen  grauen 
Mergel  bei  Bladen  in  Oberschlesien,  Beyrich  und  Kunth  in  dem  Pläner  am  Bober,  sie  zeigt  sich  in  dem 
Grünsande  von  Kieslingswalda  im  Glatzischen.  Im  Harze  trifft  man  0.  lateralis  sowohl  in  dem  cenomanen 
Grünsande  an  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg,  als  in  dem  senonen  Grünsande  an  der  Klus  bei  Halber- 
stadt, und  in  dem  Kreidemergel  des  Wahrberges  bei  Ilseburg ;  prachtvolle  Exemplare  liegen  in  grosser 
Menge  aus  dem  cenomanen  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr  vor,  und  sie  zeigt  sich  wieder  in  dem  turonen 
Grünsande  von  Nolle  bei  Rothenfelde. 

Ihre  Verbreitung  in  Frankreich  aus  der  Etage  des  Gault  (Terrain  albien),  durch  alle  Etagen  hin- 
durch bis  in  die  obere  senone  Kreide  hat  d'Orbigny  verbürgt;  die  vollständige  Uebereinstimmung  zwischen 
den  Exemplaren  aus  den  jungen  Kreideschichten  von  Schonen,  wie,,  im  Grünsande  von  Köpingemölla,  mit 
jenen  bei  Essen  vorkommenden  ist  daher  keineswegs  befremdend;  sie  findet  sich  auch  in  dem  Saltholmkalke 
von  Copenhagen  und  in  der  Korallenkreide  von  Faxe  auf  Seeland.  Stoliczka  entdeckte  sie  in  der  Ootatoor- 
Gruppe  des  südlichen  Indien  bei  Odium  und  Illpagoody,  und  in  Amerika  tritt  sie  als  Gryphaea  vomer  in 
dem  Grünsande  von  New  Jersey  auf. l) 

5.     0.  (Exogyra)    Columba2)   Lam.  —  Taf.  40.  Fig.  4—7. 

1768.  J.  E.  J.  Waloh,  die  Naturgeschichte  der  Versteinerungen  zur  Erläut.  d.  Knorr'schen  Samml.,  2.  Th.  1.  Absch. 
Taf.  D.  III.  c.  flg.  1-3. 

1802.     Gryphaea  suborbiculata  Lamarck,  Syst.  des  An.  sans  vertebres,  pag.  398  (seq.  Stoliczka). 

1813.     Gryphites  ratisbonensis  Schlotheim,  in  Leonhard's  Taschenbuch  f.  d.  Min.,  VII.  pag.  105. 

1819.  Gryphaea  Columba  u.  Gr.  plicata  Lamarck,  Au.  sans  vert.  VI.  pag.  198.  (seq.  d'Orbigny). 

1820.  Gryphites  spiratus  Schlotheim,  Petrefactenkunde,  pag.  288  z.  Th. 
1822.     Gr.  Columba  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  383,  fig.  1-4. 

1834.  Exogyra  Columba  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  34.  Taf.  86,  flg.  9. 

1835.  Gr.  Columba  Brongniart,  Descr.  geol.  des  env.  de  Paris,  3.  ed.,  pag.  151,  638.  PI.  N.,  fig.  8. 
1837.     Amphidonte  Columba  Pusch,  Polens  Paläontologie,  pag.  37.  Taf.  5,  fig.  1,  2. 

1839.  Ex.  Columba  Gein.  Char.  I.  pag.  20. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  nordd.  Kr.  pag.  46. 

1843.  Ostr.  Columba  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III.  pag.  721.  PI.  477. 

1846.  Ex.  Columba  Gein.  Grundr.  pag.  481.  Taf.  20,  fig.  19,  20. 

1846.  Desgl.  Reuss,  böhm.  Kr.  II.  pag.  43.  Taf.  31,  fig.  1—4. 

1849—1850.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  202. 

1850.  0.  Columba  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  171. 

1851—1852.  Ex.  Columba  Bronn,  Leth.  geogn.  V.  pag.  270.  Taf.  31,  fig.  10. 

1865.  Ostrea  Columba  Briart  et  Cornet,  Descr.  de  la  Meule  de  Braquegnies,  pag.  46.  PL  4,  fig.  13—15. 

1866.  Ostrea  cf.  Columba  Zittel,  die  Bivalven  der  Gosaugebilde,  pag.  47.  Taf.  19,  flg.  2. 
1868.  OsVr.  Columba  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Königreichs  Bayern,  II.  1. 

1870.  Ex.  Columba  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  pag.  332.  Taf.  26,  fig.  1. 

1871.  Ex.  suborbiculata  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  South.  Ind.  Pelecypoda,  pag.  462.  PL  35,  fig.  1—4. 

Die  tiefe  Unterschale  ist  von  ovalem,  bald  schmälerem,  bald  breiterem  Umfange,  erscheint 
äusserlich  längs  ihrer  Mitte  hoch  gewölbt  und  verlängert  sich  in  einen  mittleren   schlanken  Wirbel,  welcher 


*)  Die  nach  mir  früher  aus  Amerika  zugegangenen  Mittheilungen  in  Quad.  Deutschi.  pag.  202  befindliche  Notiz,  dass 
Gryphaea  vomer  Morton  eine  tertiäre  Art  sei,  beruht  nach  H.  Credner  a.  a.  0.  auf  einem  Irrthum. 

2)  Der  1819  von  Lamarck  gegebene  Name  ist  jetzt  so  eingebürgert,  dass  es  keinen  Vortheil  gewähren  kann,  einen 
älteren  von  dem  Autor  selbst  wieder  aufgegebenen  Namen  an  seine  Stelle  zu  setzen. 


—     182     - 

hakenförmig  vortritt,  stark  niedergebogen  ist  und  plötzlich  dünner  werdend,  sich  mit  einer  Windung  seiner 
Spitze  nach  links  dreht  (Taf.  40.  Fig.  4,  5,  6).  Nur  an  dieser  Spitze,  und  meist  nur  in  ihrer  Jugend,  war 
die  Schale  angeheftet.  Die  Schale  fällt  nach  ihrer  rechten  oder  hinteren  (in  der  Abbildung  linken)  Seite 
regelmässig  gewölbt  ab,  auf  ihrer  vorderen  oder  linken  Seite  aber,  wohin  die  Schnabelkrümmung  gewendet 
ist  meist  weit  steiler,  und  es  wird  letztere  durch  eine  mehr  oder  weniger  deutliche  Längsfurche  begrenzt, 
welche  die  steile  Rückenfläche  von  einem  vorderen,  flach-gerundeten  Flügel  trennt.  In  diese  Furche  fällt 
auf  der  inneren  Fläche  der  Schale  der  Muskeleindruck.  Die  Aussenfläche  der  Oberschale  ist  in  der  Regel 
glatt  und  mit  feinen  Anwachslinien  bedeckt,  sie  lässt  zuweilen,  namentlich  auf  Exemplaren  des  böhmischen 
Mittelquaders  oder  Exogyrensandsteines  von  Malnitz  und  von  Meauene  bei  Lude  (Maine-et-Loir)  braune 
dunkelfarbige  Bänder  wahrnehmen,  die  von  dem  Wirbel  nach  dem  Rande  divergiren. 

Jüngere  Exemplare  zeigen  nicht  selten  faltenartige  Streifen,  die  in  der  Nähe  des  Wirbels  von  dem 
Rücken  aus  nach  den  Seiten  laufen.  (Fig.  6.)  Lamarck  hat  diese  Abänderung  als  GrypJiaea  plicata  unter 
schieden.     (Vgl.  d'Orbigny,  1.  c.  pag.  723.  PI.  477.  fig.  4.) 

Die  Oberschale  ist  flach,  deckelartig,  und  zum  Theil  selbst  vertieft.  Ihr  Umriss  ist  rundlich 
und  ihre  feinen  concentrischen  Anwachslinien  lassen  in  der  Nähe  des  kaum  bemerkbaren  Wirbels  eine  spiral- 
förmige Biegung  wahrnehmen. 

Steinkerne  des  Quadersandsteines  (Taf.  40.  Fig.  7)  sind  glatt,  weniger  stark  gewölbt  und  mit 
einem  kurzen,  nur  wenig  auf  die  linke  Seite  gebogenen  Fortsatze  versehen,  welcher  der  inneren  Fläche  des 
Wirbels  der  Unterschale  entspricht.  Der  grosse  Muskeleindruck  von  beiden  Schalen  tritt  auf  beiden  Flächen 
des  Steinkernes  meist  sehr  deutlich  hervor. 

Vorkommen:  Es  ist  ein  Irrthum,  wenn  man  meint,  dass  Exogyra  Columba  einen  bestimmten 
geologischen  Horizont  bezeichne.  Sie  ist  in  dem  unteren  Quadersandsteine  des  Elbthales  sehr  gemein,  in 
dem  Muschelfelsen  bei  Koschütz,  auf  der  Prinzenhöhe  (bei  Baunewitz  und  Klein-Naundorf),  goldenen  Höhe 
(Goligberg,  Welschhufa),  bei  Eutschütz,  Golberoda,  Oberhässlich  und  Malter  bei  Dippoldiswalde,  Naundorf 
und  Niederschöna  im  Grüllenburger  Walde,  Weissig  auf  dem  rechten  Eibufer ;  findet  sich  im  Plänersand- 
steine  zwischen  Goppeln  und  Rippien,  in  den  conglomeratführenden  Grünsanden  des  unteren  Quaders  im 
Elbstolln  bei  Zaukeroda  und  am  Tunnel  von  Oberau,  seltener  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz  und 
Zuschendorf  bei  Pirna,  häufiger  wieder  im  Mittelquader  von  Gross-Cotta,  Langhennersdorf  und  anderen 
Localitäten  des  Gottleubethales,  ferner  im  Mittelquader  und  Oberquader  der  Sächsischen  Schweiz,  wo  man 
selbst  noch  auf  dem  hohen  Schneeberg  in  Böhmen  verkümmerte  Exemplare  von  ihr  antrifft;  nur  im 
Plänerkalke  von  Strehlen  scheint  sie  zu  fehlen. 

Die  bekannten  Fundorte  für  sie  in  Böhmen,  wie  Tyssa,  Weltrus  und  Pankratz,  in  Oberschlesien  bei 
Nieder-Paulowitz  und  Hotzenplotz  (nach  F.  Römer),  der  Regensburger  Grünsand  in  Bayern,  gehören  dem 
unteren  Quader  an ;  die  Exogyrensandsteine  von  Malnitz  (oder  vom  Postelberge)  in  Böhmen,  und  vom 
Galgenberge  bei  Regensburg,  wo  die  stattlichsten  Exemplare  mit  Schale  vorkommen,  fallen  dem  Mittelquader 
zu,  in  dem  cenomanen  Hippuritenkalke  und  unteren  Pläner  Böhmens  sind  sie  ebenso  sparsam  vertheilt,  wie 
in  Sachsen.  Das  von  Zittel  aus  der  Gosauformation  von  Losenstein  in  Ober-Oesterreich  abgebildete  Exem- 
plar ist  eine  ächte  Exogyra  Columba.  D'Orbigny  hält  sie  für  cenomane  Ablagerungen  Frankreichs  charak- 
teristisch, wo  sie  sich  allerorts  zeigen,  z.  B.  bei  Saumur,  Angers,  Meauene  bei  Lude,  ebenso  wie  in  der 
Meule  von  Braquegnies  in  Belgien,  auch  kommen  sie  bei  Oviedo  in  Spanien  vor. 


—     183     — 

Ihre  Existenz  in  der  Ootatoor-Gruppe  des  südlichen  Indien  bei  Puravoy,  Poodoor  und  Monglepaudy 
ist  durch  Stoliczka  verbürgt, 

6.     0.  (Exogyra)   conica   Sow.  sp.  —  Taf.  40.  Fig.  8—13;    II.  Taf.  8.  Fig.  14. 

1813.  Chama  conica  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  26,  fig.  3;  Chama  recurvata  u.  Gh.  plicata  Sow.  ib.  PI.  26,  fig.  2,  4. 

1829.  Exogyra  conica  Sow.  ib.  PI.  605,  fig.  1—4,  u.  Ex.  undata  Sow.  ib.  PI.  605,  fig.  7—10. 

1834.  Ex.  undata  Goldf.  u.  Ex.  subcarinata  Mim.,  Goldf.,  Petr.  Germ.  II.  pag.  35,  37.  Taf.  86,  fig.  10;  Taf.  87,  fig.  4. 

1839—1842.  Ex.  cornu  arietis,  Ex.  Aquila  u.  Ex.  plicatida  Gein.  Char.  pag.  20,  84. 

1841.  Ex.  subcarinata,  E.  conica  u.  E.  plicatula  A.  Kömer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  47. 

1843.  0.  conica  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  726.  PI.  478,  fig.  5—8  ;  PI.  479,  fig.  1—3. 

1846.  Ex.  plicatula  Keuss,  böhm.  Kreidef.  IL  pag.  44.  Taf.  31,  fig.  5 — 7. 

1849—1850.  Ex.  conica  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  202. 

1850.  0.  conica  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  171. 

1858.  0.  conica  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern,  IL  1.  pag.  758. 

1865.  0.  haliotoidea  u.  0.  conica  Briart  et  Cornet,  Descr.  de  la  Meule  de  Braquegnies,  pag.  45.  PI.  4,  fig.  3—6,  8. 

Die  schief-eiförmige  Schale  ist  mit  einem  bogenförmig-gekrümmten  Rückenkiele  versehen,  welcher 
bis  in  den  eingerollten  und  nach  links  gebogenen  Wirbel  fortsetzt.  Nach  vorn  hin  (oder  bei  natürlicher 
Schalenstellung  nach  links)  fällt  die  Schale  mit  einer  flachen  Wölbung  und  ohne  Furche  ab,  nach  hinten  zu 
ist  sie  stärker  gewölbt.  Hierdurch,  sowie  durch  ihren  weniger  schlanken  Wirbel,  der  an  jungen  Exemplaren 
mit  einer  grösseren  oder  geringeren  Befestigungsstelle  oft  verdeckt  wird,  unterscheidet  sie  sich  von  Exogyra 
Columba,  welcher  sie  nahe  verwandt  ist.  Die  Jugendformen  sind  meist  mit  gabelnden,  zum  Theil  runzeligen 
Falten  bedeckt,  welche  in  ziemlicher  Menge  von  dem  Wirbel  und  dem  Rückenkiele  nach  dem  Rande  laufen. 
Im  Alter  ist  die  Schale  meist  glatt  und  nur  mit  unregelmässigen  Auwachslinien  bedeckt,  welche  den  Kiel 
wohl  auch  etwas  knotig  erscheinen  lassen. 

Die  Oberschale  ist  flach  oder  in  ihrer  Mitte  selbst  vertieft  und  im  Allgemeinen  ohrförmig  ge- 
staltet, wie  bei  Exogyra  haliotoidea,  von  der  sie  sich  durch  ihren  mehr  nach  der  Mitte  der  Schale 
zurückgekrümmten  Wirbel  unterscheidet.  Ihr  Hinterrand  ist  durch  Blätterlagen  verdickt  und  durch  Längs- 
streifen  deutlich  gekerbt,  der  Vorderrand  ist  weit  dünner  und  fast  scharf. 

In  beiden  Schalen  liegt  der  Muskeleindruck  ziemlieh  in  der  Mitte  der  Länge  und  nähert  sich  etwas 
dem  Vorderrande  (Taf.  40.  Fig.  9  b).  Von  der  stark  nach  links  gebogenen  und  oft  verdeckten  Schlossgrube 
aus  zieht  sich  auf  der  inneren  Wandung  der  Schale  eine  gekerbte  Linie  nach  beiden  Seiten  hin  fort. 

Vorkommen:  In  kleinen  Exemplaren  häufig  im  Serpulasande  des  unteren  Quaders  der  Prinzen- 
höhe, im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz,  Dölzschen,  Gittersee,  im  Mittelpläner  von  Costebaude  an  der 
Elbe,  sehr  selten  im  Plänerkalke  von  Strehlen. 

Im  Hippuritenkalke  von  Kutschlin,  im  unteren  Pläner  von  Bilin  und  im  Exogyrensandsteine  von 
Malnitz  in  Böhmen ;  im  unteren  Quader  und  Pläner  von  Regensburg,  im  unteren  Quadermergel  der  Stein- 
holzmühle bei  Quedlinburg,  sehr  ausgezeichnet  bei  Essen  an  der  Ruhr,  im  oberen  Grünsande  der  Insel 
Wight,  in  der  Meule  von  Braquegnies  in  Belgien  und  in  cenomanen  Schichten  Frankreichs  bei  Rouen, 
le  Havre,  Villers,  la  Malle,  Nontron,  und  in  Spanien  bei  Llama  obscura  (nach  d'Orbigny). 

Der  Typus  dieser  Art  wiederholt  sich  in  der  Ex.  cornu  arietis  Nilss.  sp.  *),  aus  der  oberen  Kreide, 


l)  Chama  cornu  arietis  Xilsson,  Petr.  Suec.  pag.  28.  Taf.  28,  fig.  1  ;  Exogyra  cornu  arietis  Goldfuss.  Petr.  Germ.  II. 
pag.  36.  Taf.  87,  fig.  2. 


—      184     — 

welche  Art  nach  Exemplaren  von  Kjuge  in  Schonen  nur  etwas  länger  gestreckt  und  mehr  comprimirt 
erscheint,  als  bei  Ex.  conica. 

Auf  Ex.  cornu  arietis  beziehen  sich  die  Abbildungen  von  Unterschalen  bei  Goldfuss,  Taf.  86.  Fig.  11 
(Ex.  decussata)  und  Taf.  87.  Fig.  1  (Ex.  conica),  aus  senoner  Kreide  von  Maastricht  und  Quedlinburg. 
Eine  ebenso  grosse  Aehnlichkeit  findet  zwischen  den  Oberschalen  von  Essen  und  aus  Schonen  statt. 

Die  ausstrahlende  Faltung  der  Unterschale,  welche  den  älteren  Exemplaren  der  Ex.  conica  von 
Essen  fehlt,  tritt  jedoch  noch  an  den  ältesten  Individuen  der  Ex.  cornu  arietis  in  Schonen  hervor,  wodurch 
diese  Art  sich  der  Ost.  Matheroniana  d'Orb.  1.  c.  PI.  485  und  selbst  der  Ex.  laciniata  Nilss.  nähert. 

7.  0.  (Exogyra)   digitata   Sow.  sp.  —  Taf.  40.  Fig.  14. 
1817.     Chamo,  digitata  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  174,  fig.  1,  2. 

1840.  Ex.  laciniata  Gein.  Char.  IL  pag.  58. 
1849—1850.    Ex.  digitata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  204. 

Von  dieser  seltenen  Art  liegt  ein  Steinkern  und  Abdruck  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von 
Bannewitz  und  ein  zweiter  Steinkern  aus  dem  unteren  Quader  von  Tyssa  in  Böhmen  vor,  welche  gut  zu 
Sowerby's  Abbildung  passen. 

Hiernach  ist  die  rhomboidal-verlängerte  Unterschale  diagonal  gekielt  und  mit  einem  vorspringenden 
Wirbel  versehen,  der  nach  abwärts  und  links  gebogen  ist.  Von  diesem  Kiele  aus  fällt  die  Schale  einerseits, 
und  zwar  nach  vorn  oder  links,  schief  oder  ziemlich  steil  ab,  während  nach  der  gegenüberliegenden  Seite 
hin  vier  bis  fünf  starke,  gerundete,  bandförmig  vertheilte  Rippen  laufen,  welche  den  Schalenrand  buchtig 
erscheinen  lassen.  In  der  Nähe  des  Wirbels  zeigt  die  Schale,  nach  ihrem  Abdrucke  zu  urtheilen,  eine 
grössere  Anzahl  von  feinen  ausstrahlenden  Streifen. 

Sowerby's  Exemplare  gehören  dem  Grünsande  von  Long  Comb-Girts  an  und  sind  von  den  Min. 
Conch.  PL  174.  iig.  3,  4  damit  vereinigten  Exemplaren  aus  dem  Kelloway  Rock  von  Hund-Cliff  bei  Redcar 
in  Yorkshire  zu  trennen,  wie  dies  schon  Agassiz  in  der  deutschen  Bearbeitung  von  Grossbritanniens  Mineral- 
Conchologie,  1837,  pag.  224,  bemerkt  hat. 

Ex.  digitata  Sow.  sp.  ist  der  Ex.  laciniata  Nilss.  aus  senonen  Ablagerungen  am  nächsten  verwandt, 
doch  tritt  an  keinem  der  uns  von  dieser  Art  vorliegenden  Exemplare  der  letzteren  jener  Längskiel  so  scharf 
und  deutlich  hervor  als  bei  Ex.  digitata,  und  er  würde  auf  Steinkernen  von  Ex.  laciniata  kaum  zu  bemerken 
sein,  da  die  innere  Fläche  dieser  Schalen  weit  mehr  gerundet  erscheint.  In  dieser  Beziehung  tritt  demnach 
zwischen  beiden  Arten  ein  ähnlicher  Unterschied  ein  wie  zwischen  Ex.  Columba  und  Ex.  conica. 

Ex.  laciniata  ist  in  dem  sächsischen  Elbthale  bisher  noch  nicht  beobachtet  worden. 

8.  0.   (Exogyra)  haliotoidea  Sow.  sp.  —  Taf.  41.  Fig.  1—13. 

1813.  Chama  haliotoidea  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  25. 

1834.  Ex.  haliotoidea  Goldfuss,  Petr.  Germ.  IL  pag.  38.  Taf.  88,  fig.  1. 

1839.  Desgl.  Gein.  Char.  I.  pag.  20. 

1841.  Desgl.  A.  Körner,  nordd.  Kreidegeb.  pag.  47. 

1843.     0.  haliot.  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  II.  pag.  724  z.  Th.  PI.  478,  fig.   1—4. 
1846.    Desgl.  Gein.  Grundr.  pag.  481  z.  Th.  Taf.  20,  fig.  21  b. 

1846.    Desgl.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  44.  Taf.  27,  fig.  5,  9,  10  ;  Taf.  31,  fig.  8—10. 
Ex.  retieulata  u.  Ex.  auricularis,  ib.  pag.  44.  Taf.  27,  fig.  8,  11. 


—     185     — 

1849 — 1850.     Ex.  haliotoidea  u.  Ex.  reticulata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  204. 
1850.     0.  haliotoidea  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  171. 
1871.     Ex.  haliotoidea  Stoliczka,  Cret.  Brach,  of  South.  Ind.,  Pelecypoda,  pag.  458.  PI.   36,  fig.  7  ;    PI.  37,  fig.  1—3. 

Die  flache,  länglich-ovale  bis  ohrförmige  Muschel  verläuft  iu  einen  vorn  gelegenen,  spiral  eingeroll- 
ten Wirbel,  der  in  der  Schale  selbst  eingewachsen  ist.  Die  Unterschale  ist  zum  grössten  Theile  auf- 
gewachsen, während  ihr  verdickter  Hinterrand  oft  senkrecht  aufgerichtet  ist.  Ihr  Wirbel  greift  meist  nicht 
weit  in  die  Schale  hinein.  Je  kleiner  aber  die  Aufwachsungsfläche  ist,  um  so  tiefer  drängt  sich  seine 
spiralige  Windung  nach  der  Mitte  der  Schale  hin,  wodurch  Abänderungen  entstehen,  die  eng  an  Ex.  auri- 
cularis Wahl.  *)  angrenzen. 

Auch  die  meist  flache  Oberschale  verdickt  sich  durch  blätterige  Anwachsschichten,  welche  die 
ganze  Oberfläche  bedecken,  längs  ihres  Hinterrandes,  während  ihre  Hauptfläche  flach  oder  selbst  vertieft  und 
an  dem  Vorderrande  zugeschärft  ist.  Die  Anwachsstreifen  der  Schale  stehen  an  dem  abgeriebenen  Hinter- 
rande nicht  selten  wie  aufgerichtete  Blättchen  empor  (Taf.  41.  Fig.  8,  9).  Ausser  den  Anwachsstreifen 
bemerkt  man  an  Plauenschen  Exemplaren  nicht  selten  auf  der  Oberschale  auch  unregelmässige  ausstrahlende 
Linien  und  Furchen,  die  sich  dem  vorderen  und  unteren  Rande  zu  krümmen  (Taf.  41.  Fig.  1,  2,  7).  Der 
Hinterrand  ist  sehr  häufig  vertical  gestreift  und  wohl  auch  gefaltet  (Taf.  41.  Fig.  1,  3,  4),  wodurch  eine 
Aehnlichkeit  mit  flachen  Schalen  der  Ostrea  diluviana  eintritt  (Taf.  39.  Fig.  2,  3),  zumal  der  Wirbel  und 
die  Bandgrube  auch  dieser  Art  eine  deutliche  Biegung  nach  links  zeigen.  Bei  Ex.  haliotoidea  ist  die  Band- 
grube an  der  unteren  Schale  oft  ganz  verdeckt,  dagegen  tritt  sie  an  der  Oberschale  meist  sehr  deutlich 
hervor  und  zeigt  stets  eine  weit  stärker  hakenförmige  bis  spiralige  Biegung,  als  dies  bei  0.  diluviana  der 
Fall  ist.  Ihre  Länge  variirt  je  nach  der  grösseren  Dicke  der  Schale.  Neben  ihr  breitet  sich  längs  des 
ganzen  Vorderrandes  eine  senkrecht  gestreifte,  bandartige  Fläche,  längs  des  Hinterrandes  aber  nur  eine 
gekerbte  Linie  aus  (Taf.  41.  Fig.  2  b,  3,  4  b,  5,  6  b). 

Der  lange  Muskeleindruck  liegt  in  der  Mitte  der  Schalenlänge  in  der  Nähe  des  vorderen  Randes. 

Vorkommen:  In  allen  Grössen  bis  9  Cm.  Länge  vereinzelt  im  unteren  Quadersandsteine  bei 
Oberhässlich,  im  Grünsande  des  Elbstollns  bei  Zaukeroda,  und  im  Tunnel  von  Oberau,  sehr  gemein  in  dem 
unteren  Pläner  der  beiden  Gehänge  des  Plauenschen  Grundes,  bei  Plauen,  Koschütz  und  Dölzschen,  am 
Gamighügel  bei  Leubnitz,  bei  Kauscha  und  Gross-Sedlitz  unweit  Pirna.  —  Sie  kommt  sehr  häufig  im  unteren 
Pläner  von  Böhmen  vor,  ist  ein  Hauptfossil  in  dem  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr,  in  der  Tourtia  von 
Tournay  in  Belgien,  in  cenomanen  Schichten  Frankreichs  bei  Villers  und  Trouville  (Calvados),  ile  Madame, 
ile  d'Aix  (Charente),  Havre,  Rouen,  Cognac,  etc.,  und  im  oberen  Grünsande  von  Wiltshire  in  England. 
Nach  Stoliczka  in  der  Ootatoor-Gruppe  Südindiens  bei  Ootatoor. 

Die  der  Ex.  haliotoidea  am  nächsten  entsprechende  Form  im  Neokom  des  Elligser  Blinkes,  von 
Oesel  bei  Wolfenbüttel,  Gross-Vahlberg  an  der  Asse,  Berklingen  u.  s.  w.  wurde  von  A.  Römer  (Oolith,  1836, 
pag.  65),  zu  Ex.  spiralis  Goldf.,  einer  jurassischen  Art,  gestellt,  später  von  ihm  zu  Ex.  undata  Sow. 
gerechnet  und  dann  von  d'Orbigny  als  Ostrea  Tombeclciana  unterschieden.  In  der  oberen  Kreide  von 
Maastricht  und  Schonen  wiederholt   sich  der  Typus  der  Ex.  haliotoidea  in  der  Ex.  aurimlaris  Wahlb.,   die 


')    Ostracites  auricularis    Wahlenberg,  1821.    —    Cliama  haliotoidea   Nilsson,    Petr.  Suec.  pag.  28.    Taf.  8,  fig.  3.    — 
Ex.  auricularis  u.  Ex.  planospiritis  Goldfuss,  II.  pag.  30.  Taf.  88,  fig.  2,  3,  sämmtlich  aus  senoner  Kreide. 

27 


Palaeontographica  XX. 


—      186     — 

sich    jedoch   zumeist    durch    den    grösseren   Umfang    der   Spiralwindung   ihres  Wirbels   von    Ex.   haliotoidea 
unterscheiden  lässt. 

9.     0.  (Exogyra)   sigmoidea  Rss.  —  Taf.  41.  Fig.   14—27. 

1844.  Reuss,  geognostische  Skizzen,  II.  pag.  180. 

1846.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  44.  Taf.  27,  fig.  1—4;  Ex.  squamula  Rss.,  ib.  pag.  45.  Taf.  27,  flg.  6,  7. 

1846—1847.  Ex.  haliotoidea  Gein.  Grundr.  pag.  481  z.  Th.  Taf.  20,  fig.  21  a,  c. 

1849 — 1850.  Ex.  sigmoidea  u.  Ex.  squamula  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  204. 

Sie  ist  der  Ex.  haliotoidea  zwar  sehr  nahe  verwandt,  unterscheidet  sich  jedoch  durch  ihre  allermeist 
schmälere,  ohrförmige  bis  halbmondförmige  Gestalt  und  durch  die  schnabelartige  Verlängerung  oder  spitze 
Ecke  ihres  unteren  Endes. 

Die  Unterschale  (Taf.  42.  Fig.  25,  26,  27)  ist  ebenfalls  mit  dem  grössten  Theile  ihrer  Fläche 
aufgewachsen  und  erhebt  sich  senkrecht  an  ihrem  rechten  oder  hinteren  Rande.  Die  Oberschale  ist  mit 
einem  scharfen,  ganz  auf  die  Seite  gedrängten  Längskiele  versehen,  von  welchem  ihre  schmale  rechte  Seite 
senkrecht  abfällt,  während  die  breite,  vor  ihm  liegende  Fläche  mit  schwacher  Neigung  und  oft  concav  nach 
dem  Vorderrande  der  Schale  läuft.  Der  letztere  bildet  zwischen  dem  Wirbel  und  der  Mitte  der  Länge  einen 
gerundeten  Vorsprung,  auf  den  sich  an  der  inneren  Schalenfläche  der  Muskeleindruck  mit  ausbreitet 
(Fig.  22  b,  23  b,  24  b),  der  daher  eine  höhere  Lage  einnimmt,  als  bei  Ex.  haliotoidea.  Die  Baudgrube 
verhält  sich  ähnlich  wie  bei  dieser,  ebenso  wird  auf  der  Innenfläche  Hinter-  und  Vorderrand  von  einer 
gekerbten  Linie  begleitet,  die  jedoch  an  dem  Vorderrande  weit  schmäler,  kürzer  und  undeutlicher  ist,  als 
bei  Ex.  haliotoidea. 

Wellige  Anwachslinien  bedecken  die  Oberfläche,  der  hintere  Schalentheil  ist  oft  senkrecht  gestreift ; 
andere  ausstrahlende  Linien  wurden  bei  dieser  Art  nicht  bemerkt. 

Vorkommen:  Bis  4  Cm.  lang,  mit  Ex.  haliotoidea  zusammen  im  unteren  Pläner  von  Plauen, 
Koschütz,  am  Gamighügel,  bei  Kauscha  und  Gross-Sedlitz ;  ebenso  in  dem  unteren  Pläner  von  Bilin  in 
Böhmen;  selten,  doch  in  ausgezeichneten  Exemplaren  auch  in  dem  cenomanen  Grünsande  von  Essen. 

3.  Farn.     SponäyUdae. 

Spondylus  Klein.,  1753;   L.  1757   (seq.  Stoliczka). 

a.     Rippen    ohne    Stacheln. 

1.     Sp.  striatus    Sow.  sp.  —  Taf.  42.  Fig.   1  —  3. 

1815.  Diamlwra  striata  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  80,  fig.  1. 

1834—1840.  Sp.  striatus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  98.  Taf.  106,  fig.  5. 

1839—1842.  Desgl.  Gein.  Char.  pag.  58. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  nordd.  Kreidegeb.  pag.  59. 

1843.  Desgl.  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  660.   PI.  453. 

1846.  Desgl.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  37.  Taf.  40.  Fig.  5,  10,  11. 

1847.  Sp.  capillatus  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  II.  2,  pag.  311.  PI.  17,  fig.  1. 

1849.  Sp.  capillatus  u.  Sp.  striatus  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  194. 

1850.  Sp.  striatus  d'Orbigny,  Prodrome  de  Paleont.  II.  pag.  170. 

1871.     Sp.  subcostulatus  Stoliczka,  Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  Pelecypoda,  pag.  449.  PI.  33,  fig.  8;  PI.  34,  fig.  2. 


—     187     — 

Die  vielgestaltige  Unterschale  ist  in  der  Nähe  ihres  Wirbels  mit  einer  grösseren  oder  kleineren  Fläche 
durch  blätterige  Anwachsschichten  aufgewachsen  und  lässt  zuweilen  unter  ihrem  oft  vorstehenden  und 
erhabenen,  oder  seitlich  gebogenen  Wirbel  ein  hohes  dreieckiges  Schlossfeld  wahrnehmen  (Taf.  42.  Fig.  1  b; 
d'Orbigny,  PI.  453,  fig.  2,  3).  Sie  ist  unregelmässig  schief-oval,  meist  länger  als  breit,  bald  nach  ihrer 
linken,  bald  nach  ihrer  rechten  Seite  sich  ausdehnend,  in  der  Nähe  des  Wirbels  bauchig  und  abgestutzt.  An 
dem  freien  Theile  ihrer  Oberfläche  ist  sie  von  flachen  Längs-Rippen  oder  Streifen  bedeckt,  welche  von 
gedrängten  Anwachsstreifen  durchschnitten  werden  und  oft  verwischt  erscheinen.  Auf  ihrer  inneren  Fläche 
treten  die  ersteren  stärker  hervor  als  ziemlich  gleich  breite,  flache  oder  schwachgewölbte  Rippen,  die  nicht 
selten  durch  eine  Furche  getheilt  und  durch  schmälere  Furchen  von  einander  getrennt  werden.  Der  untere 
Rand  der  Innenfläche  ist  durch  die  Rippen  deutlich  gekerbt,  die  concentrischen  Anwachslinien  in  seiner-Nähe 
sind  wellenförmig  gekräuselt.  Die  Abbildungen  bei  Goldfuss,  und  wahrscheinlich  auch  Taf.  106,  fig.  5  a, 
beziehen  sich  nur  auf  die  Unterschale. 

Die  Oberschale  tritt  uns  dagegen  in  den  guten  Abbildungen  von  Sowerby  (PI.  80,  fig.  1  links), 
d'Orbigny  (PI.  453,  fig.  1)  und  dArchiac  (als  Sp.  capülatus)  entgegen,  unter  denen  die  letztere  namentlich 
den  Plauenschen  Exemplaren  am  meisten  entspricht.  Sie  ist  im  Allgemeinen  schief-eiförmig,  stark  gewölbt, 
zu  beiden  Seiten  des  niedergebogenen  Wirbels  mit  stumpfwinkeligen,  glatten  Ohren  versehen,  an  ihrer  rechten 
Seite  deutlich  eingebogen  und  mit  zahlreichen,  flachen  Längsrippen  bedeckt,  welche  durch  schmälere,  meist 
nur  linienförmige  Zwischenräume  geschieden  werden.  Diese  Rippen  sind  im  Allgemeinen  gleich  stark,  schon 
in  der  Wirbelgegend  sehr  zahlreich  und  vermehren  sich  durch  Spaltung;  an  den  Steinkernen  erscheinen  sie 
weit  schmäler  als  an  der  Oberfläche  der  Schale. 

Am  nächsten  verwandt  mit  dieser  Art  ist  Sp.  latus  Sow.  (Sp.  lineatus  Goldf.),  eine  in  dem  Pläner- 
kalke  von  Strehlen  nicht  seltene  Art,  die  auch  hier  und  da  schon  im  unteren  oder  cenomanen  Pläner 
beobachtet  wird.  Es  sind  jedoch  nicht  blos  die  feineren  und  zahlreicheren  Längsrippen  bei  Sp.  latus,  sondern 
namentlich  auch  die  stärkere,  oft  bauchige  Wölbung  beider  Schalen  und  das  weit  stärkere  Hervortreten  der 
Wirbel  des  Sp.  striatus,  welche  beide  Arten  von  einander  scheiden.  Wir  haben  Formen,  die  sich  auf  Sp. 
striatus  zurückführen  lassen,  in  jüngeren  als  cenomanen  Bildungen  noch  nicht  angetroffen. 

Durch  die  Gleichartigkeit  seiner  Rippen  und  die  Abwesenheit  von  Stacheln  auf  denselben  unter- 
scheidet sich  Sp.  striatus  von  Sp.  Hystrix  Goldf.,  welcher  ihn  überall  begleitet.  Nur  bei  Steinkernen  und 
inneren  Schalenfiächen  kann  die  Bestimmung  sehr  erschwert  werden  und  oft  zweifelhaft  bleiben,  da  sich  beide 
Arten  dann  in  Formen  begegnen,  welche  Goldfuss  als  Sp.  radiatus  Taf.  106,  fig.  6  unterschieden  hat. 

Vorkommen:  Spondylus  striatus  ist  ein  Leitfossil  für  cenomaue  Schichten.  Er  ist  nicht  selten 
in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  bei  Dresden,  zum  Theil  unmittelbar  auf  Syenit  aufgewachsen,  in  den 
Conglomeraten  des  Tunnels  von  Oberau,  im  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  und  Koriczan,  im  Grünsande  von 
Czenczic  und  Laun,  im  Plänersandstein  von  Trziblitz  etc.  in  Böhmen,  im  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr, 
in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  nach  d'Orbigny  bei  Havre  (Seine-Inf.)  und  Villers  (Calvados)  in 
Frankreich,  nach  Sowerby  in  dem  oberen  Grünsande  von  Chute  Farm  in  Warminster.  Der  davon  wohl 
kaum  unterscheidbare  Sp.  subcostulatus  Stol.  kommt  in  einem  sandigen  Kalksteine  der  Ootatoor-Gruppe, 
0.  von  Parally,  bei  Moraviatoor  und  Odium  in  Süd-Indien  vor. 

2.     Sp.  latus  Sow.  sp.  —  Taf.  42.  Fig.  4—6;  IL  Taf.  8.  Fig.  18—21. 

1814.     Dianchora  lata  Sowerby,  Min.  Couch.  PI.  80,  fig.  2. 

1822.     Dianchora  obliqna  Mantell,  Geol.  of  Sussex,  pag,  206.  PI.  25,  fig.  1  ;  PI.  26,  fig.  12. 


—     188      - 

1834—1840.  Spondylus  lineatus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  97.  Taf.  106,  fig.  3. 

1839—1842.  Spond.  lineatus  u.  Sp.  obliquus  Gein.  Char.  pag.  25.  XVI.  Taf.  20,  fig.  39. 

1841.  Sp.  latus  u.  Sp.  lineatus  A.  Römer,  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  59. 

1846.  Sp.  lineatus  u.  Sp.  obliquus  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  36.  Taf.  40,  fig.  4,  7,  8,  9. 

1849.  Sp.  obliquus  u.  Sp.  lineatus  Gein.  Quad.  DeutscM.  pag.  194  z.  Th. 

1850.  Sp.  latus  Dixon,  Geol.  a.  Fossils  of  Sussex,  PI.  28,  fig.  30,  31. 
1850.  Sp.  lineatus  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  254. 

1870.     Sp.  striatus  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberscklesien,  pag.  315.  Taf.  37,  fig.  3,  4. 

Nach  den  von  Dixon  gegebenen  Abbildungen  kann  wohl  kein  Zweifel  darüber  mehr  obwalten,  dass 
Dianchora  lata  Sow.,  Dianchora  obliqua  Mant.  und  Spondylus  lineatus  Goldf.  zu  einer  Art.  gehören,  welche 
in  Folge  der  unvollkommenen  Abbildung  bei  Sowerby  lange  verkannt  worden  ist,  zumal  sie  nicht  selten  dem 
cenomanen  Sp.  striatus  Sow.  sehr  nahe  tritt. 

Ihre  Unterschale  ist  durch  blätterige,  zum  Theil  gekräuselte  Anwachsschichten  und  durch  herab- 
steigende Randfalten  oft  mit  ihrer  ganzen  Fläche  festgewachsen  (II.  Taf.  8.  Fig.  20).  Sie  ist  in  der  Regel 
ziemlich  flach  und  nähert  sich  in  ihrer  Form  einem  Kreise  (Goldf.,  Taf.  106,  fig.  3  b,  d.  —  Dixon,  PI.  28, 
fig.  30),  oder  ist  schief-oval  und  sehr  ungleichseitig  (Dixon,  PI.  28,  fig.  31;  F.  Römer,  Taf.  37,  fig.  3).  Wo 
Längsstreifen  oder  Rippen  an  ihrer  Aussenfläche  zum  Vorscheine  gelangen,  sind  diese  in  der  Nähe  des  Randes 
sehr  regelmässig,  dagegen  treten  auf  der  inneren  Fläche  dieser  Schale  nicht  selten  zwischen  etwas  stärkeren, 
im  Allgemeinen  gleichförmigen  stets  schwachen  Rippen  auch  schwächere  zwischen  den  letzteren  auf,  nicht 
unähnlich  der  Innenfläche  der  Unterschale  von  Sp:  radiatus  Goldf.  (Taf.  106,  fig.  6).  Wir  können  trotzdem 
die  obengenannte  Art  nicht  mit  Sp.  latus  vereinen,  sondern  haben  sie  vielmehr  zu  Sp.  hystrix  gestellt,  da 
sie  diesem  durch  einen  mehr  hervortretenden  Wirbel  und  durch  ihr  Zusammen  vorkommen  mit  bestachelten 
Unter-  und  Oberschalen  von  Sp.  hystrix,  welche  man  in  dem  Plänerkalke  noch  nicht  gefunden  hat,  mehr 
entsprechen. 

Die  Oberschale  ist  im  Allgemeinen  schief-oval,  und  wird  oft  sehr  breit  (anscheinend  schmal)  und 
schief,  was  die  Namen  „latus"  und  „obliquus"  rechtfertiget,  so  dass  sie  sich  einem  Halbkreise  nähern  kann, 
sie  ist  gleichmässig  gewölbt,  in  der  Regel  viel  weniger  bauchig,  an  der  rechten  Seite  weniger  eingebogen  und  mit 
einem  weniger  vorstehenden  Wirbel,  als  bei  Sp.  striatus,  von  dem  sie  sich  ausserdem  durch  ihre  zahlreicheren 
und  daher  feineren  Längsrippen  unterscheidet.  Auf  den  Ohren  beider  Schalen  sind  Spuren  ausstrahlender 
Linien  zu  bemerken. 

Goldfuss  hat  die  Oberschale  Taf.  106,  fig.  3  a,  c  sehr  gut  abgebildet  und  bemerkt,  dass  sie  mit 
kleinen,  gedrängten,  glatten,  regelmässigen  Rippen  besetzt  sei,  welche  am  unteren  Rande  gleichförmig  auslaufen, 
gegen  den  Wirbel  aber  abwechselnd  grösser  und  kleiner  werden;  die  Zwischenräume  seien  flach  und  etwas 
breiter  als  die  Rippen.  In  beiden  Beziehungen  findet  nicht  immer  eine  gleiche  Regelmässigkeit  statt, 
indem  sich  nicht  selten  kleinere  Rippen  in  die  Zwischenräume  einlegen  und  letztere  dann  nur  noch  sehr 
schmal  werden. 

Vorkommen:  Im  Plänerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla,  am  Sauerbrunnenberge  bei  Bilin, 
bei  Oppeln  in  Oberschlesien,  bei  Alfeld  und  anderen  Orten  des  nordwestlichen  Deutschlands,  in  dem  Scaphiten- 
Mergel,  von  wo  sie  v.  Strombeck  wahrscheinlich  als  Sp.  striatus  citirt  hat;  vereinzelt  auch  schon  in  tieferen 
Schichten,  wie  im  unteren  Quadersandstein  von  Trziblitz  in  Böhmen  (nach  Reuss),  im  unteren  Pläner  von 
Gross-Sedlitz  bei  Pirna  etc.     In  England  gehört  sie  der  Kreide  von  Lewes  und  Kent  in  Sussex  an,  ihr  Vor- 


—     189     — 

kommen  in  dem  oberen  Kreidemergel  vom  Sudmerberge  bei  Goslar  ist  nach  einem  Exemplare  im  Dresdener 
Museum  wahrscheinlich. 

b.  Rippen  mit  Stacheln. 

3.     Sp.  hystrix  Goldf.  —  Taf.  42.  Fig.  7—12. 

1834—1840.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  pag.  96.  Taf.  105,  fig.  8. 

Sp.  radiatus  Goldf.  eb.  pag.  98.  Taf.  106,  fig.  6. 

1839—1842.  Sp.  radiatus  Gein.  Char.  pag.  58,  82. 

1841.  Sp.  hystrix  u.  Sp.  radiatus  A.  Römer,  nordd.  Kreidegeb.  pag.  59,  60. 

1843.  Sp.  hystrix  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  661.  PI.  454. 

1849.  Sp-  hystrix  u.  Sp.  striatus  z.  Th.  Gein.  Quad.  Deutsch!,  pag.  194. 

1850.  Desgl.  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  170. 

Durch  ihre  oft  schief-ovale  Form,  die  Befestigung  ihrer  Unterschale  und  die  ausstrahlenden  Rippen 
ist  diese  Art  sehr  nahe  verwandt  mit  Sp.  striatus  und  Sp.  latus  Sow.  sp.,  unterscheidet  sich  aber  von  beiden 
dadurch,  dass  ca.  6  jener  Rippen  stärker  als  die  anderen  hervortreten  und  mit  kurzen,  steilaufgerichteten, 
comprimirten  Stacheln  besetzt  sind,  welche  bald  näher,  bald  entfernter  von  einander  liegen  und  nur 
selten  fehlen  (Fig.  9).     Zuweilen  trifft  man  ähnliche  Stacheln  auch  auf  den  kleineren  Rippen  an. 

Die  zwischen  den  Rippen  befindlichen  Furchen  sind  tief,  theils  von  gleicher  Breite  wie  jene,  theils 
schmäler,  zumal  wo  sich  die  Anzahl  der  Rippen  durch  Spaltung  oder  Einlagerung  neuer  in  den  Zwischen- 
furchen vermehrt. 

Die  Unterschale  ist,  wie  bei  Sp.  latus,  gewöhnlich  mit  dem  grössten  Theile  ihrer  Fläche  durch  aus- 
laufende Randfalten  fest  gewachsen  und  lässt  nur  selten,  bei  einigen  Essener  Exemplaren  aber  recht  schön, 
die  stacheltragenden  Rippen  auf  ihrer  Aussenfläche  wahrnehmen  (Fig.  7  a),  dagegen  treten  auf  ihrer  Innen- 
fläche gegen  6  oder  mehr  grössere  Rippen  sehr  deutlich  hervor.  Goldfuss  hat  sie  nach  Exemplaren  von 
Essen  als  Sp.  radiatus  mit  folgenden  Worten  beschrieben:  „Sie  sind  keiner  so  grossen  Formveränderung  unter- 
worfen, wie  jene  des  Sp.  striatus  und  entweder  eiförmig  oder  schief-oval.  Die  untere  flach-convexe  Schale 
ist  immer  mit  ihrer  ganzen  Fläche  durch  auslaufende  Randfalten  festgewachsen,  und  die  zahlreichen  Rippchen 
der  inneren  Fläche  sind  abweselnd  grösser  und  kleiner.  Bei  älteren  Exemplaren  treten  6 — 8  der  grösseren 
Rippen  aus  den  übrigen  hervor." 

Von  den  Schalen  des  Sp.  latus  unterscheiden  sich  die  Essener  Unterschalen  sehr  leicht  durch  das 
stärkere  Vorragen  ihres  Wirbels  und  eine  meist  stärkere  Wölbung,  von  jenen  des  Sp.  striatus  aber  oft  nur 
durch  das  Hervorragen  einzelner  Rippen. 

Die  Oberschale  ist  theils  schief- oval,  kreisrund,  theils  fast  gleichseitig  (Fig.  10,  12),  gleichmässig 
und  meist  nur  schwach  gewölbt  und  mit  deutlichen  stumpfwinkeligen  Ohren  versehen,  auf  welchen  oft  aus- 
strahlende Linien  bemerkbar  sind,  welche  an  den  Seiten  der  Schale,  wo  die  Ohren  angrenzen,  förmliche 
parallele  Einkerbungen  zu  hinterlassen  pflegen  (Fig.  12  a  und  d'Orbigny  1.  c). 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Klein-Naundorf  an  der  Prinzenhöhe,  in  den 
Conglomeraten  des  unteren  Quaders  am  Tunnel  von  Oberau,  sehr  häufig  im  unteren  Pläner  von  Plauen  von 
mittlerer  Grösse  bis  40  Mm.  Häufig  im  Grünsande  von  Frohuhausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  Sp:  Hystrix  und 
Sp.  radiatus  Goldf.,  in  cenomanen  Schichten  Frankreichs  bei  le  Mans  (Sarthe),  Port-des-Barques  (Charente- 
Inf.)  etc.  —  In  der  oberen  Kreide  ist  Sp.  Hystrix  durch  Sp,  fimbriatus  Golf,  und  Sp.  truncatus  Goldf.  ver- 
treten, die  man  jedoch  als  besondere  Arten  wird  festhalten  müssen. 


—     190     — 

Unter  den  südindischen  Arten  hat  Sp.  Hystrix  ihre  nächsten  Verwandten  in  dem  Sp.  Arrialoorensis 
Stoliczka,  Pal.  Ind.,  Cret.  Fauna,  Pelecypoda  pag.  447.  PI.  33,  fig.  5  aus  einem  Grünsande  der  Arrialoor- 
Gruppe,  S.  W.  von  Mulloor,  und  dem  Sp.  calcaratus  Forhes,  eb.  pag.  448.  PI.  33,  fig.  6.  7.  9.  10,  aus 
der  Trichonopoly-Gruppe  bei  Coonum  und  Serdamungalum. 

Der  erstere  dieser  Arten  nähert  sich  indess  wohl  noch  mehr  dem  Sp.  fimbriatus  Goldf.  1.  c.  pag.  97. 
Taf.  106,  fig.  2,  der  in  der  oberen  Kreide  von  Rügen,  in  den  oberen  Kreidemergeln  von  Coesfeld  etc.  vor- 
kommt, was  dem  geologischen  Horizonte  der  Arrialoor-Gruppe  recht  wohl  entspricht,  während  die  nahe  Ver- 
wandtschaft des  einer  älteren  Gruppe  angehörenden  Sp.  calcaratus  mit  Sp.  truncatus  schon  von  Stoliczka 
hervorgehoben  wird. 

Exemplare  aus  senonen  Ablagerungen  vom  Luisberg  bei  Aachen  und  von  Carlshamn  in  Schonen, 
welche  meist  zu  Sp.  truncatus  gerechnet  werden,  von  Hagenow  aber  1858  als  Sp.  Drakenbergi  v.  Hag. 
versendet  hat,  sind  den  südindischen  Formen  des  Sp.  calcaratus  theilweise  zum  Verwechseln  ähnlich. 

4.     Sp.    Omalii  d'Arch.  —  Taf.  42.  Fig.   13. 

184S.     Sp.  asper  Gein.  Nachtr.  z.  Char.  pag.  17. 

1847.     D'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  II.  2,  pag.  312.  PI.  15,  fig.  11. 

1849.     Sp.  Omalii  Geiu.  Quad.  Deutschi.  pag.  196. 

Die  schon  von  d'Archiac  beschriebene  Oberschale  ist  schief-oval,  oft  nur  wenig  länger  als  breit, 
regelmässig  längs  ihrer  Mitte  gewölbt,  mit  niedergebogenem,  wenig  vorstehendem  Wirbel,  auf  dessen  rechter 
Seite  sich  das  grosse  stumpfwinkelige  hintere  Ohr  ausbreitet,  welches  nur  mit  Anwachsstreifen  bedeckt  ist. 
Das  andere,  vordere  Ohr  ist  kleiner,  doch  von  ähnlicher  Beschaffenheit.  Die  Oberfläche  der  Schale  ist  bis 
in  die  Nähe  der  Seitenränder  mit  zahlreichen  flachgerundeten  Längsrippen  bedeckt,  welche  durch  tiefe,  ziemlich 
schmale  Zwischenfurchen  geschieden  werden.  Auf  vielen  Rippen  erheben  sich,  unregelmässig  zerstreuet,  oder 
den  Anwachslinien  folgend,  ohrförmig  aufgerichtete  und  nach  dem  Wirbel  gekehrte  kurze  Stacheln,  welche 
auf  ihrer  unteren  Seite  rinnenartig  gefurcht  sind  und  sich  seitwärts  über  die  Rippen  hinaus  verbreiten,  von 
welchen  sie  entspringen.  Besonders  breit  und  zahlreich  pflegen  dieselben  in  der  Nähe  des  Unterrandes  zu 
sein.  Diese  Charaktere  unterscheiden  Sp.  Omalii  leicht  von  Sp.  Hystrix  und  seinen  Verwandten,  bei  welchen 
die  Stacheln  comprimirt,  also  schmäler  und  zumeist  nur  an  wenig  stärker  hervorragenden  Rippen  gebunden 
sind,  während  bei  Sp.  asper  Mün.,  Goldf.  1.  c.  pag.  96.  Taf.  106,  fig.  1  aus  dem  oberen  Kreidemergel  von 
Rinkerode  kleinere  und  grössere  Rippen  regelmässig  mit  einander  abwechseln  sollen,  was  bei  Sp.  Omalii  nicht 
der  Fall  ist.     Länge  und  Breite  verhalten  sich  zu  einander  wie  56  :  48  Mm.,  oder  wie  7  :  6. 

Vorkommen:  Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  liegen  7  grössere  Oberschalen  vor,  während 
die  Unterschale  uns  noch  nicht  bekannt  ist.     Selten  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien. 

4.  Farn.     Pectinidae. 
JPecten  Klein,  1753. 

Als  Unterschale  oder  rechte  Klappe  ist  diejenige  bezeichnet  worden,  deren  meist  grösseres 
vorderes  Ohr  an  seiner  Basis  einen  Ausschnitt  für  den  Austritt  des  Byssus  oder  eine  Einbuchtung 
besitzt.  Die  andere  Schale  ist  daher  Oberschale  ödes  linke  Klappe.  Die  nach  dem  Schlossrande  hin- 
laufenden Kanten,  welche  den  Wirbel  oder  Buckel  begrenzen,  werden  Seitenkanten  genannt. 


—     191     — 

1.     P.  membranaceus  Nilss.  —  Taf.  43.  Fig.  8—11. 

1827.  Nilsson,  Petr.  Suecana,  pag.  23.  Tab.  9,  flg.  16.    (Die  untere  kleinere  Figur  l). 

1834.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  75.    Taf.  99,  fig.  7. 

1837.  Hisinger,  Leth.  Suecica,  pag.  53.  Tab.  17,  fig.  6. 

1839.  Gein.  Char.  I.  pag.  23. 

1841.  A.  Römer,  Norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  49. 

1842.  v.  Hagenow,  in  Leonh.  n.  Jahrb.  pag.  553  (excl.  P.  spathulatus  Rom.). 

1843.  P.  orbicularis  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  597  z.  Th. 
1846.  Gein.  Grundr.  pag.  467. 

Reuss,  böhm.  Kreidef.  IL  pag.  26.  Taf.  39,  fig.  4. 
1849.    P.  membranaceus  u.  P.  laevis  z.  Th.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  178. 
1868.     Giimbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kon.  Bayern,  II.  1,  pag.  756. 

1870.  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  pag.  333.  Taf.  26,  fig.  5. 

1871.  Amusium  membranaceum    Stoliczka,    Pal.  Ind.  Cretaceous  Fauna,   III.,    Pelecypoda,    pag.  436.    PI.  32,   fig.  5; 

PI.  41,  fig.  7,  8. 

Die  düune,  glatte  und  glänzende  Schale  ist  sehr  flach  gewölbt  und  gleichk lappig,  von  kreisrund-ovalem 
Umriss,  etwas  ungleichseitig,  besitzt  einen  fast  rechtwinkeligen  oder  etwas  stumpfwinkeligen  Wirbel,  ziemlich 
gleichgrosse  Ohren,  welche  wenig  stumpfwinkelig  und  an  ihren  Ecken  oft  schwach  gerundet  sind.  Die  Ein- 
buchtung an  der  Basis  des  vorderen  Ohres  der  Unterschale  ist  sehr  klein  (Fig.  9,  10). 

Zuweilen  lässt  die  glatte  Schale  unter  der  Lupe  äusserst  feine  und  undeutliche  Längslinien  wahr- 
nehmen, welche  von  zarten,  gedrängt  liegenden  Anwachslinien  durchbrochen  werden. 

So  schwach  auch  die  Wölbung  der  Schale  ist,  zeigt  sich  doch  selten  daran  eine  vom  Wirbel  aus- 
gehende flach-wulstförmige  Erhöhung  der  Rückenfläche.  Sie  ist  auch  von  Stoliczka  an  den  südindischen 
Exemplaren  hervorgehoben  worden. 

Wir  dürfen  unsere  Fig.  8 — 10  abgebildeten  Exemplare  als  normale  betrachten,  während  Fig.  11 
eine  längere  Varietät  ist. 

Von  P.  Nilssoni  Goldf.  (Elbth.  II.  Taf.  9.  Fig.  15 — 18)  unterscheidet  sich  P.  membranaceus  im 
Wesentlichen  durch  den  kleineren  Winkel,  unter  welchem  die  Seitenkanten  am  Wirbel  zusammenlaufen,  der 
bei  P.  Nilssoni  sehr  stumpf  ist;  und  dem  entsprechend  würden  sich  auch  P.  spathulatus  A.  Römer 
(Nordd.  Kreideg.  Taf.  8,  fig.  5)  und  P.  membranaceus  Zittel  (Bivalven  der  Gosaugebilde,  1866.  Taf.  17, 
fig.  3)  mehr  an  P.  Nilssoni  als  an  P.  membranaceus  anschliessen,  von  welchem  erstgenannten  es  längere 
Varietäten  sind. 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Bannewitz  an  der  Prinzenhöhe,  Weissig  bei 
Pillnitz  und  Tyssa  in  Böhmen,  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz,  Dölzschen,  Okerwitz  und  Podemus 
bei  Dresden,  im  oberen  Plänermergel  an  der  Walkmühle  bei  Pirna.  —  Nach  F.  Römer  in  cenomanen  Schichten 
von  Leobschütz  in  Oberschlesien,  nach  Reuss  in  fast  allen  Schichten  der  böhmischen  Kreideformation,  nach 
Gümbel  in  den  unterturonen  Winzerbergschichten  Bayerns,  nach  A.  Römer  im  Flammenmergel  von  Siramen- 
stedt,  im  Plänerkalke  von  Sarstedt,  Rethen,  Berne,   in  senonen  Ablagerungen   von  Nagorzany   bei   Lemberg, 


:)  Die  obere  grössere  Fig.  16  auf  Tab.  9  bei  Nilssou  soll  Fig.  10  sein  und  bezieht  sich  auf  Pecten  corneus  Nilss., 
der  aber  von  P.  corneus  Sow.  aus  dem  Londonthone  verschieden  ist  und  mit  P.  laminosus  Mant.  oder  P.  orbicularis  Sow. 
vereinigt  werden  kann. 


—      192     — 

von  Lemförde  in  Westphalen,  im  Kieselkalke  zwischen  Aachen  und  dem  Altenberge,  in  der  Kreide  von 
Könrad  bei  Aachen,  in  der  Tuffkreide  von  Maastricht,  in  der  weissen  Kreide  von  Rügen,  in  den  Schichten 
von  Köpinge,  Käseberga  in  Schonen  etc. 

Nach  Stoliczka  in  der  Arrialoor-Gruppe  Südindiens  bei  Arrialoor  und  Karapaudy. 

2.  P.  laevis  Nilss.  —  Taf.  43.  Fig.   12,  13. 

1827.  Nilsson,  Petr.  Suecana,  pag.  24.  Tab.  9,  flg.  17. 

1837.  Hisinger,  Leth.  Suecica,  pag.  53.  Tab.  17,  fig.  7. 

1842.  v.  Hagenow,  in  Leonh.  n.  Jahrb.  pag.  554. 

Gein.  Char.  III.  pag.  83.  Taf.  21,  fig.  9. 

1849.  Gein.  Quad.  üeutschl.  pag.  178. 

1868.  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern,  II.  1,  pag.  744,  756. 

1870.  P.  membranaceus  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  pag.  356.  Taf.  39,  fig.  11,  12. 

Eine  kleine  glattschalige,  flachgewölbte  Art  von  oval-kreisförmigem  Umfange  mit  fast  gleichlangen 
Seitenkanten,  deren  Winkel  gegen  90  Grad  beträgt,  und  sehr  ungleichen  Ohren.  Das  hintere  Ohr  ist  klein 
und  stumpfwinkelig,  das  vordere  gross  und  fast  rechtwinkelig. 

Die  von  Reuss  (Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  26.  Taf.  38,  fig.  22,  23)  zu  P.  laevis  gezogenen  Exemplare 
unterscheiden  sich  durch  ihre  weit  grösseren  Ohren  und  scheinen  junge  Exemplare  von  P.  membranaceus  zu 
sein;  auch  bei  P.  laevis  Zittel  (Die  Bivalven  der  Gosaugebilde,  1866.  pag.  108  (33).  Taf.  17,  fig.  4)  ist  das 
hintere  Ohr  für  P.  laevis  zu  gross. 

Vorkommen:  Exemplare  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  passen  genau  zu  Nilsson's  Abbildung. 
Ganz  ähnlich  kommen  sie  in  dem  kalkigen  Sandsteine  an  der  Basis  des  oberen  Quadersandsteines  von  Hain, 
Petersdorf  und  Lückendorf  in  der  Oberlausitz  mit  Lima  canalifera  Goldf.  zusammen  vor  und  mit  P.  curvatus 
Gein.  zusammen  bei  Lindenau  unweit  Böhmisch  Zwickau.  Unser  Museum  besitzt  sie  ferner  aus  dem  senonen 
Kreidemergel  von  Nagorzany  bei  Lemberg  und  aus  der  Tuffkreide  von  Maastricht;  v.  Hagenow  hebt  sie  aus 
der  oberen  Kreide  von  Bügen  hervor;  F.  Römer  beschrieb  sie  als  P.  membranaceus  aus  dem  senonen  Kalk- 
mergel von  Olbrachcice  N.  0  von  Pzyrow  in  Oberschlesien. 

3.  P.  1  am  in  os  us  Mant.  —  Taf.  43.  Fig.  14. 

1822.     Pecten  laminosa  Mantel],  Geol.  of  Sussex,  pag.  128.  PI.  26,  fig.  8. 
1834.    Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  76.  Taf.  99,  fig.  9. 
1839.     Gein.  Char.  I.  pag.  23. 

P.  circularis  Gein.  ebend.  pag.  23. 

1841.  A.  Römer,  norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  49. 

1842.  P.  orbicularis  Gein.  Kiesl.  pag.  16. 

P.  orbicularis  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  597  z.  Th.  PI.  433,  fig.  14—16.     (Nicht   P.  orbicularis 
Sow.  und  P.  membranaceus  Nilss.) 
1846.     Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  27.  Taf.  39,  fig.  5. 
1849.    P.  orbicularis  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  180  z.  Th. 
1868.    P.  orbicularis  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern,  II.  1,  pag.  736,  756. 

Man  hat  diese  Art  nach  d'Orbigny's  Vorgange  oft  mit  P.  orbicularis  Sowerby  (Min.  Conch.  PI.  186) 
vereint,  doch  mit  Unrecht,  wie  auch  schon  A.  Römer  (Nordd.  Kreideg.  pag.  49)  sehr  richtig  bemerkt.  Die 
Schale  des  P.  orbicularis  ist  noch  mehr  kreisförmig,  als  die  von  P.  laminosus,  und  besitzt  sehr  langgezogene 
Ohren,  von  welchen  sich  namentlich  das  vordere  Ohr  der  Oberschale  eine  lange  Strecke  weit  längs  des  Seiten- 


—      193     — 

randes  herabzieht.  Ferner  ist  nur  die  eine  und  zwar  die  Oberschale  mit  regelmässigen  concentrischen  Furchen 
versehen,  wie  sie  beide  Klappen  des  P.  laminosus  besitzen  sollen,  während  die  Unterschale  des  P.  orbicu- 
laris  eine  ähnliche  glatte  Beschaffenheit  zeigt,  wie  P.  membranaceus.  Ein  uns  vorliegendes  Exemplar  aus 
dem  oberen  Grünsande  der  Insel  Wight  stimmt  genau  mit  Sowerby's  Abbildung  des  P.  orbicularis  von 
Devizes  überein. 

Wenn  d'Orbigny  P.  membranaceus  Nilss.  als  Synonym  von  P.  orbicularis  hinstellt,  so  kann  er  sich 
nur  auf  Nilsson's  obere,  grössere  Figur  16  auf  Tab.  9  bezogen  haben,  die  aber,  wie  schon  gezeigt,  für 
P.  corneus  Nilss.  pag.  23  gilt. 

Unter  den  aus  Deutschland  beschriebenen  Arten  zeigt  jedenfalls  P.  orbicularis  bei  Reuss,  böhm. 
Kreidef.  II.  pag.  27.  Taf.  41,  fig.  18.  19,  aus  dem  unteren  Quader  von  Kleinherrendorf  in  Böhmen,  die 
Charaktere  des  P.  orbicularis  Sow.  am  deutlichsten.  — 

Bei  P.  laminosus  ist  die  Schale  kreisrund-oval  und  fiachgewölbt ;  der  mittlere  gewölbte  Theil  des 
Rückens  ist,  wie  es  auch  bei  P.  orbicularis  vorkommt,  zuweilen  durch  zwei  von  dem  Wirbel  aus  divergirende 
undeutliche  Furchen  begrenzt.  Die  Seitenkanten  stossen  am  Wirbel  fast  rechtwinkelig  oder  wenig  stumpf- 
winkelig zusammen.  Die  hohen,  fast  gleichgrossen  Ohren  bilden  an  der  Schlosslinie  oft  einen  stumpfen  ein- 
springenden Winkel.  Die  ganze  Oberfläche  beider  Schalen  ist  mit  ziemlich  regelmässigen  niedergedrückten 
concentrischen  Linien  bedeckt. 

Die  Schale  wird  an  älteren   Exemplaren  fast  ebenso  breit  als  lang  und  erreicht  ca.  30  Mm.  Grösse. 

Vorkommen:  Selten  im  Grünsande  des  unteren  Quaders  von  Oberau  und  im  unteren  Pläner 
von  Plauen  und  Kauscha  (in  Char.  pag.  23  als  P.  circularis  bezeichnet).  Im  cenomanen  Grünsandsteine 
von  Raspenau  an  der  schlesisch-böhmischen  Grenze  und  von  Regensburg  und  in  dem  Grünsande  von  Essen 
an  der  Ruhr. 

4.     P.  curvatus  Gein.  —  Taf.  43.  Fig.  15;  IL  Taf.  10.  Fig.  1. 

1818.  P.  arcuatus  Sowerby,  Min.  Conen.  PL  205,  fig.  7   (nicht  PI.  205,  fig.  5). 

1827.  P.  arcuatus  Nilsson,  Petr.  Suec.  pag.  22.  Tab.  9,  fig.  14. 

1834.  P.  arcuatus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  IL  pag.  50.  Taf.  91,  fig.  6. 

1837.  P.  arcuatus  Hisinger,  Lethaea  Suec.  pag.  52.  Tab.  17,  fig.  2. 

1847.  P.  arcuatus  A.  Römer,  Norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  51. 

1842.  P.  striato-punctatus  Gein.  Char.  III.  pag.  83  (nicht   A.  Römer). 

1843.  P.  curvatus  Gein.  Kieslingswalda,  pag.  16.  Taf.  3,  fig.  13. 

P.  virgatus  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  602.  PL  434,  fig.  7—10  (nicht  P.  virgatus  Nilss.). 
1846.     P.  curvatus  Gein.  Grundr.  pag.  468. 

P  arcuatus,  P.  divaricatus  u.  P.  concentrice-punctatus  Reuss,  böhm.  Kreidef.  IL  pag.  27,  28.  Taf.  39.  fig.  6,  7,  8. 

1849.  P.  virgatus  z.  Th.,  P.  concentrice-punctatus  u.  P.  curvatus  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  181. 

1850.  P.  virgatus,   P.  curvatus,    P   divaricatus,   P.   concentrice-punctatus   u.  P.  subvirgatus   d'Orbigny,   Prodr.    de 

Pal.  II.  pag.  168,  197,  252,  253. 
1866.    P.   virgatus   Zittel,   Die   Bivalven   der   Gosaugebilde    (Denkschr.   d.  k.  Ak.  d.  W.   in  Wien),    pag.  109    (33), 

Taf.  17,  fig.  8. 
1868.     P.  virgatus  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern,  IL  1,  pag.  756. 

1870.  P.  virgatus  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschles.  pag.  333. 

1871.  P.  curvatus  Stoliczka,  Pal.  Ind.,  Cret.  Fauna  III.,  Pelecypoda,  pag.  433.  PL  31,  fig.  15,  16. 

Die  Schale  ist  kreisrund-oval  bis  schief-oval,  schwach  gewölbt,  etwas  ungleichseitig,  besonders  die 
untere  oder  rechte  Klappe,  deren  vordere  Seite  oft  eingebogen  ist;  daher  pflegt  ihr  Wirbel  auch  spitzer  zu 


Palaeontographica  XX.  5. 


28 


—     194     — 

sein,  als  bei  der  oberen  oder  linken  Klappe.  Die  Ohren  sind  ungleich.  Das  kleinere  hintere  Ohr  ist  stumpf- 
winkelig, das  grosse  vordere  Ohr  fast  rechtwinkelig,  an  der  oberen  Schale  etwas  vorspringend,  an  der  Unter- 
schale mit  einer  tiefen  Ausbuchtung  versehen.  Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  zierlichen,  nach  dem  Rande 
hin  gekrümmten  und  sich  mehrfach  spaltenden  Strahlenlinien  bedeckt,  deren  Zwischenfurchen  durch  concen- 
trische  Linien  punktirt  erscheinen.     Auch  die  Ohren  tragen  ausstrahlende  Linien. 

P.  virgatus  Nilss.,  Petr.  Suec.  Taf.  9.  Fig.  15,  besitzt  eine  andere  Vertheilung  der  radialen  Linien, 
welche  mehr  jener  von  Lima  divaricata  gleicht,  und  nur  die  unvollkommenen  Abbildungen  bei  Nilsson  und 
Hisinger  konnten  die  Veranlassung  geben  zu  einer  unrichtigen  Synonymie  dieser  Art  in  Geinitz,  Quad. 
Deutschi.  pag.  180,  bei  d'Orbigny  und  bei  Zittel,  welche  erst  durch  Stoliczka  rectificirt  worden  ist.  Die 
meiste  Aehnlichkeit  mit  P.  virgatus  Nilss.  tritt  wohl  an  P.  divaricatus  Reuss  hervor,  den  wir  aber  dennoch 
mit  P.  curvatus  vereinigen. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandsteine  von  Goppeln  bei  Dresden,  Weissig  bei 
Pillnitz,  im  Grünsande  des  Tunnels  von  Oberau,  sowie  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen  ; 
im  mittleren  Plänermergel  von  Nieder-Wartha,  im  Plänerkalke  von  Strehlen,  im  oberen  Plänermergel  an  der 
Walkmühle  bei  Pirna,  häufiger  im  kalkigen  Sandsteine  am  Fusse  des  oberen  Quaders  bei  Lückendorf  in  der 
Oberlausitz  und  bei  Lindenau,  unweit  Böhmisch  Zwickau ;  F.  Römer  fand  diese  Art  in  cenomanen  sandigen 
Schichten  bei  Leobschütz  in  Oberschlesien,  Reuss  in  dem  Mittelpläner  von  Laun,  Postelberg  u.  s.  w.  in 
Böhmen,  Gümbel  in  turonen  und  senonen  Ablagerungen  Bayerns,  Zittel  in  der  Gosauformation  der  nord- 
östlichen Alpen;  am  grössten  ist  ihre  Entwickelung  in  dem  Grünsande  von  Kieslingswalde  in  der  Grafschaft 
Glatz  und  den  entsprechenden  unter-senonen  Ablagerungen  von  Kreibitz  in  Böhmen,  Marterberge  bei  Passau, 
am  Salzberge  bei  Quedlinburg,  in  dem  Kreidemergel  von  Dülmen,  Gehrden,  am  Luisberge  bei  Aachen,  im 
oberen  Quadersandsteine   von  Haltern,   und   in    der   senonen  Kreide   von  Schonen  bei   Köpinge,   Yngsjö,   etc. 

Sowerby's  Exemplar  stammt  aus  dem  Grünsande  von  Devizes  in  England,  d'Orbigny  führt  die  von 
ihm  aufrecht  erhaltenen  Varietäten  aus  cenomanen,  turonen  und  senonen  Bildungen  Frankreichs  auf, 
d'Orbigny  und  Stoliczka  wiesen  ihr  Vorkommen  in  der  Trichonopoly-Gruppe  Süd-Indiens  nach. 

5.     P.    acuminatus   Gein.  —  Taf.  43.  Fig.  16;    Taf.  44,  Fig.  1. 

1842.  Gein.  Char.  III.  pag.  84.  Taf.  21,  fig.  6. 

1846.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  29.  Taf.  39,  fig.  20,  21. 

1847.  D'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  II.  2,  pag.  309.  Tab.  16,  fig.  3. 
1849.  Gein.  Quad.  Deutsch],   pag.  182. 

1863.     A.  Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  725. 
1870.    F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschles.  pag.  333.  Taf.  26,  fig.  3. 

Beide  fast  gleich-  und  sehr  flach-gewölbte  Schalen  sind  oval-zugespitzt.  Von  ihren  fast  gleichlangen 
Seiten,  die  an  dem  spitzen  Wirbel  zusammenstossen,  ist  die  vordere  etwas  eingebogen.  Die  Oberfläche  der 
Schale  ist  mit  20 — 25  starken,  dachförmigen,  selten  mehr  gerundeten  Längsrippen  bedeckt,  welche  durch 
gleichbreite  Zwischenräume  getrennt  sind.  Ueber  beide  laufen  wellenförmige  Anwachslinien  hinweg.  Die 
grossen  Ohren  sind  von  dem  Rücken  der  Schale  durch  einen  steilen  Absatz  scharf  getrennt ;  das  hintere  ist 
stumpfwinkelig,  das  vordere  nähert  sich  einem  rechten  Winkel,  ist  an  der  Oberschale  in  seinem  mittleren 
Theile  etwas  auswärts  gebogen  (Fig.  16),  bei  der  Unterschale  an  seiner  Basis  stark  ausgeschnitten.  Beide 
Ohren  sind  mit  ausstrahlenden  Linien  und  Anwachslinien  verziert.  Unsere  grössten  Exemplare  erreichen 
105  Mm.   Länge    und   84  Mm.    Breite,    häufiger  sind   Exemplare   von   63  Mm.  Länge   und   44  Mm.  Breite. 


—     195      - 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Koschütz  und  Klein-Naundorf  bei  Dresden, 
Oberhässlich  bei  Dippoldiswalda,  Tyssa  in  Böhmen,  und  nach  Kunth  bei  Schmottseifen  in  Schlesien  ;  im 
unteren  Pläner  von  Plauen,  Dölzschen ;  nach  Reuss  im  Hippuritenkalke  von  Kutschliu,  Grossdorf  bei  Weltrus, 
Hollubitz,  Deberno  und  Koriczan  in  Böhmen;  nach  F.  Römer  in  der  Sandgrube  von  Sabschütz  bei  Leob- 
schütz ;  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  im  cenomanen  Grünsande  von  Le  Mans  in  Frankreich. 

6.  P.   subacutus   Lamarck,  1819.  —  Taf.  44.  Fig.  5. 

1846.  D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  605.  PI.  435,  fig.  5—10. 

1847.  P.  Brongniarti  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  II.  2,  pag.  310.  PI.  16,  flg.  4. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  182. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  169. 

In    seiner  Form    und   Structur    dem   P.  acuminatus   sehr   nahe   tretend,   unterscheidet  er   sich  von 

dieser  Art  fast  nur  durch  höckerige  Schuppen,   welche   sich  in  regelmässigen  Abständen   auf  der   Höhe  der 

Rippen  erheben,   während  die  flach-gerundeten  Zwischenfurchen  mit  feinen  Anwachslinien  bedeckt  sind.  Auf 
den  Ohren  finden  sich  mehrere  ausstrahlende  Linien  vor. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  in  der  gleichalterigen  Tourtia  von  Tournay 
in  Belgien  und  in  cenomanen  Schichten  von  Le  Mans,  La  Malle  und  Porte-des-Barques  in  Frankreich. 

7.  P.    elongatus  Lamarck,  1819.  —  Taf.  44.  Fig.  2— 4a. 

1834.  P.  cretosus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  58.  Taf.  94,  fig.  2   (nicht  P.  cretosus  Defrance). 

1839—1842.  P.  cretosus  Gein.  Char.  I.  pag.  22  ;  P.  Faujasi,  Char.  III.  pag.  83. 

1841.  P.  crispus  u.  P.  co?nans  Ad.  Römer,  Norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  51.  Taf.  8,  flg.  6. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  HI.  607.  PI.  436,  fig.  1—4. 

1846.  P.  Faujasü  Gein.  Grundr.  pag.  468  z.  Tb. 

P.  affinis  u.  P.  comans  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  29.  Taf.  39,  fig.  11,  13. 

1849.  P.  comans  u.  P.  elongatus  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  180,  182  (excl.  Fundort  Hundorf). 

1850.  P.  elongatus  u.  P.  crispus  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  169. 

Die  Gestalt  der  ovalen  Schale  ist  wiederum  ähnlich  jener  des  P.  acuminatus,  doch  sind  ihre  Klap- 
pen, und  namentlich  die  linke  oder  Oberschale,  längs  ihrer  Mitte  stärker  gewölbt.  Beide  sind  mit  zahl- 
reichen, sehr  gedrängt  liegenden,  ausstrahlenden  Rippen  von  ungleicher  Stärke  bedeckt,  welche  durch  Längs- 
linien  meist  zwei-  bis  dreitheilig  werden  und  durch  die  über  sie  hinweglaufenden  Anwachslinien  eine 
dicht-  und  feinschuppige  Beschaffenheit  erhalten  (Fig.  2  a).  Die  Ohren  sind  sehr  ungleich.  Das  weit  kleinere 
hintere  Ohr  ist  stumpfwinkelig,  das  vordere  Ohr  der  rechten  oder  unteren  Schale  ist  an  seiner  Basis  tief 
eingebuchtet  (Fig.  2),  das  der  linken  oder  oberen  Schale  zeigt  statt  dessen  eine  vorspringende  flache  Falte 
(Fig.  3,  4).     Ausstrahlende   Linien   zeigen   sich  wenigstens    auf   einem    grossen   Theile   sämmtlicher   Ohren. 

Die  von  Goldfuss  als  P.  cretosus,  von  A.  Römer  als  P.  crispus  und  P.  comans  beschriebenen 
Formen,  welche  sämmtlich  von  Essen  stammen,  wie  das  Fig.  3  abgebildete  Bruchstück,  sind  von  P.  elongatus 
untrennbar,  einer  mit  P.  Faujasü  Defr.  jedenfalls  am  nächsten  verwandten  Art.  Steinkerne  (Fig.  4  a)  oder 
innere  Schalenflächen  (Fig.  4)  zeigen  nur  glatte  Rippen  von  ungleicher  Stärke,  und  solche  Zustände  sind 
zum  Theil  als  P.  affinis  und  P.  comans  beschrieben  worden. 

Grösse  der  Exemplare   oft  72  Mm.  lang  und  57  Mm.  breit,  oder  64  Mm.  lang   und  50  Mm.  breit. 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Koschütz,  Klein-Naundorf  an  der  Prinzenhöhe, 
in    den    Conglomeraten    am   Tunnel   von  Oberau,    sehr    häufig   im    unteren    Pläner    von    Plauen,    Koschütz, 


—      196     — 

Dölzschen,  Gamighügel,  Kauscha  und  Gross-Sedlitz  bei  Pirna.  Im  Grünsandsteine  des  unteren  Quaders  von 
Raspenau  in  Böhmen,  in  dem  Hippuritenkalke  von  Grossdorf  bei  Weltrus  und  im  unteren  Pläner  des  Borzen 
bei  Bilin,  häufig  im  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  und  in  cenomanen  Schichten 
Frankreichs  bei  Le  Mans  (Sarthe),  Rouen  (Seine-Inf.),  Neuvilly  (Meuse),  Sancerre  (Cher.). 

8.  P.   Galliennei   d'Orb.  —  Taf.  44.    Fig.  6. 

1846.  D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  608.  PI.  436,  flg.  5—8. 

1847.  P  Passyi  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  II.  2,  pag.  309.  PI.  15,  flg.  9,  9  a. 
1850.     D'Orbigny,  Prodr. 'de  Pal.  II.    pag.  169. 

Mehrere  Oberschalen  von  Plauen  stimmen  sehr  genau  mit  den  Abbildungen  von  d'Orbigny  überein. 
Dieselben  sind  oval,  fast  gleichseitig,  schwach  gewölbt,  und  ihre  Seitenkanten,  die  unter  einem  wenig  spitzen 
Winkel  zusammenlaufen,  fallen  nach  den  Ohren  hin  plötzlich  ab.  Das  kleinere  hintere  Ohr  ist  stumpf- 
winkelig, das  grössere  vordere  Ohr  fast  rechtwinkelig;  das  erstere  trägt  drei,  das  letztere  mindestens  sechs 
ausstrahlende  Rippen. 

Die  Schale  des  P.  Galliennei  lässt  gegen  dreissig  schmale  und  ungleiche,  flachgerundete  und  fast 
glatte  Längsrippen  unterscheiden,  welche  hier  und  da  zu  niedrigen  Querschuppen  erhoben  sind.  Ihre  breiten 
und  flachen  Zwischenräume  sind  mit  eng  aneinander  liegenden,  diagonal-gekrümmten  Linien  bedeckt,  die  sich 
an  dem  Seitenrande  der  Schale  senkrecht  zu  demselben  stellen. 

Länge  der  Schale  43  Mm.,  Breite  36  Mm. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  in  der  Tourtia  von  Tournay  und  in  ceno- 
manen Schichten  Frankreichs  bei  Coudrecieux  (Sarthe)  und  Villers  (Calvados). 

9.  P.  Rhotomagensis   d'Orb.  —  Taf.  42.  Fig.  20;  Taf.  44.  Fig.  8. 

1846.  P  Ehotomagensis  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  er.  III.  pag.  609.  PI.  436,  flg.  9—11. 

1847.  P  subinterstriatus  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  t.  II.  2.  pag.  311.  PL  15,  flg.  10. 
1850.     D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  pag.  169. 

Von  ähnlicher  Form  wie  P.  Galliennei,  und  ebenso  flach  gewölbt,  erscheint  ihr  Wirbel  doch  etwas 
spitzer,  zumal  seine  Seitenkanten  deutlicher  eingebogen  sind.  Das  kleinere  hintere  Ohr  ist  fast  rechtwinkelig, 
das  grössere  vordere  Ohr  besitzt  an  der  Unterschale  eine  deutliche  Einbuchtung ;  auf  beiden  Ohren  erkenn^, 
man  wenige  ausstrahlende  Linien. 

Die  Bedeckung  der  Schale  besteht  aus  gedrängt-liegenden  ungleichen  Längsstreifen,  die  sich  durch 
Einsetzung  neuer  Linien  nach  der  Mitte  der  Schale  hin  bedeutend  vermehren.  Sie  sind  durch  schmale 
Furchen  von  einander  geschieden  und  liegen  nur  in  der  Nähe  des  Seitenrandes  etwas  entfernter.  Hier 
stellen  sich  auch  ähnliche  feine  diagonale  Linien  in  den  flachen  Zwischenräumen  ein,  wie  bei  P.  Galliennei 
(Fig.  8  a,  b).  Die  Längsstreifen  erscheinen  sämmtlich  granulirt  und  zuweilen  haben  sie  durch  stärkere 
Anwächsstreifen  theilweise  eine  zickzack-förmige  Biegung  erhalten  (Taf.  42.  Fig.  20).  Das  grösste  Exemplar 
von  Plauen  ist  56  Mm.  lang  und  47  Mm.  breit. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  im  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr,  von 
Tournay  in  Belgien  und  in  cenomanen  Schichten  des  Berges  Ste-Catherine  bei  Rouen  in  Frankreich. 


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10.  P.  inserens    Gein.   —   Taf.  44.  Fig.  7. 

Die  flach-gewölbte  ovale  Schale  hat  eine  gleiche  Form  wie  P.  Galliennei,  ist  aber  ausgezeichnet 
durch  die  höchst  regelmässige  Insertion  aller  auf  ihrer  Oberfläche  befindlichen  ausstrahlenden  Rippen  oder 
Linien.  Bei  25  Mm.  Länge  und  19  Mm.  Breite  der  Schale  trifft  man  schmale  gerundete  Längsleisten,  in 
deren  Mitte  sich  eine  etwas  kleinere  einstellt,  welche  jederseits  von  einer  noch  feineren  begleitet  wird,  neben 
welcher  sich  noch  eine  sehr  schwache  Linie  vorfindet.  Wie  bei  P.  Galliennei  zeigen  die  stärkeren  Leisten 
einige  entfernte  Querschuppen  und  es  stellt  sich  in  der  Nähe  des  Randes  zwischen  den  Rippen  eine  diagonale 
Streifung  ein. 

Vorkommen:    Im  Grünsande  des  unteren  Quaders  von  Oberau  und  von  Essen  a.  d.  Ruhr. 

11.  P.  hispidus   Goldf.  —  Taf.  44.  Fig.  9,  10. 
1834.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  59.  Taf.  94,  fig.  4. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  182  z.  Th. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  169. 

1863.     P.  serratus  Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  725  z.  Th. 

1868.     Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern,  II.  1,  pag.  736,  757. 

Die  Schale  ist  eiförmig,  etwas  gewölbt  und  wird  von  zahlreichen  schmalen  Längsrippen  bedeckt, 
welche  zum  grossen  Theile  ziemlich  gleichartig  sind  und  in  der  Regel  eine  schwache  Einbiegung  nach  der 
vorderen  Seite  hin  zeigen.  Die  zwischen  ihnen  liegenden  Zwischenräume  sind  flach  gerundet  und  in  der 
Regel  weit  breiter  als  die  Rippen.  Letztere  tragen  aufgerichtete  Schuppen,  die  in  massigen  Entfernungen 
von  einander  stehen  (Fig.  9  a).  Die  ungleichen  Ohren  sind  mit  ähnlichen  Rippen  verziert,  was  von  Goldfuss 
nicht  hervorgehoben  worden  ist ;  auch  scheinen  die  Ohren  an  dem  von  ihm  abgebildeten  Exemplare  nicht 
richtig  ergänzt  zu  sein,  denn  auch  bei  dieser  Art  sind  die  hinteren  Ohren  die  kleineren,  und  das  grössere 
vordere  Ohr  ist  fast  rechtwinkelig  und  besitzt  an  der  Unterschale  die  gewöhnliche  Einbuchtung  für  den 
Byssus. 

Als  Typus  für  die  Art  müssen  die  Exemplare  aus  dem  Grünsande  von  Essen  gelten,  von  welchen 
P.  serratus  Miss.  (Petr.  Suec.  pag.  20.  Tab.  9.  Fig.  9)  aus  Schonen  sicher  verschieden  ist.  Die  weit  zahl- 
reicheren, daher  schwächeren  und  viel  gedrängter  stehenden  Längsrippen  des  häufig  damit  verbundenen 
P.  serratus  entbehren  jener  für  P.  hispidus  charakteristischen  Biegung  nach  vorn  und  sind  mit  viel  enger 
aneinander  liegenden  und  breiteren  Querschuppen  besetzt,  während  die  schmalen  Zwischenfurchen  zwischen 
den  Längsrippen  ganz  flach  erscheinen. 

Vorkommen:  P  hispidus  liegt  uns  nur  aus  cenomanen  Schichten  vor,  ausser  von  Essen  a.  d. 
Ruhr  aus  dem  Grünsandsteine  von  Leiteritz  und  Eutschütz  bei  Dresden,  Raspenau  in  Böhmen,  Regensburg 
und  dem  oberen  Grünsande  der  Insel  Wight: 

12.  P.    cenomanensis   d'Orb.  —  Taf.  43.  Fig.  17. 
1843.    D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  er.  III.  pag.  603.  PI.  434,  fig.  11—14. 
1850.     D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  168. 

Die  kleine  ovale  Schale  ist  fast  gleichklappig  und  ziemlich  flach,  mit  fast  gleichlangen  Seitenkanten 
versehen,  die  den  spitzen  Wirbel  begrenzen  und  nach  den  ungleichen  Ohren  schnell  abfallen,  auf  ihrer 
Oberfläche  mit  sieben  bis  acht  starken,  dachförmigen  Rippen  bedeckt,  deren  obere  Kante  stellenweise  zu 
vereinzelten  höckerigen  Schuppen,  oder  selbst  zu  warzenförmigen  Höckern  anschwillt.  Ihre  kaum  breiteren 
Zwischenfurchen  sind  flach  vertieft.     Das  grössere  vordere  Ohr  ist  spitzwinkelig. 


—      198     — 

Längsfurchen,  welche  d'Orbigny  auf  Rippen  und  Zwischenräumen  entdeckte,  sind  an  unseren  Exem- 
plaren sehr  undeutlich ;  dagegen  weisen  die  Steinkerne  auf  eine  nahe  Verwandtschaft  mit  P.  decemcostatus 
Goldf.  hin.  Bei  19  Mm.  Länge  und  16  Mm.  breit. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  im  Grünsande  des  Tunnels  von  Oberau. 
Nach  d'Orbigny  in  cenomanen  Gebilden  bei  Le  Mans  (Sarthe),  Tourtenay  (Deux-Sevres)  und  Soulage  (Aube). 

13.     P.  asper   Lamarck,  1819. 

1822.     Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  370,  flg.  1,  2. 

1834.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  58.  Taf.  94,  flg.  1. 

1835.  A.  Brongniart,  Descr.  des  env.  de  Paris,  3.  ed.  pag.  151.  PI.  M.,  flg.  1. 
1839.     Gein.  Char.  I.  pag.  23. 

1841.     A.  Römer,  Norddeutsch.  Kreidegeb.  pag.  53. 
1843.     Gein.  Kiesl.  pag.  2. 

D'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III.  pag.  599.  PI.  434,  fig.  I— 6.  >) 
1846.     Gein.  Grundr.  pag.  469. 

Reuss,  Böhm.  Kreidet.  II.  pag.  30.  Taf.  40,  flg.  1. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  184. 

1850.  D'Orbigny,  Prod.  de  Pal.  11.  pag.  168. 

1863.     Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  724. 

1868.     Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Königr.  Bayern,  II.  1,  pag.  757  u.  s.  w. 

Eine  grosse  gleichschalige  und  stark  gewölbte  Art  von  nahezu  kreisförmigem  Umriss,  oft  sogar 
breiter  als  lang,  mit  fast  gleichlangen,  sanft-eingebogenen  Seitenkanten,  die  unter  einem  stumpfen  Winkel 
an  dem  Wirbel  zusammenstossen  und  durch  eine  Kante  von  den  Ohren  scharf  abgetrennt  sind.  Das  etwas 
kleinere  hintere  Ohr  ist  in  beiden  Schalen  stumpfwinkelig,  das  vordere  Ohr  fast  rechtwinkelig  und  springt 
in  seiner  Mitte  oft  vor,  oder  ist  an  seiner  Basis  (bei  der  Unterschale)  mehr  oder  minder  tief  eingebuchtet. 
Beide  Ohren  sind  strahlig  gerippt. 

Jede  Schale  trägt  siebzehn  bis  achtzehn  breite  Rippen,  welche  sich  in  drei  kleinere  Rippen  trennen, 
deren  mittlere  wieder  in  drei  bis  fünf,  die  zwei  seitlichen  in  zwei  bis  drei  radiale  schuppig-stachelige  Linien 
geschieden  sind.  Die  flach-concaven  Zwischenfurchen  lassen  nur  feine  concentrische  Anwachslinien  wahr- 
nehmen. 

An  einigen  Steinkernen  des  Quadersandsteines  ist  all  dieser  Schmuck  verloren  gegangen  und  sie 
besitzen  fast  einfache  gerundete  Rippen  mit  flach-concaven  Zwischenräumen,  so  dass  sie  einem  P.  multi- 
costatus  Nilss.  nicht  unähnlich  werden. 

Vorkommen:  Im  unteren  Quadersandsteine  von  Malter  bei  Dippoldiswalda,  im  Grünsandsteine 
von  Leiteritz  und  dem  Elbstolln  bei  Dresden,  im  unteren  Quader  von  Waltersdorf  bei  Lahn  und  anderen  Orten 
Niederschlesiens,  im  Grünsandsteine  von  Raspenau  an  der  schlesisch-böhmischen  Grenze,  im  unteren  Quader 
von  Graslitz  und  Lyssa  in  Böhmen,  im  Grünsandsteine  von  Regensburg,  sehr  schön  im  Grünsande  von 
Essen  a.  d.  Ruhr,  in  cenomanen  Ablagerungen  von  Lassigny,  Villers,  Honfleur,  Havre,  Rouen,  St.  Sauveur, 
Cornes,  La  Malle  in  Frankreich,  im  oberen  Grünsande  von  Horningsham  bei  Frome  in  England,  etc.  — 
Meine  frühere  Angabe  seines  Vorkommens  im  oberen  Quader   von   Schandau  (Grundr.  pag.  469)    hat  sich 


')  Die  Bemerkung  von  d'Orbigny  1.  c.  p.  601,   dass  A.  Römer  P.  asper  von  Essen   falsch    bestimmt    haben    solle,    ist 
ungerecht. 


—     199     - 

nicht  bestätigt,  jenes  nicht  mehr  vorliegende  Exemplar  könnte  etwa  aus  dem  unteren  Quader  des  Elbthales 
bei  Niedergrund  herrühren  ;  andere  früher  für  oberen  Quader  gehaltene  Sandsteine  in  Schlesien  und  Böhmen 
(Quad.  Deutschi.  pag.  1S5)  sind  seitdem  zu  dem  unteren  Quader  verwiesen  worden. 

14.     P.   multicostatus   Nilss.  —  Taf.  45.  Fig.  1. 

1827.     Nilsson,  Petr.  Suecana,  pag.  21. 

1834.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  53.  Taf.  92,  fig.  3. 

1837.     Hisinger,  Leth.  Sueeica,  pag.  51.  Tab.  16.  fig.  6. 

Schale  flach-gewölbt,  ebenso  breit  als  lang,  einen  grossen  Kreisabschnitt  darstellend,  über  welchem 
die  beiderseits  eingebogenen  Seitenkanten  an  dem  Wirbel  fast  rechtwinkelig  zusammenlaufen,  mit  zwanzig 
gleichförmigen,  hohen,  gerundeten  Längsrippen  bedeckt,  welche  durch  gleichbreite,  fast  ebene  Zwischenräume 
geschieden  sind.  Die  Ohren  sind  von  den  Seitenkanten  scharf  abgetrennt,  an  der  Oberschale  oder  linken 
Klappe  fast  gleichförmig  und  etwas  stumpfwinkelig,  an  der  Unterschale  oder  rechten  Klappe  aber  ist  das 
vordere  Ohr  merklich  breiter  und  an  seiner  Basis  mit  einer  tiefen  Ausbuchtung  versehen.  Ausser  gedrängten 
Anwachsstreifen  nimmt  man  auch  einige  ausstrahlende  Linien  darauf  wahr.     (Fig.  1.) 

Vorkommen:  Da  diese  Art  schon  im  unteren  Quadersandsteine  von  Golberoda  bei  Dresden  und 
von  Malter  bei  Dippoldiswalda  vorkommt,  so  spricht  sie  mit  anderen  Arten  für  eine  Migration  aus  cenoma- 
nen  Gebilden  in  jene  senonen  Ablagerungen  der  oberen  Kreide  von   Maastricht  und  Baisberg   in  Schonen. 

Vota   Klein.  1753  (seq.  Stoliczka).     (Janira  Schumacher,  1817;  Neithea  Drouet,  1824.) 

Die  Arten  dieser  von  Pecten  abgetrennten  Gattung  besitzen  eine  hochgewölbte  Unterschale  und 
eine  allermeist  flache,  ja  selbst  concave  Oberschale.  Goldfuss  hat  die  erstere  als  linke,  die  letztere 
aJs  rechte  Schale  bezeichnet.  Eine  Ausnahme  von  der  allgemeinen  Regel  bildet  V.  digitalis  A.  Rom.,  bei 
welcher  beide  Schalen  gewölbt  sind.  Wie  bei  Pecten  ist  auch  bei  Vota  das  meist  grössere  vordere  Ohr  der 
Unterschale  an  seiner  Basis  mehr  oder  weniger  tief  ausgeschnitten  oder  eingebuchtet. 

1.     V.   phaseola   Lam.  sp.  —  Taf.  45.  Fig.  2 — 4. 

1819.     Pecten  phaseolus  Lamarck,  1819  (seq.  d'Orbigny). 

1843.     Janira  phaseola  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  635.  PI.  444,  fig.  6—10. 

1846.     Pecten  decipiens  Reuss,  böbm.  Kreidef.  II.  pag.  31.  Taf.  45,  fig.  3. 

1850.     Janira  phaseola  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  169. 

1868.     Pecten  phaseolus  Gümbel,  in  Abh.  d.  k.  bayer.  Ak.,  II.  Cl.  X.  Bd.,  2.  Abth.,  pag.  66. 

1871.     Vola  laevis  Stoliczka,  Pal.  Ind.,  Cret.  Fauna  III.,  Pelecypoda,  pag.  438.  PI.  3],  fig.  7,  8. 

Eine  grosse  Art,  deren  Steinkerne  früher  von  uns  zu  V.  aequicostata  gerechnet  wurden,  der  sie 
sehr  ähnlich  sind. 

Sie  ist  kreisrund-oval,  stark  gewölbt  und  fast  gleichseitig,  auch  mit  ähnlichen  Ohren  versehen  wie 
V.  aequicostata;  doch  erscheint  sie  weniger  dreieckig,  da  ihr  niedergebogener  Wirbel  sich  nicht  so  stark 
verlängert,  wie  bei  jener  Art.  Von  dieser  unterscheidet  sich  V.  phaseola  durch  die  fast  glatte  Beschaffen- 
heit ihrer  Unterschale,  worauf  sich  der  Name  Pecten  laevis  von  Drouet,  1824,  bezieht.  Diese  Schale  ist 
indess  durch  mehr  oder  minder  deutliche  vertiefte  Linien  in  flache  Längsstreifen  geschieden  (Fig.  3).  Unter 
der  Schale  treten  auf  Steinkernen  breite  und  flache,  in  der  Regel  längsgefurchte  Rippen  hervor,  deren  flache 
Zwischenräume  oft  mit  einem  erhabenen  Längsstreifen  versehen  sind  (Fig.  2,  3).  Diese  Beschaffenheit  der 
Längsrippen  unterscheidet  neben  der  runderen  Gestalt  auch  die  Steinkerne  der  V.  phaseola  wesentlich  von 
jenen  der  V.  aequicostata. 


—     200     - 

Ihre  flache  Oberschale  (Fig.  4)  zeigt  einen  fast  gleichförmigen  Umriss  und  trägt  ziemlich  gleich- 
starke schmale  ausstrahlende  Rippen  mit  weit  breiteren  Zwischenfurchen. 

Vorkommen:  Exemplare  mit  Schale  liegen  aus  dem  unteren  Pläner  von  Dölzschen  bei  Dresden 
und  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen  vor,  grosse  prächtig  erhaltene  Steinkerne  aus  dem 
unteren  Quadersandsteine  von  Malter  bei  Dippoldiswalda.  D'Orbigny  beschrieb  diese  Art  aus  cenomanen 
Schichten  von  Le  Mans,  Sarlat,  CMtellerault  und  Touvois  (Loire-Inf.)  in  Frankreich,  Reuss  aus  dem  Hip- 
puritenkalke  und  Sandsteine  von  Hollubitz  und  Koriczan,  Gümbel  aus  Unterpläner  von  Schwarzochs  und 
Tuchomeritz  in  Böhmen,  Stoliczka  aus  der  Ootatoor-Gruppe  Südindiens. 

2.     V.   aequicostata   Lam.  sp.,  1819.  —  Taf.  45.  Fig.  5—7. 

1834.  Pecten  aequicostatus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  IL  pag.  54.  Taf.  92,  flg.  6. 

1839.  Desgl.  Gein.  Char.  I.  pag.  22. 

1841.  P.  aequicostatus  u.  P.  longicoUis  A.  Römer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  54.  Taf.  8,  flg.  8. 

1843.  Janira  aequicostata  d'Orbign)',  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  637.  PI.  445,  flg.  1—4. 

1846.  P.  aequicostatus  Gein.  Grundr.  pag.  469. 

Desgl.  Reuss,  böhra.  Kreidef.  II.  pag.  32.  Taf.  39,  flg.  22  ;  Taf.  40,  flg.  2,  3. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  186. 

1850.  Janira  aequicostata  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  170. 

1863.     Pect,  aequicostatus  Kunth,  in  Zeitscbr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  725. 

1865.    Desgl.   Briart  &  Cornet,   Descr.  min.,  geol.  et  pal.  de  la  Meule   de  Braquegnies   (Mem.  de  l'Ac.  belg.  t.  34), 
pag.  49    PL  4,  flg.  25,  26. 

Die  Unterschale  ist  oval-dreiseitig,  hochgewölbt  und  mit  dem  weit  vorragenden  Wirbel  bis  zu  dem 
geraden  Schlossrande  zurückgebogen ;  die  Oberschale  ist  fast  kreisrund,  oft  etwas  breiter  als  lang,  und  eben 
oder  zum  Theil  concav.  Die  ziemlich  gleichen  und  verhältnissmässig  kleinen  Ohren  sind  spitzwinkelig  und 
glatt.  Die  Schalenflächen  sind  mit  25 — 30  hohen,  fast  gleichstarken,  glatten  Rippen  bedeckt,  die  auf  der 
Unterschale  breiter  als  jene  der  Oberschale  werden,  wogegen  die  sie  trennenden  Furchen  sich  umgekehrt 
verhalten.  Bei  normalen  Exemplaren  ist  die  Stärke  und  Höhe  aller  Rippen  der  Unterschale  sehr  gleich- 
förmig (Fig.  5),  dagegen  pflegen  sich  auf  der  Oberschale  einige  derselben  mehr  zu  erheben  (Fig.  7),  wo- 
durch eine  Annäherung  zu  V.  quinqiiecostata  eintritt.  D'Orbigny  hat  für  seine  Abbildungen  gerade  einen 
Ausnahmezustand  gewählt,  der  auch  in  seiner  Unterschale  der  V.  quinqiiecostata  nicht  unähnlich  wird.  Von 
dieser  unterscheidet  sich  V.  aequicostata  noch  durch  glatte  Ohren  und  ungleiche  Anzahl  von  kleineren 
zwischen  je  zwei  grösseren  Rippen.     (Fig.  6.) 

Vorkommen:  Sie  ist  neben  Ostrea  carinata  eine  der  besten  Leitmuscheln  für  den  unteren 
Quader  oder  cenomane  Ablagerungen.  In  Sachsen  ist  sie  neben  dieser  und  Exogyra  Columba  die  gewöhn- 
lichste Erscheinung  im  unteren  Quadersandsteine  der  Prinzenhöhe  bei  Bannewitz  und  Klein-Naundorf,  der 
goldenen  Höhe  bei  Welschhufa,  bei  Golberoda,  Pabstenau,  im  Grünsandsteine  von  Leiteritz,  ferner  im  Elb- 
stolln  bei  Dresden,  in  den  Conglomeratschichten  am  Tunnel  von  Oberau,  in  dem  unteren  Quader  bei  Nieder- 
grund an  der  Elbe  und  in  der  isolirten  Sandsteinpartie  von  Weissig  auf  der  rechten  Eibseite. 

In  weit  grösseren  Exemplaren  trifft  man  sie  in  dem  Grünsandsteine  des  unteren  Quaders  zwischen 
Alt-Moletein  und  Landskron  unweit  Mährisch  Trübau,  und  in  eigenthümlich  verbogenen  Exemplaren  bei 
Pankratz  in  Böhmen,  etc.,  in  dem  unteren  Quader  von  Lahn  und  anderen  Orten  Schlesiens,  und  in  dem 
Grünsandsteine  von  Regensburg,  wo  sie  ihre  grösste  Entwickelung  zeigt.     Die  Exemplare  in  dem  Grünsande 


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von  Essen,  wo  diese  Art  sehr  selten  ist,  und  in  der  Meule  von  Bracquegnies  sind  ebenso  klein,  wie  die 
meisten  in  Sachsen  vorkommenden.  D'Orbigny  fand  diese  Art  in  cenomanen  Bildungen  von  Le  Mans,  Villers, 
La  Malle  und  Escragnolles. 

3.     V.  quinquecostata   Sow.  sp.  —  Taf.  45.  Fig.  8,  9;    II.  Taf.  10,  Fig.  17,  18. 

1814.  Pecten  quinqueeostatus  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  56,  fig.  i — 8. 

1819.  P.  versicostatus  Lamarck  z.  Th.  (seq.  d'Orbigny). 

1827.  P  quinqueeostatus  Nilsson,  Petr.  Suec.  pag.  19.  Taf.  9,  fig.  8  ;  Tab.  10,  fig.  7. 

1834.  Desgl.  Morton,  Synopsis  of  the  Organio  Remains  of  the  Cretac.  Group  of  the  United  States,  pag.  57.  PI.  19,  fig.  1. 

1835.  Desgl.  AI.  Brongniart,  Descr.  g<k>l.  des  env.  de  Paris.  3.  ed.,  pag.  151,  173,  626.  PI.  L.,  fig.  1. 

1836.  Desgl.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  55.  Taf.  93,  fig.  1. 

1837.  Desgl.  Hisinger,  Leth.  Suec.  pag.  50.  Tab.  16,  fig.  2. 
1839.  Desgl.  Gein.  Char.  I.  pag.  22. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  54. 

1843.  Janira  quinquecostata  d'Orbigny,  Pal.  frang.  terr.  cret.  III.  pag.  632.  PI.  444,  fig.  1 — 5. 

1846.  P.  quinqueeostatus  Gein.   Grundr.  pag.  470. 

P  versicostatus  Reuss,  böhm.  Kreidet'.  IL  pag.  31  z.  Th. 

1849.  P.  quinqueeostatus  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  186. 

1850.  Desgl.  Dixon,  Geol.  and  Foss.  of  Sussex,  pag.  356.  PI.  28,  fig.  1—3. 
1851 — 1852.  Neithea  quinquecostata  Bronn,  Leth.  geogn.  V.  pag.  275.  Taf.  30,  fig.  17. 

1863.  P.  quinqueeostatus  Kunth,  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  725. 

1868.  P.  quinqueeostatus  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern,  IL  1,  pag.  757. 

1870.  P.  quinqueeostatus  F.  Römer,  Geol.  v.  Oberschles.  pag.  340. 

1871.  Völa  quinquecostata  Stoliczka,  Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  III.,  Pelecypoda,  pag.  437  z.  Th. 

Von  einer  ähnlichen  Gestalt  wie  V.  aequicostata,  doch  mit  ungleichen  Rippen  bedeckt,  von  welchen 
auf  jeder  Schale  6  weit  stärker  hervortreten,  als  alle  anderen.  Zwischen  je  zweien  derselben  liegen  4  andere 
Rippen,  deren  zwei  mittlere  in  der  Regel  etwas  breiter  als  die  äusseren  sind.  Die  Bippen  werden  von  den 
flachen  Zwischenfurchen  scharf  geschieden  und  sind  auf  ihrem  Rücken  flachgewölbt.  Dicht  gedrängte  regel- 
mässige Anwachslinien  laufen  über  beide  hinweg  (Fig.  9  a).  Hinter-  und  Vorderrand  der  Unterschale  werden 
von  einer  der  grösseren  Rippen  begrenzt,  unter  welcher  auf  der  steilabschüssigen  Seitenfläche  noch  einige 
schwächere  Längsrippen  liegen,  während  auch  die  Ohren  dieser  Art  mit  zahlreichen  ausstrahlenden  Linien 
bedeckt  sind.  Dies  ist  ein  weiterer  Unterschied  von  V.  aequicostata.  Das  vordere  Ohr  ist  nur  selten  erhalten ; 
in  der  Abbildung  Taf.  Fig.  45  9  ist  es  nach  einem  Essener  Exemplare  ergänzt. 

Entsprechend  dem  stärkeren  Hervortreten  jener  6  Längsrippen  ist  der  Stirnrand  der  Schale  oft 
kantig,  was  sich  namentlich  an  der  flachen  oder  flach-coneaven  Oberschale  geltend  macht,  auf  deren  Aussen- 
fläche  sich  öfters  6  faltige  Erhebungen  bilden  (IL  Taf.  10.  Fig.  18). 

Vorkommen:  Das  Verbreitungsgebiet  dieser  Art  ist  sehr  gross.  Sie  gehört  unter  diejenigen, 
deren  Anwesenheit  schon  seit  langer  Zeit  in  beiden  Hemisphären  nachgewiesen  worden  ist.  In  Sachsen 
begegnet  man  ihr  zuerst  neben  V.  aequicostata  im  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa  bei  Dresden 
und  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen,  wo  ihre  Schalen  bei  4  Cm.  Länge  3,5  Cm.  Breite  besitzen,  oft  aber 
noch  weit  grösser  sind;  kleinere  Exemplare  von  nur  2,5 — 3  Cm.  Grösse  trifft  man  nicht  selten  im  Pläner- 
kalke  von  Strehfen,  mit  V.  quadricostata  zusammen  wahrscheinlich  auch  noch  im  oberen  Quadersandsteine  des 
Elbthales.     Von  anderen  Fundorten  liegen  im  Dresdener  Museum  vor  grosse  Exemplare  aus  dem  cenomanen 

Palaeontog-raphica  XX.  5.  90 


—     202     =- 

Grünsandsteine  von  Essen  an  der  Ruhr,  aus  cenomanen  Schichten  von  le  Havre  in  Frankreich,  aus  dem 
oberen  Grünsande  der  Insel  Wight,  welche  von  jenen  aus  den  jüngsten  cretacischen  Bildungen  von 
Oretorp  u.  a.  0.  in  Schonen  keinen  Unterschied  wahrnehmen  lassen.  Nach  Gümbel  in  cenomanen  bis  ober- 
turonen  Bildungen  Bayerns;  F.  Römer  hat  ihr  Vorkommen  in  einem  cenomanen  sandigen  Mergel  von  Bladen 
in  Oberschlesien  nachgewiesen,  Kunth  sowohl  in  cenomanen  Schichten  als  auch  in  senonen  Schichten  von 
Schlesien,  Stoliczka  in  den  Schichten  der  südindischen  Kreideformation. 

4.  V.  notabilis  Mün.  sp.  —  Taf.  45.  Fig.  10—12. 

1834.  Pecten  notabilis  Münster,  in  Goldfuss'  Petr.  Germ.  II.  pag.  56.  Taf.  93,  fig.  3. 

1839.  Desgl.  Gein.  Char.  I.  pag.  22. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  55. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschl.  pag.  188. 

1865.?  Janira  cometa  Briart  et  Cornet,  Descr.  min.,  geol.  et  pal.   de  la  Meule  de  Bracquegnies  (Mem.  de  l'Acad.  belg. 
t.  34),  pag.  50.  PI.  4.   fig.  23,  24. 

Die  hochgewölbte  Unterschale  (Fig.  10)  bildet  in  ihrem  Umfange  ein  spitzwinkeliges  Dreieck,  dessen 
Basis  sechsseitig  ist ;  der  niedergebogene  Wirbel  ragt  weit  über  den  Schlossrand  vor.  Von  den  sehr  ungleichen 
Ohren  ist  das  vordere  in  einen  langen  spitzen  Flügel  verlängert,  während  das  hintere  sehr  klein  ist.  Das 
Auszeichnende  für  diese  Art  liegt  in  dem  Vorhandensein  von  6  hohen,  dachförmig-gekielten  Längsrippen, 
deren  Seiten  und  concaven  Zwischenräume  mit  ausstrahlenden  Linien  verziert  sind,  über  welche  gedrängte 
wellenförmige  Anwachslinien,  sowie  oft  mehrere  unregelmässige  Anwachsringe  hinweglaufen.  Oft  liegen  3 — 4 
ziemlich  gleichartige  Linien  in  den  Zwischenräumen  und  einige  schwächere  Linien  auf  den  Seiten  der  Rippen, 
häufig  tritt  aber  auch  eine  grössere  Unregelmässigkeit  durch  weitere  Spaltung  derselben  ein. 

Die  weit  kürzere  Oberschale  (Fig.  11  und  12  im  Abdrucke)  bildet  einen  flachen  Deckel  mit  6  ähnlichen 
Längsrippen  und  deren  Verzierung,  wie  auf  der  Unterschale,  nur  sind  die  Rippen  schmäler,  auch  etwas 
niedriger  und  die  sie  trennenden  Zwischenräume  breiter. 

Eine  ihr  nahe  verwandte  Art. ist  V.  (Janira)  cometa  d'Orbigny  (Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  640. 
PL  445,  fig.  15 — 19),  doch  soll  diese  Art  nur  5  Längsrippen  besitzen,  von  welchen  eine  in  die  Mitte  der 
Schale  fällt,  während  bei  V.  notabilis  eine  Längsbucht  die  Länge  der  Schale  in  ihrer  Mitte  scheidet.  In 
dieser  Beziehung  nähert  sich  die  von  Briart  und  Cornet  gegebene  Abbildung  eines  Exemplars  aus  der  Meule 
von  Bracquegnies  weit  mehr  der   V.  notabilis  als  der   V.  cometa. 

Die  Grösse  dieser  Art  ist  gering  und  überschreitet  selten  2  Cm.  Länge  und  1,5  Cm.  grösste  Breite, 
während  sie  meist  geringer  ist. 

Vorkommen:  Den  zuerst  aus  dem  Grünsande  von  Essen  bekannt  gewordenen  Exemplaren  ent- 
sprechen genau  die  aus  dem  unteren  Quader  und  unteren  Pläner  Sachsens,  wie  von  der  Prinzenhöhe  bei 
Bannewitz,  im  Grüusandsteine  von  Leiteritz  bei  Costebaude,  im  Eibstollen  bei  Dresden,  im  Pläner  von  Plauen 
und  Koschütz,  und  allem  Anscheine  nach  auch  aus  der  Meule  von  Bracquegnies  in  Belgien. 

5.  V.  longicauda  d'Orb.   —  Taf.  45.  Fig.  16,  17. 

1843—1846.     Janira  longicauda  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  639.  PI.  445,  fig.  9 — 14. 

1850.  Desgl.  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  170. 

Von  einer  noch  spitzer-dreieckigen  Form,  einer  ähnlichen  Wölbung  der  Unterschale,  mit  breiten 
vorderen  Ohren,  wie  V.  notabilis  und  V.  cometa,  unterscheidet  sich  F.  longicauda  von  der  erstereu  durch 
nur  5  ausstrahlende  Rippen  auf  Unter-  und  Oberschale,  deren   eine  demnach   fast   in   die   Mitte   der   Schale 


—     203     — 

fällt,  Ihre  hohen  Rippen  sind  stumpf-gerundet,  während  sie  bei  jenen  dachförmig  gekielt  erscheinen.  Ausser 
einer  zarten  concentrischen  Streifung  der  sämmtlichen  Rippen  lassen  sich  in  deren  Zwischenräumen  hier  und 
da  noch  einige  undeutliche  Längslinien  bemerken.  Exemplare  von  mittler  Grösse  erreichen  bei  47  Mm. 
Länge  11  Mm.  Breite. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  im  cenomanen  Grünsande  von  le 
Mans  in  Frankreich. 

6.     V.  digitalis  A.  Römer  sp.  —  Tai  45.  Fig.  13—15. 

1841.  Pecten  digitalis  A.  Römer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  55.  Taf.  8,  flg.  7. 

1842.  Desgl.  Gein.  Char.  III.  pag.  84;  Nachtr.  pag.  16. 

1843.  Janira  digitalis  d'Orbiguy,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  642.  PL  446,  fig.  1—3. 
1849.  }'.  digitalis  u.  P.  comeia  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  188. 

Eine  der  schönsten  Arten  des  unteren  Quaders  und  unteren  Pläners,  welche  nahe  verwandt  mit 
V.  longicauda  ist,  sich  aber  leicht  durch  ihre  grössere  Breite  und  die  bei  Vota  so  ungewöhnliche  Wölbung 
der  Oberschale  unterscheiden  lässt. 

Ihr  Umfang  ist  oval-dreiseitig  und  ihre  Oberfläche  in  5  ungleiche,  breite  und  hochgewölbte  Längs- 
rippen geschieden,  welche  durch  tiefe,  aber  schmale  Furchen  getrennt  werden.  Die  mittlere  Längsrippe  ist 
am  breitesten,  die  am  hinteren  Rande  liegende  am  schwächsten  und  von  der  angrenzenden  Rippe  nur  undeutlich 
geschieden.  Alle  Rippen  sind  mit  mehr  oder  minder  deutlichen  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  die  man  mit- 
unter auch  in  den  Zwischenfurchen  bemerkt  und  welche  von  zarten  Anwachslinien  durchschnitten  werden.  Nur  an 
verwitterten  Exemplaren  tritt  eine  ungleiche  Längsstreifung  oft  sehr  deutlich  hervor.  Die  innere  Seite  des 
langen  Schlossrandes  ist  blätterig-gekerbt  und  unter  dem  Wirbel  zeigen  sich  zwei  divergirende  zahnartige 
Leisten  (Fig.  14  a,  b). 

Die  deutlich  gewölbte  Oberschale  (Fig.  15)  ist  mehr  schief-oval-dreiseitig  und  nach  hinten  ver- 
längert. An  den  Schalen  sind  die  vorderen  Ohren  breit  und  spitzwinkelig,  die  hinteren  Ohren  klein  und 
rechtwinkelig. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tharand,  Malter  und  Oberhässlich  bei 
Dippoldiswalde,  sowie  von  Tyssa  in  Böhmen;  öfters  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  und  an  dem  hohen 
Steine  bei  Plauen  gefunden;  nach  d'Orbigny  im  cenomanen  Grünsande  von  le  Mans  in  Frankreich. 

Lima  Desh. 

1.     L.  Reichenbachi  Gein.  —  Taf.  43.  Fig.  1,  2. 

1834.  Inoceramus  sulcatus  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  112  z.  Tb. 

1839.  Gein.  Char.  I.  pag.  24.  Taf.  8,  flg.  4  ;   Nachtr.  1843,  Taf.  5,  fig.  9. 

1841.  A.  Römer,  Nordd.  Kreideg.  pag.  57. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  fran?.  terr.  cret.  III.  pag.  544.  PL  418,  flg.  1—4. 

1846.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  34. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  190. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  166. 

Ihre  Schale  ist  schief-halbkreisförmig  und  gewölbt;  ihre  lange  Vorderseite  fällt  steil  ab  und  umscaliesst 
mit  der  kurzen  hinteren  Seite  den  niedergebogenen  Wirbel  unter  einem  wenig  spitzen  Winkel.  Ohren  klein 
und  stumpfwinkelig.    Die  Oberfläche  der  Schale  trägt  7 — 8  starke  gerundete  Rippen,   welche  durch  gleiaii- 


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breite  Zwischenräume  getrennt  und,  wie  die  Rippen,  mit  zahlreichen  feinkörnigen  Längsstreifen  bedeckt  werden. 
Sie  erreicht  bei  33  Mm.  Länge  gegen  21  Mm.  Breite. 

Vorkommen:  Die  prächtige  Lima  ist  eine  Leitmuschel  für  die  unteren  cenomanen  Schichten. 
Sie  findet  sich  in  dem  unteren  Pläner  bei  Plauen  und  Koschütz,  in  den  Conglomeratschichten  von  Teplitz 
und  Janegg  und  in  dem  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  in  Böhmen,  im  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr, 
in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  bei  Condrecieux  (Sarthe)  und  Saumur  (Maine-et-Loire)  in  Frankreich. 
Die  ihr  sehr  nahe  verwandte  Lima  Oldhamiana  Stoliczka  (Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  Pelecypoda,  pag.  423. 
PI.  30,  fig.  6,  7;  PI.  36,  flg.  5)  vertritt  sie  in  einem  conglomeratigen  Sandsteine  der  Arrialoor-Gruppe  in 
Südindien.     Letztere  pflegt  etwas  kürzer  zu  werden  und  besitzt  einige  Rippen  mehr  als  Lima  Eeichenbachi. 

2.  L.  plauen sis  Gein.  —  Taf.  43.  Fig.  5,  6. 

Bis  12  Mm.  gross,  trifft  man  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  besonders  in  der  Nähe  der  Frohbergs- 
burg, eine  zierliche  Lima  an,  die  ein  Cardium-artiges  Ansehen  hat.  Bei  kreisrund-ovalem  Umriss  ist  ihre 
bauchiggewölbte  Schale  fast  gleichseitig  und  besitzt  einen  niedergebogenen,  über  den  Schlossrand  vorragenden 
spitzen  Wirbel,  an  dessen  Seiten  sie  bis  an  die  kleinen,  ziemlich  gleichartigen  Ohren  steil  abfällt.  Ihre  Ober- 
fläche ist  mit  hohen  Rippen  bedeckt,  die  in  der  Nähe  des  Wirbels  meist  glatt  und  flach-gerundet  erscheinen, 
dann  aber  dachförmig  werden  und  in  der  Regel  durch  drei  Längslinien  getheilt  sind,  deren  mittlere  mit 
niedrigen  dachziegelförmigen  Schuppen  besetzt  ist.  In  den  Zwischenräumen  treten  regelmässige  concentrische 
Anwachslinien  hervor. 

Es  lässt  sich  die. nahe  Verwandtschaft  dieser  Art  mit  Lima  aequicostata  Gein.  (Char.  III.  pag.  82. 
Taf.  20,  fig.  40,  41.  —  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  IL  pag.  33.  Taf.  38,  pag.  1)  aus  den  Hippuritenschichten 
von  Kutschlin  nicht  wohl  vorkennen,  doch  wird  man  sie  so  lange  davon  getrennt  halten  müssen,  bis  ihre 
Identität  womöglich  an  Exemplaren  von  Kutschlin  selbst  nachgewiesen  sein  wird. 

Vorkommen:    Nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  sowie  auch  bei  Kauscha. 

3.  L.  pseudocardium  Reuss.  —  Taf.  42.  Fig.  14,  15. 

1840.     Cardium  dubium  Gein.  II.  pag.  52.  Taf.  16,  fig.  21  ;  Taf.  21,  fig.  20. 
1846.     Desgl.  Gein.  Grundr.  pag.  424.  Taf.   19,  fig.  5. 

Lima  pseudocardium  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  33.  Taf.  38,  fig.  2,  3. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  191. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  167. 

1868.    Gümbel,    Geogn.    Beschr.    d.   Kön.   Bayern,   II.    1,    pag.  757,  und  in  Abh.  d.  k.  bayer.  Akad.  II.  GL,   X.  Bd., 
2.  Abth.  pag.  63. 

Eine  kleine  Art  von  Cardium-artigem  Ansehen,  welche  kaum  grösser  als  18  Mm.  wird,  mit  schief- 
oval kreisrundem  Umriss,  einem  spitzen,  über  die  Mitte  vorstehenden  Wirbel,  an  welchem  die  starkgewölbte 
Schale  nach  beiden  Seiten  hin  bis  an  die  kleinen  stumpfwinkeligen  Ohren  schnell  abfällt.  Die  ganze  Ober- 
fläche ist  mit  schmalen,  gleichstarken  ausstrahlenden  Rippen  bedeckt,  welche  glatt  und  gerundet  sind  und 
durch  kaum  breitere  flache  Zwischenräume  geschieden  werden.  Ihre  Zahl  beträgt  bei  Exemplaren  von  der 
Grösse  der  Abbildung  35  und  mehr,  bei  jüngeren  ist  sie  weit  geringer. 

Vorkommen:  Nicht  selten  im  unteren  Quadersandsteine  der  Prinzenhöhe  bei  Bannewitz  und 
Goldenen  Höhe  bei  Welschhufa,  bei  Gittersee  und  Koschütz,  seltener  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und 
Sobrigau,  im  Mittelquader  bei  Rottwernsdorf  und  Gross-Cotta,  in  dem  turonen  Copitzer  Grünsandsteine  von 
Copitz  bei  Pirna,  im  Mittelpläner  von  Priessnitz  an  der  Elbe  und  im  Plänerkalke  von  Strehlen.    Mit  diesem 


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Vorkommen  in  cenomanen  und  turonen  Schichten  Sachsens  stimmt  ihr  Vorkommen  in  Böhmen  überein,  wo 
man  sie  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa,  dem  Hippuritenkalke  von  Kutschlin,  dem  Plänersand- 
steine  von  Hradek,  Trziblitz,  im  Exogyrensandsteine  von  Malnitz  u.  s.  w.,  in  dem  kalkigen  Sandsteine  am 
Fusse  des  Oberquaders  bei  Lindenau  unweit  Böhmisch  Zwickau,  sowie  auch  im  Pläner  von  Laun  u.  s.  w.  ange- 
troffen hat.     Gümbel  führt  diese  Art  aus  ober-turonen  und  senonen  Schichten  Bayerns  auf. 

4.  L.  ornata  d'Orb.  —  Taf.  42.  Fig.  16.  17. 

1839.  L.  aspera  Gein.  Char.  I.  pag.  23  z.  Th. 

1843.     D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  551.  PI.  421,  fig.  6—10. 

1849.  L.  ornata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  192. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  167. 

Die  flachgewölbte  Schale  ist  länglich-schief-oval  und  verläuft  in  einen  spitzwinkeligen  Wirbel.  Sie 
besitzt  einen  langen  gerade  abgeschnittenen  Vorderrand,  welcher  kielartig  an  einen  vertieften  Hof  anstösst, 
einen  gerundeten  Hiuterrand  und  sehr  kleine  Ohren,  von  denen  kaum  das  hintere  etwas  deutlicher  hervortritt. 
Ihre  ganze  Oberfläche  ist  ziemlich  dicht  mit  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  die  durch  Anwachslinien  zuweilen 
unregelmässig  gebogen  sind  und  durch  regelmässige  höckerige,  fast  ziegelschuppige  Höcker  geschmückt  werden. 
Letztere  treten  am  Rande  der  Schale  am  deutlichsten  hervor. 

Plagiosloma  aspera  Mantell  (Geol.  of  Sussex,  pag.  129.  Taf.  26,  fig.  18)  ist  ihr  nahe  verwandt, 
wird  aber  breiter,  während  L.  aspera  bei  Goldfuss  (Petr.  Germ.  IL  pag.  90.  Taf.  104,  fig.  4)  und  bei 
d'Orbigny  (Pal.  fr.  III.  pag.  566.  PI.  425,  fig.  3—6)  wohl  eher  auf  L.  Dunkeri  v.  Hagenow  (Leonh.  Jahrb. 
1842.  pag.  556)  aus  der  oberen  Kreide  zurückzuführen  sind. 

Vorkommen:  Im  Grünsande  und  Conglomerate  des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau  und 
im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  Dölzschen  (=  Teltschen).  Im  Grünsande  von  Essen  an  der  Ruhr  und 
im  Cenoman  von  le  Mans  in  Frankreich. 

5.  L.  Simplex  d'Orb.  —  Taf.  43.  Fig.  7. 

1843.     D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  545.  PI.  418,  fig.  5—7. 

1849.  L.  dichotoma  u.  L.  Hoperi  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  192  z.  Th. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  166. 

Im  unteren  Pläner  des  Elbthales  kommt  eine  fast  glatte  Lima  vor,  welche  einige  Aehnlichkeit  mit 
L.  Hoperi  zeigt,  womit  wir  sie  früher  vereinigten.  Sie  unterscheidet  sich  von  der  letzteren  durch  ihre  langge- 
strecktere Form  und  ihren  viel  spitzeren  Wirbel,  an  welchem  die  lange,  stets  eingebogene  Vorderseite  mit  der 
kurzen  Hinterseite  zusammenstösst.  Der  Vorderrand  begrenzt  einen  nur  wenig  vertieften  Hof  ziemlich  scharf- 
kantig und  hier  nimmt  man,  wie  auf  einem  grossen  Theile  der  Schale  mehr  oder  minder  deutliche  aus- 
strahlende Linien  wahr.  Besonders  deutlich  tritt  diese  Streifung  an  einem  Steinkern  von  Plauen  und  Dölzschen 
hervor,  welche  daher  früher  zu  L.  dichotoma  Reuss  gestellt  worden  waren. 

Vorkommen:  In  unteren  Pläner  von  Plauen,  Dölzschen  und  Okerwitz;  nach  d'Orbigny  in  cenomanen 
Schichten  von  le  Mans. 

6.  L.  divaricata  Dujardin.  —  Taf.  42.  Fig.  18. 

1840.  L   arcuata  Gein.  Char.  II.  pag.  57.  Taf.  9,  fig.  7. 

1841.  A.  Römer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  58. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  188. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  248. 


—     2"06     — 

Der  Umriss  der  Schale  ist  länglich-eirund  und  unsere  grössten  Exemplare  erreichen  bei  46  Mm.  Länge 
ziemlich  in  der  Mitte  ihre  grösste  Breite  von  35  Mm.  Sie  ist  regelmässig-  und  ziemlich  flach-gewölbt,  fällt 
aber  in  der  Nähe  des  wenig  niedergebogenen  Wirbels  nach  beiden  Seiten  hin  schnell  ab,  ohne  einen 
deutlichen  Hof  zu  bilden,  und  besitzt  jederseits  ein  kleines  stumpfwinkeliges  Ohr.  Das  Auszeichnende  liegt 
für  sie  in  der  Structur  der  Schale,  welche  nebst  den  Ohren  dicht  mit  feinen,  durch  zarte  Anwachslinien 
gekörnten,  ausstrahlenden  Linien  bedeckt  ist,  die  sich  in  der  Mitte  der  Schale  unter  einem  Winkel  nach  links 
und  rechts  hin  scheiden  und  sich  ausserdem  durch  Spaltung  vermehren. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  Dölzschen,  im  mittleren  Planer  von 
Priessnitz  und  Niederwartha  an  der  Elbe,  häufiger  und  in  grösseren  Exemplaren  im  Plänerkalke  von  Strehlen. 
In  cenomanen  Schichten  von  Tournay  in  Belgien  und  nach  d'Orbigny  in  senonen  von  Tours  (Indre-et-Loire) 
und  St.  Gervais  bei  Blois. 

7.  L.  interstria ta  Gein.  —  Taf.  42.  Fig.  19. 
1849.     Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  188.  Taf.  12,  flg.  1,  2. 

Eine  fast  kreisrunde  und  fast  gleichseitige,  demnach  einem  Pecten  ähnliche  Art,  deren  beide  Schaleu 
gleichmässig  flachgewölbt  und  jederseits  mit  einem  stumpfwinkeligen  Ohre  versehen  sind,  von  welchen  das 
hintere  nur  wenig  grösser  als  das  vordere  ist.  Die  Seiten  fallen  nach  letzteren  hin,  ohne  einen  Hof  zu 
bilden,  ab.  Die  Schale  ist  vor  allen  ausgezeichnet  durch  16 — 20  unregelmässige  Längsrippen,  zwischen 
welchen  und  auf  welchen  aneinander-gedrängte  feine  Längslinien  liegen,  die  durch  Anwachslinien  punktirt 
oder  körnig  werden  und,  von  der  Mitte  der  Schale  aus  sich  nach  beiden  Seiten  krümmend,  zum  Theil  in 
schiefer  Richtung  über  die  Rippen  hinweglaufen,  zum  Theil  aber  auch  die  Richtung  der  letzteren  verfolgen. 
Unregelmässige  Anwachslinien  bringen  mitunter  eine  Störung  in  der  Richtung  der  Rippen  und  Linien  hervor. 

Vorkommen:  Bisher  nur  in  wenigen  Exemplaren  auf  der  linken  Seite  des  Plauenschen  Grundes 
bei  Dölzschen  (Teltschen)  gefunden. 

8.  L.  rapa  d'Orb.  —  Taf.  43.  Fig.  4. 

1845.     D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  546.  Taf.  419,  flg.  1—4. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  188. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  166. 

Zwei  Exemplare  dieser  grossen  Art  stimmen  sehr  nahe  mit  d'Orbigny's  Abbildung  überein.  Bei 
66  Mm.  Länge  und  50  Mm.  in  deren  Mitte  fallender  grösster  Breite  ist  der  Umriss  ziemlich  regelmässig- 
oval,  da  die  unter  einem  spitzen  Winkel  an  dem  Wirbel  zusammenlaufenden  Seitenkanten  von  zwar  schmalen, 
aber  langgestreckten  und  fast  gleichartigen  Ohren  begrenzt  werden,  über  welche  der  Wirbel  nur  wenig 
hinausragt.  Der  Rücken  der  Schale  ist  flach-  und  regelmässig-gewölbt.  Ausser  den  zahlreichen  und  oft 
gedrängt  liegenden  concentrischen  Anwachslinien  bemerkt  man  an  unseren  Exemplaren  keine  ausstrahlenden 
Streifen  oder  Linien,  die  jedoch  d'Orbigny  an  besser  erhaltenen  Schalen  wahrgenommen  hat. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  bei  Dölzschen,  nach  d'Orbigny  in  cenomanen  Schichten 
von  le  Mans  und  Condrecieux  in  Frankreich. 

9.  L.  tecta  Goldf.  —  Taf.  43.  Fig.  3. 

1834.    Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  91.  Taf.  104,  flg.  7. 
1839.     L.  lamellosa  Gein.  Char.  I.  pag.  23. 
1841.     A.  Römer,  Nordd.  Kreidegeb.  pag.  58. 


—     207      — 

1843.     D'Orbigny,  Pal.  frans,  terr.  cret.  III.  pag.  547.  PI.  419,  fig.  5—8. 

1849.  Ge!n.  Quad.  Deutschi.  pag.  188. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  166,  247. 

1871.    Badula  tecta  Stoliczka,  Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  Pelecypoda,  pag.  420.  PI.  30,  fig.  12. 

Die  sehr  flach-gewölbte  Schale  hat  einen  länglich-ovalen,  etwas  schiefen  Urariss,  erreicht  bei  63  Mm. 
Länge  gegen  45  Mm.  Breite  und  wird  auf  ihrer  ganzen  Oberfläche  mit  dicht  stehenden,  regelmässigen  aus- 
strahlenden Linien  bedeckt,  welche  in  regelmässigen  Abständen  von  zahlreichen,  blattartig  vorspringenden 
Anwachsringen  unterbrochen  werden.  Die  längere  Vorderseite  ist  etwas  eingebogen  und  die  grossen  Ohren 
zu  beiden  Seiten  des  niedrigen  Wirbels  sind  lang  und  stumpfwinkelig. 

Vorkommen:  Schon  im  unteren  Quadersandsteine  von  Golberoda  und  Klein-Naundorf  bei  Dresden, 
Tyssa  in  Böhmen,  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Dölzschen  und  Gross  -Sedlitz,  während  sich  das  früher 
erwähnte  Vorkommen  bei  Cotta,  Strehlen  und  Schandau  aus  Mangel  an  Originalen  nicht  mehr  verbürgen 
lässt.  Es  ist  dasselbe  indess  nicht  unwahrscheinlich,  da  Goldfuss  diese  Art  selbst  noch  in  der  oberen  Kreide 
von  Maastricht  gefunden  hat.  D'Orbigny  führt  sie  sowohl  aus  cenoraanen  Schichten  von  le  Mans  und  la  Malle, 
als  aus  senonen  Schichten  von  Tours  und  les  Essards  (Loir-et-Cher)  an.  Sie  kommt  nach  Stoliczka  in  der 
Arrialoor-Gruppe  in  Südindien  N.  von  Poodoopolliam  vor. 


-     207     — 

1843.     D'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III.  pag.  547.  PL  419,  fig.  5—8. 

1849.  Geiu.  Quad.  Deutschi.  pag.  188. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  166,  247. 

1871.     Madula  tecta  Stoliczka,  Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  Pelecypoda,  pag.  420.  PI.  30,  fig.  12. 

Die  sehr  flach-gewölbte  Schale  hat  einen  länglich-ovalen,  etwas  schiefen  Umriss,  erreicht  bei  63  mm. 
Länge  gegen  45  mm.  Breite  und  wird  auf  ihrer  ganzen  Oberfläche  mit  dicht  stehenden,  regelmässigen  aus- 
strahlenden Linien  bedeckt,  welche  in  regelmässigen  Abständen  von  zahlreichen,  blattartig  vorspringenden 
Anwachsringen  unterbrochen  werden.  Die  längere  Vorderseite  ist  etwas  eingebogen  und  die  grossen  Ohren 
zu  beiden  Seiten  des  niedrigen  Wirbels  sind  lang  und  stumpfwinkelig. 

Vorkommen:  Schon  im  unteren  Quadersandsteine  von  Golberoda  und  Klein-Naundorf  bei  Dresden, 
Tyssa  in  Böhmen,  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Dölzschen  und  Gross-Sedlitz,  während  sich  das  früher 
erwähnte  Vorkommen  bei  Cotta,  Strehlen  und  Schandau  aus  Mangel  an  Originalen  nicht  mehr  verbürgen 
lässt.  Es  ist  dasselbe  indess  nicht  unwahrscheinlich,  da  Goldfuss  diese  Art  selbst  noch  in  der  oberen  Kreide, 
von  Maastricht  gefunden  hat.  D'Orbigny  führt  sie  sowohl  aus  cenomanen  Schichten  von  le  Mans  und  la  Malle, 
als  aus  senonen  Schichten  von  Tours  und  les  Essards  (Loir-et-Cher)  an.  Sie  kommt  nach  Stoliczka  in  der 
Arrialoor-Gruppe  in  Südindien  N.  von  Poodoopolliam  vor. 

Nachtrag  zu  Spondylus  Klein,  S.   186. 

5.  Sp.  occultus  Gein.   —  Taf.  46.  Fig.  1. 

Eine  kleine,  regelmässig  gewölbte  Oberschale  von  fast  kreisrundem  Umriss,  mit  einem  kleinen,  fast 
in  der  Mitte  liegenden  Wirbel,  der  von  zwei  kleinen  stumpfwinkeligen  Ohren  eingefasst  wird.  Die  ganze 
Oberfläche  ist  mit  feinen,  körnig-schuppigen  ausstrahlenden  Ringen  bedeckt,  die  sich  durch  wiederholte  regel- 
mässige Zwischenlagerung  schwächerer,  jedoch  ähnlich  beschaffener  Linien  nach  dem  Rande  hin  vermehren 
und  nur  durch  schmale  Zwischenfurchen  von  einander  geschieden  sind.     Grösse  7  mm. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Farn.  Aviculidae. 

Avictila  Klein,  1753. 

1.  A.  anomala  Sow.  —  Taf.  46.  Fig.  5,  6. 

1827 — 1836.  Sowerby  in  Fitton,  Observations  on  some  of  the  Strata  between  the  Chalk  and  the  Oxford  Oolite  (Geol. 
Trans.  2d.  Ser.  Vol.  IV.)  pag.  342.  PI.  17.  fig.  18. 

1843.    D'Orbigny,  Pal.  frang.  terr.  cret.  III.  478.  PI.  392. 

1846.     Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  22.  Taf.  22.  fig,  1—3. 

1849.     A.  anomala  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  170  z.  Th. 

1865.  Briart  &  Cornet,  Descr.  de  la  Meule  de  Bracquegnies  (Mem.  des  sc.  de  l'Acacl.  r.  de  Belgique,  t.  XXXIV. 
pag.  52.  PI.  4.  fig.  7). 

1868.     Gümbel,  Geogr.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern.  IL  1.  pag.  756. 

Die  schiefe  Schale  ist  länger  als  breit  und  von  fünfseitigem  Umriss.  Ihr  meist  flacher  Rücken  ist  beider- 
seits stumpf-gekielt,  unten  schief  abgeschnitten  und  von  einem  hohen  und  breiten  hinteren  Flügel  deutlich 
geschieden,  während  die  vordere  Seite  steil  gewölbt  von  dem  Rücken  abfällt  und  in  einen  schmalen  vorderen 
Flügel  verläuft.  Die  ganze  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  die  selbst  auf  den 
Steinkernen  von  Tyssa  noch  angedeutet  sind. 

Palaeontographica  XX.  6.  30 


—     208     — 

Vorkommen:  Diese  Form,  welche  aus  dem  oberen  Grünsande  von  Blackdown  in  Devonshire,  aus 
cenomanen  Schichten  von  Mans  (Sarthe)  und  aus  der  Meule  von  Bracquegnies  beschrieben  worden  ist, 
kommt  in  ganz  ähnlicher  Weise  auch  in  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen  vor.  Indessen 
stellen  sich  hier  Varietäten  mit  breiterem  und  schmälerem  Flügel  ein,  auch  erhebt  sich  bei  ihnen  zuweilen 
die  vordere  Rückenkante  zu  einem  schmalen,  scharfen  Kiele,  wodurch  sich  diese  Art  der  folgenden  nähert. 
Der  Rücken  ist  in  der  Nähe  des  Wirbels  gewölbt  und  verflacht  sich  nach  unten  hin,  die  ausstrahlenden 
Linien  verschwinden  oft  ganz,  was,  analog  der  Zeichnung  auf  Avicula  speluncaria  des  Zechsteins,  kein  Unter- 
schied zur  Trennung  einer  Art  sein  kann. 

Die  früher  in  «Charakteristik»  Taf.  20.  fig.  38,  und  in  «Grundriss»  Taf.  20.  flg.  5  gegebenen  Ab- 
bildungen dieser  Art  von  Tyssa  sind  ganz  ungenügend,  weshalb  ihre  richtige  Bestimmung  von  d'Orbigny 
bezweifelt  wurde. 

Reuss  hat  a.  a.  0.  Taf.  32.  fig.  1.  2.  3  Exemplare  aus  dem  Plänersandstein  von  Trziblitz 
und  Hradek  abgebildet,  von  welchen  wenigstens  die  zwei  ersten  sich  eng  an  A.  anomala  anschliessen  und 
wozu  auch  fig.  3  noch  gehören  mag.  Nach  Gümbel  findet  sich  A.  anomala  im  unteren  Pläner  bei  Regens- 
burg.  Man  braucht  kein  Bedenken  zu  tragen,  auch  die  in  dem  unteren  Quadersandstein  und  in  dem  Pläner 
Sachsens  vorkommende  Avicula,  und  sowohl  den  Mytilus  angustus  Müu.  (Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  p.  170. 
Taf.  129.  fig.  7.)  aus  dem  Quader  von  Koschütz,  als  auch  Gervillia  Beichii  (oder  G.  Cottae)  A.  Römer 
(Verst.  d.  nordd.  Kreidegeb.  pag.  64.  Taf.  8.  fig.  14)  von  Tyssa  und  Koschütz,  mit  Av.  anomala  zu  vereinen. 
Der  Mytilus  angustus  ist  eine  Avicula  ohne  sichtbaren  hinteren  Flügel,  Gervillia  Beichii  oder  G.  Cottae 
ist  eine  schmale  Abänderung  der  A.  anomala,  welche    wahrscheinlich  von  Tyssa  stammt. 

Die  in  «Charakteristik»  Taf.  X.  fig.  2  a — d  schlecht  abgebildeten  Exemplare  aus  dem  unteren 
Quader  und  Pläner  von  Sachsen  zeigen  wenigstens  die  nächsten  Reziehungen  zu  dieser  oder  der  folgen- 
den Art. 

Das  Exemplar  von  Kieslingswalde  in  «Charakteristik,  Nachtrag»  Taf.  3.  fig.  8.  hat  schon  Reuss  zu 
Av.  triloba  Ad.  Roemer  verwiesen. 

2.  A.  glabra  Reuss.  —  Taf.  46.  Fig.  7;  II.  Taf.   11.  Fig.  2. 

1846.  Reuss,  Verst.  d.  Böhm.  Kreiilef.  II.  22.  Taf.  32.  flg.  4.  5. 

1849.  A.  anomala  Gein.  Quad.  Deutsch],  p.   170.  z.  Th. 

1854.  A.  raricosta  Reuss,  Beitr.  z.  Charakt.  d.  Kreideschichten  in  den  Ostalpen,  pag.  147.  Taf.  28.  fig.  16. 

1866.  Desgl.  Zittel,  die  Bivalven  der  Gosaugebilde,  pag.  14.  Taf.  13.  fig.  6. 

Exemplare  aus  dem  unteren  Pläner  von  Koschütz  und  Gorbitz,  sowie  aus  dem  turonen  oberen 
Pläner  von  Strehleu  unterscheiden  sich  von  A.  anomala  meist  durch  geringere  Länge  und  einen  niedrigeren 
hinteren  Flügel,  namentlich  aber  auch  eine  stärker  erhabene  ausstrahlende  Linie,  die  von  der  Spitze  des 
Wirbels  über  den  vorderen  Rückenkiel  hinweg  nach  dem  unteren  Ende  hinläuft.  Neben  demselben  treten  auf 
der  vorderen  steilgewölbten  Seite  noch  einige  schwächere  Linien  auf;  Rücken  und  hinterer  Flügel  der  Schale 
pflegen  von  ausstrahlenden  Linien  befreit  zu  sein. 

Dennoch  zeigen  aber  einige  Exemplare  von  Strehlen  auch  einzelne,  wenn  auch  deutlich  ausstrahlende 
Linien  auf  diesen  Schalentheilen,  was  auf  eine  Verbindung  dieser  Art  mit  Av.  raricosta  Reuss  hinweist. 

Vorkommen:  Nicht  selten  in  kleinen  Exemplaren  in  dem  unteren  Pläner  von  Koschütz  und 
Gorbitz  in  der  Nähe  von  Dresden  und  in  dem  Plänerkalke  von  Strehlen.     A.  glabra  nach  Reuss  häufig  im 


—     209     — 

unteren  Pläner  von  Laun  und  im  Plänermergel  von  Priesen  und  Postelberg  in  Böhmen;  A.  raricosta  nach 
Reuss  und  Zittel  ziemlich  häufig  in  den  sandig-mergeligen  Gosaugebilden  des  Billmannsgraben  am  St.  Wolf- 
gang-See. 

3.  A.  Roxelana  d'Orb.  —  Taf.  46.  Fig.  2—4. 

1842.     A.  radiata  Gein.  Char.  III.  pag.  79.  Taf.  10.  fig.  6;  Taf.  20.  fig.  47. 

1849.  A.  tenuicostata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  170.  z.  Th. 

1850.  A.  Boxelana  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  168. 

Der  Umfang  der  kleinen  Schale  ist  quer-oval  vierseitig  und  es  fällt  ihre  grösste  Breite  mit  dem 
langen  Schlossrande  zusammen,  welcher  in  dem  vorderen  Drittheile  seiner  Länge  von  dein  kleinen  Wirbel 
nur  wenig  überragt  wird.  Die  Oberschale  ist  stärker,  die  Unterschale  schwächer  —  und  ziemlich  gleich- 
massig  bis  an  die  Flügel  gewölbt.  Der  vordere  Flügel  ist  klein  und  spitzwinkelig  und  an  der  Unterschale 
(Fig.  4)  deutlich  eingeschnitten;  der  hintere  Flügel  ist  gross  und  rechtwinkelig.  Auf  der  Schale  strahlen 
gegen  20  Linien  in  regelmässigen  Entfernungen  von  einander  nach  dem  Rande  und  werden  durch  breite 
Zwischenräume  getrennt.     Steinkerne  erscheinen  glatt.     Grösse  bis  5  mm. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandstein  und  Plänersandstein  bei  Bannewitz,  Goppeln 
und  Rippien,  sowie  in  dem  unteren  Quader  von  Tyssa  in  Böhmen. 

Gervillea  Defrance,  1820.     (Gervillia,  Gervilleia  Aut.) 

G.  solenoides  Defr.  1818  seq.  d'Orbigny.  —  Taf.  48,  Fig.  19.  Var.;  II.  Taf.  11.  Fig.  1. 

1834—40.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  124.  Taf.  115.  fig.  10.  —  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  510.  fig.  4—5. 

1841.  A.  Römer,  Nordd.  Kreideg.  pag.  63. 

1842.  v.  Hagenow  in  Leonh.  Jahrb.    pag.  559. 

1842—43.     Gein.  Char.  III.  pag.  80;  Kiesl.  pag.  15.  Taf.  1.  fig.  33;  Taf.  3,  fig.  9,  10. 

1843.  G.  aviculoides  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  p.  489.  PI.  397. 

1846.  (?.  solenoides  Gein.  Grundriss  d.  Verst.  pag.  460.  —Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  23.  Taf.  32.  fig.  13.  14. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  172. 

1866.  Zittel,  die  Bivalven  der  Gosaugebilde,  pag.  15.  Taf.  13.  fig.  2. 

1868.  Giimbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kön.  Bayern  II,  1,  pag.  756. 

1870.  Credner  in  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  pag.  232. 

1871.  Stoliczka,  Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  Pelecypoda,  pag.  409.  PI.  50.  fig.  5. 

Ihre  flach-gewölbte  Schale  ist  schmal,  nach  hinten  sehr  verlängert  und  oft  sichelförmig  gebogen,  vor 
dem  kaum  vortretenden  Wirbel  mit  einem  kleinen  spitzen  Flügel,  hinter  demselben  mit  einem  breiteren 
stumpfwinkeligen  Flügel  versehen,  welcher  durch  eine  Furche  sehr  deutlich  abgetrennt  ist.  Der  Schlossrand 
nimmt  oft  ein  Drittheil  der  Länge  ein  und  besitzt  unter  dem  Wirbel  3  breite  Bandgruben.  Das  Taf.  48 
abgebildete  Exemplar  ist  eine  seltener  vorkommende  Varietät,  bei  welcher  die  Schale  noch  lange  nicht  ihre 
gewöhnliche  Länge  erreicht  hat.  Es  kommen  neben  ihr  auch  typische  Formen  vor,  welche  dem  IL  Taf.  11 
abgebildeten  Exemplar  gleichen. 

Die  ganze  Oberfläche  der  Schale  ist  mehr  oder  weniger  deutlich  concentrisch  gestreift  und  erscheint 
an  den  besterhaltenen  Exemplaren  sogar  etwas  blätterig.  An  Steinkernen  bemerkt  man  zum  Theil  sowohl 
an  dem  Schlossrande  als  auch  auf  dem  hinteren  Flügel  die  von  d'Orbigny  (1.  c.  PI.  397.  fig.  2.  5)  und  von 
Zittel  (1.  c.  Taf.  13.  fig.  2.  b)  abgebildeten  schrägen  Furchen. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  im  oberen  Plänerkalke  von  Strehlen. 
Exemplare    bis  16    cm.    Länge  kommen    im   unteren    Quadersandstein   von    Tyssa   und   Pankratz  in  Böhmen 


—     210     — 

vor.  Nach  Beobachtungen  von  Reuss  u.  A.  geht  diese  Art  von  cenomanen  bis  in  senone  Schichten  hinauf. 
Sie  findet  sich  in  den  Baculitenschichten  bei  Luschitz  und  Priesen  in  Böhmen,  in  dem  Grünsande  von  Kies- 
lingswalde im  Glatzischen,  nach  Zittel  in  den  Gosaugebilden  der  nordöstlichen  Alpen  und,  nach  v.  Hagenow 
in  der  Kreide  von  Rügen,  Gümbel  führt  sie  aus  den  Schichten  des  Marterberges  bei  Passau  an.  d'Orbigny 
wies  sie  im  Cenonian  von  le  Maus,  im  Turon  von  Montdragon  und  Uchaux,  und  im  Senon  von  Valognes, 
Orglandes,  St.  Colombe,  im  Cotentin,  bei  Aix  in  Charente  nach,  Stoliczka  hat  sie  auch  in  der  südindischen 
Kreideformation  bei  Pondicherry  aufgefunden. 

JPema  Bruguiere,  1789.     Melina  Retzius,  1788,  seq.  Stoliczka. 
P.  lanceolata  Gein.  —  Taf.  46.  Fig.  8. 

1842.  Gein.  Char.  pag.  80.  Taf.  21.  fig.  18. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  p.  498.  PI.  402.  fig.  1—3. 

1846.     Reuss,  Böhm.  Kreidef.  IL  pag.  24.  Taf.  32.  fig.  15,  21;  Taf.  33.  fig.  2;  Taf.  37.  fig.  3.  4. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  172. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  168. 

Ihre  Schale  ist  schief  ei-lanzettförmig,  flach  gewölbt  und  glatt.  Der  lange  Schlossrand,  welcher  mit 
10 — 12  schmalen  und  hohen  Bandgruben  versehen  ist,  die  durch  fast  gleich  breite  Zwischenrinnen  geschieden 
werden,  bildet  mit  der  vorderen,  sanft  eingebogenen  Seite  einen  spitzen  Winkel.  Ein  am  Steinkerne  sicht- 
barer, sehr  grosser  elliptischer  Muskeleindruck,  welcher  das  Ende  des  Schlossrandes  erreicht,  ist  der  hinteren 
Seite  genähert. 

Es  kommen  nicht  selten  auch  schmälere  Abänderungen  vor,  deren  unteres  Ende  dann  mehr  spatei- 
förmig erscheint. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandstein  des  Muschelfelsen  bei  Koschütz  und  im  unteren 
Pläner  bei  Plauen  und  Dölzschen  an  beiden  Gehängen  des  Plauenschen  Grundes.  Auch  im  unteren  Quader- 
sandstein von  Tyssa  und  im  Hippuritenkalke  von  Koriczan  in  Böhmen,  sowie  in  cenomanen  Schichten  von 
Condrecieux  in  Frankreich. 

Inoceramus  Sowerby,  1819. 

1.  I.  striatus  Mant.  —  Taf.  46.  Fig.  9  —  13;  II.  pag.  41.  Taf.  13.  Fig.  1,  2,  9,  10. 

Diese  Art,  welche  zu  den  gewöhnlichsten  Muscheln  des  unteren  Quadersandsteins  gehört,  ist  eines 
besseren  Vergleiches  mit  andern  Arten  der  Gattung  halber  im  zweiten  Theile  des  Werkes  pag.  41  beschrieben 
worden,  ebenso: 

2.  I.  latus  Mant.  —  II.  pag.  45. 

Die  breitere  Form    dieser  Art  zeigt  sich  hier  und    da  schon   in    dem  unteren  Pläner  des  Elbthales. 

Orthoconclwe  d'Orbigny. 

Der  allermeist  gleichklappigen  Schale  und  verticalen  Stellung  der  Orthoconchen,  wobei  der  Schloss- 
rand die  obere  Seite  bildet  und  der  Wirbel  allermeist  nach  vorn  gerichtet  ist,  entsprechen  die  für  folgende 
Gattungen  gebräuchlichen  Bezeichnungen  einer  linken  und  rechten  Schale  und  andere  leicht  verständliche  Be- 
griffe, wie  oben  und  unten,  vorn  und  hinten,  Länge  oder  Breite. 


—     211     — 

Fam.  Mytilidae. 

Pinna  L.  1758.  (seq.  Stoliczka). 

1.  P.  Cottai  Gein.  -   II.  Taf.  15.  Fig.  1. 

1840.  P.  Cottae  Gein.  Char.  II.  pag.  55.  Taf.  11.  fig.  1. 

1846.  Desgl.  Gein.  Grundr.  pag.  451.  Taf.  19.  fig.  21. 

1849.  P.  Cottai  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  164. 

1850.  P.  obliquata  Deshaycs,  Traite  el.  de  Conchyl.  Paris,  PL  38  fig.  3. 

1871.     P.  intumescens  Stoliczka,  Pal.  Ind.  Cret.  Fauna,  III,  Pelecypoda  pag.  385.  PI.  26.  fig.  2—3. 

Der  Schalenumfang  bildet  ein  ungleichseitiges  Dreieck,  dessen  relative  Länge  grossen  Schwankungen 
unterliegt.  An  3  Exemplaren  verhält  sich  die  grösste  Breite  in  der  Nähe  des  schief  abgeschnittenen  hinteren 
Endes  zur  grössten  Länge  wie  1  :  1,54,  1  :  2,17,  1  :  2,75,  unter  welchen  eine  Mittelform  IL  Taf.  15.  Fig.  1 
abgebildet  worden  ist. 

Sie  ist  meist  sehr  hoch  gewölbt,  so  dass  sie  in  der  Nähe  des  Wirbels  sogar  dicker  als  breit  wird. 
Nach  hinten  verflacht  sie  sich  und  nimmt  einen  rhombischen  Querschnitt  an.  Nur  an  einigen  Exemplaren 
ist  das  hintere  Ende  durch  Druck  ganz  geschlossen  (Char.  IL  Taf.  11.  fig.  1  und  Gein.  Grundr.  Taf.  19. 
fig.  21). 

Die  untere  Seite  ist  in  ihrem  vorderen  Theile  eine  Strecke  weit  eingezogen  und  diese  Stelle  ist  an 
den  Steinkernen  durch  eine  breite,  lange  Rinne  ausgezeichnet.  Der  mittlere  Rückenkiel  ist  durch  zwei  diver- 
girende  Furchen  zerspalten,  welche  auf  dem  hinteren  Schalentheile  in  der  Richtung  der  Anwachsstreifen 
schnell  umbiegen. 

Von  der  Wirbelspitze  an  strahlen  schmale  Rippen  aus,  die  jedoch  nur  eine  Strecke  weit  deutlicher 
sind,  während  der  grösste  Theil  der  Schale  davon  befreit  bleibt.  8— LO  solcher  Rippen  fallen  auf  die  obere, 
etwa  5  mehr  genäherte  auf  die  untere  Schalenfläche  in  die  unmittelbare  Nähe  des  Spaltes. 

Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  unregelmässigen,  meist  ruuzeligen  Anwachsstreifen  bedeckt,  die  unter 
einem  stumpfen  Winkel  von  dem  Schlossrande  aus  über  die  Rückenkante  ziemlich  gerade  hinweglaufen,  in 
der  Mitte  der  unteren  Fläche  aber  knieförmig  umbiegen  und  unter  sehr  spitzen  Winkeln  den  Unterrand 
erreichen. 

Man  findet  Exemplare  bis  zu  30  cm.  Länge.  Der  Name  wurde  zu  Ehren  von  Bernhard  von  Cotta 
gegeben,  und  die  Schreibweise  «Pinna  Cottai»  nach  Bronn's  Vorgang,  statt  «Pinna  Cottae»,  wie  Jul. 
Caesar,  de  bello  gallico,  V.  29,  den  Genitiv  gebildet  hat,  findet  auch  bei  hervorragenden  Philologen 
Billigung. 

Vorkommen:  Schon  im  unteren  Quadersandstein  von  Malter  und  Oberhässlich  bei  Dippoldiswalda 
und  bei  Tyssa  in  Böhmen;  häufiger  im  Mittelquader  von  Gross-Cotta,  sowie  in  dem  Elbthale  bei  Strand 
zwischen  Königstein  und  Rathen.  Stoliczka  hat  diese  Art  als  P.  intumescens  aus  der  Ootatoorgruppe  bei 
Odium  in  Südindien  beschrieben. 

2.  P.  decussata  Goldf.  -  Taf.  47.  Fig.  4,  5;  IL  Taf.  15.  Fig.  2,  3;  Taf.  16.  Fig.  1. 

1821.     P.  tetragona  Sowerby,  Min.  Conch.  PI.  313,  fig.  1,  2.     (Nicht  P.  tetragona  Brocchi  1814). 
1834—40.     P.  decussata  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  166.  Taf.  128,  fig.  1,  2. 
P.  pyramidalis  Münster,  Goldf.  eb.  pag.  167.  Taf.  128.  fig.  1,  2. 
P.  eompressa  Goldf.  eb.  pag.  167.  Taf.  128.  fig.  4. 
1840.    P.  pyramidalis,  P.  decussata  u.  P.  eompressa  Gein.  Char.  II.  pag.  55.  Taf.  10.  fig.  1. 


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1841.     P.  fenestrata,  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  65.  Taf.  8.  fig.  22. 
1846.     P  pyramidalis  Gein.  Grundr.  pag.  451. 

P.  deeussata  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  14. 

1849.  P.  diluviana  u.  P.  fenestrata  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  1G6. 

1850.  P.  deeussata  Dixon,  Geol.  a.  Foss.  of  Sussex,  pag.  355.  PI.  28.  fig.  20. 

P.  subtetragona,  P.  compressa  a.  P  deeussata  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  165;  P.  fenestrata,  II.  pag.  246. 
1871.?     P.  complanata  Stoliczka,  Pal.  Ind.,  Cret.  Fauna  III,  Pelec.  pag.  384.  PI.  24.  fig.  3—4. 

Die  Schale  bildet  ein  langgezogenes  Dreieck,  dessen  Basis  schief  abgeschnitten  ist.  Ihr  Unterrand 
ist  eine  Strecke  weit  eingezogen,  wodurch  ihre  Form  mehr  lanzettförmig  wird.  Nach  Messung  der  best  er- 
haltenen Exemplare  verhält  sich  die  Breite  zur  Länge  der  Schale  durchschnittlich  wie  1  :  2,2,  mit  kleinen 
Abweichungen  davon  bis  1  :  2,5.  Hierdurch  unterscheidet  sie  sich  von  der  längeren  P.  cretacea  Schlotb., 
bei  welcher  dieses  Verhältniss  zwischen  1  :  3  und  1 : 4  schwankt. 

Der  Querschnitt  ist  bis  in  die  Mitte  der  Länge  hin  rhombisch,  dann  wird  er  flacher  und  flacher 
linsenförmig.  Ueber  der  mittleren  gespaltenen  Rückenkante  liegen  7 — 9  schmale  Längsrippen,  welche  durch 
etwa  dreimal  breitere  flache  Zwischenräume  geschieden  werden;  unter  dem  Spalt  findet  sich  eine  geringere 
Zahl,  5  —  7,  ähnlicher  Rippen  vor,  welche  enger  beisammen  stehen  und  an  welche  die  an  dem  Unterrande 
entspringenden  runzeligen  Falten  unter  spitzem  Winkel,  und  mit  einer  stärkeren  Krümmung  wie  bei  P.  cre- 
tacea, anstossen. 

Ein  weiterer  Unterschied  von  der  letztgenannten  Art  liegt  in  den  oft  sehr  deutlichen  concentrischen 
Linien  und  Runzeln,  die  über  sämmtliche  Längsrippen  und  Zwischenräume  hinweglaufen  und  zu  den  Namen 
«deeussata»  und  «fenestrata»  Veranlassung  gegeben  haben.  Die  Steinbrecher  halten  daher  diese  Pinna  ge- 
wöhnlich für  Fische  und  bezeichnen  sie  häufig  als  «Karpfen.»  Die  Abbildungen  IT.  Taf.  15.  Fig.  3  und 
Taf.  16.  Fig.  1  stellen  sie  deutlicher  dar.  Sehr  bestimmt  treten  sie  auch  auf  den  noch  mit  Schale  bedeckten 
Exemplaren  aus  dem  Plänerkalke  von  Strehlen  hervor. 

P.  pyramidalis  Mün.  ist  schon  von  Goldfuss  mit  P.  deeussata  vereinigt  worden;  P.  depressa 
Mün.  (Goldfuss  pag.  167  Taf.  127  Fig.  3,  b)  stellt  den  Umiiss  einer  Schale  der  P.  deeussata  dar,  während 
Taf.  127.  Fig.  3  a  zu  der  langgestreckteren  P.  cretacea  gehören  mag. 

P.  compressa  Goldf.,  Taf.  127.  Fig.  4,  scheint  nur  ein  Bruchstück  der  unteren  Schalenhälfte  von 
P.  deeussata  zu  sein,  an  die  sie  sich  durch  Beschaffenheit  und  Richtung  der  Anwachsstreifen  weit  mehr,  als 
an  P.  cretacea,  anschliesst.  Als  Fundort  dafür  ist  Pirna  angegeben,  wo  der  an  P.  deeussata  reiche  Mittel- 
quader von  Gross-Cotta  durch  die  dortigen  Steinmetzen  sehr  viel  verarbeitet  wird. 

Nach  Exemplaren,  die  uns  aus  dem  Kreidemerge!  von  Osterfeld  und  von  Lemförde  vorliegen,  kann 
P.  fenestrata  A.  Rom.  nur  mit  P.  deeussata  vereinigt  werden.  Stoliczka's  P.  complanata  schliesst  sich  sehr 
gut  an  die  hier  gegebenen  Abbildungen  der  P.  deeussata  an. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandstein  der  goldenen  Höhe  und  Prinzenhöhe  bei  den 
Dörfern  Welschhufa,  Bannewitz  u.  s.  w.,  bei  Koschütz  und  Gittersee,  bei  Dippoldiswalde  und  bei  Tyssa  in 
Böhmen;  häufiger  im  Mittelquader  bei  Rottwernsdorf  und  Gross-Cotta  und  in  dem  Sandstein  am  linken  Eib- 
ufer in  den  Bornbrüchen  und  Schlammschuhbrüchen  gegenüber  Schandau,  am  rechten  Ufer  der  Elbe  in  den 
Ober-Kirchleithener  Brüchen  unter  dem  Liliensteine,  und  bei  Porsdorf,  der  theilweise  zum  oberen  Quader  ge- 
hören dürfte;  seltener  im  Plänerkalke  von  Strehlen.  Ebenso  beobachtete  Reuss  diese  Art  vom  unteren 
Quader  an  bis  in  den  Plänerkalk. 


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P.  tetragona  Sow.  gehört  dem  ceuomanen  Grünsande  von  Devizes  in  England  an,  Dixon  bildet 
P.  decussata  aus  der  Kreide  von  Sussex  und  Norfolk  ab,  P.  fenestrata  A.  Rom.  kommt  in'  dem  senonen 
Kreidemergel  von  Osterfeld  bei  Essen  und  von  Lemförde  in  Westphalen  vor,  Stoliezka's  P  complanata  von 
Anapauda  in  Süd-Indien  gehört  der  TricJwnopohj-Grappe  an. 

Mytilus  L.  1758. 

1.  M.  Galliennei  d'Orb.   —  Taf.  48.  Fig.  1—3. 

1444     d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  273.  PL  339.  flg.  1,  2. 

1846.  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  IL  pag.  14.  Taf.  33.  flg.  5;  Taf.  37.  flg.  6. 

1847.  M.  tornacensis  d'Archiac,  Mein,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  Taf.  II.  2.  pag.  307.  PL  15.  fie    3 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  166.  Taf.  12.  flg.  3,  4.  "  « 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  165. 

Die  verlängerte  dreiseitige  Schale  ist  vorn  zugespitzt  und  an  ihrem  breiten  Hinterrande  schief-ge- 
rundet.  Sie  ist  regelmässig  und  flach  gewölbt  bis  zu  einer  vom  Wirbel  nach  hinten  laufenden  Kante  in  der 
Nähe  des  Unterrandes,  von  welcher  die  schmale  untere  Seite  steil  abfällt.  Ihre  zum  grössten  Theile  glatte 
Oberfläche  ist  in  der  Nähe  des  langen  Schlossrandes  und  des  Unterrandes  mit  davon  senkrecht  auslaufenden 
und  dann  rückwärts  gekrümmten  Furchen  und  flachen  Streifen  verziert.  Die  schmäleren  Abänderungen  dieser 
Art  wurden  von  d'Archiac  als  M.  tornacensis  unterschieden. 

Vorkommen:  Bis  11,5  cm.  gross  im  unteren  Quadersandstein  bei  Dippoldiswalde,  kleiner  in  den 
Muschelfelsen  bei  Koschütz,  nicht  selten  in  den  tiefsten  Schichten  des  unteren  Pläners  an  dem  linken  Ge- 
hänge des  Plauenschen  Grundes  bei  Dölzschen  (Teltschen),  und  bei  Plauen,  sowie  vereinzelt  in  der  Conglo- 
meratschicht  und  dem  Grünsande  des  Eibstollens  zwischen  Zaukeroda  und  Priesnitz  und  im  Tunnel  von 
Oberau.  Reuss  fand  sie  in  den  Hippuriten-Schichten  von  Koriczan  in  Böhmen,  das  Dresdener  Museum  be- 
wahrt ein  Exemplar  aus  dem  cenomanen  Grünsande  von  Frohnhausen  bei  Essen  an  der  Ruhr,  d'Archiac  be- 
schrieb sie  aus  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  d'Orbigny  von  Condrecieux  in  Frankreich. 

Untergattung  Modiola  Lamarck,  1799. 

Schon  d'Orbigny  hat  gezeigt,  dass  es  unmöglich  sei,  scharfe  Grenzen  zwischen  Mytilus  und  Modiola 

zu  ziehen. 

2.  M.  (Modiola)  Neptuni  Goldf.  sp.  —  Taf.  47.  Fig.  1,  2. 

1834—40.  Cardium  Neptuni  Goldfuss,  Petr.  Germ.  IL  pag.  221.  Taf.  144.  flg.  9. 

1840—43.  Desgl.  Gein.  Char.  II.  pag.  53;  Nachtr.  pag.  14. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  Nordd.  Kreideg.  pag.  71. 

1843.  Pinna  Neptuni  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  255.  PL  333.  flg.  1—3. 

1846.  Cardium  Neptuni  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  IL  pag.  2. 
Desgl.  Gein.  Grundr.  d.  Verst.  pag.  422. 

1849.  Mytilus  Neptuni  Gein.  Quad.  Deutschi.  168. 

Eine  zur  Gruppe  der  Modiola  gehörende  Form,  welche  nicht  zu  Pinna  gezogen  werden  kann,  da 
ihre  Schale  hinten  geschlossen  und  nicht ,  wie  bei  Pinna,  klaffend  war,  noch  weniger  zu  Cardium,  wenn  sie 
auch  wegen  der  herzförmigen  Gestalt  ihrer  Vorderseite  (Taf.  47.  Fig.  2.  b)  von  den  Steinbrechern  «Herz- 
muschel» genannt  wird. 

Bei  einem  dreiseitigen  oder  länglich-dreiseitigen  Umriss  erhebt  sich  der  Rücken  der  Schale  zu  einem 
hohen,  gekrümmten,  wulstförmigen  Kiele,  der  von  der  Spitze  des  Wirbels  bis  an  das  untere,  fast  spitze  Ende 


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der  Schale  reicht  und  eine  mit  dicken  ausstrahlenden  Rippen  bedeckte  vordere  Schalenfläche  von  der  fast 
glatten  oder  nur  undeutlich  gestreiften  hinteren  Fläche  scheidet.  Der  Wirbel,  an  welchem  die  Längsrippen 
entspringen,  biegt  sich  stark  nach  vorn,  während  sich  vor  ihm  noch  ein  ziemlich  spitzer,  flügelartiger  Vor- 
sprung ausbreitet,  welcher  von  Rippen  befreit  ist.  Der  nur  bis  zur  Spitze  des  Wirbels  reichende  Schloss- 
rand lässt  keine  Spur  von  Zähnen  oder  Bandgruben  wahrnehmen  und  pflegt  mit  einer  Rundung  in  den  langen 
Hinterrand  zu  verlaufen.  Ueber  die  ganze  Oberfläche  laufen  concentrische  Anwachsstreifen  hinweg,  welche 
den  mit  Längsrippen  versehenen  Theil  der  Schale  zuweilen  gitterförmig  erscheinen  lassen.  Auch  von  dieser 
Art  finden  sich  breitere  und  schmälere  Abänderungen,  Taf.  47.  Fig.   1  u.  2. 

An  verschiedenen  Exemplaren  verhalten  sich  Höhe,  Breite  und  Dicke  zu  einander,  wie  15:8,5:11; 
10,5  :  7:7,5;  9,5  :  5  :  6  cm. 

Vorkommen:  Als  Steinkerne  nicht  selten  in  dem  unteren  Quadersandstein  an  der  goldenen  Höhe 
bei  Welschhufa  und  Prinzenhöhe  bei  Bannewitz,  Kleiu-Nauudorf  und  Cuunersdorf,  ferner  in  dem  unmittelbar 
folgenden  Plänersandsteiu  von  Goppeln,  Rippien,  Noethnitz  und  Gittersee,  sowie  auch  im  Pläner  von  Plauen. 
Goldfuss  beschrieb  sie  aus  dem  Grünsande  des  Waldenburger  Gebirges  in  Schlesien,  worunter  wohl  auch  der 
untere  Quader  von  Raspenau  inbegriffen  ist,  Glocker  fand  sie  in  dem  gleichalterigeu  Grünsandstein  von  Peters- 
dorf bei  Moletein  in  Mähren;  sie  geht  aber  auch  in  die  jüngeren  Schichten  von  Kiesliugswalde  im  Glatzischen 
und  Kreibitz  in  Böhmen  über.  d'Orbigny  traf  sie  in  turonen  Schichten  von  Montblainville,  Meuse  in  Frank- 
reich an.  Die  von  letzterem  Autor  gegebene  Abbildung  weicht  indess  darin  von  unseren  Exemplaren  ab,  dass 
das  untere  Schalenende  ziemlich  gerade  abgeschnitten  erscheint,  was  wohl  auf  eine  nicht  ganz  richtige  Er- 
gänzung dieser  Zeichnung  zurückgeführt  werden  darf. 

3.  M.  (Modiola)  Cottae  A.  Rom.  —  Taf.  48.  Fig.  4—8. 

1836.  Modiola  lineataSowerbj  bei  Fitton,  Obs.  on  some  of  the  strata  etc.  pag.  338,  PL  14.  fig.  2.  (Nicht  Mytilus 
lineatus  Gmeliu,  1789,  seq.  d'Orbigny.) 

1839.  Modiola  angusta  A.  Römer,  d.  Verst.  d.  uordd.  Oolitheng.,  Nachtr.  pag.  33.  Taf.  18.  fig.  36.  (Nicht  M.  angusta 
Deshayes,  1824,  seq.  d'Orbigny). 

1840.  Modiola  Cottae  Gein.  Char.  II.  pag.  56.  Taf.  10.  fig.  5.  (zusammengedrückt). 

1841.  Myt.  Cottae  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  66.  Taf.  8.  fig.  18.  zusammengedrückt). 
Mod.  angusta  eb.  pag.  66. 

1843.    Myt.  Cottae  Gein.  Nachtr.  z.  Char.  pag.  15. 
1843—47.     Myt.  lineatus  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  266.  PI.  337.  fig.  7—9. 
1846.     Myt.  Cottae  Reuss.  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  14.  Taf.  33.  fig.  4. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  168. 

1850.  Myt.  sublineatus  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  81:  Myt.  subangustus  d'Orb.  ib.  pag.  81.  (Neokom). 
Myt.  peregrinus  d'Orb.  pag.  165.  (Cenoman.) 

Myt.  Cottae  d'Orb.  ib.  pag.  246.  (Senon.) 

Die  hochgewölbte  Schale  ist  lanzettförmig  und  etwas  gekrümmt.  Ihr  kleiner  niedergebogener  Wirbel 
liegt  an  dem  schmalen  vorderen  Ende,  welches  einen  kleinen  gerundeten  Flügel  besitzt;  dieser  fällt  jedoch 
mit  der  ganzen  unteren  Fläche  der  Schale  von  der  meist  gerundeten  Rückenkante  nach  dem  sanft-eingeboge- 
nen  Unterrande  steil  ab.  Der  obere  Theil  der  Schale  ist  regelmässig  gewölbt.  Der  Schlossrand  verläuft 
mit  einer  sanften  Biegung  in  den  breiteren  gerundeten  Hinterrand,  wohin  sich  die  Schale  fest  keilförmig 
verflacht. 

Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  gedrängt-liegenden  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  die  sich  nach  hinten 
zu   durch  Einsetzung   neuer   Linien  vermehren,    über  welche    eng-liegende  wellenförmige  Auwachslinien,  zum 


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Theil  auch  stärkere,  fast  blätterige  Anwachsringe  hinweglaufen.  Nur  in  der  Nähe  des  Wirbels  ist  das  an 
den  kleinen  Flügel  angrenzende  Feld  von  ausstrahlenden  Linien  befreit  (Taf.  48.  Fig.  6). 

Je  nach  der  Höhe  der  Wölbung  des  Rückens  lassen  sich  schmälere  und  breitere  Abänderungen 
unterscheiden,  bei  denen  die  Länge  der  Schale  um  3,3 — 2,5  mal  die  grösste  Höhe  derselben  übertrifft. 

Der  verschiedene  Eindruck,  welchen  mehrere  der  oben  citirten  Abbildungen  gewähren,  kommt  zum 
Theil  auf  Rechnung  dieser  Abweichungen  in  der  grösseren  und  geringeren  Wölbung,  Breite  und  Krümmung 
der  Schale.  Besonders  stark  gebogen  erscheint  z.  B.  M.  siiblineatus  d'Orb.  (Pal.  fr.  PI.  337.  Fig.  7)  aus  dem 
Neokom,  welche  Form  dennoch  nach  einem  hier  vorliegenden  Exemplare  aus  dem  Neokom  von  Berklingen, 
sowie  nach  Ad.  Römer's  Abbildung  der  Modiola  angusta  aus  dem  Hils  von  Schöppenstedt,  mit  Modiola 
Cottae  (statt  Mocl.  lineata)  vereinigt  werden  muss. 

Vorkommen:  Modiola  Gottae  A.  Rom.  geht  von  neokomen  Schichten  bis  in  die  senonen  Ab- 
lagerungen hinauf.  In  Sachsen  ist  sie  am  häufigsten  in  den  tiefsten  Lagen  des  unteren  Pläners  von  Plauen 
und  Dölzschen  und  sie  wird  in  denselben  Schichten  bei  Kauscha,  Sobrigau,  Gross-Sedlitz  u.  s.  w.,  sowie  auch 
im  unteren  Quadersaudstein  von  Golberoda  und  Klein-Nauendorf,  ferner  in  dem  oberen  Pläner  von  Strehlen 
gefunden.  In  ähnlicher  Weise  traf  sie  Reuss  im  cenomanen  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  und  im  Pläner- 
kalke  von  Huudorf  in  Böhmen.  A.  Römer  führt  sie  aus  dem  Plänerkalke  des  Galgenberges  bei  Quedlingburg  an. 

Sie  wurde  von  Fitton  zuerst  in  dem  Lower  Greensand  Englands  und  von  A.  Römer  aus  dem  Hils 
von  Schöppenstedt  beschrieben,  später  fand  sie  auch  d'Orbigny  in  neokomen  Schichten  von  Narcy  und  Ma- 
rolles  und  im  terrain  aptien  von  Vassy;  als  cenomane  Fundorte  für  M.  peregrina  werden  von  ihm  genannt: 
Tournay,  Coudrecieux  und  la  Malle,  deren  Alter  mit  Plauen  übereinstimmt.  Diese  Art  tritt  in  einem  ganz 
unveränderten  Zustande  noch  in  der  Korallenkreide  von  Faxe  auf  Seeland  auf  und  liegt  uns  noch  aus  einem 
andern  senonen  Kreidemergel  von  Aachen  vor.  Sie  bietet  daher  ein  ausgezeichnetes  Beispiel  für  die 
lange  Beständigkeit  einer  Art,  deren  Charaktere  sich  von  der  Bildung  des  Neokom  an  bis  in  die  jüngsten 
Ablagerungen  der  Kreideformation  nicht  merklich  verändert  haben. 

4.  M.  (Modiola)  ornatissima  d'Orb.  —  Taf.  49,  Fig.  17,  18. 

1844.     Myt.  ornatus  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III,  pag.  283.  PI.  342.  fig.  10—12. 
1850.    Myt.  ornatissimus  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II,  pag.  166. 

Drei  kleine  ca.  7  mm.  lange  Schalen  von  Plauen  stimmen  am  nächsten  mit  dieser  Art  überein.  Ihre  läng- 
liche Schale  ist  an  dem  S-förmig  gekrümmten  Wirbel  stark  erhoben  und  mit  einem  schmalen  gerundeten  Vorsprung 
versehen,  erweitert  sich  nach  hinten  schnell  und  verläuft  dann  wieder  in  einen  schmäleren  gerundeten  Hinterrand. 
Von  ihrem  kielartigen  Rücken,  unterhalb  dessen  die  Schale  steil  abfällt,  während  sie  sich  nur  langsam  nach 
dem  Ober-  und  Hinterrande  verflacht,  strahlen  divergirende  Längsrippen  aus,  die  sich  durch  Theilung  wieder- 
holt vermehren  und  an  Stärke  nach  hinten  und  unten  zunehmen,  während  die  Wirbelgegend  fast  glatt  erscheint. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen;  nach  d'Orbigny  in  cenomanen  Schichten  vonLeMans. 

5.  M.  (Modiola)  siliqua  Matheron,  1842.  —  Taf.  47,  Fig.  3;  II.  Taf.  15,  Fig.  4. 

1844.     Myt.  siliqua  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III,  pag.  274.     PI.  339.  fig.  3.  4. 

1849.  Desgl.  Gein.    Quad.  Deutsch],  pag.  168.    Taf.  10.  fig.  14. 

1850.  Desgl.  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II,  p.  165. 

1866.    Mod.  silüßia  Zittel,  d.  Bivalven  der  Gosaugebilde,  pag.  81  (5),  Taf.  11.  fig.  3. 

Die  zusammengedrückte  Schale  ist  deutlich  gebogen,  mit  einem  gerundeten  diagonalen  Rücken  ver- 
sehen, an  ihrem  schmalen  Vorderende,   das  der  verschwindend   kleine   Wirbel  berührt,   stumpf  gerundet,  an 

Palaeontograpliica  XX.  6.  31 


—     216     — 

dem  erweiterten  Hinterende  schief  abgerundet  und  keilförmig  verflacht,  wobei  der  lange  Schlossrand  allmählich 
in  den  Hinterrand  übergeht.  Eine  concentrische  Streifung  ist  mehr  auf  der  unteren  concaven,  als  auf  der 
oberen  Seite  der  Schale  vorhanden.  Bei  etwa  65  mm.  Länge  beträgt  die  grösste  Höhe  der  Muschel  circa 
25  mm.,  doch  trifft  man  auch  schmälere  und  breitere  Abänderungen. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa  und  im  unteren  Pläner  von  Plauen, 
im  Mittelquader  von  Gross-Cotta  und  von  Ober-Kirchleithen  bei  Königstein.  Sie  liegt  aus  dem  unteren 
Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen  vor,  wurde  von  Zittel  in  den  Gosaugebilden  der  nordöstlichen  Alpen 
und  von  d'Orbigny  in  conomanen  Ablagerungen  Frankreichs  bei  Le  Maus  und  Orange  aufgefunden. 

6.  M.  re versa  Sowerby.  —  Taf.  48,  Fig.  9.  (Var.) 

1836.  Sowerby  bei  Fitton,  on  some  of  the  Strata  between  the  Chalk  and  tbe  Oxford  Oolite.  (Geol.  Trans.  2.  ser. 
Vol.  IV.  pag.  342.     PI.  17,  fig.  13.) 

1843.  Gein.,  Verst.  v.  Kieslingswalde,  pag.  15.    Taf.  3,  flg.  11,  (nicht  Taf.  5,  fig.  8). 

1844.  Mytilus  semiradiatus  d'Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III.  pag.  277.     PI.  341.  fig.  1.  2. 
1846.    Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  15.  Taf.  33.  fig.  9. 

1849.  Myt.  reverstis,  Gein.     Quad.  Deutschi.  pag.  168  z.  Th. 

1850.  Desgl.     d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  165. 

1866.?  Mod.  aequalis,  Zittel,  die  Bivalven  der  Gosaugebilde  in  den  nordöstlichen  Alpen,  pag.  4  (80),  Taf.  11.  fig.  4 
(excl.  Synon). 

Die  oval-rhomboidisch  verlängerte  Schale  ist  an  ihrem  vorderen,  schmäleren  Ende  stumpf  gerundet, 
an  ihrem  breiten  hinteren  Ende  schief  abgerundet.  Ihr  kleiner  niedergebogener  Wirbel  erreicht  nicht  ganz 
das  vordere  Ende.  Von  ihm  läuft  ein  stark  hervortretender  gerundeter  Rücken  nach  dem  unteren  Theile 
des  Hinterrandes,  dessen  obere  Seite  an  den  langen  Schlossrand  fast  stumpfwinkelig  angrenzt.  Die  Schale 
ist  nur  in  der  Nähe  des  Wirbels  regelmässiger  gewölbt,  dacht  sich  von  dem  Rücken  aus  nach  dem  Oberrande 
hin  ziemlich  gleichförmig  ab,  fällt  aber  nach  der  Mitte  des  Unterrandes  steil  ab,  um  auf  ihrer  unteren  Fläche 
eine  breite  Bucht  zu  bilden,  die  in  der  Regel  durch  eine  Anzahl  feiner  ausstrahlender  Linien  ausgezeichnet 
ist.  Die  ganze  übrige  Oberfläche  der  Schale  ist  nur  mit  concentrischen  Linien  bedeckt,  die  ziemlich  regel- 
mässig in  geringer  Entfernung  von  einander  liegen. 

Nach  einem  Exemplare  von  Tanneberg  in  Böhmen  konnte  diese  Art  an  70  mm.  Länge  erreichen, 
wobei  ihre  grösste  Höhe  oder  Breite  gegen  30  mm.  beträgt. 

Die  grosse  Aehnlichkeit  dieser  Art  mit  Myt.  Fittoni  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II,  pag.  81,  aus 
dem  Neocomien  hatte  diesen  Autor  veranlasst,  sie  in  Pal.  fr.  terr.  cr6t.  III.  pag.  264.  PI.  337.  fig.  1,  2 
damit  zu  vereinen,  doch  unterscheidet  sich  M.  Fittoni  durch  einen  schärfer  gekielten  Rücken  und  etwas 
schmälere  Form. 

Aehnlicher  ist  sie  der  Modiola  aequalis  Sow.  (Min.  Conch,  PI.  210,  fig.  3,  4)  und  d'Orbigny  (Pal. 
franc.  terr.  cret.  III.  p.  265,  PI.  337,  flg.  3,  4)  aus  dem  Neokom,  die  sich  jedoch  durch  den  Mangel  aus- 
strahlender Linien  unterhalb  des  ziemlich  scharfen  Rückenkieles  unterscheidet. 

Vorkommen:  Aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  liegt  nur  das  Taf.  48,  Fig.  9  abgebildete  junge 
Exemplar  vor,  was  durch  seine  etwas  kürzere  Form  von  anderen  abweicht;  in  grösseren  und  deutlicheren 
Exemplaren  besitzt  sie  das  Dresdener  Museum  aus  dem  oberturonen  oder  untersenonen  Grünsandstein  von 
Kieslingswalde  im  Glatzischen  und  aus  dem  oberen  Quader  von  Kreibitz  und  Tanueberg  an  der  böhmischen 
Nordbahn  in  Böhmen. 


—     217     — 

Sowerby's  Moäiöla  reversa  gehört  dem  Gvünsande  von  Blackdown  an,  d'Orbigny  erkannte  diese  Art 
in  cenomanen  Schichten  von  Le  Mans,  Reuss  in  dein  unteren  Plänerkalk  von  Laun  in  Böhmen;  die  von 
Zittel  als  Modiola  aequalis  aus  den  Gosaugebilden  der  nordöstlichen  Alpen  beschriebene  Art  unterscheidet 
sich  von  Mod.  reversa  wohl  nur  durch  den  Maugel  radialer  Linien. 

7.  M.  capitata  Zittel.  —  Taf.  48,  Fig.  10;  IL  Taf.  16,  Fig.  9,  10. 
1837.  Cypricardia?  elongata,  Pasch,  Polens  Paläontologie,  pag.  68.  Taf.  7.  fig.  6. 
1843.    Desgl.,  Gein.,  Nachtr.  z.  Char.  pag.  13.  Taf.  5.  fig.  7. 

1846.    Desgl.,  Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  4.  Taf.  33,  fig.  26;  Taf.  41,  fig.  5. 

1849.     Lithodomus  elongatus,  Gein.     Quad.  Deutschi.  pag.  168. 

1866.    M.  capitata,  Zittel,  die  Bivalveu  der  Gosaugebilde,  pag.  4  (80).  Taf.  12,  fig.  1  a— d. 

Zittel  beschreibt  die  Schale  als:  länglich-oval,  dattelförmig,  vorn  sehr  stark  angeschwollen,  auf  den 
Seiten  mit  einem  stumpfen  Bücken  versehen,  der  am  vorderen  Theile  ziemlich  stark  hervortritt.  Die  Ober- 
fläche ist  mit  gleichmässigen  concentrischen  Zuwachsstreifen  bedeckt.  Die  grösste  Höhe  der  Schale  liegt  im 
vorderen  Theil;  etwas  hinter  den  dick  angeschwollenen,  nach  unten  eingekrümmten,  vollständig  endständigen 
Wirbeln;  die  verlängerte  Hinterseite  verschmälert  sich  und  wird  durch  den  bogenförmig  abwärts  laufenden 
Hinterrand  schräg  abgestutzt.     Länge  45—55  mm.     Grösste  Höhe  am  vorderen  Theile  der  Schale  20 — 25  mm. 

Die  oben  citirten  Abbildungen  lassen  sich  mit  dieser  Diagnose  und  den  von  Zittel  veröffentlichten 
Abbildungen  gut  vereinen,  wenn  auch  bei  Reuss,  1.  c.  Taf.  33,  fig.  26,  der  Wirbel  weiter  zurückliegt,  als 
dies  in  der  Regel  der  Fall  ist.  Schon  an  Zittel's  Abbildungen,  fig.  1  a.  ist  aber  ersichtlich,  dass  sich  die 
Schale  nach  hinten  nicht  immer  so  stark  verschmälert,  wie  in  seinen  Abbildungen  Fig.  1,  a,  b  und  in  den 
von  Pusch,  Geinitz  und  Reuss  als  Cypricardia  elongata  beschriebenen  Abänderungen.  Aus  dem  Plänerkalke 
von  Strehlen  liegen  Exemplare  vor,  an  denen  sich  die  Schale  nach  hinten  sogar  etwas  erweitert,  und  in 
diesem  Falle  besitzt  die  Art  grosse  Aehnlichkeit  mit  Modiola  reversa  Sow.,  von  welcher  sich  M.  capitata 
durch  einen  stärker  vortretenden  Wirbel  und  eine  sanftere  Bucht  auf  der  unteren  Schalenfläche  unterscheidet, 
worin  keine  Spur  von  ausstrahlenden  Linien  zu  finden  ist. 

Hiernach  möchte  es  aber  fast  scheinen,  als  ob  auch  Modiola  aequalis  bei  Zittel  (1.  c.  pag.  4  (80),  Taf.  11, 
flg.  4)  zu  M.  capitata  gehöre  und  vielleicht  deren  normalsten  Zustand  bezeichne.  In  diesem  Falle  würde 
man  unbedenklich  auch  die  Gein.,  Char.  pag.  78.  Taf.  20.  fig.  35  als  Mod.  laevigata  und  Nachtr.  z.  Char. 
Taf.  5.  fig.  8  als  Mod.  reversa,  von  Reuss  aber  (a.  a.  0.  pag.  15.  Taf.  33.  fig.  10)  als  Mod.  aequalis  be- 
zeichnete Art  damit  vereinigen  können. 

Vorkommen:  Selten  in  dem,  wahrscheinlich  cenomanen  Plänersandsteine  von  Lockwitz  und  im 
Plänerkalke  von  Strehlen.  Nach  Reuss  im  unteren  Plänerkalke  von  Laun  und  in  den  Schillingen  bei  Bilin, 
sowie  im  Exogyrensandstein  von  Grossdorf  in  Böhmen;  nach  Zittel  häufig  in  den  Gosaugebilden  der  nord- 
östlichen Alpen  und,  nach  Pusch,  in  dem  Kreideniergel  bei  Kadzimirz,  Zamosc  u.  a.  Punkten  der  Lubliner 
Woiwodschaft  in  Polen. 

8.  M.  irregularis,  Gein.  —  Taf.  48.  Fig.  14.  15. 
1840.     Mytilus  —?  Gein.     Char.  II.  pag.  56.  Taf.  10,  fig.  4.  a.  b. 
1849.    Lithodomus  irregularis,  Gein.,    Quad.  Deutschl.  pag.  170. 

In  ihrem  Habitus  mehr  an  eine  Cardinia  oder  Anlhracosia  anschliessend,  weicht  diese  Art  von  den 
gewöhnlichen  Formen  einer  Modiola  wesentlich  ab,  soll  aber  dennoch,  da  ihr  eine  jede  Spur  von  Zähnen  zu 
fehlen  scheint,  vorläufig  noch  zu  ihr  gerechnet  werden. 


—     218     — 

Ihre  Schale  ist  quer  oval,  vorn  gerundet,  nach  hinten  verengt  und  besitzt  einen  kielartigen  Rücken, 
der  von  dem  niedrigen  Wirbel  aus  in  der  Nähe  des  Oberrandes  nach  hinten  läuft.  Der  Wirbel  liegt  nahezu 
in  dem  vorderen  Drittheile  der  Länge.  Von  jenem  etwas  gebogenen  Kiele  aus  fällt  die  Schale  nach  der 
oberen  Seite  und  nach  dem  massig  langen  Schlossrande  hin  steil  ab,  während  sie  sich  nach  der  unteren  Seite 
hin  langsam  abdacht.  Eine  Bucht  ist  auf  letzteren  kaum  angedeutet.  Ueber  die  ganze  Oberfläche  laufen 
entfernte,   zum  Theil   fast   blätterige  Auwachsringe  hinweg,   welche  den  Kiel   etwas  knotig   erscheinen  lassen. 

Vorkommen:  Bisher  nur  aus  den  Conglomeratschichten  des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von 
Oberau  bekannt. 

9.  M.  carditoides   Gein.  —  Taf  48.     Fig.  11—13;  Taf.  49.  Fig.  19.  20. 
1840.    Cardita  striata  Gein.    Char.  IL  pag.  52.  Taf.  10.  fig.  3  a— c. 

Von  trapezoidischem  Umriss  ist  die  hochgewölbte  Schale  von  einer  stumpfen  diagonalen  Rückenkante 
durchzogen.  Der  hakenförmig  niedergebogene  Wirbel  liegt  an  dem,  übrigens  gerundeten  Vorderende  der 
Schale.  Letztere  fällt  von  der  Rückenkante  aus  nach  oben  hin  mit  starker  Wölbung  ab  und  ist  an  ihrem 
hinteren  Ende  schief  abgeschnitten,  während  sich  die  untere  Schalenfläche  nach  der  Mitte  des  Unterrandes  hin 
zu  einer  flachen  Bucht  einsenkt.  Nur  jungen  Exemplaren  scheint  die  letztere  bisweilen  zu  fehlen  (Taf.  48, 
Fig.  13).  Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  regelmässigen,  gewölbten,  schmalen  Längsrippen  bedeckt,  die  durch 
schmale  Furchen  geschieden  und  von  concentrischen  Anwachsringen  durchschnitten  werden. 

Die  ihr  wohl  zunächst  verwandte  Art  ist  Myt.  altematus  d'Orb.  (Pal.  fran§.  terr.  cret.  III.  pag.  284. 
PI.  342.  fig.  13  —  15),  dessen  Schale  jedoch  in  ihrem  mittleren  Theile  von  Längsrippen  befreit  ist.  Myt, 
clathratus  d'Archiac  (Mein,  de  la  Soc.  g6ol.  de  France,  2.  ser.  II.  2.  Taf.  4  fig.  15)  von  Tournay  unterscheidet 
sich  von  ihr  durch  grössere  Länge. 

Vorkommen:  In  den  Conglomeraten  des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau,  wo  sie  3  cm. 
Länge  erreicht,  und  in  jüngeren  Exemplaren  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

10.  M.  arcacea  Gein.  —  Taf.  48.  Fig.  16—18. 

1849.    Mytüus  arcaceus  Gejn.  Quad.  Deutsch],  pag.  168.  Taf.  10.  fig.  12. 

Eine  grössere  Art,  welche  einerseits  mit  Mod.  carditoides,  andererseits  mit  Area  Galliennei  manche 
Aehnlichkeit  zeigt.  Ihre  quer-verlängerte  Schale  ist  stark  gewölbt  und  ebenfalls  diagonal  gekielt,  wenn  auch 
meist  stumpfer  als  bei  der  vorigen  Art.  Sie  wird  etwa  doppelt  so  lang  als  hoch,  verkürzt  sich  nach  dem 
gerundeten  Vorderende  und  verlängert  sich  nach  dem  schief  abgerundeten  Hinterrande.  Der  niedergebogene 
Wirbel  liegt,  wie  bei  Area  Galliennei  nicht  fern  von  dem  vorderen  Schalenende.  Mit  dieser  Art  hat  M. 
arcacea  ausser  ähnlicher  Form  und  Grösse  auch  eine  flache,  breite  Bucht  gemein,  die  von  dem  oberen  Theile 
des  Rückens  aus  nach  dem  Unterrande  zieht  (Fig.  16)  und  nur  selten  nicht  bemerkbar  ist  (Fig.  17).  Sie 
unterscheidet  sich  jedoch  wesentlich  von  jener  Area  durch  ihre  Neigung,  sich  nach  hinten  noch  mehr  zu  ver- 
längern, durch  die  Art  ihrer  Wölbung  der  oberen  Seite,  welche  analog  der  von  M.  carditoides  ist,  und  durch 
ihre  weit  stärkeren  und  unregelmässigen  Längsrippen,  die  von  zahlreichen  Anwachsstreifen  durchschnitten 
werden  (Fig.  18).  —  Bis  jetzt  sind  noch  an  keinem  der  vorliegenden  Exemplare  Spuren  von  Zähnen  oder 
Bandgruben  vorgekommen,  die  auf  eine  Zusammengehörigkeit,  mit  der  Gattung  Area  etc.  schliessen  Hessen. 
Dennoch  betrachten  wir  auch  die  Stellung  dieser  Art,  wie  der  beiden  vorher  beschriebenen,   zu  Modiola  nur 


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als  eine  provisorische.  Sie  ähnelt  in  mancher  Beziehung  der  Pholas?  gigantea  Söwerby  bei  Fitton  (Obser- 
vation on  some  of  the  Strata  etc.  in  Geol.  Trans.  2.  Ser.  Vol.  IV.  PI.  14.  fig.  1)  aus  dem  Lower  Greensand 
von  Kent,  bei  welcher  sich  jedoch  keine  Andeutung  jener  Bucht  vorfindet. 

Vorkommen:  Diese  Art  ist  in  Exemplaren  z.  Th.  von  10  cm.  Länge  und  5  cm.  Höhe  besonders 
in  den  auf  Syenit  ruhenden  untersten  Plänerlagen  bei  Dölzschen  an  der  linken  [Seite  des  Plauenschen 
Grundes  vorgekommen,  wo  sie  zuerst  die  Aufmerksamkeit  des  Herrn  E.  Zscb.au  auf  sich  gezogen  hat. 

Lithodomus  Cuvier,  1817. 

1.  L.  rugosus   d'Orb.  —  Taf.  51.  Fig.  24—26. 

1843.     d'Orbigny,  Pal.  fran?..  terr.  cret.  III.  pag.  294.     PI.  346.  fig.  1—3. 
1-850.     d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  166. 

Seine  langgestreckte,  fast  cylindrische  Schale  ist  an  dem  vorderen  Ende,  wo  der  niedrige  Wirbel 
liegt,  etwas  verschmälert  und  abgestutzt,  erreicht  ihre  grösste  Höhe  und  Dicke  im  vorderen  Drittheile  der 
Länge,  von  wo  sie  allmählich  niedriger  und  schwächer  wird,  bis  sie  in  einem  stumpfgerundeten  Hinterrande 
endet.  Ihre  Oberfläche  ist  concentrisch  gestreift.  Sie  wird  etwa  3mal  länger  als  ihre  grösste  Höhe  beträgt. 
Die  sie  einschliessende  kalkige  Umhüllung,  oder  auch  Bohrlochausfüllung,  entspricht  der  Form  der  inneren 
Schalen  und  zeigt  meist  eine  gerade,  lang-keulenförmige,  etwas  spindelförmige  Gestalt,  mit  ovalem  oder  ellip- 
tischem Querschnitte  namentlich  in  der  Nähe  des  hinteren  verschmälerten  Endes. 

Vorkommen:  Mit  Gastrochaena  Ostreae  zusammen  im  unteren  Planer  von  Plauen,  nach  d'Orbigny 
in  cenomanen  Schichten  von  Le  Mans. 

2.  L.  pistilliformis  Reuss.  —  Taf.  49.  Fig  21;  Taf.  51.  Fig.  19.  20.  21. 

1843.    Fistulana  Ostreae,  Gein.    Char.  Nachtr.  Taf.  6.  fig.  5—6  (nicht  fig.  7). 
1846.     Fistulana  pistilliformis  Reuss,  böhm.  Kreidet  II.  pag.  20.  Taf.  37.  fig.  7.  8. 
1849.     Gastrochaena  Ostreae,  Gein.    Quad.  Deutschl.  pag.  144  z.  Th. 

Die  fast  cylindrisch-gewölbte  Schale  ist  verlängert-eiförmig,  ungefähr  doppelt  so  lang  als  hoch,  vorn 
stumpf  gerundet  und  unter  den  sich  berührenden  Wirbeln  tief  eingedrückt,  nach  hinten  wenig  verschmälert  und 
zuletzt  gerundet,  so  dass  der  Unterrand  mit  dem  Oberrande  fast  parallel  läuft.  Ueber  die  Oberfläche  laufen 
starke,  wulstförmige  und  fast  blätterige  Anwachsstreifen  hin,  deren  Längenausdehnung  eine  vorherrschende 
Richtung  nach  dem  oberen  Rande  hat.  Hierdurch,  sowie  durch  geringere  Länge,  unterscheidet  sich  diese  Art 
von  L.  rugosus,  während  sie  weit  länger  ist  als  L.  piriformis  d'Archiac  (Mein,  de  la  Soc.  geol.  de  France, 
2.  ser.  T.  II.  2.  pag.  307.  PI.  15.  fig.  5)  von  Tournay. 

Ihre  äussere  Umhüllung  oder  Bohrlochausfüllung  hat  eine  cylindrisch-keulenförmige  Gestalt,  welche 
weniger  spindelförmig  ist  als  die  des  Lith.  rugosus,  und  an  ihrer  Oberfläche  nicht  selten  unregelmässig  gerieft 
ist  (Taf.  51.  Fig.  21). 

Vorkommen:  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  im  Hippuritenkalke  von  Koriczan  in  Böhmen, 
oft  in  Astraeen  bohrend. 

3.     L.  Scheuchzeri  v.  Gutbier  sp.  —  Taf.  51.  Fig.  22.  23.  27-30. 

1858.    Pholas  Scheuchzeri  v.  Gutbier,  Geogn.  Skizzen  aus  der  Sächsischen  Schweiz,  pag.  49,  fig.  59—61. 

Neben  den  oval-keulenförmigen  Bohrlochausfüllungen  der  Gastrochaena  Ostreae  (Taf.  51.  Fig.  14—18) 


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und  solchen  von  einer  mehr  spindelförmigen  Gestalt,  die  sich  vielleicht  noch  an  Lithodomus  rugosus  an- 
schliessen  (Taf.  51.  Fig.  22.  23),  begegnet  man  in  dem  Conglomerate  von  Zeschnig  bei  Hohnstein  sehr  häufig 
noch  einer  dritten  Art  dieser  Gattung  (Taf.  51.  Fig.  27—30). 

Ihre  bauchig-gewölbte  Schale  ist  an  ihrem  vorderen  Ende  abgestumpft,  nach  hinten  keilförmig  ver- 
längert und  verengt,  ihrer  Länge  nach  von  einem  gerundeten  Rücken  durchzogen  und  an  ihrem  Unterrande 
etwas  eingebogen.  Die  Wirbel  berühren  sich,  ein  deutliches  Mondchen  vor  denselben  ist  nicht  vorhanden. 
Am  hinteren  Theile  des  Schlossrandes   erhebt   sich  dagegen   ein  schmales  lanzettförmiges  Feld  (Fig.  28.  29). 

Oft  gegen  15  mm.  lang  und  hinter  dem  Wirbel  halb  so  hoch  und  dick.  Ihre  Oberfläche  zeigt  nur 
selten  die  ihr  eigenthümlichen ,  mehr  oder  minder  stark  hervortretenden  concentrischen  Anwachsstreifen 
(Fig.  30  a),  meist  ist  sie  von  einer  glatten  Hülle  verdeckt,  welche  mit  zunehmender  Grösse  und  Verdickung 
nur  noch  durch  eine  Längsfurche  und  am  hinteren  Ende  durch  eine  Kante  den  Rand  der  Schalen  andeutet 
(Fig.  22.  23). 

Vorkommen:  Indem  an  Brocken  jurassischer  Gesteine  aus  der  nächsten  Umgegend  reichen  Grünsand- 
Conglomerate  des  unteren  Quaders  an  der  Ziegelei  von  Zeschnig  zwischen  Rathewalde  und  Hohnstein  in  der 
Sächsischen  Schweiz. 

4.  Lithodomus  sp.  jurassica.  —  Taf.  51.  Fig.  31. 

Inmitten  eines  jurassischen  Kalksteines  in  den  Conglomeraten  von  Zeschnig  kam  die  Taf.  51,  Fig.  31 
abgebildete  Art  vor,  die  ihrem  Vorkommen  nach  der  älteren  Fauna  des  Hohnsteiner  Jura  angehört.  Sie  ist 
mit  der  Masse  desselben  dichten  Kalksteines  erfüllt,  von  dem  sie  umschlossen  wird,  während  alle  anderen 
dort  in  Brocken  verschiedener  jurassischer  Gesteine  vorkommenden  Bohrmuscheln  mit  Masse  von  Grünsand 
des  Quadermeeres  erfüllt  sind,  welches  die  dortige  jurassische  und  granitische  Küste  bespült  hat. 

Fam.  Arcacidae. 

Area  L.  1797.     Cucullaea  Lam.  1801. 

1.     A.  Galliennei  d'Orb.  —  Taf.  48,  Fig.  20—22. 

1844.  d'Orbigny,  Pal.  frang.  terr.  cret.  III.  pag.  218.  PL  314. 

1846.?  A  tenuistriata,  Reuss,  böhra.  Kreidef.  IL  pag.  11. 

1847.  d'Archiac  in  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  2.  pag.  348. 

1849.  Gein.     Quad.  Beutschi,  pag.  164. 

1850.  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  164. 

Die  quer-oval-längliche  Schale  ist  an  beiden  Enden  gerundet,  nach  vorn  verkürzt,  nach  hinten  ver- 
längert. Der  niedergebogene  Wirbel  uähert  sich  dem  vorderen  Ende.  Ihr  stark  gewölbter  Rücken  ist  nach 
der  Mitte  des  Unterrandes  hin  sanft  eingebuchtet.  Die  Bandfläche  ist  sehr  schmal.  Ihre  ganze  Oberfläche 
ist  dicht  mit  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  welche  durch  Theilung  oder  durch  Zwischenlagerung  neuer 
Linien  oft  stärker  und  schwächer  erscheinen  (Fig.  20  c).  Sie  stehen  gedrängt  beisammen  und  werden  von 
eng  liegenden  concentrischen  Anwachslinien  durchkreuzt  (Fig.  22  b).  In  der  Regel  ist  die  Schale  fast  doppelt 
so  lang  als  hoch.     Exemplare  von  Plauen  haben  zum  Theil  bis  6  cm.  Länge  erreicht. 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen,  Koschütz  und  Dölzschen,  sowie 
in  den  Conglomeraten  des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau.  Steinkerne  liegen  aus  Schichten  von 
gleichem  Alter,  dem  Grünsande  von  Essen  vor.     Ihr  Vorkommen    in   dem  unteren  Pläner   der  Schillinge  bei 


—     221     — 

Bilin  (A.  tenuistriata  bei  Reuss),  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien  und  in  cenomanen  Schichten  Frank- 
reichs bei  Le  Mans,  Coudrecieux  und  Rouen  verweist   diese  Art   überall   in  denselben  geologischen  Horizont. 

2.  A.  tricarinata  Gein.  —  Tai.  48.  Fig.  23.  24. 

1840.     Area  sp.  Gein.     Char.  II.  pag.  50.  Taf.  10.  flg.  7. 
1849.     A.  tricarinata  Gein.     Quacl.  Deutschi.  pag.  164. 

Die  quer-elliptische  Schale  ist  meist  doppelt  so  lang  als  hoch  und  besitzt  einen  niedrigen,  wenig 
vor  der  Mitte  liegenden  Wirbel  und  eine  sehr  schmale  Bandfläche.  Beide  Enden  der  Schale  sind  regelmässig 
gerundet  und  weniger  hoch  als  in  der  Mitte.  Sie  ist  in  der  Nähe  des  Oberrandes  schief  abgedacht  und  hier 
treten  nicht  selten  einige  der  schmalen  Längsrippen  kielartig  hervor  (Fig.  23),  was  aber  auf  den  zuerst  be- 
kannten Steinkernen  noch  deutlicher  ist  und  zu  dem  im  Allgemeinen  nicht  sehr  passenden  Speciesnameu 
Veranlassung  gab.  Derselbe  lässt  sich  jetzt  nicht  mehr  ändern,  wiewohl  auf  dem  Fig.  24  abgebildeten 
Exemplare  diese  Kiele  ganz  fehlen.  Ueber  sämmtliche  radiale  Linien,  welche  die  Oberfläche  dicht  bedecken, 
laufen  concentrische  Linien  hinweg,  welche  die  ersteren  gekörnt  erscheinen  lassen  (Fig.  24  b). 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Koschütz  bei  Plauen  und  in  den  Congiomeratschichten 
des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau. 

3.  A.  Plauensis  Gein.  —  Taf.  49.  Fig.  4. 

Eine  zunächst  mit  A.  subangulata  d'Orb.  (=  A.  angulata  Reuss,  böhm.  Kr.  II.  pag.  11.  Taf.  34.  fig.  30) 
verwandte  Art,  deren  schmale  quer-verlängerte  Schale  vom  gerundet,  hinten  fast  gerade  abgeschnitten  ist  und  wenig 
vor  ihrer  Mitte  einen  kräftigen,  niedergebogenen  Wirbel  besitzt.  Von  diesem  läuft  ein  Kiel  nach  der  unteren 
Ecke  des  Hinterrandes,  über  welchem  sich  eine  nach  oben  steil  abfallende  und  mit  einer  Längsfurche  versehene 
Fläche  bildet.  Vor  dem  Kiele  ist  nur  eine  schwache  Einsenkung  des  ungewöhnlich  breiten  Rückens  bemerkbar. 

Die  Oberfläche  ist  dicht  mit  ausstrahlenden  Linien  bedeckt,  die  durch  regelmässige  concentrische 
Linien  körnig  werden.  Durch  diese  Linien  unterscheidet  sich  A.  Plauensis  von  A.  subangulata,  welcher  nach 
Reuss  alle  ausstrahlende  Linien  fehlen.     Länge  35  mm.,  Höhe  am  Wirbel   18  mm. 

Vorkommen:  Wenige  Exemplare  liegen  aus  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  vor. 

4.  Area  glabra  Park.  sp.  —  Taf.  49.  Fig.  1—3. 

1811.     Cueullaca  glabra  Parkinson,  Organic  Remains  of  a  former  world,  III.  pag.  171.  PI.  13.  fig.  1. 
1814.     Desgl.  Sowerby,  Min.  Conen.  PI.  67. 
1834—1840.    Area  carinata  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.   pag.  150,  Taf.  124.  fig.  2.    (Nicht  Area   carinata  Sow.  und  nicht 
Cucullaea  carinata  Sow.). 

1840.     Cucullaea  glabra  Gein.  Char.  II.  pag.  49. 

1842.  Cuc.  ovalis  Gein.  Char.  III.  pag.  78.  Taf.  20.  fig.  16.  (zusammengedrückt.) 

1843.  Area  ligeriensis  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III.  pag.  227.  PI.  317.  flg.  1—3. 
Area  Passijana  d'Orb.  ib.  pag.  241.  PL  327.  fig.  1,  2. 

1846.    Area  glabra  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  13.  Taf.  34.  fig.  44;  Taf.  35.  fig.  1,  2. 

1849.  A.  Ligeriensis  Gein.  Quad.  Deutschl.  pag.  162. 

1850.  A.  ligeriensis  und  A.  Passyana  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  164. 

1865.  A.  glabra  Briart  &  Cornet,  descr.  min.,  geol.  et  pal.  (Mem.  de  l'Ac.  R.  des  sc.  ä  Bruxelles,  Taf.  XXXIV.) 
pag.  55.  ex  parte  PI.  5.  fig.  1—3  (nicht  fig.  4—6). 

Parkinson  und  Sowerby  haben  diese  Art  als  Cucullaea  glabra  zuerst  aus  dem  cenomanen  Grünsande 
von  Blackdown  in  Devonshire  beschrieben,    daher  muss  man   zur  Klärung   der  verschiedenen  Ansichten  über 


-      222      — 

Area  glabra  auf  Exemplare  von  Blackdown  zurückkommen,  von  welchen  Taf.  49.  Fig.  2  eine  Abbildung  gibt. 
Dieselbe  erscheint  etwas  weniger  schief  als  Sowerby's  Abbildung,  nach  welcher  die  untere  Seite  des  Vorder- 
randes etwas  mehr  verkürzt  ist.  Ein  zweites  mir  vorliegendes  Exemplar,  welches  gut  damit  übereinstimmt, 
hatte  Capt.  Boscawen  Ibbetson  in  einem  rothen  Thoneisenstein  der  Insel  Wight  gesammelt,  welcher  nach 
ihm  dem  Lower  Greensand  angehören  soll. 

Der  Umfang  der  hochgewölbten  Schalen  ist  quer-rhomboidisch  und  etwas  breiter  als  hoch.  Der 
vordere  Rand  stösst  an  den  Schlossrand  stumpfwinkelig  an  und  verläuft  mit  einer  vorspringenden  Rundung 
allmählich  in  den  nur  schwach  gerundeten  Unterrand;  der  Hinterrand  ist  schief  abgeschnitten  und  bildet  an 
seinem  unteren  Ende  eine  abgerundete  Ecke,  in  welche  eine  von  dem  mittelständigen  Wirbel  ausgehende 
Rückenkante  verläuft,  hinter  welcher  die  Schale  steil  abfällt.  Es  ist  für  Area  glabra  besonders  bezeichnend, 
dass  diese  Rückenkante  um  so  deutlicher  hervortritt,  als  sie  nicht  nur  auf  der  hinteren  abschüssigen  Schalen- 
fläche von  einer  sehr  deutlichen  Längsfurche  begrenzt  ist,  sondern  dass  sich  die  Schale  auch  vor  jener  Kante 
eine  Strecke  weit  flacher  einsenkt,  als  auf  dem  übrigen  Theile  des  breiten  Rückens.  Dieser  Charakter  fehlt 
der  Area  siibglabra  d'Orb.,  oder  A.  glabra  bei  Goldfuss  u.  A.  aus  den  oberturonen  und  untersenonen  Ab- 
lagerungen, wo  jene  Rückenkante  mehr  gerundet  ist  und  allmählich  in  den  gleichartigen  gewölbten  Rücken 
der  Schale  verläuft. 

A.  glabra  Park.  sp.  hat  in  ihren  Jugendzuständen  das  Ansehen  der  A.  carinata  bei  Goldfuss,  ist 
zuweilen  selbst  noch  schmäler.  Die  Taf.  49.  Fig.  1  u.  3  abgebildeten  Steinkerne  aus  dem  unteren  Quader- 
sandstein schliessen  sich  hier  an.  Mit  zunehmendem  Alter  tritt  eine  Neigung  zur  weiteren  Ausdehnung  der 
Schale  nach  hinten  hervor,  sie  wird  zu  A.  ligeriensis  d'Orb.  und  durch  eine  noch  stärkeren  Ausdehnung  nach 
dieser  Richtung  zu  A  Passyana  d'Orb.,  mit  welcher  letzteren  d'Orbigny  gerade  die  Exemplare  vereinigt  hat, 
welche  Reuss  aus  dem  unteren  Quader  und  Pläner  Böhmens  als  A.  glabra  beschrieben  hat.  Letztere  sind 
leider  etwas  zusammengedrückt,  ebenso  wie  das  von  Geinitz  früher  zu  Cuc.  ovalis  Nilss.  gestellte  Exemplar 
vom  Postelberg. 

Umgekehrt  besitzt  Area  subglabra  mehr  die  Neigung  zu  einer  Ausdehnung  der  Schale  nach  vorn  hin. 

Vorzügliche  Abbildungen  von  A.  glabra  haben  Briart  und  Cornet  a.  a.  0.  PI.  5.  flg.  1 — 3  gegeben, 
während  sie  mit  Unrecht  auch  Area  fibrosa  Sow.  sp.  mit  ihr  vereinen.  Es  unterscheidet  sich  letztere  Art, 
welche  Sowerby  (Min.  Conch.  PI.  207.  fig.  2)  aus  dem  Grünsande  von  Blackdown  als  Cucullaea  fibrosa  be- 
zeichnet, durch  eine  weit  flachere  Rundung  der  hinteren  Seite,  so  dass  die  für  A.  glabra  so  ausgezeichnete 
Rückenkante  nach  unten  hin  gänzlich  verschwindet.  Sie  tritt  hierdurch  der  Area  subglabra,  oder  A,  glabra 
bei  Goldfuss,  weit  näher,  welche  letztere  daher  d'Orbigny  in  Pal.  fr.  III.  pag.  212  mit  A.  fibrosa  Sow. 
vereinigt,  während  er  sie  später  in  Prodrome  de  Paleontologie,  IL  pag.  244  als  besondere  Species  mit  dem 
Namen  A.  siibglabra  abgetrennt  hat.  Es  können  nur  zusammengedrückte  Exemplare  der  A.  glabra  zu  einer 
Verwechselung  mit  A.  fibrosa  und  A.  subglabra  Veranlassung  geben. 

Die  Oberfläche  der  Schale  ist  im  Allgemeinen  glatt,  d.  h.  concentrisch  gestreift  und  hier  und  da  mit 
undeutlichen  ausstrahlenden  Linien  versehen. 

Vorkommen:  Diese  wirkliche  Area  glabra  Park.  sp.  ist  in  Sachsen  und  Böhmen  nur  aus  ceno- 
manen  und  allenfalls  unterturonen  Schichten  bekannt.  Sie  zeigt  sich  nicht  selten  in  dem  unteren  Quadersand- 
stein der  Muschelfelsen  bei  Koschütz,  vereinzelt  in  dem  Quader  von  Niederschöna  und  der  Goldenen  Höhe, 
sowie  in  dem  unteren  Quader  von  Tyssa,  in  dem  Grünsande  von  Laun  und  dem  Exogyrensandsteine  von  Mal- 
nitz  und   Postelberg  in  Böhmen.     Ein  junges  Exemplar  wurde   im   unteren   Pläner   des  Tunnels  am  Oberau 


—     223     — 

aufgefunden,  ein  der  Var.  Area  Passyana  d'Orb.  angehöriger  Steinkern  in  dem  cenomanen  Grünsande  von 
Frohnhausen  bei  Essen  a.  d.  Ruhr.  Das  Vorkommen  der  A.  Ligeriensis  und  A.  Passyana  d'Orb.  in  ceno- 
manen Schichten  von  le  Mans  und  Rouen,  sowie  die  Entdeckung  der  A.  glabra  in  der  Meule  von  Brac- 
quegnies entsprechen  gleichfalls  dem  geologischen  Niveau  von  Blackdown  in  Devonshire. 

5.     A.  carinata  Sow.  —  Taf.  49.  Fig.  5,  6. 

1813.  Sowerby,  MiD.  Conch.  PI.  44.  fig.  2,  3. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  franj.  terr.  eret.  III.  pag.  214.  Pal.  313.  fig.  1—3. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  U.  pag.  138,  164. 

1865.  Briart  et  Cornet,  descr.  min.,  geol.  et  pal.  de  la  Meule  de  Bracquegnies,  pag.  56.  PI.  5.  fig.  15,  16. 

Die  quer-verlängerte  trapezoidale  Schale  ist  sehr  ungleichseitig,  hoch  gewölbt  und  besitzt  einen  stark 
niedergebogenen  Wirbel  in  der  Nähe  des  Vorderrandes.  Der  letztere  stösst  fast  rechtwinkelig  an  den  Schloss- 
rand an  und  verbindet  sich  unter  einer  Rundung  mit  dem  langen,  fast  geraden  Unterrand.  Der  hintere 
Theil  der  Schale  fällt  von  einem  scharfen  Kiele  plötzlich  ab  und  scheidet  den  breiten  Rücken  von  dem  deut- 
lich eingedrückten,  schief  abgeschnittenen,  hinteren  Schalenfelde.  Die  Oberfläche  ist  dicht  bedeckt  mit 
flachen  Längsrippen,  welche  am  Kiele  und  hinter  demselben  ziemlich  ungleich  sind  und  von  concentrischen 
Anwachslinien  durchschnitten  werden.  Unserem  jüngeren  Exemplare  von  Plauen  (Fig.  5.)  entspricht  sehr 
genau  die  zum  Vergleiche  (Fig.  6.)  mit  abgebildete  Schale  aus  dem  oberen  Grünsande  der  Insel  Wight, 
die  wir  Herrn  Cttpt.  Boscawen  Ibbetson  verdanken.  Diese  Schale  erscheint  in  Folge  von  Druck  wesent- 
lich breiter  als  die  in  Sowerby's  Abbildung,  indess  nähert  sich  der  letzteren  die  auf  dem  Gestein  noch  vor- 
handene andere  Schale  dieses  Exemplares  um  so  mehr. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen.  Sowerby  beschrieb  sie  zuerst  aus  dem  Grün- 
sande von  Devizes  in  England;  d'Orbigny  führt  sie  aus  dem  Gault  oder  Albien  von  Geraudot,  Ervy,  Perte- 
du- Rhone  und  Clansayes,  sowie  aus  dem  Cenoman  von  La  Malle  und  Lamnay  in  Frankreich  und  von  Blackdown 
in  Devonshire  auf,  während  sie  Briart  und  Cornet  als  Seltenheit  auch  in  der  Meule  von  Bracquegnies  in 
Belgien  entdeckten. 

Pecttmc itlus  Lamarck. 

1.     P.  obsoletus  Goldf.  —  Taf.  49.  Fig.  7—11. 

1834—1840.     Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  160.  Taf.  126.  fig.  4. 
1840.     Geiu.  Char.  II.  pag.  51.  Taf.  11.  fig.  2. 
1849.     Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  160. 

Die  dicke,  regelmässig  gewölbte  Schale  besitzt  einen  schief-oval-kreisrunden  Umriss  und  einen  vor 
der  Mitte  liegenden  stumpfen  Wirbel,  hinter  welchem  sich  eine  nur  sehr  schwach  eingedrückte  Furche  herab- 
zieht. Ihre  Oberfläche  ist  mit  flachen,  oft  undeutlichen  Längsrippen  bedeckt,  welche  durch  schmale  Furchen 
geschieden  und  durch  wellenförmige  Anwachslinien  gekräuselt  sind.  Die  Bandfläche  unter  dem  Wirbel  ist 
verhältnissmässig  niedrig;  wo  letztere  abgerieben  ist,  erscheinen  die  mittleren  Schlosszähne  weit  höher,  als 
sie  in  der  That  sind.     Ihre  normale  Beschaffenheit  ist  Fig.  9  wenig  vergrössert  dargestellt. 

Steinkerne  sind  glatt  und  nur  an  ihrem  unteren  Rande  gekerbt  (Fig.  10.  11).  Auf  ihnen  treten  die 
beiden  Muskeleindrücke  und  der  Manteleindruck  sehr  deutlich  hervor.  In  Fig.  11  sind  erstere  durch  Schalen- 
reste verdeckt. 

Palaeontographica  XX.  6.  32 


—     224     — 

Nahe  verwandt  mit  P.  obsoletus  ist  P.  subpulvinakts  d'Archiac  (Mem.  de  la  Soc.  g£ol.  de  France, 
2.  ser.  T.  II.  P.  2.  pag.  1.  PI.  15.  fig.  2)  von  Tournay,  doch  fehlen  demselben  die  wellenförmigen  An- 
wachslinien und  er  besitzt  eine  grössere  Anzahl  von  Schlosszähnen,  was  vielleicht  nur  als  eine  Varietät  auf- 
zufassen ist.  P.  sublaevis  Sowerby  (Min.  Conch.  PI.  472.  fig.  5.  6),  womit  d'Orbigny  den  P.  obsoletus  ver- 
einiget hat,  unterscheidet  sich  durch  eine  grössere  Gleichseitigkeit  der  Schale,  durch  einen  spitzeren  Wirbel, 
an  dessen  Seiten  die  Schale  schneller  abfällt,  einen  mehr  gerundeten  Schlossrand  und  durch  schmälere,  un- 
gleichere und  häufig  mehr  vorstehende  Längsrippen.  Diese  Art  ist  für  oberturone  oder  uutersenone  Schichten, 
wie  den  Grünsand  von  Kieslingswalda,  den  Kreidemergel  vom  Luisberg  bei  Aachen  und  am  Salzberge  bei 
Quedlinburg  charakteristisch. 

Vorkommen:  P.  obsoletus  Goldf.  ist  in  den  Muschelfelsen  des  unteren  Quadersandsteines  von 
Koschütz  bei  Dresden  massenhaft  angehäuft  und  wird  in  den  untersten  Schichten  des  unteren  Pläners  von 
Koschütz  und  Plauen  sehr  häufig  gefunden.     Gewöhnliche  Grösse  3—3,5  cm. 

2.     P.  Lens  Nilsson.  —  Taf.  49.  Fig.   12;  IL  Taf.  16.  Fig.  6. 

1827.  Nilsson,  Petr.  Suecana  pag.  15.  Tab.  5.  fig.  4. 

1837.  Hisinger,  Lethaea  Suecica  pag.  59.  Tab.  18.  fig.  6. 

1842.  Gein.  Char.  III.  pag.  77.  Taf.  20.  fig.  18,  33. 
1846.  Gein.  Grundr.  pag.  447. 

Keuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  9. 
1849.     Gein.  Quadr.  Deutschi.  pag.  162. 

Der  Umfang  der_schwach-gewölbten  Schale  ist  kreisrund  und  ihr  kleiner,  fast  rechtwinkeliger  Wirbel 
liegt  in  der  Mitte.     Ihre  Oberfläche  erscheint  durch  ca.  40  flache  und    schmale  Längsrippen  radial  gestreift. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  (Taf.  49.  Fig.  12)  und  in  dem  turonen  Pläuer- 
mergel  an  der  Walkmühle  bei  Pirna  (II.  Taf.  16.  Fig.  6).  Damit  stimmen  Exemplare  aus  dem  cenomanen 
Hippuritenkalke  von  Kutschlin,  sowie  aus  dem  Grünsandstein  von  Czencziz  und  Postelberg  und  dem  oberen 
(senonen)  Plänermergel  von  Luschitz  in  Böhmen  sehr  gut  überein.  Nilsson  beschrieb  diese  Art  aus  den 
senonen  Ablagerungen  von  Baisberg  und  Köpinge  in  Schonen. 

Fam.  Trigoniiäae. 
Trigonia  Bruquiere,  17S9. 

1.     T.  sulcataria  Lam.   1819.  —  Taf.  49.  Fig.   13,  14. 

1834—40.  Lyrodon  sulcatum  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  203.  Taf.  137.  fig.  7. 

1839—53.  Deshayes,  Traite  el.  de  Conchyologie,  PI.  33.  fig.  10. 

1840.  Agassiz,  Mem.  sur  les  Trigonies,  Tab.  11.  fig.  17. 

1840.  Gein.  Char.  II.  pag.  54.  Taf.  21.  fig.  3. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  frang.  terr.  cret.  III.  pag.  150.  PI.  294.  fig.  5.  6. 
1846.  Gein.  Grundr.  pag.  444. 

1849.     Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  158. 

1868.     Giimbel,  Geogn.  Beschr.  des  Kön.  Bayern,  IL  1.  pag.  700. 

Schale  dreiseitig-keilförmig,  vorn  gerundet,  nach  hinten  verlängert  und  verengt  und  zuletzt  schief 
abgeschnitten.  Der  hohe  Wirbel  liegt  vor  der  Mitte  und  ist  nur  wenig  rückwärts  gekrümmt.  Ein  von  ihm 
nach  der  hinteren  Ecke  des  Unterrandes  laufender  Kiel   ist  einwärts  gebogen  und  schneidet  ein  breites,   fast 


—     225     — 

ebenes  hinteres  Feld  ab,  welches  längs  seiner  Mitte  gefurcht  und  mit  abwärts  gebogenen  Falten  verziert  ist. 
(Fig.  14.  b).  Der  Unterrand  ist  nur  in  der  Nähe  des  Hinterrandes  ein  wenig  eingebogen  und  verbindet  sich 
durch  eine  Rundung  mit  dem  Vorderrande.  Das  Auszeichnende  für  diese  Art  liegt  in  einer  grösseren  Anzahl 
concentrischer  Rippen,  die  von  dem  Vorderrande  nach  hinten  laufen  und  in  der  hinteren  Hälfte  der  Schale 
von  vertical-laufenden  Rippen  durchkreuzt  und  abgeschnitten  werden.  Sie  beginnen  erst  hinter  dem  Wirbel 
und  stossen  unter  spitzem  Winkel  mit  den  Falten  des  hinteren  abgedachten  Feldes  zusammen.  Sowohl  jene  Längs- 
rippen, als  auch  ein  grosser  Theil  der  unteren  Querrippen  ist  mit  rundlichen  Knoten  besetzt,  was  sowohl  an 
Tyssaer  als  Plauenschen  Exemplaren  weit  deutlicher  als  an  vielen  von  dieser  Art  gegebenen  Abbildungen 
hervortritt.     Die  Länge  der  Schale  verhält  sich  zur  Höhe  etwa  wie  32  :  30. 

Vorkommen:  In  Sachsen  kennt  mau  diese  Art  nur  in  wenigen  Exemplaren  aus  dem  unteren  Quader 
der  Muschelfelsen  bei  Koschiitz  und  dem  unteren  Pläner  von  Plauen.  Sehr  schön  kommt  sie  im  unteren 
Quadersandsteine  von  Tyssa  und  nach  Gümbel  bei  Koriczan  in  Böhmen  vor.  Goldfuss  beschrieb  sie  aus 
cenomanen  Schichten  von  le  Havre. 

2.     T.  Buchi  Gein.  —  Taf.  49.  Fig.   15.  16. 

1840.     Trigonia  de  Buchii  Gein.  Char.  II.  pag.  54.  Taf.  21.  fig.  1.  2. 
"1849.    Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  158. 

Bei  nierenförmig-dreiseitigem  Umriss  ist  die  Schale  etwas  breiter  als  bei  T.  suloataria,  verschmälert 
sich  mehr  nach  hinten  und  ist  an  ihrem  Unterrande  in  der  Nähe  des  hinteren  Endes  deutlich  eingebogen. 
Nur  der  vordere  gerundete  Theil  der  Schale  ist  mit  concentrischen  Rippen  bedeckt,  der  ganze  übrige  Scha- 
lentheil trägt  eine  weit  grössere  Anzahl  gekörnter  Längsrippen,  deren  vorderste  sich  unter  stumpfen  Winkeln 
mit  jenen  stärkeren  Querrippen  verbinden.  Das  obere  concave  Schalenfeld  hinter  dem  hohen,  sich  nach  der 
Mitte  hin  drängenden  Wirbel  ist  fast  glatt  und  seiner  Länge  nach  eingebuchtet. 

Gemäss  ihrer  Form  und  Structur  der  Schale  bildet  T.  Buchi  eine  Mittelstufe  zwischen  T.  sulcataria 
und  T.  disparüis  d'Orb.  (Pal.  frans,  terr.  cret\  III.  PI.  299.  fig.  3.  4)  aus  turonen  Schichten.  Letztere  unter- 
scheidet sich  von  T.  Buchi  durch  ihre  geringere  Höhe,  durch  den  Mangel  einer  Einbiegung  an  dem  unteren 
Rande  und  durch  eine  weit  geringere  Anzahl  der  vorderen  Querrippen. 

Vorkommen:  Selten  in  dem  Grünsande  des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau  und  im  Elb- 
stollen  zwischen  Zaukeroda  und  Priessnitz. 

Farn.  Crassatelliäae. 

Crassatella  Lam.  1799. 

C.  regularis  d'Orb.  —  Taf.  50.  Fig.  4;  IL  Taf.   17. 

1840.  Trigonia  —  ?  Gein.  Char.  II.  pag.  54.  Taf.  11.  fig.  9. 

1843.  D'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III.  pag.  80.  PL  266.  fig.  4—7. 

1846.  Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  3.  Taf.  33.  fig.  25. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  156. 

1850.  D'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  238. 

1370.    F.  Roemer,  Geologie  von  Oberschlesien,  pag.  339.  Taf.  29.  fig.  8. 

Schale  quer-oval-dreiseitig,  da  der  spitze  wenig  vor  der  Mitte  liegende  Wirbel  nur  schwach  nieder- 
gebogen ist.     Von  ihm  läuft  eine  Kante  nach  dem  hinteren  Ende  des  fast  geraden  Unterrandes,  der  sich  an 


—     226     — 

den  schief  abgeschnittenen  Hinterrand  mit  einer  stumpfen  Ecke  anschliesst,  dagegen  in  den  gerundeten  Vorderrand 
allmählich  verläuft.  Das  hintere,  schief  abgeschnittene  Feld  ist  geebnet,  ohne  eine  mittlere  Furche  oder  Falte 
zu  besitzen.  Die  Oberfläche  wird  von  regelmässigen,  engliegenden  Amvachsstreifen  bedeckt.  Auf  den  glatten 
Steinkernen  (II.  Taf.  17)  treten  Muskeleindrücke  und  Manteleindruck  sehr  deutlich  hervor,  während 
eine  undeutlichere  Längsfurche  sich  von  der  vorderen  Seite  des  Wirbels  in  eine  rückwärts  gebogene  Linie 
nach  unten  wendet  und  unter  spitzem  Wirbel  die  Mitte  des  Manteleindruckes  zu  erreichen  sucht. 

Grassatella  macrodonta  Zittel  (die  Bivalven  der  Gosaugebilde,  pag.  46.  Taf.  8.  fig.  2.  3)  entwickelt 
sich  mehr  in  die  Höhe  und  hat  daher  eine  mehr  oval-dreiseitige  Form,  so  dass  man  sie  nach  den  uns  vor- 
liegenden Exemplaren  dieser  Art  aus  dem  Hofersgraben  damit  nicht  vereinigen  kann. 

Cr.  Vinäinnesis  d'Orb.,  welche  Gümbel  im  unteren  Quader  von  Regensburg  erkannt  hat,  unter- 
scheidet sich  von  Cr.  regularis  durch  eine  Längsfalte  in  der  Mitte  des  hinteren  Feldes  und  durch  ihr 
spitzeres  hinteres  Ende,  was  namentlich  auch  an  den  Steinkernen   von  Regensburg  sehr  deutlich  hervortritt. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Planer  von  Plauen,  und  als  Steinkern  im  Plänerkalke  von  Strehlen. 
Nach  Reuss  im  unteren  Pläner  von  Laun  in  Böhmen,  nach  F.  Römer  im  cenomanen  Kalkmergel  von  Bladen 
in  Oberschlesien,  in  dem  oberturonen  oder  unterseuonen  Grünsande  von  Kieslingswalda  im  Glatzischen,  nach 
d'Orbigny  in  senonen  Schichten  von  Bains-de-Rennes  in  Frankreich. 

Fam  Astartidae. 
Astarte  Sowerby,  1817. 

1.  A.  Plauensis  Gein.   —  Taf.  50.  Fig.  7. 

Die  nur  wenige  Millimeter  grosse  Schale  hat  einen  rundlich-vierseitigen  Umfang  und  mittelständige 
Wirbel,  die  sich  berühren.  Vor  diesen  liegt  ein  vertieftes  herzförmiges,  hinter  ihnen  ein  lanzettförmiges 
Feld.  (Fig.  7.  c).  Ihre  Oberfläche  ist  ziemlich  gleichmässig  gewölbt,  nach  dem  Hinterrande  hin  aber  sanft 
eingebuchtet  und  mit  entfernt  liegenden  glatten  eoncentrischen  Rippen  bedeckt.  Der  Schlossrand  stösst  recht- 
winkelig an  den  Hinterrand  au,  der  vordere  Rand  der  Schale  bildet  eine  etwas  vorstehende  Ecke. 

Sie  nähert  sich  durch  ihren  Umriss  wohl  am  meisten  der  A.  acuta  Reuss  (böhm.  Kreidef.  II.  pag.  3. 
Taf  33.  fig.  17;  Taf.  37.  flg.  14),  welche  im  oberen  Plänermergel  von  Priesen,  Böhmisch  Kamnitz  und  bei 
Kreibitz  in  Böhmen  vorkommt,  ohne  damit  identisch  zu  sein. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

2.  A.  ein gu lata  Gein.  —  Taf.  50.  Fig.  8. 

Die  comprimirte  Schale  ist  quer-oval-dreiseitig,  breiter  als  hoch,  an  ihrem  Unterrande  etwas  ein- 
gebogen, vorn  und  hinten  verschmälert  und  besitzt  einen  kleinen,  vor  der  Mitte  ihrer  Länge  liegenden, 
niedrigen  Wirbel.  Sie  ist  mit  dicken  eoncentrischen  Anwachsringen  bedeckt,  die  sich  besonders  nach  unten 
hin  zu  hohen  glatten  Wülsten  zu  erheben  pflegen. 

Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  Cyprina  incerta  d'Archiac  (Mem.  de  la  Soc.  g£ol.  de  France, 
2.  ser.  Taf.  II.  P.  2.  Tab.  14.  fig.  6)  von  Tournay  mit  A.  cingulata  identisch  ist,  doch  weist  das  dort  ab- 
gebildete Bruchstück  auf  grössere  Höhe  der  Schale  hin.  Unsere  Exemplare  sind  bei  19  mm.  Länge  an  dem 
Wirbel  nur  11  mm.  hoch.     Der  Schlossapparat   ist  noch  nicht  genügend  bekannt.     Das  Bandfeld  ist  schmal. 


—      227     — 

Vorkommen:  In  den  tiefsten  Schichten  des  unteren  Pläners  von  Plauen  und  in  den  Conglomeraten 
des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau. 

3.  Astarte?  sp. 

1842.  A.  formosa  Gein.     Char.  III.  pag.  76.  Taf.  21.  flg.  19.     (Nicht  Sowerby  bei  Fitton). 
1846.    A.  multistriata  Gein.     Grundr.  d.  Verst.  pag.  429.    —  Reuss,  böhm.  Kreidef.  IL  pag.  3. 

Das  einzige  noch  vorliegende  Exemplar  aus  den  Conglomeratschichten  des  unteren  Quaders  im 
Tunnel  von  Oberau,  das  sich  jetzt  in  der  Sammlung  des  Dresdener  Polytechnikums  befindet,  ist  nur  ein 
Abdruck,  worauf  sich  weitere  Schlüsse  nicht  bauen  lassen.  Durch  Form  und  ihre  dicken  concentrischen 
Rippen  sich  der  A.  formosa  Sow.  nähernd,  liegt  doch  ein  Hauptunterschied  von  dieser  Art  in  ihren  feinen 
ausstrahlenden  Linien,  welche  über  diese  Querleisten  hinweglaufen,  wodurch  sie  der  A.  multistriata  Sow.  nahe 
verwandt  werden. 

Exemplare  aus  dem  oberen  Quadermergel  von  Kreibitz  in  Böhmen,  welche  im  Grundriss  der  Ver- 
steinerungskunde pag.  429  damit  in  Verbindung  gebracht  worden  sind,  scheinen  sich  auf  eine  mit  Cardita 
tenuistriata  nahe  verwandte  Art  zurückführen  zu  lassen. 

Opis  Defrance,   1825. 

0.  bicornis  Gein.   -  Taf.  50.  Fig.   1—3. 

1843.  Area  bicornis  Gein.     Char.  Nachtr.  pag.  14.  Taf.  5.  flg.   10. 

1845.  Opis  Galliennei  d'Orb.    Pal.  franc,  terr.  cret.  III.  PI.  257  bis.  fig.  6—8. 

1846.  Opis  bicornis  Gein.     Grundr.  d.  Verst.  pag.  427. 
Reuss,  böhm.  Kreidef.  II.  pag.  2. 

1849.  Gein.     Quad.  Deutschi.  p.  156. 

1850.  Opis  Truellei  d'Orbigny,     Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  238  z.  Th. 

Diese  grosse  Art  zeichnet  sich  durch  ihre  sehr  hohen,  hörnerartigen  Wirbel  aus,  die  sich  etwas  nach 
vorn  richten  und  schwach  gegen  einander  biegen  und  ebensoweit  hervorragen,  als  die  Höhe  der  Schale  bis 
an  den  Schlossrand  beträgt.  Mit  ihren  langen  Wirbeln  erscheint  die  Schale  pyramidal,  ohne  dieselbe  ist  ihr 
Umfang  breiter  als  hoch,  etwas  vierseitig,  und  zwar  am  Vorderrande  convex,  am  Hinterrande  gerade  ab- 
geschnitten und  etwas  eingebuchtet,  wie  längs  ihrer  ganzen  hinteren  Seite,  die  von  einer  Kante  aus  schnell 
abfällt,  am  Unterrande  nur  schwach  gewölbt,  entsprechend  dem  fast  geebneten  Rücken.  Sie  ist  sehr  dick- 
schalig und  mit  starken  concentrischen  Anwachsringen  bedeckt,  welche  eng  au  einander  liegen.  Steinkerne 
zeigen  die  beiden  grossen  ovalen  Muskeleindrücke  an  der  Basis  der  hornartigen  Hervorragung,  deren  innere 
Fläche  an  der  vorderen  Seite  mit  einer  scharfen  Kante  begrenzt  wird  (Fig.  3.  b),  neben  welcher  sich  eine 
flache  Bucht  bis  an  die  Spitze  des  Wirbels  hinzieht,  an  welche  wiederum  eine  flachwulstige  Erhöhung  grenzt. 

0.  Truellei  d'Orb.  (Pal.  frang.  terr.  cret.  III.  pag.  56.  PI.  255),  womit  d'Orbigny  diese  Art  ver- 
einigt, besitzt  einen  weniger  schlanken  Wirbel,  dagegen  stimmt  die  von  d'Orbigny  weit  später  gegebene 
Abbildung  des  0.  Galliennei  mit  0.  bicornis  gut  überein. 

Unter  den  von  Stoliczka  beschriebenen  Arten  aus  der  süd  indischen  Kreideformation  ist  Opisoma 
Geinitaiana  die  nächste  Verwandte. 

Vorkommen:  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  von  Kutschlin  in  Böhmen,  sowie  in  dem  Grün- 
sande des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau. 


—     228     — 

Fam.  Lttcinidae. 

Mutiella  Stoliczka,  1870. 

M.  Eingmerensis  Mant.  sp.  —  IL  Taf.  16.  Fig.   11  —  13. 

Vorkom m e n :   Im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Unicardum  d'Orbigny,  1847—1850. 

U.  tumidum  Briart  &  Cornet.  —  Taf.  51.  Fig.  4.  5. 
1865—68.     Briart  et  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies,  Mem.  de  l'Acad.  belg.  T.  XXXIII.  pag.  6S.  Tab.  7.  fig.  6.  7. 

Die  rundliche,  bauchig-gewölbte  Schale,  welche  nur  wenig  breiter  als  hoch  ist,  hat  einen  stumpfen, 
ganz  niedergebogenen  Wirbel,  der  fast  in  der  Mitte  liegt  und  eine  geringe  Biegung  nach  vorn  hin  macht. 
Die  hintere  Seite  fällt  mit  einer  stärkeren  Wölbung  nach  dem  Oberrande  ab,  wo  sich  ein  schmales  lanzett- 
förmiges Feld  bildet,  während  die  vordere  Seite  neben  dem  Wirbel  schwach  eingedrückt  ist.  Die  ziemlich 
dicke  Schale  ist  concentrisch  gestreift  und  mit  unregelrnässigen  stärkeren  Anwachsringen  bedeckt.  Steinkerne 
lassen  unter  dem  Wirbel  eine  schwache  Grube  für  den  aufrechten  Schlosszahn  wahrnehmen.  Man  findet  die 
Schalen  gewöhnlich  verschoben,  was  auf  die  geringe  Festigkeit  ihres  Schlossapparates  hinweist. 

Die  ganze  Form  der  Muschel  erinnert  an  Cardium  oder  Isocardia.  Mit  dem  ersteren  hat  d'Orbigny 
Unicardium  vereinigt,    während  Stoliczka  diese  Gattung  zu  den  Luciniden  stellt. 

Vorkommen:  Von  26  mm.  Breite  und  23  mm.  Höhe  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und 
in  der  gleichalterigen  Meule  von  Bracquegnies  in  Belgien. 

Eriphyla  Gabb,  1864.     {Lucina  Auct.  p.) 

Mit  allem  Rechte  hat  Stoliczka  Lucina  lenticularis  Goldf.  zu  Eriphyla  gestellt,  da  bei  ihr  ein,  wenn 
auch  nur  schwacher  Mantelausschnitt  vorhanden  ist  (vgl.  Th.  IL).  Aus  diesem  Grunde  wird  diese  Gattung 
zur  Familie  der  Veneriden  oder  Cyiheriden  verwiesen.  Da  sich  Eriphyla  hierdurch  jedoch  in  einer  ähnlichen 
Weise  zu  Lucina,  wie  Protocarclium  zu  Cardium,  und  wie  Leda  zu  Nucula  stellt,  so  ist  sie  hier  vorläufig 
aus  dieser  Familie  nicht  ausgeschieden  worden. 

E.  striata  Sow.  sp.  -   Taf.  51.  Fig.  1—3. 

1826.  Astarte  striata  Sowerby,  Min.  Conch.  Tab.  520.  flg.  1.  2. 

1847.  Astarte  Konincki  d'Archiac,  Me"m.  de  la  soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  IL  P.  2.  pag.  302.  PI.  14.  fig.  4. 

1850.  Astarte  striata  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  160. 

1871.  Eriphüa  striata  Stoliczka,  Cret.  Pelecypoda  of  South  India,  pag.  285. 

Von  rundlichem,  undeutlich-fünfseitigem  Umriss,  wie  E.  lenticularis,  und  mit  mittelständigem  Wirbel, 
unterscheidet  sich  diese  Art  von  der  eben  genannten  durch  ihre  weit  stärkere  Wölbung.  Die  hintere  Seite 
ist  schief  abgedacht  und  bildet  mit  dem  Schlossrande  einen  undeutlichen  stumpfen  Winkel,  während  die  etwas 
vorspringende  vordere  Seite  schief  gerundet  ist.  Hinter  dem  Wirbel  liegt  ein  schmales  lanzettförmiges 
Bandfeld. 

Vorkommen:  Sie  erreicht  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen,  ähnlich  wie  in  dem  Grünsand  von 
Blackdown  und  in  der  Tourtia  von  Tournay  über  40  mm.  Grösse.  Kleinere  Schalen  oder  Steinkerne  in  dem 
Plänerkalke  von  Strehlen,  welche  ihr  angehören  können,  wurden  bisher  meist  mit  als  Lucina  lenticularis 
oder   Venus  parva  bezeichnet. 


—     229     — 

Farn.  Carditidae  (Gyprinidae)  d'Orb. 

Oyprina  Lam.  1812. 

C.  trapezoidalis  A.  Rom.  sp.  —  Taf.  50  Fig.  5.  6. 

1841.    Crassatella  trapezoidalis  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  74.  Taf.  9.  fig.  22. 

1S49.     Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  158.  z.  Th. 

1850.     Cypricardia  trap.  d'Orb.  Prodr.  de  Pal.  IL  pag.  240. 

Die  trapezoidische  Schale  ist  stark  gewölbt,  quer  verlängert,  vorn  gerundet  und  sehr  verkürzt,  da 
der  niedergebogene  Wirbel,  welcher  den  Schlossrand  kaum  überragt,  das  vordere  Ende  ziemlich  erreicht, 
unter  sich  eine  kleine  Eindrückung  des  Vorderrandes  umschliessend.  Sie  ist  nach  hinten  verlängert  und 
schief  abgeschnitten,  fällt  von  einer  scharfen  Kante  plötzlich  nach  einem  hinteren,  schwach  concaven  Schalen- 
felde ab,  dass  auch  an  seinem  oberen  Rande  von  einer  ähnlichen  Kante  begrenzt  wird,  welche  das  schmal 
lanzettförmige  Bandfeld  einschliesst.  Der  Unterrand  ist  nur  wenig  gebogen  und  mit  dem  hinteren  Schloss- 
rande fast  parallel.     Ihre  ganze  Oberfläche  ist  glatt. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Pläner  von  Plauen  bis  30  mm.  lang  und  hinter  dem  Wirbel 
nur  2  Drittel  so  hoch. 

A.  Römer  führt  diese  Art  aus  dem  Plänerkalke  von  Strehlen  auf,  was  vielleicht  auf  einer  Ver- 
wechselung des  Fundortes  beruht,  da  sie  uns  von  dort  nicht  bekannt  geworden  ist. 

Eine  dieser  Art  sehr  nahe  verwandte  kommt  in  dem  oberen  Quadermergel  von  Regensburg  und  bei 
Nagorzany  unweit  Lemberg  vor.  Diese  unterscheidet  sich  jedoch  von  C.  trapezoidalis  durch  ihre  mehr 
bauchige  Beschaffenheit  in  der  Nähe  des  mehr  über  den  Schlossrand  vorragenden  und  etwas  hinter  dein  Vor- 
derrande liegenden  Wirbels. 

Es  empfiehlt  sich  vielleicht,  sie  als  C.  subtrapezoidalis  zu  unterscheiden. 

C.  tricarinata  (Crassatella  tr.)  A.  Rom.,  (a.  a.  0.  pag.  74.  Taf.  9.  fig.  23)  aus  den  Salzberg- 
schichten von  Quedlinburg,  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  durch  ihre  mehr  quer-ovale  Form,  einen 
mehr  zurücktretenden  Wirbel  und  die  Gegenwart  einer  dritten,  wenn  auch  oft  undeutlichen  Kante  auf  dem 
hinteren  Schalenfelde.     Diese  Art  scheint  auch  in  den  Schichten  von  Kieslingswalda  nicht  zu  fehlen. 

Die  in  der  Korallenkreide  von  Faxe  auf  Seeland  vorkommende  Art  weicht  durch  grössere  Höhe  und 
weit  stärkeres  Vorragen  des  Wirbels,  so  wie  durch  fast  wulstförmig  hervortretende  Anwachsstreifen  wesent- 
lich von  C.  trapezoidalis  ab  und  wird  in  Copenhagen  als  C.  faxensis  M.  U.  H.  unterschieden. 

Fam.  Cardiidae. 

Cardium  L.  1758. 

1.     C.  Cenomanense  d'Orb.  —  Taf.  50.  Fig.  9. 

1842 — 1850.     Card,  alutaceum  Gein.  z.  Th. 

1843.     D'Orbigny,  Pal.  franc,  terr.  cret.  III.  pag.  37.  PI.  249.  fig.  5—9. 
1850.     D'Orbigny,  Proilr.  de  Pal.  II.  pag.  162. 

Die  rundliche  Schale  ist  aufgeblähet,  hat  einen  dicken  vorspringenden  mittleren  Wirbel,  fällt  von 
dem  Wirbel  nach  den  Seiten  hin  schnell  ab,  auf  der  hinteren  Seite  sogar  mit  einer  flachen  Einbuchtung  und 


—     230     — 

ist  mit  einfachen  schwachen  und  flachen  Längsrippen  dicht  bedeckt,  die  durch  schmale  Zwischenfurchen  ge- 
trennt werden.  In  den  letzteren  treten  kleine  Tuberkeln  hervor,  die  sich  zum  Theil  an  die  Seiten  der  Rippen 
anschliessen  und  ihren  Ursprung  engliegenden,  zickzackförmigen  Wellenlinien  verdanken,  welche  über  die 
Längsrippen  hinweglaufen.     Man  nimmt  dieselben  sehr  deutlich  an  verwitterten  Exemplaren  wahr. 

Vorkommen:  Von  mittlerer  Grösse  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  in  den  Conglomeratschichten 
des  unteren  Quaders  im  Tunnel  von  Oberau,  wo  diese  Art  früher  mit  C.  alutaceum  Goldf.  verwechselt  wurde, 
dem  ihre  äussere  Form  sehr  gleicht.  Wahrscheinlich  gilt  dies  auch  für  das  angebliche  Vorkommen  des 
C.  alutaceum  in  cenomanen  Schichten  Böhmens.     Nach  d'Orbigny  im  Ceuoman  von  LeMans  und  am  Libanon. 

2.     C.  alternans  Reuss.  —  Taf.  50.  Fig.  10. 

1843.     Reuss,  geogu.  Skizzen  aus  Böhmen,  II.  pag.  196. 

1846.     Reuss,  Verst.  d.  Böhm.  Kveidef.  II.  pag.  1.  Taf.  35.  fig.  15,  16. 

Cardium  intermedium  Reuss,  eb.  pag.  1.  Taf.  40.  fig.  13. 
1849.     C.  intermedium  u.  C.  alternans  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  154. 

Von  bauchig-eiförmiger  Schale,  wie  das  vorige,  zuweilen  mit  etwas  spitzerem  und  schwächer  gebogenem 
Wirbel,  unterscheidet  sich  diese  Art  dadurch,  dass  Rippen  mit  grösseren  Höckern  und  solche  mit  kleineren 
regelmässig  mit  einander  abwechseln.  Das  ihm  nahe  verwandte  C.  produetum  Sow.  (d'Orbigny,  Pal.  franQ. 
terr.  er.  III.  pag.  30.  PI.  247)  oder  Cardium  asperum  Mün.  (Golclfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  221.  Taf.  144. 
fig.  8)  ist  davon  zu  trennen,  da  bei  dieser  Art  allermeist  2  feiner  gekörnte  Rippen  von  stärkeren  stachel- 
tragenden Rippen  eingeschlossen  werden. 

Vorkommen:  Unsere  Exemplare  von  Plauen  entsprechen  durch  ihre  mittlere  Grösse  dem  C.  inter- 
medium Reuss,  aus  dem  unteren  Pläner  von  Laun  in  Böhmen,  während  C.  alternans  Reuss  aus  dem  Hippu- 
ritenkalke  von  Kutschlin  ältere  und  grössere  Exemplare  umfasst. 

JProtocarditmi  Beyrich  (Protocardia)   1845. 
P.  hillanum  Sow.  sp.  —  Taf.  50.  Fig.  11,  12. 

1813.  Cardium  hillanum  Sowerby,  Min.  Conch.  PL  14.  fig.  1. 

1834—40.  Desgl.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II.  pag.  220.  Taf.  144.  fig.  4. 

1840—43.  Desgl.  Gein.  Char.  II.  pag.  53. 

1843.  Desgl.  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  III.  pag.  27.  PI.  243. 

1845.  Protocardia  hillana  Beyrich,  in  Menke's  Zeitschr.  f.  Malakozoologie,  Februar. 

1846.  Protocardia  hillana  Gein.  Grundr.  pag.  421.  Taf.  19.  fig.  4. 
1846.  Desgl.  Reuss,  Verst.  d.  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  22.  Taf.  45.  fig.  2. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  pag.  154. 

1850.  Card,  hillanum  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  162;  C.  Bequienianum  d'Orb.  ib.  pag.  195.  z.  Th. 
1865.     Card,  hillanum  Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies,  pag.  68.  PI.  7.  fig.  4.  5. 

1868.     Card,  hillanum  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kon.  Bayern.  II.  1.  pag.  754. 

1870.  Protocardia  hillana  F.  Römer.  Geol.  v.  Oberschles.  pag.  334.  Taf.  26.  fig.  2. 

1871.  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  Southern  India,  III,  Pelecypoda,  pag.  219.  PI.  12.  fig.  8—10. 

Die  stark  gewölbte  rundliche  Schale  ist  meist  etwas  breiter  als  hoch  und  besitzt  einen  mittleren 
niedergebogenen  Wirbel,  welcher  mehr  oder  weniger  weit  über  den  Schlossrand  vorragt.  Die  hintere,  etwas 
abgestutzte  Fläche  ist  mit  12—15  ausstrahlenden  Rippen  bedeckt,  zwischen  denen  sich  theilweise  eine  feinere 
Rippe  einsetzt,  die  übrige  Oberfläche  eng  concentrisch  gestreift. 


—     231      — 

An  Steinkernen  tritt  der  kleine  rundliche  Mantelausschnitt,  welcher  Protocardium  von  Cardium  trennt, 
unmittelbar  neben  dem  hinteren  Muskeleindrucke,  dem  er  an  Grösse  fast  gleich  kommt,  meist  sehr  deutlich 
hervor  (Fig.  12). 

Aus  Mangel  an  besser  erhaltenen  Exemplaren  aus  Sachsen  ist  Tai  50.  Fig.  11  eine  rechte  Schale 
aus  dem  oberen  Grünsande  der  Insel  Wight  und  Fig.  12  ein  Steinkern  derselben  Schale  aus  dem  oberen 
Quadermergel  von  Kieslingswalda  im  Glatzischen  abgebildet  worden,  mit  welchen  sächsische  Exemplare  genau 
übereinstimmen. 

Vorkommen:  Nicht  selten  im  unteren  Quadersandsteine  der  Muschelfelsen  von  KoschiUz  und  im 
unteren  Pläner  von  Plauen,  sehr  gewöhnlich  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in  Böhmen,  was  seinem  Vor- 
kommen in  dem  oberen,  cenomanen  Grünsande  der  Insel  Wight  und  von  Blackdown  in  England,  sowie  in  der  Meule 
von  Bracquegnies  in  Belgien  und  bei  la  Malle,  Lamnay  und  le  Mans  in  Frankreich  entspricht.  F.  Römer 
fand  dieselbe  im  cenomanen  Sandstein  von  Matzdorf  bei  Leobschütz.  Im  Plänerkalke  Sachsens  fehlt  diese 
Art,  sie  tritt  dagegen  in  grosser  Anzahl  in  dem  oberen  Quadermergel  von  Kieslingswalda  im  Glatzischen, 
nach  Gümbel  in  den  Kagerhöhschichten  bei  Roding  in  Bayern,  sowie  am  Salzberge  bei  Quedlinburg  wieder 
hervor,  was  man  auf  Wanderungen  zurückführen  kann.  In  Südindien  häufig  bei  Anapaudy  etc.,  in  der  Tri- 
chonopoly-Gruppe.  Eine  sehr  nahe  verwandte  Art  ist  Cardium  Texanum  J.  Hall  in  Emory,  Rep.  on  the 
U.  St.  and  Mexican  Boundary  Survey,  Washington,  1857,  pag.  150.  PL  6.  fig.  6,  welche  schon  F.  Römer  mit 
Cardium  Hiüanum  für  identisch  hielt. 


Fam.  Teüinidae. 

Teilina  L.   1758.     Arcopagia  Leach,   1827. 

T.  (Arcopagia)  semkostata  A.  Rom.  —  Taf.  51.  Fig.  7.  8. 

1840.  Psammobia  semkostata  Gein.  Char.  II.  pag.  49.  Taf.  16.  fig.  6. 

1841.  Desgl.  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  pag.  74.  Taf.  9.  fig.  21. 
1846.     Desgl.  Gein.  Grundr.  pag.  413.  Taf.  18.  fig.  8. 

Reuss,  Böhm.  Kreidef.  II.  pag.  19.  Taf.  36.  fig.   11. 

1849.  Gem.  Quad.  Deutschi.  pag.  150. 

1850.  Arcopagia  inaequalis  d'Orbigny,  Prod.  de  Pal.  II.  pag.  158.  z.  Th. 

1865.     Tellina  inaequalis  Briart  &  Comet,  Meule  de  Bracquegnies,  pag.  77.  PI.  8.  fig.  24.  25. 

Quer  elliptisch,  sehr  flach  gewölbt,  mit  einem  kleinen  mittelständigen  Wirbel,  an  welchem  die  beiden 
geradlinigen  Schlosskanten  unter  einem  sehr  stumpfen  Winkel  zusammenstossen.  Das  vordere,  etwas  schmälere 
Ende  ist  gerundet,  das  hintere  etwas  abgestumpft,  beide  verlaufen  in  den  gerundeten  Unterrand.  Die  ganze 
Oberfläche  ist  mit  gedrängten,  regelmässigen,  scharfen,  erhabenen,  concentrischen  Linien  bedeckt,  welche  am 
hinteren  Schalentheile  von  10—17  ausstrahlenden  Rippen  durchkreuzt  werden. 

Exemplare  von  Tyssa  lassen  an  der  rechten  Schale  unter  dem  Wirbel  zwei  kleine  divergirende 
Schlosszähne  erkennen  (Grundr.  Taf.  18.  fig.  8,  und  Taf.  51.  Fig.  7),  die  innere  Schalenfläche  war  bisher  noch 
unbekannt.  Auf  dem  Taf.  51,  Fig.  8  abgebildeten  Steinkerne  von  Plauen  lassen  sich  Muskel-  und  Manteleindrücke 
ziemlich  deutlich  unterscheiden. 

Palaeontographica  XX.  6.  33 


—     232      — 

Sie  wird  38  mm.  lang  oder  breit,  bei  einer  Höhe  am  Wirbel  von  24—26  mm.,  so  dass  sich  die 
Breite  zur  Höhe  verhält  wie  100:66,  was  mit  den  von  Keuss  gegebenen  Zahlen  100:67  nahe  übereinstimmt. 

T.  inaequdlis  Sowerby  (Min.  Conch.  PI.  456.  fig.  4.  5)  von  Blackdown,  womit  d'Orbigny  diese  Art 
vereiniget,  unterscheidet  sich  durch  ihre  ungleichseitige  Schale,  bei  welcher  die  vordere  Seite  länger 
gestreckt  und  an  ihrem  Oberrande  eingebogen  ist.  Mit  T.  inaequdlis  Sow.  stimmt  in  allen  Beziehungen 
T.  subdecussata  A.  Römer  (nordd.  Kreideg.  pag.  74.  Taf.  7.  fig.  20)  oder  Ärcopagia  semiradiata  d'Orbigny 
(Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  194.  —  A.  radiata  d'Orb.  Pal.  frang.  terr.  cret.  III.  PI.  378.  fig.  12.  13)  sehr 
nahe  überein. 

Auch  bei  diesen  ist  nur  der  hintere  Schalentheil  mit  Längsrippen  bedeckt. 

Vorkommen:  T.  semicostata  Rom.  ist  nicht  selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa  in 
Böhmen,  sie  wurde  später  auch  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  gefunden  und  fehlt  nicht  in  der 
Meule  von  Bracquegnies  in  Belgien.  T.  inaequdlis  ist  aus  dem  oberen  Grünsande  von  Blackdown  beschrieben 
worden,  Ärcopagia  semiradiata  d'Orb.  kommt  in  turonen  Schichten  von  Uchaux  und  nach  Zittel  in  den 
Gosaugebilden  der  östlichen  Alpen  vor.  T.  subdecussata  A.  Römer  wird  in  dem  untersenonen  Kreidemergel 
des  Salzberges  bei  Quedlinburg  und  in  dem  oberen  Quadermergel  von  Kreibitz  in  Böhmen  gefunden. 

^Psatnmobia  Lam.  1818. 

Ps.  Zitteliana  Gein.  —  Taf.  51.  Fig.  9.  10. 

1844.    Capsa  elegans  d'Orbigny,  Pal.  iranf.  terr.  cret.  III.  423.  PI.  381.  fig.  1.  2. 
1850.    Desgl.  d'Orb.  Prodr.  de  Pal.  II.  pag.  159. 

Von  dieser  eleganten  Muschel  liegen  mehrere  Exemplare  von  Plauen  vor.  Ihre  nach  hinten  weit 
verlängerte  Schale,  deren  kleiner  Wirbel  im  vorderen  Drittheile  der  Länge  liegt,  ist  sehr  flach  und  gleich- 
massig  gewölbt.  Der  etwas  niedrigere  Vorderrand  ist  gerundet,  der  Hinterrand  grenzt  stumpfwinkelig  an 
den  Schlossrand  an,  verbindet  sich  aber  wie  jener  unter  einer  Rundung  mit  dem  wenig  gebogenen  Unter- 
rande, welcher  dem  Oberrande  fast  parallel  läuft.  Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  gedrängt  liegenden  aus- 
strahlenden Rippen  bedeckt,  welche  im  Allgemeinen  fein  sind  und  nur  auf  der  hinteren  Schalenfläche  dicker 
und  unregelmässiger  hervortreten.  Die  sie  durchkreuzenden  Anwachsstreifen  lassen  die  letzteren  zum  Theil 
runzelig  erscheinen  (Fig.  9). 

An  Steinkernen  (Fig.  10)  prägt  sich  besonders  der  spitz-eiförmige  vordere  Muskeleindruck  sehr  deut- 
lich aus.  Unter  dem  etwas  breiteren  hinteren  Muskeleindruck  bildet  der  Manteleindruck  einen  kleinen 
spitz-zungenförmigen  Ausschnitt. 

Die  von  Zittel  beschriebene  Ps.  impar  (die  Bivalven  der  Gosaugeb.  pag.  16  (120),  Taf.  2.  fig.  5) 
ist  von  Ps.  Zitteliana  durch  grössere  Länge,  einen  geraden  Unterrand  und  glatte  Längsrippen  auf  dem 
hinteren  Schalentheile  unterschieden.  Nach  diesem  Autor  lässt  sich  die  Stellung  dieser  Arten  zu  Capsa 
durchaus  nicht  rechtfertigen  und  da  der  Name  Ps.  elegans  bereits  vergeben  ist.  so  darf  wohl  der  dieser  Art 
hier  ertheilte  Name  am  geeignetsten  erscheinen. 

Vorkommen:  In  den  untersten  Schichten  des  unteren  Pläners  von  Plauen  und  in  cenomanen  Ge- 
bilden von  le  Mans. 


—     233     — 

Farn.  Mactridae. 

Mactra  L.  1767. 

M.  deserta  Gein.  —  Taf  51.  Fig.  6. 

Die  Schale  dieser  kleinen  Art  ist  regelmässig  gewölbt  und  doppelt  so  breit  als  hoch  und  verlängert 
und  verschmälert  sich  nach  dem  hinteren  schief  gerundeten  Ende.  Der  Wirbel  liegt  in  Va  der  Länge.  Von 
ihm  zieht  sich  eine  scharfe  Kante  nach  der  hinteren  Ecke  des  geraden  Unterrandes,  von  welcher  der  vordere 
Theil  der  Schale  steil  abfällt.  Steinkerne  besitzen  unter  dieser  Kante  eine  deutliche  Längsfurche.  Ihre 
Oberfläche  ist  glatt.     Diese  Art  erreicht  bei  17  mm.  Länge  fast  9  mm.  Höhe. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Quadersandsteine  der  Muschelfelsen  von  Koschütz. 

Farn.  Pholadidae. 

Pholas  L.  1757. 

Ph.  Sclerotites  Gein.  —  Taf.  49.  Fig.  22,  23;  Taf.  52.  Fig.  1—3. 

1842.    Sclerotites  sp.  Gein.    Chaf.  III.  pag.  99.  Taf.  24.  fig.  1—3. 
1849.    Gein.    Quad.  Deutschi.  pag.  144. 

In  »Charakteristik  S.  99«  wurden  die  dort  abgebildeten  kugeligen  Körper,  die  sich  öfters  im  Treib- 
holze des  unteren  und  mittleren  Quadersandsteines  vorfinden  (Taf.  52.  Fig.  3),  wegen  ihrer  Aehnlichkeit  mit 
einem  Sclerotium  als  Sclerotites  beschrieben.  Sie  sitzen  meist  mit  einer  kleinen  Fläche  an  den  Wänden 
oblonger  Höhlungen  fest,  die  mit  einer  körnigen,  bituminösen  Kohle  erfüllt  sind,  und  lassen  oft  eine  quer  über 
die  Oberfläche  laufende  Furche  wahrnehmen. 

Sie  wurden  1849  als  Höhlungen  von  Bohrmuscheln  erkannt  und  Pholas  Sclerotites  genannt.  Die 
jetzt  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen  entdeckte  kleine  Pholas  (Taf.  49.  Fig.  22,  23;  Taf.  52.  Fig.  1.  2) 
darf  als  die  Muschel  betrachtet  werden,  von  welcher  diese  Bohrlöcher  herrühren. 

Ihre  Schale  ist  bauchig,  quer-oval,  vorn  verkürzt  und  stumpf  gerundet,  vor  den  stark  gewölbten  und 
sich  fast  berührenden  Wirbeln  eingedrückt,  hinter  denselben  in  einen  schmalen  Flügel  erweitert.  Die  Schale 
fällt  nach  letztere  m  steil  ab  und  ist  von  ihm  durch  eine  tiefe  Furche  getrennt,  erhebt  sich  unter  derselben 
zu  einer  breiten  gerundeten  Falte,  welche  au  ihrer  vorderen  Seite  gleichfalls  von  einer  sehr  deutlichen 
Längsfurche  begrenzt  wird,  die  von  der  tief  eingeschnittenen  Bucht  im  Mantel  herrührt.  Ihre  Oberfläche  ist 
mit  emporstehenden  concentrischen  Linien  bedeckt. 

Zwischen  dem  oberen  Rande  und  jener  äusseren  Längsfurche  liegt  ein  scharf  ausgeprägter  länglicher 
Muskeleindruck. 

Sie  erreicht  oft  6 — 8  mm.  Grösse. 

Bei  einem  Vergleiche  mit  schon  bekannten  Arten  wird  man  zunächst  auf  Pholas  prisca  Sow.  (Min. 
Conch.  PI.  581)  aus  dem  Lower  Greensand  verwiesen,  die  jedoch  nicht  nur  durch  ihre  viel  bedeutendere 
Grösse,  sondern  auch  durch  ihre  Form  und  Structur  wesentlich  abweicht.  Unsere  Art  nähert  sich  dagegen 
der  Pholas  Cornueliana  d'Orb.  (Pal.  franQ.  terr.  cret.  PI.  349.  fig.   1—4)  aus  dem  Aptien  von  Frankreich. 

Vorkommen:  Schalen  und  Steinkerne  vereinzelt  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  Bohrlochausfüllungen 
auf  verkohltem  Treibholz  hier  und  da  im  unteren  Quadersandsteine  von  Welschhufa  und  von  Goppeln,  häufig 


—      234      — 

im  mittleren  Quadersandsteine  von  Cotta  bei  Pirna  und  von  Königstein.  Deutliche  Bohrlöcher  dieser  Art  liegen 
auch  aus  dem  unteren  Quadersandsteine  von  Alt-Moletein  in  Mähren  und  aus  dem  unteren  Pläner  von 
Sobrigau  in  Sachsen  vor. 

Gastrochaena  Spengler,  1780.     (Fistulana  Brug.,  Lam.) 

1.  G.  Ostreae  Gein.   -   Taf.  51.  Fig.  11  —  18;  Tai.  52.  Fig.  4—7. 

1843.     Fistulana  Ostreae  Gein.     Char.  Nachtr.  pag.  11.  Taf.  6.  fig.  7  (nicht  5.  6). 
1846.     Gastr.  Ostreae  Gein.     Grundr.  pag.  395.  Taf.  17.  fig.  2.  3. 

Fistulana  dilatata  Reuss,  böhni.  Kreidef.  II.  pag.  20.  Taf.  37.  fig.  9  (nicht  dilatata  d'Orb.). 
1849.     Gein.     Quad.  Deutschi.  pag.  144. 
1871.     Bocellaria  guttula  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  South  Icdia  III.  Pelecypoda,  pag.  30.  PL  1.  flg.  8. 

Die  oft  in  Austernschalen  steckende  Röhre  (Taf.  51.  Fig.  11.  1 2)  bildet  eine  kurze,  gerade  oder  an 
der  Basis  gekrümmte  Keule,  welche  meist  lang-eiförmig  gerundet  ist  und  sich  an  ihrem  hinteren  offenen 
Ende  schnell  verengt.  Das  vordere  Ende  ragt  oft  aus  den  Schalen  der  Ostrea  diluviana  namentlich  wie 
eine  Perle  hervor. 

Die  inneren  Schalen  dieser  Art  (Taf.  52.  Fig.  4.  5)  sind  quer-oval-rhomboidisch,  bilden  au  ihrem 
Vorderrande  eine  vorspringende  Ecke,  während  der  Hinterrand  neben  dem  Schlossrande  abgestutzt  ist  und 
sich  alsdann  nach  dem  stark  gebogenen  Unterrande  herabbiegt.  Der  vordere  Theil  des  Unterrandes  erhebt 
sich  schnell  nach  der  vorderen  Ecke  hin.     Ihre  Oberfläche  ist  mit  aufgerichteten  concentrischen  Linien  bedeckt. 

Vorkommen:  Nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen  in  Ostrea  diluviana  und  0.  hippopodium 
eingebohrt;  nach  Reuss  in  dem  cenomanen  Hippuritenkalke  von  Koriczan  in  Böhmen.  Bocellaria  guttula 
Stol.  aus  der  Ootatoor-Gruppe  von  Odium  und  Moraviatoor  in  Süd-Indien  scheint  davon  nicht  verschieden 
zu  sein.  —  Zu  dieser  Art  gehört  wahrscheinlich  auch  ein  Theil  der  in  dem  an  Brocken  jurassischer 
Gesteine  reichen  Conglomerate  des  unteren  Quaders  an  der  Ziegelei  von  Zeschnig  zwischen  Rathewalde 
und  Hohnstein  in  der  sächsischen  Schweiz  häufig  vorkommenden  Bohrmuscheln ,  welche  bisher  meist 
als  Pholas  Zeuschneri  Gein.  bezeichnet  worden  sind.  Es  sind  mehrere  derselben  auf  Taf.  51.  Fig.  14 — 18 
abgebildet. 

Die  hierzu  gerechneten  Bohrlochausfüllungen  besitzen  eine  oval-keulenförmige  Gestalt  mit  einem 
kreisrunden  Querschnitte,  ohne  mittlere  Längsfurche  oder  Längskante,  theils  mit  glatter,  theils  geriefter  oder 
etwas  höckeriger  Oberfläche  und  öffnen  sich  mit  einem  schnell  sich  verengenden  Ende.  Sie  kommen  auch 
bei  Zeschnig,  wie  bei  Plauen,  mit  Ostrea  diluviana  zusammen  vor.  Häufiger  als  diese  Bohrmuschel  sind  in 
dem  Conglomerate  von  Zeschnig  jene  schon  unter  Lithodomus  beschriebenen  Arten,  auf  welche  sich  auch  die 
von  v.  Gutbier,  Geogn.  Skizzen  aus  der  Sächsischen  Schweiz,  1858,  pag.  49.  fig.  59 — 61,  gegebenen  Ab- 
bildungen beziehen.  Der  Name  Pholas  Zeuschneri,  oder  richtiger:  Saxicava  an  Gastrochaena  Zeusclineri 
Gein.  gehört  einer  jurassischen  Art  von  Baiin  an. 

Er  wurde  vom  Verfasser  1854  einer  Bohrmuschel  aus  dem  braunen  Jura  von  Baiin  in  Polen  gegeben, 
welche  grosse  Aehnlichkeit  mit  solchen  von  Zeschnig  besitzt.  Erstere  wurden  1852  von  Prof.  Zeuschner 
gesammelt.  Dr.  G.  Laube  hat  diese  jurassische  Art  1867  (die  Bivalven  des  braunen  Jura  von  Baiin, 
pag.  49  (57),  Taf.  5.  fig.  14)  als  Saxicava  Zeuschneri  beschrieben.  Die  Beschaffenheit  ihrer  inneren 
Schalen  nähert  sie  den  Gastrochaenen.  So  lange  die  bei  Zeschnig  auftretende  Conglomeratbildung  für 
jurassisch  galt,  war   ein  Vergleich   der   darin  vorkommenden  Bohrmuscheln    mit  jurassischen  Formen  gerecht- 


—     235     — 

fertigt ;  nachdem  dasselbe  aber  S.  63  zu  dem  unteren  Quader  verwiesen  worden  ist ,  wird  man  auf 
cretacische  Arten  geführt,  und  unter  diesen  ist  Gastrochaena  Ostreae  die  nächste  Verwandte,  wenn  nicht 
identisch  damit. 

2.  G.  Amphisbaena  Goldf.  sp.  —  Taf.  52.  Fig.  8—12. 

1799.  Fistulana  sp.    Faujas-Saint-Fond,  Hist.  nat.  de  la  montagne  de  St.  Pierre,  pag.  181.  Taf.  33. 

1822.  Teredo  sp.  Mantell,  Geol.  of  Sussex,  pag.  207.  PI.   18.  fig.  23. 

1826 — 33.  Serpula  Amphisbaena  Goldfuss,  Petr.  Germ.  I.  pag.  239.  Taf.  70.  flg.  16. 

1839.  Crambycites  sp.  Gein.     Char.  I.  pag.  13.  Taf.  3—6. 

1841.  Serpula  Amphisbaena  A.  Römer,  Nordd.  Kreideg.  pag.  100. 

1842—43.  Desgl.  Gein.  Char.  III.  pag.  65.  —  Fistulana  Amphisbaena  Gein.     Nachtr.  pag.  11.  Taf.  4.  fig.  11—14. 

1843.  cf.    Teredo   argonnensis  d'Orbigny,    Pal.  fran$.  terr.   cret.  III.   pag.    302.    Tab.    348.    fig.    1.  2.  3.,  und  Teredo 
Requienianus  Math.,  d'Orb.  ib.  pag.  303.  PI.  348.  fig.  3—6. 

1845.  Serpula  Amphisbaena  Reuss,  böhm.  Kreidef.  I.  pag.  19.  Taf.  5.  fig.  29—32. 

1846.  Gastr.  Amph.  GeiD.     Grundr.  pag.  395. 

1849.  Desgl.  Gein.     Quad.  Deutschi.  pag.  144  (excl.  Teredo  dentatus  Rom.). 

1850.  Teredo  Amphisbaena  Dixon,  Geol.  and  Fossils  of  Sussex,  PI.  28.  fig.  35. 
1865—68.     Teredo  socialis  v.  Eichwald,  Leth.  Rossica  II.  pag.  796.  PI.  27.  fig.  17. 

1868.     Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Kon.  Bayern,  pag.  754. 

1870..   Teredo  amphisbaena  F.  Römer,  Geol.  von  Oberschlesien,  pag.  317.  Taf.  34.  fig.  14.  15. 

Noch  ist  es  nicht  geglückt,  die  inneren  Schalen  dieser  Art  aufzufinden.  Sie  bildet  lange,  stielrunde, 
schlangenartig  gebogene  Kalkröhren,  die  sich  sehr  langsam  erweitern  und  an  ihrer  glatten  Oberfläche  schwach 
erhabene,  etwas  kantig  vorstehende  Anwachsringe  zeigen,  welche  ziemlich  regelmässig  von  einander  entfernt 
liegen.  Das  rundliche  Ende  dieser  Röhren  ist  geschlossen  (Taf.  52.  Fig.  9),  wie  dies  schon  aus  den  Ab- 
bildungen von  Faujas-Saint-Fond  und  im  Nachtr.  zur  Char.,  Taf.  4.  fig.  12,  hervorgeht.  Man  bemerkt  an 
dem  Exemplare  auf  Taf.  52.  Fig.  9  eine  quer  über  das  gerundete  Ende  der  Schale  laufende  Furche,  vor 
welcher  ein  rundlicher  Eindruck  ist,  welche  dem  Rande  der  inneren  Schalen  und  einem  Mondchen  ent- 
sprechen können. 

Von  Gastrochaena  Amphisbaena  rühren  jene  Bohrlöcher  und  Bohrlochauslüllungen  her,  welche  auf 
manchen  versteinerten  Holzstämmen  des  Quaders  und  Pläners  massenhaft  vorkommen  (Taf.  52.  Fig.  11.  12). 
Diese  besitzen  zum  Theil  eine  unverkennbare  Aehnlichkeit  mit  den  Bohrlöchern  von  Borkenkäfern  und  wurden 
deshalb  früher  einem  Cerambycites  zugeschrieben. 

Die  wiederholte  Auffindung  von  Schalen  der  Gastrochaena  Amphisbaena  auf  solchen  Holzstämmen 
selbst  (Taf.  52.  Fig.  10.  11.  12),  welche  zum  Theil  noch  mit  kohligen  Resten  bedeckt  sind,  lässt  über  den 
Zusammenhang  mit  jenen  Bohrlöchern  keine  Zweifel  mehr  übrig.  Grösse  und  Form  derselben  ist  sehr  ver- 
schieden, vorherrschend  sind  jedoch  immer  die  langgestreckten,  schlangenförmig-gebogenen,  sich  sehr  langsam 
verdickenden  Formen  der  Bohrlöcher  oder  ihrer  Ausfüllungen,  zwischen  denen  kürzere,  zum  Theil  nur  halb- 
kugelige Formen  den  Anfang  der  Bohrungen  bezeichnen. 

Vorkommen:  Auf  Holzstämmen,  wahrscheinlich  Treibholz,  des  unteren  Quadersandsteins  von 
Cunnersdorf  in  der  Nähe  der  Prinzenhöhe  und  Welschhufa  an  der  goldenen  Höhe,  in  dem  unteren  Pläner 
von  Plauen,  Gorbitz,  den  Plänerplatten,  sogenanntem  Zwickpläner,  von  Leutewitz  bei  Dresden  und  dem 
Plänerkalke  von  Strehlen  und  Weinböhla  u.  s.  w.,  also  von  untercenomanen  bis  zu  oberturoneu  Gebilden 
hinauf,  was  auch  ihrem  Vorkommen  in  Böhmen  entspricht.     Gümbel  fand  sie  im  unteren  Quader  von  Kelheim, 


—      236      - 

F.  Römer  in  dem  oberturonen  Pläner  von  Oppeln  in  Oberschlesien,  v.  Eichwald  in  dem  Eisensandsteine  von 
Kursk.  Wir  besitzen  sie  ferner  aus  dem  Grünsande  von  Kieslingswalda  im  Glatzischen,  Mantell  beschrieb  sie 
aus  der  oberen  Kreide  von  Lewes  und  Brighton  in  England,  Faujas  und  Goldfuss  aus  der  jüngsten  Kreide 
des  Petersberges  bei  Maestricht,  wodurch  ihr  Vorkommen  auch  in  senonen  Ablagerungen  festgestellt  ist. 

Ob  man  selbst  Teredo  argonnensis  d'Orb.  aus  dem  Albien  von  Varennes  (Meuse)  und  Teredo  Ee- 
quienianus  Math,  aus  turonen  Schichten  von  Uchaux  und  Grand  Pre  (Ardennes)  damit  in  Verbindnng  bringen 
kann,  müssen  spätere  Forschungen  entscheiden. 


Ordn.  Gasteropoda  (Bauchfüsser,  Schnecken). 

Unter  Bezugnahme  auf  die  neuesten  Arbeiten  über  fossile  Gasteropoden,  unter  welchen  vor  allem:  die  Palaeonto- 
logia  Indica,  Cretaceous  Fauna  of  Southern  India,  Gastropoda,  von  Ferd.  Stoliczka,  Calcutta,  1868,  und: 
K.  A.  Zittel,  die  Gastropoden  der  Stramberger  Schichten,  Cassel,  1873,  hervorzuheben  sind,  bedarf  es  keiner  weiteren  Recht- 
fertigung der  Abtrennung  vieler  hier  beschriebenen  Arten  von  älteren  Gattungen,  welchen  sie  anzupassen  man  früher  gewohnt  war. 

Eine  vollständige  Systematik  ist  in  dem  Werke  von  Stoliczka  durchgeführt  worden,  die  auch  für  diese  Blätter 
wesentlich  leitend  geworden  ist,  wenn  auch  aus  localen  Gründen  hier  die  Prosobranchiata  vor  die  Siphonostomata  gestellt 
worden  sind.  Wie  bei  diesen  Autoren,  welchen  wir  treffliche  Bemerkungen  über  die  Abgrenzung  einzelner  Gruppen  und  Gattungen 
verdanken,  sind  auf  den  Tafeln  die  Gasteropoden  mit  der  Spitze  nach  oben  abgebildet  und  auf  diese  Stellung  beziehen  sich 
auch  die  Bezeichnungen  „oben"  und  „unten"  in  den  Beschreibungen.  Bei  solch  einer  Stellung  gehen  bei  den  meisten  Gehäusen 
der  Schnecken  die  Windungen  oder  Umgänge  von  der  linken  zu  der  rechten  Hand  und  man  nennt  sie  rechtsgewunden, 
nur  bei  wenigen  in  entgegengesetzter  Richtung,  und  man  nennt  diese  linksgewunden.  Bezeichnungen,  wie  „rechte"  und 
„linke"  Lippe  der  Mündung,  die  zu  Verwechselungen  Veranlassung  geben  können,  sind  möglichst  vermieden  worden.  Unter 
„Längsverzierungen"  der  Schale  sind  die  der  Naht  parallel  laufenden  Spiralen  Streifen,  Linien,  Rippen,  Knoten  u.  s.  w. 
verstanden,   während  die  „Quer Verzierungen"  der  Höhenaxe  parallel  gehen.  ') 

Es  ist  von  hohem  Interesse,  auch  unter  den  Gasteropoden  des  unteren  Pläners  von  Plauen  eine  Reihe  von  Arten 
zu  finden,  die  sehr  genau  mit  indischen  Formen  übereinstimmen.  Dies  gilt  insbesondere  für  Natica  pungens  Sow.,  Trochus 
Buneli  d'Arch.  (=  Zisiphinus  Geinitzianus  Stob),  Teinostoma  cretaceum  Stol. ,  Cerithium  detectum  Stol.  und  Cerithium  Birclci 
Gein.  (=  Cerithium  inauguratum  Stol.)  Die  meisten  der  hier  beschriebenen  Arten  sind  durch  Herrn  Maler  Ernst  Fischer 
am  Forsthaus  bei  Plauen  gesammelt  worden. 

A.  ProsobrancMata.     Kammkiemer,  ScMldkiemer  und  Kreiskiemer. 

a.  Holostoinata  etc.    Mündung  ohne  Canal  oder  Ausschnitt.     Phytophaga  vorzugsweise. 

1.  Farn.    Turritellidae. 

Turritella  Lam.,  1799  —  1801. 

1.     T.  granulata  Sow.  —  Taf.  54.  Fig.  3,  4. 

1827.  Sowerby,  Min.  Conch.  PL  565.  fig.  1,  2. 
1837.       desgl.      deutsche  Bearbeitung  von  Agassiz.  p.  588. 

1840.  Gein.  Char.  IL  p.  44.  Taf.  15.  fig.  7,  10? 

1845—1846.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  I.  p.  51;  IL  p.  114.  Taf.  44,  fig.  12. 

1846.  Gein.  Grundr.  p.  325  z.  Tb.  Taf.  14,  fig.  9,  10. 

1850.  T.  granulata  und  T.  cenomanensis  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  p.  148. 

1865.  Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies  p.  29.  PL  3.  fig.  43,  44. 


*)  Diese  richtigere  Bezeichnungsweise  ist  entgegengesetzt  der  nach  Vorgang  von  Goldfuss  u.  A.  in  unserem  Grund- 
riss  der  Versteinerungskunde,  1846,  S.  316  u.  f.  durchgeführten. 

Palaeontographica  XJL.  7.  "* 


—     240     — 

Die  lang-kugelförmige  Schale  bildet  15  und  mehr,  fast  ebene  Umgänge,  die  in  der  Regel  nur  in 
der  Nähe  des  unteren  oder  vorderen  Randes  etwas  gewölbt  sind,  nach  oben  hin  aber  geebnet  oder  selbst 
etwas  concav  erscheinen.  Dieselben  sind  mit  5  —  7  gekörnten  Gürteln  bedeckt,  von  welchen  die  unteren 
gewöhnlich  die  stärkeren  sind,  und  hier  und  da  legt  sich  zwischen  ihnen  eine  schwächere  Linie  ein  (Fig.  3  a). 
Steinkerne  sind  glatt  und  ihre  Umgänge  deutlich  gewölbt.  Die  Identität  unserer  Exemplare  aus  Sachsen  mit 
jenen  von  Blackdown  lässt  sich  durch  vorliegende  Exemplare  von  dort  verbürgen. 

Vorkommen:  Häufig  im  unteren  Quadersandsteine  der  Muschelfelsen  und  im  unteren  Pläner  von 
Koschütz,  vereinzelt  im  unteren  Quadersandsteine  von  Goppeln  und  in  den  cenomanen  Conglomerat-Schichten 
am  Tunnel  von  Oberau  aufgefunden,  sowie  in  dem  unteren  Quadersandsteine  bei  Weissig  auf  der  rechten 
Eibseite.  Sehr  gewöhnlich  im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa,  Zloseyn,  Mühlhausen  und  im  Hippuriten- 
kalke  von  Koriczan  in  Böhmen,  in  der  Meule  von  Bracquegnies  in  Belgien  und  in  dem  Grünsande  von 
Blackdown,  welche  Fundorte  sämmtlich  dem  Cenoman  angehören. 

2.  T.  subparallel  a  Gein.  —  Taf.  54,  Fig.  2. 

Eine  kleine  ungewöhnlich  langgestreckte  Art  mit  zahlreichen,  verhältnissmässig  hohen  Umgängen, 
die  an  ihrer  unteren  Seite  schnell  nach  der  stark  vertieften  Naht  abfallen  und  nach  oben  hin  flach  ab- 
gedacht sind.  Sie  werden  von  4 — 5,  einander  genäherten,  glatten  und  stark  hervortretenden,  Gürteln  be- 
deckt, deren  einer  im  unteren  Drittheile  des  Umganges  kielartig  erhaben  ist.     Mündung  dreiseitig. 

Vorkommen:  Gegen  6  Mm.  gross  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

3.  T.  Kirsteni  Gein.  —  Taf.  54,  Fig.  1. 

Eine  grosse,  sehr  verlängerte  Art,  mit  etwa  20  gewölbten  Umgängen,  deren  Oberfläche  längs  ihrer 
Windung  meist  5  starke,  gekörnte  Streifen  trägt,  zwischen  welchen  eine  oder  mehrere  schwache  Linien  ein- 
gelagert sind  (Fig.  1  a).    Mündung  oval. 

Vorkommen:  Gegen  8  Cm.  gross  selten  im  unteren  Pläner  von  Koschütz. 

4.  T.  subalternans  Briart  &  Cornet.  —  Taf.  54,  Fig.  5,  6. 

Ihre  spitz-kegelförmige  Schale  bildet  gegen  10  nur  sehr  schwach  gewölbte,  etwas  schrägseitige  Um- 
gänge, welche  sich  unten  plötzlich  zu  einer  tiefen  Naht  verengen.  Jede  derselben  ist  mit  glatten  spiralen 
Streifen  besetzt,  deren  Anzahl  nach  dem  Alter  der  Schale  verschieden  ist.  Es  stellen  sich  zwischen  den 
stärkern  Streifen  bald  schwächere  ein  und  zwischen  letzteren  noch  schwächere  Linien,  so  dass  endlich  die 
ganze  Oberfläche  dicht  mit  Streifen  oder  Linien  von  ungleicher  Stärke  bedeckt  wird.  Am  stärksten  tritt 
stets,  und  zwar  schon  bei  sehr  jungen  Exemplaren,  der  in  der  Nähe  der  unteren  Naht  gelegene  Gürtel 
hervor.     Die  Basis  ist  eben,  die  Mündung  ziemlich  dreiseitig. 

Wie  die  anscheinende  Verschiedenheit  der  beiden  hier  abgebildeten  Exemplare  nur  auf  den  ver- 
schiedenen Alterszuständen  beruhet,  so  lassen  sich  auch  die  von  Reuss  und  Briart  &  Cornet  abgebildeten 
Varietäten  hierauf  zurückführen. 

T.  alternans  A.  Römer  x)  aus  senonen  Schichten  von  Aachen,  Quedlinburg  und  Ilseburg  erreicht 
nicht  nur  eine  viel  bedeutendere  Grösse  als  T.  subalternans,  sondern  unterscheidet  sich  auch  durch  ihre 
drei  weit  stärker  als  hier  hervortretenden  Gürtel,  was  nicht  nur  in  der  Abbildung  von  A.  Römer,  sondern  auch 
an  unseren  Exemplaren  aus  dem  oberen  Quadermergel  von  Kreibitz  in  Böhmen  deutlich  hervortritt. 


*)  A.  Römer,  norddeutsche  Kreidegeb.  p.  80.  Taf.  11,  fig.  23. 


—     241     — 

Vorkommen:  T.  subalternans  gehört  zu  den  selteneren  Erscheinungen  in  dem  unteren  Pläner  von 
Plauen  und  es  liegen  nur  12  Exemplare  bis  16  Mm.  Länge  und  etwa  6  Mm.  Breite  vor.  Reuss  fand  sie 
dagegen  im  unteren  Quader  von  Zloseyn  in  Böhmen  stellenweise  in  Menge  zusammengehäuft;  Briart  &  Cornet 
wiesen  ihr  Vorkommen  auch  in  der  Meule  von  Bracquegnies  nach. 

Scala  Klein,  1753.     (Scalaria  Lam.  1801.) 

Sc.  pulchra  Sow.  sp.  —  Taf.  54,  Fig  7,  8. 

1837.    Scalaria  pulchra  Sowerby  bei  Fitton,  Observation  on  some  of  the  strata  between  the  Chalk  and  tbe  Oxford 

Oolite,  p.  343.  PI.  18,  fig.  11. 
1865.    Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies  (Mem.  de  l'Ac.  belgique,  T.  XXXIV.)  p.  32.  PI.  3,  fig.  41,  42. 

Die  kleine  verlängert -kegelförmige  Schale  besteht  aus  10  und  mehr  gewölbten  Umgängen,  die  mit 
geraden  wulstförmigen  Querrippen  bedeckt  sind,  welche  ebenso  wie  ihre  gleich  breiten  Zwischenräume  glatt  er- 
scheinen. Der  untere  Rand  des  letzten  Umganges  ist  in  der  Nähe  der  fast  kreisrunden  Mündung  mit  einer 
glatten  Kante  versehen. 

Die  höchstens  7  Mm.  laugen  Exemplare  von  Plauen  entsprechen  durch  die  stärkere  Wölbung  der 
Umgänge  mehr  denen  von  Blackdown  als  jenen  von  Bracquegnies,  welche  schwächer  gewölbt  sind. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen  mit  vielen  anderen  kleinen 
Schnecken  zusammen;  in  der  Meule  von  Bracquegnies  in  Belgien  und  in  dem  Grünsande  von  Blackdown  in 
Devonshire. 


2.  Farn.    Eulimidae. 

Chemnitzia  d'Orb.  1837  —  1839. 

1.  Ch.  Reussiana  Gein.  —  Taf.  53,  Fig.  4—6. 

1849.    Eulima  arenosa  Gein.    Quad.  Deutschi.  p.  126.    (Nicht  Chemn.  arenosa  Beuss.) 

Die  verlängert  -  kegelförmige  Schale  bildet  9 — 10  hohe  und  ebene  Umgänge,  die  an  der  nur  wenig- 
vorstehenden  Naht  durch  eine  schwache  Furche  geschieden  und  mit  zarten,  schwach  sichelförmig  gebogenen 
Au  wachsstreifen  bedeckt  sind.  Der  Winkel  der  Spira  beträgt  etwa  24  Grad,  der  Nahtwinkel  gegen  85  Grad. 
Mündung  oval  und  nach  oben  in  eine  Spitze  auslaufend  (Fig.  6). 

An  Steinkernen  (Fig.  5,  6)  fallen  die  Umgänge  an  der  Naht  schnell  ab,  was  einer  dicken  Schale 
entspricht.  Sie  nähern  sich  denen  der  Chemnitzia  arenosa  Reuss  1),  von  welchen  sie  vielleicht  nur  durch 
weniger  schief  laufende  Umgänge  unterschieden  sind. 

Eine  andere  nahe  Verwandte  ist  Gh.  Pailletteana  d'Orb.  2)  aus  turonen  Schichten  von  Soulage  (Aude), 
deren  Schale  jedoch  etwas  breiter  wird  und  an  allen  Nähten  deutliche  Knotenreihen  trägt. 

Vorkommen:  Im  unteren  Pläner  von  Plauen  begegnet  man  namentlich  Steinkernen  dieser  Art, 
welche  zum  Theil  18  Cm.  Länge  erreichen. 


l)  Reuss,  1845.   Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  I.  p.  51.  Taf.  10,  fig.  7. 
3)  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  IL  p.  69.  PI.  155.  fig.  19. 


—     242     — 

Euchrysalis  Laube,  1866.  l) 

1.  E.  Stoliczkai  Gein.  —  Taf.  53.  Fig.  2,  3. 

Eine  der  E.  gigantea  Stol.  2)  nahe  verwandte  Art  von  länglich-ovaler  Form,  mit  etwa  sechs  fast  ebenen 
Umgängen,  neben  welchen  die  Naht  oft  nur  undeutlich  hervortritt.  Auf  ihrer  fast  glatten  Oberfläche  nimmt 
man  nur  sichelförmig  gebogene  Anwachsstreifen  wahr.  Die  Spitze  des  Gewindes  ist  stumpf,  der  letzte  Um- 
gang höher,  als  die  übrigen  zusammen,  und  verengt  sich  nach  unten  fast  eiförmig.  Die  ganzrandige  Mündung 
ist  langgestreckt  und  nach  oben  spitzwinkelig  ausgezogen;  ihre  Innenlippe  liegt  als  breiter  Saum  auf  dem 
letzten  Umgange  auf,  während  die  scharfe  Aussenlippe  weit  absteht. 

Die  Länge  der  ganzen  Schale  verhält  sich  zu  der  grössten  Breite  in  der  Mitte  des  letzten  Umganges 
wie  100  :  47. 

Vorkommen:  Ueber  10  Cm.  gross  in  den  tiefsten  Schichten  des  unteren  .Pläners  von  Plauen  und 
Koschütz.  Ihre  ostindische  Schwester,  E.  gigantea  Stol.  hat  deutlicher  gewölbte  Umgänge  und  mehr  vertiefte 
Nähte  und  soll  nach  oben  spitz  zulaufen. 

2.  E.  Laubeana  Gein.  —  Taf.  53.  Fig.  1. 

Eine  zweite  Art  von  Plauen  nähert  sich  mehr  der  EiiUma  amphora  d'Orb.  3),  welche  Laube  als 
Typus  für  die  Gattung  Enchrysalis  hinstellt, 

Ihre  Schale  ist  schlanker  spindelförmig  nicht  nur  als  die  vorher  beschriebene  Art,  sondern  auch  als 
E.  amphora  d'Orb.  Sie  besteht  aus  6—7  Umgängen,  welche  sehr  schwach  gewölbt  und  mit  schief  laufenden 
sichelförmig  gebogenen  Anwachsstreifen  bedeckt  sind.  Der  letzte,  fast  cylindrische  Umgang  nimmt  min- 
destens die  Hälfte  der  ganzen  Schalenläuge  ein.  Die  Mündung  ist  ähnlich  gestaltet,  wie  bei  der  vorigen. 
Bei  60  Mm.  Länge  der  Schale  beträgt  ihre  Breite  in  der  Mitte  des  letzten  Umganges  21  Mm. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Koschütz  und  Plauen. 

3.  Farn.  Naticidae. 
JYatica  Adanson,  1757. 
1.  N.  extensa  Sow.  —  Taf.  54.  Fig.  14. 
1813.     Vivipara  extensa  Sowerby,  Min.  Conch.  PL  31.  flg.  14. 

1847.     Desgl.  Agassiz,  Grossbritanniens  Mineral-Conchologie.  p.  54.  Taf.  31,  fig.  14. 
1850.     Natica  extensa  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  p.  150. 

Wenn  auch  mehr  als  doppelt  so  gross,  so  stimmt  doch  diese  Art  von  Plauen  sehr  genau  mit  jenem 
Vorkommen  von  Blackdown  überein. 

Ihre  oval-kegelförmige  Schale  bildet  fünf  schwach  gewölbte  glatte  Umgänge,  deren  Oberrand  etwas 
winkelig  ist.  Die  lange  Mündung  nimmt  die  Hälfte  der  ganzen  Schalenhöhe  ein  und  ihre  Innenlippe,  die 
einen  langen  breiten  Saum  bildet,  hat  den  Nabel  gänzlich  verdeckt.  Bis  21  Mm.  hoch  und  in  der  Mitte  des 
letzten  Umganges  fast  halb  so  breit,  bei  Koschütz  bis  35  Mm.  hoch. 

Vorkommen:  Im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen  und  bei  Koschütz,  sowie  im  Grünsande 
von  Blackdown  in  England. 


')  Laube,  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  III.  p.  41. 

2)  Stoliczka,  Cretaceous  Gastropoda  of  Southern  India.  p.  289.  PL  21. 

')  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  II.  p.  G6.  PL  156.  flg.  1. 


—     243     — 

2.  N.  pungens  Sow.  —  Taf.  54.  Fig.  15. 

1837.    Litorina  pungens  Sowerby  bei  Fitton,  on  the  strata  below  the  Chalk,  p.  343.  PI.  18,  fig.  5. 

1850.     Natica  pungens  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  150. 

1865.     Desgl.  Briart   &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies,  p.  25.  PI.  2.  fig.  21,  22. 

Das  spitze  kegelförmige  Gewinde  besteht  aus  5—6  schwach  gewölbten  glatten  Umgängen,  von 
welchen  der  letzte  bauchig  gewölbt  ist.  An  seiner  Basis  senkt  sich  ein  kleiner  Nabel  ein.  Die  ei -lanzett- 
förmige Mündung  nimmt  mehr  als  die  halbe  Höhe  der  ganzen  Schale  ein  und  ihre  Innenlippe  verdeckt  nur 
einen  kleinen  Theil  der  Schale. 

Die  ihr  nahe  verwandte  JV.  rotundata  Sow.  l)  unterscheidet  sich  von  ihr  durch  ein  weniger  spitzes 
Gewinde  und  die  längere  Ausbreitung  der  Innenlippe. 

Unter  den  südindischen  Arten,  welche  Stoliczka  beschrieben  hat,  nähern  sich  ihr  ferner  Euspira 
pagoda  Stol.,  2)  die  jedoch  ein  noch  spitzeres  Gewinde  als  JV.  pungens  besitzt,  und  Euspira  Indrana  Stol.  3) 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  in  der  Meule  von  Bracquegnies  in  Belgien, 
in  dem  Grünsand  von  Blackdown  in  England  und  in  der  Kreideformation  von  Süd-Indien. 

3.  N.  lamellosa  A.  Rom.  —   Taf.  54.  Fig.  17. 

1840.  Litorina  rotundata  Gein.  Char.  IL  p.  45.  Taf.  13,  fig.  7;  Taf.  14,  fig.  10;  Taf.  15,  fig.  16,  17  (nicht  Sowerby). 

1841.  Natica  lamellosa  A.  Römer,  nordd.  Kreidegeb.  p.  83.  Taf.  12,  fig.  13. 
1841—1844.  Natica  exaltata  Goldfuss,  Petr.  Germ.  III.  p.  119.  Taf.  199.  fig.  13. 
1843 — 1844.  Natica  vulgaris  Reuss,  die  Kreidegeb.  des  westlichen  Böhmens,  p.  209. 

1843.    Desgl.  Gein.  Kieslingswalda,  p.  10.  Taf.  1,  fig.  21—23. 

1845.    Desgl.  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreidef.  I.  p.  50.  Taf.  10,  fig.  22. 
1845—1846.    Desgl.  Gein.  Grundriss,  p.  339.  Taf.  15,  fig.  18. 

1850.    Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  128  z.  Th. 

Die  Schale  ist  kugelig-eiförmig,  etwas  höher  als  breit  und  enthält  fünf  gewölbte  Umgänge,  die  nach 
der  Naht  schnell  abfallen.  Sie  ist  mit  dicht  gedrängten,  feineren  oder  stärkeren,  fast  gerade  laufenden  An- 
wachslinien bedeckt  und  zeigt  nicht  selten  auch  einzelne  Wachsthumsringe.  Nabel  klein,  aber  deutlich. 
Mündung  länglich-oval,  etwas  gekrümmt. 

Für  diese  Art  dürfte  JV.  lamellosa  der  älteste  Name  sein.  Das  von  Römer  abgebildete  Exemplar 
stammt  von  Kieslingswalda,  wo  man  ihr  häufig  begegnet.  Dasselbe  entspricht  ebensowohl  der  Abbildung  von 
JV.  vulgaris  bei  Reuss  aus  dem  Baculitenthone  von  Priesen  in  Böhmen,  als  der  Abbildung  der  JV.  exaltata 
bei  Goldfuss  aus  dem  Grünsande  von  Aachen. 

Von  diesen  länger  gestreckten  Formen,  bei  welchen  das  Gewinde  mehr  als  halb  so  hoch  ist,  wie  der 
letzte  Umgang,  findet  man  sowohl  bei  Kieslingswalda  als  namentlich  auch  in  dem  unteren  Quadersandsteine 
von  Tyssa,  kürzere  Formen,  an  denen  das  Gewinde  kaum  halb  so  hoch  ist,  als  der  letzte  Umgang,  und  diese 
nähern  sich  sehr  der  Natica  lyrata  Sow. 4).  Dagegen  unterscheidet  sich  JV.  cretacea  Goldf.  5)  bei  aller 
äusseren  Aehnlichkeit  durch  ihre  weitere  Mündung  von  ihr. 

')  Turbo  rotundata  Sow.  Min.  Conch.  PI.  433.  fig.  3,  4  =  Euspira  rotundata  Stoliczka,  Ind.  Cret.  Gasteropoda. 
p.  303.  PI.  21.  fig.  9. 

2)  Ind.  Cret.  Gast.  p.  301.  PI.  22.  fig.  7,  8. 

s)  Ind.  Cret.  Gast.  p.  302.  PI.  22.  fig.  5. 

*)  Natica  lyrata  d'Orbigny,  1842,  Pal.  fr.  terr.  cret.  II.  p.  161.  PI.  172.  fig.  5.  —  Desgl.  Zekeli,  die  Gasteropoden  der 
Gosaugebilde,  p.  46.  Taf.  8,  fig.  5.  —  Euspira  lyrata  Stoliczka,  Ind.  Cret.  Gast.  p.  303.  Taf.  22.  fig.  2. 

6)  Goldfuss,  Petr.  Germ.  III.  p.  119.  Taf.  199,  fig.  12. 


—     244      — 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Quadersandsteine  von  Bannewitz,  im  unteren  Pläner  am  Forst- 
hause bei  Plauen  und  in  dem  Pläner  des  Tunnels  von  Oberau,  häufiger  in  dem  Plänerkalke  von  Strehlen,  in 
dem  turonen  Plänermergel  an  der  Walkmühle  bei  Pirna  und  dem  Baculitenmergel  von  Zatzschke.  —  Häufig 
im  unteren  Quadersandsteine  von  Tyssa,  nach  Reuss  sehr  gemein  im  unteren  glauconitischen  Plänerkalke  von 
Laun  und  im  senonen  Baculitenmergel  von  Priesen,  Postelberg  u.  s.  w.  in  Böhmen.  Im  Grünsande  von  Kies- 
lingswalda  im  Glatzischen,  am  Luisberge  bei  Aachen,  von  Kunraad  bei  Maastricht  etc.  N.  lyrata  Sow.  kommt 
in  den  Gosauschichten  des  Gosauthales  häufig  vor  und  wurde  von  Stoliczka  auch  in  der  Arrialoorgruppe 
Südindiens  nachgewiesen.  Unter  den  südindischen  Arten  tritt  ihr  auch  Natica  Mariae  d'Orb.  *)  sehr  nahe, 
welche  der  Trichonopoly-Gruppe  angehört. 

4.  N.  Gentii  Sow.  sp.  —  Taf.  54.  Fig.  16;  II.  Taf.  29.  Fig.   12—14. 

1816.  Helix  Gentii  Sowerby,  Min.  Conch.  Taf.  145. 

1822.  Ampullaria?  Mantell,  Geol.  of  Sussex,  p.  111.  Taf.  18,  fig.  11. 

Ampullaria  canalicalata  Mant.  ib.  p.  87.  Taf.  19,  fig  13. 

1837.  Natica  canaliculata  Sowerby  bei  Fitton,  on  the  Strata  below  the  Chalk,  p.  336.  PI.  11,  fig.  12;  PI.  18,  fig.  6. 

1840.  Desgl.  Gein.  Char.  II.  p.  47.  Taf.  15,  fig.  25,  26. 

1841.  Natica  acutimargo  A.  Römer,  Nordd.  Kreideg.  p.  83.  Taf.  12,  fig.  14. 

1842.  Nat.  gaultina  d'Orbigny,  Pal.  frang.  terr  cret.  II.  pag.  156.  PI.  173.  fig.  3,  4. 

1843.  Nat.  canaliculata  Gein.  Kiesl.  p.  10.  Taf.  1,  fig.  20. 

1845.  Desgl.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  I.  p.  49.  Taf.  11,  fig.  1. 

1846.  Desgl.  Gein.  Grundr.  p.  339.  Taf.  15,  fig.  17. 

1849.  Desgl.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  128. 

1850.  Nat.  Gentii  und  Nat.  Geinitzi  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  150. 
1864.?  Gyroäes  expaHsus  Gabb,  Pal.  of  California,  Vol.  I.  p.  108.  PI.  19.  fig.  62. 
1865.    Nat.  Geinitzi  Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies,  p.  26.  PI.  3,  fig.  5,  6. 
1870.    Nat.  canaliculata  F.  Römer,  Geologie  von  Oberschlesien,  p.  339.  Taf.  29,  fig.  15. 

Die  Schale  ist  zusammengedrückt  kugelig,  stets  breiter  als  hoch,  und  besteht  aus  4 — 5  gewölbten 
Umgängen,  die  parallel  der  Naht  gekantet  sind  und  hier  eine  breite  flache  Rinne  bilden.  Das  kleine  Gewinde 
ist  niedergedrückt.  Mündung  gross  und  eiförmig,  Nabel  weit  und  ohne  Schwiele.  Die  Oberfläche  der  Schale 
lässt  nur  Anwachsstreifen  erkennen. 

Man  findet  diese  Art  oft  nach  verschiedenen  Richtungen  hin  zusammengedrückt,  was  ihr  zuweilen 
ein  fremdartiges  Ansehen  ertheilt,  z.  B.  an  N.  acutimargo  Rom.  Bei  Helix  Gentii  Sow.  ist  durch  Druck  von 
oben  die  parallel  der  Naht  laufende  Kante  undeutlich  geworden  und  es  liegen  gleiche  Exemplare  uns  auch 
von  Strehlen  vor.  Die  Uebereinstimmung  aber  zwischen  letzteren  mit  jenen  aus  dem  Gault  und  cenomanen 
Grünsand  aus  England  und  Frankreich  beschriebenen  normalen  Exemplaren  ist  unzweifelhaft. 

Hiernach  ist  Natica  Gentii  der  älteste  Name  für  diese  sich  vertical  und  horizontal  sehr  weit  ver- 
breitende Art.  Man  muss  sie  um  so  mehr  von  der  bisher  vorherrschenden  Bezeichnung  »Natica  canaliculata« 
befreien,  als  dieser  Name  schon  1824  von  Deshayes  auf  Ampullaria  canaliculata  Lam.  1824  2)  übertragen 
worden  war,  welche  eocänen  Ablagerungen  angehört. 

Vorkommen:  In  cenomanen  Ablagerungen  Sachsens  ist  JV.  Gentii  sehr  selten  und  es  sind  nur 
wenige   kleine   Exemplare    im    unteren  Pläner   am  Forsthause   bei   Plauen   vorgekommen  (Taf,  54,  Fig.  16), 


1)  Euspira  Mariae  Stoliczka,  Ind.  Cret.  Gast.  p.  304.  PL  22.  fig.  6—8. 

2)  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  344. 


—     245     — 

man  findet  sie  vereinzelt  in  dem  mittleren  Pläner  von  Priessnitz  an  der  Elbe,  häufig  aber,  und  zwar  in 
grossen  stattlichen  Exemplaren  bis  55  Mm.  Breite  in  dem  oberen  turonen  Pläner  oder  Plänerkalke  von 
Strehlen  (IL  Taf.  29.  Fig.  12—14).  Im  benachbarten  Böhmen  treten  dagegen  schon  in  dem  unteren  Quader 
von  Tyssa  grosse  ausgezeichnete  Exemplare  auf  und  Reuss  führt  sie  ausserdem  aus  dem  cenomanen  Hippuriten- 
kalke  von  Kutschlin,  aus  dem  turonen  Exogyrensandsteine  von  Malnitz,  aus  dem  Pläner  von  Laun  und  dem 
senonen  Baculitenmergel  von  Luschitz,  Priesen  u.  a.  0.  auf.  Den  letzteren  Vorkommnissen  entsprechen  jene 
aus  dem  senonen  Quadermergel  von  Kreibitz  in  Böhmen,  Kieslingswalda  im  Glatzischen,  Marterberg  bei 
Passau,  Ilseburg,  Salzberg  bei  Quedlinburg,  Osterfeld  bei  Essen,  Dülmen  in  Westphalen  und  Hofergraben  in 
der  Gosau,  von  wo  diese  Art  als  Nat.  semiglobosa  Zek. 1)  unterschieden  worden  ist.  Ebenso  liegen  Exemplare 
aus  cenomanen  Schichten  von  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg  und  von  Regensburg  vor;  F.  Römer  traf  sie 
im  cenomanen  Kalkmergel  von  Bladen  in  Oberschlesien,  Briart  ud  Cornet  wiesen  sie  auch  in  der  Meule 
von  Bracquegnies  in  Belgien  nach.  Sowerby  hat  diese  Art  aus  dem  Grünsande  von  Devizes  und  Blackdown 
und  dem  Gault  Englands,  Mantell  aus  dem  turonen  Grey  chalk  marl  von  Hamsey  (PI.  18,  flg.  11)  und 
dem  Gault  (PI.  19,  fig.  13)  abgebildet,  und  d'Orbigny  aus  dem  Gault  von  Frankreich.  Es  verbreitet  sich 
Natica  Gentii  daher  von  dem  Gault  an  bis  in  die  senonen  Ablagerungen  und  kommt,  wie  es  scheint,  auch 
in  Californien  vor  {Gyrodes  expansus  Gabb.). 

5.  N.  dichotoma  Gein.  —  Taf.  54.  Fig.  IS. 

1840.  Gein.  Char.  IL  p.  48.  Taf.  13,  fig.  5. 

1841.  N.  rugosa  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  p.  83.  Taf.  12,  fig.  16  (nicht   Höninghaus). 
1843.  N.  dichotoma  Gein.  Kiesl.  p.  10.  Taf.  1,  fig.  19. 

1845—1846.    Desgl.  Reuss,  böhm.  Kreidef.  I.  p.  50;   II.  p.  113.  Taf.  44,  fig.  16. 

1849.  N.  Boemeri  und  N.  dichotoma  Gein.  Quad.  Deutsch!  p.  128,  130. 

1850.  N.  sicbrugosa  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  221. 

Die  fast  kugelige  Schale,  zuweileu  etwas  breiter  als  hoch,  macht  drei  sehr  bauchige  Umgänge,  wobei 
das  kurze  Gewinde  sich  kaum  über  die  Kugelfläcbe  erhebt.  Die  Mündung  ist  nach  Reuss  halbkreisförmig  und 
der  Nabel  ziemlich  weit.  Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  Querrippen  bedeckt,  die  dem  Mundsaume  parallel 
laufen  und  nach  unten  hin  zerspalten  sind. 

An  dem  älteren  Exemplare  von  Kieslingswalda  treten  diese  Querrippen  scharf  hervor,  an  Exemplaren 
des  Plänerkalkes  erscheinen  dieselben  weit  stumpfer  (JV.  rugosa  Rom.),  was  auch  für  viele  andere  Arten  des 
Plänerkalkes  von  Strehlen  gilt. 

Vorkommen:  Selten  im  cenomanen  Grünsande  am  Tunnel  von  Oberau  (Fig.  18),  im  ober-turonen 
Plänerkalke  von  Strehlen,  im  Grünsande  von  Kieslingswalda  in  Glatzischen  und  am  Salzberg  bei  Quedlinburg ; 
nach  Reuss  in  den  unteren  turonen  Schichten  von  Malnitz  in  Böhmen. 

Narica  R6cluz,  1831. 
1.  N.  carinata  Sow.  Taf.  57.  Fig.  1. 

1837.    Natica  carinata  Sowerby  bei  Fitton,  on  some  strata  below  the  Chalk,  p.  343.  PL  18.  fig.  8. 
1850.    Narica  carinata  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  150. 

Die  kleine  zierliche  Schale  wird  breiter  als  hoch ,  bildet  drei  Umgänge  mit  einem  kleinen  nieder- 
gedrückten Gewinde  und  einem  sehr  bauchigen  letzten  Umgange,  der  sich  in  einer  weiten  rundlich-vierseitigen 

'1  Zekeli    Gasteropoden  d.  Gosaugebilde  in  Abb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst,  1852.  I.  p.  47.  Taf.  8,  fig.  6. 

35 

Palaeontographica  XX.  7. 


—     246     — 

Mündung  öffnet.  Hinter  der  ganzrandigen  Innenlippe  senkt  sich  ein  tiefer,  weiter  Nabel  ein.  Die  Oberfläche 
der  Schale  ist  mit  5 — 6  hohen,  dachförmigen  Längsrippen  besetzt,  deren  breite  Zwischenräume  von  blätterigen 
Anwachslinien  senkrecht  durchschnitten  werden. 

Vorkommen:    Selten   im    unteren  Pläner   von  Plauen    und    in    dem    cenomanen   Grünsande   von 
Blackdown  in  England. 
Neritopsis  Grateloup,  1832. 

1.  N.  nodosa  Gein.  —  Taf.  54.  Fig.  19  —  23. 

1840.     Natica  nodosa  Gein.  Cliar.  IL  p.  47.  Taf.  15,  fig.  27,  28. 

1845.  Desgl.  Reuss,  bölim.  Kreidef.  I.  p.  50.  Taf.  11.  fig.  2. 

1846.  Natica  nodoso-costata  Reuss,  ib.  II.  p.  113.  Taf.  44.  fig.  21. 

1847.  Nerita  cestophora  de  Ryckholt,  Melanges  pal.  (Mein,  de  l'Ac.  R.  de  Belgique,  T.  XXIV.j  p.  82.  PI.  3.  fig.  17. 

1849.  Natica  nodosa  Gein.  Quad.  Deutschl.  p.  130. 

1850.  Natica  nodoso-costata  und  Natica  nodosa  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  192. 
221.  —  ?     Nerita  ornatissima  d'Orb.  ib.  II.  p.  192. 

1865.     Nerita  rugosa  Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies,  p.  34.  PI.  3.  fig.  50—52. 

Schale  quer-eiförmig,  drei  Umgänge  bildend,  die  sich  sehr  schnell  bauchig  erweitern,  mit  einem  kleinen 
niedergedrückten  Gewinde,  das  nur  im  Alter  etwas  mehr  hervortritt,  von  einem  stumpfen,  knotigen  Kiele 
aus  nach  der  Naht  hin  flach  abgedacht  und  nach  unten  hin  steil  abfallend,  mit  ungleichen,  an  der  äusseren 
Seite  mit  mehr  oder  minder  deutlichen  Längsrippeu  und  Streifen  bedeckt ,  welche  durch  Anwachsstreifen 
knotig  oder  körnig  werden. 

Diese  zierliche  Art  ist  grossen  Veränderungen  unterworfen.  Im  jugendlichen  Zustande  tritt  ihre  Orna- 
mentik am  schärfsten  hervor  (Natica  nodoso-costata  Rss.).  Auf  der  oberen  Seite  des  letzten  Umganges  zeigt 
sich  öfters  schon  in  der  Nähe  der  vertieften  Naht  eine  wulstförmige,  glatte  oder  quergerippte  Erhöhung,  die 
von  dem  erwähnten  Kiele  durch  eine  vertiefte,  oder  ebene,  oder  flachgewölbte  Fläche  geschieden  wird 
(Fig.  19  und  21).  Ungleiche  Spiralrippen  oder  Linien  ziehen  sich  von  dem  obern  Kiele  an  bis  an  die  Basis 
hin  und  werden  von  scharfen  Anwachslinien  durchschnitten ,  die  sich  schon  in  der  Nähe  der  Naht  meist  zu 
stärkeren  Rippen  vereinigen,  wodurch  alle  Spiralrippen  knotig  anschwellen,  während  sie  sich  nach  unten  hin 
wieder  in  schwächere  Linien  auflösen,  welche  die  Spirallinien  nur  noch  körnig  erscheinen  lassen  (Fig.  20.  22). 
Mit  zunehmendem  Alter  treten  die  Spirallinien  oder  Längsstreifen  mehr  zurück  und  es  behalten  nur 
noch  die  stärkeren  oder  schwächeren  Querfalten  au  dem  oberen  Theile  der  Schale  die  Oberhand  (Natica 
rugosa  Briart  &  Com.),  bis  endlich  auch  diese  nur  noch  als  stumpfe  Knoten  an  dem  oberen  Kiele  bemerkbar 
sind  (Natica  rugosa  Reuss,  Taf.  11.  fig.  2),  indessen  werden  auch  an  den  älteren  Exemplaren  von  35  Mm. 
Breite  die  Spiralen  Rippen  an  dem  Umfange  der  Schale  wenigstens  noch  angedeutet  (Fig.  23). 

Die  Mündung  ist  sehr  gross  und  rundlich-vierseitig,  und  zieht  sich  an  ihrem  oberen  Ende  in  einen 
spitzen  Winkel  aus,  ganz  wie  es  Briart  &  Gornet  abbilden.  Der  Nabel  ist  ganz  verdeckt  und  die  innere 
Lippe  unterbrochen. 

Vorkommen:  In  den  tiefsten  Schichten  des  unteren  Pläners  bei  Plauen,  sowohl  auf  der  linken 
Seite ,  am  Flossrechen ,  als  auf  der  rechten  Seite  der  Weisseritz ,  namentlich  auf  dem  hohen  Stein ;  in  den 
entsprechenden  Schichten  von  Gross-Sedlitz  bei  Pirna  und  in  den  cenomanen  Conglomeraten  am  Tunnel  von 
Oberau.  —  Nach  Reuss  in  dem  gleichalterigen  Hippuritenkalke  von  Kutschlin  und  Koriczan  in  Böhmen,  nach 
Briart  &  Cornet  in  der  Meule  von  Bracquegnies,  nach  Rychholt  im  Cenoman  von  Tournay  und  Montiguies- 
sur-Roc  und  nach  d'Orbigny  im  Cenoman  von  les  Martiques  (Ner.  ornatissima). 


—     247     — 

2.  N.  cos  tu  lata  A.  Rom.  -  Taf.  54.  Fig.  24.  25.    Taf.  57.  Fig.  3. 
1841.     Nerita  costulata  A.  Römer,  nordd.  Kreideg.  p.  82.  Taf.  12,  fig.  12. 

1842.?  Neritopsis  ornata  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  II.  p.  176.  PI.  176.  fig.  8—10. 

1849.    Nerita  costulata  Gein.  Quad.  Deutschi,  p.  130. 

1S50.     Neritopsis  costulata  d'Orbigny,  Prodi',  de  Pal.  II.  p.  222. 

Ihre  aus  drei  sich  schnell  erweiternden  Umgängen  bestehende  Schale  ist  quer-oval,  breiter  als  hoch 
und  besitzt  ein  kleines,  nur  wenig  vorragendes  Gewinde.  Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  zahlreichen,  schmalen 
und  glatten  Längsrippen  bedeckt,  deren  Zahl  sich  durch  Einsetzung  neuer  Rippen  mit  dem  Alter  vermehrt. 
Die  sie  trennenden  breiteren  Zwischenräume  sind  flach  und  von  gedrängt  liegenden  Anwachslinien  senkrecht 
durchschnitten. 

Die  grosse  rundliche  Mündung  wird  etwas  höher  als  breit  und  ihre  Innenlippe  hält  den  Nabel  fast 
gänzlich  verdeckt. 

Vorkommen:  Exemplare  bis  20  Mm.  Breite  nicht  selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei 
Plauen,  bei  Dölzschen  und  Koschütz.  Neritopsis  ornata  aus  cenomanen  Schichten  von  Rouen  scheint  von  ihr  nicht 
verschieden  zu  sein,  wiewohl  d'Orbigny  ihre,  leider  nicht  abgebildete  Mündung  als  halb  mondförmig  bezeichnet. 

3.  N.  torulosa  Gein.  —  Taf.  57.  Fig.  2. 

Drei  bis  vier  bauchige  Umgänge  bilden  die  Schale ,  worin  das  kleine  spitze  Gewinde  nur  wenig 
hervorragt.  Sie  ist  von  starken  Querwülsten  bedeckt,  über  welche  genäherte,  abwechselnd  stärkere  und 
schwächere  spiralförmige  Rippen  fortlaufen.     Die  grosse  Mündung  ist  rundlich  oval. 

Gegen  7  Mm.  gross  selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen.  Unter  den  bisher 
beschriebenen  Arten  ist  ihr  Neritopsis  crassa  Stol.,  *)  aus  der  Ootatoor-Gruppe  von  Odium  in  Süd-Indien  am 
nächsten  verwandt,  unterscheidet  sich  aber  von  ihr  durch  schwächere  Querwülste  und  entferntere  Spiralrippen. 

4.  Farn,     Neritidae. 
Nerita.     Adanson,  1757. 

1.  N.  ovoides  Gein.  &  Fischer.  —  Taf.  57.  Fig.  4. 

Eine  kleine,  schief-eiförmige  Schale,  deren  erste  Umgänge  ein  sehr  niedriges  Gewinde  bilden,  das 
von  dem  grossen  bauchigen  letzten  Umgang  durch  eine  vertiefte  Naht  deutlich  geschieden  ist.  Ihre  ganze 
Oberfläche  ist  glatt.  Mündung  gross  und  weit  breiter  als  bei  der  nahe  verwandten  N.  plebeja  Reuss  2),  von 
der  sie  sich  auch  noch  durch  ihre,  wenn  auch  nur  undeutlich  gekerbte  Innenlippe  unterscheidet,  die  mit 
ihrem  breiten  Saume  einen  grossen  Theil  der  Basis  bedeckt  hält. 

Unter  den  südindischen  Arten  hat  eine  ähnliche  Form  Nerita  divaricata  d'Orb.  3),  die  jedoch  deut- 
liche Zähne  an  der  Innenlippe  und  einige  Spirallinien  auf  dem  unteren  Theile  der  Schale  trägt. 

Vorkommen:    Selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen,  bis  gegen  5  Mm.  gross. 

2.  N.  minutissima  Gein.  &  Fischer.  —  Taf.  57.  Fig.  5. 

Nur  2  Mm.  grosse  rundlich-eiförmige  Schalen  mit  einem  sehr  kleinen  Gewinde,  das  über  die  letzte 
bauchige  Windung  gar  nicht  hervortritt.  Die  Schale  ist  vollkommen  glatt  und  die  Nähte  sind  höchst  undeutlich. 


')  Stoliczka,  Cret.  Gast,  of  South.  India  p.  310.  El.  23.  fig.  7. 

a)  Verstein.  der  böhm.  Kreidef.  II.  p.  112.  Taf.  44,  fig.  18. 

3)  Stoliczka,  Cret.  Gastr.  of  South.  India,  p.  340.  PI.  23,  fig.  12. 


—     248     — 

Mündung  halbmondförmig,  mit  vorspringender,  undeutlich  gekerbter  Innenlinpe,  durch  deren  Beschaffenheit 
sie  ebenfalls  von  N.  plebeja  Reuss  entfernt  wird. 

Unter  den  indischen  Arten  ist  Neritina  decipiens  Stol.  *)  ihr  nicht  unähnlich. 

Vorkommen:  Gegen  15  Exemplare  wurden  durch  Herrn  E.  Fischer  im  unteren  Pläner  am  Forst- 
hause bei  Plauen  gesammelt. 

rileolus  Sowerby,  1823. 

1.  P.  Orbignyi  Gein.  —  Taf.  57.  Fig.  12  a.  b.  c. 

cf.  P.  cretaceus  d'Orbigny,  Prodi-,  de  Pal.  IL  p.  150.     „Especc  lisse  de  Samt-Calais,  Sarthe." 
Der  Umfang  der  kleinen  glatten  Schale  ist  eiförmig,   ihr  Scheitel  liegt  etwas   hinter  der  Mitte.     An 
der  unteren,  fast  flachen   Basis  liegt  die  schmale  halbmondförmige  Mündung  in  dem  vorderen  Drittheile  der 
Länge  und  vor  ihrem  vorderen  Ende  senkt  sich  eine  runde  buchtartige  Vertiefung  ein;  die  innere  Lippe  ist 
feingekerbt. 

Vorkommen:  Gegen  6  Mm.  lang,  5  Mm.  breit  und  3  Mm.  hoch  selten  im  unteren  Pläner  am 
Forsthause  bei  Plauen.  —  Aus  der  kurzen  Diagnose  von  d'Orbigny  lässt  sich  nicht  ersehen,  ob  unter  P.  cretaceus 
dieselbe  glatte  Art  gemeint  ist.     Der  ceuomaue  Horizont  bei  Saint-Calais  stimmt  mit  dem  von  Plauen. 

2.  P.  Koninckianus  de  Ryckh.     Taf.  57.  Fig.  7,  8. 

1847.    Acmaea  Koninckiana  de  Ryckholt,  Mel.  pal.  (Me"m.  de  l'Ac.  R.  de  Belgique,  T.  XXIV.)  p.  62.  PI.  2.  fig.  33,  34. 
1865.     Helcion  Malaisi  Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies,  p.  38.  PL  3.  fig.  46,  47. 

Die  patellenartige  Schale  hat  einen  kreisrund-ovalen  Umriss  und  erhebt  sich  zu  einem  mittleren 
Scheitel,  der  oft  mit  einem  runden  Knötchen  endet  und  sich  nur  wenig  nach  hinten  kehrt  (Fig.  7,  c).  Die 
ganze  Oberfläche  ist  mit  schmalen  ausstrahlenden  Rippen  bedeckt,  welche  sehr  gedrängt  stehen  und  sich  nach 
unten  hin  durch  Einlagerung  schwächerer  Rippen  vermehren.  Der  Unterrand  ist  scharf.  An  der  fast  flachen 
Basis  liegt  die  schmale  halbmondförmige  Mündung  im  vorderen  Drittheile  und  sie  ist  auch  bei  dieser  Art 
au  ihrem  Vorderande  mit  einer  rundlichen  Ausbuchtung  versehen.  Die  Aussenlippe  ist  wulstförmig  etwas 
erhöht,  die  gekerbte  Iunenlippe  dagegen  eingesenkt  und  steigt  mit  einem  breiten  Saume  nach  einem  halb- 
kreisförmigen flachen  Wulste  an. 

Vorkommen:  Bis  9  Mm.  lang,  8  Mm.  breit  und  4  Mm.  hoch  vereinzelt  im  unteren  Planer  am 
Forsthause  bei  Plauen.  —  Acmaea  Koninckiana  gehört  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  Helcion  Malaisi 
der  Meule  von  Bracquegnies  an.  Die  erstgenannte  erscheint  nach  de  Ryckholt's  Abbildung  etwas  niedriger, 
da  ihr  Scheitel  nicht  vollständig  erhalten  ist.  Unter  den  aus  der  Kreideformation  von  Californien  beschriebenen 
Arten  kann  vielleicht  Helcion  circularis  Gabb  2)  damit  verglichen  werden. 

3.  P.?  sub  centralis  d'Arch.  sp.  —  Taf.  57.  Fig.  9. 

1847.    Acmaea?  subcentralis  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  ge'ol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  2.  p.  334.  PI.  22.  fig.  5. 
1850.     Helcion  subcentralis  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  p.  156. 

Bei  elliptischem  Umriss  erhebt  sich  der  Scheitel  dieser  Art  höher  als  bei  der  vorigen,  mit  der  sie 
übrigens  nahe  verwandt  ist.     Basis  und  Mündung  sind  auch  an  unseren  Exemplaren  verdeckt. 


1)  Stoliczka,  Cret.  Gastr.  of  South.  India,  p.  340.  PI.  23.  fig.  9,  10. 

2)  Gabb,  Palaeont.  of  California,  I.  1864.  p.  141.  PI.  29.  fig.  234. 


—     249     — 

Vorkommen:  Gegen  6  Mm.  lang  und  4  Mm.  hoch  selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei 
Plauen.  —  In  der  gleichalterigen  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien. 

4.  P.  capillaris  Gein.  —  Taf.  57.  Fig.  10. 

Ihre  kreisrunde  Schale  steigt  zu  einem  niedrigen,  rückwärts-gekrümmteii  Scheitel  an,  welcher  hinter 
der  Mitte  liegt,  und  von  welchem  sehr  feine,  haarförmige  Linien  nach  unten  strahlen,  die  sehr  gedrängt 
liegen  uud  sich  bündeiförmig  vereinigen.  Basis  und  Mündung  noch  unbekannt.  Sie  wird  bei  7  Mm.  Grösse 
wenig  höher  als  2  Mm. 

Vorkommen:  Selten  mit  d2n  vorigen  zusammen  bei  Plauen. 

5.  P.  plicatus  Gein.  —  Taf.  57.  Fig.   11. 

Bei  ovalem  Umriss  der  kleinen  schildförmigen  Schale  ist  dieselbe  durch  wenige  dachförmige  Falten 
ausgezeichnet,  die  an  dem  Unterrande  auslaufen,  übrigens  erscheint  sie  glatt.  Eine  kleine  schmale  Mündung 
in  der  Nähe  des  Vorderrandes  lässt  abermals  jene  rundliche  Ausrandung  in  der  Mitte  des  äusseren  Mund- 
saumes und  eine  feine  Granulirung  der  Innenlippe  wahrnehmen. 

Vorkommen:  Nur  4  Mm.  gross  selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen. 


5.  Farn.     Litorinidae. 
Ziitorina  (Littorina)  Ferussae,  1821. 

1.  L.  gracilis  Sow.  —  Taf.  54.  Fig.  9. 

1837.    Sowerby  bei  Fitton,    Observation  on  some  of  the  Strata  between  the  Chalk  and  the  Oxford  Oolite,  p.  343, 

PI.  18.  fig.   12. 
1850.     Turbo  Fittoni  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  152. 

Die  gegen  4  Mm.  lange,  etwas  spindelförmige  Schale  bildet  5  —  6  gewölbte,  durch  eine  Nahtfurche 
deutlich  getrennte  Umgänge,  die  mit  regelmässigen  Querrippen  besetzt  sind,  von  welchen  etwa  6  auf  die 
Hälfte  der  letzten  Umgänge  fallen.  Die  Mündung  ist  schief-oval,  oben  zugespitzt,  an  der  Basis  jedoch  weniger 
eckig,  als  es  nach  Sowerby's  Abbildung  erscheint. 

Vorkommen:  Aus  dem  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen  liegen  gegen  50  Exemplare 
vor.  —  Im  Grünsande  von  Blackdown. 

2.  L.  min uta  Gein.  —  Taf.  54.  Fig.  10. 

Bei  nur  4  Mm.  Grösse  windet  sich  die  Schale  in  ca.  fünf  sehr  flachgewölbten  glatten  Umgängen  auf, 
welche  an  Höhe  schnell  zunehmen  und  durch  eine  wenig  vertiefte  Naht  oft  nur  undeutlich  von  einander 
geschieden  sind.     Die  ovale  Mündung  verläuft  auch  hier  nach  oben  in  eine  kurze  Spitze. 

Diese  Art  hat  eine  ähnliche  Form  wie  L.  unclata  Stoliczka,  x)  die  sich  jedoch  durch  eine  weit  deut- 
lichere Innenlippe  unterscheidet. 

Vorkommen:  Gegen  16  Exemplare  liegen  aus  dem  unteren  Pläner  vom  Forsthause  bei  Plauen  vor. 


')  Stoliczka,  Cretaceous  Gasteropoda  of  South.  India,  PI.  20,  fig.  11. 


—     250     — 

6.  Farn.     Turbinidae  an  Trochiclae. 
Phasianella  Lamarck,  1804. 

1.  Ph.  pusilla  Sow.  —  Taf.  54.  Fig.  11. 

1837.    Sowerby  bei  Fitton,  Observation*  on  some  of  the  Strata  etc.  p.  343.  PI.  18,  fig.  13. 
1850.    d'Orbigny,  Prodi-,  de  Pal.  II.  p.  151. 

Die  vollkommen  glatte  Schale,  die  aus  fünf  Umgängen  besteht,  ist  elliptisch  und  beiderseits  zugespitzt. 
Der  letzte  Umgang  nimmt  2/s,  die  lange  Mündung  mehr  als  die  Hälfte  der  ganzen  Höhe  ein.  Aussenlippe 
scharf  und  abstehend,  innere  Lippe  kurz  und  mit  einer  schwachen  Falte  eingebogen. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen  und  im  Grünsande  von 
Blackdown. 

2.  Ph.  Beyrichi  Gein.   —  Taf.  54.  Fig.  12.  13. 

Die  oval-kegelförmige  Schale  bildet  4  —  5  gewölbte  und  deutlich  von  einander  geschiedene  Umgänge, 
von  welchen  der  letzte  gegen  2/a  der  Gesammthöhe  einnimmt.  Diese  erscheinen  fast  glatt,  sind  in  der  That 
aber  mit  feinen  Spirallinien  dicht  besetzt.  Bei  jungen  Exemplaren  (Fig.  12)  treten  dieselben  wenigstens  noch 
an  der  Basis  deutlich  hervor.  Mündung  weit,  schief-oval,  halb  so  hoch  als  die  ganze  Höhe,  oben  in  eine 
kurze  Ecke  auslaufend.  Nahe  verwandt  ist  Ph.  ervyna  d'Orb.  ')  aus  dem  Gault  Frankreichs,  von  Welcher  sie 
aber  durch  ihre  schief-eiförmige  Mündung  unterschieden  ist. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen,  17  Mm.  lang,  mit  Östren 
diluviana  etc.  zusammen,  etwas  grösser  bei  Koschütz. 

Trochus  L.    1758. 

1.  Tr.  Geinitzi  Reuss.  —  Taf.  55,  Fig.  1  —  3. 

1840.     Trochus  granulatus  Gein.  Char.  II.  p.  46.  Taf.  15,  fig.  20. 

1846.  Tr.  Geinitzii  Reuss,  bölim.  Kreidet.  II.  p.  112.  Taf.  44,  fig.  24. 

1847.  Tr.  Bozeti  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser^JT.  II.  P.  2.  p.   336.  PI.  22.  fig.   11. 

1849.  Tr.  quinquelineatus  und  Tr.  Geinitzi  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  130. 

1850.  Tr.  Geinitzi  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  192. 

1865.     Desgl.  Briart  &  Cornet,  Meule  de  Bracquegnies  p.  38.  PI.  3.  fig.  39,  40. 

Es  gibt  wenige  Arten,  die  in  ihren  verschiedenen  Erhaltungszuständen  ein  so  verschiedenes  Ansehen 
gewähren  als  diese.  Ihre  kegelförmige  Schale  bildet  6  —  8  Umgänge  mit  einem  Winkel  der  Spira  von 
50 — 60  Grad.  Im  vollkommen  erhaltenen  Zustande  erscheinen  ihre  Umgänge  eben  und  sind  nur  undeutlich 
von  einander  getrennt,  da  die  Nahtlinie  in  die  Ebene  der  Umgänge  fällt.  Dieselbe  erscheint  häufig  glatt 
(Abbildungen  bei  Reuss  und  d'Archiac),  während  die  Oberfläche  der  Umgänge  vier  regelmässig  gekörnte  Linien 
längs  der  Windung  zu  tragen  pflegt  (Taf.  55.  Fig.  1).  Diese  Granulirung  gehört  indess  nur  der  oberen 
Schicht  der  dicken  Schale  an,  und  wo  dieselbe  zerstört  ist,  erscheinen  an  dem  Umfange  der  Umgänge  nur 
drei  glatte  schmale  Rippen  längs  der  Windung  (Abbildung  bei  Briart  &  Cornet  und  Taf.  55  Fig.  1,  3),  welche 
durch  breite  flache  Zwischenräume  von  einander  geschieden  werden.  Zu  ähnlichen  Leisten  erhebt  sich  nicht 
selten  der  untere  und  der  obere  Rand  des  Umganges,  was  zu  der  Aufstellung  der  dazu  gehörigen  Varietät 
Tr.  quinquelineatus  Gein.,  1847,  Veranlassung  gab. 


')  Pal.  frans,  terr.  cret.  II.  p.  234.  PI.  138.  fig.  1. 


—     251     — 

Die  eigentlichen  Steinkerne  sind  glatt,  an  dem  unteren  Rande  des  Umganges  gekantet,  in  der  Mitte 
geebnet,  oben  abgedacht  und  unter  die  frühere  Windung  sich  einschiebend  (Taf.  55,  Fig.  3). 

Die  Basis  der  Schale  (Fig.  2)  ist  fast  eben,  die  Mündung  ziemlich  flach- dreiseitig  und  ein  Nabel  ist 
nicht  sichtbar.     Sie  erreicht  oft  an  20  Mm.  Höhe  und  meist  eine  nur  wenig  geringere  Breite. 

Vorkommen:  Nicht  selten  im  unteren  Pläner  von  Koschütz  und  Plauen,  in  den  gleich  alten  Con- 
glomerat-Scbichten  des  Grünsandes  am  Tunnel  von  Oberau,  sowie  in  dem  Hippuritenkalke  von  Koriczan  in 
Böhmen.  d'Archiac  beschrieb  sie  aus  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  Briart  &  Cornet  wiesen  ihr  Vor- 
kommen in  der  Meule  von  Bracquegnies  nach. 

2.  Trochus  Buneli  d'Arch.  —  Taf.  55.  Fig.  4—7. 

1846.  Phorus  granülatus  Gein.  Grundr.  p.  349.  Taf.  14.  fig.  18. 

1847.  Trochus  Coräieri  d'Archiac,  Mein,  de  la  Soc.  geol.  de  France.  2.  ser.  T.  II.  P.  2,  p.  335.  PI.  22,  fig.  8  (nicht 

d'Orbigny,  1844). 
Tr.  Buneli  und  Tr.  Euoti  d'Arch.  ib.  p.  335.  PL  22,  fig.  9,  10. 

1849.  Tr.  Coräieri  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  130. 

1850.  Tr.  Hylus,  Tr.  Buneli  und  Tr.  Huoti  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  151. 

1868.     Ziziphinus  Geinüzianus  Stoliczka,  Cretaceous  Gasteropoda  of  South.  India,  p.  373,  PI.  24.  fig.  11 — 15  (nicht 
Trochus  Oeinitzi  Reuss). 

Nur  mit  Hülfe  einer  grösseren  Anzahl  von  Exemplaren  liess  der  Schleier,  der  diese  Art  noch  be- 
deckte, sich  lüften.  Die  einem  Kreisel  oder  Kegel  gleichende  Schale  bildet  Anfangs  ein  spitzes  Gewinde, 
dessen  Winkel  oft  nur  einige  50  Grad  beträgt,  pflegt  sich  aber  später  mehr  zu  erweitern,  und  erscheint  am 
häufigsten  eben  so  breit  als  hoch  oder  wird  selbst  noch  breiter.  Man  zählt  gegen  sechs  ebene  oder  etwas  con- 
cave  Umgänge,  deren  unterer  Rand  scharf  ist,  oder  mehr  oder  weniger  hervortritt,  und  deren  Oberfläche 
mit  zahlreichen  gekörnten  Längslinien  bedeckt  ist.  Häufig  ordnen  sich  diese  in  sechs  oder  mehr  Gürtel  von 
ungleicher  Stärke  an,  da  sich  zwischen  den  stärkeren  auch  schwächere  Linien  einzudrängen  suchen.  Daran 
haften  nicht  selten  fremdartige  Körper,  was  die  Veranlassung  für  ihre  frühere  Stellung  zu  Phorus  gab. 

Au  jüngeren  Exemplaren  oder  an  den  oberen  Umgängen  ist  die  Granulirung  ziemlich  undeutlich  und 
der  untere  Rand  eines  Umganges  meist  glatt,  an  älteren  sieht  man  ihn  oft  mit  länglichen  Höckern  besetzt, 
wodurch  die  spiralförmigen  Linien,  welche  die  Basis  der  Schale  bedecken  (Taf.  55,  Fig.  5)  zuweilen  eigen  - 
thümliche  Störungen  in  ihrer  ursprünglichen  Anordnung  erfahren  (Taf.  55,  Fig.  7  b). 

Die  Basis  der  Schale  ist  sehr  flach  gewölbt  und  lässt  ausser  den  zahlreichen  regelmässig  geordneten 
Spiral-  oder  Längslinien,  theilweise  auch  die  feinen  Anwachslinien  wahrnehmen,  welche  die  Veranlassung  zur 
Granulirung  der  einzelnen  Umgänge  geben,  wo  man  sie  mehr  oder  weniger  deutlich  hier  und  da  noch  vor- 
findet. Neben  dem  engen  Nabel  hebt  sich  die  Spindel  etwas  heraus,  wodurch  die  Mündung  etwas  höher, 
als  bei  Tr.  Geinitsi,  und  mehr  vierseitig  wird.  Unter  den  Abbildungen  von  d'Archiac  entspricht  Tr.  Coräieri 
d'Arch.  =  Tr.  Hylus  d'Orb.  am  meisten  den  jüngeren  Schalen,  Tr.  Buneli  ist  eine  schmälere,  Tr.  Huoti 
eine  breitere  Varietät  jener  älteren  Schalen  mit  stärker  hervortretendem  Rande  an  der  Basis  der  Umgänge; 
Stoliczka' s  gute  Abbildungen  von  breiteren  Abänderungen  heben  zum  Theil  die  nach  rückwärts  laufenden 
Quer-  oder  Anwachsstreifen  deutlicher  hervor. 

Vorkommen:  Bis  17  Mm.  gross  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen,  nach  d'Archiac  in  der 
Tourtia  von  Tournay  in  Belgienr  nach  Stoliczka  aber  in  der  Trichonopoly-  und  Arrialoor-Gruppe  Süd-Indiens. 


—     252     — 

3.  Tr.  Duperreyi  d'Arch.  —  Taf.  55.  Fig.  8. 

1846.  Turbo  Asterianus  Eeuss,  böhm.  Kreidef.  II.  p.  112.  Taf.  44.  flg.  22  (nicht  d'Orbigny). 

1847.  d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  2.  p.  336.  PI.  23.  flg.  2. 
1849.     T.  Reussi  Gein.  Qnad.  Deutschi.  p.  132. 

Die  kleine  kegelförmige  Schale  beginnt  mit  einer  stumpfen  Spitze,  bildet  5  —  6  hohe  Umgänge, 
deren  unterer  Rand  gerundet  ist,  so  dass  eine  Nahtfurche  deutlich  hervortritt.  Die  obere  Hälfte  der  Umgänge 
ist  geebnet.  An  ihrem  Umfange  liegen  gegen  sechs  feingekörnte  Gürtellinien,  denen  sich  an  dem  letzten 
Umgang  noch  viele  ähnliche  anschliessen,  die  noch  die  Basis  bis  an  den  kleinen  Nabel  dicht  bedecken.  Die 
oberste  an  die  Naht  angrenzende  Gürtellinie  trägt  grössere  Körner  als  die  übrigen.    Mündung  gross  und  rundlich. 

Diese  Art  erreicht  10  Mm.  Grösse  und  etwas  geringere  Breite. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen,  in  dem  Hippuritenkalke  von  Koriczan  in 
Böhmen  und  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien. 

4.  Tr.  Fisch  er  i  Gein.  —  Taf.  55.  Fig.  9. 

Die  kleine  Schale,  welche  bei  4  Mm.  Höhe  gegen  3  Mm.  Breite  erreicht,  beginnt  mit  einem  stumpfen 
Gewinde  und  nimmt  dann  nur  langsam  an  Breite  zu.  5—  6  an  beiden  Rändern  gekantete  Umgänge  sind  sehr 
schwach  gewölbt,  durch  eine  vertiefte  Nahtlinie  von  einander  geschieden  und  mit  zahlreichen  gleichstarken  und 
glatten  Längslinien  bedeckt.   Die  Basis  ist  flach  gewölbt,  die  Mündung  rundlich,  ein  Nabel  fehlt. 

Vorkommen:  Gegen  20  Exemplare  sind  durch  Herrn  E.  Fischer  in  dem  unteren  Pläner  am 
Forsthause  bei  Plauen  gesammelt  worden. 

Turbo  L.   1758. 

1.  T.  Geslini  d'Arch.  —  Taf.  55.  Fig.  10. 

1847.     d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  IL  2.  p.  339.  PI.  23.  flg.  7. 
1850.     Trochus  imbricatus  Nyst  &  de  Koninck  in  lit.,  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  130  (nicht  Linne,  1767.) 
d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  IL  p.  152. 

Die  kreiseiförmig  -  ovale  Schale  bildet  4 — 5  hohe,  massig- gewölbte  Umgänge,  die  nach  unten  hin 
schnell  an  Breite  zunehmen,  durch  eine  deutliche  Nahtfurche  von  einander  geschieden  und  an  ihrer  Basis 
stumpf  gekantet  sind.  Sie  werden  von  zahlreichen  Querrippen  bedeckt,  welche  durch  eine  beträchtliche  An- 
zahl sie  überschreitender  Längslinien  fast  dachziegelförmig  geschuppt  erscheinen.  An  der  wulstförmig  ver- 
dickten Aussenlippe  sieht  man  diese  Linien  rippenartig'  hervortreten  und  von  feinen  Anwachslinien  durch- 
schnitten, die  namentlich  auf  der  gewölbten  Basis  der  Schale  eine  deutliche  Granulirung  jener  Längs-  oder 
Spirallinien  hervorrufen.  Mündung  rundlich,  ihre  Innenlippe  legt  sich  mit  einem  breiten  Saume  an  die  untere 
Schalenfläche  an. 

Vorkommen:  Bis  24  Mm.  hoch  und  etwas  breiter  nicht  selten  in  den  tiefsten  Schichten  des 
unteren  Pläners  von  Koschütz,  nach  d'Archiac  kleiner  in  der  Tourtia  von  Tournay  in  Belgien,  nach  d'Orbigny 
auch  in  cenomanen  Schichten  von  Le  Mans  in  Frankreich. 

2.  T.  Reichi  Gein.  —  Taf.  55.  Fig.  11. 

1840.     Trochus  Eeichii  Gein.  Char.  II.  p.  47.  Taf.  15.  flg.  24. 
1849.    Desgl.  Gein.,  Quad.  Deutsch],  p.  130. 

Früher  nur  auf  zwei  Steinkerne  aus  den  Conglomerat-Schichten  des  Tunnels  von  Oberau  begründet, 
liegt  diese  Art  jetzt  in  zahlreichen  wöhlerhaltenen  Exemplaren  von  Plauen  vor.    Mit  etwa  sechs  sehr  schwach 


—     253     — 

gewölbten  Umgängen,  die  durch  eine  tiefe  Nahtfurche  von  einander  geschieden  sind,  bildet  das  Gewinde  einen 
Winkel  von  nahe  60  Grad.  Der  letzte  Umgang  grenzt  an  die  gewölbte  Basis  zuerst  mit  einer  stumpfen 
Kante,  in  der  Nähe  der  Mündung  aber  deutlich  gerundet  an.  Nicht  selten  tritt  in  der  Nähe  der  Mündung 
ein  sogenannter  Mundwulst  hervor.  An  der  hohen  rundlichen  Mündung  erhebt  sich  eine  starke,  deutlich  ein- 
gerollte Spindel;  die  innere  Seite  der  übrigens  scharfen  Aussenlippe  ist  mit  zahnartigen  Höckern  versehen, 
was  einen  Unterschied  von  dem  nahe  verwandten  Turbo  Mulleti  d'Arch.  y)  bedingt.  Die  ganze  Oberfläche 
der  Schale  ist  mit  gleichmässigen,  entfernten  Spirallinien  bedeckt,  von  welchen  6—7  auf  einen  Umfang  fallen 
und  welche  von  schmalen,  fast  senkrecht  darüber  laufenden  Rippen  durchschnitten  sind;  die  letzteren  werden 
durch  sie  mit  spitzen  Höckerchen  verziert. 

Zahl  und  hiernach  die  Stärke  der  Hippen  ist  ziemlieh  veränderlich,  immer  aber  sind  sie  durch  einen 
viel  breiteren  Zwischenraum  von  einander  geschieden.  Auch  die  Richtung  der  Rippen  ist  nicht  ganz  con- 
stant,  indem  sie  zuweilen  etwas  nach  rückwärts  gerichtet  sind,  wenn  auch  nie  so  stark,  wie  bei  dem  nicht 
unähnlichen  Trochus  Marcaisi  d'Orb. 2) ;  anderseits  nehmen  sie  auch  eine  schwache  Biegung  an,  wobei  sich 
der  Bogen  nach  vorn  hin  öffnet. 

Die  Basis  ist  dicht  mit  feingranulirten  Spirallinien  bedeckt.  Ein  Nabel  fehlt.  An  Steinkernen  sind 
oft  nur  die  stärkeren  Rippen  angedeutet,  die  dann  an  dein  unteren  Rande  des  letzten  Umganges  wohl  auch 
als  längliche  Knoten  erscheinen,  doch  finden  sich  zuweilen  auch  da  noch  Spuren  von  Spirallinien,  was  schon 
Char.  p.  47  hervorgehoben  worden  ist.  Der  ihm  oft  zum  Verwechseln  ähnliche  Turbo  Mulleti  hat  deutlich 
gewölbte  Umgänge  und  eine  andere  Beschaffenheit  der  Mündung. 

Vorkommen:  An  einigen  Stellen  des  unteren  Pläners  von  Plauen  nicht  selten,  bis  15  Mm.  hoch; 
es  liegen  von  dort  mindestens  60  Exemplare  vor;  vereinzelt  in  den  gleichalterigen  Conglomerat-Schichten 
des  cenomanen  Grünsandes  im  Tunnel  von  Oberau. 

3.  T.  scobinosus  Gein.  —  Taf.  55.  Fig.   12. 

Das  aus  5  —  6  schwach  gewölbten  Umgängen  bestehende  Gewinde  nähert  sich  einem  Kegel  mit  dem 
Winkel  von  60  Grad;  seine  Nahtlinie  ist  deutlich  vertieft.  Die  Basis  ist  gewölbt  und  grenzt  stumpf  oder 
gerundet  an  die  Aussenseite  des  letzten  Umganges  an.  Ein  Nabel  fehlt  und  die  Mündung  ist  rundlich,  in 
ihrer  Nähe  zeigt  sich  ein  kleiner  Mundwulst.  Die  Oberfläche  ist,  wie  bei  Trochus  Marcaisi  d'Orb.  3)  mit 
5—6  spiralen  Linien  verziert,  welche  durch  zahlreiche  schief  nach  unten  und  rückwärts  laufende  Rippen 
gitterförmig  durchschnitten  werden  und  hierdurch  der  Oberfläche  ein  raspelartiges  Ansehen  ertheilen.  Diese 
schmalen  Rippen  erreichen  die  Stärke  der  sie  durchkreuzenden  Spiral-  oder  Längslinien  und  es  werden  beide 
durch  ziemlich  gleichbreite  Zwischenräume  von  einander  geschieden.  Ihre  Zahl  ist  weit  grösser  als  bei  Trochus 
Marcaisi,  von  welchem  sich  Tr.  scobinosus  noch  durch  seine  einfachere  Mündung  unterscheidet,  an  welcher 
die  Säule  nicht  hervorragt.  Von  Turbo  Mulleti  unterscheidet  sich  unsere  Art  durch  die  besimmt  aus- 
gesprochene andere  Richtung  der  Querrippen  und  eine  geringere  Anzahl  der  Längslinien. 

Vorkommen:  Sehr  selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 


')  1847.    Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  P.  2.  p.  340.  PI.  23.  fig.  9,  von  Tournay. 
-)  1842.    d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  II.  p.  190.  PI.  186  bis,  fig.  19. 
3)  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  II.  p.  190.  PI.  186  bis,  fig.  19. 
Palaeontogiaphica  XX.  7. 


—     254     — 

4.  T.  Leblanci  d'Arch.  —  Taf.  55.  Fig.  13,   14. 

1647.     d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  2.  p.  339.  PI.  23.  fig.  8. 

1849.  Gein.  Quad.  Deutschi.  p.  132. 

1850.  d'Orbigny,  Prod.  de  Pal.  II.  p.  153. 

Schale  kegelförmig,  mit  5—6  treppenförmig  gekanteten  Umgängen,  die  ein  Gewinde  mit  einem 
Winkel  von  ca.  55  Grad  bilden.  Sie  ist  von  zahlreichen  ungleichen,  durch  zarte  Anwachslinien  durch- 
schnittenen und  gekörnten  Längsrippen  oder  Linien  bedeckt.  Eine  derselben  liegt  dicht  an  der  Naht,  eine 
zweite  stärkere  Gürtellinie  fällt  auf  die  obere  Kante  des  Umganges,  von  welcher  sich  die  Schale  nach  der 
Naht  hin  mit  einer  concav  aufsteigenden  Fläche  abdacht,  am  äusseren  Umfange  der  Schale  bilden  sich  zwei 
ähnliche  Gürtel  aus,  welchen  sich  auf  dem  letzten  Umgange  noch  mehrere  nach  unten  hin  anschliessen.  Die 
Zwischenräume  sind  mit  schwächeren  gekörnten  Streifen  oder  auch  feineren  Linien  erfüllt,  die  mit  den  sie 
durchkreuzenden  Anwachslinien  der  Schale  ein  äusserst  zierliches  Ansehen  ertheilen.  Die  Basis  ist  stark  ge- 
wölbt, ein  Nabel  nicht  sichtbar,  die  Mündung  ist  gross  und  rundlich.  In  der  Nähe  der  Mündung  macht  sich 
zuweilen  ein  Mundwulst  bemerklich.     Sie  erreicht   10  Mm.  Grösse. 

Vorkommen:  Nicht  häufig  im  unteren  Pläner  von  Plauen  und  Koschütz,  in  dem  unteren  Quader- 
mergel  der  Steinholzmühle  bei  Quedlinburg,  sowie  in  der  Tourtia  von  Tournay. 

5.  T.  Goupilianus  d'Orb.  —  Taf.  56.  Fig.  1. 

1842.     d'Orbigny,  Pal.  frang.  terr.  cret.  II.  p.  222.  PL  185.  %.  7—10. 

1849.  F.  Asterianus  und  Boyarms  Gein..    Quad.  Deutschi.  p.  132  (nicht  d'Orbigny).     Nicht  T.  Goupilianus  Gein., 

Quad.  Deutschi.  p.  132. 

1850.  d'Orbigny,  Prodr.  de  Pal.  II.  p.  152. 

Die  fast  ebenso  breite  als  hohe  Schale  windet  sich  in  4 — 5  stark  gewölbten  Umgängen  zu  einer 
Spira  von  90  Grad.  Sie  ist  mit  regelmässigen  Spiral-  oder  Längsrippen  besetzt,  welche  mehr  oder  minder 
deutlich  granulirt  sind.  Oft  treten  ihre  Körner  sehr  deutlich  hervor,  zuweilen  erscheinen  die  Rippen  fast  glatt. 
Basis  gewölbt,  Nabel  deutlich,  Mündung  gerundet.  In  der  Nähe  derselben  zuweilen  ein  schwacher  Mundwulst. 

Vorkommen:  Bis  20  Mm.  gross,  häufig  in  den  untersten  Schichten  des  Pläners  von  Koschütz  und 
Plauen,  sowie  auch  in  den  Conglomeratschichten  des  cenomanen  Grünsandes  im  Tunnel  von  Oberau.  d'Orbigny 
beschrieb  sie  aus  cenomanen  Schichten  von  Le  Mans  in  Frankreich. 

Turbo  Asterianus  d'Orb.,  Pal.  franQ.  terr.  cret.  II.  p.  216.  PI.  183.  fig.  18—20,  aus  dem  Gault 
hat  ein  spitzeres  Gewinde  und  eine  grössere  Anzahl  Spiralrippen ;  Turbo  royanus  d'Orb.  Pal.  franc,.  terr.  cr6t. 
IL  p.  223.  PI.  186.  fig.  1.  aus  senonen  Schichten  von  Royan  hat  glatte  und  flachere  Spiralrippen.  Hierzu 
gehört   das    im  Quad.  Deutschi.  p.  132    irrthümlich  zu  T.  Goupilianus  gestellte  Exemplar  von  Nagorzany. 

Operculum  von  Turbo  Goupilianus.  —  Taf.  56.  Fig.  2 — 4. 

1842.     Operculum  von  Turbo,  d'Orbigny,  Pal.  franc.  terr.  cret.  II.  p.  228.  PI.  186.  bis,  fig.  15—17. 

Sowohl  der  Grösse  als  dem  häufigen  Zusammenvorkommen  in  den  unteren  Schichten  des  cenomanen 
Pläners  von  Koschütz  und  Plauen  nach  scheint  dieser  kalkige  Deckel  gerade  zu  Turbo  Goupilianus  zu 
gehören. 

Er  bildet  linsenförmige  Körper  von  8  Mm.  Durchmesser  und  4  Mm.  Höhe,  mit  einem  scharfen 
Rande,  und  lässt  auf  der  schildförmig-erhabenen  äusseren  Fläche  8 — 10   spirale  Umgänge  unterscheiden.  Die 


—     255     — 

innere  glatte  Fläche    ist   in    der  Mitte   oft   nahelartig  vertieft  und  fällt    nach  dem  scharfen  Aussenrande   hin 
schief  ab.     d'Orbigny  hat  diese  Deckel  in  einer  ganz  ähnlichen  Weise  aus  Frankreich  abgebildet. 

6.  T.  Naumanni  Gein.   —  Taf.  56.  Fig.  56. 

Eine  kleine,  niedergedrückte  eiförmige  Art,  deren  Schale  zuerst  einige  stumpfe  Windungen  bildet 
und  sich  dann  schnell  in  zwei  breite  und  ziemlich  hohe  gewölbte  Umgänge  erweitert.  In  die  gewölbte  Basis 
senkt  sich  ein  deutlicher  Nabel  ein,  dessen  Hälfte  von  der  Innenlippe  der  rundlichen  Mündung  verdeckt  wird. 
Die  ganze  Oberfläche  ist  bis  an  den  Nabel  mit  gleich  starken  Spiralleisten  bedeckt,  welche  durch  schmälere 
Zwischenräume  getrennt  und  fein  granulirt  sind. 

Vorkommen:  Gegen  12  Exemplare  von  etwa  7  Mm.  Grösse   in   dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

7.  T.  Leonhardi  Gein.  —  Taf.  56.  Fig.  7. 

Die  kleine  Schale  ist  ähnlich  niedergedrückt,  wie  die  vorige  Art,  der  letzte  Umgang  etwas  weniger 
hoch  und  seine  Basis  flacher  gewölbt.  Nabel  deutlich,  Mündung  rundlich.  Die  ganze  Oberfläche  ist  mit  kurz- 
stacheügen  Längsrippen  besetzt,  zwischen  welchen  sich  an  dem  äusseren  Umfange  je  eine  feinere  Linie  einlagert. 

Vorkommen:  Bis  jetzt  nur  in  vier  Exemplaren  von  5 — 6  Mm.  Grösse  im  unteren  Pläner  von 
Plauen  gefunden. 

8.  T.  Plauensis  Gein.  —  Taf.  58.  Fig.  IL 

Oval-kegelförmig,  aus  vier  regelmässig  gewölbten  Umgängen  bestehend,  die  mit  hohen  entfernt  liegenden 
Querrippen  und  regelmässig  entfernten  Längslinien  verziert  sind.  Die  grosse  Mündung  ist  kreisrund.  Nabel 
fehlt.     3—4  Mm.  gross. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen. 

9.  T.  cf.  Raulini  d'Arch.  -  Taf.  61.  Fig.  1.  2. 

1847.    d'Archiac,  Mem.  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.  T.  II.  2.  p.  341,  PI.  23,  fig.  12. 

Eine  nur  3  Mm.  grosse  glattschalige  Art,  von  einer  ähnlichen  ovalen  Form  wie  manche  Natica- 
Arten,  von  diesen  aber  durch  ihre  kleinere  rundliche  Mündung  wohl  unterschieden,  wodurch  sie  zu  Turbo 
verwiesen  wird.  Man  zählt  vier  tiachgewölbte,  durch  die  vertiefte  Naht  deutlich  geschiedene  Umgänge,  die  ein 
kleines  Gewinde  mit  dem  Winkel  von  ca.  80  Grad  bilden,  während  der  letzte  Umgang  etwas  bauchig  ist.  Nabel  fehlt. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen;  nach  d'Archiac  in  den  gleich- 
artigen Schichten  von  Tournay  in  Belgien. 

Solarium  Lam.  1799—1801. 

1.     S.  Kirsteni  Gein.  —  Taf.  56.  Fig.  8. 

Von  3—4  Umgängen,  welche  die  kleine,  bis  5  Mm.  grosse  Schale  zusammensetzen,  bilden  die  ersten 
ein  stumpfes,  kaum  vorragendes  Gewinde,  während  sich  der  letzte,  stark  gewölbte  Umgang  schnell  erweitert. 
An  der  gewölbten  Basis  senkt  sich  ein  weiter  trichterförmiger  Nabel  ein.  Die  rundliche  Mündung  ist  etwas 
breiter  als  hoch.  Die  Bedeckung  der  Schale  besteht  aus  ungleichen,  höckerigen  und  gekörnten  Spiralrippen 
und  Linien.  Auf  dem  letzten  Umgänge  finden  sich  2—3  stachelkörnige  Linien  in  der  Nähe  der  Naht,  dann 
folgen  3  stärkere  höckerige  Rippen  an  der  Aussenseite  des  Umfanges,  zwischen  welchen  noch  ein  feinerer 
Gürtel  liegt.  Die  Basis  ist  bis  an  den  stumpf-höckerigen  Nabelrand  mit  4—6  fein  granulirten  Längslinien 
bedeckt,  wie  deren  auch  einige  noch  in  dem  Nabel  selbst  liegen. 

Vorkommen:  Selten  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 


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2.  S.  Zschaui  Gein.  —  Tat'.  56.  Fig.  9.  10. 

Bei  3 — 4  Umgängen  der  kleinen,  bis  5  Mm.  grossen  Schale,  ist  die  stumpfe  oder  wenig  erhabene 
Spira  treppenförmig  über  dem  letzten ,  stark  erweiterten  Umgange  abgesetzt.  Das  Unterscheidende  von  der 
vorigen  Art  und  von  anderen  liegt  in  der  Verzierung  der  Schale.  Auf  dem  oberen  Theile  eines  Umganges 
liegen  zunächst  zwei  Reihen  von  rundlichen  Knötchen,  welchen  eine  kielförmige  granulirte  Leiste  folgt.  Unter 
der  letzteren  nimmt  man  nur  einfache  glatte  Spirallinien  wahr,  die  nach  unten  hin  an  Stärke  abnehmen,  bis 
sie  zuletzt  auf  der  gewölbten  Basis  ganz  verschwinden,  um  hier  durch  ausstrahlende  Linien  oder  auch  durch 
einige  undeutliche  Höcker  vertreten  zu  werden.  Der  Rand  des  Nabels  ist  mit  einer  deutlichen  Reihe  von 
Knötchen  besetzt.     Die  Mündung  ist  rundlich. 

Vorkommen:  Selten  bei  Plauen. 

3.  S.  Reussi  Gein.  —  Taf.  56.  Fig.  11. 

Ihre  kleine  Schale  bildet  nur  3  Umgänge  mit  einem  eingedrückten  Gewinde.  Der  letzte  Umgang, 
welcher  2-5  Mm.  Breite  erreicht,  ist  stark  gewölbt  und  nimmt  langsam  an  Stärke  zu.  Er  trägt  4  Spiral- 
rippen, deren  beide  oberen  mit  spitzen  Höckern  besetzt  sind.  Eine  derselben  bildet  die  obere  Seitenkante 
der  Schale,  die  zweite  fällt  auf  die  Mitte  des  Umfanges,  die  dritte  bildet  die  untere  Seitenkante,  eine  vierte 
begrenzt  den  weiten  und  tiefen  Nabel  an  der  flach  gewölbten  Basis.  Durch  diese  Rippen  wird  die  Mündung 
der  Schale  rundlich-fünfseitig. 

Vorkommen:  Sehr  selten  in  dem  unteren  Pläner  von  Plauen. 

4.  S.  Ackermanni  Gein.  —  Taf.  56.  Fig.  12. 

Die  ersten  Umgänge  der  nur  2-5  Mm.  grossen  Schale  sind  eingedrückt  und  werden  von  dem  sich 
schnell  erweiternden  letzten  Umgange  stark  überragt.  Dieser  ist  nur  wenig  aus  der  Ebene  herausgewunden, 
an  seinem  oberen  und  unteren  Rande  gekantet  und  mit  acht  weit  von  einander  entfernten  Längsrippen  verziert, 
welche  von  zarten  Anwachslinien  überschritten  werden.  Der  weite  Nabel  ist  trichterförmig  eingesenkt,  die 
grosse  Mündung  schief-oval. 

Vorkommen:  Eine  grosse  Seltenheit  in  den  tiefsten  Schichten  des  unteren  Pläners  am  Forsthause 
bei  Plauen. 

Straparolus  l)  Montfort  1810.  (Euomphalus  Sow.  1812.) 

St.  Roemeri  Gein.  —  Taf.  57.  Fig.  6. 

Auch  im  Pläner  von  Plauen  sind  zwei  Exemplare  dieser  paläozoischen  Gattung  gefunden  worden,  welche 
mit  einer  in  der  Kreideformation  von  Californien  entdeckten  Art  2)  nahe  übereinstimmen,  sich  von  dieser 
jedoch  durch  ihre  weniger  breite  Mündung  unterscheiden.  Das  eine  unserer  Exemplare  wurde  angeschliffen, 
um    eine    grössere  Sicherheit   für    die  Bestimmung    der  Gattung  zu  erhalten  ;   denn  die  kleine  Schale  ähnelt 


')  In  Bezug  auf  die  Schreibweise  Straparollus  statt  Straparolus  bemerkt  ein  anerkannter  Philolog,  dem  ich  diese 
Frage  zur  Beantwortung  vorlegte:  Der  erste  Theil  kommt  wahrscheinlich  von  crToecpa),  drehen,  daher  oTpäßriloq  (=  aTpößiloq) 
gewunden  sein  für  „Schnecken"  einmal  gebraucht  worden  ist.  Der  zweite  Theil  soll  wahrscheinlich  mit  der  lateinischen  Diminutiv- 
endung wie  filiolus  schliessen.  Auch  das  griechische  6Xo$,  ganz,  entspräche  obiger  Schreibweise,  während  ich  zur  Recht- 
fertigung des  „ollus"  nichts  anführen  könnte. 

')  Straparollus  paucivolvus  Gabb,  in  Palaeontology  of  California,  Vol.  I.  i>.  120.  PI.  20.  fig  76. 


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sehr  einem  Ammoniten,  da  ihre  Mündung  fast  in  eine  Ebene  fällt.  Sie  bildet  vier  rundliche  Umgänge,  die 
weniger  involut  sind,  als  bei  Str.  paucivolvus  Gabb,  dagegen  weit  mehr  als  bei  Str.  Indiens  Stol.  l)  aus  der 
Ootatoor-Gruppe  von  Odium  in  Süd-Indien.  Die  ersten  drei  Umgänge  vereinigen  sich  zu  einem  eingedrückten 
Gewinde  (Fig.  6  a).  Der  an  der  Basis  der  Schale  sich  einsenkende  Nabel  erscheint  enger  und  tiefer.  Die 
Mündung  ist  kreisrund-elliptisch.  Oberfläche  glatt  und  nur  mit  einfachen  Anwachslinien  bedeckt.  10  Mm.  breit 
und  3  Mm.  hoch. 

Vorkommen:  Sehr  selten  im  unteren  Planer  bei  Plauen. 

Teinostoma  H.  u.  A.  Adams,  1853. 

1.  T.  cretaceum  d'Orbigny  sp.  —  Taf.  56.  Fig.  13. 
1847.    Rotella  cretacea  d'Orbigny. 

1850.     PitoneUus  cretaceus  d'Orbigny,  Prodi',  de  Pal.  IL  p.  223. 

1868.     Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  Southern  India,  Vol.  II.  p.  350.  PI.  25.  flg.  7. 

Die  glatte,  fast  linsenförmig  zusammengedrückte  Schale  bildet  2—3  nur  sehr  undeutlich  geschiedene 
Umgänge,  deren  erste  sehr  klein  sind  und  kaum  hervorragen.  Der  letzte  Umgang  erweitert  sich  sehr  beträcht- 
lich, ist  an  seinem  Umfange  stumpfkantig  und  an  der  Basis  gewölbt.  Von  dem  für  die  Gattung  charakteristi- 
schen Wulst,  der  den  Nabel  verdeckt,  zieht  sich  die  scharfe  Aussenlippe  mit  einer  S-förmigen  Biegung  um 
die  rundliche  Mündung  herum. 

Vorkommen:  Sieben  Exemplare  verschiedenen  Alters  bis  9  Mm.  breit  und  halb  so  hoch  liegen  aus 
dem  unteren  Pläner  von  Plauen  vor.  Nach  d'Orbigny  in  senonen  Schichten  von  Poudichery  in  Ostindien,  nach 
Stoliczka  sehr  selten  in  der  Arrialoorgruppe  von  Comarapolliam  in  Süd-Indien. 

2.  T.  Stoliczkai  Gein.  —  Taf.  56.  Fig.  14. 

Sehr  niedrig-kegelförmig,  der  vorigen  Art  ziemlich  ähnlich,  jedoch  durch  schnellere  Zunahme  ihrer 
ersten  Umgänge  und  dadurch  unterschieden,  dass  die  wulstförmig  hervortretende  Säule  von  einer  flach- 
coneaven,  durch  eine  Kante  begrenzten  Fläche  umgeben  wird. 

Vorkommen:  Vereinzelt  im  unteren  Pläner  von  Plauen. 

Stelsneria  Gein.,  1874. 

Schale  oval-kreiselförmig  mit  einem  hervorstehenden  Gewinde,  an  der  Basis  verengt  und  abgestutzt. 
Die  kleine  am  unteren  Ende  der  Schale  liegende  Mündung  ist  rundlich  und  zieht  sich  nach  dem  früheren 
Umgange  hin  in  einen  canalartigen  Fortsatz  aus,  der  indess  nur  durch  das  Zusammenstossen  der  Aussen- 
und  Innenlippe  der  Mündung  geschlossen  erscheint. 

St.  cepacea  Gein.  —  Taf.  58.  Fig.  12. 

Die  aus  einer  grösseren  Anzahl  (gegen  10)  fast  ebener  Umgänge  bestehende  Schale  bildet  zuerst 
ein  sehr  spitzwinkeliges  Gewinde ,  das  sich  schnell  in  eine  ovale  Form  erweitert  und  dann  allmählich  wieder 
verengt.  Die  einzelnen  Umgänge  sind  nur  sehr  undeutlich  von  einander  geschieden,  doch  tritt  an  den  ersten 
wenigstens  nicht  selten  der  Unterrand  etwas  hervor,  wie  Trochus  Btmeli  d'Arch.,  womit  man  diesen  Theil 
der  Schale  leicht  verwechseln  kann.     Die  ganze  Oberfläche   ist  mit    feinen  Spirallinien  dicht  besetzt,  die  nur 


')  Stoliczka,  Cret.  Gastr.  of  South.  India,  p.  285.  PI.  20.  fig.  7. 


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in  der  Nähe  der  Basis  von  deutlicheren  Anwachsstreifen  durchschnitten  werden.  Die  scharfe  Innenlippe  der 
fast  kreisrunden  Mündung  wird  von  einem  halbmondförmigen  Nabel  begrenzt.  Der  canalartige  Fortsatz  an 
der  oberen  Seite  der  Mündung  ist  bei  einigen  Exemplaren  noch  offen,  bei  anderen  geschlossen. 

Vorkommen:  Gegen  13  Mm.  hoch  nicht  selten  im  unteren  Pläner  am  Forsthause  bei  Plauen.